Mehr Demokratie wagen ….

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Mehr Demokratie wagen …

Im ServusTV Deutschland gibt es ein Format, das heißt „Links. Rechts. Mitte. Duell der Meinungsmacher“. Dort „kommen Gäste zu Wort, die tatsächlich etwas zu sagen haben und nicht nur die bekannten Phrasen austauschen. 60 Minuten Talkshow, die das Zeitgeschehen auf den Punkt bringt und dem Zuschauer Orientierung auch in turbulenten Zeiten spendet.” (Senderinfo)

Am Sonntag, den 24.4.2022 hatte man zur Diskussion zum Ukraine-Krieg eingeladen:

  • Jürgen Todenhöfer (Kriegsberichterstatter)
  • Evelyn Peternel (Außenpolitik-Journalistin beim „Kurier“)
  • Robert Stelzl (Autor/Unternehmer)
  • Andrew Denison (US-amerikanischer Publizist)

Wenn man deutsches staatsnahes und staatsdevote Fernsehen gewohnt ist, dann konnte man sich schon bei der Wahl der geladenen Gäste die Augen reiben.

Tatsächlich kamen dort Menschen und Meinungen zu Wort, die ansonsten in zwei Welten gehalten werden: Absolute Kriegsbefürworter und absolute Kriegsgegner, imperialistischer Weltgeist und antiimperialistische Gegnerschaft.

Auf der einen Seite ein fast sympathischer Imperialist und Publizist Andrew Denison. Er machte gar nicht erst den Versuch, Kriegsverbrechen auf Seiten der US-Armee und ihrer Alliierten zu verleugnen. Er nickt, wenn man ihn darauf anspricht und findet es ganz normal, genau das den anderen vorzuwerfen, wenn es einen propagandistischen Vorteil bringt. Auf die Frage, wer den Krieg in der Ukraine gewinnt, antwortet er ganz unaufgeregt: Die USA, natürlich, wir werden davon profitieren.

In leicht weichgespülter Version folgte ihm die „Russlandkennerin“ Evelyn Peternel vom „Kurier“. Man müsse alles tun, alles liefern, damit die Ukraine gewinnt.

Und auf der anderen Seite Jürgen Todenhöfer, der einst in der CDU war, zahlreiche Abrüstungsverhandlungen und Nato-Abkommen mitbekommen hat und heute ein echter Pazifist ist. Er war sehr oft in Kriegsgebieten, zuletzt in der Ukraine und in Russland. Er muss die russische Regierung weder verteidigen noch gutheißen, und kann in Ruhe ausführen, dass der Krieg in der Ukraine nicht erst 2022 begonnen hat, sondern mit dem Bruch, der Nichteinhaltung der Zwei-plus-Zwei-Zusagen 1990/1991, die Nato nicht in Richtung Osten auszudehnen.

Und dann ein mir unbekannter Blogger und Autor aus Österreich, Robert Stelzl, der den gerne zitierten Satz von der „Wahrheit, die im Krieg zuerst stirbt“ aufgreift. Für ihn stirbt sie viel eher vorher, wie zum Beispiel im US-Krieg gegen den Irak 1991, als man mit Kriegslügen einen Krieg vorbereitete. Und weiter: „Heute darf man in dieser Zensurgesellschaft nicht einmal mehr RT und Sputnik empfangen.“ Es kommt Widerspruch aus der Runde, denn man könnte doch hier frei kommunizieren. Darauf seine Antwort: „Hier in Österreich haben wir ein Gesetz beschlossen, wo sie bis zu 50.000 Euro Strafe bezahlen müssen, wenn sie RT-Inhalte weiterverbreiten. Also wo ist die Zensur …“

Kurzum, vieles, was in deutschen Talkshows durch die Auswahl der Gäste, durch manipulative Gesprächsführung gar nicht zur Sprache kommt, kann man in dieser Talkrunde „genießen“ und bekommt eine Ahnung davon, wie groß der Unterschied zwischen guter und böser Propaganda ist.

Was an der ganzen Talkrunde auffällt, ist der völlig ungewohnte Umgang der Moderatorin mit ihren Gästen. Sie redet nicht bzw. kaum dazwischen, sie protegiert nicht ihre „Schützlinge“, sie ist fast neutral, im guten Sinne. Sie lässt alle Seiten ausführlich zu Wort kommen und die „abweichenden Meinungen“ zum herrschenden Diskurs sind keine Feigenblätter.

Man kann viel über Zensur und Manipulationen in deutschen Medien reden. Man kann es sehr genau nachweisen, an der Auswahl der Gäste, an der Art ihrer Behandlung, an der demonstrativen Parteilichkeit der Moderation.

Aber es ist noch viel eindrücklicher, wenn man sich diese 60 Minuten anschaut. Man bekommt tatsächlich Meinungsverschiedenheiten, also ernste Gegensätzlichkeiten mit. Man bekommt keine Alibi-Dummies als „abweichende Meinung“, sondern Personen, die in der Tat „etwas zu sagen haben und nicht nur die bekannten Phrasen austauschen“.

Im muss es vorsichtshalber betonen: Es geht nicht um eine linke Berichterstattung. Es geht um jene bürgerlichen Standards, für die man angeblich an der Seite der Ukraine kämpft, damit sie erhalten bleiben.

Wenn man also diese ServusTV-Diskussion mit der deutschen Lanz- Talkshow vergleicht, bekommt man eine Ahnung davon, womit wir abgespeist werden, womit wir uns zufrieden geben. Und das bereits in “Friedenszeiten”.

Wolf Wetzel

Quelle und Hinweise:

Links. Rechts. Mitte – Duell der Meinungsmacher, Talkshow am 24.4.2022: https://www.servustv.com/aktuelles/a/links-rechts-mitte-naht-im-ukraine-krieg-die-entscheidung/224726/

Der Talkshow-Krieg wird weiblich – Lanz-Talkshow

 

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