Der NSU-VS-Komplex und der Pressekorpsgeist

Veröffentlicht von

Der NSU-VS-Komplex und der Pressekorpsgeist

 Sputnik-Interview mit Wolf Wetzel |Teil I

„Wie der Rechtsterror in Deutschland verschwiegen wird“

Es wird gerade viel über Fake News gesprochen, wenn sie zum Beispiel auf Facebook veröffentlicht werden. Man müsse diese Fake News aufspüren, sie aus dem Verkehr ziehen, lautet die Antwort. Darin sind sie sich alle einig: von BILD bis Spiegel, von Frankfurter Rundschau/FR bis Süddeutsche Zeitung/SZ. Man kann ohne Übertreibung sagen: Ein eindrucksvoller Pressekorpsgeist. Warum wollen gerade sie „Fake News“ auf Facebook jagen bzw. verbannt sehen?

Das Besondere an dieser illustren Jagdgesellschaft ist, dass sie jahrzehntelang Herren über Fake News waren. Sie hatten ein Monopol darauf, solange sie keine relevante Konkurrenz zu fürchten hatten. Das änderte sich in den letzten Jahren. Denn mit Facebook zum Beispiel bekam die klassische Berichterstattung ein mächtiges und einflussreiches Korrektiv. Tausende melden sich darin zu Wort. Sie stellen eigene Berichte ins Netz, veröffentlichten Fotos und Videos und widersprechen damit offiziellen Darstellungen und Medien, die diese für alternativlos zu verkaufen versuchen.

Wenn also diese illustre Jagdgesellschaft Jagd auf Fake News macht, dann geht es nicht um die Suche nach der Wahrheit, sondern um die Aufrechterhaltung dieses Meinungsmonopols. Dahinter steht die berechtigte Angst, dass sie um ihren Einfluss, um ihre (Deutungs-)Hoheit bangen müssen.

Ginge es wirklich, also nur einen Augenblick, ganz sachlich und objektiv um die Beseitigung von Fake-News, gäbe es diese „Leitmedien“ heute nicht mehr.

Diese auf den ersten Blick steile These läßt sich sehr detailliert und nachprüfbar am NSU-Komplex ausführen und begründen.

Über zehn Jahre war in allen Printmedien, auf allen Fernsehkanälen in großer Einmütigkeit von „Döner-Morde“ die Rede, von „Döner-Killern“ in einer „düsteren Parallelwelt“. So wurde jahrelang die neonazistische Mordserie vom Jahr 2000 bis 2007 kommentiert. Alle übernahmen kritik- und distanzlos die Polizeiversion. Niemand formulierte Zweifel an diese Version. Niemand ging den zahlreichen und evidenten Hinweisen nach, die es schon damals gab, dass es sich nicht um Mordtaten unter „kriminellen Ausländern“ handelt.

 

Mit der Übernahme der „Döner-Mord“ Version beteiligten sich die Medien an der Denunziation der Opfer, an deren Kriminalisierung als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung.

Die offizielle Version zu hinterfragen, sie auf tatsächlich vorhandene Beweise abzuklopfen, den Spuren nachzugehen, die in der offiziellen Version keine Rolle spielen, die zu Wort kommen zu lassen, die schon damals massive Zweifel an den polizeilichen Ermittlungen geäußert haben und von der Polizei daraufhin bedroht wurden, all das unterließen die Medien, die sich gerne, an Festtagen, als „vierte Gewalt“ inszenieren, als Kontrollinstanz gegenüber staatlichen Institutionen und politischen Entscheidungen.

„Der Journalist und Soziologe Wolf Wetzel hat in den vergangenen Jahren den gesamten Prozess und alle Medienbeiträge zum NSU-Komplex begleitet und studiert. Ihm fällt auf: Die Medien haben offensichtliche Ungereimtheiten und Widersprüche – wie die Aktivitäten vieler V-Männer im NSU-Umfeld – ignoriert. Darunter selbst investigative Blätter wie die „Süddeutschen Zeitung“. Sputnik-Korrespondent Alexander Boos hat sich mit Wetzel darüber unterhalten.“

Teil I: Über die „Döner-Morde“ der Leitmedien. Über Fake News Produzenten, die zur Jagd auf „Fake News“ aufrufen | 13 Minuten

Wolf Wetzel | 7.4.2019

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.