Im Westen nichts Neues

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Im Westen nichts Neues

Der Antikriegsklassiker von Erich Maria Remarques aus dem Jahr 1928 kommt inmitten eines Krieges, der alles für einen Dritten Weltkrieg mitbringt, als Neuverfilmung zurück.

Der Schauspieler Felix Kammerer wagt einen Gegenwartsbezug: „Der Stoff ist genau deswegen aktuell, weil wir traurigerweise genau wieder in dieser Situation sind und es offensichtlich einfach nicht aufhört. Und das ist so erschreckend, und gerade deswegen braucht man, glaube ich, wieder so eine Erinnerung daran.“

 

Feldpostkarten für die Heimatfront 1915

 

Warum ist dieser Antikriegsfilm so wichtig? Warum kommt dieser Film, der im Ersten Weltkrieg spielt, der heutigen Situation so nahe?

Im Westen nichts Neues

Nachwehen

Es gibt auf Overton ein mir wichtiges Ereignis, das auch auf heute verweist: Warum „fiel“ selbst Karl Liebknecht um, als es um die Zustimmung der Kriegskredite im Reichstag am 4. August 1914 ging?

Ein Kommentar ließ mich zweifeln, ob ich das richtig in Erinnerung behalten habe:

„Hier ein, wie ich meine, wichtiges Originalzitat des deutschen Sozialisten und Antimilitaristen Karl Liebknecht. Er schwieg im August 1914 und erklärte gegen die erneute Bewilligung von Krediten zur Kriegsfinanzierung am 2. Dezember 1914 im Reichstag öffentlich:

Die deutsche Parole „Gegen den Zarismus“ diente – ähnlich der jetzigen englischen und französischen Parole „Gegen den Militarismus“ – dem Zweck, die edelsten Instinkte, die revolutionären Überlieferungen und Hoffnungen des Volkes für den Völkerhaß zu mobilisieren. Deutschland, der Mitschuldige des Zarismus, das Muster politischer Rückständigkeit bis zum heutigen Tage, hat keinen Beruf zum Völkerbefreier. Die Befreiung des russischen wie des deutschen Volkes muß deren eigenes Werk sein.“ Quelle https://rotefahne.eu/1914/12/spartakus-gegen-den-krieg-1914-15

Später wurde Karl Liebknecht als Armenierungssoldat eingezogen.“

Ich wurde unsicher und fragte nach:

„Ich schätze die politischen Gedanken von Karl Liebknecht sehr und das Zitat zeugt davon, dass er sehr wohl wußte, dass man auf keinem Fall auf der einen oder anderen Seite „kämpfen“ (Zarismus/ Kaiserreich) sollte. Aber jetzt wird es doch spannend und lehrreich: Warum hat dann dennoch Karl Liebknecht bei der Abstimmung über die Kriegskredite zugestimmt bz. nicht dagegen gestimmt? Was meinen Sie mit „schwieg“ im August 1914?“

Der Kommentator antwortete:

„Mein Kenntnisstand in dieser Frage ist der: Karl Liebknecht argumentiere in der SPD-Reichstagsfraktion in deren Sitzung am 3. August 1914 massiv gegen die Zustimmung zu den Kriegskrediten. Am 4.8.1914 unterwarf er sich der Fraktionsdisziplin und stimmte im Reichstag zu. In der Reichstagssitzung am 2.12.1919 blieb Liebknecht als einziger MdR bei der offenen Abstimmung durch Aufstehen sitzen. (In diesem Zusammenhang steht die zitierte Passage aus Liebknechts öffentlicher Erklärung.) In der dritten Sitzung des Reichtags zu diesen Krediten in Form eines Nachtragshaushalts zur Kriegsfinanzierung am 20. März 1915 stimmten die SPD-Abgeordneten Karl Liebknecht und Otto Rühle dagegen.“

Ich danke ihm für diese Präzisierung, denn es berührt etwas, womit wir es auch heute zu tun haben: „Vielen Dank für die wichtige Ergänzung. Ja, so habe ich es auch in Erinnerung. Aber man muss sich vorstellen, was es für einen gewaltigen Druck, gerade auch innerhalb der SPD gab, dem zuzustimmen. Ich frage mich nur, warum er nicht gegen den Fraktionszwang gestimmt hat, wobei ich sehr wohl weiß, was es bedeutet, wenn man sich damit auch noch Freunde zu Feinden macht.“

 

Quellen und Hinweise:

Im Westen nichts Neues, ttt vom 18.9.2022: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/ttt-18092022-im-westen-nichts-neues-100.html

Junius-Broschüre, Rosa Luxemburg, 1915

Geschichte eines Deutschen, Die Erinnerungen 1914-1933, Sebastian Haffner, Phantheon, 2014

Eine Gutenacht-Geschichte, Hans See, Ossietzky, Sondernummer August 2022: Krisen und Kampfzonen, Nr. 16/17

 

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