Macht. Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird.

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Macht. Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird.

Eine Buchbesprechung. Auszüge aus der Rezension von Claus Stille

„Warum die Gedanken der Herrschenden als die eigenen ausgegeben werden

Klaus-Jürgen Bruder beschäftigt sich in seinem Beitrag damit, was für die Übernahme der Gedanken und Idee der Herrschenden durch die Beherrschten entscheidend ist und warum diese dann als die eigenen ausgegeben werden, um ihnen folgen zu können. Wir täten dann so, als ob wir einem Befehl folgten. Bruder: „Dann realisiert sich das Subjekt als Herr seines eigenen Sprechens und Handelns.“

Und weiter: „Die Herstellung dieser Loyalität läuft nicht nur über die Medien, die ‚Meinungsmacher‘ (Albrecht Müller), die ‚Manufakturen des Konsens‘ (Noam Chomsky).“ In Puncto „Loyalität den ‚Oberen‘ gegenüber, dass es schon ’seine Richtigkeit habe, was sie von uns verlangen, spielt zumindest am Anfang eine Rolle, dass die Bevölkerung überhaupt die ‚Angst‘ übernehmen und entwickeln konnte, die Herrschaft braucht, um ‚unliebsame‘ Forderungen durchzusetzen. Wir können nach Milgram (1974) mit der Bereitschaft rechnen, Gehorsam gegenüber autoritären Anweisungen zu zeigen, auch dann, wenn diese im Widerspruch zu den Forderungen des eigenen Gewissens stehen.“ (…)

„Wie der Begriff „Verschwörungstheorie“ von der CIA eingeführt wurde und seit 9/11 abermals inflationär angewendet wird

Ein Autorenbeitrag auf seine Weise interessanter wie der vorangegangene! Mathias Bröckers befasst sich (S.166) als sozusagen ausgewiesener Experte für den vom CIA im Zusammenhang mit dem Mord an John F. Kennedy 1963 eingeführten Begriff „Verschwörungstheorie“, der gegen Kritiker der offiziellen Version des des Geschehens angewandt wurde und nun seit 9/11 abermals inflationär benutzt werde.

Bröckers geht in seinem Beitrag ebenfalls auf die Fälle von Julian Assange und Edward Snowden, gegen die – wie die Herausgeber anmerken: „eine gnadenlose Inquisition eingesetzt wird, wie Hannes Sies (S.237) am Beispiel des Umgangs der Mainstream-Medien mit der skandalösen Verleumdung, Verfolgung und Gefangennahme von Julian Assange zeigt; also einer der berühmtesten Journalisten ausgeschaltet werden kann und welche Rolle die Medien dabei spielen.“

Als durch die Beteiligung am ersten deutschen Angriffskrieg seit 1945 die BRD die Unschuld verlor

Ausdrücklich sei hier auch auf den wichtigen Beitrag zum ersten deutschen Angriffskrieg seit 1945 (gegen Jugoslawien) 1999 von Kurt Gritsch (S.191) verwiesen, wo Gerhard Schröder und Joseph Fischer sozusagen dafür sorgten, dass die BRD ihre Unschuld verlor. Nebenbei bemerkt: Kurt Gritsch hat seine Doktorarbeit unter dem Titel „Die Inszenierung eines gerechten Krieges?“ verfasst. Dazu mehr in meinem Bericht über einen Vortrag von Kurz Gritsch vor einigen Jahren in Kassel.

Was, wenn sich Enttäuschungen in den kommenden Bundestagswahlen Luft machen?

Unbedingt möchte ich hier ebenfalls auf den Beitrag von Wolf Wetzel „Der Mord an Walter Lübke und die Auferstehung der Untoten“ (S.220) hinweisen. Im Nachgang zu seinen Ausführungen gibt Wetzel zu bedenken:

„Aber die Verhältnisse sind mehr als prekär. Die bis heute nachwirkende Finanzwirtschaftskrise 2007, die Wirtschaftskrise 2019 und die Kosten der Corona-Maßnahmen addieren sich zu unglaublichen Summen auf, die sehr bald dort eingetrieben werden, wo eh nicht viel ist. Das Vertrauen in Deutschland ist mehr als geliehen.“

Und er fragt sich (S.234): „Was passiert, wenn sich“ Enttäuschung in den kommenden Bundestagswahlen „Luft macht und alle abstraft, die dem Wahlvolk nur noch AHA-Regeln erklären wollten?“

Macht.Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird.

Klaus-Jürgen Bruder, Almuth Bruder-Bezzel (Hg.), Westendverlag 2021

Quelle:

https://www.freitag.de/autoren/asansoerpress35/macht

Der Mord an Walter Lübcke am Ende der Nicht-Aufklärung

 

Vorschau auf die anstehenden Bundestagswahlen im Herbst 2021

Da wir uns recht schnell neuen Inzidenzen, neuen Virus-Varianten und uralten Machtkonstellationen nähern, möchte ich meine angedeutet düstere Lagebeschreibung aus dem Buch, an dieser Stelle ausführen. Im Nachhinein habe es ja alle gewußt …

Mit Blick auf den Lübcke-Mord (2019), das völlige Fehlen einer linken Intervention, die fast völlige Spachlosigkeit gegenüber dem Umstand, dass Faschisten nun Politiker aus der bürgerlichen Mitte ermorden, das vollständige Ausbleiben einer Anlayse, was dies für die Einschätzung der gegenwärtigen politischen Lage bedeutet, aber auch, wie der Staat, seine politischen Machtträger darauf reagieren, dass der politische und operative Begleitschutz neonazistischer Gruppierungen Opfer in den eigenen Reihnen gefordert hat, endet der Beitrag im Buch mit folgenden Worten:

“Die Geschichte wiederholt sich nicht einfach „und wenn als Farce“ (Karl Marx)

Die ökonomischen und politischen Bedingungen in der Weimarer Republik der 1920er und 1930er Jahre sind sicherlich nicht mit heute vergleichbar. Ins Auge stechen zwei gravierende Unterschiede: Zum einem gab es damals eine relativ starke parlamentarische Opposition, in Gestalt der KPD, starke, kampfbereite Gewerkschaften, die sogar ihre eigenen „Kampfverbände“ hatten. Die Angst, man könne diese Opposition, die Arbeiterklasse nicht mehr einhegen, nicht mehr durch Kompromisse befrieden, war groß. Zum anderen war die ökonomische und geopolitische Lage in den 1930er Jahren eine andere. Damals lag Deutschland als imperiale Macht geschlagen am Boden, in Folge des verlorenen Ersten Weltkrieges, in Folge eines Versailler Vertrages, der ein militärisch starkes Deutschland untersagte und durch festgelegten Reparationszahlungen auch ökonomisch in Schach hielt. Von diesen „Lasten“ kann heute keine Rede sein. Die politische Klasse braucht heute keinen Faschismus, um Weltmachtambitionen zu verfolgen, um im kapitalistischen Konkurrenzkampf ganz oben mitzuspielen.

Aber die Verhältnisse sind mehr als prekär. Die bis heute nachwirkende Finanzwirtschaftskrise 2007ff, die Wirtschaftskrise 2019 und die Kosten der Corona-Maßnahmen addieren sich zu unglaublichen Summen auf, die sehr bald dort eingetrieben werden, wo eh nicht viel ist. Das Vertrauen in Deutschland ist mehr als geliehen.

Aber was passiert, wenn sich die Versprechen in Luft auslösen, die mit dem „harten“ Lockdown Ende 2020 und der Rettung durch einen Impfstoff eng verbunden sind? Was passiert, wenn sich diese Enttäuschung in den nächsten Bundestagswahlen Luft macht und alle abstraft, die dem Wahlvolk nur noch AHA-Regeln erklären wollten?

 

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