Der Proteststurm gegen die Documenta 15 – Ein Dokument „progressiven“ Herrenmenschentums

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Der Proteststurm gegen die Documenta 15 – Ein Dokument „progressiven“ Herrenmenschentums

Der Kampf gegen den Antisemitismus als Regierungsformat bekämpft nicht den Judenhass, sondern schützt imperiale und postkoloniale Verhältnisse

Wenn es nicht so niederschmetternd wäre, müsste man dankbar sein, über das, was ein Wandbild auf der Documenta 15 in Kassel im Jahre 2022 ausgelöst hat und die VIP-Lounge dahinter zum Toben bringt.

Klar, eigentlich war man ziemlich liberal und offen:

Man lud die indonesischen Künstlergruppe Ruangrupa ein, die Documenta 15 zu gestalten. Auch das Thema Kolonialismus war eigentlich nicht so das Problem. Wenn es lange zurückliegt, kann man sich entschuldigen, ein bisschen Raubkunst zurückgeben und daraus auch noch kulturellen Profit generieren:

Der Proteststurm gegen die Documenta 15: Ein Dokument »progressiven« Herrenmenschentums

P.S. : Der weiße Mann im blütenweißen Anzug ist der US-Präsident Gerald R. Ford, der von 1974 – 1977 Präsident der USA war. 1975 begrüßte er Suharto, den Diktator und Massenmörder  auf Camp David.

Von der Bildsprache bis zur Bildlöschung in vier Akten

Akt I

 

Akt II

Akt III

 

 

 

 

 

 

Akt IV

 

 

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4 Kommentare

  1. Noch eine Anmerkung zum Ablauf des „Mundtotmachens“ bei der documenta

    Die Aktionen der Propagandamaschinerie sind immer die gleichen:
    Aus einer Mücke einen Elefanten machen, damit der Elefant im Raum übersehen wird, großes Empörtheits-Schaulaufen in Verbund mit Entrüstetheits-Selbstdarstellungen, gefolgt von Beschimpfungen, Verleumdungen und Diffamierungen der selbst zurecht geschusterten vermeintlichen Gegenseite, Forderungen nach Ausstoß aus der Gesellschaft, nach Arbeitsplatzverlust und Zerstörung der wirtschaftlichen Existenzgrundlage, Aufstachelung eines Mobs, der in „sozialen Medien“ einen „Shitstorm“ oder Schlimmeres auslöst. Regierung und Staatsfunk Hand-in-Hand.

    Dieser stets gleiche Vorgang wird dann, obendrein, i. S. v. „Nachtreten“, zum Hohn der solchermaßen Geschändeten, durchaus auch noch als „demokratische Debattenkultur“ bezeichnet.

    Erinnert doch irgendwie an mittelalterliche Vorgänge, oder? Dass bislang noch keine Scheiterhaufen errichtet wurden, liegt vermutlich an Klimaschutzbestrebungen.

    Ein PS:
    Die Eröffnungsrede des Bundespräsidenten habe ich zwar nicht live gehört, aber in Ruhe gelesen.
    Auf mich wirkt sie scheinheilig, inhaltlich falsch und ungebührlich, rüpelhaft gegenüber Gästen unseres Landes, die wesentlich an ihrer Bevölkerung begangene Gräueltaten dokumentierten. Gräueltaten, an denen der BND mutmaßlich beteiligt war und von denen ein ehemals Beauftragter für die Nachrichtendienste des Bundes (BND, BfV, MAD) möglicherweise gerne ablenken will.

    Das ist mein persönlicher Eindruck und meine Meinung. Muss ich nicht „begründen und belegen“.
    Möchte ich gerne dennoch machen.
    Das ist allerdings zeitaufwendig, denn, dieses (fragwürdige) Kompliment muss man dem Schreiber der Rede machen, sie (die Rede) ist so konstruiert, dass ihre Perfidie die größtmögliche Wirkung entfaltet. (S. Ereignisse nach dieser Rede.)

    PPS: „Die Scheinheiligen“ – wäre das nicht ein brauchbarer Titel für eine mögliche Artikelserie (z. B. zu besonders prägnanten Angehörigen dieser Spezies) eines Leser/innen dieser Seite bekannten, ehrenwerten Journalisten, dessen Namen ich aus Verfasser-Schutzgründen nicht nenne (natürlich auch, um den Verfassungsschutz in die Irre zu führen).

    PPPS: Sehe gerade, dass es einen Film gibt, der so heißt
    https://www.imdb.com/title/tt0296842/
    Was soll‘s, ein guter Titel ist ein guter Titel.

  2. Nachtrag:
    Zitat aus dem Overton-Artikel:

    „Wer von den herrschenden Medien geleitet und geführt wird, war tatsächlich auch irritiert. Ich auch.
    Warum muss man ein Schwein als »Mossad« markieren, was hat der israelische Geheimdienst Mossad in der postkolonialen Geschichte Indonesien zu suchen?
    Wenn man keine Ahnung hat und auch nicht nachfragt, wird man schnell im inneren Dialog mit sich zu dem Schluss kommen: Nichts.
    Das hat zwar gar nichts mit der Geschichte Indonesiens zu tun, umso mehr mit der eigenen Ignoranz.
    Man will sich nicht dabei stören lassen, diese Motive mit antisemitischen Weltbildern und Stereotypen zu verknüpfen, um sich wertegeleitet und völlig entrüstet abzuwenden.
    Aber warum hat niemand gefragt, warum die daran beteiligten Künstlerinnen und Künstler dies so gemacht haben? Warum wissen »wir« sofort, was bei denen abgeht? Warum fragen »wir« sie nicht erst, bevor wir sie verurteilen?“

    Sich nicht selbst ausnehmen und dann sogleich in medias res gehen.

    Finde ich gut.

    1. Danke. Ja, ich habe gelernt, dass man nicht einfach auf der “guten” Seite ist, sondern immer wieder darum ringen muss, nicht zu den “Bösen” zu gehören.

  3. „Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun.“
    Shakespeare, Kaufmann von Venedig, 3, Aufzug, erste Szene
    (Oder: Den Film „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch anschauen.)

    Heraushebung: „in allen Dingen gleich“!

    Jemanden aufgrund seiner/ihrer Volks- oder Religionszugehörigkeit von jeglicher Kritik auszunehmen, ist auch Rassismus bzw., wie hier seitens der Kunst-Ignoranten in „Hauptstrom“-Medien und Politik vorgetragen, Antisemitismus.

    Menschen können alles mögliche sein, Engel auf Erden wie das Böse unter der Sonne, egal welchem Volk, welcher Religion, welcher „Rasse“ (ich kenne „Hunderassen“, wusste bislang nicht, dass auch Menschen gezüchtet werden) oder welchem Fußballclub sie angehören. Alle Menschen sind ohne Unterschied kritisierbar, da gibt es keine Ausnahmen.

    Und wer den Antisemitismus, der sich durch die europäische Geschichte zieht (der des „Werte-Westen“ samt seiner Westentaschen-Akteure), nicht schlicht und wie es sich gehört zurückweist, sondern für eigene propagandistische Zwecke nutzt, um Kritiker/innen einer staatlichen, also von herrschenden Menschen gemachten Politik zu diffamieren, ist sozusagen doppelt Antisemit: In seiner/ihrer Negierung der Gleichheit von Menschen und in der Verleumdung samt folgender Ausgrenzung von Menschen, die eine menschenrechtsfeindliche staatliche Politik kritisieren.

    An der Reaktion der deutschen „Elite“ auf das Werk indonesischer Künstler kann man ablesen: Eine absolute Ungebildetheit. Dem Bundespräsidenten sollte man ins „Stammbuch“ oder ins „Pflichtenheft“ schreiben, Schulstoff aus der Sek I nachzuholen, Stichwort „Bildinterpretation“ und ihre Voraussetzungen.
    Das fängt harmlos an: Erst einmal hinschauen, genau hinschauen und beschreiben, was man tatsächlich sieht (nein, an der Stelle sind keinerlei Bewertungen, geschweige denn medienwirksame Empörtheits-Äußerungen zulässig). Wer sich für die weiteren Schritte interessiert, kann das Stichwort in der bevorzugten Suchmaschine eingeben (wie wäre es mit, aktuell passend, „Yandex“? Seitenhiebe müssen sein).
    Hausaufgabe für den Bundespräsidenten: „Nimm Stellung zur Frage der Unterscheidung von naiver Kunst, abstrakter Kunst und entarteter Kunst! Begründe und belege.“

    Die Wiederkehr des Verdrängten, im Orwellschen Sprachduktus gehalten: Ein indonesisches Kunstwerk, dass die Kolonialzeit, eine brutale Diktatur und die Machenschaften der „Werte-Westen“ darstellt, gilt als „antisemitisch“, womit eigentlich gemeint ist: entartet.

    Deutschland im Jahr 2022, 80 Jahre nach „Stalingrad“

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