Bericht von der Berliner Großdemonstration der Regierungskritiker*innen und Coronaleugner*innen mit einigen aktivistischen und soziologischen Überlegungen. Von Gerhard Hanloser

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Bericht von der Berliner Großdemonstration der Regierungskritiker*innen und Coronaleugner*innen mit einigen aktivistischen und soziologischen Überlegungen

Von Gerhard Hanloser

—- Plus ein weiterer Demo-Bericht — mit sich aufdrängenden Fragen —

 

In Berlin kam am 1. August 2020 zusammen, was sich sonst als regionales Phänomen recht unterschiedlich präsentierte: ein öffentlich sichtbares neues politisches Milieu, das sich selbst gerne als „Querdenker“ oder „Coronarebellen“ bezeichnet, und aus verschiedenen Gründen mit den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung nicht einverstanden ist. Betrachtet man politische Aussagen, habituelle Demonstrationsperformanz und den politischen Hintergrund der Demonstrierenden, sowie etwaige politische Ideologien oder Denkströmungen, die hier wirksam werden, dann hat man den Eindruck, dass man es mit dem schillernden Zerfall des Politischen zu tun hat. Hier passt nichts zusammen: wenn sich die Demonstrierenden auf einen Gesellschaftsentwurf einigen müssten, wäre heilloses Hauen-und-Stechen angesagt. Wenn das Wesen des Politischen allerdings die Freund-Feind-Unterscheidung ist, dann folgt diese Bewegung der Logik des Politischen. Der Feind ist klar: die Regierung, personifiziert in Angela Merkel. Dem gesellt sich das aus der antimigrantischen und rechten Pegida-Bewegung bekannte Feindbild der „Lügenpresse“ hinzu und der Zweifel an, bis Hass gegenüber einer als Expertokratie empfundenen Medizinerschicht, die dank der Coronakrise eine neue gesellschaftliche Bedeutung erhalten hat, wie dem Virologen Drosten der Charité oder dem Robert-Koch-Institut. Bei sehr vielen Demonstrierenden spielt eine ablehnende Haltung gegenüber dem Impfen und die Furcht vor einer Impfpflicht eine große Rolle, ein kleinerer Teil der Aktivist*innen sieht verschwörerische Kräfte nicht nur in der Corona-Krise, sondern als generelle gesellschaftliche Grundsituation am Werk, die von Bill Gates bis zu einer ominösen „New World Order“ reichen würde. Von pathologischen Verschwörungsgepeinigten reicht dies bis zu Akteur*innen in einem gut am Bedarf nach Verschwörungsideologien verdienenden Marktsegment.

Teilnehmerin der Querdenker-Demo in Berlin

In einem Aufruf zur Demonstration war von der gebotenen Verhinderung einer „kommunistischen Diktatur“ unter Angela Merkel die Rede, einer der vielen Irrsinnsmomente, die in der Bewegung nicht nur toleriert Platz finden können, sondern sie im Kern ausmachen. Eine solche Anklage ist kein Sonderphänomen der Protestierenden in Deutschland: Bereits während der Pro-Trumpistischen Tea-Party-Bewegung wurde Obamas staatliches Care-Programm als „Comunism“ abgelehnt und auch in der sehr rechts ausgerichteten spanischen Bewegung gegen die Anti-Corona-Maßnahmen der Regierung, finden sich überdrehte antikommunistische Anklagen gegen die Regierung Pedro Sánchez. Dies zeigt eine bereits in der Grundanlage antikommunistische Prägung der Bewegung, in der klassische bundesdeutsche Wohlstandsbürger (beispielsweise aus Stuttgart) das Sagen haben, die bislang ihre Energie eher im Kleintierzüchterverein verausgabt haben, und ostdeutsche Wende-Irritierte (das Pegida-Milieu) ihren rebellischen Platz einnehmen.

Neben „Wir sind das Volk“ ist eine der beliebtesten Parolen auf der Berlin-Demo „Freiheit“. Nicht wenige Demonstrierende wähnen sich in einer Diktatur, tolerieren aber jene, die ganz offen bekunden, eine autoritäre Herrschaft, ein Reich oder anderes, anzustreben.

I.

Ich komme Unter den Linden an. Der Demonstrationszug formiert sich. Normaler könnten die Leute, die hier zusammen kommen nicht aussehen. Es ist fast alles dabei: klassische Familien mit Kindern bei sich, der jugendliche Hippie, den man auch auf einer Goa-Party der 90er Jahre hätte treffen können, ein Vierzigjähiger trägt sogar ein „Minor Threat“-T-Shirt, musikalische Helden meiner Jugend. Ansonsten alles sehr bürgerlich, allerdings ästhetisch ärmlich. Mittvierziger mit Sandalen und komischen Hosen, Pegida-Style. Ich falle kaum auf. Mit einem an Pierre Bourdieu geschulten Blick könnte man sagen, dass hier ein Milieu dominierend unterwegs ist, das offensichtlich wenig Zugriffsmöglichkeiten darauf hat, sich ästhetisch den Anschein von Hipness oder modischer Avanciertheit zu geben. Das kulturelle und besonders ästhetische Kapital ist gering. Der Demonstrationszug erscheint mir von der sozialen Zusammensetzung der Gelbwestenbewegung in Frankreich ähnlich zu sein. Was allerdings auffällt ist die rein weiße und sehr deutsch-kartofflige Zusammensetzung der „Corona-Rebellen“.

II.

Aus diesem sozialen Rahmen proletarisierter Kleinbürger*innen fallen allerdings die „Friedenfahrzeuge“ heraus, die den Umzug prominent begleiten. Diese verweisen auf ein finanziell besser gestelltes bürgerliches Milieu. Ursprünglich hatte das Ehepaar Christian und Silke Volgmann, Werbetechniker aus Greifswald, die Idee. Diese konnte sich offensichtlich fast in der gesamten Republik verbreiten. In Hamburg hatte ein Unternehmer mehrere Autos seines Fuhrparks entsprechend als „Friedensfahrzeug“ umgestaltet. Frieden muss sexy werden, propagieren die Volgmanns, Kurt Tucholsky-Sprüche zieren ihre professionellen Werbeflyer. „Frieden mit Russland“ steht im Mittelpunkt, eine Parole, die auch auf vielen T-Shirts steht und die die Mahnwachen-Szene prägte. Im Internet werden Interessierte aufgefordert, ihre Autos ebenfalls im einheitlichen Design zu folieren. Kosten trägt man in Form einer Spende. Die automobilen „Friedensbotschafter“ kommen im Polizeidesign daher. Auf der Berlin-Demo baumelten aus einigen der zahlreichen Wagen Ballons mit dem alten 80er-Jahre-Friedenstauben-Symbol, nur dass die Autos und wohl auch die Gedankenwelt der Fahrzeughalter*innen andere sein dürften. War das Friedensbewegungsmilieu der 80er eher skeptisch gegenüber der Automobilgesellschaft und – auch wenn aus dem Bürgertum stammend – antibourgeoise, ökologisch und tendenziell staatskritisch eingestellt, so sind die heutigen Friedensfahrzeugbetreiber autobegeistert, gutbürgerlich und affirmieren die polizeiliche Exekutive, der sie sich bereits in ihrem Design anbiedern und angleichen wollen.

Dies passt zu der von den Veranstalter*innen auf der Samstagsdemo bekundeten Haltung zur Polizei. Sie signalisierte eine hohe Bereitschaft, mit der Polizei zu kooperieren, diese sei nicht der Feind, auch hier gäbe es Maulkörbe, die aber jeder Zeit fallen könnten. Neben empörten „Pfui!“-Rufen, wenn Polizisten auftauchen, sind vermehrt Rufe in Richtung Polizei zu vernehmen mit der Aufforderung „Schließt euch an!“. Vor dem Hintergrund eines hohen Anteils von rechten Strukturen innerhalb der deutschen Polizei wundert diese Affinität nicht.

III.

Ich gerate zufällig in eine Situation, in der zwei türkische Kommunisten am Rand der Demo, die sie offensichtlich kritisch und agitatorisch begleiten, in einem Streit mit einer älteren Frau liegen. „Welche Informationen werden Ihnen denn vorenthalten?“, will der Kommunist laut wissen, die Frau raunt, die Medien seien gleichgeschaltet, Corona sei doch nur eine Grippe, immer wieder Drosten. Sie ist allerdings defensiv. Ich schalte mich ein. Plötzlich bricht aus ihr heraus, sie sei ständige Bibliotheksbesucherin, in ihrer Heimatstadt wäre diese ewig geschlossen gewesen. Ich erinnere mich daran, dass die Freundin eines Freundes als Bibliotheksangestellte auch davon berichtete, dass es gut zwei Dutzend quasi wohnungslose Bibliotheksbesucher gebe, die die Schließung des Bibliotheken während des Lockdowns schwer traf. Hinter den offiziellen Sprachmodulen der Corona-Maßnahmen-Kritiker*innen liegen also bei den Teilnehmer*innen der Demonstration ganz unterschiedliche soziale Erfahrungen und Realitäten.

IV.

Zwei Frauen haben auf ihre Maske „Höhere Löhne“ gemalt.

Ich spreche sie an, erkläre ihnen, dass sie die einzige sinnvolle und vernünftige Parole, die ich gesehen habe, ausgeben. Sie freuen sich. Die eine erklärt: „Ja, denn nur so kommt unsere Gesellschaft wieder voran und so bekommen wir einen Aufschwung hin.“ Ich freue mich nicht. Denn diese Antwort verweist darauf, dass auch die beiden im falschen Wir eines ominösen Gesamtinteresses agieren und nicht als selbstbewusste Arbeiterinnen, die ihr Klasseninteresse durchsetzen wollen. Nicht nur der Marxismus, auch jede kämpferisch-gewerkschaftliche Haltung ist vollkommen abwesend.

Immer wieder sehe ich allerdings einzelne Leute, die in vergangenen Zeiten bei linken Demonstrationen hätten dabei sein können, vielleicht waren sie es auch. Die radikale Linke ist natürlich abwesend. Das Heer an linken Parteien, von Die Linke über die DKP bis zur MLPD, auch. Keine einzige linke Parteifahne. Hier mal ein Vereinzelter, der vielleicht Anfang der 90er Jahre in einer alternativen Wagenburg hätte sitzen können, er trägt das T-Shirt „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, doch solche Leute gehen unter in der breiten Masse von Leuten, die man umgangssprachlich „Normalos“ nennen könnte.

V.

Zwei, drei Wagen sind der jugendlichen Partysubkultur zuzurechnen. Ein Wagen trägt Aufschriften des Techno Kollektivs Nürnberg, ein anderer hat als Symbol ein verschlungenes Herz und ein Peace-Zeichen, eine Gruppe namens Freedom-Parade agitiert gegen Masken- und Impfpflicht. Darüber ist ein durchgestrichenes Hakenkreuz zu sehen. Und auch bei einem Wagen, der sich für die freie Wahl des Urlaubs („Free Vacation Decission“), prangert in buntem Rot-Gelb-Grün REGGAE GEGEN RECHTS an der Seite des Wagens.

Später tanzten zwei splitternacke Hippies, die mich an Leute aus der „fuck for forest“-Szene erinnern, eine eher schwarz gekleidete Gruppe von mittelalterlichen Männern an, die eine gigantische schwarz-weiß-rote Reichsfahne tragen, eine von etwa zwölf Fahnen, die ich auf der Demo gesichtet habe. Die Reaktion: Lachen auf beiden Seiten, große Verbrüderung der hippiesken Nacken mit den Reichsbürgern. Der Ansager aus dem Lautsprecherwagen des leitenden Demonstrationswagens hatte bereits davor und zum Auftakt auf die Kaiserreichsfahnen aufmerksam gemacht: „Wir sehen hier einige Reichsfahnen. Das wird für die Presse wieder ein Anlass sein, von Rechten, Verschwörungsideologen und Antisemiten auf der Demo zu sprechen. Aber wir lassen uns nicht spalten. Die wahren Faschisten sitzen in der Regierung.“ Überschnappende Stimme. Applaus. Das ist nicht nur keine Distanzierung, das ist der bewusste Aufruf zum Bündnis mit Rechten.

VI.

Mitten in der Demo läuft eine Gruppe älterer Frauen – sie könnten auch als „Omas gegen Rechts“ am Rand der Demo stehen und gegen die Demo anpfeifen, doch sie sehen offensichtlich in den Corona-Maßnahmen der Einschränkung von Grundrechten eine Gefahr, die eine Beteiligung nahelegt. So sind sie Teil der Demo. Auf ihrem, den ganzen Straßenzug einnehmenden Transparent steht: „Nie wieder Krieg, Faschismus und Diktatur“, „Hier keine Bühne für AFD, PEGIDA, Nazis“ „Gib Rassismus keine Chance“ und: „Wer in der Coronakrise schläft, wird in der Diktatur aufwachen“.

Hinter und vor ihnen ist eine Lücke, sie wirken mit ihrer klaren Abgrenzung nach rechts wie ein Fremdkörper.

VII.

Einen dicklichen, stark alkoholisierten Reichsflaggenträger spreche ich naiv an: Wofür steht die Fahne? „Fürs Kaiserreich!“ „Und da zurück willst du hin?“ „Ist doch besser als das, was wir jetzt haben“, erklärt er kumpelhaft und zieht lachend weiter. Davor hatte er genauso lachend lustigen Kontakt mit Demoteilnehmer, die längere Haare haben und Heavy Metal-T-Shirts tragen. Wenige Minuten später erblicke ich zwei 30jährige mit Button der Identitären. Bereits zu Beginn der Demo waren stark tätowierte Nazi-Rocker mit Familienanhang zu erblicken.

VIII.

Der fast nur massenpsychologisch zu erklärende irrationale Hass auf die „Lügenpresse“ ist entkoppelt von jeder tatsächlich angebrachten Kritik an der Macht der Medien und der Bewusstseinsindustrie.

Die Presse (tagesschau, heute journal, Printmedien) berichtete im Großen und Ganzen fair, differenziert und ausgiebig über die Demonstration. Einzig bei der Einschätzung der Teilnehmerzahl orientierte sie sich zu stark an der Polizeiangabe. Auf pejorative Marker und Verallgemeinerungen wie „Querfront“ oder „Verschwörungsideologen“ (deren Vertreter als einzelne sicherlich anwesend waren) wurde mittlerweile verzichtet. Sicherlich wurde die Anzahl anwesender Rechter stark betont, aber es kamen auch vollkommen „normale“ Demonstrant*innen zu Wort. Die gegebene Heterogenität der Demonstration wurde klar benannt. Auch der breite normal-bürgerliche Bauch der Demonstration wurde in den Medienberichten sichtbar und in den präsentierten Bildern eingefangen. Das war in der Vergangenheit durchaus anders, wo in Medienberichten gerne von „Extremisten“ gesprochen wurde.

IX.

Eine Beobachtung auf der Demo belastet mich, weil sie schwer kommunizierbar ist. Viele Menschen, die sich hier zusammen finden, wirken psychisch tangiert. Abgesehen von den wenigen, die wohl tatsächlich im klinischen Sinn ver-rückt sind, meine ich, bei vielen Demo-Besucher*innen ein sichtbares Leiden erkennen zu können. Ich weiß, dass das anmaßend klingt. Aber es gab im Zuge von 1968 ein Wissen auf Seiten der Linken, dass der Kapitalismus zerstörte Zwischenmenschlichkeit bedeutet. Im Zentrum der Kritik der modernen kapitalistischen Gesellschaft stand in Anschluss an die Kritische Theorie die Beobachtung, dass diese Verhältnisse die Menschen zu deformierten Individuen macht. Die Psychoanalyse als kritische Wissenschaft könnte hier Aufklärung liefern. Bestimmte Alltagserfahrungen sind tabuisiert. Verletzungen und Kränkungen nehmen im neoliberal verhärteten Kapitalismus zu. Wo das Ich souverän regieren, die überfordernden Verhältnisse meistern soll und der Einzelne auf sich zurückgeworfen ist, sucht er ein Wir. Identität lässt sich nur über Alteritäten scheinbar festigen. Tatsächlich ist der Anteil derjenigen unter dem Demonstrierenden, die ein Liebesbedürfnis artikulieren (die Massierung an Herzchen und Liebesbekundungen reichte an Woodstock und die Loveparade heran) und gleichzeitig eine unbändige Wut und einen Hass in sich tragen und diesen auch bekunden und sich Objekte ihrer Aggressionen schaffen (Regierung, Lügenpresse, Bill Gates, Drosten), erschreckend hoch. Einige aus der Linken kommende Psychologen und Psychoanalytiker haben es verpasst, auf dieses artikulierte Leid in der Bewegung zu reflektieren, gegebenenfalls gesellschaftlich-politisch auch darauf einzugehen. Sie haben sich zuweilen selbst zu Lautsprechern dieser Menschen und ihrem Leiden gemacht und ihr Gestammel nur notdürftig intellektuell aufgebürstet und sich zu eigen gemacht.

Ein, zwei eher intellektuelle Alt-Linke sind auch auf der Demo gut zu erkennen: Einer schiebt sein Fahrrad und hat den Satz von Hannah Arendt „Niemand hat das Recht zu gehorchen“ auf ein Schild gemalt. Ein anderer hält das Schild hoch „Der Hobbes’sche Leviathan wird gefüttert durch unnötiges Tragen von Masken! Diese Nebenwirkung der Maske ist den meisten Benutzern unbekannt.“ Derart und an diesem Platz verkehrt sich Aufklärungsimpetus in Gegenaufklärung.

X.

Zu guter Letzt ein Wort an die und zur Linken. Sie war am 1. August nicht vorhanden.

Die paar Gegendemonstranten von den „Omas gegen rechts“ und andere, hatten angesichts der Masse an Demonstrierenden kein Gewicht. Innerhalb der Demo gab es, von den erwähnten marginalen Anti-Nazi-Bekundungen abgesehen, keine einzige kritische oder provokante Aktion, weder Kritik im Handgemenge noch der Versuch der Aufklärung. Lange Jahre propagierte eine akademische Linke, man müsse mit dem italienischen Marxisten Antonio Gramsci den Kampf um Hegemonie führen. Heraus kamen vielleicht ein paar schöne oder langweilige Dissertationen, aber keine Aktion und keine Praxis. Der Gramsci-Kult führt zu dem, was der 68er Christian Riechers bereits an der gramscianischen Rede vom „organischen Intellektuellen“ kritisierte: zur Selbstlegitimation einiger linker Akademiker, kleine Karrieren in den Institutionen und bürokratischen Strukturen linker Parteien zu machen, wo sie dann auch ihr Auskommen finden.

My home .. our park, my mauerpark in Berlin am 2. Augst 2020

Die außerinstitutionelle Antifa dahingegen ist außer Stande jenseits einer Politik der generalisierten Feindbestimmung („Querfront“, „Verschwörungsideologie“), die dem Mainstream folgt, als soziale Kraft in eine solche Melange zu wirken, offen für das Andere zu sein, das jenseits des Szene-Milieus mit ihren Codes und Sprachmodulen liegt, und die wirklichen Faschisten anzugreifen und zu isolieren. Dabei wäre dies umso notwendiger, nicht nur weil „Antifa“ mittlerweile nicht mehr nur für Rechte ein Feindbild ist, sondern anderen Demonstrierenden als Synonym für Intoleranz gilt. Tätiger Antifaschismus ist mehr denn je gefragt. Ohne Empathie oder Solidarität mit jenen, die unten stehen, ist er aber nichts wert. Mensch möge sich daran erinnern, dass es auch in der Anfangszeit der Gelbwestenbewegung in Frankreich zu heftigen Auseinandersetzungen kam, denn schließlich war auch diese Bewegung alles andere als politisch klar und rein. Es scheint so, dass dort über die Präsenz von Linksradikalen Rechtsradikale örtlich marginalisiert werden konnten. Abgesehen davon gibt es natürlich auch in Frankreich eine andere plebejische Protestkultur.

In der marxistischen Linken zirkulierten sehr viel richtige Analysen zur Corona-Krise. Die besten davon verstanden es, die Lage der arbeitenden Klassen in Corona-Zeiten analytisch zu fassen. Doch umgesetzt wurde davon nichts und lebensweltlich für andere erfahrbar waren diese Analysen nicht. Dies geschieht auch, weil akademische Linke mit Isolation und Vereinzelung ganz gut umgehen können. Einige radikale Linke zogen sich in die Internetwelt der „Corona-Blogs“ zurück. Oder zum kopfschüttelnden Beobachten des Corona-Irrsinns, wie ich es hier versuche. Wir diskutieren ansonsten über die mögliche Ausgestaltung einer kommunistischen Weltcommune, sind aber zur politischen Intervention in dramatischen und gefährlichen Zeiten nicht fähig. Bestenfalls reicht es zum Protest gegen Räumungen linker Projekte wie zum Beispiel der Kiezkneipe „Syndikat“ in Neukölln. Wenn dies allerdings der Horizont ist, ist jeder Milieu überschreitende, gar gesamtgesellschaftliche Anspruch aufgegeben, was zumindest politisch zu diskutieren wäre.

In der 11. Ausgabe des von Anselm Lenz und anderen herausgegebenen „Demokratischen Widerstands“, der Zeitung der Berliner Initiatoren der „Hygienedemos“, schreibt ein „Jonny Rottweil“:

„Die organisierte Linke versagt unter dem Corona-Regime völlig und von ihr wird auch nie mehr etwas Brauchbares kommen“.

Er könnte auf düstere Weise Recht behalten. Allerdings ist der einer Linken „Versagen“ attestierende Hochmut einer Gruppe, die systematisch die Tür für Irrationalismus und Rechtsradikale geöffnet hat, alles andere als angebracht.

Gerhard Hanloser | August 2020

Wer Interesse daran hat, einen Eindruck von der Hygiene-Demonstration in Berlin im April 2020 zu bekommen, dem sei dieser Beitrag empfohlen:

Budjonnys unhygienische Reiterarmee | Beobachtungen während der letzten „Hygiene-Demos“ vor der Volksbühne in Berlin

 

Zweiter Demo-Bericht

Es gibt noch einen anderen Beitrag, der vielleicht dabei hilft, trotz der vielen Splitter und Facetten der „Querdenker-Teilnehmer*innen“ einen gemeinsamen Kern auszumachen:

(…) der Aufzug bot ja nun nicht wirklich kein kohärentes Bild. Wie soll man die Demonstrierenden verstehen? Wer gab den Ton an? Was war das prägende Motiv, die Triebkräfte? Wenn man als Materialist zur Analyse schreitet, dürfte das Resultat kaum sein: Hier kommen Leute zusammen, die Freude an der Verbreitung von Verschwörungstheorien haben. Bei aller Liebe und Verständnis für esoterische Leidenschaften: Dafür schlagen sich Leute nicht den ganzen Tag um die Ohren.

Meine Einschätzung: Die Triebkraft für diese Massendemonstration – und das war sie gewiss und die 20.000 dürften eher die Unterkante sein – ist der Unwille, eine Einschränkung der gewohnten Art zu leben hinzunehmen und/oder an der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz durch staatliche Auflagen gehindert zu werden.

Es sollen ja einige Mittelständler in diese Demo investiert haben. Die Demonstrierenden plädieren für weniger Auflagen und eine größere Bereitschaft gesundheitliche Risiken einzugehen, was sie natürlich nicht so auf direktem Wege kommunizieren. Stattdessen erfreuen sie sich daran, ihre recht egoistischen Wünsche als Freiheitsbewegung zu veredeln. Und da die Kämpfe dafür sich in hohem Maße einer linken Kultur bedienen, wurde hier auch in großem Stil geräubert. Dutzende Male wurde das berühmte Hannah Ahrend-Zitat „Niemand hat das Recht zu gehorchen“ auf Schilder bemüht, Der Anti-AKW-Slogan „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ erlebt eine Neuaufführung. Man will „solidarisch“, „authentisch“ und „tolerant“ sein und vor allem als Rebell wahrgenommen werden, der sich staatlicher Bevormundung widersetzt und „selbst“ und „quer“-denkt. In gewisser Hinsicht spiegelt sich hierin schon eine gewisse Hegemonie, die die Linke in sozialen Bewegungen erobert hat.

Und ich denke, dass die meisten Demonstranten das auch glauben (wollen), und nicht als Soldaten eines rechten Aufzugs wahrgenommen werden wollten. Doch dem Willen, eine Vor-Corona-Normalität möglichst schnell zu erreichen, wird alles andere untergeordnet. Zum Beispiel die Differenzen zu Halb-, Ganz- oder Dreiviertel-Nazis, die sich in der Demo wie die berühmten Fische im Wasser bewegen konnten, aber trotzdem nicht das Bild dieser Aktion geprägt haben. Denn im Vordergrund stand nicht die Realisierung der neurechten Agenda „Grenzen dicht und Remigration“, auch wenn viele am Samstag verbreiteten Verschwörungsmythen hier ihre historische Heimat haben. Doch die entstammen erstmal dem kleinbürgerlichen Irrationalismus, der seine ganz eigene Suppe am Leben hält.

Ich hatte auch den Eindruck, dass sich einige tatsächlich auf diese Demo verirrt haben. Warum sonst geht jemand mit einem Pappschild des antifaschistischen VVN-Mottos „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ auf solch eine Demo? Oder mir Regenbogenfahnen. Und die Erfahrung, dass unsere Rufe „Nazis raus“ (gemeint war das als Aufforderung an die Demonstranten, sich von den Nazis in ihren Reihen zu distanzieren), dort an uns zurückschallten, ist einerseits Ausdruck wirklicher Empörung. Denn im Unterschied zu den alten Rechten wollen diese Leute nicht an diese “Hochzeit des Deutschtums” andocken. Zum anderen drückt es aber auch den Versuch von Neurechten aus, eine Umdefinierung der Werte vorzunehmen, in der Linke in die „eigentlichen Nazis“ verwandelt werden sollen.

Sei es, wie es sei. Ich fand das Ganze ziemlich frustrierend. Ich kann mich in meinem politischen Leben nicht daran erinnern, einmal Zeuge einer Massendemonstration geworden zu sein, in der Nazis soviel „normale Leute”, objektiv vor ihren Karren haben spannen können. Dies sollte aber nicht zu panikartigen Reaktionen führen. Man muss sich immer den Rahmen anschauen, in dem sich diese rücksichtslose „Freiheitsbewegung“ momentan bewegt. Noch halten deutlich mehr als 70% der Bevölkerung die Anti-Corona-Maßnahmen für richtig. Damit dies auch so bleibt, scheint mir eine Generalattacke auf diese „Corona-Leugner*innen“ nicht so sinnvoll. Zweckmäßiger erschient mir der Versuch des Zerhackens dieses politisch-ideologischen Breis und ihrer sozialen Trägergruppen. Gerade bei den anstehenden wirtschaftlichen Auseinandersetzungen. Die Demo hat diese Aufgabe nicht gerade erleichtert. Denn sie dürfte bei den TN als Erlebnis der Stärke wahrgenommen werden. Man wähnt sich nun als Angehöriger einer Bewegung, die in der Lage ist zu provozieren und sich durchzusetzen.“ (JG, Mitglied des Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall und der VVN/BdA in Berlin)

 

Mit diesem Bericht drängen sich Fragen auf:

Wenn es stimmt, dass (sehr) Viele eine Rückkehr zu einem Kapitalismus wollen, der denen Spass verspricht, die es sich „verdient“ haben, dann spürt man doch noch mehr die Lücke, die die Gegendemonstrant*innen nicht schließen können:

Wenn es nicht um einen spassigen Kapitalismus geht, warum geht es dann? Was wäre eine tatsächliche Kapitalismus-Kritik, die die Corona-Zeiten berücksichtigt?

Es werden anscheindlich viele Parolen auf der „falschen“ Demo (der Querdenker*innen) gerufen: „Niemand hat das Recht zu gehorchen“ … „Wo Recht zu Unrecht wird, wrd Widerstand zur Pflicht“. Liegt das nur an verirrten Parolenträger*Innen oder auch an dem Umstand, dass es keinen Widerstand gibt, wo diese Parolen keine (Ent-)Täuschung sind?

Wenn das Rebellentum der Querdenker*innen tatsächlich etwas von einer „konformistischen Rebellion“ hat, die das Versprechen des Kapitalismus eingelöst sehen will und gar nichts gegen den Kapitalismus hat, dann fragt man sich: Wo bleiben, wo sind die Rebellen, die mehr wollen als einen guten, fürsorglichen und *Kapitalismus?

Wolf Wetzel

 

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11 Kommentare

  1. Halloo,
    hab nun beide Demos am Rande betrachtet. Ich sah ähnliches wie der Schreiber. Und ich fühlte nichts vergleichbar Intelligentes zu den Demos Anfang der 80er. DAS waren klare Ansagen einer recht einheitlichen Gruppe (Masse).
    Ich war vor allem da, um die “Millionen” zu sehen. Hm, mir schien das weniger zu sein, als nach einem Pokalendspiel im Olympiastadion (80.000). Dieses viele Schwindeln im “net” (kopfschüttel).
    @Schneider: Darf ich Ihren Einspruch so mittragen?: WHO > Pandemie > Demokratien “üben Diktatur” . Und das recht amateurhaft. Kein Politiker hat Ahnung von dem (Medizinischen), was ihm zum Sprechen vorgelegt wird.
    In den 90ern gabs eine Erkältungswelle (auch mit Influenza), da war der Krankenstand so hoch, dass bundesweit Fertigungen stehen blieben. Quasi ein natürlicher lockdown. Hinter der Uniklinik GÖ hab ich die Alusärge stehen sehen, damals, wohl noch leer. Also, das war heftiger wie grade jetzt.
    Der Irrtum “Corona” wurde schon längst erkannt. Gesichtswahrend wird zurück gerudert. Wie so oft bei solchen Hypes, gehe ich davon aus, dass dahinter “dem Volke verborgen” andere wichtige undemokratische Entscheidungen durchgeführt wurden/werden.
    Wenn das stimmt, was mir Mediziner sagen, gibt es diesen rätselhaften Virus. Und sie haben Respekt vor dem Ding. Habe ich auch.
    Tja, und das wünsche ich mir unter uns allen. Respekt. Jeder hat nur die Sichtweise aus seinem eigenen Blickwinkel. Und das ist ein enger Ausschnitt des Ganzen. Wenn wir uns hierin ergänzen, wird jeder an dem Umfassenderen teilhaben können. Hieraus erfolgt Erkenntnis. Erkenntnis ersetzt Ideologie bzw. programmierte Denkmuster. Erkenntnis führt zu authentischem Handeln. Das ist ein Wandel der Qualität des Mitmenschen. Bedeutet für mich: Hoffnung für meine Kinder und meine Enkel – auch mal wieder in den Flüssen meiner Kindheit baden zu können.
    Drum DANKE an diesen thread. Alle Beiträge helfen mir zu einem weiteren Blickwinkel.
    Seid herzlich gegrüßt
    der Michel ausm Norden

  2. Das ist ein intellektueller Rohrkrepierer. Haben Sie nichts Besseres beizustreueren?

    Mich persönlich würde mal interessieren, was damals nach dem Tode von Günther Gaus mit demFreitag passiert ist. Also der Eigentümerwechsel, der Rückzug von Hein, der Auftritt augsteins, die Zensur auf dem “Sender” die Situation der Mitarbeiter,….

    Inhaltlich möchte ich beisteuern:
    Die Situation der Linken seit 2005 ist mir bekannt. Die antideutschen, zionistischen Netzwerke um Kipping, Lederer und BAK Shalom kenne ich auch aus eigener Anschauung. Die Geldgeber der Ernst (MP Die LINKE des EU-Parlaments) und ihrer Mitarbeiterinnen heißen nachweislich u.a. George Soros.
    Die Agenda wurde vorgegeben. Diese real-existierende Linke hat bereits durch die fehlende Thematisierung und mangelnde Aufarbeitung der neuartigen Herrschafts- und Machtverhältnisse in der Globalisierung ihre Daseinsbereichtigung verloren.

    1. Der Text spricht für sich selbst – mehr kann man zur Selbstentlarvung nicht tun. Glauben Sie ernsthaft, dass Kipping, Leder undundund seien auch nur ansatzweise so etwas wie “antideutsch” …und wozu brauchen Sie Soros .. “nachweislich” ohne Beweis!

  3. Es ist keineswegs “unerträgliche Arroganz der Besserwissenden” auf einer Demo von Coronaleugnern Menschen wahrzunehmen, die “psychisch tangiert” erscheinen und ein “sichtbares Leiden” an den herrschenden Verhältnissen nach außen tragen. Ich selbst bin erst kürzlich auf einer kürzlichen Demo zur Einhaltung des Grundgesetzes in Zeiten von Corona aus einem zu Eis gefrorenen Gesicht gefragt worden: “Wissen Sie nicht, dass die Antifa vom Staat finanziert wird”. “Nein” sagte ich ehrlicherweise, denn als ein in der DDR sozialisierter Antifaschist ist so manches nicht bis zu uns vorgedrungen, zumal “die Antifa” noch in den Windeln lag. “Noch jemand staatlich finanziert?”, fragte ich in die vor dem Bürgerhaus in Gräfelfing versammelte ausgedünnte Menge. Mein Einwurf wurde später von den Veranstaltern als “aggressive Stimmungsmache” missbilligt und als “störend” wahrgenommen.
    “Die Antifa” soll also die Goschn halten, wenn sie sich schon vortraut. Marxisten hängen fälschlicherweise bis heute dem falschen Glauben an, der Faschismus sei als Kopfgeburt des Großkapitals entstanden. Dass der Demos, wenn es ihm schlecht geht – oder er das meint – leicht Scheiße baut, kann man in meiner Thüringer Heimat und in Brandenburg gut erkennen.

  4. Ich bin bei der Vorbereitung einer Veranstaltungsreihe für meinen SPD-Ortsverein bei Gerd Koenen in “Die Farbe Rot” auf eine Äußerung des 19-jährigen Ferdinand Lassalle aus einem Brief an seinen Vater gestoßen, nach der die Französische Revolution absolute Freiheit für Besitz, Eigentum, Geld im System der freien Konkurrenz und den Sieg der Dingheit über die subjektive, bearbeitende Tätigkeit, über die Persönlichkeit gebracht habe. Dingheit heißt heute Humankapital. Oder auch Menschenmaterial bzw. Schrott, wenn es ausgedient hat. Ich habe Pegida von vornherein als Aufstand gegen diesen menschenverachtenden Umgang mit Menschen verstanden. Dass meinen Genossen Gabriel und Maas nichts Besseres einfiel als “Mob” und “Pack”, ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich meine Partei die Seele hat rauben lassen.
    Die genannte Veranstaltungsreihe hat sich mit den Themen Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße befasst. Beim Thema Sicherheit wurde ein Zitat von Margarethe Mitscherlich eingeführt, nach dem jeder, der etwas besitzt, Angst hat vor denen, die weniger oder nichts besitzen. Daraus haben wir gefolgert, dass derjenige, der am meisten besitzt, auch die meiste Angst hat. Was er belegt, indem er sich in seinen abgezäunten Residenzen, seinen Türmen und seinen Yachten einsperrt. Und die Dreckarbeit der Untenhaltung durch Unterhaltung, der Desinformation und Panikmache der Bewusstseinsindustrie überlässt. “Schon bald nach dem Krieg war ich mir darüber klar, dass der deutsche Leser eins nicht wollte, nämlich nachdenken. Darauf habe ich meine Zeitungen eingerichtet” hat Axel Cäsar Springer zu diesem Thema gesagt. Adolf Hitler hat sich 1942 in der Wolfsschanze ähnlich geäußert. Paul Sethe, Mitherausgeber der FAZ: “Die Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung verbreiten zu lassen.”
    Ich finde, es ist an der Zeit, dass unsere Residenz- Turm- und Yachtbewohner Schritte zu ihrer Selbstbefreiung in Erwägung ziehen. Helfen könnte ihnen dabei, dass die 80 Prozent der Demokratinnen und Demokraten, aus deren Reihen schon diejenigen kamen, die der Regierung 2015 in der Flüchtlingsfrage aus der Patsche geholfen haben, sich zu machtvollen Demonstrationen gewaltfrei, friedfertig, jesuanisch auf den Weg machen und weitere Schritte in Richtung einer geschwisterlichen Gesellschaft gehen. Kurt Marti (1921-2017): “Der Großen Mutter folgte der Große Vater, diesem der Große Bruder. Dabei sehnen wir uns nach kleinen Schwestern.”

  5. es ist immer wieder erschrecken, wie sehr Menschen, die eine andere Meinung haben, als die der, in meinen Augen oder in meiner Wahrnehmung anscheinend gleichgeschalteten Medien, diffamiert werden. Woher kommt diese unerträgliche Arroganz der Besserwissenden. Den Autor interessieren nicht die Gründe der besorgten Menschen. Ich war auch auf dieser Demo und habe nichts von dem wahrgenommen, was er beschreibt. Kann es sein, dass er bewusst die Menschen herausgesucht hat, die seiner vorgefertigten Meinung entsprachen?
    Hat er während des Lockdowns die alten Menschen gehört, die eingesperrt wurden, war er interessiert an deren Leiden. Hat er eigentlich einmal mit den Altenpflegerinnen gesprochen, gefragt, wie es den Angehörigen und den alten Menschen geht? Hat er hat er jemals Interesse gezeigt an den benachteiligten Menschen, die während des Lockdowns arbeitslos wurden, die an den Tafeln kein Essen mehr bekamen. Scheinbar nicht. Das einzige was er zu schreiben hat, ist eine fast schon gehässige Art und Weise über Menschen, die wegen Ihrer geringen Bildung mit den Machern der Demo mitlaufen. Welch eine unerträglich Arroganz.
    Aber es ist natürlich einfach, andere Menschen zu diskreditieren. Ohne sich näher mit den Gründen der Menschen, die sich an der Demo beteiligen, zu beschäftigen.

    Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich fragen, von wem werden der Autor bezahlt, sich der Mainstreampresse anzuschließen. Denn es ist mehr als auffällig, wir sehr die Presse sich zusammengefunden hat, um Menschen, die Fragen haben, die kritisch hinterfragen, zu verurteilen. Das ist übrigens genau der Grund, warum ich angefangen habe, Maßnahmen kritisch zu hinterfragen. Und ich sehr, immer mehr Freunden und Bekannten geht es ähnlich.

    Ich bin weder rechts noch links, weder antisemitisch noch anders gedreht. Ich bin durchaus in der Lage, zu denken.

    Bitte unterlassen Sie Ihre arrogante Art zu schreiben. Fangen Sie an, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen, nehmen Sie endlich war, was die Menschen bewegt, aber auf eine entgegenkommende Art, nicht in Ihrer besserwisserischen Art.

    Mit freundlichen Grüßen
    Barbara Schnellen

  6. Danke!
    Das ist der beste Artikel zu dem Thema der Berlin Demo, den ich bisher gelesen habe. Karl Reitter hat ihn weiter geleitet
    Aus unseren Medien war nicht zu erfahren, wer da warum wieso wofür demonstriert hat. Von Analysen ganz zu schweigen.
    Auch mit dem Fazit über die Ohnmacht der Linken stimme ich überein.
    Ich war Jahrzehnte in der linken I.den USA tätig, die bereits vor 20/30 Jahren da mehr wusste, ua. Auch zum psychischen Leiden der Menschen gearbeitet hat. Ganz früh und erfolgreich.
    Als Österreicherin gesprochen ist dieses linke Versagen an der kulturellen und psychologischen Front ein Produkt des nicht bewältigen Verlustes durch Exil und Vernichtung…
    Eben nicht einholbar!

  7. Lieber Gerhard Hanloser, vielen Dank für die kritische und doch differenzierte Beobachtung. Auch Ihrer Schlussbemerkung schließe ich mich an. Und sollte sich daraus eine Diskussion entfalten, wäre ich gern dabei…
    Herzlich,
    Guillaume Paoli

  8. okay, lieber Schreiber,
    die Demonstranten wehren sich zu Unrecht gegen ein Corona-Management, das Deutschland im 2. Quartal einen Einbruch des BSP von > 10% beschert (vgl. statista.de)? Das weite Kreis der Bevölkerung schon trifft oder treffen wird?
    Die Demonstranten wehren sich zu Unrecht dagegen, dass ein Killervirus höchster Viriltät ( R= 6 bis 7%) angekündigt wurde – und ein Virus einer altbekannten Familie, etwas modifiziert, kam und in den Monaten, in denen ohnehin in jedem Jahr überdurchschnittlich viele Menschen an Atemwegserkrankungen (bei Risikogruppen) versterben, das auch in diesem Jahr passierte (ohne Übersterblichkeit! – ebenfalls statista de.) und das RKI die Grippesaison als “milde” einstuft?
    Und dass niemand sagt, dass es eben auch anders, intelligent und ohne derartig immensen Verluste gegangen wäre? Wie es Taiwan zeigt: 7 (sieben!) Todesfälle bei 23 Mio. Staatsbürgern – ohne Lockdown!
    Wenn Sie wollen, kann ich das belegen. Ich vermute aber, das würde Ihre Weltsicht zu sehr durcheinander bringen:
    schlafen sie also ruhig weiter…

  9. Trifft es wohl im Wesentlichen. Die Linke macht sich nicht die Mühe zu differenzieren und bleibt im online-Schneckenhaus, ohne Einfluss. Schade.

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