Wir müssen Gas geben …

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Wir müssen Gas geben …

Sie wissen ja, wieviel in Deutschland um das richtige wording geht, was man sagen soll, darf und muss, was man gar nicht sagen darf, was verboten ist, wofür man Veranstaltungen und Kongresse stürmt und zerschlägt.

Davon ausgenommen sind jene, die das Sagen haben. Dazu gehört der SPD-Kriegsminister Pistorius, der aus dem Kriegstaumel kaum noch herauskommt. Dafür braucht man wirklich keine Glaskugel, deutsche Kontinuität reicht vollkommen.

Er sieht zwar nicht in die Glaskugel, weiß aber ganz genau, dass Russland uns angreifen wird – also zum dritten Mal.

Er erklärt den Lumpenpazifisten und Zögerlichen, dass die „Friedenszeit“ vorbei ist und dass jetzt Kriegsertüchtigung angesagt ist.

Der SPD-Mann ist wirklich ein Partei-Soldat. Davon hatte die SPD vor dem Ersten und vor dem Zweiten Weltkrieg genug. Ohne sie ist kein Krieg, schon gar nicht ein Weltkrieg zu verlieren.

Vor dem Ersten Weltkrieg entdeckte die SPD auch immer und überall Lumpenpazifisten (sogar in den eigenen Reihen) und willigte den Kriegskrediten für den Ersten Weltkrieg zu.

Mobilmachung im August 1914 in Deutschland

Damals war die SPD auch sehr modern, was die Kriegsbegründungen angeht: Nach SPD-Manier kämpfe man nicht um imperiale Anteile und um eine Neuverteilung der Welt, sondern man wollte die Welt vom reaktionären Zarentum befreien.

Die böse Krake Russland 1914ff

 

 

 

In punkto Befreiung hat die SPD also viel drauf.

 

 

 

 

 

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die SPD nicht mehr ganz so forsch. Aber man tat alles, sich bis zum letzten Augenblick den Faschisten, der NSDAP anzubiedern. Man habe doch so viele Gemeinsamkeiten, sagte der letzte SPD‘er in der letzten Parlamentssitzung, bevor das Parlament 1933 aufgelöst wurde.

Davon hat sich die SPD erholt. Jetzt lässt sie den Dritten Weltkrieg nicht andere machen, sondern ist ganz vorne dabei. Das Kriegsrepertoire wird wie altes Silberbesteck hervorgeholt. Man redet von notwendiger „Kriegsertüchtigung“ und von der Illusion des Friedens.

Und man kann jetzt auch die dunkle Geschichte Deutschlands wieder hell stellen: Dazu packt Pistol*erus die Glaskugel aus, die er vorher hat verschwinden lassen.

 

 

Er weiß, was die „Russen“ wollen. Das ist eine deutsche Spezialität. Er weiß nämlich ganz genau, warum die „Russen“ aufrüsten! Ja, aus dem gegenteiligen Grund, aus dem der Westen seit Jahrzehnten aufrüstet, vorrückt und mit der NATO bis an die Ukraine heranrückt. All das macht der Westen seit Jahrzehnten, um sich zu „verteidigen“, bis nach Stalingrad und Moskau.

 

Die „Russen“ hingegen machen dasselbe, um uns anzugreifen. Das ist ungeheuerlich. Aber Pistol*erus durchschaut die “Russen”. Er lässt sich doch kein Z für ein X vormachen:

 

“Jetzt kann man naiv sein und sagen, das macht er nur aus Vorsicht. Ich würde eher als skeptischer Mensch sagen in dem Fall, das macht er, weil er im Zweifel irgendwas vorhat oder haben könnte. … Wir müssten dann verteidigungsfähig, kriegstüchtig sein, um den Krieg führen zu können, der uns dann aufgezwungen wird. Aber deswegen geben wir ja jetzt wirklich Gas, tun alles, was wir können, um die Streitkräfte in Europa, in der NATO, entsprechend auszustatten.” (Pistorius)

 

Immerhin ist er damit der faschistischen Rhetorik für den Zweiten Weltkrieg näher als der kaiserlichen Rhetorik für den Ersten Weltkrieg.

Denn die Nazis haben sie ja auch nur überall verteidigt, weil sie sich umzingelt und umstellt fühlten. Sie haben nirgendwo angegriffen.

Ja, „deshalb geben wir ja jetzt wirklich Gas“ … Das sagt mir etwas.

Man ist ja jetzt ampelmäßig so empfindlich und achtsam, was Sprache alles machen und anrichten kann. Da kann man dann auch mal eine große Ausnahme machen.

 

Wolf Wetzel

 

Quellen und Hinweise:

Pistorius über drohenden Krieg mit Russland: “Wir geben jetzt wirklich Gas”, RT vom 25.4.2024: https://luuul.ru/uv/service/hvtrs8%2F-dg.pt%2Ccmm-illcnf%2F001836%2Fpksvopiws%2Fugbgr%2Fdpojeldgn%2Fkpigg%2Fmkt-

 

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