Mätressenhafter Journalismus à la Anne Will

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Mätressenhafter Journalismus à la Anne Will

Die ARD-Moderatorin Anne Will hatte in ihrer Talkshow am 27. März 2022 nur einen Gast: Onkel Scholz, den deutschen SPD-Bundeskanzler.

 

“Anne Will” – Talkshow am 27.3.2022 -mit einem Gast

Es war ein einziges Torwandschießen, wobei die Torwand eine einzige Aussparung darstellte. Anne Will legte den Ball auf den Punkt und Onkel Scholz machte das Tor. Bemerkenswert war in dieser absolut ausgewogenen Sendung zweierlei: Anne Will hakte süffisant nur dann nach, wenn es um den „Nachweis“ einer SPD-Appeasementpolitik ging. Laut Anne Will habe man zulange Putin geglaubt, sich zu lange in die Irre führen lassen, habe zulange die Strategie „Wandel durch Handel“ betrieben. Dieses Bild vom gutgläubigen Deutschland, das die Zeichen der Zeit nicht begriffen habe, durfte nicht durch eigenen Wissen gestört werden. Denn all das, was in den letzten 20 Jahren an Ostpolitik betrieben wurde, ist alles anderes als naiv und blauäugig gewesen. Man ist mit der NATO Zug um Zug in Richtung Russland vormarschiert, hat die NATO-Grenzen systematisch verschoben und gleichzeitig mit (Gas-)Geschäften gehofft, ein Beruhigungsmittel geschaffen zu haben, mit dem sich die russische Elite zudrönen kann. In den anderthalbe Stunden war also kein einziges Wort über die Osterweiterung der NATO geredet worden, über die gebrochenen Zusagen im Rahmen der 2 plus 4-Verhandlungen. Das hat nichts mit Journalismus zu tun, schon gar nicht, wenn man den Auftrag der „Öffentlich-rechtlichen Anstalten“ in Erinnerung ruft.

Ein so mätressenhafter Journalismus verdient eine Pointe: Onkel Scholz erkärt uns allen zum Schluss, dass er eine leibhaftige Erscheinung hat: „Die Rückkehr des Imperialismus“.

Wolf Wetzel                                                      28.3.2022

 

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