Alles dichtmachen – Ein tolles Schauspiel mit Michel*ine als Hauptdarsteller*in

Veröffentlicht von

Alles dichtmachen – Ein tolles Schauspiel mit Michel*ine als Hauptdarsteller*in

 

Wenn den Privilegierten, den ganz Guten ihr Mitmachen, ihr Schweigen, ihre vorgetäuschte Solidarität mit den ganz Schwachen und ganz Gefährdeten vorgespielt wird, dann hört der Spass wirklich auf!

 

#allesdichtmachen

#niewiederaufmachen

#lockdownfürimmer

Ein Nachschlag

Hierbei handelt es sich um einen anerkannten Impfstoff mit ganz vielen gewollten Nebenwirkungen

Es wurde auch aller höchste Zeit. Seit Monaten nölen gut situierte, also gutverdienende Menschen herum, dass sie unter den Corona-Maßnahmen leiden. Diese Karawane der Leidenden zieht seit Monaten durchs Land. Und man muss es so offen aussprechen: Es werden immer mehr Kamele, die sich diesem Jammerzug anschließen.

Die einen können nicht mehr ins Kino gehen, die anderen nicht mehr auf die Bühne. Die einen müssen ihr Café schließen, die anderen können nicht mehr nach Malle fliegen. Vielleicht hat es sogar auch Menschen getroffen, die nicht mehr ihre tägliche Golfpartie spielen konnten und auf Après–Golf verzichten mussten. Man hat sogar von sich häufenden Fällen der Verwahrlosung gehört, vor allem dort, wo man hat putzen, kochen, sorgen lassen. So mussten sich Gourmet-Menschen unter großer psychischer Anspannung unbemerkt in Luxusrestaurants schleichen, um dort heimlich von Starkochs versorgt zu werden.

Doch nun hat die Heulsusen-Tour ein Ende. Über 40 namhafte Schauspieler*innen hatten sich zusammengefunden, mit Abstand und AHA, und haben gezeigt, dass noch viel mehr geht. Zugegeben, es war schon fast zu spät, aber nun zeigen diese allseits beliebten Schauspieler*innen Flagge, also unsere, und beweisen, wie man die vater*ländische Pflicht wahrnimmt. Man kann nun wirklich stolz sein, auf unser kreatives und künstlerisches Potential.

Jeder Clip lässt uns auf ganz neue und besondere Weise wissen, dass es diese Regierung, diese Pharmaindustrie, diese Wirtschafts- und Demokratiekapitäne gut mit uns meinen und nun, gerade jetzt die Zeit gekommen ist, dass sich auch die Schauspieler*innen dafür bedanken und alles geben, damit es genau so bleibt.

Sie, also gerade die von uns so geliebten Schauspieler*innen haben so viel gekommen: Rollen, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Jubel. Alles. Nichts, was man mit Geld aufwiegen könnte. Nun geben sie etwas zurück, zeigen sich dankbar für all das, was sie für uns machen durften.

All die Clips zeigen uns auf ernste und einfühlsame Weise noch mehr: Es geht nicht einfach darum, Maßnahmen und Verordnungen zu befolgen. Es geht darum, selbst ein Teil der Regierung zu werden, sie sozusagen zu verinnerlichen, sich und andere anzuspornen, es noch besser zu machen. Früher galt der „deutsche Michel“ als Wahrzeichen des Untertanengeistes. Heute steht er für Co-Gouvernement, für Selbstoptimierung, für ein absolut selbstbewusstes, taffes Mitmachen.

Diesen Spirit-Change haben die brillanten Schauspieler*innen in allen Facetten, in der ganzen Tiefe, auf ganz hohem Niveau gezeigt. Sie haben bewiesen, was sie wirklich können: Schauspielern, eine Rolle annehmen, sie ausfüllen. Sie haben aus dem Thema alles herausgeholt. Das ist in jedem Clip spürbar. Man darf (noch einmal) ihnen also glauben, man darf ihnen blind vertrauen.

Wie schön hat es der Schauspieler Jörg Bundschuh zusammengefasst:

„Unterstützen Sie die Corona-Maßnahamen – mit und ohne Grund.“

Oder die wunderbare Schauspielerin Nadja Uhl: „Hallo ich bin Nadja Uhl. Ich bin Schauspielerin und dank Corona habe ich gelernt zu schweigen.“

Auch der Schauspieler Volker Bruch ist eine Wucht, wenn er mit seinen ewig traurigen Augen uns wissen läßt: “Es ist so wichtig, dass wir alle genug Angst haben. Bleiben Sie gesund. Und halten Sie sich an ihrer Angst fest.“

Und dass das noch nicht alles ist, dass wir noch zu viel mehr bereit sind, hat dies die Schauspielerin Kathrin Osterode für uns alle vorgemacht. Sie will die Corona-Regeln einhalten, sie will sie auch in ihr Familienleben integrieren. Sie ist, das spürt man sofort, eine aufgeschlossene, ganz coole Mutter:

Für viele ist das Virus ja abstrakt. Für Kinder ist es das aber ganz besonders. Damit sich aber auch meine Kinder verantwortungsvoll verhalten, haben wir bei uns zuhause die Inzidenz-Regel eingeführt. Jeden Morgen schreiben wir hier den gültigen Inzidenzwert auf diese Tafel, um das Ganze für die Kinder spürbar und erlebbar zu machen. Und deshalb hat dann dieser Wert (sie macht nun das Licht dieser Schautafel an) auch ganz konkrete Auswirkungen auf das, was wir als Familie dürfen und eben nicht. Ab einem Wert von 100 gibt s zum Beispiel sofort Fernseh- und Internetverbot. Ab einen Wert von 80 gibt es lediglich keine Süßigkeiten und nur einmal am Tag raus. (…) Und wenn dann hier irgendwann einmal eine 30 steht, dann – das ist fest versprochen- dann machen wir alle zusammen eine Fahrradtour. So. Und damit das aber auch möglich wird, gibt es eben ab einem Wert von 150 kein Abendessen. Ab einem Wert von 200 Isolation im eigenen Zimmer und ab einem Wert von 250 wird das erste Kind zur Adoption freigegeben. Ab einen Wert von 300 dann das zweite. (die alles opfernde Mutter macht eine kurze Pause) Bitte, bitte helfen auch Sie, dass ich meine Kinder behalten darf.

 

Durchdrehen

Warum haben diese Clips so getriggert? Warum hat diese Initiative so viel Staub aufgewirbelt?

 

 

Ich möchte dabei ganz und gar nicht auf die Kunstfreiheit verweisen, auf das Motto „Satire darf alles“, die man sonst, wenn es Regierung und Regierungswilligen passt, zusammen verteidigt, wenn es zum Beispiel um Mohammed-Karikaturen geht.

 

 

Man sollte sich in diesem Streit nicht darauf zurückziehen. Was ist der Kern der Video-Clips? Es geht gar nicht um „die da oben“, was die alles falsch machen, was sie alles besser machen sollten.

Es geht in fast alles Clips um uns „da unten“, um jene Mitmachkultur, die ja von allen Seiten auch gelobt wurde/wird. Die Akzeptanz aller (sinnlosen) Maßnahmen und (wechselnden) Begründungen sei überwältigend, hört man von allen Seiten. Und die Kritik daran sei eine Angelegenheit von einer verstrahlten Minderheit.

Es geht also um eine real-existierende Mehrheit, die in allen Clips deutlich im Mittelpunkt steht. Und es geht um eine real-existierende Bereitschaft, über das Geforderte hinauszugehen. Auch davon gibt es genug Beispiele. Ganz stolz wurde immer wieder medial erwähnt, dass es Vielen nicht hart genug ist, der „harte Lockdown“ im Freizeitbereich viel zu weich sei.

Selbst das ist noch nicht alles, was diese Mehrheit ausmacht, und all jene, die sie mittragen. Die Avantgarde dieser Mehrheit geht noch weiter. Sie macht die Kritik an der Corona-Politik lächerlich. Sie denunziert sie und ruft dazu auf, „Querdenkerdemonstrationen“ zu verhindern. Zum einen, indem sie selbst zur Tat schreitet oder indem sie die Polizei dazu auffordert, die „Coronaleugner“, „Covidioten“ und „Aluhutträger“ von der Straße zu fegen.

Michel*ine 2.0

Um diese Mehrheit geht es in fast allen Video-Clips. Und sie verwenden völlig unspektakulär das Mittel der Satire, die Vorhandenes verstärkt, zuspitzt, und so mit sich selbst bricht.

Im Prinzip geht es um das, was Bertold Brecht in seinem Gedicht aus dem Jahr 1933 auf den Punkt gebracht hat:

„Hinter der Trommel her

Trotten die Kälber

Das Fell für die Trommel

Liefern sie selbst (…)“

Der Kälbermarsch (1933)

 

Die Clips sind also so etwas wie eine Neuauflage, eine Videoalisierung seines Gedichts.

Ich wage die Mutmaßung, dass die Folgsamen, die es gewohnt sind, auch widersinnige Anweisungen zu befolgen, gar nicht so sehr über die Clips empört sind. Vielleicht können sie lachen, sogar über sich selbst, weil sie es gewohnt sind, in diesem Irrsinn zurechtzukommen – schon lange vor Corona.

Aber die „Neuen“, die jetzt zur Mehrheit dazugehören (wollen), die stoßen sich daran gewaltig. Sie spüren den Stachel, sie wissen, was sie einmal wussten, sie wissen, was sie hinter sich gelassen haben.

Unter diesen „Neuen“ sind eben auch viel zu viele Linke, die eigentlich bestens zurechtkommen, auch mit Übertreibungen. Ganz beliebt ist unter linken Gegendemonstrant*innen zum Beispiel die Parole „Impfpflicht für Aluhüte“. Das ist offenbar nicht nur ganz besonders witzig, es ist eben auch offen autoritär und staatstragend.

Damit konfrontiert zu werden, tut weh. Und das wird allerhöchste Zeit.

Wolf Wetzel

Quellen und Hinweise:

Webseite von „alles dichtmachen – nie wieder aufmachen“: https://allesdichtmachen.de/

u.a. Jörg Bundschuh (Schauspieler): https://www.youtube.com/watch?v=9Obs9Pz-IXs

u.a. Nadja Uhl (Schauspielerin): https://www.youtube.com/watch?v=3yENiy9TnuE

u.a. Volker Bruch: https://www.youtube.com/watch?v=sOCi3B9wJ5U

u.a. Kathrin Osterode (Schauspielerin): https://www.youtube.com/watch?v=nxN7fnJNCK0

TV-Regisseur Dietrich Brüggemann als Antwort auf die Vorwürfe: “ICH ENTSCHULDIGE MICH NICHT!”: https://www.youtube.com/watch?v=PebsFjx9zxw

 

 

 

Aufrufe: 225

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.