Über Elefanten im Raum, ein Glitch und … eine Gegendarstellung der Bundeskunsthalle

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Über Elefanten im Raum, ein Glitch und … eine Gegendarstellung der Bundeskunsthalle in Bonn

Gegenstand einer Gegendarstellung vonseiten der Bundeskunsthalle in Bonn ist ein Artikel von mir, in dessen Mittelpunkt eine Veranstaltung stand, in der u.a. Professor Omar Bartov den Genozidvorwurf gegen Israel erklärt hatte und für substantiiert hielt. Nachdem Prof. Omar Bartov in einer Twitter-Nachricht darauf aufmerksam gemacht hatte, dass in der Videoaufzeichnung Passagen seiner Ausführungen fehlen, machte ich mich auf die Suche nach diesem merkwürdigen Verschwinden. Ich kam dabei zu dem Schluss, dass es sich nicht um einen fremdverschuldeten “technischen Fehler” (Glitch) handelt, sondern um eine Zensurmaßnahme.

Dazu äußert sich nun die Bundeskunsthalle in Form einer Gegendarstellung:

„Der Artikel ‚A Mentsh is A Mensth – und ein Glitch‘ von Wolf Wetzel, veröffentlicht am 19. März 2024 im Overton Magazin, beinhaltet eine Reihe von unvollständigen Darstellungen, falschen Behauptungen und irreführenden Schlussfolgerungen, die an dieser Stelle korrigiert werden:

Die besprochene Veranstaltung in der Bundeskunsthalle wurde nicht einfach nur live aufgezeichnet, sondern live gestreamt. Das heißt, dass die Bilder der Kameras in Echtzeit auf YouTube gezeigt worden sind, ohne vorher bearbeitet oder extra hochgeladen zu werden.

Die Behauptung, dass einiges von dem Gesagten »gelöscht« worden sei, ist deshalb falsch.

Richtig ist, dass es bei der Datenübertragung des Videos auf YouTube in Echtzeit aufgrund einer instabilen Internetverbindung zeitweise zu Verzögerungen und Sprüngen gekommen ist, sodass einzelne Stellen nicht vollumfänglich gestreamt werden konnten.

Die Formulierung, dass diese technische Erklärung »zum Himmel stinkt«, ist deshalb ebenfalls als unbegründet zu korrigieren. Ebenso die Unterstellung, es handele sich hierbei um »Zensur«.

Darüber hinaus muss auch die Situierung der englischen Übersetzung von technischer Panne als »Glitch« in den semantischen Kontext von politischer und militärischer Manipulation als irreführend korrigiert werden.

In dem Moment, als diese technische Panne erkannt worden ist, wurde das fehlerhafte Video durch die vollständige Studioaufnahme ersetzt. Sowohl die Ursache des technischen Fehlers als auch die Bereitstellung des fehlerfreien Videos auf YouTube wurden von den Veranstalterinnen und Veranstaltern öffentlich auf verschiedenen Kanälen kommuniziert.“

 

Ich bin über diese Gegendarstellung sehr dankbar, denn sie kann – auf ungewollte Weise –  dazu beitragen, die Frage nach Glitch oder Zensur zu beantworten.

Ich habe der Geschäftsführung der Bundeskunsthalle geschrieben und sie wissen lassen, dass ich in allen wesentlichen Punkten der Gegendarstellung widerspreche.

Ich möchte gerne deren Antwort abwarten.

 

 

Falls Video-affine Menschen unter den LeserInnen sind, wäre meine Frage, ob die erste Version noch verfügbar ist, da das Netz angeblich nichts vergisst:

https://youtu.be/HU5QB06LqPs

 

 

 

Denn es geht um eine fasche Spur, die die Bundeskunsthalle in ihrer Gegendarstellung gelegt hat. Es geht mir, es geht nicht um den Livestream, der in der Tat jene “Störungen” haben könnte. Professor Omar Bartov und ich beziehen uns auf die erste hochgeladene Version dieser Veranstaltung, die man auf YouTube sehen konnte.

Dieses hochgeladene und nun entfernte Video hat keinerlei “Übertragungsprobleme” und ist auch nicht von “Netzinstabilitäten” gezeichnet, sondern ist in  seiner tadellosen Version auf eine Art bearbeitet, die auf die Verantwortlichen /Uploader verweist. Dieses Video ist Gegenstand meines Beitrages.

Dieses jetzt entfernte Video ist etwa vier Minuten kürzer, als das neu eingestellte Video. Was ist also mit den vier Minuten geschehen? Was ist in diesem vier Minuten zu sehen und zu hören? Genau das, was Professor Omar Bartov bei der Durchsicht des ersten Videos vermisst hatte?

Ja.

Manchmal ist eine Gegendarstellung entlarvender, als das sonst übliche Silencing. In diesem Fall ist das gut so.

Vielleicht hat jemand die erste hochgeladene Version abgespeichert/ bzw. heruntergeladen?

Ich bin auf jeden Fall für alle Hinweise dankbar.

 

Wolf Wetzel | 25.3.2024

Quellen und Hinweise:

A Mentsh is Mentsh – und ein Glitch, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/03/19/a-mentsh-is-mentsh-und-ein-glitch/

STUDIO BONN – A mentsh is a mentsh – Kunst & Kultur nach dem 7. Oktober: https://www.youtube.com/watch?v=ZeQqoiR2TfU

Twitter-Account von Omar Bartov: https://twitter.com/bartov_omer

Wenn der Verweis auf den Holocaust nicht Staatsverbrechen ächtet, sondern rechtfertigt, Wolf Wetzel, 2024: https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/wenn-der-verweis-auf-den-holocaust-nicht-staatsverbrechen-aechtet-sondern-rechtfertigt/

Anklage wegen Völkermord: Mit der Waffe des Rechts, taz vom 6.1.2024: https://taz.de/Anklage-wegen-Voelkermord/!5981347/

 

 

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