Erbe einer Fat cat. Von Markus Mohr und Klaus Wernecke

Veröffentlicht von

Erbe einer Fat cat

von Markus Mohr / Klaus Wernecke

 

„Die Entscheidung trägt das Gepräge von Einsamkeit und Freiheit, (…) (Jan Philipp) Reemtsmas Entschluss (zur Schließung des Hamburger Instituts für Sozialforschung) führt auf harte, aber folgerichtige Weise die Bedingungen vor, unter denen das Hamburger Institut seinen unverwechselbaren Rang, seine Lebendigkeit, seine intellektuelle Kraft bezog.“ (Gustav Seibt)

 

Mitte Januar gab der Hamburger Wissenschaftsmäzen Jan Philipp Reemtsma zusammen mit dem von ihm lohnabhängigen Institutsdirektor Wolfgang Knöbl das Ende des Hamburger Institutes für Sozialforschung (HIS) zum Jahr 2028 bekannt.

 

 

Von Reemtsma 1984 als eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet, ist es seitdem so gut wie „ausschließlich“, so wird es bereits zu Beginn der diesbezüglichen Pressemitteilung klargemacht, „aus dem Privatvermögen des Stifters (…) finanziert“ worden.

 

 

Die Pressemitteilung lässt ihre Leserinnen wissen: „Die Stärke des Hamburger Instituts für Sozialforschung lag in seiner Unabhängigkeit – in finanzieller wie in organisatorischer Hinsicht, wobei beides zusammenhängt.“ Um dann in leicht herablassend-genervten Ton verlauten zu lassen, dass es „nicht die Intention des Stifters war noch ist, ein beliebiges sozialwissenschaftliches Institut unter der Leitung oder Observanz irgendeiner anderen Forschungseinrichtung zu gründen“. Woraus dann was folgt? Richtig geraten: „Das Hamburger Institut für Sozialforschung (wird) im Jahre 2028 seine Arbeit einstellen.“[i] Ende der Durchsage.

Die ZwangsarbeiterInnen auf der Krim lassen grüßen

Mit der Gründung seines Institutes hatte sich Reemtsma das Erbe seines Vaters, dem Zigarettenfabrikanten Philipp Fürchtegott Reemtsma, zu Nutze gemacht. Als wendiger Unternehmer wusste er im Nationalsozialismus neben allem anderen klug in Bestechung zu investieren. Keine geringeren als Hermann Göring oder auch Erich Koch, der Gauleiter für Ostpreußen, standen auf seiner Bestechungsliste. Auch so stieg der Vater von Jan Philipp im Nationalsozialismus schon bald zu einem der reichsten Unternehmer in Europa auf. Im Zuge des am 22. Juni 1941 begonnenen Angriffskrieges gegen die Sowjetunion und hier vor allem nach der Besetzung der Krim wusste Fürchtegott Reemtsma sein Vermögen noch einmal deutlich zu vermehren: In enger Kooperation mit der Wehrmacht bekam die Reemtsma-Tochterfirma „Krim Orienttabak-Anbau GmbH“ auf der Krim die 600 traditionellen Tabakdörfer unterstellt. Das nutzte er dazu, „mehr als 28 000 Arbeitsfähige, vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche“ auszupressen, die „zwölf bis 14 Stunden täglich im Dienste der deutschen Tabakwirtschaft“ schufteten, wie die Journalistin Margot Schöning in einer Besprechung des Buches von Karl-Heinz Roth und Jan-Peter Abraham über das Zwangsarbeitssystem der Firma Reemtsma hervorhob. Immerhin soll es dabei für die Zwangsarbeiterinnen „als Gegenleistung schmales Essen in Betriebskantinen und karge Lebensmittelrationen“ gegeben haben. Und ansonsten galt ganz selbstverständlich: „Wer sich der unbezahlten Arbeit zu entziehen versuchte, kam ins Konzentrationslager, wurde deportiert oder erschossen.“ Dessen ungeachtet florierte jedenfalls das Geschäft durch den Reemtsma-Konzern, dem es im Jahr 1941 sogar gelang, die gesamte Heeresgruppe A im Osten mit Zigaretten zu versorgen.[ii]

Eine Binse, dass dieses vom Reemtsma-Tabak-Konzern zusammengeraffte Geld nach dem 23. Mai 1949, der Gründung der Bundesrepublik, natürlich nicht enteignet wurde. Nicht nur Konrad Adenauer, Hans Maria Globke, Reinhard Gehlen und Theodor Oberländer wären damit – im Unterschied zu Walter Ulbricht – nicht einverstanden gewesen. Und auch das ermöglichte dem Sohn von Fürchtegott Reemtsma Dekaden später die Gründung eines sozialwissenschaftlichen Institutes, mit dem er als ein bedeutend eingeschätzter Wohltäter in der Republik zu reüssieren vermochte.

Freiheit und Vogelfreiheit

Die Bekanntgabe der Entscheidung, das Hamburger Institut dicht zu machen, erfolgte als eine direkte Reaktion auf einen am Tag zuvor um 16.26 Uhr ins Netz gestellten Artikel bei FAZ.NET. In einem Beitrag unter dem Titel „Abschied mit Ansage“ hatte Thomas Thiel auf die von ihm als „völlig überraschend“ bezeichnete Ankündigung verwiesen, das Institut – „eine der nobelsten Adressen der Sozialwissenschaften in Deutschland“ – 2028 zu schließen. Den dabei von Thiel indirekt von Reemtsma referierten Grund zur Schließung – „Die Übernahme durch eine andere Institution schließt er aus, weil das Institut dann seine ausgewiesene Stärke verlöre, die eigene Agenda unabhängig von allen forschungspolitischen Trends zu setzen,“ – kontert er dabei mit dem richtigen Hinweis: „Unabhängig ist das Institut natürlich nur, solange man die Rolle des Mäzens nicht dazurechnet.“[iii]

So mussten dann alle nicht ganz so unabhängigen Beschäftigten des Instituts zunächst aus der Presse erfahren, dass ihr Chef in absehbarer Zeit keine Verwendung mehr für sie hat.[iv]

Die Reemtsma-Entscheidung löste im Blätterwald eine große Resonanz aus. Selbst das Diepholzer Kreisblatt hielt es für angezeigt, seine Leserinnen über die Schließung des als „renommiert“ bezeichneten HIS „nach mehr als 40 Jahren“ zu informieren.[v]

Es gab aber natürlich auch noch weitere Wortmeldungen in der Presse, die dazu ihre Akzente formulierten.

In der Frankfurter Rundschau konstatierte Michael Hesse das „Ende eines Bildungsauftrags“. Bezugnehmend auf einen Abschnitt aus der besagten Pressemitteilung, in der davon gesprochen wird, dass es die „Stärke des Instituts“ gewesen sein soll, „seine eigene Agenda“ geschrieben zu haben, die definitiv nicht „von einer anderen Institution oder einem von dieser eingesetzten Kontrollgremium übernommen“ werden könne, sah er nun das Ende eines von ihm als „groß“ und auch „wichtig“ bezeichneten Stückes „Geschichte der Wissensarbeit in der Bundesrepublik“ gekommen. Und dann floss ihm in seiner Laudatio noch die Formulierung „Leuchtturm der deutschen Forschungslandschaft“ aus der Feder, und selbst das war für Hesse definitiv noch „nicht alles.“ Denn: „Wolfgang Kraushaar lieferte eine vieldiskutierte Studie über die 68er-Bewegung und über linksterroristische Gruppierungen.“[vi]

Der Schüler von Karl Heinz Bohrer, Gustav Seibt, würdigte in einer längeren Abhandlung in der Süddeutschen das Ende des HIS zunächst als eine „historische Entscheidung für die intellektuelle Republik.“ Er bescheinigte dem HIS einen „unverwechselbaren Rang, (…) Lebendigkeit (…) (und) intellektuelle Kraft“. Dessen nunmehr angekündigtes Ende beklagte er als „verstörend und bitter.“ Seibt fängt dann in Bezug auf die von ihm als „kühl“ und „präzise“ gewürdigte Pressemitteilung an zu schwelgen: „Die Entscheidung trägt das Gepräge von Einsamkeit und Freiheit“. Mehr noch: Es soll nach Seibt der Meister selbst gewesen sein, der „in seiner Person (…) jene Einsamkeit und Freiheit (…) verkörpert und gesichert“ hat, die er keinem anderen und schon gar nicht irgendeiner „Nachfolgeorganisation“ zutraut. Seibt ist dann so keck, „hinter dem jetzt verkündeten Ende“ eine – wie er formuliert – „stolze These“ zu vermuten. Was mag das bloß sein, fragt man sich da als neugierig auf solche Thesen gemachter Leser? Hier gleich die Antwort von Seibt: Es sei doch die Düsternis „der staatlich alimentierten akademischen Welt“, die dafür sorge, dass eine Fortsetzung des Institutes „in den bürokratischen Malstrom heutiger Wissenschaftsorganisation mit ihren Gremien, Beiräten, Jurys, Gutachten, Pfründen, Hierarchien“ mit der Gefahr verbunden sei, in den „damit verbundenen geistigen Konformismus“ hineinzulaufen. Doch das sei es doch, womit das HIS „seine Besonderheit, sein unverwechselbares Gepräge“ verliere. Das, so Seibt, sei nun mal „die stolze These hinter dem jetzt verkündeten Ende“ – ausgesprochen von dem von ihm zuvor als ziemlich „einsam“ beschriebenen Meister Reemtsma selbst. Tja. Manchmal muss man einen Text einfach nur zweimal lesen, um fröhlich zu sein. Auch wenn Seibt zu der konkreten Rolle von Reemtsma gar der Begriff des Feudalismus in seinen Text hineinrutscht, so handelt es sich jedenfalls um ein donnerndes Plädoyer für eine Aristokratie.[vii]

Denkbar, dass der explizit elitär-antidemokratisch schwelgende Sound im Text von Seibt Reemtsma gut gefallen hat. Das könnte der Grund dafür gewesen sein, sich auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz vor fünf JournalistInnen zu seiner Schließungsankündigung zu den Worten hinreißen zu lassen: „`Jede scheinbare Fortführung des Instituts wäre eine Schließung mit anderen Mitteln´, sagte der 71-Jährige. Er habe als Mäzen seit bald 40 Jahren dafür gebürgt, dass die Forschenden des HIS frei arbeiten konnten. Diese Freiheit sei nicht mehr gewährleistet, wenn das Institut in die Verantwortung einer Universität oder einer Wissenschaftsorganisation wie etwa der Max-Planck-Gesellschaft übergeben werde.“[viii]

Liest man diese selbstherrlichen Aussagen richtig? Wahr ist jedenfalls, dass die Geschichte von Reemtsma als Institutsdirektor beim HIS auch zeigt, dass er jeden und jede von einem auf den nächsten Moment feuern konnte, wenn ihm etwas substantiell gegen den Strich ging. Da zählte dann wirklich nur seine Freiheit, und die der anderen verwandelte sich in eine Vogelfreiheit, die es ihnen – im Unterschied allerdings zu den Zwangsarbeiterinnen auf der Krim – noch erlaubte davonzufliegen. So einfach war das. Dass dabei der Historiker Karl-Heinz Roth von der Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte und der Mastermind der ersten Wehrmachtsausstellung Hannes Heer von Reemtsma mit etwas verabschiedet wurden, was man umgangssprachlich einen „goldenen Handschlag“ nennt, ändert an dieser Konstellation nichts.

Kursbuch in die Anpassung

Die überraschende Ankündigung der Schließung des HIS hat in den Presseveröffentlichungen auch etwas provoziert, was als eine vorfristig formulierte Bilanz des politischen Wirkens des HIS gesehen werden kann. Genannt werden hier vor allem die beiden Wehrmachtsausstellungen in den Jahren zwischen 1995 und 2004, die zusammengenommen von etwa eine Million Menschen besucht worden sind, und einige Mitarbeiter im HIS. In einem Pressebericht steht zu lesen: „Die stärksten Momente hatte (das HIS) mit der Präsentation der Wehrmachtsausstellung Mitte der 90er Jahre, die nach der Korrektur nachgewiesener Fehler in völlig neuem Gewand von 2001 bis 2004 gezeigt wurde. (…) In der Nachfolge waren es Persönlichkeiten wie der Historiker Michael Wildt, der Soziologe Heinz Bude oder der Zeithistoriker Wolfgang Kraushaar, die dem Institut eine Richtung gaben.“[ix] Mit diesen Hinweisen hat der Reporter durchaus etwas Richtiges angetippt und mit Ausnahme von Wildt auch zwei wichtige Delinquenten des HIS korrekt erwähnt: Bude und Kraushaar haben in der der Tat „dem Institut eine Richtung“ gegeben – wenn auch keine schöne.

Bude fungierte beim HIS geraume Zeit als Leiter des Arbeitsbereichs „Politik und Gesellschaft der alten und neuen Bundesrepublik“ und brachte sich ab Ende der 1990er Jahre explizit als ein Exponent einer, wie er es formulierte, „neuen Generation von Stichwortgebern und Praxisvirtuosen“ der rot-grünen Schröder/Fischer-Regierung ins Spiel. Von hier aus appellierte er an „die 68er auf der Vorderbühne, die Chance (zu) ergreifen, die Generation auf der Hinterbühne (…) für sich zu gewinnen“ und dafür bereit zu sein, eben deren Stichworte aufzulecken. Dabei fiel Bude als ein Stichwort auch gleich das Ausstoßen einer Fanfare auf den Ultraliberalismus eines Tony Blair ein. Hier zögerte er nicht, einfach dessen Propagandamodule zu der schmackigen Formulierung zu verrühren, dass es diesem doch „mit der Emphase“ eines politischen Predigers gelinge, „Gerechtigkeit mit Effizienz“ in Bezug zu einer „Politik der Möglichkeiten und Anreize“ in Verbindung zu bringen. Um was? Um eben das „vor allem mit einem Individualitätsmodell des Aktivismus und der Selbstverantwortung“ zu verknüpfen.[x] Nach dem siegreichen Kosovo-Krieg der NATO und der Bundeswehr in Jugoslawien wusste Bude die Politik von Schröder, Fischer und Scharping mit dem „Stichwort“ von „Erwägungen über den kriegsbedingten Stilwechsel in der Performanz“ schönzureden. Ausgerechnet Scharping bescheinigte er, „als Verteidigungsminister wohl den größten Glaubwürdigkeitsgewinn“ verbucht zu haben. Und das ist jemand, über den schon damals berichtet wurde, ein Erfinder der der Regierung von Jugoslawien unterschobenen „Operation Hufeisen“ zu sein.[xi] Doch um weitere Prosa war Bude, der wirklich als jemand gelten kann, der mit den Lachenden lacht und mit den Weinenden weint, hier keineswegs verlegen: Scharping trage „an der Last des Ältesten, der an Stelle des Vaters Sorge für seine Geschwister zu tragen hat.“ Für den sei das, so gab sich Bude überzeugt, „keine freudig gewählte Aufgabe, sondern eine Obligation natürlicher Vergemeinschaftung.“ Es war Bude selbst, der in Scharping eine – wie er formulierte – „psychodynamische Führungsfigur“ entdeckte, die – man reibt sich doch ein wenig die Augen – „die Transformation der großen patriarchalischen Brüderlichkeit in eine kleine, aber unnachgiebige Geschwisterlichkeit“ besorgt haben soll. Und in der Figur Joschka Fischer erkannte Bude nicht nur den „Staatsmann seiner Generation“, sondern will auch gesehen haben, dass „in dessen Gesicht der Schmerz steht.“[xii] Was man als eine Art Visagenanalytiker immer so glaubt, durchschaut zu haben. Wohl wahr: Die diskursive Unterstützung von Sozialraub und NATO-Aggressionskriegen, das war zumindest eine bedeutende Richtung, für die einige Exponenten des HIS in den Nullerjahren als knallharte Politikberater der Schröder/Fischer-Clique die öffentliche Rede gehalten haben.

Die Bourgeoisie fletscht die Zähne

In einem anderen Pressebeitrag steht vermerkt, dass sich „das alte HIS“ auch mit Kraushaar einen „Lebensexperten für bestimmte öffentlichkeitsrelevante Themen wie den Linksterrorismus (…) geleistet“ habe.[xiii] So im Ungefähren ist das nicht ganz verkehrt annotiert, wenn auch die Formulierung „Lebensexperte“ doch etwas fluffig geraten ist.

Richtig daran ist, dass Kraushaar im Jahr 2006 die beiden mit rund 1500 großformatigen Seiten voluminös geratenen Bände zur „RAF und der linke Terrorismus“ veröffentlicht hat. Die zentrale Intention dieses Projektes bestand nicht nur darin, mit einer kleinen Gruppe linksradikaler Militanter nach 1968 abzurechnen. Es ging natürlich wie gewohnt am HIS um mehr: Und zwar gleich um die Entsorgung der ganzen Revolte der späten 1960er Jahre in der Bundesrepublik selbst. Eben das hat Reemtsma schon 1985 in einem über ihn verbreiteten Porträt offen, wenn auch in verdrehter Formulierung, angesprochen: „In die konkrete Arbeit seines Instituts will sich Jan Philipp Reemtsma erst da einmischen, `wo das, was ich persönlich kann, wofür ich gut bin, eine Rolle spielt´. Das wäre dann der Fall (…), wenn Reemtsma sich auf das lange sehnsüchtig erwartete Thema `Politisierungs- und Entpolitisierungsprozesse am Beispiel der 68er Bewegung´ stürzt. Irgendwann einmal wird sich das Institut auch damit beschäftigen.“[xiv] Die hier journalistisch angetippte lange Sehnsucht, sich irgendwann auf das 68er-Thema zu stürzen, sollte sich dann 21 Jahre später mit der Publikation der beiden Kraushaar-Bände zur RAF realisieren. Dazu hat der in Wien lebende Publizist Franz Schandl schon 2007 in einem informierten Verriss die richtigen Worte gefunden: „Die vorliegende Bilanz ist leider im wahrsten Sinne des Wortes eine Abrechnung. Da werden alte Rechnungen beglichen, von denen aber die meisten Leser nichts wissen können. Woraus rührt ihre Aggressivität? Fühlten (sich Reemtsma und Kraushaar) jahrelang eingemeindet in eine Geiselhaft falscher Solidarität? Das mag sein und einiges erklären. Aber rechtfertigen tut es nichts. Ziel ist nicht bloß die Delegitimierung der RAF, sondern die Delegitimierung von 68 und damit jeglichen emanzipatorischen Versuchs. (…) Es handelt sich dabei um das Bedürfnis der in der Berliner Republik angekommenen Ex-68er, um die Rückkehr der biederen Leute.“ Schandl exemplifiziert seine Überlegungen an dem in dem besagten Projekt abgedruckten Aufsatz von Reemtsma „Was heißt >die Geschichte der RAF verstehen<?“, in dem er sowohl in Inhalt wie auch Tonlage das „Duett des Besitzbürgers mit dem Staatsbürger“ hervorhebt. Bezugnehmend auf die Aussage von Reemtsma, „Solidarität respektive Kameradschaft (…) sind für solche, die das bürgerliche Leben nicht aushalten, weil es sie überfordert“, retourniert Schandl: „In aller Offenheit wird hier gesagt, was Sache sei: Das bürgerliche Leben ist auszuhalten. Wer mit Markt und Staat, Arbeit und Geld nicht klarkommt, ist selber schuld, `überfordert´, letztlich ein pathologischer Fall. Unbehagen, Aufbegehren, Widerstand werden somit zum persönlichen Manko. Jeder ist doch seines Glückes Schmied, sagt der gemeine Menschenverstand und Reemtsma als wendiger wie gewendeter Ideologe übersetzt die marktliberalen Plattheiten ins Akademische. Dass die Leute der RAF es nicht ausgehalten haben, spricht nicht gegen sie, gegen sie spricht, dass sie falsche Konsequenzen gezogen haben. Das sind zwei verschiedene Dinge.“ Kurz: Anpassung und Geldmachen, mehr wird hier von den „Fanatikern von Markt und Demokratie“ nicht geboten, so Schandl, die allerdings dazu bereit sind, „alles niederwalzen (zu) wollen, was nach Kritik riecht, indem sie diese a priori unter Verdacht stellen. (…) „Kapituliert!“ schreit dieser neudeutsche Imperativ.“[xv] Mit Blick auf die Kampfschrift „Unser Kampf“ durch den Mitläufer der 68er Revolte Götz Aly[xvi] vermerkte Hannes Heer auf einer Veranstaltung zu Ehren der von Walter Mossmann vorgestellten „wahrheitsgetreu gefälschten Erinnerungen“[xvii] das einmal trocken mit der Bemerkung: „Hier fletscht die Bourgeoisie die Zähne!“ Das lässt sich auch zu der hier von Schandl außerordentlich klug pointierten Aussage von Reemtsma „Solidarität respektive Kameradschaft“ sagen. Daran ist aber noch etwas Anderes interessant. Denn natürlich ist Reemtsma informiert genug, um um die Primitivität des hier von ihm bemühten Hufeisens aus der Extremismusdoktrin zu wissen. Dass er sie doch in Anschlag gebracht hat, erklärt sich vielleicht sozialpsychologisch. Hier brüllt ein mutmaßlich in der RAF-Sympathisantenszene im Hamburg der frühen 1970er Jahre Gekränkter seine Unfähigkeit heraus, damals nicht dazu in der Lage gewesen zu sein, im freien Geist zu widersprechen. Denen, die sich als mutmaßliche Unterstützer der RAF bei ihm auf dem Sofa „gefläzt“ haben, wie es Reemtsma einmal in einer Veranstaltung in der Kantine des SPIEGEL Ende Februar 2007 im Modus des rhetorischen Kontrollverlustes so fassungslos wie völlig konsterniert herausrutschte,[xviii] zahlt er es fast 40 Jahre später heim. Schade, denn es kann doch kaum etwas Angenehmeres geben, als sich auf einem Sofa zu fläzen, denkt man sich da. Der oszillierend schillernde Graubereich zwischen der Figur des Sympathisanten zu der Figur des Denunzianten wird von Schandl treffend dann noch wie folgt beschreiben: „Nein, die Geschichte von Reemtsma, Kraushaar und Co kann man nicht verstehen, ohne die theorieförmigen Defekte der Ehemaligen zu untersuchen. Reemtsma entsorgt nicht nur ein Verständnis, er entsorgt jedes Verstehen gleich mit. Die strikte Personalisierung der Tat fungiert als Freispruch für das gesellschaftliche System. Renegaten stehen hoch im Kurs. Mehr als die Figur des Sympathisanten sollte die des Denunzianten interessieren.“ [xix]

Erste Wehrmachtsausstellung, die „Büchse der Pandora“

Mit der ersten von einem kleinen Team um Hannes Heer konzipierten Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 in den Jahren 1995 bis 1999 setzte HIS wirklich einen bedeutenden Punkt.[xx] Nach der DDR-Geschichtsschreibung hatte eine nun immer kritischer werdende BRD-Militärforschung zum Thema Krieg gegen Polen und die Sowjetunion schon weitere zahlreiche Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht erfasst und geschildert. Der 1978 publizierten Schrift von Christian Streit „Keine Kameraden“ über die barbarische Behandlung von Millionen von sowjetischen Kriegsgefangenen durch die deutsche Wehrmacht[xxi] folgten seit den 1980er-Jahren eine Reihe von Darstellungen durch Historiker des Freiburger Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA), auch „Freiburger Schule“ genannt. Durch die Wehrmachtsausstellung und ihren Fokus auf die Masse der deutschen Soldaten erfuhr das Thema eine gesellschaftliche Verlängerung und erste Vollendung. Von Jürgen Förster, einem Mitarbeiter beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt, ist die Aussage überliefert, „dass es der Hamburger Wanderausstellung besser als der Forschung gelang, wichtige Ausschnitte der Kriegswirklichkeit im Osten und auf dem Balkan optisch in das Land der Täter zurückzubringen.“[xxii]

Dabei schrieb das HIS durch das Zeigen von Zeitgeschichte in der Bundesrepublik selbst Geschichte. Es plante die Wehrmachtsausstellung zunächst lediglich als eine institutsintern konzipierte Nebenausstellung des mit einem erheblich größeren Mitteleinsatz geplanten Ausstellungsprojektes „200 Tage und ein Jahrhundert“.[xxiii] Doch eben dieses ganz im Geist der Totalitarismustheorie der 1950er-Jahre entwickelte Projekt sollte sowohl intellektuell wie auch praktisch ein Fiasko erleben.[xxiv] Sie wurde 1995 nur kurz hier und da ohne jede besondere Resonanz gezeigt, und dann verschwand sie. Warum das so gekommen ist, wie es gekommen ist, wurde einmal von Karl Heinz Roth in einem instruktiven Aufsatz nachgezeichnet.[xxv] Demgegenüber nahm die Wehrmachtsausstellung Fahrt auf: Sie wurde in 32 deutschen Städten gezeigt, lockte etwa 900.000 Besucherinnen an und führte zu intensiven Diskussionen in der Bevölkerung. Auf der Basis von drei Fallstudien – der Judenmord im Verwaltungsbezirk Serbien, die Zusammenarbeit der 6. Armee mit den Kommandos der Einsatzgruppe C in Ukraine und das Wirken der Einsatzgruppen in Weißrussland – bestand ihr Verdienst wesentlich darin, den Fokus auf Verbrechen der Wehrmacht zu legen, die Folge nationalsozialistischer Politik waren. Diese Ausstellung zeigte Verbrechen der Wehrmacht als Verbrechen der Wehrmacht und nicht als ein Teil allgemeiner NS-Kriminalität. Auch so gelang es dieser Ausstellung, neue Erkenntnisse zum Vernichtungskrieg der Wehrmacht und zu deren Völkermord in den besetzten Gebieten zu generieren.

Alles das rief das Bundesverteidigungsministerium, konservative Politiker, Professoren, Kameradschaftsverbände bis hin zu Nationalsozialisten auf den Plan. Das Verteidigungsministerium verbot seinen Angehörigen, in dienstlicher Funktion die Ausstellung zu besuchen. Unter der Parole: „Mein Opa war kein Nazi!“ kam es Anfang März 1997 in München gegen die Ausstellung zu einer Massenmobilisierung mit einer Demonstration von 5.000 Teilnehmern. Sie wurde angeführt vom CSU-Politiker Peter Gauweiler.[xxvi] Daran nahm prominent auch die NPD teil. Dabei war in den Führungsgremien der Partei um die Jahreswende 1995/96 noch eine intensive Diskussion darüber geführt worden, ob die dahinsiechende Organisation nicht besser aufgelöst werden sollte. Doch das wurde durch Wolfgang Frenz und Udo Holtmann mit ihrer Stimme im Bundesvorstand verhindert. Frenz stand dabei im Dienst des Landesamtes für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen und Holtmann, der nach der Amtsenthebung des NPD-Vorsitzenden Deckert für die Zeit von November 1995 bis März 1996 auch als kommissarischer Bundesvorsitzender der NPD fungierte, bekam seine Anweisungen vom Bundesamt für Verfassungsschutz, für das er arbeitete.[xxvii] Durch das weitere Engagement von Frenz und Holtmann bescherte die Kampagne gegen die Wehrmachtsausstellung der Partei nach Jahrzehnten des Niederganges einen ungeahnten Mobilisierungserfolg.[xxviii] In der quasi offiziellen, von Holger Apfel publizierten Schrift zur NPD-Parteigeschichte, die wesentlich auch auf dem als „Fundgrube“ bezeichneten Fotoarchiv von Holtmann beruht, wird der Manifestation gegen die Wehrmachtsausstellung in München ein ganzes Kapitel gewidmet. Ein Foto zeigt dabei den stellvertretenden Parteivorsitzenden Holtmann. Die Fotogalerie schließt mit einem Bild von der NPD-Demonstration gegen die „antideutsche Schandausstellung“ in Dresden vom 24. Januar 1998.[xxix]

Auch die Aktivisten der Kameradschaft Jena nahmen an dieser Mobilisierung nach München unter der Leitung von Tino Brandt, darunter Mario Brehme, André Kapke, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Carsten Schultze, teil.[xxx] Es war diese Kameradschaft, die schon im Juni 1996 zusammen mit dem Nazi-Terroristen Manfred Roeder im Gewerkschaftshaus Erfurt einen von Bodo Ramelow beendeten Angriff auf die Ausstellung verübt hatte.[xxxi] Aus ihr ging dann das sogenannte Netzwerk der NSU-Kameraden hervor.[xxxii] Am 24. Januar 1998 nahmen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt in Dresden an einer von der NPD organisierten Demonstration gegen die Wehrmachtsausstellung teil. Sie trugen dort ein Transparent mit der Aufschrift „Nationalismus – eine Idee sucht Handelnde“. Zwei Tage danach tauchten sie vor den Augen der Polizei in Jena ab, um in den nächsten Jahren auf ihre Weise dem „Nationalismus“ Geltung zu verschaffen. [xxxiii] Etwa zwei Jahre nach der Nazi-Demonstration in München kam es Anfang März in Saarbrücken zu einem bis heute nicht aufgeklärten professionell durchgeführten Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung.[xxxiv]

Nachdem Mitte 1999 auch in zwei Aufsätzen in fachwissenschaftlichen Zeitschriften Kritik an der Dignität der ausgestellten Fotos in der Ausstellung geübt wurde, verfügte Reemtsma Anfang November 1999 die Abberufung von Heer als Leiter der Ausstellung und brach diese gegen dessen Einwände ab. Johannes Klotz kommentierte das damals schon dahingehend, dass durch das Fallenlassen von Heer „Kommunistenhatz und persönliche Diffamierung zumindest partiell von Erfolg gekrönt“ seien und nunmehr „einer der lange Gejagten (…) erledigt“ sei. Und er bezeichnete das als einen „späte(n) Erfolg der geschichtspolitischen Hetzkampagne gegen Reemtsma, Heer und die Ausstellung durch die konservative und extreme Rechte.“ [xxxv]

Mitte August 2000 machte dann bundesweit eine DPA-Meldung die Runde, die unmissverständlich die (wissenschaftlichen) Machtverhältnisse im HIS sichtbar machte: „Jan Philipp Reemtsma, Chef des Hamburger Instituts für Sozialforschung, hat nach Informationen des ‚Spiegel‘ die Zusammenarbeit mit dem Historiker Hannes Heer beendet. (…) Obwohl eine internationale Historikerkommission Vorwürfe gegen Heer inzwischen teilweise entkräftet hat, muss der Ausstellungsleiter das Reemtsma-Institut zum Jahresende verlassen. Reemtsma habe sich mit Heer nicht über die Neukonzeption einigen können, berichtete der ‚Spiegel‘.“ Die Lüneburger Landeszeitung brachte die Meldung auf den (Macht-)Punkt und titelte: „Reemtsma feuert Heer.“[xxxvi]

Reemtsma hatte sich ohnehin schon kurz nach dem Abbruch der ersten Ausstellung auf den Weg gemacht, ein vollständig anderes Konzept zu dem Thema zu realisieren. Dabei wurden auch im gemeinsamen Arbeitsprozess mit den Ausstellungsmachern um Heer geltend gemachte Begründungen für die erste Wehrmachtsausstellung frei von allen quellenkritischen Erwägungen von ihm über Bord geworfen. Im November 1999 erwiderte er auf den von Ulrich Raulff formulierten Hinweis, dass „doch bis zum Schluss (der Ausstellung) immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt worden (sei), die Legende von der sauberen Wehrmacht sei nun endlich zerstört“, allen Ernstes: „Wir haben doch nicht angefangen mit diesem Satz von der Legende. Das waren Schlagzeilen nach der ersten Pressekonferenz, als wir die Ausstellung in Hamburg eröffnet haben. Wir sind mit dem Begriff >Ende einer Legende< nie hausieren gegangen, der stammt nicht von uns. Der stammt von der Presse.“[xxxvii]

Mit dieser Retusche war der Redakteur der ZEIT Volker Ulrich überhaupt nicht einverstanden. Ein Jahr später trug er zum Beweis die „ersten Sätze des Ausstellungskataloges“ aus dem Jahr 1996 nach: „1945, kaum daß Nazi-Deutschland besiegt war, begannen die ehemaligen Generäle mit der Fabrikation einer Legende – der Legende von der ‚sauberen Wehrmacht‘ … 1995, fünfzig Jahre später, ist es an der Zeit, sich von dieser Lüge endgültig zu verabschieden und die Realität eines großen Verbrechens zu akzeptieren.“[xxxviii]

Damit wollte Reemtsma nun nichts mehr zu tun haben. Überlegungen gingen hier sogar so weit, „die erste Ausstellung, die Büchse der Pandora, sofort und für immer verschwinden (zu) lassen“, worauf Hannes Heer einmal hinwies. Nach Intervention, so Heer weiter, ist sie dann „in den Depots des Deutschen Historischen Museums in Berlin verschwunden.“[xxxix]

Die zweite ab Ende 2001 gezeigte Wehrmachtsausstellung wurde mit einem gegenüber der ersten Ausstellung vervielfachten Ressourcenaufwand bewerkstelligt: Statt insgesamt sechs Leute wie bei der ersten Ausstellung arbeiteten daran nun 20 Historiker zuzüglich eines großen Designerstabes. Ihnen kann als Ergebnis ihrer Arbeit angerechnet werden, dass sie dafür sorgten, die Täter verschwinden zu lassen, wie Hannes Heer kurz und bündig in einem längeren Aufsatz vermerkte.[xl]

Klaus Theweleit stellte darauf ab, dass es mit dieser zweiten Wehrmachtsausstellung dem Institut zentral darum gegangen sei, bei diesem Thema in die „Unmöglichkeit der Seriosität“ zu rennen, und das allein zu dem traurigen Zweck, „‚ernstgenommen‘ (zu) werden von den ‚maßgeblichen‘ Institutionen der Gesellschaft und deren Repräsentanten.“ Theweleit beklagte hier „die Selbstkasteiung, die Jan Philipp Reemtsma mit der ‚Reinigung‘ der Konzeption der sogenannten Wehrmachtsausstellung vorgenommen hat.“ Der Kern der alten Ausstellung, „der auf den Fotografien deutscher Wehrmachtssoldaten dokumentierte Vorgang des erlaubten, freudespendenden Fotografierens von Mordakten an den ‚slawischen‘ Bevölkerungen Polens, Rußlands, des Balkans und an Juden“, sei getilgt worden. Nun gäbe es stattdessen „eine Inflation gut geprüfter“ und, so gab sich Theweleit überzeugt, „sicherlich total fehlerloser kommentierender und erklärender Texte, präsentiert in einem Ambiente von klinischem Weiß, das psychisch in die Welt von Waschmittelwerbungen entführt.“ Eben diese Texte seien bestimmt für „wissenschaftlich vorgebildete oder besser: trainierte Menschen“, die darin „allerdings nur das vorzufinden pflegen, was sie schon wissen. Aufklärung für Aufgeklärte. Buchstaben für Buchstabendressierte. Eine Beschränkung auf das, was in traditioneller Tauschwertwissenschaft ‚Seriosität‘ heißt.“[xli]

„ …. a rich political donor, also called an angel or big-money man“

So. Wir haben nun genug die im bürgerlichen Feuilleton als „einsam“ gewürdigten Entscheidungen und die auch noch als „stolz“ hochgejubelten Thesen des Mäzens und Institutsdirektors Reemtsma kritisiert: Das gilt in Bezug auf

  • die angekündigte Schließung des HIS
  • die intellektuelle Selbstgleichschaltung einiger Exponenten des HIS mit der Politik rot-grüner Jahre 1998 bis 2005
  • die völlig misslungene Forschung zum „Linksterrorismus“
  • und die falsche Entscheidung zum Abbruch der ersten Wehrmachtsausstellung.

Im Wikipedia-Eintrag in den USA steht zu dem Stichwort Fat cat frei von allen ständisch-feudalistischen Schlacken vermerkt, dass es sich um einen „political term originally describing a rich political donor, also called an angel or big-money man“ handelt.[xlii]

Das ist von Reemtsma in seiner hier beschriebenen Rolle als Finanzier und Direktor des HIS mustergültig erfüllt worden. Die vom konservativ-liberalen Gustav Seibt beschworene „Einsamkeit und Freiheit“ hat es jenseits der „staatlich alimentierten akademischen Welt“ im Hamburger Institut für dort arbeitende Wissenschaftler/Historiker nicht gegeben. Deren Arbeitsalltag durchzog auch ein zuweilen erstickendes autoritäres Klima mit Furcht vor An- und Zurechtweisungen von „oben“. Welche „Einsamkeit“? Vielleicht in der Pause auf der Institutstoilette. Es gibt wohl private Stiftungen mit einer weniger reglementierenden Arbeitsatmosphäre. Vorbild für eine sich demokratisch gebende Gesellschaft kann eine Privatisierung historischer Forschung und der damit verbundenen Drohung inhaltlicher Kommandos von Geldgebern nicht sein. Der Fall Reemtsma ist hier exemplarisch.

Allerdings ist zu der im Wiki-Eintrag auch notierten Begrifflichkeit „angel“ noch etwas nachzutragen. Wahrscheinlich hat Reemtsma außerordentlich segensreich in der Literaturwissenschaft gewirkt. Hinzuweisen ist hier besonders auf die Unterstützung des völlig verarmten Schriftstellers Arno Schmidt und die Sicherung seines Nachlasses in Form einer Stiftung,[xliii] aber auch die Wiederentdeckung und Würdigung des lange vergessenen Dichters der Aufklärung Christoph Martin Wieland.[xliv] Hervorzuheben ist auch Reemtsmas Leistung, sowohl der Hamburger Bevölkerung als auch vielen wissbegierigen jungen DoktorandInnen ein großartig eingerichtetes Archiv wie auch eine fulminante Präsenzbibliothek mit einer ganzen Reihe von sehr hilfs- und auskunftsbereiten MitarbeiterInnen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Hier wäre ein Verlust überhaupt nicht gut zu machen. Und ähnlich wie bei dem erfolgreichen Medium Twitter, heute X, sollte es darum gehen, dieses in geeigneter Art und Weise zu sozialisieren. Unter Umständen provoziert wenigstens hier die als „einsam“ gewürdigte Entscheidung des Mäzens die Gründung einer Letzten Generation von, sagen wir, Archiv- und Bibliothekskleberinnen, die die in vier Jahren geplante Schließung aufhalten.

 

Gerne erinnern wir uns an das politische Engagement von Reemtsma für die Hafenstraße in den Jahren 1987/88. Das soll ihm auch nachträglich noch hoch angerechnet werden.

 

In einer Polizeiakte im Hamburger Staatsarchiv ist sogar das Gerücht dokumentiert, dass er kurz vor dem angekündigten Räumungsshowdown Mitte November 1987 zusammen mit Thomas Ebermann, Antje Vollmer, Christan Arndt und Hermann L. Gremliza dazu bereit gewesen sein soll, in die gut verbarrikadierten Häuser in der Hafenstraße einzuziehen, um auch so die militant geplante Verteidigung mit seinem Vermögen zu unterstützen. Aber so richtig belegt ist das noch nicht.[xlv] Belegt ist aber, dass Reemtsma zusammen mit zwei weiteren Autoren die Publikation des Buches „‚Hafenstraße‘: Chronik und Analysen eines Konflikts“ besorgt hat. Es erschien vor der angedrohten Räumung der Hafenstraße Ende Oktober 1987. Darin kann man auch auf der Basis von geklauten Akten aus dem Bezirksamt Mitte sehr instruktiv nachlesen, dass eine ganze Reihe von politisch Verantwortlichen in der Stadt, die niemals müde wurden, die Besetzerinnen in der Hafenstraße der Illegalität zu bezichtigen, selbst gegen diese jahrelang verdeckt im völlig rechtsfreien Raum agierten[xlvi] Das war eine verdienstvolle Publikation, die nicht überall Beifall erhalten hat, wie der Versuch des Bürgerschaftsabgeordneten der SPD Gerd Weiland zeigte, das Erscheinen mit einer einstweiligen Verfügung noch zu verhindern, was jedoch im Ergebnis misslang.[xlvii] So trug dieses Buch auf seine Weise zum Erhalt der Häuser in der Hafenstraße bei. Wenigstens in dieser historischen Sekunde war es Reemtsma selbst, der einmal die Kameraderie in seinem bürgerlichen Leben nicht mehr ausgehalten hat und sich stattdessen in einen linken Solidaritätszusammenhang für den Erhalt der besetzten Häuser in der Hafenstraße eingebracht hat. Prima! Richtig aber auch: Reemtsma ist dann Mitte September 1988 zusammen mit zwei weiteren Autoren auf den Einfall gekommen, der Hafenstraße die Israel-Boykott- und Palästina-Solidaritätsparolen an der Wand der Hafenstraße 106 wahrheitswidrig als Ausdruck einer „unbegriffene(n) Einigkeit aus deutsch-antijüdischer Tradition“ anzudichten. Doch das fällt gegenüber seinem großen, auch von Risiken nicht ganz freien Engagement im November 1987 nicht wesentlich ins Gewicht. Und außerdem beschreibt das schon eine ganz andere Geschichte.[xlviii]

Markus Mohr / Klaus Wernecke | Februar 2024

 

[i] Jan Philipp Reemtsma, Wolfgang Knöbl, 2028 wird das Hamburger Institut für Sozialforschung seine Arbeit einstellen, Pressemitteilung vom 15.1.2024, URL: https://www.his-online.de/das-institut/aktuelles/#c3642

[ii] Margot Schöning, Buch über Zwangsarbeit auf der Krim-Studie zeigt am Beispiel Vernichtungs- und Plünderungspolitik von Reemtsma in besetzten Gebieten / Historiker Karl-Heinz Roth und Slawist Jan-Peter Abraham veröffentlichten im September 2011 die Ergebnisse von zwölf Jahren akribischer Geschichtsforschung über den Kriegsprofiteurs Reemtsma während des Zweiten Weltkrieges, in: Märkische Allgemeine vom 23.4.2012, S. 2 Siehe: Karl Heinz Roth, Jan-Peter Abraham, Reemtsma auf der Krim, Edition Nautilus, Hamburg 2011, HIS Bibliothek Oek 435/21 Präsenzbestand

[iii] Thomas Thiel, Abschied mit Ansage / Das Hamburger Institut für Sozialforschung soll geschlossen werden. So will es sein Gründer und Mäzen. Die Sozialwissenschaft würde damit eine prägende Institution verlieren, auf: FAZ.NET vom 14.1.2024, 16:26 Uhr, URL: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/reemtsma-will-hamburger-institut-fuer-sozialforschung-schliessen-19447757.html; Siehe auch: T. Thiel, Abschied mit Ansage / Der Souverän spricht, in: FAZ vom 15.1.2024, S. 9

[iv] Tania Martini, Wes Geist es entspräche / Jan Philipp Reemtsma erklärte die Schließung seines renommierten Hamburger Instituts für Sozialforschung (…) der Presse, in: taz vom 24.1.2024, S. 16, URL: https://taz.de/Reemtsma-Institut-vor-der-Schliessung/!5984502/

[v] EPD, Reemtsma schließt sein Institut für Sozialforschung, in: Diepholzer Kreisblatt vom 17.1.2024

[vi] Michael Hesse, Reemtsma – Schließung des Hamburger Instituts für Sozialforschung: Ende eines Bildungsauftrags, in: Frankfurter Rundschau vom 15.01.2024, URL: https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/schliessung-des-hamburger-instituts-fuer-sozialforschung-ende-eines-bildungsauftrags-92776766.html

[vii] Gustav Seibt, Reemtsma schließt Hamburger Institut für Sozialforschung / Verstörend und bitter, in: SZ vom 15.1.2024, S. 12, URL: https://www.sueddeutsche.de/kultur/jan-philipp-reemtsma-hamburger-institut-fuer-sozialforschung-schliessung-1.6333126?reduced=true

[viii] Oskar Piegsa, (Reemtsma äußert sich zum Ende des HIS) auf: ZEIT-online vom 24.1.2024, URL: https://www.zeit.de/hamburg/2024-01/elbvertiefung-23-01-2024

[ix] Harry Nutt, Ende eines renommierten Projekts / Reemtsma-Institut in Hamburg wird aufgelöst, in: Berliner Zeitung vom 16.1.2024, S. 11, URL: https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/jan-philipp-reemtsma-kuendigt-die-aufloesung-seines-instituts-an-li.2176942

[x] Harry Nutt, Sich retten gilt nicht / Die Bundestagswahl hat die Achtundsechziger auf die Vorderbühne und eine neue Generation von Stichwortgebern auf die Hinterbühne gebracht. Gespräch mit Heinz Bude über die Politik der Berliner Republik und den Wandel, in: taz vom 27.10.1998, S. 15, URL: https://taz.de/!1318856/

[xi] O.N. Hufeiensenplan, Eintrag auf: Wikipedia. „Hufeisenplan, Operationsplan Hufeisen (im angeblichen Original: Potkova-Plan) war die Bezeichnung eines angeblichen militärstrategischen Plans zur systematischen Vertreibung der Kosovo-Albaner aus dem Kosovo, der der jugoslawischen Regierung zugeschrieben wurde. Er diente als zusätzliche nachträgliche Begründung der NATO-Militärintervention im Kosovo-Konflikt. Seine tatsächliche Existenz konnte bislang nicht bewiesen werden.“ URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Hufeisenplan

[xii] Heinz Bude, Nach dem Krieg / Die neue Politikergeneration hat sich verändert, in: SZ vom 14.6.1999, S. 13.

Der HIS-Kollege von Bude, Kraushaar marschierte gleich direkt zur NATO-Angriffskriegsbefürwortung durch, nicht ohne dabei die „68er und die Friedensbewegung“ als „Komplizen“, d.h. zu Leuten, die anderen bei Straftaten helfen, zu verleumden, siehe: W. Kraushaar, Blinde Entrüstung / Vom Zuschauer zum Komplizen: Der Kosovo-Krieg, die 68er und die Friedensbewegung, in: taz vom 27.4.1999, S. 15/16, URL: https://taz.de/Blinde-Entruestung/!1291392/

[xiii] Philipp Staab, Es war der Himmel der Theorieproduktion, und wir wussten es / Die Verdienste des Hamburger Instituts für Sozialforschung um die kritische Öffentlichkeit sind Legende. Jan Philipp Reemtsma, der Stifter, der es jetzt schließen will, ermöglichte alles und forderte viel, in: taz vom 20.1.2024, S. 40, URL: https://taz.de/Hamburger-Institut-fuer-Sozialforschung/!5986513/

[xiv] Tom Schimmeck, Zögling und Erbe / Jan phil. Reemtsma, in: Transatlantik Nr. 1 / Winter 1985, S. 44 – 49, hier S. 45 URL: https://www.schimmeck.de/Texte/reemtsma.htm. HIS Archiv A-ZT 0381

[xv] Franz Schandl, Fratze statt Mythos / Reemtsma und Kraushaar entsorgen 1968, in: Streifzüge Nr. 39 vom April 2007, S. 24 – 26, Archiv Soziale Bewegungen Rote Flora, WE/A – 01.000 – Außerparlamentarische Opposition, URL: streifzuege.org/2007/fratze-statt-mythos/

[xvi] Götz Aly, Unser Kampf / Ein irritierter Blick zurück, Frankfurt 2008, HIS Bibliothek SBe 403/156 Präsenzbestand

[xvii] Vgl. Walter Mossmann, Realistisch sein: das Unmögliche verlangen: wahrheitsgetreu gefälschte Erinnerungen, Berlin 2009, HIS Bibliothek SBe 403/190 Präsenzbestand

[xviii] Siehe: M. Mohr, Die mit den Dämonen tanzen / In Hamburg erörterten Jan Philipp Reemtsma, Wolfgang Kraushaar und Stefan Aust Probleme des Klassenkampfes am Beispiel der RAF, in: Junge Welt vom 23.2.2007, URL: https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/82062.die-mit-den-d%C3%A4monen-tanzen.html

[xix] Franz Schandl, Fratze statt Mythos … in: Streifzüge Nr. 39 vom April 2007, S. 26. Der Publikation der Kraushaar-Bände zur RAF war im September 2004 eine gemeinsam vom HIS mit der Evangelischen Akademie in Arnoldshain durchgeführte Tagung unter dem Motto „Das Phänomen RAF“ vorangegangen. In dem Eröffnungsvortrag verknüpfte Reemtsma, seine Forderung nach einer schonungslosen Auseinandersetzung mit der Geschichte des deutschen Terrorismus mit der in der historischen Sozialwissenschaft bislang völlig unbekannten Einsicht, – so ein Tagungsbericht – dass für „sich betrachtet (…) die RAF ein ‚Haufen stammelnder Idioten’ gewesen“ sein soll. Der Bericht vermerkte hier für den Verlauf der Diskussionen die Konfrontation zwischen, wie es formuliert wurde, „eigentlichen Zeitzeugen“ zu denen ehemalige Aktivistinnen der RAF und der Bewegung 2. Juni gezählt wurden, die noch als die „angenehmsten“ bezeichnet wurden, und den „uneigentlichen Zeitzeugen“ die sich „von doppelten Schuldgefühlen geplagt sahen: den eigentlichen Zeitzeugen gegenüber, weil man damals nicht mitgekämpft hatte, der Jüngeren Generation gegenüber, weil man nicht so objektiv sein konnte wie man sein zu wollen vorgab.“ Das führte dann bei einer ganzen Reihe der vom HIS für diese Tagung an den Start gebrachten Referenten „nicht von ungefähr“ sichtlich zu gravierenden Problemen „mit der Vermittlung zwischen Erinnerung und Analyse“ Hier sei dann „der Wille zur Wissenschaft“ immer wieder „von der Kraft der Erinnerung überflügelt“ worden. Siehe: Annette Vohwinckel, Von Zeitzeugen und Deutungshoheiten (Bericht zu der Tagung „Das Phänomen RAF“ in Arnoldshain vom 16 – 19.9.2004) auf: H-Soz-Kult vom 29.10.2004, URL: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-119296

[xx] Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.) (Red.: Hannes Heer und Birgit Otte), Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 (Katalog zur Ausstellung Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944], Hamburg 1996, HIS Bibliothek HIS 170/Deu 31 Präsenzbibliothek

[xxi] Vgl. Christian Streit, Keine Kameraden / Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 – 45, Bonn (Neuausgabe) 1991 HIS 175/9 Bibliothek Präsenzbestand

[xxii] Volker Ulrich, Von Bildern und Legenden / Der neue Streit um die Wehrmachtsausstellung zeigt, wie sorgfältig mit Fotodokumenten gearbeitet werden muss / Keine historische Ausstellung hat die Republik so aufgewühlt wie die Dokumentation des Hamburger Instituts für Sozialforschung Vernichtungskrieg, in: ZEIT Nr. 44 vom 28.10.1999, S. 99, URL: https://www.zeit.de/1999/44/199944.wehrmachtsausste.xml

[xxiii] Vgl. HIS, 200 Tage und 1 Jahrhundert / Gewalt und Destruktivität im Spiegel des Jahres 1945, Hamburg 1995, HIS Bibliothek POL 110/16 Präsenzbestand. URL: https://www.hamburger-edition.de/buecher-e-books/artikel-detail/d/2179/200_Tage_und_1_Jahrhundert_%28Print%29/7/

[xxiv] Vgl. Christian Semler, Barbarei und Ratlosigkeit / Eine Ausstellung im Hamburger Kampnagel will das “Jahrhundert der Barbarei” anhand von sieben Daten des Jahres 1945 erschließen, in: taz vom 1.2.1995, S. 12. URL: https://taz.de/Barbarei-und-Ratlosigkeit/!1522583/ Semler schreibt hier u.a.: „Das Hamburger Institut möchte, wie es in dem Begleitband zur Ausstellung heißt, darstellen, wie `Auschwitz, der Gulag und Hiroshima auf je eigene Weise gemeinsam die Vorstellung von gesellschaftlicher Gewalt und ihrer Begrenzbarkeit zerstört, die für die Moderne charakteristisch gewesen ist´. (…) Allen Mühen um Genauigkeit zum Trotz wird hier ein Einheitsbrei angerührt, eine Weltklage vom Umschlag der Zivilisation in Barbarei angestimmt, wird, durch das Aneinanderrücken der Daten mehr als durch Argumentation, eine Vorstellung von Totalitarismus evoziert, die einebnet, wo es gelten würde zu differenzieren.“

[xxv] Karl Heinz Roth, „Sich aufs Eis wagen. Zur Wiederbelebung der Totalitarismustheorie des Hamburger Instituts für Sozialforschung, in: ders.: Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie, Hamburg 1999, S. 118 – 130 HIS Bibliothek POL 85/ 43 Präsenzbestand

[xxvi] Vgl. fm/bn/dü/loe, Der Streit um die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht” spitzt sich zu „Plump, populistisch, verfälschend” / Die CSU verschärft ihre Attacken und muß sich Neonazi-Tonfall vorwerfen lassen, in: Süddeutsche Zeitung vom 18.2.1997, S. 33

[xxvii] Martin Dietzsch, Alfred Schobert, V-Leute bei der NPD / Geführte Führende oder Führende Geführte? Duisburg 2002, S. 14. URL: https://www.diss-duisburg.de/2013/06/v-leute-bei-der-npd-studie-vom-august-2002/ Siehe auch: DPA, Rechtsextreme Partei enthebt ihren umstrittenen Vorsitzenden des Amtes / Die NPD setzte Günter Deckert ab, in: Nürnberger Nachrichten vom 10.10.1995. In der Broschüre wird Holtmann als Redner auf einer NPD-Kundgebung gegen die Wehrmachtsausstellung am 12.9.1998 in Münster im Porträt gezeigt. Hier S. 13

[xxviii] Felix Berth, Die NPD befahl, die Szene folgte ihr: Etwa 5.000 Rechtsextreme marschierten am Samstag in München für den guten Ruf der Wehrmacht, in: taz vom 3.3.1997, S. 3, URL: https://taz.de/!1411446/

[xxix] Holger Apfel (Hrsg.), Alles Große steht im Sturm: Tradition und Zukunft einer nationalen Partei; 35 Jahre NPD – 30 Jahre JN, Stuttgart 1999, Darin das Kapitel: „Unsere Großväter und Väter waren keine Verbrecher – Und wir sind stolz auf sie!“ S. 372 – 377. HIS Bibliothek Pol 292/56 Präsenzbestand

[xxx] Thüringer Landtag, Bericht des Untersuchungsausschusses 5/1 „Rechtsterrorismus und Behördenhandeln“ Drucksache 5/8080 vom 16.7.2014, S. 1796

[xxxi] Vgl. Nils Werner, Thüringen und der Rechtsterrorismus / Wie Bodo Ramelow vom NSU beobachtet wurde, auf: MDR.de vom 17.1.2020, URL: https://www.mdr.de/geschichte/zeitgeschichte-gegenwart/politik-gesellschaft/bodo-ramelow-nsu-102.html

[xxxii] Vgl. Peer Stolle, Die Entstehung des NSU / Jugendcliquen, Diskurse, Ideologie, Heimatschutz« (Plädoyer vor dem OLG München vom 23. November 2017, in: Antonia von der Behrens (Hrsg.) Kein Schlusswort / Nazi-Terror / Sicherheitsbehörden / Unterstützernetzwerk, Hamburg 2018, S. 105 – 131. HIS Bibliothek SBe 578/33 Präsenzbestand

[xxxiii] Vgl. RAin Elisa Catic-Redemann (Fragen an Beate Zschäpe) in: nsu-wach, Protokoll 295. Verhandlungstag vor dem OLG München vom 6.7.2016, URL: https://www.nsu-watch.info/2016/07/protokoll-295-verhandlungstag-06-juli-2016/

[xxxiv] O.N., Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung, Eintrag auf Wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_die_Wehrmachtsausstellung

[xxxv] Johannes Klotz, Feudale Abstrafung / Der späte Sieg einer Hetzkampagne, in: FREITAG vom 12.11.1999, HIS Bibliothek A-ZF 1127 Präsenzbestand, URL: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/feudale-abstrafung

[xxxvi] DPA „Reemtsma feuert Heer“ in: Lüneburger Landeszeitung vom 14.8.2000, S. 2

[xxxvii] Ullrich Raulff, Auch im Inferno kann man die Teufel unterscheiden / Warum die Wehrmachtsausstellung dringend überarbeitet werden muss und warum sie trotzdem weiter dringlich ist: Ein Gespräch mit Jan Philipp Reemtsma, in: FAZ vom 6.11.1999, S. 47

[xxxviii] Volker Ulrich, Will Reemtsma ein anderes Projekt? In der kommenden Woche wird das Gutachten über die Wehrmachtsausstellung vorgestellt, in: ZEIT Nr. 46 vom 9.11.2000, S. 19, URL: https://www.zeit.de/2000/46/Will_Reemtsma_ein_anderes_Projekt_ Die von Ulrich zitierten Zeilen finden sich im Ausstellungskatalog „Vernichtungskrieg …“ auf S. 7.

[xxxix] Wiebke Gröschler: Der Wandel eines Täterbildes. Von der ersten zur zweiten „Wehrmachtsausstellung“, Köln 2008 Darin: Interview mit Hannes Heer, S. 144 – 163, Zitate: S. 151 und S. 163. HIS Bibliothek 395/405 Präsenzbestand

[xl] Vgl. Hannes Heer, Vom Verschwinden der Täter / Die bedingungslose Kapitulation der zweiten Wehrmachtsausstellung, in: ders.: Vom Verschwinden der Täter Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei, Berlin 2004, S. 12 – 65 HIS Bibliothek 395/577 Präsenzbestand

[xli] Klaus Theweleit, Was mit Augen zu sehen ist … / aber ungesehen bleiben soll. Männerphantasien, die Wehrmachtsausstellung und Adornos Gewaltbegriff vor dem Hintergrund von Pasolinis Salò oder die 120 Tage von Sodom, in: Konkret Nr. 10 vom Oktober 2003, S. 42ff; HIS Archiv A-ZK 0135(1) Präsenzbestand

[xlii] O.N. Fat cat, Eintrag auf wikipedia, URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Fat_cat#cite_note-Of_Fat_Cats-1

[xliii] Vgl. Arno-Schmidt-Stiftung, Bargfeld, URL: https://www.arno-schmidt-stiftung.de/

[xliv] Jan Philipp Reemtsma (in Zusammenarbeit mit Fanny Esterházy), Christoph Martin Wieland: die Erfindung der modernen deutschen Literatur, München 2023 HIS Bibliothek Kul 265/222 Präsenzbestand

[xlv] O.N. Protest gegen Räumung: Prominente wollen nun in die Häuser ziehen! in: Hamburger Morgenpost vom 11.11.1987, S. 11

[xlvi] Michael Herrmann, Hans-Joachim Lenger, Jan Philipp Reemtsma, ‘Hafenstraße’: Chronik und Analysen eines Konflikts (Mit einem Beitrag von Karl Heinz Roth) Hamburg 1987 HIS Bibliothek SBe 600/8 Präsenzbestand. Siehe auch die Vorstellung des Buches durch Alex Dorn /Thomas Immisch, Behörden planten „Krieg“ gegen Hafentraße / Staatliche Willkür ohne Parlamentskontrolle / Akten-Beweise im Buch der Ex-Vermittler Herrmann, Lenger, Reemtsma, in: Hamburger Morgenpost vom 29.10.1987, S. 14-15

[xlvii] Vgl. Niklaus Hablützel, Buch zum aktuellen Konflikt / Reemtsma, Herrmann, Roth und Lenger veröffentlichen ‘Hafenstraße’: Chronik und Analysen eines Konflikts / Enthüllungen über Räumtaktiken trotz einstweiliger Verfügung, in: taz-HH vom 31.10.1987, S. 18

[xlviii] Jan Philipp Reemtsma, Hans-Joachim Lenger, Michael Herrmann, Unbegriffene Einigkeit aus deutsch-antijüdischer Tradition, in: Hamburger Rundschau Nr. 38 vom 15.9.1988, S. 5. Wiederabdruck unter veränderter Überschrift: Jan Philipp Reemtsma, Die andere Wand / Über die Parole „Boykottiert Israel“ an einem der Häuser der Hamburger Hafenstraße (August 1988), in: J.P. Reemtsma, u.a. Falun Reden & Aufsätze, Berlin 1992, S. 147 – 153. HIS Bibliothek Kul 020/02 Präsenzbestand. Die von Reemtsma zu diesem Wiederabdruck getroffene Nachbemerkung, dass dieser Text von Michael Hermann und Hans-Joachim Lenger „unterzeichnet“ worden sei, verweist auf seine wesentliche Autorenschaft. Seine nachgeschobene Bemerkung, dass „auch dieser Text“ gegenüber der Fassung in der Hamburger Rundschau „aus Gründen dokumentarischer Treue nicht überarbeitet“ worden sei, ist allerdings unzutreffend. Hier S. 438

Visits: 540

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert