{"id":8286,"date":"2017-11-09T19:44:00","date_gmt":"2017-11-09T17:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=8286"},"modified":"2017-11-09T19:44:00","modified_gmt":"2017-11-09T17:44:00","slug":"die-schuetzende-hand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2017\/11\/09\/die-schuetzende-hand\/","title":{"rendered":"Die sch\u00fctzende Hand"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color:#000000;\"><strong>Am Montag, den 6. November 2017 wurde im ZDF der Krimi \u201eSch\u00fctzende Hand\u201c ausgestrahlt. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Schorlau. Es geht um den NSU-Komplex und dorthin schickt der Autor seinen Privatdetektiv Dengler. <\/strong><\/span><br \/>\n<img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8293\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?resize=700%2C394&#038;ssl=1\" alt=\"Dengler - Die sch\u00fctzende Hand\" width=\"700\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?w=2400&amp;ssl=1 2400w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/schc3bctzende-hand-film.jpg?w=2100&amp;ssl=1 2100w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Dieser bekommt einen gut bezahlten Auftrag, die Todesumst\u00e4nde von Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt zu recherchieren, die offiziellen Angaben zufolge am 4. November 2011 in einem Campingwagen in Eisenach-Stregda, \u201eeinvernehmlich Selbstmord\u201c begangen haben sollen. Auch wenn die Auftraggeberin bis zum Schluss anonym bleibt, st\u00fcrzt sich der Privatdetektiv ins Dickicht der Beweise, Indizien und Spuren.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Die Filmbesprechung in der Frankfurter Rundschau\/FR bem\u00fcht sich extrem und erfolgreich, den Kern dieser Romanverfilmung unber\u00fchrt zu lassen. Man findet den Krimi \u201egenre\u00fcblich\u201c mit \u201etraditionellen Thriller-Einsprengseln\u201c. Klar, das Thema ist wirklich wichtig, der Film ist auch recht ordentlich gemacht, aber mehr als gute Unterhaltung soll es nicht sein.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Die FR und andere Medien wissen es besser, gerade auch, was die Brisanz dieses Polit-Thrillers ausmacht.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Im Film ist es die Hackerin Olga, die sich im Auftrag des Privatdetektivs Zugang zum BKA-Computer verschafft. Mehr als genug Material, um den offiziellen Tathergang in Eisenach-Stregda zu hinterfragen. <\/strong><\/span><span style=\"color:#000000;\"><strong>In Wirklichkeit hatte Wolfgang Schorlau dieselben Quellen, wie alle anderen auch, die sich mit dem NSU-Komplex besch\u00e4ftigten. Denn im Gegensatz zu vielen anderen NSU-Tatorten finden sich zahlreiche Ermittlungsakten zu Eisenach-Stregda im \u201eNetz\u201c \u2013 f\u00fcr jeden frei verf\u00fcgbar.<\/strong><\/span><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Man kann recht sicher davon ausgehen, dass diese Akten aus \u201eKameradenkreisen\u201c \u00f6ffentlich gemacht wurden. Anfangs tauchte ein \u201eFatalist\u201c auf, sp\u00e4ter war es eine \u201eNSU-Arbeitsgruppe\u201c, die mit diesen Akten(-ausz\u00fcgen) arbeiteten. Deren Intension ist nicht sonderlich \u00fcberraschend: Sie wollen anhand der Aktenlage und eigener Recherchen nachweisen, dass sich in jedem Campingwagen nicht die zwei Nazi-\u201eKameraden\u201c das Leben genommen haben. F\u00fcr sie handelte es sich um Mord.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Das \u00e4ndert nichts an dem Bestand der Akten, an der F\u00fclle der Dokumente, auch wenn unklar ist, wie selektiv die Ver\u00f6ffentlichung vorgenommen wurde. Wolfgang Schorlau konnte nicht nur auf diese \u201eBeweismittel\u201c zur\u00fcckgreifen, die einem normalerweise nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Auch die Untersuchungsarbeit des parlamentarischen Untersuchungsausschusses\/PUA in Th\u00fcringen brachte einiges ans Licht, was die Ermittlungsarbeit der Polizei am Tatort Eisenach angeht, was auch der FR-Redakteurin aufst\u00f6\u00dft: <\/strong><\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color:#000000;\"><strong>\u201e<em>Die Leichen von Mundlos und B\u00f6hnhardt wurden an diesem Tag in einem Wohnmobil in Eisenach-Stregda gefunden, aber vieles will nicht zusammenpassen: Unwahrscheinliche Zeitr\u00e4ume, verhinderte Leichenschau, verschwundene Fotodateien und Gehirnteile, bizarre Kugelflugbahnen, fehlende Fingerabdr\u00fccke, Lagerung des Wohnmobils an einem frei zug\u00e4nglichen Ort<\/em>.\u201c<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color:#000000;\"><strong>An diesem Punkt angelangt, bleibt die Redakteurin wie an einer roten Ampel stehen und kommt noch vor der Gr\u00fcnphase zum Fazit: \u201e<em>Nichts Genaues wei\u00df man nat\u00fcrlich trotzdem nicht<\/em>.\u201c<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color:#000000;\"><strong>Aber genau das wird weder dem Autoren Wolfgang Schorlau, noch dem Film gerecht. Und das wei\u00df die FR-Redakteurin: Das Material, dass Wolfgang Schorlau zur Verf\u00fcgung hatte, die kleine Auswahl, die im Film pr\u00e4sentiert wird, belegt, dass die offizielle Selbstmordversion von vielen\/m gedeckt wird \u2013 am aller wenigsten von den noch zug\u00e4nglichen Fak<\/strong><strong>ten.<br \/>\n<\/strong><\/span><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\">Mehr noch: Genau diese doch recht umfangreichen Fakten machen einen anderen Geschehensablauf viel plausibler. Nicht umsonst stattet Schorlau seinen Privatdetektiv im Leben davor als BKA-Zielfahnder aus. <\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Auch in einem solchen Ermittlungsverfahren geht es nicht um die Wahrheit, sondern um die Rekonstruktion verschiedener und m\u00f6glicher Geschehensabl\u00e4ufe. Genau dies w\u00fcrden Ermittler tun, wenn sie tats\u00e4chlich \u201ein alle Richtungen\u201c ermitteln. Wer die Fakten kennt, die Schorlau im Buch verarbeitet und zum Teil dokumentiert hat, wer andere Recherchen hinzuzieht, wird ganz n\u00fcchtern zu dem Schluss kommen, dass die Beweislage ein Selbstmordgeschehen nicht abbildet. Mehr noch: Die Beweismittel, die noch zur Verf\u00fcgung stehen, machen ein Mordgeschehen plausibel.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Unter ganz normalen Umst\u00e4nden w\u00fcrde die polizeiliche Ermittlungsarbeit also zu dem Ergebnis kommen, dass es sich in Eisenach-Stregda 2011 um ein Mordgeschehen handelte.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\">Aus diesen Gr\u00fcnden bezieht Schorlau im Nachwort seines Romans eine sehr klare Position:<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong><span style=\"color:#000000;\">\u201eDieses Buch ist eine literarische Ermittlung in einem realen Kriminalfall. Und ich f\u00fcrchte, es ist die Ermittlung eines Staatsverbrechens.\u201c<\/span><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Ich glaube nicht, dass es der undurchsichtigen, d\u00fcnnen und widerspr\u00fcchlichen Faktenlage geschuldet ist, dass das Wort \u201eStaatsverbrechen\u201c als m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung im Film auf gar keinen Fall fallen darf. Es geht nicht um die faire W\u00fcrdigung der Beweislage, sondern um Fragen, die dann gestellt und wenn m\u00f6glich beantwortet werden m\u00fcssen:<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Welche Gr\u00fcnde k\u00f6nnte es geben, dass der\/die M\u00f6rder gedeckt und besch\u00fctzt werden?<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Und wohin w\u00fcrden die Spuren des\/der M\u00f6rder f\u00fchren? Weisen die Spuren \u00fcber das NSU-Netzwerk hinaus?<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Pulp Fiction<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Ein Streifenwagen st\u00f6\u00dft am 4. November 2011 auf einen abgestellten Campingwagen in Eisenach-Stregda. Die Insassen sind mit acht Waffen ausger\u00fcstet: Dazu z\u00e4hlen Revolver, eine Maschinenpistole, eine Pumpgun und eine Handgranate. Sie erkennen die hoffnungslose Situation sofort. Es findet eine \u201espontane Deradikalisierung\u201c (Kriminologe und Experte f\u00fcr Rechtsextremismus, Bernd Wagner) statt. Die Insassen entziehen sich der aussichtslosen Lage durch \u201egemeinschaftlichen Selbstmord\u201c. Der Campingwagen geht in Flammen auf. Die Feuerwehr wird gerufen und l\u00f6scht. Im Inneren werden zwei Leichen entdeckt. Bereits am n\u00e4chsten Tag verk\u00fcndet die Polizei, dass es sich bei den Toten um Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos handele. Nicht viel sp\u00e4ter erf\u00e4hrt die \u00d6ffentlichkeit, dass die beiden Toten Mitglieder einer neonazistischen Terrorgruppe seien, die sich NSU nennt und von der keine deutsche Beh\u00f6rde bis dahin etwas gewusst haben will.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Auch die Ermittlungsergebnisse der Polizei k\u00f6nnen sich sehen lassen: Demnach soll Uwe Mundlos zuerst seinen \u201eKameraden\u201c umgebracht, dann den Campingwagen angez\u00fcndet haben, um sich wenig sp\u00e4ter selbst zu t\u00f6ten \u2013 mit einer Pumpgun, die man mit den beiden dazugeh\u00f6rigen Patronenh\u00fclsen auf dem Boden fand. Was dreizehn Jahre ein einziges R\u00e4tsel war, wurde innerhalb weniger Tage \u201eaufgekl\u00e4rt\u201c. Alles was man dazu brauchte, befand sich ganz ordentlich und meist unversehrt in besagtem ausgebrannten Campingwagen. Was will man gegen einen solch sagenhaften Gl\u00fccksfall einwenden?<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\">Diese Version wird bis heute aufrechterhalten. Zeugen f\u00fcr diesen Tathergang und f\u00fcr die im Campingwagen gefundenen Gegenst\u00e4nde gibt es nicht. Alles st\u00fctzt sich einzig und allein auf die Auswertung von Spuren.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> An dieser Version zweifelte auch kaum jemand. Die allermeisten Medien r\u00fchrten diesen \u201eSelbstmord\u201c nicht an. Die Zweifel, die an vielen anderen Tatorten (die dem NSU zugeordnet werden) ge\u00e4u\u00dfert wurden, machten hier einen gro\u00dfen Bogen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Das war und ist in antifaschistischen Zusammenh\u00e4ngen, in der Linken, nicht viel anders. Niemand wollte ausgerechnet dort seine Skepsis gegen\u00fcber dem Aufkl\u00e4rungswillen der Polizei und Justiz festmachen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Zu einem ganz kleinen Teil war und ist das verst\u00e4ndlich, denn jeder Zweifel an der Selbstmordversion w\u00e4re Wasser auf den M\u00fchlen derer, die den NSU f\u00fcr ein \u201eStaatskonstrukt\u201c halten, wie die Zeitschrift von Els\u00e4sser \u201eCompact\u201c und die sehr r\u00fchrigen Internet-Auftritte von \u201eFatalist\u201c, \u201earbeitskreis ns.u.\u201c bis \u201ensu-leaks\u201c. Nationalistische und neonazistische Kreise, die dreizehn Jahre lang die Ideologie, die Konzeption vom \u201ef\u00fchrerlosen Widerstand\u201c, die Terrorstrategie von \u201eBlood &amp; Honour\u201c und \u201ecombat 18\u201c propagierten und begr\u00fc\u00dften.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Die Feuerwehr und die rechtswidrige Beschlagnahmung von Beweismitteln<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Kurz nach Ausbrechen des Brandes im Campingwagen wurde die Feuerwehr alarmiert. Nach Beendigung der L\u00f6scharbeiten machte ein Feuerwehrmann wie \u00fcblich zu Dokumentationszwecken Fotos vom Inneren des Campingwagens. Wenig sp\u00e4ter traf Michael Menzel, damaliger Leiter der f\u00fcr Eisenach zust\u00e4ndigen Polizeidirektion Gotha, ein:<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong><span style=\"color:#000000;\">\u201eSeine erste Amtshandlung am Tatort war (\u2026), die Speicherkarte der Kamera eines Feuerwehrmannes zu beschlagnahmen. (\u2026) Menzel begr\u00fcndete sein Handeln damit, dass er eine Ver\u00f6ffentlichung der Fotos verhindern wollte. Ob die Speicherkarte je zur\u00fcckgegeben wurde, konnte er nicht sagen. Auch hatte er keine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum diese Fotos offenbar nicht in den Ermittlungsakten auftauchen. Tats\u00e4chlich sind die Aufnahmen des Tatorts bis heute verschwunden.\u201c (Andreas F\u00f6rster\/Berliner Zeitung.de vom 31.3.2014)<\/span><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Wie kommt der sp\u00e4tere Chef der SOKO \u201eCapron\u201c dazu, die Arbeit der Feuerwehr zu behindern und Beweismittel zu beschlagnahmen? Wusste der SOKO-Chef bereits zu diesem Zeitpunkt mehr? Warum beschlagnahmte er Fotos, wozu er nicht die geringsten Befugnisse hatte? Was war auf den Fotos zu sehen, was nicht in die Ermittlungsakten gelangen sollte?<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Die Begr\u00fcndung, er habe eine Ver\u00f6ffentlichung der Fotos verhindern wollen, ist in doppeltem Sinne haltlos: Zum einen ver\u00f6ffentlicht die Feuerwehr grunds\u00e4tzlich keine Fotos, die die Pers\u00f6nlichkeitsrechte der Opfer verletzen k\u00f6nnten. Zum anderen erkl\u00e4rt diese rechtswidrige Beschlagnahmung nicht, warum die Speicherkarte mit der (erzwungenen) R\u00fcckgabe gel\u00f6scht wurde.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Der Grund f\u00fcr die Beschlagnahmung und Vernichtung von Beweismitteln ist ein ganz anderer: Die Fotos der Feuerwehr weichen auf gravierende Weise von den Fotos ab, die anschlie\u00dfend als \u201eTatortfotos\u201c ausgegeben wurden.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Dies best\u00e4tigten Feuerwehrleute, die als Zeugen im Th\u00fcringer NSU-Ausschuss vernommen wurden. Zwei ganz entscheidende Aussagen machten sie dort:<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> 1. Die Waffen, die man sp\u00e4ter sichergestellt haben will, haben die Feuerwehrleute nicht gesehen \u2013 Waffen die \u201eauf Tisch, Herd und Sitzecke\u201d (stern.de vom 8.12.2015) gelegen haben sollen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> 2. Insgesamt vier Feuerwehrm\u00e4nner, einschlie\u00dflich des Mannes, der die Fotos im Wageninneren gemacht hatte, sagten \u201e\u00fcbereinstimmend aus, sie h\u00e4tten die Beine und F\u00fc\u00dfe einer Person gesehen, die ihrer Beschreibung nach auf dem R\u00fccken gelegen haben muss. Dabei handelte es sich offenbar um die Leiche von B\u00f6hnhardt. Auf den Tatortfotos der Polizei hingegen liegt B\u00f6hnhardt auf dem Bauch im Gang des Fahrzeugs.\u201c (Wie starb der NSU? freitag.de vom 27.8.2015)<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Geht man davon aus, dass die Erinnerungen der Feuerwehrleute richtig sind, versteht man, warum die Fotos, die dies best\u00e4tigen k\u00f6nnten, vernichtet wurden. Beides zusammen w\u00fcrde belegen, dass der behauptete Tathergang konstruiert ist, dass der Tatort (nach Abtransport des Campingwagens) manipuliert wurde.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Der Todeszeitpunkt<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Die unverz\u00fcgliche Bestimmung des Todeszeitpunktes ist von hervorragender Bedeutung. Deshalb schreibt zum Beispiel die Zeitschrift f\u00fcr Allgemeinmedizin zur Bestimmung des Todeszeitpunktes: \u201eDie Leichenschau ist unverz\u00fcglich (ohne schuldhaftes Z\u00f6gern) vorzunehmen.\u201c<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Das gilt ganz besonders bei Verdacht einer gewaltsamen Todesursache: \u201eDie Bedeutung der Todeszeitbestimmung in der rechtsmedizinischen Praxis liegt vor allem in der Begutachtung von T\u00f6tungsdelikten. Denn bei T\u00f6tungsdelikten entspricht der Todeszeitpunkt dem mutma\u00dflichen Tatzeitpunkt. Dessen Kenntnis ist bereits w\u00e4hrend der laufenden Ermittlungen essentiell f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung von Alibiangaben Verd\u00e4chtiger und w\u00e4hrend einer sp\u00e4teren Gerichtsverhandlung wichtig f\u00fcr die Tatrekonstruktion.\u201c<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Diese erhellenden S\u00e4tze findet man auf der Webseite des Universit\u00e4tsklinikum Jena, f\u00fcr die auch Prof. Dr. med. G. Mall arbeitet. Sie ist dort Leiterin der Gerichtsmedizin.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Prof. Dr. med. G. Mall wurde am 4. November 2011 als Gerichtsmedizinerin zum Tatort in Eisenach-Stregda gerufen, wo sie gegen 13 Uhr mit weiteren Kollegen eintraf. Jetzt h\u00e4tte sie das tun m\u00fcssen, was eingangs beschrieben wurde. Genau das tat sie nicht. Ohne eine Todeszeitpunktbestimmung vor Ort vorzunehmen, wurde sie weggeschickt. Dass damit bedeutsame gerichtsmedizinische Untersuchungen unterblieben sind, h\u00e4tte sie \u2013 mit einiger Zivilcourage \u2013 sagen k\u00f6nnen. Stattdessen hinterging sie ihr eigenes Wissen und erkl\u00e4rte ihre Unt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Th\u00fcringen damit, \u201e<em>dass wir als Rechtsmedizin da nichts h\u00e4tten weiter tun k\u00f6nnen<\/em>\u201c. (Thomas Moser, telepolis vom 31. August 2015). Wenn sie ihre eigene Webseite lesen w\u00fcrde, w\u00fc\u00dfte sie, dass genaus das nicht stimmt.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wer daf\u00fcr noch Humor aufbringen will, kann auch dies als einen Akt spontaner Deprofessionalisierung bezeichnen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\">Der angebliche Todeszeitpunkt wurde von der Polizei \u201ebestimmt\u201c: 12.05 Uhr. Erst einen Tag sp\u00e4ter wurden die Leichen von Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt durch die Gerichtsmedizin untersucht. Die Leiterin der Jenaer Rechtsmedizin, Prof. Dr. med. G. Mall fasste das Ergebnis vor dem Th\u00fcringer PUA am 3.M\u00e4rz 2016 wenig \u00fcberraschend so zusammen: Der genaue Todeszeitpunkt von Mundlos und B\u00f6hnhardt sei nicht zu bestimmen gewesen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Damit bleibt mit Vorsatz etwas offen, was eine Todeszeitpunktbestimmung vor Ort h\u00e4tte weitgehend ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen: Waren die beiden NSU-Mitglieder schon vor 12:05 Uhr tot?<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Damit unterblieb auch ein weiteres wichtiges Untersuchungsfeld der Gerichtsmedizin: Die Dokumentation und Auswertung von Blutspurenmustern rund um die Toten. Dazu schreibt das Universit\u00e4tsklinikum Jena treffend: \u201e<em>Blutspurenmusteranalyse bezeichnet die Erfassung, Beschreibung, Dokumentation und Interpretation einzelner Blutspuren oder deren Muster. Sie liefert einen wichtigen Beitrag zur Rekonstruktion von Tatabl\u00e4ufen sowohl bei K\u00f6rperverletzungs- als auch bei T\u00f6tungsdelikten. (\u2026) Die Blutspurenmusteranalyse erfolgt in der Regel im Rahmen der Besichtigung des Geschehensortes.<\/em>\u201c<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Nur vor Ort kann die Gerichtsmedizin unter anderem recht sicher bestimmen, ob das Auffinden der Toten mit dem Tatort identisch ist, ob sich \u2013 wie in diesem Fall \u2013 die t\u00f6dlichen Ereignisse im Campingwagen abgespielt hatten oder wenn ja, wie dies mit den vorgefundenen Blutbildern gest\u00fctzt werden kann. Nichts dergleichen geschah.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Der Abschleppwagen. Die v\u00f6llige Zerst\u00f6rung eines Tatorts<\/span><\/strong><\/h1>\n<blockquote><p><strong><span style=\"color:#000000;\">\u201eSchon eine Stunde nach seiner Ankunft am Tatort hatte Menzel (\u2026) den Abtransport des Fahrzeugs in eine Garagenhalle angeordnet. Er begr\u00fcndete dies damit, dass man nur so ordnungsgem\u00e4\u00df h\u00e4tte die Leichen bergen und die Spuren im Wagen sichern k\u00f6nnen. Allerdings gab es beim Abtransport eine Panne \u2013 das Wohnmobil wurde \u00fcber eine 20 Grad geneigte Rampe auf das Abschleppfahrzeug gezogen, so dass es im Innern zu einer v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung der urspr\u00fcnglichen Spurenlage gekommen sein d\u00fcrfte.\u201c (Andreas F\u00f6rster\/Berliner Zeitung.de vom 31.3.2014)<\/span><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Was als ordnungsgem\u00e4\u00df bezeichnet wird, verstie\u00df gegen alle Regeln der Tatort- und Beweissicherung.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn so gut wie nichts mehr an seinem Platz ist, kann ein Tathergang nicht mehr rekonstruiert, ein Beweismittel nicht mehr valide ausgewertet werden. Alles, was dann folgt, ist und kann nur ein Ergebnis eines manipulierten Tatortes sein. Jede Schlussfolgerung daraus ist also wertlos.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Die Pumpgun und die beiden Patronenh\u00fclsen<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Mit einer Langwaffe, einer Pumpgun sollen die beiden t\u00f6dlichen Sch\u00fcsse abgegeben worden sein. Tats\u00e4chlich fand man auch die dazu passenden zwei H\u00fclsen: \u201eDie beiden ausgeworfenen Patronenh\u00fclsen der Marke Brenneke waren jeweils 70 Millimeter lang. Polizisten fanden sie direkt neben den Leichen.\u201c (Fokus-Magazin, Nr. 38\/2012)<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Die Pumpgun ist ein Repetiergewehr. Die H\u00fclsen werden erst ausgeworfen, wenn nachgeladen wird. Dass Uwe Mundlos nachl\u00e4dt, nachdem er seinen \u201eKameraden\u201c umgebracht hat, ist nachvollziehbar. Die leere Patronenh\u00fclse wird ausgeworfen, eine neue wird geladen. Dass Uwe Mundlos ein weiteres Mal nachl\u00e4dt, nachdem er sich selbst umgebracht hat, ist auszuschlie\u00dfen. Selbst tote Neonazis k\u00f6nnen nicht nachladen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> F\u00fcr die zweite H\u00fclse kann es nur eine logische Erkl\u00e4rung geben: Es kann nur jemand nachladen, der noch lebt. <\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Offensichtlich ahnten die Ermittler, dass diese Version der Ereignisse ohne zus\u00e4tzliche Abpolsterungen nicht aufrechtzuerhalten ist. Als der damalige SOKO-Chef Menzel als Zeuge vor dem Th\u00fcringer Untersuchungsausschuss geladen war, brachte er einen frischen Beleg f\u00fcr die sich selbst nachladende Pumpgun mit: \u201eDie Tatsache, dass die Pumpgun, mit der sich Mundlos t\u00f6tete, eine weitere Patronenh\u00fclse ausgeworfen hatte, was eigentlich erst beim Nachladen der Waffe geschieht, erkl\u00e4rte Menzel mit einem m\u00f6glichen Fall der Waffe und deren Stauchung nach der Abgabe des letzten Schusses. Menzel berichtete von Versuchen der Ermittler mit einer baugleichen Pumpgun. Diese h\u00e4tten ergeben, dass sich das Munitionsfach nach dem Abschuss automatisch \u00f6ffne, und die verbrauchte Patronenh\u00fclse dann im offenen Schacht nur noch an einem Ende durch eine halb offene Haltevorrichtung verwahrt werde. Eigentlich werde die Vorrichtung erst beim Nachladen entriegelt und damit vollst\u00e4ndig ge\u00f6ffnet. Durch ein Stauchen der Pumpgun etwa durch den Aufprall auf dem Boden k\u00f6nne die verbrauchte Munition also auch ohne Nachladen aus dem Schacht gefallen sein.\u201c (FAZ vom 2.4.2014)<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Diesen Erkl\u00e4rungsversuch f\u00fcr eine sich selbst nachladende Pumpgun hat ein Mitglied im Sch\u00fctzenverein zu folgender Bemerkung veranlasst:<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong><span style=\"color:#000000;\">\u201eWir haben uns gestern im Sch\u00fctzenverein \u00fcber die Lachnummer, die Pumpgun hat sich selbst geladen, unterhalten. Wenn man davon ausgeht, dass bei der betreffenden Pumpgun eine Munitionszufuhr \u00fcber ein R\u00f6hrenmagazin erfolgt, die sich unter dem Lauf befindet, muss der Sch\u00fctze zum Laden der Waffe den Vorderschaft zur\u00fcckziehen, der Verschluss wird sodann ge\u00f6ffnet, der Schlaghahn gespannt und eine eventuell vorhandene leere H\u00fclse ausgeworfen. Anschlie\u00dfend wird der Vorderschaft nach vorne bewegt, um eine neue Patrone ins Patronenlager zu laden und den Verschluss zu schlie\u00dfen. Allerdings ist der Vorderschaft mit einer Feder versehen, die kraftm\u00e4\u00dfig so ausgelegt ist, dass durch die Kr\u00e4fte, die beim Aufprallen der Pumpgun auf den Boden entstehen, nicht der Ladevorgang ausgel\u00f6st werden kann.\u201c (FAZ-Kommentar vom 2.4.2014)<\/span><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Das Fehlen von Spuren an der Tatwaffe<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Auf der verwendeten Waffe f\u00fcr den Selbstmord, einer Pumpgun, wurden keine Fingerabdr\u00fccke gefunden. Dasselbe trifft f\u00fcr die gefundenen Patronenh\u00fclsen zu. Auch dort fand man keinerlei Spuren. All das ist nachvollziehbar, wenn der\/die T\u00e4ter Handschuhe getragen haben. Uwe Mundlos soll nach offizieller Lesart die Pumpgun bedient haben. Dann m\u00fcsste er Handschuhe getragen haben. Genau das ist nicht der Fall. Und genau das kann man auf den Bildern in den Ermittlungsakten eindeutig erkennen. Wer immer die Tatwaffe benutzt hat, er hei\u00dft nicht Uwe Mundlos.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Das gerichtsmedizinische Gutachten und die fehlenden Ru\u00dfpartikel in der Lunge des toten NSU-Mitgliedes Uwe Mundlos<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Bis zum heutigen Tag behaupten die Ermittler, dass sie f\u00fcr ihre Selbstmordthese ein \u00fcberragendes Beweismittel in der Hand halten. Demnach soll sich Uwe Mundlos selbst get\u00f6tet haben, nachdem er den Campingwagen in Brand gesteckt hatte: \u201eDies belege die Tatsache, dass bei der Obduktion nur in der Lunge von Mundlos Ru\u00dfpartikel des Feuers gefunden wurden, sagte BKA-Pr\u00e4sident J\u00f6rg Ziercke am Montag (also am 21. November 2011) in Berlin.\u201c (FAZ vom 21.11.2011)<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Es hat ganze zweieinhalb Jahre gedauert, bis diese pr\u00e4sidiale L\u00fcge aufflog. Erst im M\u00e4rz 2014 wurde dem Th\u00fcringer Untersuchungsausschuss der Bericht der Jenaer Gerichtsmedizin vorgelegt, die die beiden Leichen untersucht hatte: \u201eDie Obduktionsberichte der Gerichtsmedizin Jena f\u00fchren (\u2026) aus, dass keine Spuren von Ru\u00df oder Raucheinatmung in den Lungen feststellbar gewesen seien.\u201c (FAZ vom 2.4.2014)<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Was sich erst einmal vernachl\u00e4ssigbar anh\u00f6rt, ist von enormer Brisanz, die auch die Untersuchungsausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD) mit gro\u00dfer Vorsicht zum Ausdruck brachte: \u201eDamit ist es sehr zweifelhaft, dass Mundlos erst das Wohnmobil angez\u00fcndet hat und sich dann erschossen hat.\u201c Mit diesem Bericht verliert die Selbstmordthese ein ganz wesentliches Indiz.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Fazit<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Die Ermittlungsschritte, die einen wahrscheinlichen von einem unwahrscheinlichen Geschehensablauf trennen, wurden mit Vorsatz unterlassen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> F\u00fcr die Selbstmordthese gibt es keinen einzigen belastbaren Beweis. Die gewichtigsten Indizien f\u00fcr einen Selbstmord sind vorget\u00e4uscht beziehungsweise manipuliert worden. F\u00fcr ein Mordgeschehen hingegen sprechen zahlreiche Indizien, die den \u201eermittelten\u201c Tathergang unm\u00f6glich machen. <\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn diese Schlussfolgerung richtig ist, dann ist nicht vieles r\u00e4tselhaft, sondern sehr plausibel: Es handelt sich um ein Mordgeschehen, das mit der Zerst\u00f6rung des Tatorts und der Manipulation von Beweismitteln gedeckt werden sollte.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn Ermittlungsbeh\u00f6rden, Bundesanwaltschaft und Gericht dennoch an der Selbstmordversion festhalten, dann machen sie das nicht aufgrund der Faktenlage. Dann liegt die Annahme nahe, dass die Ermittlungen anderer Geschehensabl\u00e4ufe zu Personen und Verwicklungen f\u00fchren w\u00fcrden, die unter allen Umst\u00e4nden verdeckt bleiben m\u00fcssen.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">Was w\u00e4re wenn?<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Im Roman und im Film kommt der Privatdetektiv Dengler zu dem Schluss, dass mehr f\u00fcr Mord, als f\u00fcr Selbstmord spricht. Folgen wir also dieser Spur, der auch im Film nur sehr andeutungsvoll gefolgt wird.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn die beiden NSU-Mitglieder ermordet wurden, und dies als Selbstmord getarnt werden sollte, dann m\u00fcssen zwangsweise viele Spuren, die auf ein Mordgeschehen schlie\u00dfen, unbrauchbar gemacht, beseitigt bzw. nicht ber\u00fccksichtigt werden. So etwas m\u00fcsste hinter dem R\u00fccken der ermittelnden Polizisten vor Ort passieren, wenn man vermeiden will, dass zu viele in eine solche Vertuschungstat eingeweiht werden. Wer k\u00e4me f\u00fcr eine solche stille Regie in Frage, ohne Misstrauen oder gar Kompetenzstreitigkeiten auszul\u00f6sen?<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Es k\u00e4me nur eine Person in Frage, die Weisungsbefugnisse hat und so auf die normale Polizei- und Tatortarbeit Einfluss nehmen kann: Der Einsatzleiter Michael Menzel, der in der Tat auch \u00fcberraschend schnell am Tatort eintraf, und als erstes die Kamera der Feuerwehr beschlagnahmte. Er machte aber noch viel mehr, was im Film zum Teil angerissen wurde. Er betrat den Tatort, stocherte im Tatort herum und \u201ekontaminierte\u201c damit einen Tatort durch seine Spuren und vorgenommenen Ver\u00e4nderungen. Auch die sofort gerufene Gerichtsmedizinerin wurde vom Einsatzleiter weggeschickt, obwohl dies zu einer normalen Spurensicherung dazugeh\u00f6rt. Das betrifft nicht nur den Todeszeitpunkt, der dann erst zwei Stunden sp\u00e4ter ermittelt wurde. Das gilt in gleichem Ma\u00dfe f\u00fcr die Dokumentation der \u201eBlutbilder\u201c, die eine Tat hinterl\u00e4\u00dft. So h\u00e4tte unter anderem die Gerichtsmedizinerin feststellen und festhalten k\u00f6nnen, ob der Campingwagen tats\u00e4chlich der Tatort war oder die Leichen m\u00f6glicherweise dort nur abgelegt worden waren.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Zum Abschluss seiner Tatortvernichtungsarbeit ordnete der Einsatzleiter Menzel schlie\u00dflich den Abtransport des Campingwagens an, was mit einer circa 20 Grad geneigten Rampe geschehen ist. Damit wurde in G\u00e4nze eine Tatortermittlung zunichtegemacht.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn man also grob wei\u00df, was zu einer Tatort- und Spurensicherung notwendig ist, dann kann man in diesem speziellen Fall im Detail belegen, dass genau das Gegenteil gemacht und angeordnet wurde.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn also ein Mord als Selbstmord ausgegeben werden soll, dann hat Einsatzleiter Menzel alle nur erdenklichen Register gezogen, um zu einem manipulierten Ergebnis zu kommen.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Bleiben wir bei dieser \u201eIdealbesetzung\u201c und fragen uns, was mit dem Einsatzleiter Michael Menzel passiert ist? Wenn es \u2013 wie offiziell eingestanden \u2013 zu \u201ePannen\u201c und widerrechtlichen Anweisungen kam, dann h\u00e4tte dies zumindest disziplinarrechtliche Konsequenzen haben m\u00fcssen. Kam es dazu? Nein.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Wenn der Einsatzleiter hingegen alles richtiggemacht hat, dann h\u00e4tte er sich verdient gemacht. Hat er das? Ja.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Menzel wurde Chef der SOKO \u201eCapron\u201c und \u201eist derzeit im Th\u00fcringer Innenministerium Referatsleiter Verbrechensbek\u00e4mpfung\u201c. (thueringer-allgemeine.de vom 18.11.2015)<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> Viel mehr Anerkennung f\u00fcr \u201eVerdienste\u201c kann man nicht bekommen.<\/span><\/strong><\/p>\n<h1><strong><span style=\"color:#000000;\">\u201eWer an die offizielle Version glaubt, glaubt auch an die Zahnfee.\u201c (Stern Nr. 14\/2016)<\/span><\/strong><\/h1>\n<p><strong><span style=\"color:#000000;\">Dieses Fazit zog ein Mann, der es wissen d\u00fcrfte. Er hei\u00dft Mario Melzer. Er arbeitete mehr als 20 Jahre im LKA. Seit 1995 geh\u00f6rte er der \u201eSonderkommission Rechtsextremismus\u201c an. Die Angst davor, seiner Berufserfahrung und nicht den Vorgesetzten zu folgen, hat er nicht mehr: <\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\"> \u201eAnders als andere habe ich nichts zu verlieren. Keine Familie, keine Schulden und sp\u00e4testens seit meinen ersten Aussagen auch keine Karriere mehr.\u201c<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color:#000000;\">Wolf Wetzel<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Views: 281<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, den 6. November 2017 wurde im ZDF der Krimi \u201eSch\u00fctzende Hand\u201c ausgestrahlt. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Schorlau. 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