{"id":6591,"date":"2016-03-30T10:10:47","date_gmt":"2016-03-30T08:10:47","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=6591"},"modified":"2016-03-30T10:10:47","modified_gmt":"2016-03-30T08:10:47","slug":"beate-zschaepes-flucht-und-die-beseitigung-elektronischer-zeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2016\/03\/30\/beate-zschaepes-flucht-und-die-beseitigung-elektronischer-zeugen\/","title":{"rendered":"Beate Zsch\u00e4pes Flucht und die Beseitigung \u201aelektronischer\u2019 Zeugen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ab dem 30. M\u00e4rz 2016 strahlt das ARD die Spielfilmtriologie \u201e<em>Mitten in Deutschland: NSU<\/em>\u201c aus. Bei diesem Projekt werden drei Filme mit drei Perspektiven von drei Regisseuren gezeigt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align:center;\"><strong><em>&#8222;Die T\u00e4ter \u2013 Heute ist nicht alle Tage&#8220; (1. Teil)<\/em><\/strong><\/li>\n<li style=\"text-align:center;\"><strong><em>&#8222;Die Opfer \u2013 Vergesst mich nicht&#8220; (2. Teil)<\/em><\/strong><\/li>\n<li style=\"text-align:center;\"><strong><em>&#8222;Die Ermittler \u2013 Nur f\u00fcr den Dienstgebrauch&#8220; (3. Teil)<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>\u00a0<\/em><br \/>\n<img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\" size-medium wp-image-6594 aligncenter\" src=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2016\/03\/mitten-in-d.jpg?w=600&#038;resize=300%2C169\" alt=\"Mitten-in-D\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/mitten-in-d.jpg?w=820&amp;ssl=1 820w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/mitten-in-d.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/mitten-in-d.jpg?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Bei der Premiere in Berlin waren neben den SchauspielerInnen auch der Berliner Polizeipr\u00e4sident Klaus Kandt dabei. Er lie\u00df die geladenen G\u00e4ste wissen: &#8222;<em>Wir haben inzwischen sehr viel gelernt, verbessert und unsere Lehren gezogen \u2026<\/em> &#8220; (Berliner Morgenpost vom 18.3.2016)<\/strong><br \/>\n<strong>Ob<\/strong> <strong>er das wirklich ernst oder ziemlich zynisch meinte, wird ein Film, der ihn als Premieregast einl\u00e4dt, wohl nicht zeigen (wollen).<\/strong><br \/>\n<strong>Anspruch der drei Filme sei, so die Ank\u00fcndigung, eine \u201eSpurensuche\u201c. Dass es im NSU-Kontext nicht an Spuren mangelt, sondern an der Weigerung, ihnen nachzugehen, zeichnet folgender Beitrag nach.<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Wenn &#8222;hei\u00dfe&#8220; Spuren systematisch gel\u00f6scht werden<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Wie die beiden NSU-Mitglieder Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos am 4. November 2011 zu Tode gekommen sein sollen, wissen wir. Zumindest gibt es daf\u00fcr eine offizielle Selbstmordversion. Ziemlich r\u00e4tselhaft ist hingegen, was Beate Zsch\u00e4pe in dieser Zeit getan, was sie in den folgenden vier Tagen gemacht hatte, bevor sie sich im Beisein eines Rechtsanwaltes der Polizei stellte. Ganz offensichtlich muss sie vom Tod ihrer \u201eKameraden\u201c erfahren haben. Aber wer hat sie informiert? Mit wem hatte sie telefoniert, mit wem telefonischen Kontakt w\u00e4hrend der vier \u201eFlucht\u201ctage?<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Man muss kein Kriminalist sein, um festzuhalten, dass das Handy, das Beate Zsch\u00e4pe benutzt hatte, eine hervorragende \u201eQuelle\u201c w\u00e4re, um diese Tage zu rekonstruieren. Eine elektronische Quelle, die ohne Verdr\u00e4ngung und spontanen Erinnerungsl\u00fccken vieles entr\u00e4tseln k\u00f6nnte &#8211; wenn man die Kommunikationsdaten sicherstellt und auswertet.<\/strong><br \/>\n<strong>Angesichts der Dimension dieses Vorganges eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, eine Routinearbeit polizeilicher Ermittlungen. Vor allem dann, wenn man \u201eSpekulationen\u201c und \u201eVerd\u00e4chtigungen\u201c ausr\u00e4umen will, die der M\u00f6glichkeit nachgehen, dass die NSU-Mitglieder in Zwickau unter geheimdienstlicher Beobachtung standen, was in aller letzter Konsequenz bedeuten w\u00fcrde, dass man sehr wohl eine \u201ehei\u00dfe Spur\u201c hatte, die man bis heute leugnet.<\/strong><br \/>\n<strong>Dass dieser Verdacht nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern handfesten Fakten geschuldet ist, war seit Langem bekannt. Denn in der ersten Phase der Aufregung kam einiges ans Tageslicht, was seitdem angestrengt unterbelichtet bleibt.<\/strong><br \/>\n<strong>Der Berliner Kurier vom 29.5.2012 rekonstruierte die Ereignisse, kurz nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt wie folgt: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>\u00bb<em>Etwas mehr als Stunde, nachdem sie ihre Wohnung in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 in die Luft jagte, versuchte jemand Zsch\u00e4pe anzurufen. Das Pikante: Die anrufende Nummer ist im S\u00e4chsischen Staatsministerium des Inneren registriert. Wer aus der Beh\u00f6rde in Dresden wollte Zsch\u00e4pe sprechen \u2013 und vor allem warum?<\/em>\u00ab<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das s\u00e4chsische Innenministerium reagierte auf diese Indiskretion sehr hektisch: Man habe nach dem Brand mit dem\/r WohnungsinhaberIn Kontakt aufnehmen wollen, um sie \u00fcber die Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Es h\u00e4tte sich also bei den Anrufen um ganz normale Ermittlungst\u00e4tigkeiten von Polizeidienststellen gehandelt, die mit dem Brand betreut gewesen waren.<\/strong><br \/>\n<strong>Mit dieser \u201eVersion\u201c machten sich Journalisten daran, die damals ver\u00f6ffentlichten Diensthandynummern anzurufen, um sich der Beh\u00f6rde zu vergewissern, die diese benutzt hatten. Das Ergebnis war mehr als verbl\u00fcffend: Die Nummern hatten keinen Anschluss mehr \u2013 sie wurden \u201eabgeschaltet\u201c.<\/strong><br \/>\n<strong>Damit war eine elektronische Spur gel\u00f6scht \u2013 was in einem solch schwerwiegenden Fall nur als Vertuschungstat gewertet werden kann. Denn durch die L\u00f6schung dieser Verbindung konnte nicht gekl\u00e4rt werden, ob es sich beim Nutzer dieser Handynummer um eine Beh\u00f6rde handelt oder um einen V-Mann. Dieser wird in aller Regel mit einem Handy ausgestattet, das ebenfalls auf das jeweilige Innenministerium zugelassen ist.<\/strong><br \/>\n<strong>Ebenfalls will bis heute niemand erkl\u00e4ren, wie eine Person X, ausgestattet mit einem Handy des <em>S\u00e4chsischen Staatsministerium des Inneren <\/em>in den Besitz der Handynummer von Beate Zsch\u00e4pe kommen konnte? Beate Zsch\u00e4pe benutzte einen Decknamen, die Wohnung war auf \u201eMathias D.\u201c angemeldet. Eine Beh\u00f6rde, die nicht mehr wollte, als den Wohnungseigent\u00fcmer zu informieren, h\u00e4tte niemals Beate Zsch\u00e4pe anrufen k\u00f6nnen.<\/strong><br \/>\n<strong>Diesen Vertuschungen ging auch der \u201eTerrorexperte des ZDF\u201c Elmar Theve\u00dfen im November 2014 nach: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong><em>\u201eAm 4. November 2011 fliegt die Terrorzelle NSU auf: Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos begehen Selbstmord, Beate Zsch\u00e4pe steckt die Wohnung des Trios an und fl\u00fcchtet. Ihr Handy klingelt am Nachmittag sehr h\u00e4ufig, \u00fcber 30 Mal allein zwischen 16.30 und 21 Uhr. Doch wer ruft Zsch\u00e4pe immer wieder an?\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Auf diese Frage eine Antwort zu bekommen, ist keine gro\u00dfe Aufgabe \u2013 f\u00fcr die ermittelnde Polizei. Diese muss sich nur an den Provider wenden, \u00fcber den die Kommunikation abgewickelt wurde.<\/strong><br \/>\n<strong>\u00a0Auch das geh\u00f6rt zur Polizeiroutine und m\u00fcsste in einem solchen Fall h\u00f6chste Priorit\u00e4t haben. Schlie\u00dflich geht es um die Frage: Wer hat ihr in den vier Tagen \u201eFlucht\u201c geholfen? Wer geh\u00f6rt m\u00f6glicherweise mit zum NSU-Netzwerk? All das sollte ein Kinderspiel sein, wenn man die Handynummer von Beate Zsch\u00e4pe hat \u2013 sollte man meinen.<\/strong><br \/>\n<strong>Am 17. M\u00e4rz 2016 wurde dazu im dritten parlamentarischen Untersuchungsausschuss\/PUA in Berlin Kriminaloberkommissar Sascha Allendorf im BKA befragt. Er war mit der Auswertung der Mobiltelefon-Daten von Zsch\u00e4pe beauftragt. Was er dazu sagte, findet sich in einer Erkl\u00e4rung des Bundestages:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>\u201eNachdem vermutlich Zsch\u00e4pe am Nachmittag des 4. November 2011 ihre gemeinsame Wohnung mit Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos in Zwickau in Brand gesetzt hatte, war ihre Handynummer von der Polizei in Erfahrung gebracht worden. Zur \u00dcberpr\u00fcfung der Telefongespr\u00e4che, die sie \u00fcber ihr Handy gef\u00fchrt hatte, wurden in den folgenden Wochen die jeweiligen Provider kontaktiert. Allendorf wies darauf hin, dass es damals keine gesetzliche Grundlage f\u00fcr eine Vorratsdatenspeicherung gab und die Verbindungsdaten von den Anbietern daher auf unterschiedliche Weise gespeichert worden waren. Von einigen Telefongesellschaften wurden der Polizei nur Nummern \u00fcbermittelt, bei denen die letzten drei Stellen durch \u201cx\u201d ersetzt waren. <em>Insgesamt handelte es sich um 42 Telefonnummern<\/em>. <em>Nach Allendorfs Aussage w\u00e4re der Aufwand zu gro\u00df gewesen, die Inhaber dieser Nummern zu ermitteln<\/em>, da man im Extremfall fast 42.000 Nummern h\u00e4tte \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen. Allein f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung der 412 Rufnummern, die der Polizei vollst\u00e4ndig vorlagen, habe man sechs Monate ben\u00f6tigt. Binninger lie\u00df das nicht gelten, zumal <em>einige der unvollst\u00e4ndigen Nummern als Beh\u00f6rdenanschl\u00fcsse erkennbar gewesen seien<\/em>. Die \u00fcbrigen Nummern h\u00e4tte das BKA zumindest darauf \u00fcberpr\u00fcfen lassen sollen, ob polizeibekannte Rechtsextremisten zu den Inhabern geh\u00f6rten.\u201c (Quelle: Deutscher Bundestag vom 18.3.2016)<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Man wei\u00df nicht, \u00fcber was man vor allem w\u00fctend sein soll: \u00fcber die Dummheit oder Dreistigkeit dieser Aussage. Und man fragt sich, warum sich die Parlamentarier eine solche Antwort gefallen lassen. Sie erf\u00fcllt den Straftatbestand der Irref\u00fchrung und der Strafvereitelung im Amt gleicherma\u00dfen.<\/strong><br \/>\n<strong>So unterschiedlich die Speicherfristen der Provider auch sind, sie h\u00e4tten allesamt ausgereicht, die gespeicherten Kommunikationsdaten unversehrt zu bekommen. Und zwar in Gestalt vollst\u00e4ndiger Telefonnummern. Denn nur beim privaten Einzelverbindungsnachweis werden die letzten drei Stellen durch x ersetzt. Auf die vollst\u00e4ndigen Telefonnummern muss der Provider zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen \u2013 im Reklamationsfall.<\/strong><br \/>\n<strong>Aber auch die angeblich langwierige Suche im Heuhaufen ist eine vors\u00e4tzliche T\u00e4uschung. Bereits 1998 wurde in Jena in der Garage von den wenig sp\u00e4ter abgetauchten NSU-Mitgliedern eine Telefonliste gefunden, mit \u00fcber 50 Eintr\u00e4gen \u2013 ohne xxx. <\/strong><br \/>\n<figure id=\"attachment_4039\" aria-describedby=\"caption-attachment-4039\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4039\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/garagenliste-1998-markierung-netz.jpg?resize=237%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"Garagenliste aus Jena 1998\" width=\"237\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/garagenliste-1998-markierung-netz.jpg?w=567&amp;ssl=1 567w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/garagenliste-1998-markierung-netz.jpg?resize=237%2C300&amp;ssl=1 237w\" sizes=\"(max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4039\" class=\"wp-caption-text\">Telefon- und Adressliste des sp\u00e4teren NSU &#8211; Jena 1998<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Das <em>Who is who<\/em> der Neonaziszene, das Netzwerk von Kameraden, das es laut Anklage der Generalbundesanwaltschaft nicht gibt. F\u00fcr diesen Abgleich h\u00e4tte man 10 Minuten gebraucht. Selbst auf dieser konspirativen Telefonliste befanden sich vier V-Leute, die f\u00fcr die Neonazis \u201eKameraden\u201c waren, denen sie voll vertrauten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Au\u00dferdem w\u00e4re es ein Leichtes gewesen, die vollst\u00e4ndigen Nummern der Beh\u00f6rdenanschl\u00fcsse zu bekommen, um so \u00fcberpr\u00fcfbar festzustellen, welche \u201eBeh\u00f6rde\u201c diese Handynummern genutzt hatte und warum diese kurz nach Bekanntwerden \u201eabgeschaltet\u201c wurden! Dass all dies der Vorsitzende des dritten PUA, Clemens Binninger (CDU), ein ehemaliger Polizeibeamter, mit unglaublicher Sanftheit moniert, ist in jedem Fall dem Sachverhalt v\u00f6llig unangemessen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Man darf \u00fcbrigens davon ausgehen, dass das BKA selbstverst\u00e4ndlich um diese M\u00f6glichkeiten wusste und diese auch nutzte. W\u00fcrden all diese Telefonnummern nur auf Neonazis verweisen, h\u00e4tte man das Ergebnis stolz pr\u00e4sentiert. Mehr als naheliegend ist also, dass man bei den gespeicherten Telefonnummern auf Verbindungen gesto\u00dfen war, die man eben nicht problemlos offen legen konnte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Exakt dieser Annahme ist auch der anfangs erw\u00e4hnte \u201eZDF-Terrorexperte\u201c Elmar Theve\u00dfen gefolgt, als er dazu blitzgescheit ausf\u00fchrte: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>\u201eDie deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden pr\u00fcfen es sp\u00e4ter nicht ernsthaft nach, weil in den Anrufprotokollen die letzten drei Ziffern durch x ersetzt sind. Aber sie haben die Ziffern davor auch nicht mit den Mobilnummern der Personen aus dem Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) abgeglichen, unter ihnen eine gro\u00dfe Zahl von V-Leuten der Beh\u00f6rden. <em>Haben mehrere von ihnen an jenem 4. November 2011 verzweifelt versucht, Beate Zsch\u00e4pe zu erreichen, weil sie mindestens Mitwisser waren, wenn nicht sogar mehr?<\/em>\u201c<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:center;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Dass diese Kommunikationsdaten mehr verraten, als den Ermittlungsbeh\u00f6rden lieb ist, belegt ein weiteres Faktum.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Am 4. November 2011, kurz nachdem die Wohnung in Zwickau in Brand gesetzt wurde, erhielt Beate Zsch\u00e4pe nicht nur von einer nicht mehr auffindbaren \u203aPolizeidienststelle\u2039 einen Anruf. Sie hatte auch telefonischen Kontakt mit Andr\u00e9 Eminger. Um 15.29 Uhr sprachen sie eine Minute und 27 Sekunden miteinander, dann tippte Andr\u00e9 Eminger eine SMS, eine Textnachricht an seine Frau Susan \u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Andr\u00e9 Eminger z\u00e4hlt zu den f\u00fchrenden Neonazikadern, eine Schl\u00fcsselfigur in der s\u00e4chsischen Neonazi-Szene. Er ist Mitbegr\u00fcnder der \u203aWei\u00dfen Bruderschaft Erzgebirge\u2039. Seine Ehefrau Susan Eminger stand ihrem Mann an neonazistischer Tatkraft in nichts nach.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Andr\u00e9 Eminger war der Polizei und den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden seit Langem bekannt. Aus einem Schreiben des s\u00e4chsischen Verfassungsschutzes geht hervor, dass die Beh\u00f6rde im M\u00e4rz 2003 ein \u203a<em>Informationsgespr\u00e4ch<\/em>\u2039 mit Andr\u00e9 Eminger gef\u00fchrt habe, was nur m\u00fchsam umschreibt, dass er als V-Mann angeworben werden sollte. Angeblich habe er abgelehnt, da er keinen Kontakt mehr zur neonazistischen Szene habe. Das wussten die Anwerber besser: Noch im November 2006 gingen Verfassungsschutz\u00e4mter davon aus, dass er laut Spiegel-online vom 10.12.2012 eine \u00bbherausgehobene Position\u00ab innehabe.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Unstrittig ist, dass das Ehepaar Eminger den Untergrund des NSU mit ausgestattet hatte. U.a. besorgte Andr\u00e9 Eminger im Mai 2009 f\u00fcr Uwe B\u00f6hnhardt und Beate Zsch\u00e4pe Bahncards, welche auf seinen und den Namen seiner Frau ausgestellt waren.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Jenseits der Frage, ob die fehlgeschlagene Anwerbung des Neonazis Andr\u00e9 Eminger eine Legende ist, kann man festhalten, dass ihre \u00dcberwachung direkt zu den Mitgliedern des NSU gef\u00fchrt hatte\/h\u00e4tte. Wie eng, wie vertrauensvoll der Kontakt zwischen den NSU-Mitgliedern und Andr\u00e9 Eminger war, beweist auch das Telefonat, das Beate Zsch\u00e4pe kurz nach dem Tod von Mundlos und B\u00f6hnhardt gef\u00fchrt hatte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Auf welche Weise also die Verfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcber Andr\u00e9 Eminger an den NSU angeschlossen waren, k\u00f6nnte zweifelsfrei die Auswertung des Handys ergeben, das bei seiner Festnahme am 24. November 2011 beschlagnahmt wurde. Das Handy wurde zur Auswertung ans BKA geschickt. Obwohl der interne Speicher gel\u00f6scht war, konnte das BKA die gel\u00f6schten Datens\u00e4tze wiederherstellen. Das ist in der Regel kein Hexenwerk, denn die L\u00f6schung bezieht sich nur auf den Link (Pfad), nicht auf die gespeicherten Datens\u00e4tze. Doch nun passierte das, was schon in vielen F\u00e4llen zuvor der Fall war: Die \u201eRekonstruktion\u201c weist auff\u00e4llige L\u00fccken auf, die man technisch am aller wenigsten erkl\u00e4ren kann: \u00bb<em>So tauchen etwa Telefonverbindungen erst ab dem Datum 8. November 2011 wieder auf; bei den SMS reicht die L\u00fccke vom 6. November bis zum 14. November 2011<\/em>.\u00ab (L\u00fccken in den Handydaten, FR vom 28.1.2013)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Die L\u00fccke ist gut gew\u00e4hlt: Es handelt sich um den gesamten Zeitraum, in dem Beate Zsch\u00e4pe auf der \u201eFlucht\u201c war.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Um ganz sicher zu gehen, dass nichts gefunden wird, was nicht gefunden werden soll, wies das BKA die zust\u00e4ndige Bundespolizeidienststelle an, die Sicherungskopie zu l\u00f6schen. Kein Versehen, sondern eine Anweisung, gegen Dienstvorschriften zu versto\u00dfen: \u00bbDiese Anweisung habe der \u00fcblichen Vorgehensweisen widersprochen, wie der Bundespolizei-Direktor Heinz-Dieter Meier in seiner Vernehmung (\u2026) sagte (\u2026): \u203a<em>Wenn Handys ausgewertet werden, sieht das Standardverfahren vor, dass die Daten archiviert werden<\/em>\u2039, sagte Meier laut Aussageprotokoll vom 23. Februar 2012.\u00ab (s.o.). F\u00fcr den Vorsatz der Verschleierung statt Aufkl\u00e4rung hat der Bundespolizei-Direktor eine professionelle Erkl\u00e4rung: \u00bb<em>Er deutete an, dass das BKA mit seinem Vorgehen m\u00f6glicherweise einen Informanten decken wollte, auf den E\u2019s Handydaten hinweisen k\u00f6nnten<\/em>.\u00ab (s.o.)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Was mit diesen vors\u00e4tzlich geschaffenen L\u00fccken bezweckt werden soll, wei\u00df der Bundespolizei-Direktor Meier auch: \u00bb<em>Wenn das stimmen w\u00fcrde und das BKA jemand im Umfeld des Trio h\u00e4tte, dann h\u00e4tten wir ein Problem<\/em>.\u00ab (s.o.) \u2013 Ein sehr gro\u00dfes. Denn damit w\u00e4re ein weiteres Mal bewiesen, dass die Verfolgungsbeh\u00f6rden am K\u00fcchentisch des NSU sa\u00dfen \u2013 bis zum letzten Tag.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Dass die Kommunikationsdaten von Beate Zsch\u00e4pe\u2019s Handy nicht ausgewertet, dass die Verbindungsdaten von Andr\u00e9 Eminger im entscheidenden Zeitraum gel\u00f6scht wurden, berechtigt zu der Annahme, dass alles stimmt \u2013 nur nicht die offizielle Version.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Wolf Wetzel <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2015\/06\/27\/der-nsu-vs-komplex-3-auflage-231-seiten-2015\/\" target=\"_blank\">Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund \u2013 wo h\u00f6rt der Staat auf? Unrast Verlag 2015\/3. Auflage<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Wer bei diesem Thema die Augen schlie\u00dfen will , der kann sich den Beitrag auch anh\u00f6ren:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/nachdenkseiten-podcast\/160330-zschaepes-flucht-nds\"><strong>https:\/\/soundcloud.com\/nachdenkseiten-podcast<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong>Dieser Beitrag findet sich auch auf der Internetplattform \u201eNachDenkSeiten\u201c vom 30.3.2016:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:left;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32587#foot_1\" target=\"_blank\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32587#foot_1<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Views: 255<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab dem 30. M\u00e4rz 2016 strahlt das ARD die Spielfilmtriologie \u201eMitten in Deutschland: NSU\u201c aus. Bei diesem Projekt werden drei Filme mit drei Perspektiven von drei Regisseuren gezeigt: &#8222;Die T\u00e4ter \u2013 Heute ist nicht alle<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6594,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2,8,15,32,33,34,36,41],"tags":[379,398,416,628,629,671,686,696,1635,1708,1799,2304,2545,2546,2550,2551,2595,2649,2745],"class_list":["post-6591","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-01-der-rechtsstaat-im-untergrund-2015","category-antifaschismus","category-der-nsu-vs-komplex-2013-2015","category-nationalismus","category-neonazismus","category-politik","category-rassismus","category-verfassungs-bruch-schutz","tag-beate-zschape","tag-berliner-polizeipraesident-klaus-kandt","tag-bfv","tag-der-nsu-vs-komplex","tag-der-nsu-vs-komplex-wo-beginnt-der-nationalsozialistische-untergrund-wo-hort-der-staat-auf","tag-die-ermittler-nur-fuer-den-dienstgebrauch","tag-die-opfer-vergesst-mich-nicht","tag-die-taeter-heute-ist-nicht-alle-tage","tag-mitten-in-deutschland","tag-nationalsozialistischer-untergrund","tag-nsu-prozess","tag-staatsterrorismus","tag-uwe-bohnhardt","tag-uwe-mundlos","tag-v-leute","tag-v-mann","tag-verfassungsschutz","tag-vs","tag-wolf-wetzel"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/mitten-in-d.jpg?fit=820%2C461&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6591"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6591\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}