{"id":6133,"date":"2015-11-20T19:31:06","date_gmt":"2015-11-20T17:31:06","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=6133"},"modified":"2021-12-05T16:57:24","modified_gmt":"2021-12-05T15:57:24","slug":"charlie-hebdo-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2015\/11\/20\/charlie-hebdo-2-0\/","title":{"rendered":"Charlie Hebdo 2.0"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color: #ff0000;\">Charlie Hebdo 2.0<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\"> Kritik an den Anschl\u00e4gen in Paris und an der Trauer- und Kriegsmaschinerie derer, die nicht Opfer der Anschl\u00e4ge waren.<\/span><\/h2>\n<p><strong>Die Massaker, die am 14. November 2015 in Paris ver\u00fcbt wurden, sollen laut \u203agut informierter Kreise\u2039 ein Racheakt auf Blutb\u00e4der und Zerst\u00f6rungen in arabischen L\u00e4ndern (Irak, Syrien, Afghanistan) sein, an denen sich westliche Staaten, insbesondere die franz\u00f6sische Au\u00dfenpolitik beteiligt haben und fortlaufend beteiligen. Sollte dieses Motiv stimmen, dann muss man eines ganz deutlich sagen: Das Blutbad, das man w\u00e4hrend eines Konzertes im \u203aClub Bataclan\u2039 anrichtete, die Ermordung von BesucherInnen eines Caf\u00e9s haben nicht die politisch und milit\u00e4risch Verantwortlichen getroffen. Im Gegenteil: Man brachte jene in Frankreich (und in Europa) wieder zusammen, die im Alltag so viel gemein haben wie die BewohnerInnen der Banlieues mit denen im ersten Arrondissement in Paris.<\/strong><br \/>\n<strong> Nicht anders ist der Mordanschlag auf die Satirezeitung \u203aCharlie Hebdo\u2039 im Januar dieses Jahres zu werten, wenn man \u203aAu\u00dfenseiter\u2039 des franz\u00f6sischen Kulturbetriebes ins Zentrum einer blutigen Kritik r\u00fcckt, die sich f\u00fcr Religions \u2013 und Gottesl\u00e4sterungen r\u00e4chen wollte.<\/strong><br \/>\n<strong> In beiden F\u00e4llen wiederholen die T\u00e4ter in Paris etwas, was in Syrien, im Irak und in Libyen Alltag geworden ist: Sie spiegeln denen, die von den Moslems, von den Islamisten reden, was es hei\u00dft, von den Franzosen zu reden. Das ist nicht aufkl\u00e4rerisch, sondern reaktion\u00e4r.<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong> G\u00e4nzlich gleich geblieben ist die Trauer- und Kriegsmaschinerie, die gut aufeinander abgestimmt nach den Anschl\u00e4gen in Gang gesetzt wurde, wobei man jetzt allen Ernstes behauptet, man sei im Krieg. Mit diesem erw\u00fcnschten Kriegszustand wird nun all das gerechtfertigt und umgesetzt, was man schon lange gewollt hat und womit dieser Terroranschlag nichts zu tun hat: Man will noch mehr Krieg (au\u00dferhalb von Europa), man will noch mehr Polizei, noch mehr Soldaten, noch mehr \u00dcberwachung, noch mehr von dem, was man vor dem Islamismus sch\u00fctzen will. Ganz besonders zynisch wird es, wenn die Geheimdienste aus den USA, England und Deutschland gemeinsam die Kritiker ermahnen, endlich ganz still zu sein, damit sie wieder ungehindert ihrer Arbeit nachgehen k\u00f6nnen.<\/strong><br \/>\n<strong> Nun wird einmal mehr eine Einheit beschworen, vor der man sich nur gruseln kann: Sozialisten, Nationalisten und Neofaschisten (Le Pen) wetteifern darum, die \u203aFreiheit\u2039 zu verteidigen.<\/strong><br \/>\n<strong> Und wieder und wieder fragt man sich: Was hat das alles mit dem Krieg gegen den Islamismus zu tun? <em>Wer<\/em> verteidigt <em>wo<\/em> <em>was<\/em>?<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Der Mordanschlag auf die Satirezeitschrift \u203aCharlie Hebdo\u2039<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Es lohnt sich, noch einmal an das zu erinnern, was dem Mordanschlag im Januar 2015 folgte.<\/strong><br \/>\n<strong> Am 7. Januar 2015 ereignete sich in Paris ein Anschlag auf die Satirezeitschrift \u203aCharlie Hebdo\u2039, bei dem elf Menschen ermordet wurden. Zwei Tage sp\u00e4ter st\u00fcrmte ein weiterer Attent\u00e4ter einen koscheren Supermarkt im Osten von Paris, t\u00f6tete einige Kunden und nahm die anderen als Geisel. In einem Telefonanruf stellte er die Tat in Verbindung mit dem Anschlag auf \u00bbCharlie Hebdo\u00ab und forderte: \u203aFrankreich soll alle seine Truppen aus s\u00e4mtlichen muslimischen L\u00e4ndern abziehen\u2039.<\/strong><br \/>\n<strong> Ziemlich schnell stand das Fazit fest: Der Islamische Staat\/IS f\u00fchrt seinen Krieg im Namen des Koran und des Propheten Mohammed im Nahen Osten (Syrien, Irak) und tr\u00e4gt ihn nun auch nach Europa. Auch nach innen hatte man eine Botschaft: Dieser m\u00f6rderische Angriff sei ein gemeiner Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit, die es jetzt gemeinsam zu verteidigen gelte, ob arm oder reich, oben oder unten, rechts oder links.<\/strong><br \/>\n<strong> Damit wurde innenpolitisch ein \u203anationaler Konsens\u2039 imaginiert, der auch in Frankreich seit Jahren zerbrochen, zerschlissen und aufgebraucht war und ist \u2013 und gerade deshalb umso heftiger beschworen werden muss.<\/strong><br \/>\n<strong> Die S\u00fcddeutsche Zeitung hatte den Mordanschlag unverkrampft ungeniert eingeordnet: Jetzt gelte es, die \u00bb<em>Gunst der schrecklichen Stunde<\/em>\u00ab zu nutzen.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff0000;\"><strong> Alle zusammen gegen den Islamismus?<\/strong><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>\u00bbDas religi\u00f6se Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. (\u2026) Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.\u00ab (Karl Marx, MEW 1, S.378)<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Nach dem m\u00f6rderischen Anschlag auf die Satirezeitschrift \u203aCharlie Hebdo\u2039 wurde die Debatte \u00fcber den Islam in allen Medien neu aufgelegt: Welche Rolle spielt der Islam bei der Rechtfertigung von Terroranschl\u00e4gen? Wird bei einem Anschlag der Islam missbraucht, wenn die Attent\u00e4ter als Zeuge und Beistand \u203aAllah ist gro\u00df\u2039 rufen?<\/strong><br \/>\n<strong> IslamexpertInnen bev\u00f6lkern einmal mehr die Talkshows. Es geht wieder und wieder um die Fragen: Gibt es einen moderaten Islam und einen zur Gewalt aufrufenden Islam? Haben die Anschl\u00e4ge etwas mit dem Islam zu tun oder mit anderen, sprich lebensweltlichen Ursachen? Und ganz viel wird vermessen und gestritten, wo die Grenze zwischen dem Islam, gegen den wir nichts haben, und dem Islamismus, den es noch energischer und entscheiden zu bek\u00e4mpfen gibt, verl\u00e4uft?<\/strong><br \/>\n<strong> Von Regierung, Thinktanks und von den Medien wird uns gesagt, dass der Kampf gegen den (gewaltbereiten\/fanatischen) Islamismus keine Kriegserkl\u00e4rung gegen den Islam sei. Schlie\u00dflich habe man nichts gegen Religionen, auch nichts gegen den Islam, solange unter diesem Himmel ein Bett steht, in dem der Westen genug Platz hat.<\/strong><br \/>\n<strong> Zu dieser Selbstverortung werden seitdem erneut und wiederholt alle muslimischen Verb\u00e4nde aufgerufen, sich auf die richtige Seite zu stellen. Sie sollen sich wieder deutlich und glaubhaft vom Islamismus distanzieren. Sie sollten nicht nur Bekenntnisse zu diesem Staat und seiner Verfassung abgeben, sondern auch Zeugnis ablegen, dass diese mehr als Lippenbekenntnisse sind. Man fordert sie auf, in ihren Moscheen nach \u203aHasspredigern\u2039 Ausschau zu halten, ihnen kein Forum zu bieten und eng mit den Polizei- und Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zusammenzuarbeiten, wenn sie \u203averd\u00e4chtige\u2039 Muslime entdecken, die den Rubikon vom (friedliebenden) Islam zum (gewaltbereiten) Islamismus \u00fcberschreiten.<\/strong><br \/>\n<strong> Wenn Attent\u00e4ter im Namen Mohammeds morden, erwartet man von allen Muslimen ganz selbstverst\u00e4ndlich, dass sie sich distanzieren. Wenn unter Anrufung Gottes Krieg gegen den Irak (\u00bb<em>M\u00f6ge Gott uns jetzt f\u00fchren<\/em>\u00ab, US-Pr\u00e4sident George W. Bush) gef\u00fchrt wird, dann fragt niemand alle Christen, ob sie sich von Kriegsverbrechen distanzieren oder wie wir uns vor einem gewaltbereiten Christentum sch\u00fctzen k\u00f6nnen? Genauso wenig kommt jemand auf die Idee, alle Deutschen dazu aufzurufen, sich deutlich und erkennbar vom Terror des NSU zu distanzieren, der im Namen des \u203adeutschen Volkes\u2039 begangen wurde.<\/strong><br \/>\n<strong> Wie willk\u00fcrlich und vordergr\u00fcndig die Unterscheidung zwischen dem Islam und dem Islamismus ist, verdeutlichen ein paar Beispiele:<\/strong><br \/>\n<strong> Die US-Regierung hat in den 80er Jahren gegen die sowjetische Intervention in Afghanistan die im Namen des Islam agierenden Taliban bewaffnet, finanziert und ihnen zum Sieg verholfen. Ist das der Islam, der auch hier seinen Platz haben soll?<\/strong><br \/>\n<strong> Wenn 2011 im Krieg gegen Libyen \u203aGotteskrieger\u2039 als Bodentruppen unterst\u00fctzt und bewaffnet werden, die bis heute das Land terrorisieren, wobei es um wenig G\u00f6ttliches geht, sondern um die Aufteilung der Beute, sind das dann die \u203abefreundeten\u2039 Islamisten?<\/strong><br \/>\n<strong> Ist der Gottesstaat Saudi-Arabien ein islamischer oder ein islamistischer Staat? Wenn dort Menschen ausgepeitscht, gefoltert und hingerichtet werden, angeblich nach den Gesetzen der Scharia, ist das dann ein trotz allem wohlgelittener Islam, weil der eines verb\u00fcndeten Staates? Wird in diesem reaktion\u00e4ren, patriarchalen System, das der Westen unter anderem mit Waffenlieferungen (auch von den deutschen Bundesregierungen) unterst\u00fctzt, genau jener Islam gelebt, den wir so vortrefflich vom Islamismus unterscheiden?<\/strong><br \/>\n<strong> Vertr\u00e4gt sich die Bewaffnung eines Teils der syrischen Opposition (auch durch westliche Staaten), die sich mehr als deutlich einem islamischen Gottesstaat verschrieben hat, mit einem Islam, von dem schon mal von h\u00f6chster Stelle gesagt wurde, er geh\u00f6re zu Deutschland?<\/strong><br \/>\n<strong> Auch die israelische Regierung hat kein Problem damit, das politisch und materiell zu unterst\u00fctzen, was sie ansonsten als islamistischen Terror zu bek\u00e4mpfen vorgibt:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong> \u00bbBereits Anfang Dezember 2014 hatten die Vereinten Nationen berichtet, die israelischen Streitkr\u00e4fte \u203ainteragierten\u2039 auf den Golanh\u00f6hen mit der Miliz Jabhat al Nusra (\u203aAl Nusra-Front\u2039), die im August 45 UN-Blauhelme zu Geiseln genommen hatte. Aktuellen Berichten zufolge wird Jabhat al Nusra von Israel durch \u203amedizinische wie logistische Hilfe\u2039 unterst\u00fctzt. Ursache sei, dass die Miliz in Syrien gegen die Regierung von Bashar al Assad und gegen die mit dieser verb\u00fcndeten proiranischen Hizbullah k\u00e4mpft. Jabhat al Nusra, Kooperationspartner gegen Assad und proiranische Kr\u00e4fte, geh\u00f6rt dem Netzwerk Al Qaida an, dem sich zwei der Attent\u00e4ter von Paris zugerechnet haben.\u00ab (Feind und Partner, german-foreign-policy.com vom 29.01.2015)<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong> Man k\u00f6nnte noch zahlreiche Beispiele anf\u00fchren, um deutlich zu machen:<\/strong><br \/>\n<strong> Den Regierungen im Westen ist es egal, ob jemand den Koran bem\u00fcht und zu Mohammed betet. Entscheidend ist, ob jeweilige Organisationen bzw. Staaten als \u203aPartner\u2039 n\u00fctzlich sind, ob man mit ihrer Hilfe eigene Interessen durchsetzen kann. Fundamentalistisch &#8211; im ganz w\u00f6rtlichen und gottlosen Sinne &#8211; sind weder der Islam noch das Christentum, sondern die kapitalistischen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, die man damit \u00fcberw\u00f6lbt \u2013 mit all ihren unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen und Nuancen (Trennung von Staat und Religion etc.). Nur darauf kommt es wirklich an.<\/strong><\/p>\n<h3><strong><span style=\"color: #ff0000;\"> Sprechen wir also nicht \u00fcber friedlichen und\/oder terroristischen Islam, sondern \u00fcber verschleierte und unverschleierte Kapitalismen.<\/span> <\/strong><\/h3>\n<p><strong>Das w\u00fcrde auch den meisten islamischen Staaten und Bewegungen gerecht werden.<\/strong><br \/>\n<strong> Ob Herrschaftsverh\u00e4ltnisse also mit der Scharia oder mit dem B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch exekutiert werden, ist im Sinne hegemonialer Interessen nachrangig. Nicht die Scharia, der Koran, der Terror und die Unterdr\u00fcckung unterscheiden das Verh\u00e4ltnis zum \u203aIslamischen Staat\u2039 (IS) von dem zum saudi-arabischen Regime. Der wirklich ausschlaggebende Unterschied besteht darin, dass der IS, zumindest so er aus dem Ruder l\u00e4uft &#8211; nicht die Interessen des Westens bedient, das saudi-arabische Regime hingegen sehr wohl. Das hat zur Folge, dass ersterer bombardiert, letzteres hingegen politisch und milit\u00e4risch aufger\u00fcstet wird. Doch auch das Verh\u00e4ltnis zu der Terrororganisation ist interessengeleitet, wie ein genauerer Blick auf den IS deutlich macht: Was lange ruchbar war, wurde im Mai 2015 durch die Ver\u00f6ffentlichung eines geheimen Pentagon-Papieres aus dem Jahr 2012 best\u00e4tigt. Darin wurde in einem \u00bbIslamischen Staat\u00ab eine \u00bbstrategische Chance\u00ab f\u00fcr den Sturz der Regierung Syriens gesehen:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong> \u00bbEin \u2026 bisher streng geheimer Pentagon-Bericht beweist, dass die USA die Terrormiliz \u203aIslamischer Staat in Irak und Syrien\u2039 (ISIS bzw. IS) geschaffen haben. Der IS sollte danach Washington als Werkzeug zum Sturz von Syriens Pr\u00e4sidenten Baschar Al-Assad und als Vorwand f\u00fcr die R\u00fcckkehr des US-Milit\u00e4rs in den Irak dienen. Hintergrund: Der konservativen US-B\u00fcrgerrechtsorganisation \u203aJudicial Watch\u2039 war es gelungen, per Gerichtsbeschluss die Freigabe einer Reihe von US-Geheimpapieren zu erzwingen. Bei deren Analyse entdeckte der US-Journalist Nafeez Ahmed das Dokument des milit\u00e4rischen Nachrichtendienstes des Pentagons (DIA) aus dem Jahr 2012. Es war seinerzeit in Washington u. a. auch an das Au\u00dfen- und das sogenannte Heimatministerium gegangen. \u2026 Aus dem Text [geht] hervor, dass die westlichen Regierungen bewusst Al-Qaida-Gruppierungen und andere islamistische Extremisten (aus denen nach 2012 der IS hervorging) f\u00f6rderten, um Assad zu st\u00fcrzen. \u2026 In dem Papier hei\u00dft es: \u203aEs gibt die M\u00f6glichkeit der Schaffung eines sich konstituierenden oder nicht offiziell erkl\u00e4rten salafistischen Kalifats im Osten Syriens, und das ist genau das, was die Unterst\u00fctzer der Opposition wollen, um das syrische Regime zu isolieren und die schiitische Expansion im Irak durch Iran einzud\u00e4mmen\u2039. Der DIA-Bericht prognostiziert den Aufstieg eines solchen \u203aIslamischen Staats\u2039 als direkte Folge der US-Destabilisierungsstrategie. (\u2026) Die Entstehung eines mit Al-Qaida verbundenen \u203asalafistischen Kalifats\u2039 wird in dem US-Dokument sogar als \u203astrategische Chance\u2039 bezeichnet, um Washingtons Ziele in der Region zu erreichen: Regimewechsel in Syrien und Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der \u203aschiitischen Expansion\u2039 beziehungsweise des Iran.\u00ab<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong> Es passt ins Bild, wenn der NATO-Staat T\u00fcrkei zahllose IS-\u203aK\u00e4mpfer\u2039 \u00fcber die Grenze nach Syrien einsickern l\u00e4\u00dft \u2013 sehenden Auges auch von westeurop\u00e4ischen und US-Geheimdiensten. Dass aber auch ein zu bek\u00e4mpfender IS die westlichen Interessen nach weiteren Interventionen noch bedient, best\u00e4tigen die Worte von Leon Penetta, ehemaliger CIA-Chef (2009-2011) und US-Verteidigungsminister (2011-2013), der zu Beginn der Luftangriffe auf den IS im August 2014 erkl\u00e4rte:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong> \u00bb<em>Ich denke, wir stehen vor einem neuen 30-j\u00e4hrigen Krieg. (\u2026) dieser Krieg wird \u00fcber den Islamischen Staat hinausgehen und sich neuen Gefahrengebieten in Nigeria, Somalia, Jemen, Libyen und sonstwo zuwenden<\/em>.\u00ab<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Man kann also allen westlichen Regierungen (auch der deutschen Bundesregierung) tats\u00e4chlich abnehmen, dass sie weder etwas gegen den Islam als solchen noch gegen die gewaltsame Durchsetzung einer islamisch begr\u00fcndete Herrschaft haben, wenn damit ihre Interessen gesch\u00fctzt bzw. gewahrt werden. Das belegen sie eindrucksvoll und konsequent mit ihrer Unterst\u00fctzung und Zusammenarbeit mit Regimen in Katar, in Saudi-Arabien oder in Afghanistan. Nicht im Widerspruch dazu steht eine fortw\u00e4hrend milit\u00e4risch flankierte Geopolitik, von der Ilija Trojanow und Juli Zeh sagen: \u00bbEin kriegerisches perpetuum mobile also, ein dauernder Ausnahmezustand, der Ausnahmegesetze rechtfertigt.\u00ab<\/strong><br \/>\n<strong> Was 2010 Bef\u00fcrchtungen waren und gerne als Alarmismus abgetan wird, ist seit dem 19. November 2015 erw\u00fcnschter Normalzustand: Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Hollande hat nach den Anschl\u00e4gen in Paris den Ausnahmezustand verh\u00e4ngt, der nun um drei Monate verl\u00e4ngert werden soll.<\/strong><br \/>\n<strong> Wolf Wetzel<\/strong><br \/>\n<strong> Ein l\u00e4ngerer Beitrag zum Mordanschlag in Paris auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo, eine Auseinandersetzung mit dem, was im Namen eines Antislamismus alles passiert und verschwiegen wird, findet sich in dem Kapitel: <em>Nous sommes tous Charlie \u2013 vraiment? Feindbildproduktion in Zeiten permanenter Kriegsf\u00fchrung (S. 150-170)<\/em><\/strong><br \/>\n<strong> in dem Buch:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2015\/06\/15\/der-rechtsstaat-im-untergrund-big-brother-der-nsu-komplex-und-die-notwendige-illoyalitat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong> Der Rechtsstaat im Untergrund |Big Brother, der NSU-Komplex und notwendige Illoyalit\u00e4t |<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2015\/06\/15\/der-rechtsstaat-im-untergrund-big-brother-der-nsu-komplex-und-die-notwendige-illoyalitat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> <strong> PapyRossa Verlag, K\u00f6ln, 2015,<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Views: 225<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charlie Hebdo 2.0 Kritik an den Anschl\u00e4gen in Paris und an der Trauer- und Kriegsmaschinerie derer, die nicht Opfer der Anschl\u00e4ge waren. Die Massaker, die am 14. 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