{"id":5632,"date":"2015-03-12T23:12:10","date_gmt":"2015-03-12T21:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=5632"},"modified":"2015-03-12T23:12:10","modified_gmt":"2015-03-12T21:12:10","slug":"die-selbstmordthese-ist-die-unwahrscheinlichste-migazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2015\/03\/12\/die-selbstmordthese-ist-die-unwahrscheinlichste-migazin\/","title":{"rendered":"Die Selbstmordthese ist die unwahrscheinlichste &#124; Migazin"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color:#ff0000;\">Polizei ignorierte und verschwieg wichtigen Augenzeugen. Jetzt redet er.<\/span><\/h2>\n<h3 style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2015\/03\/11\/nsu-komplex-baden-wuerttemberg-zeuge-sahe-zweiten-mann-am-tatort\/2\/\" target=\"_blank\">Migazin | M\u00e4rz 2015<\/a><\/h3>\n<p><strong>Florian H. verbrannte in seinem Auto noch bevor er zum Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn aussagen konnte. Offiziell ist der Fall abgehakt als Selbstmord. Wie ein \u201cneuer\u201d Augenzeuge jetzt berichtet, war aber ein zweiter Mann am Tatort. Der Zeuge meldete sich bei der Polizei und wurde ignoriert. Jetzt sagt er \u00f6ffentlich aus \u2013 exklusiv im MiGAZIN.<\/strong><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2015\/03\/auto-absperrung-migazin.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-5633\" src=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2015\/03\/auto-absperrung-migazin.jpg?w=300&#038;resize=300%2C138\" alt=\"Auto-Absperrung-Migazin\" width=\"300\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/auto-absperrung-migazin.jpg?w=627&amp;ssl=1 627w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/auto-absperrung-migazin.jpg?resize=300%2C138&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Zur Zeit tagt im Stuttgarter Landtag der Untersuchungsausschuss \u203aRechtsterrorismus\/NSU BW\u2039 zur Aufarbeitung der Kontakte und Aktivit\u00e4ten des \u203aNationalsozialistischen Untergrunds\/NSU\u2039 in Baden-W\u00fcrttemberg und der Todesumst\u00e4nde der Polizeibeamtin Mich\u00e8le Kiesewetter, die 2007 in Heilbronn erschossen wurde. Sie gilt als zehntes und letztes Opfer des NSU \u2013 wenn man den Tod des Zeugen Florian Heilig als Selbstmord verbucht, um den es in diesem Beitrag geht. Den Ermittlern zufolge soll sich Florian Heilig aus Liebeskummer mit Benzin \u00fcbergossen und dann selbst verbrannt haben. An dem Tag, an dem er Aussagen aus dem Jahr 2011 wiederholen bzw. pr\u00e4zisieren wollte.<\/strong><br \/>\n<strong>Florian Heilig war bis 2011 in der Neonazi-Szene rund um Heilbronn aktiv. In dieser Zeit hatte er u.a. auch Beate Zsch\u00e4pe getroffen. Mitte 2011 machte er Aussagen zu dem Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007 und nannte dabei Namen und Verbindungen zu weiteren neonazistischen Gruppierungen. Diese stehen in v\u00f6lligem Widerspruch zu den \u00dcberzeugungen der Generalstaatsanschwaltschaft, sie passen \u00fcberhaupt nicht in die Anklageschrift: Dort wird die Behauptung aufgestellt, dass der Mordanschlag auf die beiden Polizisten in Heilbronn zuf\u00e4llig und symbolisch war und dass es \u203aerwiesen\u2039 sei, dass die beiden NSU-Mitglieder Mundlos und B\u00f6hnhard die Tat alleine ausgef\u00fchrt h\u00e4tten.<\/strong><br \/>\n<strong>Florian Heilig wurde mehrmals von seinen ehemaligen \u203aKameraden\u2039 bedroht. Immer wieder artikulierte er laut, dass er um sein Leben f\u00fcrchtete. Er kam ins Aussteigerprogramm des LKA Stuttgart (BIG Rex), besch\u00fctzt hatte er sich dennoch nie gef\u00fchlt. Trotzdem war er bereit, an jenem Montag, den 16. September 2013 seine Aussagen aus dem Jahr 2011 zu wiederholen bzw. zu pr\u00e4zisieren.<\/strong><br \/>\n<strong>An die Selbstmord-These glauben Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch das Innenministerium in Baden-W\u00fcrttemberg besteht bis heute auf ein Suizid-Ereignis:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong><em>\u00bbIn einem Schreiben an den Landtags-Untersuchungsausschuss bekr\u00e4ftigt das Innenministerium das offizielle Ermittlungsergebnis, wonach es sich um einen Suizid handelte. Die Faktenlage lasse keine andere Schlussfolgerung zu, als dass sich Florian H. durch Verbrennen selbst get\u00f6tet habe. Weitere Ma\u00dfnahmen im Todesermittlungsverfahren seien deshalb abgelehnt worden. Mehrere Zeugen h\u00e4tten Florians Fahrzeug am sp\u00e4teren Brandort bemerkt. Dabei sei immer nur eine Person am Wagen gesehen worden.\u00ab (Pforzheimer Zeitung, online-Portal vom 9.3.2015<\/em>)<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die Eltern und die Schwester widersprachen dieser Behauptung von Anfang an \u2013 zuletzt als Zeugen im parlamentarischen Untersuchungsausschuss\/PUA. Sie sind mit diesen Zweifeln nicht allein.<\/strong><br \/>\n<strong>Nun kommen Beobachtungen eines Fahrlehrers hinzu, der sich als Zeuge der Polizei zur Verf\u00fcgung gestellt hatte, aber nie geh\u00f6rt, nie befragt wurde. Im Gegenteil. Selbst die Tatsache, dass es ihn gibt, wurde in den Ermittlungsakten verschwiegen. Ein gl\u00fccklicher Umstand ist es zu verdanken, dass sich dieser Zeuge beim Autor dieses Beitrages meldete und seine Beobachtungen vom 16. September 2013 auf dem Cannstatter Wasen wiedergab &#8211; kurz bevor das Auto brannte, in dem Florian Heilig auf qualvolle Weise umgekommen war.<\/strong><br \/>\n<strong>Was der Zeuge am Todestag von Florian Heilig gesehen hat, schildert der Fahrlehrer gegen\u00fcber dem Autor wie folgt:<\/strong><br \/>\n<strong>J\u00fcrgen M.* (Name wurde ge\u00e4ndert) trifft sich am 16. Spetember 2013 um acht Uhr morgens auf dem Canstatter Wasen in Stuttgart mit einem Fahrsch\u00fcler, um ihn auf eine Motorradpr\u00fcfung vorzubereiten. F\u00fcr Unterrichtstunden auf diesem Gel\u00e4nde hat die Fahrschule eine Sondergenehmigung. Da bereits mit Aufbauten f\u00fcr das bevorstehende Volksfest begonnen wurde, verlegt M. den Fahrunterricht in den hinteren, s\u00fcdlichen Bereich. Gegen 8:30 Uhr f\u00e4llt ihm ein allein stehender Peugeot auf, der ungew\u00f6hnlich abgestellt war. Aus ca. 20 Metern Entfernung sieht er eine Person auf der Fahrerseite, im Auto sitzend. In unmittelbarer N\u00e4he, auf der H\u00f6he des Kofferraumes sieht er eine weitere Person, einen Mann, der eine Zigarette raucht. Er hat eine kr\u00e4ftige Statur. Sein Alter sch\u00e4tzt er grob auf 30 bis 50 Jahre. Zu Beginn seiner zweiten Fahrstunde kommt er wieder an derselben Stelle vorbei. Er erschrickt, denn nun sieht er dasselbe Auto \u2013 ausgebrannt. Die Feuerwehr hat den Brand bereits gel\u00f6scht. Als er sich dem Auto n\u00e4hert, kann er darin grob die Person in derselben Position wiedererkennen. Der 21j\u00e4hrige Florian Heilig ist tot. <\/strong><br \/>\n<strong>Der Fahrlehrer geht zur Absperrung und teilt zuerst einem Polizisten, dann einer Polizistin mit, dass er vor dem Brand den rauchenden Mann in unmittelbarer N\u00e4he des geparkten Wagens gesehen hat. Die Beamtin notiert seinen Namen und seine Telefonnummer, er nimmt seine Arbeit wieder auf. Da wenig sp\u00e4ter von einem tragischen Selbstmord die Rede ist, scheint f\u00fcr ihn die Angelegenheit erledigt \u2013 bis in seinem Bekanntenkreis Medienberichte \u00fcber die Ungereimtheiten des angeblichen Selbstmordes Aufmerksamkeit erregen.<\/strong><br \/>\n<strong>Zwar muss es keinen Zusammenhang zwischen dem rauchenden Mann und dem wenig sp\u00e4ter brennenden Auto geben. Wenn aber die Polizei dem Grundsatz folgt, in alle Richtungen zu ermitteln, dann ist diese Beobachtung \u00e4u\u00dferst wichtig, um herauszubekommen, wer dieser Mann ist und ob es einen Zusammenhang zu dem geparkten Auto und dem Insassen gibt. Der Fahrlehrer wurde jedoch nie befragt. Die Ermittlungsakten suggerieren sogar das Gegenteil: In der Strafanzeige der Staatsanwaltschaft Stuttgart vom 10.2.2014 findet sich der wahrheitswidrige Satz: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong>\u00bbEin Hinweis auf eine weitere Person liegt hingegen nicht vor.\u00ab<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Es gibt noch weitere Hinweise daf\u00fcr, dass die Selbstmordthese die unwahrscheinlichste ist. Denn ein weiterer unterschlagener Umstand spricht daf\u00fcr,dass Florian Heilig auf dem Cannstatter Wasen vor seinem Tod nicht alleine war: Um ein Auto zu fahren und abzustellen, braucht man einen Autoschl\u00fcssel. Die Ermittler stellten jedoch keinen Autoschl\u00fcssel sicher. Weder befand er sich im Z\u00fcndschloss, im Wageninneren, noch in der N\u00e4he des Tatortes. Auch vom Schl\u00fcsselbund Heiligs fehlt jede Spur. Ermittler, die \u203aFremdeinwirkung\u2039 ausschlie\u00dfen, m\u00fcssten daf\u00fcr ein plausible Erkl\u00e4rung haben. Stattdessen schweigen sie sich \u00fcber diesen Umstand aus. Was die Polizei an Gegenst\u00e4nden von Florian Heilig sichergestellt hatte, findet sich in der Empfangsbescheinigung aufgelistet, ausgestellt auf den 24. September 2013,: \u00bbGeldb\u00f6rse, 36,07 Euro, 5 Visitenkarten, Scool-Card, 3 Gesundheits-\/Versicherungskarten, F\u00fchrerschein, 9 Quittungen, Arztbericht, Schreiben LRA Heilbronn, BPA, je ein Paar Turnschuhe\/Socken.\u00ab <\/strong><br \/>\n<strong>Wenn Zeugen, die die Suizid-Annahme gef\u00e4hrden k\u00f6nnten, nicht geh\u00f6rt werden, wenn Umst\u00e4nden, die gegen ein Suizid-Ereignis sprechen, nicht nachgegangen wird, dann ist die Annahme berechtigt, dass das, was der Abschlussbericht des Th\u00fcringer NSU-Untersuchungsausschusses festgestellt hat auch f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg gilt: \u00bbFreiwillige Erkenntisisolation\u00ab. Auch vom Verdacht gezielter Sabotage war in dem Bericht die Rede. <\/strong><br \/>\n<strong>Man kann davon ausgehen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nicht willk\u00fcrlich Ermittlungen einseitig f\u00fchren. Sie wu\u00dften sehr schnell, welche politische Brisanz der Tod eines Zeugen hat, der seine Aussagen zu dem Mord an der Polizistin Mich\u00e8le Kiesewetter in Heilbronn 2007 wiederholen wollte. Einem m\u00f6glichen Mordgeschehen nachzugehen, w\u00fcrde die T\u00fcr zu folgenden Fragen aufsto\u00dfen: Wer wu\u00dfte von der bevorstehenden Vernehmung? Mit wem hatte Florian Heilig bis in die Morgenstunden hinein telefonischen Kontakt? Wie kamen Neonazis in den Besitz der st\u00e4ndig wechselnden Telefonnummer von Florian Heilig? Warum wurde nie (offiziell) eine Auswertung der Telefon- und Verbindungsdaten vorgenommen?<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Staatsanwaltschaft legt noch am selben Tag das Ermittlungsergebnis fest: Suizd<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Im laufenden PUA in Baden-W\u00fcrttemberg kommen zumindest einige Details der \u203aAufkl\u00e4rungsarbeit\u2039 ans Licht. Dazu wurden die polizeilichen Ermittler befragt. Im Rahmem des Todesermittlungsverfahrens wollten die Polizeibeamte bei der Staatsanwaltschaft das beantragen und durchf\u00fchren, was in solchen F\u00e4llen zum Standardprogramm geh\u00f6rt: Die Durchsuchung des Zimmers im Lehrlingswohnheim, die Sicherstellung der Kommunikationsdaten (Handy- und Ortungsdaten) und die Sicherstellung und Auswertung des Laptops, das sich im Kofferraum befand. Was eigentlich kaum der Rede sein sollte, stie\u00df in diesem Fall auf \u203aunerkl\u00e4rlichen\u2039 Widerstand. Obwohl die Leiche von Florian Heilig noch nicht obduziert wurde, weder ein toxologisches noch ein Brandgutachten vorlagen, wies der Staatsanwaltschaft Dr. Stefan Biehl, Mitglied der \u203apolitischen Abteilung\u2039 1 der Staatsanwaltschaft Stuttgart, noch am selben Tag an, den Fall als Suizid zu behandeln. Das hatte zur Folge, dass die von der Polizei erw\u00fcnschten weiteren strafrechtlichen Ermittlungen abgelehnt, also unterbunden wurden.<\/strong><br \/>\n<strong>Wenn das Ermittlungsergebnis vom ersten Tag an festeht, wenn man alle M\u00f6glichkeiten unterl\u00e4\u00dft, die etwas eingrenzen bzw. ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, darf man davon ausgehen, dass all diese selbstverst\u00e4ndlichen Ermittlungsschritte die Suizid-Behauptung nicht gef\u00e4hrden durften.<\/strong><br \/>\n<a href=\"Wolf%20Wetzel Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund \u2013 wo h\u00f6rt der Staat auf? Unrast Verlag 2013, 2. Auflage\" target=\"_blank\"><strong>Wolf Wetzel<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"Wolf%20Wetzel Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund \u2013 wo h\u00f6rt der Staat auf? Unrast Verlag 2013, 2. Auflage\" target=\"_blank\"> <strong>Autor des Buches \u00bbDer NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund \u2013 wo h\u00f6rt der Staat auf?\u00ab, 2. Auflage, Unrast-Verlag, M\u00fcnster 2013<\/strong><\/a><\/p>\n<h4>Eine ausf\u00fchrliche Recherche findet sich hier:<\/h4>\n<h4><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2015\/03\/01\/florian-heilig-der-tod-eines-zeugen-mord-oder-ein-suizid-aus-liebenskummer\/\" target=\"_blank\">Florian Heilig \u2013 Der Tod eines Zeugen. Mord oder ein Suizid aus Liebeskummer?<\/a><\/h4>\n<p>Views: 229<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian H. verbrannte in seinem Auto noch bevor er zum Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn aussagen konnte. 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