{"id":5347,"date":"2015-02-13T22:12:00","date_gmt":"2015-02-13T20:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=5347"},"modified":"2015-02-13T22:12:00","modified_gmt":"2015-02-13T20:12:00","slug":"der-oktoberfestanschlag-in-munchen-1980-und-der-staatseigene-untergrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2015\/02\/13\/der-oktoberfestanschlag-in-munchen-1980-und-der-staatseigene-untergrund\/","title":{"rendered":"Der neonazistische Terroranschlag auf das Oktoberfest in M\u00fcnchen 1980 wirft lange Schatten \u2013 bis in die Gegenwart"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color:#ff0000;\">Der neonazistische Terroranschlag auf das Oktoberfest in M\u00fcnchen 1980 wirft lange Schatten \u2013 bis in die Gegenwart<\/span><\/h2>\n<p><strong>Der Oktoberfestanschlag in M\u00fcnchen liegt \u00fcber 30 Jahre zur\u00fcck. Mehrere Versuche, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen einzufordern, wurden abgewiesen.<\/strong><br \/>\n<strong>Ende 2014 erkl\u00e4rte sich die Generalbundesanwaltschaft endlich bereit, das Ermittlungsverfahren wieder aufzunehmen: \u00bb<em>Es gebe nun Hinweise, die auf \u203abislang unbekannte Mitwisser\u2039 hindeuten k\u00f6nnten, sagte Generalbundesanwalt Range.<\/em>\u00ab (DER SPIEGEL vom 11.12.2014)<\/strong><br \/>\n<strong>Das ist vor allem der unerm\u00fcdlichen Arbeit des Opferanwaltes Werner Dietrich zu verdanken. Genau das, was Aufgabe der Ermittlungsbeh\u00f6rden w\u00e4re, hat er getan: Hinweisen und Zeugenaussagen zu folgen, die bis heute \u203aunter den Tisch fielen\u2039, die der Einzelt\u00e4terthese vehement widersprechen.<\/strong><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2015\/01\/oktoberfestanschlag-gladio-ii-1980-netz.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-5533\" src=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2015\/01\/oktoberfestanschlag-gladio-ii-1980-netz.jpg?w=300&#038;resize=300%2C207\" alt=\"Oktoberfestanschlag im M\u00fcnchen-1980-Netz\" width=\"300\" height=\"207\" \/><\/a><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Der Terroranschlag auf das Oktoberfest in M\u00fcnchen 1980<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Der Wahlkampf zur Bundestagswahl 1980 l\u00e4uft auf Hochtouren. Die ma\u00dfgeblichen Parteien, die um die Macht ringen, stimmen ihre W\u00e4hlerInnen auf eine trag\u00f6dienhafte Schicksalsentscheidung ein, ganz vorneweg CSU\/CDU. Ihre Parole lautet nicht mehr und nicht weniger: \u203aFreiheit statt Sozialismus\u2039. <\/strong><br \/>\n<strong>Das Gespenst des Kommunismus sollte wieder umgehen, ein Gespenst, mit dem man einen Weltkrieg begann und verlor. Ein Gespenst, das schon so verwirrt ist, dass es gar die SPD system\u00fcberwindender Vorstellungen verd\u00e4chtigte. Nun galt es wieder einmal, zusammenstehen: die Christlichen, die Nationalen, die Deutschen, die Vaterl\u00e4ndischen, die Konservativen. Eine Einladung nach ganz rechts. Mit m\u00f6rderischen Folgen.<\/strong><br \/>\n<strong>Am 26. September 1980 explodierte im Herzen Bayern, auf dem Oktoberfest in M\u00fcnchen, eine Bombe \u2013 dieses Mal mit milit\u00e4rischen Sprengstoff, am Zugang zur Wiesn in einem M\u00fclleimer deponiert, mit dem klaren Kalk\u00fcl, x-beliebige BesucherInnen zu t\u00f6ten. Der Plan ging auf blutige Weise auf. Dreizehn Menschen wurden ermordet, \u00fcber 200 zum Teil schwer verletzt.<\/strong><br \/>\n<strong>Die Spuren waren noch nicht gesichert, geschweige denn ausgewertet, da lie\u00df der Bundeskanzelkandidat von CSU\/CDU, Franz Josef Strau\u00df die n\u00e4chste Bombe platzen. Er bezichtigte die RAF des Anschlages und bot sich sogleich als der Mann an, der mit diesem \u203aTerror von links\u2039 ein f\u00fcr alle Mal aufr\u00e4umen w\u00fcrde.<\/strong><br \/>\n<strong>Sowohl die Bombe als auch die Rettervision passten in die Schicksalsinszenierung. Nur einer der Toten nicht. Bereits einen Tag sp\u00e4ter stand fest, dass sich auch ein Attent\u00e4ter unter den Opfern befand: Gundolf K\u00f6hler. Seine pers\u00f6nliche und politische Biografie war nicht zu \u00fcbersehen. Er hatte ein Hitlerbild \u00fcber seinem Bett h\u00e4ngen. Die RAF verschwand, das Hitlerbild auch. Aus Gundolf K\u00f6hler wurde in folgenden zwei Jahren ein junger verwirrter Mann, ein Einzelt\u00e4ter, der alles hatte, nur kein politisches Motiv. Das war dann auch das Ermittlungsergebnis \u2013 bis heute.<\/strong><br \/>\n<strong>Was macht also das Wiederaufnahmeverfahren so brisant, w\u00e4hrend gleichzeitig der NSU-Prozess in M\u00fcnchen l\u00e4uft, der sich der l\u00fcckenlosen Aufkl\u00e4rung der Mord- und Terrorserie des NSU verschrieben hat?<\/strong><br \/>\n<strong>Es gibt drei Ebenen, die sich hier ineinanderschieben und sich auf verbl\u00fcffende Weise \u00fcberschneiden:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>1. ZeugInnen, Rechtsanw\u00e4lte, Journalisten bezweifeln seit Jahren die Einzelt\u00e4tertheorie und werfen den Ermittlungsbeh\u00f6rden vor, Spuren und Erkenntnissen nicht zu folgen, die einen neonazistischen Hintergrund belegen und die Beteiligung von mehreren Personen verifizieren. <\/strong><br \/>\n<strong>2. W\u00e4hrend immer wieder unterschlagene Fakten und neue \u00f6ffentlich werden, werden asservierte Beweise Zug um Zug vernichtet. Bereits ein knappes Jahr nach dem Oktoberfestanschlag werden 48 Zigarettenkippen aus K\u00f6hlers Auto entsorgt. Dann werden die sichergestellten Bombensplitter f\u00fcr eine sp\u00e4tere Beweisw\u00fcrdigung vernichtet. Und als w\u00e4ren diese Straftaten im Amt nicht genug, verschwindet ein Arm auf unerkl\u00e4rliche Weise: \u00bbDie Bundesanwaltschaft best\u00e4tigte (\u2026), dass keine Spuren des Attentats mehr vorhanden sind. \u203aDie Asservate wurden Ende des Jahres 1997 vernichtet, weil der Fall als aufgekl\u00e4rt gilt und s\u00e4mtliche Ermittlungen nach eventuellen Mitt\u00e4tern ergebnislos verlaufen sind\u2039, sagte Sprecher Frank Wallenta.\u00ab (SZ vom 17.5.2010) Begleitend und unterst\u00fctzend verschwinden Akten bzw. werden unter Verschluss gehalten.<\/strong><br \/>\n<strong>3. Die Frage steht im Raum: Warum weigern sich staatliche Beh\u00f6rden so vehement dagegen, den neonazistischen Hintergrund dieses Anschlages aufzukl\u00e4ren? Gibt es etwas zu verteidigen, zu sch\u00fctzen, was weit \u00fcber eine neonazistische Tat hinausreicht? Welches Motiv haben Politiker, Ermittler und Journalisten, die \u203aEinzelt\u00e4terthese\u2039 zu decken? Warum wird bis heute jeder Zusammenhang zur neonazistischen \u203aWehrsportgruppe Hoffmann\u2039 und anderen paramilit\u00e4risch organisierten Neonazis (wie den \u203aDeutschen Aktionsgruppen\u2039) geleugnet? <\/strong><br \/>\n<strong>Was macht also diesen neonazistischen Mordanschlag in M\u00fcnchen 1980 so brisant und aktuell? <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Der neonazistische Terroranschlag auf das Oktoberfest in M\u00fcnchen 1980 wirft lange Schatten \u2013 bis in die Gegenwart<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Wer glaubt und hofft, vors\u00e4tzlich falsche Ermittlungen, Vernichtung von Beweisen, Falschaussagen im Amt, das (Ver-)Decken neonazistischer Strukturen und der politische und mediale Wille, all die zu sch\u00fctzen, beschreiben nur den NSU-VS-Komplex, der sollte sich in gutem Sinnen desillusionieren lassen. <\/strong><br \/>\n<strong>Denn das, was (im besten Fall) als Ermittlungspannen (damals wie heute) ausgeben wird, wird eben nicht durch \u203abedauerliche Zuf\u00e4lle\u2039 zusammengehalten, sondern durch die Zusammenarbeit aller Beh\u00f6rden und aller politischen Institutionen, die an der (Nicht-)Aufkl\u00e4rung beteiligt waren und sind. Die Hoffnung auf etwas Einmaliges, auf eine Vielzahl von Zuf\u00e4llen dient vielleicht auch dem Schutz vor der Tatsache, dass dies eine lange, ungest\u00f6rte Kontinuit\u00e4t hat.<\/strong><br \/>\n<strong>Kaum eindringlicher l\u00e4\u00dft sich dies am Oktoberfestanschlag in M\u00fcnchen 1980 nachzeichnen.<\/strong><br \/>\n<strong>Aber es gibt noch eine viel wichtigere \u00dcberschneidung. Im NSU-Kontext kann man an Details belegen, wo und wie staatliche Beh\u00f6rden den Aufbau eines neonazistischen Untergrundes erm\u00f6glicht bzw. nicht verhindert haben. Ob diese vielen Puzzles ein Bild ergeben, ob sie nur \u203aspontan\u2039 zusammenwirken oder eine Systematik abbilden, ist noch offen. Auch die Frage, ob und wann staatliches Handeln zentral veranlasst, koordiniert und gedeckt wurde (wie z.B. die Aktenvernichtungen in allen Beh\u00f6rden ab November 2011)?<\/strong><br \/>\n<strong>Die Linie zwischen aktiver Unterlassung und passiver Aktivierung eines neonazistischen Untergrundes, zwischen aktivem Gew\u00e4hrenlassen und direkter Unterst\u00fctzung ist im NSU-Kontext schwer zu ziehen, vor allem im Hinblick auf den Gesamtkomplex.<\/strong><br \/>\n<strong>Ganz anders sieht es hingegen mit dem neonazistischen Terror der 70er und 80er Jahre aus. Was auch damals als schriller Alarmismus und blanke Verschw\u00f6rungstheorie abgetan wurde, tr\u00e4gt sp\u00e4testens seit 2013 ein staatliches Hoheitssiegel: <\/strong><\/p>\n<h2><span style=\"color:#ff0000;\">Stay behind<\/span><\/h2>\n<p><strong>Seit \u00fcber 40 Jahren wurden neonazistische Gruppierungen als legale und terroristische Variante gest\u00e4rkt und gedeckt und in einen staatlichen Untergrund integriert. Dieser staatseigene Untergrund bekam den Namen \u203a<em>stay behind<\/em>\u2039. Bewaffnet, angeleitet und instruiert wurde er vom Bundesnachrichtendienst\/BND. <\/strong><br \/>\n<strong>Das h\u00f6rt sich auch heute noch ungeheuerlich an. Man f\u00fchlt sich gleichzeitig an die \u203aBanalit\u00e4t des B\u00f6sen\u2039 (Hannah Arndt) erinnert, wenn man dazu die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei DIE LINKE liest, die im Plenarprotokoll 17\/236 dokumentiert ist. Auf die parlamentarische Anfrage des Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko (DIE LINKE), \u00bbwelche eigenen Anstrengungen (\u2026) die Bundesregierung in den letzten 20 Jahren unternommen (hat), um die Beteiligung ihrer Beh\u00f6rden an weiteren T\u00e4tigkeiten der besagten \u203aGladio\/Stay behind\u2039-Truppe der NATO auszuschlie\u00dfen oder zu best\u00e4tigen\u00ab, erkl\u00e4rte der Staatsminister Eckard von Klaeden:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong>\u00bbInfolge der weltpolitischen Ver\u00e4nderungen hat der Bundesnachrichtendienst in Abstimmung mit seinen alliierten Partnern zum Ende des 3. Quartals 1991 die Stay-behind-Organisation vollst\u00e4ndig aufgel\u00f6st.\u00ab (Plenarprotokoll 17\/236, Anlage Nr.15, S. 64 vom 24.4.2013)<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Was hier in einem Satz ad acta gelegt wird, ist keine Verordnung f\u00fcr alte Gl\u00fchbirnen, sondern die jahrzehntelange Zusammenarbeit von Neonazis und Geheimdienst, mit einer Blutspur, die sich durch ganz Europa zieht.<\/strong><br \/>\n<strong>Ende der 50er Jahre wurde auf NATO-Ebene beschlossen, Faschisten in einem geheimen Programm zu bewaffnen und auszubilden, um sie als irregul\u00e4re Einheiten einzusetzen. Das Szenario, das die Wiederbewaffnung von Faschisten in Europa rechtfertigen sollte, ging von einem milit\u00e4rischen \u00dcberfall der Sowjetunion auf den friedliebenden Westen aus. Die Faschisten sollten darin die Aufgabe \u00fcbernehmen, sich \u203a\u00fcberrollen\u2039 zu lassen, um dann hinter den Linien den kommunistischen Feind zu bek\u00e4mpfen. Aus dieser Zeit stammt auch der Name dieses Programmes: stay behind. Dazu legte man \u00fcber die ganze Bundesrepublik verteilt geheime Waffendepots an und unterrichtete die Neofaschisten in Techniken des Nachrichtenwesens und der Sabotage.<\/strong><br \/>\n<strong>In den 70er Jahren passte man das Bedrohungsszenarium den ver\u00e4nderten Bedingungen an. Die \u203aRussen\u2039 kamen nicht \u2013 aber der Feind, der die \u203arote Gefahr\u2039 ersetzen sollte, war schon da. Durch die zahlreichen Proteste und Bewegungen in Europa in Anschluss an die 68er-Revolten sah man Regierungen oder gar die kapitalistische Ordnung in Gefahr. Was mit legalen Mitteln nicht mehr unterdr\u00fcckt werden konnte, sollte mithilfe dieser faschistischen Reserve bek\u00e4mpft werden. In Italien bekam diese Form des Staatsterrorismus den Namen \u203aGladio\u2039. <\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2014\/03\/gladio-wappen.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4770\" src=\"https:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2014\/03\/gladio-wappen.jpg?resize=160%2C259\" alt=\"Gladio-Wappen\" width=\"160\" height=\"259\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Faschisten sollten durch gezielte Angriffe auf AntifaschistInnen die Linke schw\u00e4chen, und durch Anschl\u00e4ge auf linke Parlamentarier ein Klima schaffen, das der Regierung freie Hand dabei geben sollte, Schutzrechte au\u00dfer Kraft zu setzen oder gar einen Milit\u00e4rputsch zu legitimieren (wie dies als Worst Case geplant war). Hunderte von Toten und Dutzende von Bombenanschl\u00e4gen gehen auf das Konto dieser \u203astay-behind-Operationen\u2039.<\/strong><br \/>\n<strong>In einigen L\u00e4ndern wurde die Geschichte dieses Staatsterrorismus politisch aufgearbeitet, zumindest in Angriff genommen, wie in Italien, der Schweiz und zuletzt in Luxemburg.<\/strong><br \/>\n<strong>Und in Deutschland? Hat die lapidare Erkl\u00e4rung der Bundesregierung aus dem Jahre 2013 Entr\u00fcstung, Emp\u00f6rung ausgel\u00f6st? Wurde auch nur einmal im Parlament die Frage laut gestellt: Wer hat diesen Staatsterrorismus politisch bef\u00fcrwortet und gedeckt? Wer ist bis heute politisch und strafrechtlich daf\u00fcr verantwortlich? Welche Terroranschl\u00e4ge tragen die Handschrift von \u203astay-behind\u2039? Dabei geht es nicht nur um den Oktoberfestanschlag in M\u00fcnchen, sondern auch um das Attentat auf einen j\u00fcdischen Buchh\u00e4ndler in N\u00fcrnberg 1980 oder den Brandanschlag auf das j\u00fcdische Altersheim und G\u00e4stehaus in M\u00fcnchen 1970, bei dem sieben Menschen ermordet wurden. Anschl\u00e4ge, die bis heute \u203aunaufgekl\u00e4rt\u2039 sind.<\/strong><br \/>\n<strong>Auch wenn die Entscheidung der Bundesanwaltschaft gut tut, die Ermittlungen im Fall des Oktoberfestanschlages 1980 wieder aufzunehmen, so wundert doch sehr, dass mit keinem einzigen Wort ein m\u00f6glicher Zusammenhang zu besagten \u203astay-behind\u2039- Terrorgruppen hergestellt wird.<\/strong><br \/>\n<strong>Die Frage: Wer hat diesen Staatsterrorismus erm\u00f6glicht und gedeckt, ist nicht nur im Hinblick auf diesen staatseigenen Untergrund von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung. Nicht minder wichtig ist es, \u00f6ffentlich und vernehmbar die Frage zu beantworten: Warum wurde die Einzelt\u00e4terthese bis zuletzt \u2013 auf Teufel komm raus \u2013 verteidigt? Wohin kommt man, wenn man den zahlreichen Spuren zu weiteren Neonazis folgt?<\/strong><br \/>\n<strong>Wenn heute unbestritten ist, dass Neonazis von deutschen Auslandsgeheimdienst BND in \u203astay-behind\u2039-Operationsgruppen organisiert wurden, dann ist es Aufgabe dieses Geheimdienstes und dieser Bundesregierung, im Detail zu belegen, woran sich diese Terrorgruppen beteiligt haben, woran sie nicht beteiligt waren!<\/strong><br \/>\n<strong>Kann es also sein, dass die Einzelt\u00e4terthese nicht von Fakten gedeckt wird, sondern einzig und allein von dem geballten Willen, den Weg zu Mitt\u00e4tern zu versperren, die in Verbindung zu \u203astay-behind\u2039 stehen? Ja.<\/strong><br \/>\n<strong>Gundolf K\u00f6hler war nur in den Augen der Ermittlungsbeh\u00f6rden ein Unpolitischer. Um diese L\u00fcge nicht zu gef\u00e4hrden, war man bereit, selbst die Beweislage zu manipulieren: \u00bbIn Gundolf K\u00f6hlers Zimmer in Donaueschingen fanden die Polizisten seinen Wikingjugend-Ausweis \u2013 und lie\u00dfen ihn liegen.\u00ab (Vernichtete Spuren \u2013 Ermittlungsfehler mit Tradition, BR vom 31.1.2015)<\/strong><br \/>\n<strong>Auch seine engen Verbindungen zur neonazistischen \u203aWehrsportgruppe Hoffmann\/WGH\u2039 waren den Ermittlern bekannt, was auch zahlreiche Zeugen zu Protokoll gegeben hatten. Diese Begeisterung ging soweit, dass er selbst eine \u203aWehrsportgruppe\u2039 im Raum Donaueschingen gr\u00fcnden wollte (Bundestagsdrucksache 18\/3117, S.17)<\/strong><br \/>\n<strong>Er war nicht alleine am Tatort. Zeugen hatten mindestens zwei weitere Personen an jenem M\u00fclleimer gesehen, in dem die Bombe platziert worden war. Eine Zeugenbeobachtung, die so pr\u00e4zise war, dass sie auch von einem Streit zwischen drei Personen berichten konnte.<\/strong><br \/>\n<strong>Der ehemalige Beamte, der sich jetzt als Zeuge bei Rechtsanwalt Dietrich meldete, w\u00fcrde nicht nur die bisherigen Zeugenaussagen best\u00e4tigen. Er w\u00fcrde den Tatablauf um ein entscheidendes Puzzle erg\u00e4nzen. Der Beamte war am Tag des Oktoberfestanschlages mit f\u00fcnf weiteren Arbeitskollegen auf dem Weg zur Wiesn. Kurz vor der Detonation standen sie zusammen vor dem Ausgang des Oktoberfestes. In dieser Zeit beobachtete er \u00bb<em>einen jungen Mann, der zun\u00e4chst zu einem schwarzen Auto gegangen sei, das am Bavariaring geparkt war. Darin sollen vorne zwei, hinten mindestens eine Person gesessen haben. Mit diesen habe er durch das heruntergekurbelte Fenster gesprochen. Dann sei der Mann, den er bis heute sicher f\u00fcr Gundolf K\u00f6hler h\u00e4lt, zu jenem Papierkorb gegangen, in dem dieser den Ermittlungen zufolge die Bombe z\u00fcndete<\/em>.\u00ab (SZ vom 8.12.2014)<\/strong><br \/>\n<strong>Kurze Zeit sp\u00e4ter detonierte die Bombe. Dass der Beamte diesen Anschlag \u00fcberlebt hatte, verdankte er einer Person, die vor ihm stand und durch die Wucht der Explosion auf ihn fiel &#8211; und wenig sp\u00e4ter an den schweren Verletzungen starb. Diesem tragischen Umstand verdankt er, dass ihn \u203anur\u2039 einige Metallsplitter trafen, die er bis heute mit sich herumtr\u00e4gt. Gernau so lang tr\u00e4gt er den \u00c4rger mit sich herum, dass seine damaligen Aussagen keinen Eingang in die Ermittlungen gefunden hatten \u2013 im Gegenteil: sie st\u00f6rte nur: \u00bbDoch jetzt will er sich mit dem Vergangenen auseinandersetzen &#8211; damit den 13 Toten und 211 Verletzten des Anschlags mit einer neuen Suche nach den Hintergr\u00fcnden der Tat Gerechtigkeit widerfahren kann.\u00ab (s.o.)<\/strong><br \/>\n<strong>Dem Rechtsanwalt Dietrich ist es zudem gelungen, alle ehemaligen Kollegen dieses Oktoberfest-Ausfluges ausfindig zu machen. Allesamt sind sie bereit, entsprechende Aussagen zu machen.<\/strong><br \/>\n<strong>Auch die Spezifika der Bombe k\u00f6nnten zu Mitwissern f\u00fchren. Belegt ist, dass es sich um milit\u00e4rischen Sprengstoff handelte. Genau dieser Spur ging ein \u203aFrontal 21\u2039-Beitrag vom 25.3.2014 nach: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong>\u00bbAm 27. September, einen Tag nach dem Anschlag in M\u00fcnchen, sagten zwei deutsche Rechtsextremisten bei der bayrischen Polizei aus. Sie wiesen auf einen Gleichgesinnten hin, auf Heinz Lempke, einen F\u00f6rster aus Uelzen. Die Neonazis machten klare Angaben: \u203aHerr Lempke zeigte uns verschiedene Sprengstoffarten, Z\u00fcnder, Lunten, Plastiksprengstoff und milit\u00e4rischen Sprengstoff \u2026 Er sagte uns, dass er mehrere Waffenverstecke im Wald habe.\u2039\u00ab<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Obwohl die Ermittler sowohl von diesen Aussagen wussten, also auch Kenntnis davon hatten, dass Heinz Lempke zu verschiedenen neonazistischen Organisationen und \u00bbenge Kontakte zur WSG Hoffmann hatte\u00ab (taz vom 7.8.2009), unternahmen sie lange nichts.<\/strong><br \/>\n<strong>Ein Jahr sp\u00e4ter, im Oktober 1981, wurde man \u2013 dank eines Waldarbeiters \u2013 rund um die F\u00f6rsterei Lempke f\u00fcndig: Auf \u00fcber 30 Erddepots verteilt wurden u.a. 156 Kilo milit\u00e4rischen Sprengstoff, 230 Kilo Sprengk\u00f6rper, 256 Handgranaten, 50 Panzerf\u00e4uste entdeckt. Heinz Lempke arbeitete anhand einer von ihm selbst erstellten Liste beim Auffinden dieser Waffenlager bereitwillig mit, bis auf ein Depot, das die Nummer 82 trug: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong>\u00bbEr verweigerte die Lokalisierung eines als Depot 82 bezeichneten Verstecks, weil dessen Inhalt geeignet sei, andere Personen zu belasten. Dieses Versteck konnte nicht aufgefunden werden.\u00ab (Bundestagsdrucksache 18\/3117, S.7)<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Liest man die Antwort der Bundesregierung aufmerksam, m\u00fcsste man doch die Frage stellen: Warum wurde das Depot Nr. 82 nicht gefunden? Denn selbst wenn Herr Lempke hier nicht mitgearbeitet haben soll, w\u00e4re es doch ein Leichtes, anhand der Liste und der dort verzeichneten Lokalisierungsdaten, das Depot zu finden. Hatten der Neonazi Lempke und die Ermittler ein gemeinsames Interesse daran, genau jenes Depot nicht zu finden, das zu weiteren Beteiligten f\u00fchren w\u00fcrde? Die Spekulation dar\u00fcber k\u00f6nnte sehr schnell beendet werden, indem man die Liste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngig macht und dabei von unabh\u00e4ngigen Gutachtern \u00fcberpr\u00fcfen l\u00e4sst, ob an diesem Orginaldokument Manipulationen vorgenommen wurden.<\/strong><br \/>\n<strong>Wer derma\u00dfen kalkuliert kooperiert, hat nicht mit dem Leben abgeschlossen. Genau das soll aber passiert sein:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em><strong>\u00bbNach seiner Verhaftung k\u00fcndigt Lempke an, seine Hinterm\u00e4nner zu nennen. Doch dann fand man ihn erh\u00e4ngt in seiner Zelle.\u00ab (s.o.)<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wenn man sich die Dimension dieser paramilit\u00e4rischen Anlage vergegenw\u00e4rtigt, dann deckt sich all das mit der Infrastruktur der stay-behind-Operationen, die f\u00fcr Sabotageaktionen klandestine Waffen- und Sprengstoffdepots angelegt hatten. <\/strong><br \/>\n<strong>Die Wahrscheinlichkeit, dass Lempke nicht nur Neonazis, sondern im Auftrag des BND diese Depots angelegt hatte, ist naheliegend. Aus diesem Grunde wurde in einer Kleinen Anfrage (Bundestagsdrucksache 18\/3117) auch die Frage gestellt, welche Beziehungen Heinz Lempke zu stay-behind-Operationsgruppen unterhielt. Die Antwort darf man als vors\u00e4tzliche L\u00fcge bezeichnen: \u00bbZu dieser Frage (\u2026) liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.\u00ab (S. 14)<\/strong><br \/>\n<strong>Ob sich hier ein Kreis schlie\u00dft, kann u.a. der BND bzw. das Bundeskanzleramt beantworten, indem sie alle Unterlagen zu stay-behind freigeben und endlich Aufkl\u00e4rung dar\u00fcber betreiben, welche Neonazis und welche neonazistischen Organisationen in ihrem staatseigenen Untergrund integriert waren. Dazu z\u00e4hlt auch die politische und juristische Verantwortung daf\u00fcr zu \u00fcbernehmen, dass die Bundesregierung bis heute keine Ahnung habe, was mit dem Waffenarsenal passierte, als man Ende 1991 \u203astay-behind\u2039 f\u00fcr aufgel\u00f6st erkl\u00e4rte.<\/strong><br \/>\n<strong>Wenn statt Sabotage der Ermittlungen Aufkl\u00e4rung betrieben werden w\u00fcrde, k\u00f6nnte anhand der \u203astay behind\u2039 -Akten auch gekl\u00e4rt werden, ob die von Lempke angelegten und verwalteten Waffendepots zum Bestand dieser staatsterroristischen Struktur geh\u00f6rt haben.<\/strong><br \/>\n<strong>Wolf Wetzel 4.1.2015<\/strong><br \/>\n<strong><strong><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2013\/03\/23\/der-nsu-vs-komplex-wo-fangt-der-nationalsozialistische-untergrundnsu-an-wo-hort-der-staat-auf\/\" target=\"_blank\"><i>Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund \u2013 wo h\u00f6rt der Staat auf? <\/i><\/a>Unrast Verlag 2013, 2. Auflage<\/strong><\/strong><br \/>\n<strong>Eine leicht gek\u00fcrzte Fassung findet sich in der Tageszeitung \u203aJunge Welt\u2039 vom 18.12.2014:<\/strong><br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/12-18\/003.php\" target=\"_blank\">Staatlich gepr\u00fcfter Terror<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong>Wer ein wenig mehr einsteigen will, dem sei folgender Beitrag empfohlen:<\/strong><\/p>\n<h4><span style=\"color:#ff0000;\"><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2014\/03\/21\/der-terroranschlag-auf-das-oktoberfest-in-munchen-1980-und-die-puppenspieler\/\" target=\"_blank\"><strong>Der <i>blinde Fleck<\/i>, der \u00e4u\u00dferst gut sehen kann<\/strong>\u00a0<span style=\"color:#000000;\"> oder:<\/span> <span style=\"color:#000000;\"><strong><i>Verschw\u00f6rungen sind keine halluzigenen Erscheinungen, sondern eine notwendige Organisationsform krimineller und ggf. staatsterroristischer Handlungen<\/i><\/strong><\/span><\/a><br \/>\n<\/span><\/h4>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Views: 614<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Oktoberfestanschlag in M\u00fcnchen liegt \u00fcber 30 Jahre zur\u00fcck. Mehrere Versuche, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen einzufordern, wurden abgewiesen.<br \/>\nZum Jahresende erkl\u00e4rte die Generalbundesanwaltschaft, dass sie das Ermittlungsverfahren wieder aufnehmen werde:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[2,8,15,32,33,34,36,41],"tags":[265,453,489,500,908,916,1033,1069,1187,1711,1785,1800,2030,2245,2295,2304,2330,2406,2685,2696],"class_list":["post-5347","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01-der-rechtsstaat-im-untergrund-2015","category-antifaschismus","category-der-nsu-vs-komplex-2013-2015","category-nationalismus","category-neonazismus","category-politik","category-rassismus","category-verfassungs-bruch-schutz","tag-attentat-auf-einen-judischen-buchhandler-in-nurnberg-1980","tag-bnd","tag-bundesnachrichtendienst","tag-bundestagswahlkampf-1980","tag-franz-josef-straus","tag-freiheit-statt-sozialismus","tag-gladio","tag-gundolf-kohler","tag-horst-lempke","tag-nato","tag-nsu","tag-nsu-prozess-in-munchen","tag-raf","tag-soko-theresienwiese","tag-staatsanwalt-klaus-flieger","tag-staatsterrorismus","tag-stay-behind-operationen","tag-terroranschlag-auf-das-oktoberfest-in-munchen-1980","tag-wehrsportgruppe-hoffmannwgh","tag-werner-dietrich"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5347\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}