{"id":49,"date":"2007-08-01T22:08:14","date_gmt":"2007-08-01T20:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2005\/08\/25\/%c2%bbchavez-chavez-tritt-nicht-zuruck%c2%ab\/"},"modified":"2007-08-01T22:08:14","modified_gmt":"2007-08-01T20:08:14","slug":"chavez-chavez-tritt-nicht-zuruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2007\/08\/01\/chavez-chavez-tritt-nicht-zuruck\/","title":{"rendered":"\u00bbCh\u00e1vez, Ch\u00e1vez, tritt nicht zur\u00fcck\u00ab (2005)"},"content":{"rendered":"<h1><span style=\"color:red;\">\u00bbCh\u00e1vez, Ch\u00e1vez, tritt nicht zur\u00fcck\u00ab<\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\"><em> <\/em><\/p>\n<h2><span style=\"font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';\">Die Reisegruppe \u2013 eine durchaus repr\u00e4sentative Bestandsaufnahme der internationalistischen Linken in Deutschland<\/span><\/h2>\n<p class=\"MsoNormal\">Als ich 1984 als Teilnehmer einer Brigade nach Nicaragua flog, pfl\u00fcckte ich voraussehbar schlecht Kaffee und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen \u00fcber eine Revolution, die die sichere Au\u00dfenlinie linker Theorien verlassen hatte und sich in der Wirklichkeit zu behaupten versuchte. Der Altersdurchschnitt meiner Mitreisenden lag so um die Mitte Zwanzig, von wenigen \u203aProminenten\u2039 (wie dem damaligen Hamburger Oberb\u00fcrgermeister Henning Scherf) abgesehen, die diesem Brigadeeinsatz mediale Pr\u00e4senz sichern sollten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Altersdurchschnitt der TeilnehmerInnen der politischen Reise nach Venezuela 2004 lag bei \u00fcber Vierzig. Die politische Herkunft und Geschichte der meisten h\u00e4tte vielsplittriger, bunter und zusammengew\u00fcrfelter kaum sein k\u00f6nnen. Nur am minorit\u00e4ren Anteil der Frauen hat sich nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Khaled<a title=\"_ftnref1\" name=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';\">[1]<\/span><\/span><!--[endif]--><\/span><\/span><\/a> ist pal\u00e4stinensischer Herkunft, so um die Mitte Zwanzig, lebt in M\u00fcnchen und verdient sein Geld als Computerspezialist bei BMW. Sein Vater arbeitet als Arzt im Gazastreifen. Zu den zahlreichen israelischen Milit\u00e4r-Operationen vor dem angek\u00fcndigten R\u00fcckzug aus diesem besetzten Gebiet geh\u00f6rte die Zerst\u00f6rung von \u00fcber 900.000 Olivenb\u00e4umen, eine bedeutende Einkommensquelle f\u00fcr die \u00bbpal\u00e4stinensische Autonomie\u00ab. Als Khaled vor ein paar Monaten seine Eltern besuchte, wurde er wochenlang an der Ausreise gehindert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Kurt lebt in einem kleinen St\u00e4dtchen in Mittelhessen, ist verrentet und beteiligte sich in den 80er Jahren in Nicaragua am Wideraufbau des zusammengebrochenen Elektrizit\u00e4tsnetzes. In Deutschland engagierte er sich bei \u203aGewerkschaftler gegen Wallmann\u2039.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ernst ist Mitte F\u00fcnfzig und war zu DDR-Zeiten Offizier in der Deutschen Volksarmee. Stolz erw\u00e4hnt er, dass er denselben Dienstgrad hatte wie der heutige Pr\u00e4sident von Venezuela Hugo Ch\u00e1vez. Er war mehrere Jahre in der damaligen Sowjetunion und studierte dort Milit\u00e4rwissenschaften. W\u00e4hrend ich nur H\u00fcgel und Gr\u00e4ben sah, konnte Ernst mit Begeisterung und Verve deren milit\u00e4rische Bedeutung bzw. \u00dcberwindbarkeit trocken erkl\u00e4ren \u2013 auch wenn ich das nicht immer f\u00fcr wichtig hielt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">August ist ebenfalls Mitte F\u00fcnfzig. Er ist Sozialp\u00e4dagoge in der N\u00e4he von T\u00fcbingen, arbeitet in der Einzelfallhilfe, die dem Jugendamt unterstellt ist. Er ist von seinem Wirken nicht sonderlich \u00fcberzeugt &#8211; und hat die Schnauze voll. Politisiert haben ihn die Vietnam-Proteste. Mit leuchtenden Augen erz\u00e4hlt er, wie sie in ihrem kleinen Dorf nahe T\u00fcbingen eine Demonstration von \u00fcber 150 Vietnam-GegnerInnen auf die Beine stellten \u2013 vor ca. 35 Jahren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mahmoud, \u00fcber sechzig, ist geb\u00fcrtiger Iraner. Ende der 60er Jahre kam er nach Deutschland, um Bauwesen zu studieren. Die Heirat rettete ihn vor dem absehbaren Entzug der Aufenthaltsgenehmigung. Seit \u00fcber 20 Jahren arbeitet Vadji in einem st\u00e4dtischen Unternehmen, das Zug um Zug privatisiert und mit billigen Arbeitskr\u00e4ften outgesourct wird. Er ist \u00fcberzeugter Marxist-Leninist, w\u00fcrde am liebsten den Ex-Militanten Joschka Fischer pers\u00f6nlich erschie\u00dfen und l\u00e4sst sich nur mit lieber M\u00fche und vor\u00fcbergehend von der Gro\u00dfherzigkeit einer Revolution \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Sein Sohn ist Mitte zwanzig, brach die Lehre zum Hotelkaufmann ab und arbeitet nun als Leiharbeiter einer Sklavenfirma in zwei Hotels. Als Lekt\u00fcre und Studium hatte er ein Buch von Karl Marx dabei: der Anti-D\u00fcring.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Carl ist sage und schreibe 84 Jahre jung und man schmeichelt ihm dabei keine Sekunde. Jeder Unannehmlichkeit und Schwierigkeit begegnete er mit einer Leichtigkeit und Unbezogenheit, um die ich ihn immer wieder beneidete. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Soldat. In 5-j\u00e4hriger sowjetischer Kriegsgefangenschaft lernte er russisch und wurde Antifaschist. Heute ist er Mitglied der Erich-M\u00fchsam-Gesellschaft.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn es nicht so bitter w\u00e4re, k\u00f6nnte man mit ein wenig Humor sagen, dass sich \u00fcber 35 Jahre linke deutsche Geschichte trafen \u2013 auf venezuelanischem Boden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1><span style=\"color:red;\">Kann in Venezuela gelingen, was in Portugal und Nicaragua scheiterte? Eine transnationale Reise durch Geschichte und Gegenwart. <\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\">Ausgangspunkt dieses Beitrages ist eine Ende letzten Jahres initiierte politische Reise nach und durch Venezuela. Es war keine Regierungstour, sondern eine Begegnung mit zahlreichen Basisorganisationen und \u2013initiativen des \u203abolivarianischen Prozesses\u2039.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In folgenden geht es mir darum, die dort gemachten Eindr\u00fccke mit fr\u00fcheren revolution\u00e4ren Prozessen in Verbindung zu bringen. Wenn ich hierzu Portugal 1974 bis 1976 und Nicaragua 1979 bis 1997 als Beispiele herausgreife, dann geht es mir um zweierlei: Zum einen werden damit sehr viele \u00c4hnlichkeiten deutlich, die helfen k\u00f6nnen, die Ver\u00e4nderungen in Venezuela einzuordnen. Zum anderen ist die Frage zu beantworten: Warum soll in Venezuela etwas gelingen, was u.a. in Portugal und Nicaragua scheiterte? Was ist in Venezuela anders? Was spricht daf\u00fcr, dass sich die Geschichte nicht (zwangsl\u00e4ufig) wiederholt?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Skepsis gegen\u00fcber der \u00bbbolivarianischen Revolution\u00ab ist weder unbegr\u00fcndet noch hinderlich. Sie ist in meinem Beitrag eine notwendige Voraussetzung, um mit eigenen und von anderen gemachten Erfahrungen achtvoll umzugehen. Die eindeutige Parteinahme f\u00fcr diese Revolution darf die (Befreiungs-)K\u00e4mpfe der letzten zwanzig, drei\u00dfig Jahre nicht ausblenden. In vielen dieser K\u00e4mpfe siegte nicht der Sozialismus, sondern (im besten Fall) die nachholende Entwicklung (Chile, Portugal, Nicaragua, El Salvador, Iran u.s.w.). Nicht der Imperialismus wurde besiegt, sondern eine oligarchische Klasse, die der Entwicklung eines modernen Kapitalismus im Weg stand.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1><span style=\"color:red;\">\u00bbDie Reise des jungen Ch\u00e9\u00ab<\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Einen Tag vor Abreise schaute ich mir den Film des brasilianischen Regisseurs Walter Salles \u00bbDie Reise des jungen Ch\u00e9\u00ab an: \u00bbIm Jahre 1952, noch als Studenten, unternahmen Ch\u00e9 und Alberto eine neunmonatige Reise durch halb Lateinamerika (&#8230;) Aus den unbesorgten J\u00fcnglingen, die in den Tag hineinlebten und mit fantasievollen Abenteuergeschichten die lokalen Dorfsch\u00f6nheiten bezirzten, werden im Laufe der Reise nachdenkliche M\u00e4nner, die mit eigener Anschauung die wahren Trag\u00f6dien Lateinamerikas erfahren. Eine endlose Geschichte von Armut und Reichtum, Stolz und Tradition, Temperament und Lebensfreude, Unterdr\u00fcckung und Ungerechtigkeit.\u00ab (Kino-Journal, Frankfurt\/Main, November 2004) F\u00fcr die einen ist der Film nichts weiter als eine r\u00fchrselige Roadmovie-Geschichte, die den l\u00e4ngst kommerzialisierten Ch\u00e9-Kult um die Jugend des\/r Protagonisten bereichert. F\u00fcr andere ist es politisches Kino, das den richtigen Ton f\u00fcr die im Aufbruch befindlichen Bewegungen gegen \u00bbNeoliberalismus\u00ab gefunden hat, f\u00fcr eine neue Protestgeneration, die zu Hunderttausenden mit der Parole \u00bbEine andere Welt ist m\u00f6glich\u00ab auf die Stra\u00dfe geht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ganz gewiss b\u00fcndelt dieser Film ein breites Spektrum an Sympathien und Motiven. Auch daf\u00fcr heimste er zahlreiche Preise ein \u2013 und das hat seinen Preis: Der Film \u00bbverschont\u00ab seine Zuschauer mit den Konsequenzen, die die beiden Protagonisten aus ihrer Reise gezogen haben. Sie werden lediglich im Nachspann kurz angerissen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ohne Ch\u00e1vez je begegnet zu sein, trifft man ihn \u00fcberall in Venezuela. Es gibt kein Armenviertel, kein barrio, in dem nicht Plakate, Parolen und Transparente an Ch\u00e1vez appellieren bzw. erinnern.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1>\u00bbAl\u00f3 Presidente\u00ab<\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Bewohner eines barrios erz\u00e4hlten ganz stolz, dass Ch\u00e1vez einmal im Jahr bei ihnen ist und bei den Arbeiten selbst anpackt. Die Petroarbeiter eines staatlichen Treibstofflagers erinnerten sich ganz genau, dass es Ch\u00e1vez war, der sie 2002\/3 \u2013 w\u00e4hrend des Generalstreiks der Opposition \u2013 aufforderte, das stillgelegte Treibstofflager zu besetzen und wieder in Betrieb zu nehmen. Jede Woche talkt Ch\u00e1vez in der Sendung \u00bbAl\u00f3 Presidente\u00ab stundenlang mit Gott und der Welt \u2013 und beeindruckt durch Wissen, Witz und seine Bereitschaft zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ch\u00e1vez hat nicht nur Milit\u00e4rwissenschaften studiert. Er ist auch ein viel belesener Mann. In einem Interview mit Junge Welt zitiert er auf nicht einmal eineinhalb Seiten Jesus, Sim\u00f3n Bol\u00edvar, Antonio Gala, Eduardo Galeano und Noam Chomsky. Bef\u00fcrworter der \u00bbEmpire\u00ab-Theorie sind sich ganz sicher, dass Ch\u00e1vez bei einer seiner vielen globalen \u00dcberlegungen und Analysen auch die Namen der Autoren, Negri\/Hardt fallen lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dr. Carolus Wimmer, Mitglied in der Kommunistischen Partei Venezuelas, korrigierte die Ansicht, dass es die venezolanische Regierung gewesen sei, die f\u00fcr Ende dieses Jahres zu einer Diskussion um die \u00bbRevolution in der Revolution\u00ab aufgerufen h\u00e4tte: \u00bbDer Vorschlag zu dieser Debatte ist nicht von der Regierung ausgegangen, sondern von Pr\u00e4sident Hugo Ch\u00e1vez.\u00ab (jW vom 13.12.2004)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Neben all dem hat Ch\u00e1vez noch genug Zeit, \u00fcber 50 Minister zu entlassen, von der Opposition kontrollierte Institutionen kaltzustellen und neue ins Leben zu rufen, die die verabschiedeten Gesetze mit den Basisorganisationen direkt umzusetzen versuchen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie es Hugo Ch\u00e1vez schafft, auch noch nach Kuba, Russland, Iran, Libyen, Dakar u.s.w. zu fliegen, um neue Allianzen zu schmieden, wei\u00df eigentlich niemand so recht. Ch\u00e1vez ein Tausendsassa, ein Messias, ein Volksheld?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In den westlichen Medien, von rechts bis sozialdemokratisch, ist man sich grob einig: Ch\u00e1vez ist ein \u00bbAutokrat\u00ab, ein \u00bbLinksnationalist\u00ab, ein \u00bbPopulist\u00ab. Manche Linke schlie\u00dfen sich diesem Urteil mit leichtem Abstand an.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1><span style=\"color:red;\">Linke Milit\u00e4rputsche<\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Der \u00bbbolivarianische\u00ab Prozess begann mit einem gescheiterten linken Milit\u00e4rputsch. Wenn man die \u00bbbolivarianische Revolution\u00ab verstehen und einordnen will, darf man die Bedeutung (linker und rechter) Milit\u00e4rs in diesem Prozess nicht unterschlagen. 1992 scheiterten linke Milit\u00e4rs unter F\u00fchrung von Hugo Ch\u00e1vez mit einem Putsch, der die sozialdemokratische Regierung Andr\u00e9s P\u00e9res aus dem Amt werfen wollte. Aus der milit\u00e4rischen Niederlage machte Ch\u00e1vez einen politischen Sieg. Im Fernsehen bekannte er sich zum fehlgeschlagenen Putsch, \u00fcbernahm daf\u00fcr die Verantwortung und avancierte zum Volkshelden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In den darauf folgenden Jahren gr\u00fcndete Ch\u00e1vez eine eigene Partei, die Bewegung der F\u00fcnften Republik (MVR). Was mit milit\u00e4rischen Mitteln scheiterte, sollte auf parlamentarischem Weg zum Erfolg f\u00fchren. Tats\u00e4chlich gewann Hugo Ch\u00e1vez die Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Jahr 1998 \u2013 zur \u00dcberraschung vieler. Eine breite Verfassungsdiskussion unter Einschluss von Basisorganisationen m\u00fcndete 1999 in der Verabschiedung einer neuen bolivarianischen Verfassung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mit Hilfe der um ihre Macht bangenden Oligarchenklasse organisierten rechte Milit\u00e4rs 2002 einen Putsch. Der gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident Hugo Ch\u00e1vez wurde gefangen genommen und f\u00fcr abgesetzt erkl\u00e4rt. Eine breite Massenbewegung befreite nicht nur Ch\u00e1vez, sondern lie\u00df auch den rechten Milit\u00e4rputsch innerhalb von 48 Stunden scheitern. Eine nicht enden wollende Erfolgsstory.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Eine Begegnung zwischen \u00bbMovimento das Forcas Armadas\u00ab (MFA) in Portugal der 70er Jahre und der \u00bbrevoluci\u00f3n bolivariana\u00ab in Venezuela 2004?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der venezolanische Pr\u00e4sident Hugo Ch\u00e1vez lud dieses Jahr den portugiesischen Exbrigadegeneral Vasco Gonzales zu einem Besuch ein. Beide sind nicht nur Milit\u00e4rs. Beide haben auch einen (erfolgreichen bzw. gescheiterten) linken Milit\u00e4rputsch angef\u00fchrt. Vasco Gonzales \u00bbwar einer der Hauptorganisatoren des Putsches vom 25. April und hat als Theoretiker der MFA das Grundsatzprogramm der Streitkr\u00e4ftebewegung mitverfasst.\u00ab (Spiegel, 20\/1975). Er stand und steht der KP Portugal nahe und war f\u00fcr kurze Zeit Premierminister.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Geschichte eines der spektakul\u00e4rsten Milit\u00e4rputsche \u00bbim Herzen der Bestie\u00ab liegt weit zur\u00fcck, und dessen Bedeutung, vor allem die damit in Gang gesetzten revolution\u00e4re Prozesse, sind weitgehend in Vergessenheit geraten. In Portugal herrschte \u00fcber 40 Jahre die Diktatur Antonio de Oliveira Salazars, der 1933 in faschistischer Diktion den \u00bbestado novo\u00ab (Neuer Staat) ausrief. Als er 1968 an einem Schlaganfall starb, f\u00fchrte Marcello Caetano seine Gesch\u00e4fte weiter.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Trotz der weltweiten Dekolonialisierungsbestrebungen und -bewegungen hielt das diktatorische Regime Caetanos an seinen \u00dcberseeprovinzen (Angola, Mo\u00e7ambique, Guinea-Bissau usw.) mit aller Gewalt fest. Hunderttausende starben in diesen Kriegen, 40 Prozent des portugiesischen Staatshaushalts verschlang die blutige Aufrechterhaltung des Kolonialstatus. In den Kolonialkriegen desillusioniert und politisiert, gr\u00fcndete sich aus den Reihen des Milit\u00e4rs die MFA, die Movimento das Forcas Armadas, die Bewegung der Streitkr\u00e4fte. Am 25.April 1974 gelang es dieser, in einem unblutigen Milit\u00e4rputsch das Regime Caetanos zu st\u00fcrzen. Die \u00bbNelkenrevolution\u00ab wurde geboren \u2013 und hatte urspr\u00fcnglich bescheidene Ziele: Beendigung der Kolonialkriege, Sturz der Diktatur, \u00dcberwindung der bitteren Armut und brutalen Unterdr\u00fcckung der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung. Der Milit\u00e4rputsch setzte ungeahnte Kr\u00e4fte frei und Bewegungen in Gang. Ein rasanter Radikalisierungsprozess erfasste das ganze Land: Landlose Bauern besetzten Gro\u00dfgrundbesitz, Arbeiter \u00fcbernahmen Fabriken, H\u00e4user in den gro\u00dfen St\u00e4dten wurden besetzt. Eine gigantische Streik- und Aneignungswelle erfasste das Land: Im Sommer 1975 werden 380 selbstverwaltete Fabriken, 500 Kooperativen und 330 landwirtschaftliche Kooperativen gez\u00e4hlt. Verstaatlicht wurden nach Angaben des damaligen Finanzministers Jose Joaquim Fragoso \u00bbetwa 30 Prozent der Produktion insgesamt: Au\u00dfer den Banken und Versicherungen die gro\u00dfen Schifffahrtsgesellschaften, die Eisenbahn, die Luftverkehrsgesellschaft TAP, die Elektrizit\u00e4tsversorgung, die Stahlindustrie und vier Erd\u00f6lgesellschaften.\u00ab (Spiegel, 20\/1975)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Arbeiter-, Bauern- und Soldatenr\u00e4te entstanden, Konzepte einer r\u00e4tedemokratischen Gesellschaftsordnung wurden entworfen, in die Tat umgesetzt. Sie bestimmten als Parallelmacht zu staatlichen Institutionen die gesellschaftliche Dynamik in diesem Land.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Davon waren nicht nur Teile des putschistischen Milit\u00e4rs \u00fcberrascht, die nicht mehr als den Anschluss an das demokratische Europa, die Etablierung einer b\u00fcrgerlichen, kapitalistisch verfassten Gesellschaft im Sinn hatten. Ein rechter Putsch im M\u00e4rz 1975 sollte der unerw\u00fcnschten Entwicklung den Garaus machen und scheiterte. Die Antwort lie\u00df nicht lange auf sich warten: Die meisten Banken und Fabriken wurden verstaatlicht, Gro\u00dfgrundbesitz enteignet. Angst ging um \u2013 bei denen, die etwas zu verlieren hatten. Die Sozialistische Partei Portugals, 1973 als Exilpartei in Bonn gegr\u00fcndet und \u00bbstille Reserve\u00ab der Sozialistischen Internationale, wurde ins Rennen geschickt. Mit reichlich Geld und Protektion aufger\u00fcstet sollte sie als Gegengewicht zur Kommunistischen Partei Portugals und als Gegenpol zu \u00bblinksradikalen\u00ab r\u00e4tedemokratischen Konzepten etabliert werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch die Kommunistische Partei Portugals hatte Angst, mit ihren Vorstellungen ins Hintertreffen zu gelangen und versuchte, die F\u00fchrung in den revolution\u00e4ren Prozessen zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das \u00bbdemokratische Europa\u00ab witterte ein \u00dcbergreifen des revolution\u00e4ren Virus, eine Algamisierung verschiedener Bewegungen in Europa und machte ideologisch und propagandistisch Front gegen ein \u00bbkommunistisches Portugal\u00ab. Wie ernst es damit war, verdeutlicht ein Detail, das im Rahmen der zahllosen Spendenskandale an die \u00d6ffentlichkeit kam. Partei\u00fcbergreifend wiesen alle im Bundestag vertretenen Parteien den BND (milit\u00e4rischer Bundesnachrichtendienst) an, in einer geheimen Aktion \u00fcber 30 Millionen DM nach Spanien\/Portugal zu transferieren, um dort die jeweiligen \u00bbdemokratischen\u00ab Kr\u00e4fte gegen \u00bblinke Extremisten\u00ab zu unterst\u00fctzen. Und falls diese illegalen Einflussnahme nichts fruchten sollten, stand noch die 6. US-Kriegsflotte vor der K\u00fcste Portugals bereit.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Interventionsdrohung, die der damalige US-Pr\u00e4sident Gerald Ford am 23. Mai 1975 aussprach, war kein Alleingang. Nur ein paar Tage sp\u00e4ter, am 29. Mai 1975, wiederholte Bundeskanzler Helmut Schmidt, am Rande der tagenden NATO-Konferenz in Br\u00fcssel, \u00bbwas den Portugiesen von den anderen Regierungschefs schon tags zuvor erkl\u00e4rt worden war: Dass es eine Schwelle gebe, jenseits der man eine weitere Linksentwicklung in Portugal nicht hinnehmen k\u00f6nne. Beide Seiten vermieden jedoch, die m\u00f6glichen Konsequenzen zu definieren.\u00ab (Spiegel, 23\/1975)<\/p>\n<h1><span style=\"color:red;\">\u00bbOperation Stopp\u00ab <\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Rechte Milit\u00e4rs verstanden diese Drohungen als Ermutigung und putschten am 25. November 1975 ein zweites Mal, diesmal erfolgreich. Die politische und \u00f6konomische Wende war eingel\u00e4utet. Eine b\u00fcrgerliche (Parteien-)Verfassung wurde verabschiedet, die allen Basisorganisationen den Zugang zur Macht abschnitt. Die Wahlen im Jahre 1976 erkl\u00e4rten die Sozialistische Partei unter Mario Soares zum Sieger. In den folgenden Jahren sah diese ihre wichtigste Aufgabe darin, die revolution\u00e4ren Errungenschaften Schritt f\u00fcr Schritt einzuebnen: Die besetzten L\u00e4ndereien und Fabriken wurden (gewaltsam) ger\u00e4umt und an die alten Besitzer \u00fcbergeben. Die Verstaatlichungen wurden r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht, begleitet von einer Repressionswelle (\u00bbOperation Stopp\u00ab 1984) gegen all jene, die sich dem nicht f\u00fcgen wollten. Unter anderen wurde Otelo Saraiva de Carvalho, Brigadegeneral, Mitbegr\u00fcnder der MFA und Pr\u00e4sidentschaftskandidat der FUP (Einheitsfront des Volkes), 1980 wegen \u00bbMitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung\u00ab, also f\u00fcr das Festhalten an revolution\u00e4ren Konzepten, zu einer langj\u00e4hrigen Haftstrafe verurteilt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Woran scheiterte die portugiesische Revolution im Inneren? Manche machen daf\u00fcr einen zu schnellen Radikalisierungsprozess verantwortlich, der in Avantgarden gedacht wurde und nicht als breiter, gesellschaftlicher Prozess umgesetzt werden konnte. Andere weisen auf die konterrevolution\u00e4re Rolle der Sozialistischen Partei Portugals unter Mario Soares hin. Isabel do Carmo, Mitbegr\u00fcnderin der \u00bbRevolution\u00e4ren Brigaden\u00ab, aus denen Anfang der 70er Jahre die PRP (Partido Revolucionaro do Proletariado) hervorging, macht die Kommunistische Partei f\u00fcr den Erfolg des zweiten Rechtsputsches mitverantwortlich: \u00bbDie KP verhandelte vor dem 25. November mehrere Male mit Mitgliedern des Revolutionsrates (h\u00f6chstes Gremium der MFA, dV.), genauer: mit der Melo-Antunes-Fraktion, die an den Rechtsputschvorbereitungen beteiligt war.\u00ab (taz vom 28.4.1984)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Unbeantwortet bleibt auch die Frage: Wurde die Rolle der linken Milit\u00e4rs \u00fcbersch\u00e4tzt, die Macht der rechten Milit\u00e4rs untersch\u00e4tzt? So bruchst\u00fcckhaft die europ\u00e4ische Linke diese revolution\u00e4re Phase Portugals im Ged\u00e4chtnis bewahrt hat, so l\u00fcckenhaft und andeutungsvoll bleiben die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen wurden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Einladung, die Hugo Ch\u00e1vez an den portugiesischen Exgeneral Vasco Gonzales ausgesprochen hat, k\u00f6nnte also dem guten Zweck dienen, Zusammenh\u00e4nge herzustellen, Lehren aus dieser Phase portugiesischer Geschichte zu ziehen. F\u00fcr einen \u00bbbolivarianischen Prozess\u00ab, der sich zwischen sozialdemokratischem\/peronistischem Machtkalk\u00fcl und revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen einen Weg bahnt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ob dieser Austausch unter (Ex-)Milit\u00e4rs zustande kommt, ist ungewiss: \u00bbWas eine Reise nach Caracas betrifft, zu der ich von Ch\u00e1vez eingeladen worden bin: Ich w\u00fcrde sie gerne antreten, muss aber als 83j\u00e4hriger zun\u00e4chst den Rat meiner \u00c4rzte einholen. Immerhin handelt es sich um einen langen Flug.\u00ab (zitiert nach RotFuchs, 12\/2004)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1><span style=\"color:red;\">\u00bbCh\u00e1vismus\u00ab \u2013 eine Spielart der Sozialdemokratie oder ein kluger revolution\u00e4rer Prozess?<\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Manche meinen es analytisch, andere eher ver\u00e4chtlich: Was die Ch\u00e1vez-Regierung bisher gemacht habe, sei doch nichts anderes als Sozialdemokratie. Sie verbessere die medizinische Versorgung f\u00fcr die \u00c4rmsten der Bev\u00f6lkerung. Sie gew\u00e4hrleiste allen eine kostenlose schulische Grundausbildung, entkoppele damit Bildung von Herkunft und Einkommen. Sie verbreitere den Zugang zu qualifizierten Berufen und verkn\u00fcpfe Aufstieg und Karriere mehr mit Leistung als mit der Klassenzugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Was f\u00fcr die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit eine Erleichterung des (\u00dcber-)Lebens bedeutet, kann von modernen Kapitaleignern als notwendige Reform zur Optimierung der Ressource Mensch begr\u00fc\u00dft und vernutzt werden. Tatsache ist, dass die neue Regierung an den kapitalistischen Bedingungen bisher nicht ger\u00fcttelt hat. Wer zur Oligarchenklasse z\u00e4hlt, schwimmt immer noch im Geld. Sie ist weitgehend politisch, jedoch nicht \u00f6konomisch entmachtet. So formulierte Hugo Ch\u00e1vez bisher als zentrales Ziel einen \u00bbKapitalismus mit menschlichem Antlitz\u00ab. (jW vom 21.5.2004) Am \u00e4rmlichen Lohn, an den miesen Arbeitsbedingungen, an den meist in die Armut f\u00fchrenden Renten hat sich nicht viel ge\u00e4ndert. Weder ist der Kapitalismus \u00fcberwunden, noch gibt es eine Vorstellung davon, wie dies unter Weltmarktbedingungen machbar ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das ist der Stand der Dinge in Venezuela. Die neue Verfassung erlaubt die Enteignung \u2013 mit Entsch\u00e4digung zu markt\u00fcblichen Preisen. Diese steht jedoch nicht an, wenn ein Fabrik- oder Landbesitzer sein Eigentum nutzt. Die M\u00f6glichkeit zur Enteignung ist also zuallererst ein Druckmittel, um die Verwertung von Eigentum zu erzwingen. Die Abschaffung von Privateigentum an Produktionsmitteln und daran gekn\u00fcpfte Ausbeutung ist damit nicht gemeint.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dennoch, die bisher verabschiedeten Reformen unterscheiden sich in drei wesentlichen Punkten von Spielarten des Peronismus, des Populismus:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u2013 Alle Reformen sind nicht als \u00bbAlmosen\u00ab an die Armen konzipiert. Neben den materiellen Ver\u00e4nderungen steht die Selbstorganisation, die Partizipation, im Vordergrund. Die Bewohner organisieren sich, bestimmen ihren Bedarf, stellen Forderungen. Die materiellen Ressourcen stellt der Staat, die soziale und gesellschaftliche Kompetenz liegt in den H\u00e4nden der Basisorganisationen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u2013 Allen Formen des Paternalismus ist das hierarchische Verh\u00e4ltnis Herr \u2013 Knecht eingeschrieben. Die neuen Gesetze hingegen zielen auf politische und gesellschaftliche Teilnahme, wirken in Richtung Aufhebung gesellschaftlicher und politischer Ausschl\u00fcsse. Erkl\u00e4rte Absicht ist, die Basisorganisationen in die Konzipierung und Ausf\u00fchrung von Projekten (Gesundheitszentren, Schulen, Medien, Einkaufszentren, Volksk\u00fcchen, Wohnungsbau) einzubinden, ihnen eine Stimme zu geben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u2013 Viele Gesetze, mit denen Basisorganisationen und -projekte ins Leben gerufen bzw. gest\u00e4rkt werden, f\u00fchren zu Konfrontationen mit einem Teil des Staatsapparats, der solche Gesetze blockiert bzw. hintergeht. Die Basisorganisationen machen ihrem \u00c4rger nicht nur Luft, sie entwickeln auch ein Bewusstsein f\u00fcr den Unterschied zwischen der Ch\u00e1vez-Fraktion, dem Parteienb\u00fcndnis und Teilen des Staatsapparats. Bislang konnte dieser Konflikt produktiv gel\u00f6st werden. Manches deutet auf Entstaatlichung, manches auf einen \u00bbbesseren Staat\u00ab. Ob sich die neuen Formen gesellschaftlicher Macht durchsetzen, kann niemand versprechen. M\u00f6glich ist auch, dass sich die vielen Basisorganisationen und -projekte im Dickicht der Macht- und Entscheidungsstrukturen ersch\u00f6pfen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Genauso wenig ist die Gefahr der Deregulierung von der Hand zu weisen, die in Europa unter dem Motto \u203aMehr Eigenverantwortung \u2013 weniger Wohlfahrtsmentalit\u00e4t\u2039 eine Spur der Verw\u00fcstung hinterl\u00e4sst. Der venezolanische Staat investiert relativ wenig Geld und vereinnahmt die weitgehend kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellten sozialen und gesellschaftlichen Ressourcen der BewohnerInnen. Dass dies passieren kann, liegt an den kapitalistischen Bedingungen, innerhalb derer diese Projekte bestehen m\u00fcssen. Wenn man aber diese Gesetze zur Sicherung elementarer Lebensbedingungen und der Selbsterm\u00e4chtigung als Anfang f\u00fcr weitere Ver\u00e4nderungen begreift, sollte man nicht bange werden.<\/p>\n<h1><span style=\"color:red;\">Die Frente Sandinista in Nicaragua <\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Viele Entscheidungen, die die Ch\u00e1vez-Regierung in den letzten f\u00fcnf Jahren getroffen hat, erinnern an die Politik der Frente Sandinista in Nikaragua (1979\u20131997).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als wir 1984\/85 nochmals nach Nicaragua flogen, waren zwar die Euphorie und der ungeheure Elan der Basisorganisationen nicht verschwunden. Doch die Kluft zwischen programmatischen Erkl\u00e4rungen und tats\u00e4chlichen Ver\u00e4nderungen war schon zu sp\u00fcren. Die Unantastbarkeit des kapitalistischen Sektors und die weiterhin mangelhafte Grundversorgung wurden im wahrsten Sinne des Wortes ertragen \u2013 mit Verweis auf den Krieg gegen die Contras, dem vieles, zu vieles untergeordnet wurde: \u00bbKritik zu \u00fcben wurde immer schwieriger. Wenn die Kritik sehr hart war, lief man Gefahr, beschuldigt zu werden, der Konterrevolution in die H\u00e4nde zu arbeiten, oder man wurde als \u203akonfliktiv\u2039 eingestuft oder, schlimmer noch, bezichtigt, die FSLN zu spalten, die Einheit zu gef\u00e4hrden.\u00ab (Gioconda Belli: Die Verteidigung des Gl\u00fccks, 2001, S. 379)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Doch nicht alles konnte mit dem Krieg gegen die Contras erkl\u00e4rt werden, auch wenn dieser 50 Prozent des Staatshaushaltes verschlang. Die Bedeutung und der Einfluss sandinistischer Basisorganisationen wurden eingeschr\u00e4nkt und der Politik der FSLN unterworfen. Die beabsichtigte Enteignung von Gro\u00dfgrundbesitzern, die Umverteilung des Bodens (Agrarreform) und die Vergesellschaftung von Eigentum wurden nur sehr z\u00f6gerlich umgesetzt. Das Versprechen, die Entscheidungsstrukturen auf Gemeinde- und Parteiebene zu demokratisieren, wurde nicht eingel\u00f6st. Stattdessen wurde eine Verfassung verabschiedet, die den Parteien eine hegemoniale Stellung zuschrieb mit einer alles \u00fcberragenden Stellung des Pr\u00e4sidenten. Die Tatsache, dass viele genauso ums \u00dcberleben k\u00e4mpften wie unter der Diktatur Somozas, ersch\u00f6pfte gerade jene, die sich mit dem Einzug der Frente 1979 in Managua eine Verbesserung ihrer Lebenssituation erhofft hatten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auf dem Hintergrund eines massiven Wirtschaftsembargos und einer sich milit\u00e4risch zuspitzenden Situation (US-Truppen marschierten ein Jahr zuvor in Panama ein) siegte 1990 die Opposition. Viele waren fassungslos und sprachlos. Wie konnte eine Opposition gewinnen, die jahrzehntelang f\u00fcr Armut, Unterdr\u00fcckung und Diktatur stand? \u2013 Dieses Mal nicht mit Hilfe der Armee, sondern des Wahlzettels. Die W\u00e4hler w\u00e4hlten nicht die Idee des Sozialismus, die Idee einer menschlichen Gesellschaft mehrheitlich ab, sondern den Hunger. Die jahrzehntelange Politik der USA, das sandinistische Nicaragua mit Wirtschaftssanktionen, Sabotage, Interventionsdrohungen und finanziertem Contra-Krieg in die Knie zu zwingen, hat wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Doch was die Idee einer menschlichen Gesellschaft zerst\u00f6rte, war nicht der Wahlsieg der Opposition, sondern die f\u00fcr unglaublich gehaltene Korruption f\u00fchrender Frente-Mitglieder und Ex-Comandantes, von Daniel und Huberto Ortega angefangen, \u00fcber Thomas Borge bis hin zu Jaime Wheelook: Bevor sie die politische Macht an die Opposition abgaben, bereicherten sie sich mit Eigentums\u00fcberschreibungen, die sie heute Gro\u00dfgrundbesitzer und Mitglieder der wohlhabenden Klasse sein lassen. 1997 wurde in einem Pakt zwischen der ultrarechten Regierung unter Arnoldo Al\u00e9man (PLC) und der FSLN die pers\u00f6nliche Korruption ins Politische hinein verl\u00e4ngert: \u00bbDer Pakt umfasst im wesentlichen drei Punkte: 1. das von FSLN-Funktion\u00e4ren 1990 erworbene Staatseigentum bleibt unangetastet, 2. im Gegenzug deckt die FSLN die Korruption der Al\u00e9man-Riege, 3. soll ein Zweiparteiensystem durch \u00c4nderung der Wahlgesetzgebung und der Verfassung eingerichtet werden.\u00ab (ak vom 21.12.2000) Der Charme des \u00bbmandar-obedeciendo\u00ab (gehorchend-befehlen), ein Drahtseilakt zwischen zentralistischem Politikverst\u00e4ndnis und basisdemokratischem Korrektiv, endete in einer Farce.<\/p>\n<h1><span style=\"color:red;\">Reform und Revolution? <\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Es ist nicht unsolidarisch, skeptisch zu sein und auf dem Teppich zu bleiben, wenn in Venezuela \u00fcberall von der \u00bbbolivarianischen Revolution\u00ab geredet wird. Vieles ist in Venezuela noch nicht passiert, was sich viele dort und einige hier w\u00fcnschen und f\u00fcr revolution\u00e4r halten w\u00fcrden: Zum Beispiel die Enteignung der venezolanischen Oligarchie und die Entmachtung der politischen Klasse, die seit Jahrzehnten den Staat und seine Institutionen unter sich aufgeteilt hat, oder die Einstellung der Erd\u00f6llieferungen an die USA, die zu knapp 15 Prozent vom venezolanischen \u00d6l abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Geschichte des Ausbruchs aus der neoliberalen Logik, des Aufbruchs und Umbruchs ist in Venezuela sehr jung. Manche datieren sie auf das Jahr des gescheiterten Putsches 1992, dessen politische Brisanz ohne die niedergeschlagenen Unruhen 1989 nicht zu verstehen ist. Andere sind vorsichtiger und sprechen von einer revolution\u00e4ren Bewegung erst 2002, als Millionen Menschen den Putsch von rechts vereitelten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ganz sicher ist die gewonnene Pr\u00e4sidentschaft Hugo Ch\u00e1vez 1998 Ausdruck des \u00dcberdrusses gegen\u00fcber Formen der politischen Repr\u00e4sentation. Aber sie ist auch ein Gl\u00fccksfall. Ch\u00e1vez und das Parteien- und Wahlb\u00fcndnis konnten sich auf keine politisch starke Kraft st\u00fctzen. Das \u00dcberleben verdanken sie nicht treuen, eingefleischten Parteianh\u00e4ngern, sondern einer Massenbewegung. Zum ersten Mal hat sich diese Kraft 1989 gezeigt, als Preiserh\u00f6hungen zu tagelangen Unruhen und Pl\u00fcnderungen f\u00fchrten, die drei- bis f\u00fcnftausend Menschen, vor allem aus den Barrios, mit ihrem Leben bezahlten. F\u00fcr gew\u00f6hnlich folgen Unruhen und Pl\u00fcnderungen Repression und Resignation.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Was sich in dem Putsch 1992 andeutete und in den letzten Jahren Gestalt annahm, ist weniger spektakul\u00e4r, daf\u00fcr umso wichtiger und best\u00e4ndiger: Die Transformation jahrzehntelanger Ohnmacht in aktives Handeln. Die Bindung spontanen Aufbegehrens in dauerhafte Strukturen von Gegen-Macht. Dieser Prozess ist erst am Anfang, breitet sich langsam und best\u00e4ndig aus. Die Formen der Vernetzung, der Selbstorganisation m\u00fcssen erst gefunden, erprobt werden. Die Verbindungen zu Institutionen und staatlichen Einrichtungen sind br\u00fcchig, provisorisch und alles andere als gesichert. Die institutionelle Einbeziehung von Basisorganisationen in den Prozess von Regierungsentscheidungen steht erst einmal nur in der Verfassung. Das Verh\u00e4ltnis zum regierenden Parteienb\u00fcndnis ist ambivalent.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dieser Prozess braucht Zeit und Zuspitzungen, die ihn beschleunigen, st\u00e4rken und nicht zur\u00fcckwerfen oder \u2013 wie im Fall einer (milit\u00e4rischen) Intervention \u2013 ins Aus dr\u00fccken. Zu diesen Zuspitzungen z\u00e4hlt die \u00bbRevolution in der Revolution\u00ab. Sie \u00bbzielt darauf ab, diejenigen, die nicht den revolution\u00e4ren Weg gehen wollen oder sich sogar aktiv dagegenstellen, aus ihren Regierungspositionen zu entfernen\u00ab. (Dr. Carolus Wimmer, jW vom 13.12.2004)<\/p>\n<h1><span style=\"color:red;\">Portugal \u2013 Nicaragua \u2013 Venezuela?<\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Sich auf die Seite dieser sozialen und gesellschaftlichen Prozesse zu stellen, hei\u00dft nicht \u00bbSolidarit\u00e4t mit Venezuela\u00ab, sondern mit ganz bestimmten Bewegungen und Ideen. Die Kr\u00e4fte, die diesen Prozess verhindern und r\u00fcckg\u00e4ngig machen wollen, lauern von au\u00dfen und sind im Inneren pr\u00e4sent. Die Oligarchenklasse ist nach wie vor m\u00e4chtig. Das Regierungsb\u00fcndnis schlie\u00dft Parteien und Personen ein, denen alles andere als die Erm\u00e4chtigung der Ausgeschlossenen am Herzen liegt. Und das Milit\u00e4r ist nicht nur Garant, sondern auch eine Gefahr in diesem umk\u00e4mpften Prozess \u2013 wenn man den rechten Putschversuch 2002 nicht ganz vergisst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Sich eindeutig auf die Seite dieser sozialen und gesellschaftlichen Prozesse zu stellen, hei\u00dft nicht, die Erfahrungen internationalistischer Solidarit\u00e4tsarbeit und \u00bbnationaler Befreiung\u00ab der letzten 30 Jahre auszublenden \u2013 mit der Behauptung, in Venezuela sei alles ganz anders und etwas ganz Neues. Portugal und Nicaragua stehen stellvertretend f\u00fcr viele Bewegungen und revolution\u00e4re Prozesse, in denen nicht nur viel Neues gewagt wurde, sondern auch viel Altbekanntes die Oberhand behielt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn man sich den Putsch linker Milit\u00e4rs in Portugal vergegenw\u00e4rtigt, dann gilt die Erinnerung nicht nur der ungeheuren Faszination, die von diesem Milit\u00e4raufstand ausging. Die rechten Milit\u00e4rs in Verbindung mit der nie entmachteten alten Klasse hatten schlie\u00dflich den l\u00e4ngeren Atem.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch von den Comandantes in Nicaragua waren viele (nicht nur im Land selbst, sondern gleicherma\u00dfen in der internationalistischen Solidarit\u00e4tsbewegung) in den Bann gezogen. Doch was passiert, wenn diese de facto nicht mehr (ab-)w\u00e4hlbar sind, wenn sie weder durch die eigene Partei noch die Basisorganisationen kontrollierbar sind, belegt die Entwicklung in Nicaragua.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">W\u00e4hrend die Gefahren im Inneren sehr \u00e4hnlich sind, hebt sich ein Unterschied sehr deutlich ab: Sowohl Portugal als auch Nicaragua waren und sind \u00f6konomisch arme L\u00e4nder, ganz im Gegensatz zu Venezuela. Es verf\u00fcgt \u00fcber die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lvorkommen der Welt. Die Gewinne aus dem Erd\u00f6l machen \u00fcber 50 Prozent des Staatshaushaltes aus. Eine relativ autarke Entwicklung ist m\u00f6glich. Knapp 15 Prozent des Erd\u00f6lbedarfs der USA werden durch Eink\u00e4ufe in Venezuela gedeckt. Bisher hat die Ch\u00e1vez-Regierung nicht die geringste Andeutung gemacht, die Zuverl\u00e4ssigkeit dieser Lieferungen in Frage zu stellen, so wenig wie die Tilgung der Schulden. Vieles spricht daf\u00fcr, dass die US-Regierung zur Zeit kein Interesse daran hat, diese sichere \u00d6lquelle zu riskieren \u2013 zum Beispiel durch b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Unruhen, indem man die Opposition \u00bbbewaffnet\u00ab oder indem man rechte Paramilit\u00e4rs aus Kolumbien zur Destabilisierung nach Venezuela schleust. Auch eine milit\u00e4rische Intervention scheint zurzeit kein reales Szenario zu sein. \u00dcber 150.000 US-Soldaten sitzen im Irak fest, in dem Versuch, das politische Debakel doch noch milit\u00e4risch zu wenden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Diese gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit und die weltpolitische Lage verschaffen Luft. Notwendige Zeit f\u00fcr einen revolution\u00e4ren Prozess, der nicht von permanenten Interventionsdrohungen zerm\u00fcrbt wird oder durch \u00bbContra\u00ab-Angriffe auszubluten droht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn revolution\u00e4r nicht bedeutet, das zu tun, was man sich w\u00fcnscht, sondern das, was heute die gesellschaftliche Basis derer verbreitert, die morgen die Umw\u00e4lzung der Verh\u00e4ltnisse erreichen wollen &#8230; dann besteht Hoffnung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1><span style=\"color:red;\">Ein filmreifes Ende <\/span><\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Reise nach Venezuela endete wie der Film \u00bbDer Aufstand\u00ab von Costa Gavras anf\u00e4ngt: Man sieht ein Flugzeug landen. Ein gut gekleideter Mann steigt aus und wird von mehreren M\u00e4nnern an der Gangway erwartet. Die Szene wirkt banal, man begreift sie erst mit Fortgang des Filmes. Der Mann l\u00f6st einen anderen CIA-Agenten ab und soll die Aufstandsbek\u00e4mpfung in einem unbenannt gebliebenen lateinamerikanischen Land koordinieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich besteige das Flugzeug in Caracas nach Paris, ein beliebter Kurztrip der venezolanischen Oligarchie. Deren politische Macht ist mit Sicherheit angegriffen. Im Geld schwimmt sie dennoch. Ich suche meinen reservierten Platz, der bereits von einem Mann in schwarzem Anzug, Mitte 30, besetzt ist. Ich zeige ihm meine Bordkarte, er zeigt mir seine, mit derselben Platzreservierung. Gro\u00dfz\u00fcgig bietet er mir den Fensterplatz an. Als er dazu aufsteht, merke ich, dass er ein Priester ist. Ich bedeute ihm, er m\u00f6ge sitzen bleiben, schlie\u00dflich sei er dem Himmel mehr verbunden als ich. Wir kommen sofort ins Gespr\u00e4ch. Er ist ein Mann Gottes, arbeitet seit drei Jahren in Caracas und ist auf dem Weg nach Rom, f\u00fcr ein paar Tage. Eigentlich lebt er in Santiago de Chile.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbWie lange bleiben Sie in Caracas?\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbVielleicht noch ein, zwei Jahre.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbUnd dann?\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbDann komme ich woanders hin.\u00ab Mit dem Finger malt er einen Kreis in die Luft.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbUnd wissen Sie, wohin Sie kommen?\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Er l\u00e4chelt vieldeutig: \u00bbNein.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich frage ihn, wie er die Ver\u00e4nderungen in Venezuela deutet.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbSeit f\u00fcnf Jahren geht es abw\u00e4rts.\u00ab Seine flache Hand zeigt nach unten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbSeit Ch\u00e1vez an der Macht ist. Er hat viel versprochen und nichts gehalten. Schauen Sie sich die Stra\u00dfen, die Schulen, die H\u00e4user, die Stadt an. Alles zerf\u00e4llt. Caracas ist ein einziges Barrio.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbAber es wurden doch in den letzten Jahren viele Stra\u00dfen, Schulen errichtet, das Gesundheitswesen neu aufgebaut &#8230;\u00ab, wende ich vorsichtig ein.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbAch was, das ist doch alles Propaganda. Sehen Sie, vor Ch\u00e1vez gab es ausgezeichnete Universit\u00e4ten. Jetzt liegt alles am Boden.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbAber vor Ch\u00e1vez konnten nur die Reichen die Universit\u00e4t besuchen &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbDas stimmt nicht. Auf den Universit\u00e4ten konnten auch Menschen studieren, die arm waren.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es werden Getr\u00e4nke angeboten, bei Air France auch Champagner. Ich scherze mit dem Mann Gottes auf franz\u00f6sisch, wir persiflieren die den Franzosen zugeschriebene Kunst, das Leben zu genie\u00dfen und sto\u00dfen darauf an.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbWoran liegt das Ihrer Meinung, dass jetzt alles im Argen liegt?\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Mann Gottes schaut sich pr\u00fcfend um und redet ged\u00e4mpft weiter:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbDas Problem heute ist, dass Ch\u00e1vez alles unter Kontrolle gebracht hat, die B\u00fcrgermeister, die Polizei, die Justiz, das Milit\u00e4r.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbAber im Obersten Gerichtshof sitzen noch Leute der Opposition, Richter, die Gesetzesvorhaben der Regierung blockieren oder kassieren! Oder nehmen Sie die Medien: Von sieben nationalen Fernsehsendern sind sechs in der Hand der Opposition!\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Priester schaut mich ganz und gar nicht milde an, gibt mir keine Antwort und wechselt das Thema.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbEs ist doch eine Schande, dass in einem so reichen Land wie Venezuela so viele Menschen arm sind. Schauen Sie sich doch die Barrios an. Das ist doch ein Skandal!\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00bbDa haben Sie recht. Aber die barrios sind nicht in den letzten f\u00fcnf Jahren entstanden, sondern unter den vielen Regierungen und Parteien davor, die heute die Armut anprangern.\u00ab<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Mann Gottes gibt mir wieder keine Antwort. Wir wechseln das Thema endg\u00fcltig, und er preist mir die Sch\u00f6nheiten Venezuelas, die Ferieninsel Margarita, die traumhaften Str\u00e4nde, die ausgezeichneten Hotels&#8230;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach einer Stunde steht der Mann Gottes auf. Er muss sich die F\u00fc\u00dfe vertreten. Als er zu seinem Platz nicht zur\u00fcckkehrt, bin ich froh und nutze beide Sitze. Ich d\u00e4mmere in die Nacht hinein und erwische mich bei dem Gedanken, dass der Priester gar kein Priester ist, sondern ein CIA-Agent, erst in Chile, jetzt in Caracas, dann&#8230;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\">Wolf Wetzel<span> <\/span>2005<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p><!--[if !supportFootnotes]--><\/p>\n<hr size=\"1\" \/><!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"_ftn1\" name=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size:10pt;font-family:'Times New Roman';\">[1]<\/span><\/span><!--[endif]--><\/span><\/span><\/a> Die Namen der Teilnehmer wurden redaktionell ge\u00e4ndert<\/p>\n<p>Views: 1136<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbCh\u00e1vez, Ch\u00e1vez, tritt nicht zur\u00fcck\u00ab Die Reisegruppe \u2013 eine durchaus repr\u00e4sentative Bestandsaufnahme der internationalistischen Linken in Deutschland Als ich 1984 als Teilnehmer einer Brigade nach Nicaragua flog, pfl\u00fcckte ich voraussehbar schlecht Kaffee und sammelte dabei<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[10,28],"tags":[456,530,531,919,1509,1595,1734,1852,1900,1956,2014,2082,2582],"class_list":["post-49","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv-1986-2006","category-lateinamerika","tag-bolivarische-revolution","tag-chavez","tag-chavismus","tag-frente-sandinista","tag-linke-militarputsche","tag-mfa","tag-nelkenrevolution-1974","tag-operation-stopp-1975","tag-peronismus","tag-populismus","tag-putsch","tag-reform-und-revolution","tag-venezuela"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}