{"id":4829,"date":"2014-05-03T20:29:42","date_gmt":"2014-05-03T18:29:42","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=4829"},"modified":"2014-05-03T20:29:42","modified_gmt":"2014-05-03T18:29:42","slug":"ein-selbstmord-aus-fremder-hand-das-gestellte-ende-des-nationalsozialistischen-untergrundesnsu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2014\/05\/03\/ein-selbstmord-aus-fremder-hand-das-gestellte-ende-des-nationalsozialistischen-untergrundesnsu\/","title":{"rendered":"Ein Selbstmord aus \u203afremder\u2039 Hand \u2013 Das gestellte Ende des Nationalsozialistischen Untergrundes\/NSU"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Ein Selbstmord aus \u203afremder\u2039 Hand \u2013 Das gestellte Ende des Nationalsozialistischen Untergrundes\/NSU<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><strong>Auf den ersten Blick scheint es wenig gute Gr\u00fcnde zu geben, sich mit der offiziellen Version auseinanderzusetzen, dass die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt am 4.11.2011 in ihrem geliehenen Campingwagen in Eisenach durch Selbstmord ums Leben gekommen sind. Ist doch egal, wie diese Neonazis umgekommen sind \u2026 k\u00f6nnte man dabei heraush\u00f6ren.<\/strong><br \/>\n<strong>Das ist es eben nicht \u2013 gerade auch dann, wenn man Neonazismus nicht f\u00fcr eine Ansichtsache h\u00e4lt, sondern f\u00fcr ein Verbrechen.<\/strong><br \/>\nA<strong>ls ich den Text <em>Selbstmord \u2013 was sonst?<\/em> vor einem Jahr f\u00fcr die zweite Auflage des Buches <em>Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund &#8211; wo h\u00f6rt der Staat auf? <\/em>\u00fcberarbeitete, lagen sehr wenige Beweise daf\u00fcr vor, was sich in jenem Campingwagen am 4.11.2011 in Eisenach ereignet hatte, in dem die beiden NSU-Mitglieder tot aufgefunden wurden.<\/strong><br \/>\n<strong>Die tatbegleitenden Umst\u00e4nde wiesen hingegen schon damals darauf hin, dass Selbstmord der unwahrscheinlichste Geschehensablauf ist.<\/strong><br \/>\n<strong>Nun liegen einige gewichtige Beweise vor, die die Todesumst\u00e4nde selbst betreffen. Genau diese Beweise st\u00fctzen jedoch nicht die Selbstmordversion. Im Gegenteil: Sie belegen, dass die\u00a0daf\u00fcr angef\u00fchrten Indizien fingiert und Beweise, die einen anderen Tatablauf belegen k\u00f6nnten, beseitigt bzw. vernichtet wurden. Beweise, die f\u00fcr ein Fremdverschulden sprechen, also auf eine \u203adritte\u2039 Person verweisen.<\/strong><br \/>\n<strong>Damit steht die Frage im Raum, warum deutsche Beh\u00f6rden mit Rechtsbr\u00fcchen und strafbaren Handlungen verhindern wollen, dass die Todesereignisse am 4.11.2011 als Mord aufgekl\u00e4rt und verfolgt werden?<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Der Beitrag, der den Indizien und Beweisen nachgeht, die einen Selbstmord ausschlie\u00dfen, einen Mord plausibel machen, wird am Montag, den 5. Mai 2014 in der Tageszeitung \u203aJunge Welt\u2039 erscheinen.<\/strong><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_4837\" aria-describedby=\"caption-attachment-4837\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2014\/05\/der-dritte-mann-jw-2014.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4837\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2014\/05\/der-dritte-mann-jw-2014.jpg?resize=140%2C209\" alt=\"Junge Welt vom 5.5.2014\" width=\"140\" height=\"209\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4837\" class=\"wp-caption-text\">Junge Welt vom 5.5.2014<\/figcaption><\/figure><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Der Beitrag vom 17.4.2013 in der Tageszeitung <em>Junge Welt,<\/em> der die tatbegleitenden Umst\u00e4nde auswertete, findet sich hier:<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>\u00bbZweifel an der amtlichen Version<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Auff\u00e4llig viele fragw\u00fcrdige Spuren: Haben sich Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos tats\u00e4chlich umgebracht? Warum stellt sich Beate Zsch\u00e4pe nach dem Tod ihrer Neonazikumpanen den Beh\u00f6rden, statt sich abzusetzen?<\/strong><br \/>\n<strong><em>Von Wolf Wetzel<\/em><\/strong><br \/>\n<strong>Wenn Hunderte von Akten im Zusammenhang mit dem NSU verschwinden, d.h. vernichtet werden, wenn \u00bbhei\u00dfen Spuren\u00ab, die es \u00fcber dreizehn Jahre gab, in keinem einzigen Fall nachgegangen wurde, wenn Beh\u00f6rden die Existenz von V-Leuten verschweigen, die Kontakt zu den abgetauchten Mitgliedern des \u00bbTh\u00fcringer Heimatschutzes\u00ab hatten, wenn bei allen neun Morden an Menschen mit t\u00fcrkischer und griechischer Abstammung ein rassistischer Hintergrund ausgeschlossen wurde, wenn all dies auf allen beh\u00f6rdlichen Ebenen, in allen darin verwickelten Verfolgungsbeh\u00f6rden geschieht, dann darf man hinter diesen Unzul\u00e4nglichkeiten, hinter dem \u00bbmenschlichen Versagen\u00ab einzelner, ein System vermuten \u2013 zumindest sollte man dies \u2013 wie in jedem anderen Fall \u2013 nicht ausschlie\u00dfen.<\/strong><br \/>\n<strong>Wenn dies aufgrund evidenter, erdr\u00fcckender Fakten nicht auszuschlie\u00dfen ist, dann mu\u00df man auch den schlimmsten Fall f\u00fcr m\u00f6glich halten bzw. darf ihn nicht von vornherein ausblenden. Dann stellt sich die Frage, ob die zwei Mitglieder des NSU, Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos, am 4. November 2011, in ihrem Campingwagen tats\u00e4chlich Selbstmord begangen haben? Dann mu\u00df man auch die offizielle Version, Beate Zsch\u00e4pe habe sich nach vier Tagen Flucht \u00bbfreiwillig gestellt\u00ab, in Zweifel ziehen.<\/strong><br \/>\n<strong>Gibt es gute Gr\u00fcnde, warum zwar das Vertrauen in die Geheimdienste schwer ersch\u00fcttert ist, aber gleichzeitig alle Ersch\u00fctterten an der Selbstmordthese keinen einzigen Zweifel \u00e4u\u00dfern? Die Selbstmordthese ist so evident wie die Behauptung, die NSU-Mitglieder seien spurlos verschwunden. \u00bb<em>Hat der Neonazi Mundlos wirklich seinen Kumpel und dann sich selbst erschossen? Was, wenn alles ganz anders war?<\/em>\u00ab Dieses kurze Aufblitzen journalistischer Sorgfaltspflicht tauchte in der Frankfurter Rundschau nicht auf den vorderen Politikseiten auf, sondern als letzter Satz, auf Seite 40, gut verpackt in einem Artikel \u00fcber einen Krimi\u00adautoren (FR vom 30.12.2011). Bekanntlich darf man in Feuilletons vieles sagen, was man im Politik- und Wirtschaftsteil derselben Zeitung nicht darf.<\/strong><br \/>\n<strong> Der Tod der beiden NSU-Mitglieder in Eisenach im November 2011 wird unisono als Selbstmord \u00bbkommuniziert\u00ab. Diese Version wird in allen Medien vertreten, obwohl dieselben Medien einr\u00e4umen, da\u00df sie sich jahrelang an der Nase herumf\u00fchren lie\u00dfen, da\u00df sie jahrelang die K\u00f6rner aufgepickt hatten, die ihnen die Ermittlungsbeh\u00f6rden vor die F\u00fc\u00dfe warfen, da\u00df sie als Medien mitgeholfen haben, falsche F\u00e4hrten festzutreten. Allein die Tatsache, da\u00df es f\u00fcr diesen Tathergang am 4. November 2011 zwei gravierend voneinander abweichende Versionen gibt, m\u00fc\u00dfte stutzig machen.<\/strong><br \/>\n<strong> Die erste Version entstand kurz nach B\u00f6hnhardts und Mundlos\u2019 Bank\u00fcberfall vom 4. November 2011 in Eisenach und wird von der Th\u00fcringer Allgemeinen, die sich dabei auch auf Polizeiangaben st\u00fctzte, so beschrieben: Die Bankr\u00e4uber benutzten bei ihrem Bank\u00fcberfall einen Caravan, dessen Spur Stunden sp\u00e4ter zu den NSU-Mitgliedern f\u00fchrte. Die Beamten n\u00e4herten sich dem verd\u00e4chtigen Caravan. Dann h\u00f6rten sie \u00bbaus dem Innenraum zwei Knallger\u00e4usche\u00ab. Kurz darauf brannte der Caravan lichterloh, und dann war alles vorbei.<\/strong><br \/>\n<strong> Die zweite Version ist \u00fcber zwei Monate j\u00fcnger, ganz frisch und stammt von Polizeidirektor Michael Menzel, Leiter der SOKO in Th\u00fcringen, der ebenfalls mit seinen Beamten am selben Tatort war: Dieses Mal benutzten die T\u00e4ter Fahrr\u00e4der f\u00fcr ihren Bank\u00fcberfall. Dieses Mal wurden diese ihr Verh\u00e4ngnis. Als die Beamten auf den Caravan stie\u00dfen, wurden sie mit MP-Salven empfangen: \u00bb<em>Wir wu\u00dften, da\u00df sie scharfe Waffen hatten. Sie haben sofort auf uns geschossen<\/em>\u00ab, sagt Menzel (Bild.de vom 26.11.2011). Dann soll die MP geklemmt haben, worauf die Sch\u00fctzen sich selbst umbrachten.<\/strong><br \/>\n<strong> Beide Versionen werden von Polizeibeamten erz\u00e4hlt. Welche Polizisten sind echt, welche Version ist echt? Aufgrund des Umstandes, da\u00df beide Versionen in entscheidenden Punkten signifikant voneinander abweichen, sind nuancierte Wahrnehmungsunterschiede auszuschlie\u00dfen. Liegt zwischen der ersten und zweiten Version kein gest\u00f6rtes Erinnerungsverm\u00f6gen, sondern eine neue Aktenlage, die mit einem neuen Tathergang in Einklang gebracht werden sollte?<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Inszenierter Selbstmord<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Abgesehen von den deutlich voneinander abweichenden Tatherg\u00e4ngen wird als Motiv der schwer bewaffneten Neonazis ihre \u00bbaussichtslose Lage\u00ab angef\u00fchrt. Was war daran aussichtslos? Wenn irgend jemand \u00fcber 13 Jahre hinweg im \u00bbUntergrund\u00ab sicher war, dann war es der \u00bbNationalsozialistische Untergrund\u00ab! Was war an dieser staatlich lizenzierten Erfolgsstory aussichtslos? Warum sollten oder konnten die Neonazis nicht auch dieses Mal auf Hilfe \u00bbvon oben\u00ab setzen? Warum sollte eine klemmende Schu\u00dfwaffe der Grund sein, sich selbst zu erschie\u00dfen, anstatt die anderen Waffen zu benutzen, von denen sich zahlreiche im Campingwagen befanden?<\/strong><br \/>\n<strong> Und wenn die Lage am 4. November 2011 f\u00fcr B\u00f6hnhardt und Mundlos ausnahmsweise aussichtslos war: Warum bringen sich Neonazis um, verbrennen gleichzeitig sich und den Campingwagen? Wer hat Beate Zsch\u00e4pe informiert, die wenig sp\u00e4ter auch ihre gemeinsame Wohnung in Brand setzte? Welchen Grund sollte sie gehabt haben, sich den Beh\u00f6rden zu stellen, wo sie vier Tage Zeit hatte, sich in Sicherheit zu bringen?<\/strong><br \/>\n<strong> Das In-Brand-Setzen des Wohnmobils, das Abbrennen des Basislagers\/Hauses in Zwickau macht nur Sinn, wenn jemand nicht an den Tod denkt, sondern an die Zeit danach. An Spuren, die \u00fcber die Toten hinausweisen k\u00f6nnten. Menschen, die sich in aussichtsloser Lage umbringen, k\u00fcmmern sich nicht um verr\u00e4terische Spuren. Um die Beseitigung belastender Spuren sorgen sich in aller Regel Lebende!<\/strong><br \/>\n<strong> Der Brand des Hauses in Zwickau, das In-Brand-Stecken des Wohnwagens, in dem sie sich umgebracht haben sollen, l\u00e4\u00dft andere Motive viel plausibler erscheinen. Wurde hier etwa ein Selbstmord inszeniert, der vor allem der Beseitigung von Spuren diente, an die Aussichtslose keine Sekunde denken w\u00fcrden? Warum wird nicht der M\u00f6glichkeit nachgegangen, da\u00df sich die beiden NSU-Mitglieder nicht freiwillig das Leben nahmen? (\u2026)<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Zsch\u00e4pe vier Tage allein?<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Wenn man Mord ebenfalls f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, dann d\u00fcrfte die Nachricht vom Tod der beiden \u00bbKameraden\u00ab f\u00fcr Beate Zsch\u00e4pe ein Schock gewesen sein. Sie mu\u00dfte um ihr Leben f\u00fcrchten. Um zu verhindern, da\u00df ihr \u00c4hnliches geschieht, tat sie etwas scheinbar Irrsinniges. Sie packte die NSU-Videos ein und verschickte sie an Adressen, wo sie sicher sein konnte, da\u00df damit die Existenz des NSU nicht mehr zu leugnen war. Was auf den ersten Blick wie eine Selbstanzeige wirkt, war f\u00fcr sie in ihrer Situa\u00adtion eine Art Lebensversicherung.<\/strong><br \/>\n<strong> Der Berliner Kurier vom 29. Mai 2012 rekonstruiert die Ereignisse, kurz nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt wie folgt: \u00bbEtwas mehr als eine Stunde, nachdem sie ihre Wohnung in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 in die Luft jagte, versuchte jemand, Zsch\u00e4pe anzurufen. Das Pikante: Die anrufende Nummer ist im S\u00e4chsischen Staatsministerium des Inneren registriert. Wer aus der Beh\u00f6rde in Dresden wollte Zsch\u00e4pe sprechen \u2013 und vor allem warum?\u00ab Das s\u00e4chsische Innenministerium reagierte auf diese Indiskretion hektisch: Man habe nach dem Brand nach der Person gesucht, die die Wohnung angemeldet habe, um die Wohnungseigent\u00fcmerin \u00fcber die Ereignisse zu informieren. Es h\u00e4tte sich bei den Anrufen also um ganz normale Ermittlungst\u00e4tigkeiten von Polizeidienststellen gehandelt, die mit der Brandaufkl\u00e4rung zu tun hatten. Warum waren dann aber die Diensthandys nicht mehr erreichbar, nachdem die Handynummern in die \u00d6ffentlichkeit gelangten und Journalisten versuchten, diese Version zu \u00fcberpr\u00fcfen? Woher hatte die Polizeidienststelle die Handynummer von Beate Zsch\u00e4pe, die mit Sicherheit ein Handy benutzt hatte, das weder auf ihren Namen noch auf den Namen der Wohnungsanmieterin registriert war? Fakt ist jedenfalls, da\u00df auch V-Leute von den jeweiligen Dienststellen Handys bekommen, um sie so auch an der elektronischen Leine f\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/strong><br \/>\n<strong> Doch es gibt noch einen anderen Beleg daf\u00fcr, da\u00df die Verfolgungsbeh\u00f6rden auf dem laufenden blieben, was Beate Zsch\u00e4pes Flucht anbelangt. Am 4. November 2011, kurz nach dem In-Brand-Setzen der Wohnung in Zwickau, wurde sie nicht nur von einer \u00bbPolizeidienststelle\u00ab angerufen. Sie hatte auch telefonischen Kontakt mit Andr\u00e9 E. Um 15.29 Uhr sprachen sie eine Minute und 27 Sekunden miteinander, dann tippte Andr\u00e9 E. eine SMS an seine Frau Susann. Andr\u00e9 E. z\u00e4hlt zu den f\u00fchrenden Neonazikadern, eine Schl\u00fcsselfigur in der s\u00e4chsischen Neonaziszene. Er ist Mitbegr\u00fcnder der \u00bbWei\u00dfen Bruderschaft Erzgebirge\u00ab. Seine Ehefrau Susann E. stand ihrem Mann an neonazistischer Tatkraft in nichts nach. Andr\u00e9 E. war der Polizei und den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden seit Langem bekannt.<\/strong><br \/>\n<strong> Aus einem Schreiben des s\u00e4chsischen Verfassungsschutzes geht hervor, da\u00df die Beh\u00f6rde im M\u00e4rz 2003 ein \u00bbInformationsgespr\u00e4ch\u00ab mit \u00adAndr\u00e9 E. gef\u00fchrt habe, was nur m\u00fchsam umschreibt, da\u00df er als V-Mann angeworben werden sollte. Angeblich habe er abgelehnt, da er keinen Kontakt mehr zu neonazistischen Szene habe. Das wu\u00dften die Anwerber besser: Noch im November 2006 gingen Verfassungsschutz\u00e4mter davon aus, da\u00df er eine \u00bbherausgehobene Posi\u00adtion\u00ab (Spiegel online vom 10.12.2012) innehabe. Stand der Ermittlungen ist, da\u00df das Ehepaar E. dem NSU sowohl im Untergrund als auch bei Anschl\u00e4gen geholfen hat. So besorgte Andr\u00e9 E. im Mai 2009 f\u00fcr Uwe B\u00f6hnhardt und Beate Zsch\u00e4pe Bahncards, welche auf seinen und den Namen seiner Frau ausgestellt waren. Jenseits der Frage, ob die fehlgeschlagene Anwerbung des Neonazis Andr\u00e9 E. eine Legende ist, kann man festhalten, da\u00df ihre \u00dcberwachung direkt zu den Mitgliedern des NSU gef\u00fchrt hatte\/h\u00e4tte. <\/strong><br \/>\n<strong>Wie eng, wie vertrauensvoll der Kontakt zwischen den NSU-Mitgliedern und Andr\u00e9 E. war, beweist auch das Telefonat, das Beate Zsch\u00e4pe kurz nach dem Tod von Mundlos und B\u00f6hnhardt gef\u00fchrt hat.<\/strong><br \/>\n<strong> Auf welche Weise also die Verfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcber Andr\u00e9 E. an den NSU angeschlossen waren, k\u00f6nnte zweifelsfrei die Auswertung des Handys ergeben, das bei seiner Festnahme am 24. November 2011 beschlagnahmt worden ist. Das Handy wurde zur Auswertung ans BKA geschickt. Obwohl der interne Speicher gel\u00f6scht war, konnte das BKA die gel\u00f6schten Datens\u00e4tze wiederherstellen. Doch nun passierte das, was schon in vielen F\u00e4llen zuvor der Fall war: Die Rekonstruktion weist auff\u00e4llige L\u00fccken auf, die man technisch am allerwenigsten erkl\u00e4ren kann: \u00bbSo tauchen etwa Telefonverbindungen erst ab dem Datum 8. November 2011 wieder auf; bei den SMS reicht die L\u00fccke vom 6. November bis zum 14. November 2011\u00ab (FR vom 28.1.2013).<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Handydaten gel\u00f6scht<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Um ganz sicher zu gehen, da\u00df nichts gefunden wird, was nicht gefunden werden soll, wies das BKA die zust\u00e4ndige Bundespolizeidienststelle an, die Sicherungskopie zu l\u00f6schen. Kein Versehen, sondern eine Anweisung, gegen die \u00fcblichen Dienstvorschriften zu versto\u00dfen: \u00bbDiese Anweisung habe der \u00fcblichen Vorgehensweisen widersprochen, wie der Bundespolizeidirektor Heinz-Dieter Meier in seiner Vernehmung (\u2026) sagte (\u2026): \u203aWenn Handys ausgewertet werden, sieht das Standardverfahren vor, da\u00df die Daten archiviert werden\u2039, sagte Meier laut Aussageprotokoll vom 23. Februar 2012\u00ab (ebd.). F\u00fcr den Vorsatz der Verschleierung statt Aufkl\u00e4rung hat der Bundespolizeidirektor eine professionelle Erkl\u00e4rung: \u00bbEr deutete an, da\u00df das BKA mit seinem Vorgehen m\u00f6glicherweise einen Informanten decken wollte, auf den E.\u2019s Handydaten hinweisen k\u00f6nnten\u00ab (ebd.).<\/strong><br \/>\n<strong> Markant an den L\u00fccken ist, da\u00df sie einen ganz wichtigen Zeitraum umfassen: Von Beate Zsch\u00e4pes Flucht bis zu dem Tag, als sie sich den Beh\u00f6rden gestellt hatte! Warum soll unter allen Umst\u00e4nden alles vernichtet werden, was die Zeit zwischen dem 4. und 8. November 2011 aufhellen k\u00f6nnte? Geht man also von der offiziellen Ver\u00adsion aus, die Verfolgungsbeh\u00f6rden h\u00e4tten keinen Kontakt zu den NSU-Mitgliedern gehabt, dann sind vier Tage sehr viel Zeit, um abzutauchen. Warum hat Beate Zsch\u00e4pe diese Zeit nicht dazu genutzt? Warum hat sie die zahlreichen Verbindungen ins Ausland nicht verwendet, um sich abzusetzen? Warum f\u00fchlte sich Beate Zsch\u00e4pe ab dem 4. November 2011 nicht mehr sicher, wo sie doch die Erfahrung gemacht hatte, da\u00df man in Deutschland selbst nach neun rassistisch motivierten Morden \u00bbsicher\u00ab in Zwickau wohnen konnte?<\/strong><br \/>\n<strong> Zweifellos k\u00f6nnten die Telefondaten, die Verbindungsdaten von Andr\u00e9 E. eine Antwort darauf geben. W\u00fcrden sie belegen, da\u00df die Verfolgungsbeh\u00f6rden keine Spur zu Beate Zsch\u00e4pe hatten, w\u00e4ren sie heute noch existent. Da\u00df sie gel\u00f6scht wurden, da\u00df man die Sicherungskopie ebenfalls beseitigte, berechtigt zu der Annahme, da\u00df alles stimmt \u2013 nur nicht die offizielle Version.<\/strong><br \/>\n<strong> Die Vernichtung der Handydaten, die Anweisung des BKA, auch die Sicherungskopie verschwinden zu lassen, kann man als gr\u00fcndliche Arbeit verstehen \u2013 fast. Wenn es welchen Aufkl\u00e4rern auch immer wirklich um Aufkl\u00e4rung und nicht um koordinierte Vertuschung ginge, w\u00e4re dieser Fall von Vernichtung von Beweismitteln nicht das Ende gewesen: Denn die Verbindungsdaten werden nicht nur auf dem Handy gespeichert, sondern auch beim Pro\u00advider! Wenn es wirklich um Aufkl\u00e4rung ginge, w\u00e4re der n\u00e4chste Schritt ein ganz einfacher gewesen: Man h\u00e4tte alle notwendigen Daten beim Provider abrufen k\u00f6nnen: Im September 2011 l\u00f6ste die Berliner Zeitung einigen Wirbel aus, nachdem sie ver\u00f6ffentlicht hatte, da\u00df \u00bbgro\u00dfe Anbieter wie T-Mobile, Vodafone und E-Plus (\u2026) mindestens einen, \u00admaximal sechs Monate lang (speichern), welcher Mobilfunkkunde wann aus welcher Funkzelle wie lange mit wem telefoniert hat\u00ab (6.9.2011).<\/strong><br \/>\n<strong> Was Datensch\u00fctzer als klaren Versto\u00df kritisierten, verstanden alle Anbieter als \u00bbeine seit langem g\u00e4ngige Praxis\u00ab, an der sie auch nichts \u00e4ndern wollten. Es gab also noch genug Zeit, an die Verbindungsdaten zu kommen! <\/strong><br \/>\n<strong>Warum wurde dieser Schritt nicht unternommen? <\/strong><br \/>\n<strong>Warum beteiligen sich auch \u00bbAufkl\u00e4rer\u00ab an der Vertuschung? <\/strong><br \/>\n<strong>Wurde Beate Zsch\u00e4pe \u00fcber \u00adAndr\u00e9 E. signalisiert, da\u00df sie keine Chance habe zu fliehen? <\/strong><br \/>\n<strong>Welche Kontakte zur Polizei, zu Verfassungsschutzbeh\u00f6rden hatte Andr\u00e9 E., um einen Deal einzuf\u00e4deln? <\/strong><br \/>\n<strong>Wer von h\u00f6chster Stelle die Beseitigung von Beweismitteln anordnet, die auf diese Fragen Auskunft geben k\u00f6nnten, r\u00e4umt diese M\u00f6glichkeit nicht aus, sondern l\u00e4\u00dft sie als wahrscheinlich erscheinen. F\u00fcr Beate Zsch\u00e4pe ging es darum, ihr Leben zu retten, f\u00fcr die involvierten Verfassungsschutz\u00e4mter ging es darum, mit ihr einen Deal zu machen, der ihre \u00bbGew\u00e4hrungsleistungen\u00ab bzw. \u00bbF\u00fchrungsrolle\u00ab vertuscht. Nachdem dieser Deal unter Dach und Fach war, stellte sich Beate Zsch\u00e4pe \u00bbfreiwillig\u00ab.<\/strong><br \/>\n<strong> Da\u00df dieser oder ein anderer Ablauf der Ereignisse \u2013 noch \u2013 nicht bewiesen werden kann, liegt nicht an den Kritikern, sondern an jenen, die seit 2011 vor allem mit einem besch\u00e4ftigt sind: mit der Vernichtung von Beweisen, die der offiziellen Version den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegziehen w\u00fcrde.<\/strong><br \/>\n<strong> Wolf Wetzel: <em>Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund \u2013 wo h\u00f6rt der Staat auf?,<\/em> Unrast Verlag, M\u00fcnster, 2. Auflage, 180 Seiten, 14 Euro \u2013 auch im jW-Shop erh\u00e4ltlich<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/04-17\/007.php\" target=\"_blank\"><strong>http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/04-17\/007.php<\/strong><\/a><br \/>\n<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Views: 233<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Selbstmord aus \u203afremder\u2039 Hand \u2013 Das gestellte Ende des Nationalsozialistischen Untergrundes\/NSU Auf den ersten Blick scheint es wenig gute Gr\u00fcnde zu geben, sich mit der offiziellen Version auseinanderzusetzen, dass die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[8,15,33,34,36,41],"tags":[166,167,379,438,629,762,1785,2545,2546],"class_list":["post-4829","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antifaschismus","category-der-nsu-vs-komplex-2013-2015","category-neonazismus","category-politik","category-rassismus","category-verfassungs-bruch-schutz","tag-andre-e","tag-andre-emminger","tag-beate-zschape","tag-bka","tag-der-nsu-vs-komplex-wo-beginnt-der-nationalsozialistische-untergrund-wo-hort-der-staat-auf","tag-eisenach-4-11-2011","tag-nsu","tag-uwe-bohnhardt","tag-uwe-mundlos"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4829"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4829\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}