{"id":3441,"date":"2012-07-23T20:34:58","date_gmt":"2012-07-23T18:34:58","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=3441"},"modified":"2012-07-23T20:34:58","modified_gmt":"2012-07-23T18:34:58","slug":"der-nationalsozialistische-untergrundnsu-ein-aquarium-der-geheimdienste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2012\/07\/23\/der-nationalsozialistische-untergrundnsu-ein-aquarium-der-geheimdienste\/","title":{"rendered":"Der Nationalsozialistische Untergrund\/NSU &#8211; ein Aquarium der Geheimdienste"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hartn\u00e4ckig wird die Legende aufrechterhalten, dass die im Jahr 1998 abgetauchten Neonazis \u203aspurlos\u2039 verschwunden seien und man seitdem keine \u201chei\u00dfe Spur\u201d gehabt h\u00e4tte.<\/strong><br \/>\n<strong> Das widerspricht allen Fakten, die bislang an die \u00d6ffentlichkeit gelangt sind.<\/strong><br \/>\n<strong> Fasst man die auszugsweise gew\u00e4hrten Einblick in das Leben derer, die \u00bbspurlos\u00ab verschwunden sind, zu denen \u00fcber 13 Jahre keine \u00bbhei\u00dfe Spur\u00ab gef\u00fchrt haben soll, zusammen, l\u00e4sst sich eines sicher sagen: In der Geschichte des \u203aUntergrundes\u2039 gibt es nicht viele Gruppen, deren Untergrund so transparent war, wie der des NSU. Es war ein Aquarium, in dem die NSU-Mitglieder wie Goldfische gehalten wurden.<\/strong><br \/>\n<strong> Der Verfassungsschutz tappte nicht im Dunklen \u2013 er sa\u00df quasi am K\u00fcchentisch des NSU.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Kurz bevor die ehemaligen Mitglieder des Th\u00fcringer Heimatschutzes\/THS abtauchten, wurden bei Durchsuchungen von Garagen in Jena am 26. Januar 1998 \u00fcber 1,4 Kilo Sprengstoff und Rohrbomben beschlagnahmt. Die sp\u00e4teren Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrundes\/NSU konnten in aller Seeelenruhe fliehen \u2013 auch dank der Warnung eines Polizisten.<\/strong><br \/>\n<strong> Vierzehn Jahre sp\u00e4ter erfahren wir, dass das bei weitem nicht alles war: Es wurde auch eine Namensliste gefunden, \u00bbein \u203a<em>Who is Who<\/em>\u2039 der mutma\u00dflichen Unterst\u00fctzer des rechtsextremen Terrortrios \u203aNationalsozialistischer Untergrund\u2039 (NSU) \u2026 Vielfach handelt es sich um Personen, die heute beschuldigt werden, Hilfsdienste f\u00fcr Uwe B\u00f6hnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zsch\u00e4pe geleistet zu haben.<\/strong><br \/>\n<strong> So ist der Name von <em>Rolf Wohlleben<\/em> handschriftlich in das Verzeichnis gekritzelt \u2013 der einstige NPD-Funktion\u00e4r aus Jena sitzt derzeit in Untersuchungshaft, weil er verd\u00e4chtigt wird, eine Schusswaffe f\u00fcr das Terror-Trio besorgt zu haben.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/nsu-aufklaerung-hinweise-im-karton-1.1411155\">SZ vom 13.7.2012<\/a>).<\/strong><br \/>\n<strong> Auf dieser Telefon-Adressenliste stand auch Thomas Starke, damals einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der s\u00e4chsischen \u203aBlood &amp; Honour\u2039-Sektion. Weiterhin befindet sich darauf <em>Matthias Fischer<\/em>, heute Anf\u00fchrer des militanten bayrischen Kameradschafts-Verbandes \u203aFreies Netz S\u00fcd\u2039. Fischer kommt aus N\u00fcrnberg. Zwischen 2000 \u2013 der erste Mord \u2013 und 2005 wird der NSU hier drei Migranten regelrecht hinrichten.<\/strong><br \/>\n<strong> Interessant ist noch ein weiterer Name auf der Liste: <em>Thomas Richter<\/em>aus Halle, damals ebenfalls im \u203aBlood &amp; Honour\u2039-Spektrum aktiv.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Fund einer solchen Namensliste ist keine belanglose Nebens\u00e4chlichkeit, sondern der Traum eines jeden Ermittlers: Mithilfe dieser Liste ist es ein Kinderspiel, \u00fcber das neonazistische Umfeld direkt an die NSU-Mitglieder heranzukommen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Und was sagen die Ermittler dazu?\u00a0&#8222;&#8230; <em>der Kriminalkommissar, der Anfang 1998 die Liste inspizierte, meinte, die Namen seien &#8217;nicht von Relevanz&#8216;. So landete der Papp-Karton in der Asservatenkammer des LKA.<\/em>&#8220; (SZ vom 12.7.2012, Hinweise im Karton)<\/strong><\/p>\n<p><strong> Diese Version ist vorget\u00e4uscht d\u00e4mlich. Jede Antifa-Gruppe in dieser Gegend h\u00e4tte in f\u00fcnf Minuten sagen k\u00f6nnen, dass es sich um wichtige Figuren im neonazistischen Netzwerk handelt. Abgesehen davon standen fast alle Neonazis auf dieser Liste in irgendeiner Datei der Polizei und\/oder des Verfassungsschutzes.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Version der Ermittler hat einen ganz anderen Grund:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Man will heute verschweigen, vertuschen und ggf. vernichten, was belegen hilft, dass die Verfolgungsbeh\u00f6rden den Kontakt zu den abgetauchten NSU-Mitgliedern nie verloren hatten!<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Tats\u00e4chlich hatten die Ermittler auch mithilfe dieser Telefon- und Adressenliste, (die man aus gutem Grund nicht in der Wohnung aufbewahrte) traumhafte Bedingungen, um das Abtauchen der NSU-Mitglieder zu begleiten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aus einem Bericht, den der Th\u00fcringer Verfassungsschutz im November 2011 (<a href=\"https:\/\/nsuleaks.wordpress.com\/2012\/07\/13\/erkenntnisse-lfv-thuringen-30-11-2011\/#more-88\">Az. 293-S-400 062-000110\/11 VS-NfD<\/a>) erstellt hatte, geht eindrucksvoll hervor, dass alleine dieser Landesverfassungsschutz \u00fcber zahlreiche Helfer des NSU aufs Beste \u00fcber die n\u00e4chsten Schritte dieser neonazistischen Terrorgruppe im Bilde war. In diesem Erkenntnisstandbericht werden verschiedene Protokolle von Telefon\u00fcberwachungen, Observationen, V-Mann-F\u00fchrern und anderen Quellen (\u00bbHinweisgebern\u00ab) aufgef\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle markanten Umst\u00e4nde, die angeblich erst 2011\/2012 in ihrer Brisanz verstanden wurden, waren bereits 1998\/99 bekannt.<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Bereits 1998 entschlossen sich die NSU-Mitglieder, einen Caravan anzumieten: \u00bbEs sei bekannt gewesen, dass die B\u00d6HNISCH in Berlin-Adlershof, Waldstra\u00dfe 21, einen Wohnmobil-Verleih (ca. f\u00fcnf Wohnmobile) betreibe. Da sich KAPKE zu dieser Zeit nicht mehr f\u00fcr Adressen im Ausland interessiert habe, sei davon auszugehen, dass den drei Fl\u00fcchtigen m\u00f6glicherweise ein Wohnmobil zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollte oder wurde.\u00ab (Hinweis vom 20.02.1998)<\/strong><\/li>\n<li><strong>Wesentliche Unterst\u00fctzer des NSU waren seit 1998 bekannt. So wurden u.a. Ralf WOHLLEBEN und J\u00fcrgen HELBIG mittels einer G-10-Ma\u00dfnahme (damit werden alle \u201cnachrichtendienstliche Ma\u00dfnahmen\u201d legalisiert) \u00fcberwacht: <em>\u00bbIn dem Begr\u00fcndungsvermerk f\u00fcr eine gegen Ralf WOHLLEBEN und J\u00fcrgen HELBIG gerichtete G10-Ma\u00dfnahme wird u.a. festgehalten, \u201edass ein bestimmter Personenkreis um den Neonazi Andre KAPKE aus Jena unmittelbare Verbindungen zu den drei Gesuchten hat.\u00ab<\/em> (Vermerk zu G10 \u2013 Ma\u00dfnahmen vom 11.08.1998, Verfasser: TLfV)<\/strong><\/li>\n<li><strong>Chemnitz als Standort, wo sich die NSU-Mitglieder im Untergrund aufhalten, war ebenfalls seit 1998 bekannt: \u00bbDie Gesuchten sollen sich in Sachsen in der N\u00e4he von Chemnitz aufhalten. Es sei eine Ausreise nach S\u00fcdafrika geplant. Der Unterkunftsgeber sei bekannt\u2026\u00ab (Erkenntnismitteilung vom 17.09.1998, Verfasser LfV Brandenburg)<\/strong><\/li>\n<li><strong>Ein f\u00fcr den Verfassungsschutz arbeitender \u00bbHinweisgeber\u00ab hatte direkten Telefonkontakt zu Uwe B\u00f6hnhardt. Man vereinbarte f\u00fcr einen bestimmten Zeitpunkt ein Telefongespr\u00e4ch von jeweils anrufbaren Telefonzellen in Chemnitz und Coburg. Da der Standort der Telefonzelle in Chemnitz, von wo aus Uwe B\u00f6hnhardt telefonieren wollte, bekannt war, w\u00e4re eine Festnahme m\u00f6glich gewesen. Sie blieb aus: \u00bbAm 22.02.1999, gegen 19:00 Uhr, wurde von einem M\u00fcnzfernsprecher in Chemnitz, Bernsbachplatz 2 (0371-6946258), eine der benannten Telefonzellen in Coburg angerufen, ohne dass der Kontakt zum Hinweisgeber zustande kam \u2026 Nach mehreren Fehlanl\u00e4ufen sei der telefonische Kontakt schlie\u00dflich am 08.03.1999 zustande gekommen. Der Hinweisgeber will die Gespr\u00e4chsperson am anderen Ende der Leitung zweifelsfrei als den fl\u00fcchtigen Uwe B\u00d6HNHARDT erkannt haben. B\u00d6HNHARDT soll u. a. nach einem neuen Quartier f\u00fcr die drei Gesuchten gefragt haben.\u00ab (Hinweis vom 22.03.1999)<\/strong><\/li>\n<li><strong>Auch \u00fcber die Tatsache, dass sich die \u203aAbgetauchten\u2039 bewaffnen wollen, wusste der Verfassungsschutz seit ihrem \u203aVerschwinden\u2039: \u00bbDas LfV Brandenburg \u00fcberstellte Erkenntnisse zu einem B&amp;H-Konzert der Sektion S\u00fcdbrandenburg am 05.09.1998 in Hirschfeld bei Lauchhammer. Daran nahmen u a Thomas STARKE und Jan WERNER teil. Zu den \u203adrei s\u00e4chsischen Skinheads\u2039 habe Jan WERNER pers\u00f6nlichen Kontakt. WERNER soll damals den Auftrag gehabt haben, \u203adie drei Skinheads mit Waffen zu versorgen\u2039. Gelder hierf\u00fcr soll die B&amp;H-Sektion Sachsen bereitgestellt haben. Die Gelder stammen aus Einnahmen aus Konzerten und dem CD-Verkauf. Nach der Entgegennahme der Waffen \u2013 noch vor der beabsichtigten Flucht nach S\u00fcdafrika \u2013 soll das Trio einen weiteren \u00dcberfall planen, um mit dem Geld sofort Deutschland verlassen zu k\u00f6nnen. Der weiblichen Person des Trios wolle Antje PROBST ihren Pass zur Verf\u00fcgung stellen.\u00ab (Meldung an TLfV und LfV SN vom 11.09.1998)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Die hier ausgewerteten Fakten sind einem Erkenntnisstandbericht des Th\u00fcringer Verfassungsschutzes vom 30.11.2011 entnommen, den NSULeaks der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht und der nun f\u00fcr alle \u00fcberpr\u00fcfbar ist: <a title=\"NSULeaks\" href=\"https:\/\/nsuleaks.wordpress.com\/2012\/07\/13\/erkenntnisse-lfv-thuringen-30-11-2011\/#more-88\" target=\"_blank\">https:\/\/nsuleaks.wordpress.com\/2012\/07\/13\/erkenntnisse-lfv-thuringen-30-11-2011\/#more-88<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Fasst man diesen auszugsweise gew\u00e4hrten Einblick in das Leben derer, die \u00bbspurlos\u00ab verschwunden sind, zu denen \u00fcber 13 Jahre keine \u00bbhei\u00dfe Spur\u00ab gef\u00fchrt haben soll, zusammen, l\u00e4sst sich eines sicher sagen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>In der Geschichte des \u203aUntergrundes\u2039 gibt es nicht viele Gruppen, deren Untergrund so transparent war, wie der des NSU. Es war ein Aquarium, in dem die NSU-Mitglieder wie Goldfische gehalten wurden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Verfassungsschutz tappte nicht im Dunklen \u2013 er sa\u00df quasi am K\u00fcchentisch des NSU.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolf Wetzel<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diesen Text findet sich auch auf den NachDenkSeiten, die kritische Website: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13948\" target=\"_blank\"><em>Der Untergrund des NSU war ein Aquarium der Geheimdienste<\/em><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Die st\u00e4ndig aktualisierte Recherche zu den NSU-Morden findet sich hier: <a href=\"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2012\/06\/29\/thesen-zur-neonazistischen-mordserie-des-nationalsozialistischen-untergrundes-nsu\/\" target=\"_blank\">http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2012\/06\/29\/thesen-zur-neonazistischen-mordserie-des-nationalsozialistischen-untergrundes-nsu\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/de5e915464904943855dad03422b850d\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>Views: 292<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hartn\u00e4ckig wird die Legende aufrechterhalten, dass die im Jahr 1998 abgetauchten Neonazis \u203aspurlos\u2039 verschwunden seien und man seitdem keine \u201chei\u00dfe Spur\u201d gehabt h\u00e4tte. 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