{"id":2341,"date":"2010-09-11T12:20:17","date_gmt":"2010-09-11T10:20:17","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=2341"},"modified":"2010-09-11T12:20:17","modified_gmt":"2010-09-11T10:20:17","slug":"11-9-2010-skizze-einer-notwendigen-und-bisher-nicht-gefuhrten-offentlichen-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2010\/09\/11\/11-9-2010-skizze-einer-notwendigen-und-bisher-nicht-gefuhrten-offentlichen-debatte\/","title":{"rendered":"Skizze einer notwendigen und bisher nicht gef\u00fchrten (\u00f6ffentlichen) Debatte"},"content":{"rendered":"<h1><span style=\"color:#ff0000;\">Wer verk\u00fcrzt was und wen?<\/span><\/h1>\n<p>Es ist kein Geheimnis, dass der Aktionsaufruf der AG Georg B\u00fcchner, als <em>eine <\/em>Antwort auf die gegenw\u00e4rtige Finanz- und Wirtschaftskrise f\u00fcr einen Tag das ruin\u00f6se Gesch\u00e4ft von Banken in Frankfurt zu blockieren, auf Bedenken, Fragen und Widerspruch gesto\u00dfen ist. Die gr\u00f6\u00dften und zugleich heftigsten Widerspr\u00fcche und Vorw\u00fcrfe kamen aus dem Kreis des \u203asozialrevolution\u00e4ren B\u00fcndnisses\u2039 in dem sich u.a. verschiedenen Antifa-Gruppen, die FAU und \u00d6koLinks zusammengeschlossen haben. Lange blieb diese Kritik kaum greifbar, da sie meist pers\u00f6nlich zugetragen und in sehr unterschiedlichen Nuancen formuliert wurde.<\/p>\n<p>Die Vorw\u00fcrfe sind alles andere als l\u00e4ppisch. Sie ber\u00fchren Kernbereiche eines linken Selbstverst\u00e4ndnisses. Die Kritik reicht von verk\u00fcrzter Kapitalismuskritik, \u00fcber Personalisierungen, bis hin zum Verdacht, antisemitische Stereotype (\u203adie Spekulanten sind an allem schuld\u2039) zu bedienen und\/oder \u203aanschlussf\u00e4hig\u2039 an populistische Ausdeutungen (\u203adie gierigen Banker\u2039) zu sein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Angebot, diese zugetragenen Bedenken und Vorw\u00fcrfe gemeinsam zu diskutieren, wurde nicht wahrgenommen. Das war im Juni 2010. Ein Monat sp\u00e4ter machte sich ein Text aus diesem Spektrum die M\u00fche, die im Raum stehenden Vorw\u00fcrfe zu Papier zu bringen und \u00f6ffentlich zu machen: \u203aGut gemeint \u2013 schlecht gemacht\u2039 (<a href=\"http:\/\/vega.blogsport.de\/2010\/07\/05\/wetzel-und-buechner-gut-gemeint-aber-nicht-gut-gemacht\">http:\/\/vega.blogsport.de\/2010\/07\/05\/wetzel-und-buechner-gut-gemeint-aber-nicht-gut-gemacht<\/a>). Leider blieb eine direkte Antwort auf die darin erhobenen Vorw\u00fcrfe ohne jede Reaktion.<\/p>\n<p>Mit der Absicht, diese notwendige Debatte \u00f6ffentlich und f\u00fcr alle nachvollziehbar zu machen. entschloss sich der Koordinierungskreis AG Georg B\u00fcchner auf der Homepage eine Debattenseite einzurichten.<\/p>\n<p>Als Einstieg wurde das Positionspapier <a href=\"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2010\/08\/14\/14-8-2010-uber-die-machtigkeiten-von-banken\/\" target=\"_blank\">\u203aDie M\u00e4chtigkeit von Banken \u2026 im Kapitalismus und im Antisemitismus\u2039 <\/a>vorgestellt, das auch auf die zahlreichen Bedenken und Kritiken dieses Positionspapiers einging.<\/p>\n<p>Im August folgte schlie\u00dflich ein Diskussionspapier der Antifa KO (Kreis Offenbach), das im Folgenden dokumentiert wird:<\/p>\n<h3>Die Ursache der Krise l\u00e4sst sich nicht blockieren!<\/h3>\n<p>\u00bbWas ist das, was in uns l\u00fcgt, mordet, stiehlt?\u00ab (Georg B\u00fcchner)<\/p>\n<p>\u00bbDie Verursacher und Profiteure der Krise blockieren!\u00ab [1] \u2013 so lautete das offizielle Motto der f\u00fcr den 18. Oktober 2010 angedachten Blockade \u00bbzentrale[r] Institutionen des Finanzsektors\u00ab in Frankfurt am Main. Mit der Aktion soll gegen das von der Bundesregierung verabschiedete Sparpaket protestiert werden. \u00bbEs ist h\u00f6chste Zeit, dass sich der Wind dreht, damit das Feuer nicht l\u00e4nger die H\u00fctten niederbrennt, sondern die Pal\u00e4ste der Brandleger heimsucht.\u00ab Dieser Satz aus dem Aufruf der \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab fasst dessen Hauptaussage und die Intention der Bankenblockade relativ pr\u00e4gnant zusammen: Den Verfassern des Aufrufs gehe es bei der Aktion darum, der von vielen Menschen empfundenen Wut \u00bbeine Richtung, einen Ort, eine Chance zu geben\u00ab. Da die im \u00f6ffentlichen Diskurs h\u00e4ufig rezipierte \u00bbsoziale Schieflage\u00ab dieses Sparpakets un\u00fcbersehbar ist, k\u00f6nnte auf den ersten Blick angenommen werden, dass es sich bei dieser Idee um eine unterst\u00fctzenswerte Aktion handelt. Warum dem nicht so ist und weshalb die \u00bbsystemischen Banken\u00ab als auserw\u00e4hltes Feindbild zur Entladung dieser Wut eindeutig das falsche Ziel sind, wollen wir im vorliegenden Diskussionspapier beleuchten.<\/p>\n<p>Der erste Schock der Krise scheint \u00fcberwunden. Die von Medien und Politik konstatierte Gefahr \u00bbsozialer Unruhen\u00ab hat sich zumindest in der Bundesrepublik nicht bewahrheitet. Vielleicht auch deshalb, weil die Auswirkungen der Krise von der Bundesregierung relativ gut ged\u00e4mpft werden konnten und der totale Finanz-Crash unter anderem durch das milliardenschwere Rettungspaket f\u00fcr die Banken abgewendet werden konnte. Dass die Schuldenlast dieser Rettungsaktion durch Einsparungen beim Bundeshaushalt nun auf dem R\u00fccken der sozial Schw\u00e4chsten dieser Gesellschaft abgew\u00e4lzt wird, ist sicherlich Grund genug daf\u00fcr, Widerstand zu leisten. Deshalb ist es auch begr\u00fc\u00dfenswert, dass sich unz\u00e4hlige gesellschaftspolitische Gruppen zusammengefunden haben, um zu \u00fcberlegen, wie diesbez\u00fcglich ein \u00bbgemeinsames Startsignal\u00ab gesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Will dieser Widerstand allerdings ernst zu nehmen sein, muss er die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse grundlegend in Frage stellen \u2013 andernfalls verkommt er zur Farce: Die hilflose Forderung nach der \u00bbEinf\u00fchrung einer Finanztransaktionssteuer\u00ab und der verzweifelt anmutende Ruf nach der \u00bbBesteuerung aller Verm\u00f6gen \u00fcber 1 Million mit 5%\u00ab sind zwar als \u00bbWiderstand gegen die da oben\u00ab f\u00fcr die breite Masse leicht vermittelbar und deshalb gesellschaftlich anschlussf\u00e4hig, verkennen aber die Aufgabe und die Handlungsoptionen staatlicher Politik. Dadurch, dass der Staat um Hilfe angebettelt und dessen Gewaltmonopol und Aufgabe im Kapitalismus nicht grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt werden, besiegeln diese Forderungen die bestehenden Verh\u00e4ltnisse, gepr\u00e4gt von Konkurrenz, Ausbeutung, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen Reformen im eigenen Standort immer auf irgendeine Art und Weise finanziert werden und haben daher lediglich eine Verschiebung der urspr\u00fcnglichen Problematik zur Folge.<\/p>\n<p>Die aktuelle Wirtschaftskrise ist sicherlich nicht das Resultat eines im Aufruf angef\u00fchrten \u00bbFinanzkrieg[s]\u00ab; sie ist h\u00e4ufig ganz einfach die Krise kapitalistischer Akkumulation: Werden beispielsweise durch eine \u00dcberproduktion an Waren f\u00fcr eben diese keine K\u00e4ufer mehr gefunden, kann bereits von einer Krise gesprochen werden. Dass die Banken auch Kredite weiterverkauft haben, die nicht gedeckt waren, spricht nicht f\u00fcr Habgier, sondern ist lediglich Ausdruck der im kapitalistischen System vorherrschenden Profitlogik. Der Finanzsektor ist von der aktuellen Wirtschaftskrise genau so betroffen wie andere Kapitalisten auch \u2013 nicht mehr und nicht weniger. Durch den systemimmanenten Zwang zur Kapitalakkumulation sind immer wiederkehrende Krisen allerdings fester Bestandteil dieser Gesellschaftsordnung. Langfristige Verbesserungen f\u00fcr die Menschen sind deshalb nicht mit, sondern nur gegen den Staat zu bewerkstelligen.<\/p>\n<p>Die fokussierte Kritik an den Banken, der B\u00f6rse oder dem \u00bbFinanzsektor\u00ab ist nicht nur falsch, sondern auch gef\u00e4hrlich. Personifizierte Kritik an kapitalistischen Verwertungszw\u00e4ngen bietet immer Anschluss f\u00fcr strukturell antisemitische Deutungs- und Erkl\u00e4rungsmuster: Die Nazis der NSDAP unterschieden in ihrem selbst ernannten \u00bbAntikapitalismus\u00ab zwischen dem so genannten \u00bbraffenden Kapital\u00ab, welches mit den J\u00fcdinnen und Juden assoziiert und f\u00fcr alles \u00dcbel verantwortlich gemacht wurde, und dem so genannten \u00bbschaffenden Kapital\u00ab, welches sich angeblich in der \u00bbehrlichen, deutschen Arbeit\u00ab manifestiere. Und auch die heutigen Neonazis sind noch immer \u00e4u\u00dferst angetan von der Symbolik, die Protestaktionen in Frankfurt, der \u00bbStadt der Banken und der B\u00f6rse, der internationalen Hochfinanz und der Global Player\u00ab [2] mit sich bringen. Das alles bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass die \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab explizit antisemitische Propaganda betreibt \u2013 deren Kreation eines im Finanzsektor zu suchenden S\u00fcndenbocks f\u00fcr gesellschaftliche und \u00f6konomische Missst\u00e4nde \u00e4hnelt aber zumindest vom Wesen her deutlich antisemitischen Argumentationen. Diesem Problem wurde sich, nachdem die Kritik an dem Vorhaben der Bankenblockade immer lauter wurde, offenbar auch die \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab bewusst und stellte prompt einige kurze Texte in der eigens daf\u00fcr gegr\u00fcndeten Rubrik \u00bbDebatte\u00ab auf ihre Homepage. In den Beitr\u00e4gen zeigt die Aktionsgruppe zwar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die auch hier ge\u00e4u\u00dferten Bedenken, h\u00e4lt aber paradoxerweise dennoch an ihrem Plan fest.<\/p>\n<p>Die Aktionsgruppe erkl\u00e4rt in einem dieser Rechtfertigungsversuche, dass \u00bbBanken mit einem Gesch\u00e4ftsvolumen von nationalen Regierungen ein entscheidende Bedeutung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Wirtschaftskrise [\u2026] haben\u00ab. [3] Dies zu benennen habe nichts mit einer antisemitischen Weltanschauung zu tun, sondern stelle sich \u00bbzu aller erst der Wirklichkeit kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse\u00ab. [4] W\u00e4hrend sich angesichts des Rettungspakets f\u00fcr die Banken durchaus \u00fcber deren Rolle als die im Titel des Aktionsaufrufs benannten \u00bbProfiteure\u00ab der Krise streiten l\u00e4sst, reproduziert die Vorstellung, es g\u00e4be einen \u00bbVerursacher\u00ab, also einen im Finanzsektor verorteten Verantwortlichen oder Schuldigen der Krise, eben diese antisemitischen Klischees. Wieso die \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab nach der Feststellung, dass die \u00bbUnterscheidung in \u203agutes\u2039 und \u203ab\u00f6ses\u2039 Kapital [\u2026] im besten Fall dumm, im schlechtesten Fall antisemitisch\u00ab [5] sei, dennoch an ihrer verk\u00fcrzten Kritik am Kapitalismus und der Fokussierung auf den Finanzsektor festh\u00e4lt, anstatt eine radikale und alles umfassende Kritik am kapitalistischen Ausbeutungsverh\u00e4ltnis zu formulieren, bleibt wohl deren Geheimnis.<\/p>\n<p>Immerhin: Der abstruse \u00bbVerursacher\u00ab-Vorwurf wurde aufgrund von gro\u00dfen Diskrepanzen auch innerhalb des eigenen Unterst\u00fctzerkreises auf der am 21. August veranstalteten Aktionskonferenz, die im Studierendenhaus der Goethe-Uni stattfand, aus der \u00dcberschrift des Aufrufs (nicht aber von den Mobilisierungsplakaten) gestrichen. Der Titel lautet nun: \u00bbBeteiligt euch an den Blockaden zentraler AkteurInnen und ProfiteurInnen [\u2026] der Wirtschafts- und Finanzkrise am 18. Oktober in Frankfurt\/Main\u00ab. [6] Das klingt zwar auf den ersten Blick besser \u2013 an der von der Aktionsgruppe bewusst gew\u00e4hlten Symbolik der Aktion \u00e4ndert sich dadurch allerdings nichts.<\/p>\n<p>Es ist richtig, dass der praktische Aspekt einer derartigen Aktion des zivilen Ungehorsams durch die offensive und provokante Ausrichtung durchaus als positiv zu bewerten ist. Durch diese Aktionsform werden die staatlich vorgegebenen Spielregeln gebrochen und die Aktivisten_innen nehmen bewusst die Konfrontation mit der Polizei als staatliche Exekutive in Kauf \u2013 anders als bei den \u00bbWir zahlen nicht f\u00fcr eure Krise\u00ab Demonstrationen, welche bei vielen Beteiligten wohl eher ein Gef\u00fchl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit hervorriefen. Allerdings braucht es f\u00fcr progressive Aktionsformen, die soziale K\u00e4mpfe versch\u00e4rfen, nicht die Fokussierung auf den Finanzsektor. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass der Kapitalismus als Ganzes nat\u00fcrlich nicht blockiert werden kann. Doch selbst die symbolische Blockade eines Arbeitsamtes tr\u00e4fe die Problematik des Sparpakets und der Auswirkungen der Krise auf Lohnarbeiter_innen und Erwerbslose wesentlich besser. Die Blockade von Banken schlie\u00dft hingegen unreflektiert an den von Medien und \u00d6ffentlichkeit konstruierten bankenkritischen Diskurs an, der nur das Ziel verfolgt, die \u00bbMarktwirtschaft\u00ab, also den Kapitalismus im Normalbetrieb, der Kritik zu entziehen. Die Vorstellung von einem \u00bbneoliberalen Casino-Kapitalimus\u00ab ist b\u00fcrgerliche Ideologie und impliziert, dass der Kapitalismus sozial sein kann, sofern er nur \u00bban die Leine\u00ab genommen wird. Das Problem sind aber eben nicht die Banken \u2013 es ist das ganze System. Forderungen nach der Einf\u00fchrung einer Finanztransaktionssteuer, wie diese auch im ersten Aufruf der \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab auftauchen, sind das beste Beispiel f\u00fcr ein solches Verst\u00e4ndnis von Staat und Kapital.<\/p>\n<p>Alles in allem bleibt f\u00fcr uns noch die Frage nach der Strategie einer w\u00fcnschenswerten Versch\u00e4rfung des Widerstands: Wieso sollen die sozial Schwachen und die Verlierer der Krise mobilisiert werden, um sich \u00fcber vermeintliche oder tats\u00e4chliche Profiteure in irgendwelchen verglasten Wolkenkratzern zu emp\u00f6ren, anstatt sich kritisch mit den bestehenden Verh\u00e4ltnissen auseinanderzusetzen und einen Gesellschaftsentwurf anzufertigen, in dem alle profitieren?<\/p>\n<p>\u00bbIn Ordnung leben hei\u00dft hungern und geschunden werden.\u00ab (Georg B\u00fcchner)<\/p>\n<p>Staat &amp; Kapital den Kampf ansagen!<\/p>\n<p>antifa [ko]<\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n<p>[1] Alle kursiv gedruckten Stellen, sofern nicht anders gekennzeichnet, zitiert aus dem Aufruf \u00bbAufstand. Jetzt.\u00ab der \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab<br \/>\n[2] Aus dem Aufruf f\u00fcr eine \u00bbantikapitalistische\u00ab Neonazidemonstration am 07.07.2007 in Frankfurt am Main \u2013 infoportal24.org, 16.08.10<br \/>\n[3] \u00bbDer Finanzsektor \u2013 Verursacher und Profiteur der Krise?\u00ab, \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab \u2013 georg-buechner.org, 16.08.10<br \/>\n[4] ebd.<br \/>\n[5] \u00bbSpekulationen \u00fcber verk\u00fcrzte Kapitalismuskritik\u00ab, \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab \u2013 georg-buechner.org, 16.08.10<br \/>\n[6] \u00bbAufruf zur Bankenblockade am 18. Oktober\u00ab, \u00bbAktionsgruppe Georg B\u00fcchner\u00ab \u2013 georg-buechner.org, 22.08.10<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/antifako.blogsport.de\/2010\/08\/29\/diskussionspapier-zur-bankenblockade\/\">http:\/\/antifako.blogsport.de\/2010\/08\/29\/diskussionspapier-zur-bankenblockade\/<\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Wer verk\u00fcrzt wen?<\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Antworten auf das Diskussionspapier von Antifa KO (Kreis Offenbach):<\/span><\/h3>\n<p>\u00bbHallo Antifa-KO,<\/p>\n<p>wir haben eure Antwort auf unsere Kampagne erhalten. Was uns wundert, dass ihr \u00fcberhaupt nicht auf die Antworten eingeht, die wir in unserem Papier: \u203aDie M\u00e4chtigkeiten der Banken &#8230; im Kapitalismus und im Antisemitismus\u2039 auch auf der Debattenseite eingestellt haben. Wenn wir eine Debatte \u00fcber die tats\u00e4chlich problematischen Knackpunkte f\u00fchren wollen, dann sollten wir zumindest von den Positionen ausgehen, die euch bekannt sind.<\/p>\n<p>Niemand von uns hat gesagt, die Banken seien die (einzigen) Verursacher der kapitalistischen Krise. Wir lokalisieren lediglich innerhalb einer kapitalistischen Ordnung einen herausragenden, weil gegen\u00fcber anderen Kapitalien dominanten Sektor, was wir im Detail ausgef\u00fchrt haben. Wir haben uns nicht f\u00fcr den Finanzsektor entschieden, weil der besondern bl\u00f6d oder fies ist, sondern weil dort Milliarden-Verluste erwirtschaftet wurden, die erst verstaatlicht, nun sozialisiert werden. Es ist eben kein Stahlunternehmen, kein Autohersteller, es sind Gro\u00dfbanken zusammen gebrochen. Spielt das in euerer Kapitalismuskritik keine Rolle? Habt ihr nicht das schwummrige Gef\u00fchl, dass mit eurer Kritik, das kapitalistische Gesamtsystem sei dran schuld zeit- also bedeutungslos recht habt?<\/p>\n<p>Auch die Behauptung der \u203aPersonalisierung\u2039 kommt einem wie eine Katalogstrafe vor: Habt ihr nicht die zahlreichen Ausf\u00fchrungen dazu gelesen? Sind euch die Einlassungen der \u203aAngeklagten\u2039 \u00fcberhaupt wichtig &#8211; bei eurer Verurteilung? Was ist an unserer Kritik an systemischen Banken pers\u00f6nlich? Unz\u00e4hlige Mal haben wir erkl\u00e4rt, dass es v\u00f6llig egal ist, ob Josef Ackermann fies ist oder vielleicht sogar in den Knast kommt? Wollt ihr nicht die Bedeutung von systemischem Kapital verstehen, das eben nicht, wie ein Autohersteller pleite gehen kann?<\/p>\n<p>Besonders absurd wird der Vorwurf des Antisemitismus bzw. bei mildernden Umst\u00e4nden, die \u203aAnschlussf\u00e4higkeit\u2039 eines solchen Blockadeaufrufes an antisemitische Stereotype. Habt ihr auch dazu nicht unsere Erwiderungen gelesen? Und ist euch wirklich entgangen, dass im Antisemitismus mit den \u203aSpekulanten\u2039 nicht die (deutsche) Bank gemeint war und ist, sondern das Gegenbild zum arischen, brav schaffenden Deutschen, der Jude? Wisst ihr wirklich nicht um die herausragende Rolle der Banken im Nationalsozialismus? Ist euch wirklich entgangen, dass sich der Antisemitismus nicht die Banken zum Erzfeind gemacht hat, sondern in Banken eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung gefunden hat? Warum f\u00e4llt ihr so derma\u00dfen auf die antikapitalistische Rhetorik des Antisemitismus herein?<\/p>\n<p>Ihr sagt, dass man das gesamte kapitalistische System angreifen m\u00fcsste. Habt ihr das schon einmal gemacht? K\u00f6nnt ihr uns sagen, wo man das \u203aGanze\u2039 trifft, au\u00dfer in der Theorie und im Kopf? Fairerweise habt ihr geschrieben, dass ihr das \u203aGanze\u2039 auch noch nicht gefunden habt.<\/p>\n<p>Ersatzweise schlagt ihr eine Blockade eines Arbeitsamtes vor. Hat irgendjemand von uns gesagt, dass wir den Schl\u00fcssel zur Bastille gefunden haben? Wir haben immer wieder betont, dass wir keinen Generalschl\u00fcssel f\u00fcr Generalfragen haben, sondern eine Entscheidung getroffen haben. Die irrsinnige Frage, was jetzt genau das richtige, viel richtigere ist, ist doch angesichts der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse bei euch, bei uns, ein Kinderreim, das Pfeifen im Wald.<\/p>\n<p>Vielleicht kommen wir den vielen aufgeworfenen Fragen ein St\u00fcck n\u00e4her, wenn wir uns nicht mehr und weniger gekonnt die Theorie um die Ohren schlagen, sondern uns von den jeweiligen Praxen aus n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Gehen wir einmal davon aus, dass diese bei euch im antifaschistischen Bereicht liegt. W\u00e4re es nicht fair, ihr w\u00fcrdet eure Fragen auch an eure eigene Praxis zu stellen?<\/p>\n<p>Wen ihr Naziaufm\u00e4rsche verhindert, dann bek\u00e4mpft ihr doch nicht das System, und schon gar nicht den Kapitalismus! Warum macht ihr das trotzdem?<\/p>\n<p>Wenn ihr mit viel Aufwand und Energie die Vita einzelner Nazi-Gr\u00f6\u00dfen recherchieren, ihre Rolle und Bedeutung innerhalb neofaschistischer Strukturen offen legt, Outing-Aktionen startet, Bilder ins Netz stellt, um sie aus der Anonymit\u00e4t herauszuholen, personalisiert ihr dann nicht?<\/p>\n<p>Wenn ihr euch auf den Kampf gegen Neonazis und Neofaschismus konzentriert, seid ihr dann nicht \u203aanschlussf\u00e4hig\u2039 an das gute, nazifreie, zivilgesellschaftliche Deutschland?<\/p>\n<p>Diese Praxen und alle damit verbundenen Schwierigkeiten zum Ausgangspunkt einer solidarischen Kritik zu machen, w\u00fcrde ein ganzes St\u00fcck weiterhelfen.<\/p>\n<p>Ich bitte euch um die Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrages und wenn das f\u00fcr alle nachvollziehbar sein soll, die an einer solchen Debatte Interesse haben, dann stellt den beiliegenden Text allen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Wolf Wetzel\/ AG Georg B\u00fcchner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 30.8.2010\u00ab<\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Antwort der Antifa KO (Kreis Offenbach) vom 30.8.2010:<\/span><\/h3>\n<p>\u00bbHallo,<\/p>\n<p>wir werden die E-Mail auf jeden Fall diskutieren &#8211; bitte hab Verst\u00e4ndnis, dass wir gerade relativ viel zu tun haben und es deshalb einige Zeit in Anspruch nehmen kann, bis du wieder von uns h\u00f6rst. Deswegen ist die kurze Antwort hier jetzt auch kein offizieller Plenumsbeschluss, sondern nur meine Ansicht.<\/p>\n<p>Ich denke nicht, dass es unsere Aufgabe ist, diesen Beitrag oder andere deiner\/eurer Texte auf unserer Seite zu ver\u00f6ffentlichen. Die linke \u00d6ffentlichkeit, an die das Diskussionspapier gerichtet war, ist meiner Meinung nach selbst dazu in der Lage, sich einen \u00dcberblick bez\u00fcglich des laufenden Diskurses zu verschaffen und die in den verschiedenen Texten verpackten Ansichten dort zu lesen, wo sie hingeh\u00f6ren. Gerne kannst Du diesen Text oder eine andere \u203aAntwort\u2039 auf unser Papier auf deiner oder der Homepage der AG Georg B\u00fcchner ver\u00f6ffentlichen &#8211; das ist Sinn und Zweck einer solidarischen innerlinken Diskussion. Allerdings sind die Leute meiner Meinung nach m\u00fcndig genug, um sich selbst zu informieren und sich anschlie\u00dfend eine reflektierte Meinung zu bilden. Dass unsere Homepage in erster Linie keine Plattform f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung kontroverser Ansichten sein soll, sondern ein Medium, das die M\u00f6glichkeit bietet, unsere Ansichten zu vermitteln, sollte eigentlich klar sein.<\/p>\n<p>Eine \u203aneutrale\u2039 Plattform f\u00fcr sowas k\u00f6nnte beispielsweise antifa-frankfurt.org sein.<\/p>\n<p>Soweit erstmal. Gru\u00df\u00ab<\/p>\n<h3>Antwort vom 4.9.2010:<\/h3>\n<p>Hallo Antifa-KO,<\/p>\n<p>wir w\u00fcrden uns freuen, wenn sich das Warten lohnt und ihr eine Antwort auf unsere Erwiderung findet. Was den Umgang mit eurem Diskussionspapier angeht, ist hingegen sehr unverst\u00e4ndlich: Ihr schreibt ein Diskussionspapier und wollt keine Diskussion auf eurer Homepage. \u203aM\u00fcndig\u2039 ist doch nur jemand, der in der Lage ist, der in die Lage versetzt wird, euren Beitrag mit den entsprechenden Erwiderungen zu verfolgen. Eine Debatte, die ihr damit ansto\u00dfen wolltet, setzt voraus, dass alle Interessierte die M\u00f6glichkeiten haben, die unterschiedlichen Argumente zu verfolgen, zu bewerten und zu kommentieren. Wenn ihr diese nicht sichtbar macht, ist es keine Debatte. Schade.<\/p>\n<p>Da hilft auch nicht der Hinweis, dass man woanders diskutieren kann. Wir wollten und wollen mit euch (nicht privat) diskutieren, nicht \u203aauf neutralem Boden\u2039, \u00fcber drei Ecken und Banden, was hier im Rhein-Main-Gebiet doch zu Gen\u00fcge schlechte, linke Praxis ist.<\/p>\n<p>In diesem Sinne.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Vorl\u00e4ufiges Ende einer nicht gef\u00fchrten Debatte.<\/strong><\/p>\n<h3><strong>12.9.2010 &#8211; Letzter Akt<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Nun gibt es auch ein offizielle Mitteilung der Antifa KO, die die Debatte, die nie gef\u00fchrt wurde, f\u00fcr sinnlos h\u00e4lt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/antifako.blogsport.de\/tarchiv\/texte3\/2disko181010\/\" target=\"_blank\">http:\/\/antifako.blogsport.de\/tarchiv\/texte3\/2disko181010\/<\/a><\/p>\n<p>Die Weigerung, eine Debatte und kein Selbstgespr\u00e4ch vor dem Spiegel zu f\u00fchren, ist wirklich atemberaubend. Und die Methode ist schlicht unterirdisch: Ihr k\u00f6nnt noch so viel bestreiten, ihr k\u00f6nnt noch so viel Argumente dagegen halten-\u00a0 wir entlarven sie alle als vorgeschoben, vorget\u00e4uscht. Im Gegenteil: Je mehr ihr auf uns eingeht, desto mehr beweist es, dass wir recht haben.<\/p>\n<p>Vielleicht noch ein Argument, auf das wir nicht ausf\u00fchrlich eingegangen sind und diese Gespensteranrufung ad absurdum f\u00fchrt: Immer wieder wird von der Anschlussf\u00e4higkeit an wahlweise populistisches, mainstreamm\u00e4\u00dfiges Bankerbashing gesprochen. G\u00e4be es nicht einfacheres als diesen Vorwurf an der Realit\u00e4t zu messen? Wo werden wir mit der Bankenblockade gehiped, wo werden wir in den b\u00fcrgerlichen Medien aufs Schild gehoben? Werden wir quer durch die Medien herumgereicht? Sitzt die AG B\u00fcchner in jeder Talkshow, um als R\u00e4cher unanst\u00e4ndiger Banker gefeiert zu werden? Kann uns jemand einen Text, ein Bild, eine Quelle\u00a0 liefern?<\/p>\n<p>Man wundert sich nur, wieviele Platzpatronen in eine Spielzeugpistole passen&#8230;.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Wolf Wetzel\/AG Georg B\u00fcchner \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 13.9.2010<\/p>\n<p>Views: 1003<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer verk\u00fcrzt was und wen? 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