{"id":1799,"date":"2010-05-09T21:51:01","date_gmt":"2010-05-09T19:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=1799"},"modified":"2010-05-09T21:51:01","modified_gmt":"2010-05-09T19:51:01","slug":"9-5-2010-heller-wahnsinn-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2010\/05\/09\/9-5-2010-heller-wahnsinn-teil-ii\/","title":{"rendered":"9.5.2010 -Heller Wahnsinn Teil II (aktualisierte Fassung)"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Der Wald versteckt sich nicht l\u00e4nger hinter dem Baum<\/span><\/h3>\n<p><strong>Der Euro-Zone droht(e) eine Kernschmelze. In aller Eile wurde an einem Sarkophag gebastelt, der bis 00:00 stehen sollte, bevor die ersten B\u00f6rsen am 10.5.2010 \u00f6ffneten. Sind an all dem die b\u00f6sen Spekulanten schuld? Und was kommt nach dem 48-st\u00fcndigen Generalstreik in Griechenland?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/athen-3-2008.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1819\" title=\"Athen-3-2008\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/athen-3-2008.jpg?w=300&#038;resize=300%2C194\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/athen-3-2008.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/athen-3-2008.jpg?resize=300%2C194&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/athen-3-2008.jpg?resize=768%2C497&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit Wochen wurden wir mit der Botschaft bes\u00e4nftigt und ruhig gestellt, dass der Kollaps von Staaten ein singul\u00e4res Ereignis bleiben w\u00fcrde, dass ein kranker Baum inmitten eines gesunden Waldes stehe. Man m\u00fcsse jetzt nur den Brandherd eingrenzen, also Brandrodungen betreiben, um zu verhindern, dass das Feuer \u00fcbergreift.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kaum hatten die EU-Finanzminister das Verarmungsprogramm f\u00fcr Griechenland beschlossen, wurde klar, dass die \u203aM\u00e4rkte\u2039 nicht politischen Beschwichtigungen folgen, sondern einzig und allein Aussichten auf Profit: Die Anleihen angez\u00e4hlter Staaten st\u00fcrzten abermals ins Bodenlose. Sie verloren mehr an Wert als vor Bewilligung des \u203aHilfspakets\u2039: Am 9.10.2010 stand der Kurs einer zwei-j\u00e4hrigen Griechenland-Anleihe bei 72,25 Prozent.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit Bewilligung dieser \u203aGriechenland-Hilfe\u2039 war also klar, dass der Rettungsring ins offene Meer hinaustreiben w\u00fcrde. Seitdem wird fieberhaft daran gearbeitet, aus dem Rettungsring ein Evakuierungsplan zu machen, der die Euro-Zone als Ganzes sch\u00fctzen soll, bevor am 10.5.2010 die B\u00f6rsen ihre Tore wieder \u00f6ffnen, um mit den Gesetzen und M\u00f6glichkeiten, die ihnen die politisch Verantwortlichen an die Hand gegeben haben, den Euroraum zu fluten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein neuer \u203aRettungsfond\u2039 f\u00fcr die gesamte Eurozone soll eingerichtet werden, eine zweite Auffanglinie. War anfangs noch von 60 Milliarden Euro die Rede, werden nun Summen von \u00fcber 750 Milliarden Euro gehandelt. <\/strong><strong>Nachdem der erste Rettungsfond \u203aSofin\u2039 bereits Milliarden daf\u00fcr ausgegeben hat, giftige, also Schrottpapiere von Privatunternehmen aufzukaufen und \u203aBad Banks\u2039 als Zwischenlager einzurichten, sollen nun Staatsanleihen aufgekauft werden. Die Vergesellschaftung der Krise geht in die n\u00e4chste Runde.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Rede von einer drohenden \u00bbKernschmelze\u00ab war keine Panikattacke, sondern ein realistisches Szenario: Dieselben, die Billionen von Euro an privat-kapitalistischen Verluste an den Staat weitergereicht haben, setzen nun ein hohes Preisgeld auf jene Staaten aus, die als erstes unter ihrer Last zusammenbrechen werden. Das war alles andere als eine wilde Spekulation, sondern ein absolut sicheres Gesch\u00e4ft \u2013 von Insidern, die seit Jahren von Fl\u00e4chenbr\u00e4nden und Brandschutzversicherungen gleicherma\u00dfen leben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die so genannte Griechenland-Hilfe entpuppte sich in Folge als das was sie ist: Ein Blendfeuer, mit reichlich nationalistischen und rassistischen Brandbeschleunigern. Ein \u203aRettungsplan\u2039, den man mit dem laufenden Notstandsplan zur Eind\u00e4mmung der \u00d6lkatastrophe vor der US-amerikanischen K\u00fcste vergleichen kann. Man legt medienwirksam kilometerlange schwimmende Barrieren aus, um den \u203a\u00d6lteppich\u2039 einzud\u00e4mmen, um das Land zu sch\u00fctzen, w\u00e4hrend sie vom Meer \u00fcbersp\u00fclt werden und \u00fcber 800.000 Liter \u00d6l t\u00e4glich, ungehindert ins Meer str\u00f6men.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die M\u00e4r vom skrupellosen Spekulanten<\/span><\/h3>\n<p><strong>Wie kann so etwas passieren? Stecken b\u00f6se, verantwortungslose Spekulanten dahinter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es geh\u00f6rt schon viel Dreistigkeit dazu, wenn jetzt hochrangige EU-Politiker vor gewissenslosen Spekulanten warnen, die gegen den Euro-Raum spekulieren. Wer hat dieses \u203aSpekulanten\u2039 die rechtlichen und fiskalischen Mittel in die Hand gegeben? In welchen, staatsm\u00e4nnischen Auftrag haben viele Banken, einschlie\u00dflich der staatseigenen spekuliert? Wie lange haben die nationalen Politiken genau diesen Finanzkrieg protegiert, um neue \u203aM\u00e4rkte\u2039 zu erobern, um f\u00fcr Anleger und Investoren lukrativ zu sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steckt hinter all dem eine unanst\u00e4ndige Gier oder gar ein verschw\u00f6rerischer Plan? G\u00e4be es noch den Kommunismus, die Sowjetunion, w\u00e4re der unsichtbare Feind schnell ausgemacht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tatsache ist jedoch, dass man f\u00fcr diese Entwicklung weder einen \u00e4u\u00dferen Feind, noch einen verantwortungslosen Spekulanten braucht. Man muss nur die Regeln des kapitalistischen Marktes beherrschen und das n\u00f6tige Kapital haben, um es nach allen Regeln der Kunst einzusetzen: v\u00f6llig legal, absolut marktkonform und zu 100 % staatlich lizenziert!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was sich vor aller Augen abspielt, ist das Prinzip einer Wirtschaftsordnung, die mit sch\u00f6pferischer Zerst\u00f6rung kaum besser beschrieben werden kann. Was sich zurzeit auf und hinter der Euro-B\u00fchne abspielt, vollzieht sich absolut gesetzeskonform, nach den Spielregeln der Systemteilnehmer, der Global Player selbst.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vor ein paar Jahren waren Hedgefonds in Misskredit geraten. Von Heuschrecken (bevorzugt ausl\u00e4ndische) war die Rede, die marode Firmen aufkaufen, ausschlachten, Lohnabh\u00e4nge rausschmei\u00dfen, den Rest verwerten und mit Gewinn wieder auf den \u203aMarkt\u2039 werfen. Eine v\u00f6llig verlogene Moral vor allem derer, die diese Hedgefonds auf den Markt gebracht haben, ihnen politisch erst den Weg geebnet hatten. Was Hedgefonds damals und heute machen, wird nicht gegen den Willen der politisch Verantwortlichen gemacht, sondern in deren Schutz! Manche politische Wegbereiter waren dabei sehr offen und verglichen die Hedgefonds mit Assgeiern, die nur kranke Tiere fressen, also f\u00fcr eine saubere Entsorgung sorgen, damit die \u203aKranken\u2039 nicht den \u203aGesunden\u2039 zur Last fallen. Dasselbe Prinzip wiederholt sich nun mit Blick auf schwache Staaten, nach denselben Regeln, nach demselben Prinzip: Diesem ist v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, wie viele Menschen dabei unter die R\u00e4der geraten, wie viele Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jetzt frisst dieses Prinzip auch seine staatlichen Protektaten. Denn im Kapitalismus kann man, darf man, soll man nicht nur mit Brandbek\u00e4mpfung Profite machen, sondern genauso und gelegentlich mehr am (Fl\u00e4chen-)Brand verdienen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Das Prinzip der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung<\/span><\/h3>\n<p><strong>Ist das Spekulieren mit Staatsanleihen ehrenwerter, als das Spekulieren auf ihren Schrottwert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weder kennt der Kapitalismus diese Unterscheidung, noch haben die politischen Eliten auf diese Unterscheidung gedrungen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Am eindrucksvollsten l\u00e4sst sich das an dem v\u00f6llig legalen Mittel der Kreditausfallversicherungen, kurz CDS<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> genannt, erkl\u00e4ren. Kauft eine Bank riskante Staatsanleihen, wie die von Griechenland, sichert sie sich gegen eine m\u00f6gliche Zahlungsunf\u00e4higkeit mit einer Versicherung ab. Diese Versicherung ist umso teuerer, je h\u00f6her das (Ausfall-)Risiko besagter Anleihe taxiert wird. In einem solchen Fall ist die Versicherung also an ein konkretes, materielles Eigeninteresse gebunden. Doch im Kapitalismus kann man auch \u203ain Versicherungen gehen\u2039, ohne auch nur eine Anleihe, einen Stein zu besitzen. Die Intension dabei ist genau das Gegenteil: Man investiert in solche Versicherungen, weil man davon ausgeht, dass der schlimmste Fall, die Zahlungsunf\u00e4higkeit eines Staates eintritt! Genau dies passiert seit Wochen: Bildlich gesprochen sind eine Million Euro in Griechenland-Anleihen investiert, w\u00e4hrend 50 Millionen Euro darauf gesetzt werden, dass Griechenland abs\u00e4uft und die Anleihe nicht mehr zur\u00fcckzahlen kann. Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Spekulation ist (je nach Risiko) gewaltig: Eine Griechenland-Anleihe br\u00e4chte 4 bis 5 Prozent, das Spekulieren auf die Zahlungsunf\u00e4higkeit hingegen das Zwei- bis Dreifache. Wird dieser Wahnsinn noch mit Hebelprodukten kombiniert, braucht man daf\u00fcr keine 50 Millionen, sondern nur 5 Millionen Euro (Hebelwirkung 1:10) als Startkapital.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was einen abstrakt vielleicht kalt l\u00e4sst, wird an einem lebensnahen Beispiel in seiner m\u00f6rderischen Logik deutlich: Man schlie\u00dft eine Versicherungspolice dar\u00fcber ab, dass das Haus des Nachbarn abbrennt! Brennt es tats\u00e4chlich ab, hat sich die Investition gelohnt. Ob in den Haus Menschen lebten oder durch den Brand ums Leben gekommen sind, ist dieser Logik gleichg\u00fcltig!<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">G<\/span><span style=\"color:#ff0000;\">riechenland ist eine Kugel, die durch den Euroraum rollt<\/span><\/h3>\n<p><strong>Vieles, was der Mehrheit der griechischen Bev\u00f6lkerung bevorsteht, ist in Deutschland l\u00e4ngst Realit\u00e4t: Vom Renteneintrittalter mit 67 Jahren, \u00fcber massive Rentensenkungen bis hin zum Abbau von elementaren Schutzrechten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Generalstreik in Griechenland f\u00fcr 48 Stunden ist vorbei. Die Solidarit\u00e4t der europ\u00e4ischen Gewerkschaften war erb\u00e4rmlich, die Solidarit\u00e4t der au\u00dferparlamentarischen Linke marginal.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1805\" aria-describedby=\"caption-attachment-1805\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/wir-sparen-uns-euch-netz1.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1805\" title=\"Wir sparen uns euch\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/wir-sparen-uns-euch-netz1.jpg?w=300&#038;resize=300%2C217\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/wir-sparen-uns-euch-netz1.jpg?w=640&amp;ssl=1 640w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/wir-sparen-uns-euch-netz1.jpg?resize=300%2C218&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1805\" class=\"wp-caption-text\">Generalstreik in Griechenland 2010<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Quo vadis?<\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00bb<em>Sie reden von Gewinn und Verlust, wir von Menschenleben.<\/em>\u00ab Parole nach der Ermordung des 15-J\u00e4hrigen \u00a0Alexis-Andreas Grigoropoulos am 6.12.2009 in Athen<\/strong><\/p>\n<p><strong>In Griechenland best\u00fcnde tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit, mit einem unbefristeten Generalstreik das von der griechischen Regierung getragene IWF und EU-Diktat zu Fall zu bringen. Wer w\u00e4re dazu \u00fcberhaupt in der Lage? Wer h\u00e4tte den Organisationsgrad und die Pr\u00e4senz in solchen Bereichen, im Produktionssektor, in den wichtigsten Staatssektoren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fakt ist, dass dort die kommunistische Partei und die kommunistische Gewerkschaften stark sind \u2013 auch wenn in den letzten Jahren neue Basisgewerkschaften gewaltigen Zulauf bekommen haben. Wenn es tats\u00e4chlich darum gehen soll, das Verarmungsprogramm zum Scheitern zu bringen, dann w\u00e4ren nicht die politischen Unterschiede ausschlaggebend, sondern die M\u00f6glichkeiten eines gemeinsamen Vorgehens. Petros Mentis von der Kommunistischen Partei Griechenlands\/ KKE, hat dazu folgendes erkl\u00e4rt: \u00bbHeute also muss nicht nur die Kommunistische Partei, sondern auch die Arbeiterklasse, die Arbeits- und Gewerkschaftsbewegung, das gesellschaftliche B\u00fcndnis, die gesellschaftspolitische Front die Machtfrage auf die Tagesordnung setzen. Unsere Antwort ist Sozialismus. Dieser stellt keine Wiederholung des uns bekannten dar. Vielmehr tr\u00e4gt er die wertvolle Erfahrung des Sozialismus in sich, den wir im 20. Jahrhundert kennengelernt haben. Und gleichzeitig ist es ein Sozialismus, der aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Aktuell diskutieren wir nicht nur \u00fcber irgendwelche Forderungen. Wir diskutieren \u00fcber die Richtung der Bewegung und die Kampfformen, aber auch \u00fcber die Machtfrage. Die Mai-Demonstrationen, die Streiks, die Besetzungen sowie andere Kampfformen, die in der j\u00fcngsten Zeit hervorkamen und auch in der Zukunft hervorkommen werden, sind Mittel, um die Diskussion im Volk \u00fcber den Weg zu entfachen. Den Weg der Macht der Monopole oder den Weg der Arbeiter- und Volksmacht, den Weg des Sozialismus, wie wir es formulieren.\u00ab <\/strong>Junge Welt vom 18.5.2010<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet es, die \u203aMachtfrage\u2039 zu stellen? Was ist mit \u203agesellschaftlichem B\u00fcndnis\u2039 gemeint? Welche Kampfformen w\u00e4ren geeignet und notwendig? Was ist mit einem Sozialismus gemeint, der \u00bbder aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat\u00ab?<\/strong><\/p>\n<p><strong> Der Abstraktionsgehalt dieser Begriffe ist gewaltig, angesichts der Notwendigkeit ihrer Konkretion. Nur eine \u00f6ffentliche, gesellschaftliche Debatte dar\u00fcber w\u00fcrde Fragen, Zweifel und Widerspr\u00fcche sichtbar und nachvollziehbar machen.\u00a0 W\u00e4re ein Generalstreik die wirksamste und politisch sch\u00e4rfste Waffe? Welche anderen Optionen g\u00e4be es?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach dem zweit\u00e4gigen Generalstreik stehen viele vor vielen Fragen, w\u00e4hrend die Regierung Zug um Zug das Verarmungsprogramm umsetzen wird. Bei einer solchen \u00f6ffentlichen Debatte w\u00fcrden zweifellos politische Unterschiede, unterschiedliche Taktiken und Strategien sichtbar werden. Welche davon die \u203aRichtige\u2039 ist, w\u00fcrde jedoch nicht die bessere Denunziation, sondern ein politischer, gesellschaftlicher Prozess entscheiden, der die Betroffenen nicht zu ZuschauerInnen, sondern zu Akteurinnen machen w\u00fcrde.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dabei befindet sich die Linke in einer bizarren und historisch au\u00dfergew\u00f6hnlichen Situation zugleich: Der Kapitalismus befindet sind in der schwersten \u00f6konomischen und institutionellen Krise seit 1945, ohne dass die Linke dabei der treibende Faktor war und ist.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wenn in Griechenland tats\u00e4chlich das Diktat des IWF und der Europ\u00e4ischen Union verhindern werden k\u00f6nnte, w\u00fcrde sich ein solches Ergebnis nicht mehr innerhalb kapitalistischer Spielr\u00e4ume austarieren lassen. Unbeabsichtigt w\u00e4re man damit an der Grenze zu dem, was gestern nur realit\u00e4tslose Utopie war und morgen als M\u00f6glichkeit pr\u00e4zisiert werden m\u00fcsste.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ohne es zu wollen, steht die Linke (vor allem in Griechenland) vor einer \u00dcberforderung und wunderbaren Chance zugleich: Sie muss in aller Genauigkeit und Gegenw\u00e4rtigkeit beschreiben, was sie sich jeweils unter Kommunismus, Anarchismus und\/oder einer basis-demokratischen Gesellschaft vorstellt, nicht als Himmelsrichtung, sondern als ganz konkrete Wegbeschreibung: Was w\u00fcrde, was m\u00fcsste passieren, wenn das IWF- und EU-Diktat nicht durchsetzbar w\u00e4re? Was m\u00fcsste passieren, wenn sich alle Regierungen und Oligarchien verbraucht haben und das System der b\u00fcrgerlichen Demokratie weder Repr\u00e4sentanz noch Legitimit\u00e4t bes\u00e4\u00dfe? Was w\u00fcrde, was m\u00fcsste passieren, wenn Griechenland wegen Zahlungsunf\u00e4higkeit von allen kapitalistischen (Finanz-)M\u00e4rkten ausgeschlossen werden w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diesen Fragen nachzugehen, sich diesen zu n\u00e4hern w\u00fcrde aus der Parole \u203aWir bezahlen nicht f\u00fcr eure Krise\u2039 ein politisches, ein gesellschaftliches Projekt machen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr anarchistische und autonome Gruppierungen stehen nicht minder ernsthafte Debatten an. Nicht nur die drei toten Bankangestellten infolge eines Brandanschlages auf eine Bank am 5.5.2010 machen diese Diskussion unumg\u00e4nglich. Die Fragen zu Militanz und Gegen-Gewalt, die Fragen nach einer Strategie, die mehr ist als die Denunziation anderer politischer Positionen, sind auch in Griechenland selten kollektiv gestellt und \u00f6ffentlich diskutiert worden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sagotageaktionen auf Banken, Konzerne und Repressionsorgane haben zweifellos in Griechenland mehr Sympathie und R\u00fcckhalt als in Deutschland. Warum aber mussten diese Angriffe aus einer Demonstration heraus passieren, im Schutz einer Gro\u00dfdemonstration im Rahmen des Generalstreiks? Welche Form der politischen Zuspitzung sollte damit erreicht werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine anarchistische Gruppe aus Griechenland hat dazu erfreulich klare und bohrende Fragen gestellt: \u00bbDer Vorfall ereignete sich nicht nachts w\u00e4hrend einer Sabotageaktion. Er ereignete sich im Verlauf der gr\u00f6\u00dften Demonstration der j\u00fcngeren Geschichte Griechenlands. Das ist der Punkt, an dem wir uns einer Reihe unangenehmer Fragen stellen m\u00fcssen: Allgemein gefragt, besteht w\u00e4hrend einer Demonstration von 150.000 &#8211; 200.000 Menschen, der gr\u00f6\u00dften seit Jahren, wirklich ein Grund zur Eskalation der Gewalt? Wenn tausende \u203aBrennt das Parlament nieder!\u2039 skandieren und die Bullen beschimpfen, bringt dann eine weitere ausgebrannte Bank die Bewegung \u00fcberhaupt noch irgendwie weiter?\u00ab<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer Militanz nicht f\u00fcr ein Lebensgef\u00fchl h\u00e4lt, sondern f\u00fcr eine politische Einstellung, die <\/strong><strong>Gegen-Gewalt in genau diesem ambivalenten Verh\u00e4ltnis bef\u00fcrwortet, muss diese nicht nur sich und seinen Freunden erkl\u00e4ren, sondern vor allem jenen, die diesen Schritten skeptisch und fragend gegen\u00fcberstehen &#8211; anderenfalls instrumentalisiert er\/sie \u00fcber 150.000 Menschen, die mit dem Generalstreik eine nicht minder radikale Entscheidung getroffen haben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zweifellos gibt es viele begr\u00fcndete Vorbehalte gegen\u00fcber kommunistischen Organisationen und Parteien. Wo bleibt aber die Notwendigkeit einer eigenen Organisierung und einer Strategie, die \u00f6ffentlich gef\u00fchrt und gemeinsam \u00fcberpr\u00fcfbar ist? Die Wut, die Spontaneit\u00e4t und die damit einhergehende Zuf\u00e4lligkeit w\u00fcrden keiner ernsthaften Konfrontation standhalten. Die berechtigte Organisationskritik an autorit\u00e4ren und hierarchischen Strukturen innerhalb kommunistischer Organisationen macht verbindliche und handlungsf\u00e4hige Strukturen nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Wer die toten Bankangestellten weder achselzuckend noch zynisch in Kauf nehmen will, muss eine kollektive Strategie formulieren, die \u00fcber die eigene Szene, \u00fcber \u203aExarchia\u2039<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> hinausweist, der muss anderen sagen k\u00f6nnen, welche Ziele man verfolgt und welche Mittel, wann, wo und wie politisch getragen und verantwortet werden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Welchen Fragen man sich hier\u00a0 stellen sollte und welche Diskussionen gemeinsam gef\u00fchrt werden m\u00fcssten, versucht folgender Text zu skizzieren: <a href=\"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2009\/03\/07\/ist-tina-tot-wo-bleibt-tata\/\" target=\"_self\">Ist TINA tot? Wo bleibt TATA?<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolf Wetzel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18.5.2010<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>Stellungnahme griechischer AnarchistInnen, http:\/\/www.fau.org\/artikel\/art_100505-225607<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> ein linker Stadtteil mit vielen besetzten H\u00e4usern und politischen Projekten in Athen<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2009\/03\/07\/ist-tina-tot-wo-bleibt-tata\/\" target=\"_self\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/6472b0f02da7422f8e057bee813bfc62\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Credit Default Swaps: Alleine im Jahr 2007 war der CDS-Markt auf 58 Billionen US-Dollar angeschwollen.<\/p>\n<p>Views: 307<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Euro-Zone droht eine Kernschmelze. In aller Eile wird an einem Sakrofag gebastelt, der bis 00:00 stehen soll, wenn die ersten B\u00f6rsen am 10.5.2010 \u00f6ffnen. 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