{"id":1751,"date":"2010-05-04T13:52:59","date_gmt":"2010-05-04T11:52:59","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/?p=1751"},"modified":"2010-05-04T13:52:59","modified_gmt":"2010-05-04T11:52:59","slug":"4-5-2010-der-finanzkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2010\/05\/04\/4-5-2010-der-finanzkrieg\/","title":{"rendered":"4.5.2010 &#8211; Der Finanzkrieg und die ausstehende Revolte"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Eine Reise durch das Panoptikum der Krise.<\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00bb<em>Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg f\u00fchrt, und wir gewinnen<\/em>.\u00ab <\/strong>US-Multimilliard\u00e4r und Finanz-Warlord Warren E. Buffet, 2005<\/p>\n<p><strong>Nur zwei Jahre sp\u00e4ter fielen Banken wie Kartenh\u00e4user zusammen \u2013 ein Nine\/Eleven der Business Class.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Als Banken und Versicherungen damit drohten, das ganze System mit in den Abgrund zu st\u00fcrzen, wurde die gr\u00f6\u00dfte Krise des Kapitalismus nach 1945 verstaatlicht. Nun stehen die ersten Staaten vor dem Bankrott und viele Menschen vor gro\u00dfen Fragen&#8230;.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Prolog<\/span><\/h3>\n<p><strong>Das Geleitwort hat ungefragt der Ex-Chef\u00f6konom der Deutschen Bank Norbert Walter. Er wei\u00df, wie man Krisen macht und mit Gewinnen daraus hervorgeht, und \u2026 er versteht etwas von Sklaven und Herren. Heute ber\u00e4t er neben der Bundesregierung auch viele andere Herren und hat dennoch genug Zeit, auch Sklaven wertvolle Tipps f\u00fcrs Leben zu geben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Herr Walter, Sie finden, die Deutschen sollten wegen der Krise Lohnverzicht \u00fcben<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bbJa, weil ich f\u00fcr Besch\u00e4ftigung bin. Mein Lehrherr, der \u00d6konom Herbert Giersch, sagte mir mal: \u203a<em>Wollen Sie Ihren Chef zu Ihrem Sklaven machen? Verlangen Sie weniger, als Sie erkennbar f\u00fcr ihn wert sind. Dann wei\u00df er, dass er Sie gut behandeln muss, um Sie nicht zu verlieren<\/em>.\u2039\u00ab<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Dieses Zitat ist frisch und krisenfrei, vom April diesen Jahres. Der Traum eines jeden Sklavenh\u00e4ndlers und Sklaventreibers: Ein Sklave, der seinen Herrn wie einen Herzschrittmacher mit sich mitf\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die Schuldfrage<\/span><\/h3>\n<p><strong>Wirtschaftsexperten und \u2013politiker sagen uns, dass wir seit 2008 in der gr\u00f6\u00dften Wirtschaftskrise seit Kriegsende leben. Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler stellte knapp ein Jahr sp\u00e4ter fest, man sei nahe am \u00bbZusammenbruch der Weltfinanzm\u00e4rkte\u00ab vorbeigeschlittert.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Er wei\u00df, wovon er redet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Horst K\u00f6hler war zuvor Chef des Weltw\u00e4hrungsfonds\/IWF, der andere L\u00e4nder an der Peripherie zu dem zwang, was heute auch im Zentrum zum Kollaps f\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seitdem reden alle von der Krise. Vor allem jene, die vor der Krise lauthals dazu angetrieben haben, der Jagd nach Renditen, M\u00e4rkten, Ressourcen und Menschenmaterial blo\u00df keinen Stein in den Weg zu legen. Bis die ersten US-Banken einst\u00fcrzten. Ein Nine\/Eleven der business-class.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nun will es <em>keiner<\/em> gewesen sein.<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/keiner-war-s-logo.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1763\" title=\"Keiner war's\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/keiner-war-s-logo.jpg?w=300&#038;resize=300%2C197\" alt=\"USB-Bank Frankfurt\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/keiner-war-s-logo.jpg?w=700&amp;ssl=1 700w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/keiner-war-s-logo.jpg?resize=300%2C198&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>All die, die Eigenleistung, Unternehmerrisiko und Eigenverantwortung verdammt gro\u00dfschreiben, wenn es um Millionen-Einkommen und Bonizahlungen geht, entdecken angesichts von Milliardenverlusten unisono das R\u00e4derwerk des Systems, in dem sie nur ein klitzekleines Zahnrad gewesen sein wollen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wochenlang zeigten Wirtschaftseliten und Parteien, Regierung und Opposition, Wirtschafts- und Finanzexperten aufeinander, um zu beweisen, dass alle dazu beigetragen, alle mitgespielt hatten \u2026 bis sie alle Dreck am Stecken hatten und sich einig waren: Bevor wir alle dran sind, war\u2019s keiner.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kein geringerer als der Pr\u00e4sident des Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn,<\/strong><\/p>\n<p><strong>pr\u00e4gte daf\u00fcr das Zauberwort vom \u00bb<span style=\"color:#ff0000;\">anonymen Systemfehler<\/span>\u00ab<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein perfektes Schauspiel \u00fcber Klassen- und Selbstjustiz.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wortlos zeigten sie auf ihre Sprengstoffg\u00fcrtel unter den Jacketts: <em>Wenn wir in die Luft gehen, nehmen wir euch alle mit<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Djihadisten des Kapitalismus oder ganz unaufgeregt britisch:<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Too big to fail<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damit war die Schuldfrage gestorben.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die parteilose Politische Klasse<\/span><\/h3>\n<p><strong>Die \u00f6konomische Krise hat tats\u00e4chlich einen aufkl\u00e4renden Charakter: Sie dampft die politischen Unterschiede auf einen Stellenwert hinter dem Komma ein: Ob CSU\/CDU, FDP, SPD oder Gr\u00fcne, bis hin zur Partei \u203aDie Linken\u2039: Sie wollten und konnten nicht anders, als den Milliarden-schweren Rettungsma\u00dfnahmen zuzustimmen. Was w\u00e4re an der Aufk\u00fcndigung des Solidarpaktes mit Milliardenunternehmen, am Zusammenbruch von Banken so schlimm, so falsch gewesen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u203a<em>Was h\u00e4tten wir anders tun k\u00f6nnen?<\/em>\u2039 lautete stattdessen die Frage all jener, die vor der Krise die Selbstheilungskr\u00e4fte des Marktes, das Mantra von \u203aweniger Staat \u2013 mehr Eigenverantwortung\u2039 beschworen und nun die gr\u00f6\u00dfte Staatsintervention nach dem Dritten Reich anf\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Niemand will dabei aus \u00dcberzeugung gehandelt haben, alle behaupten allen Ernstes, sie seien zu diesem Schritt gezwungen worden. Sie h\u00e4tten keine andere Wahl gehabt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Handelt es sich also um die gr\u00f6\u00dfte Erpressung in der Geschichte des Nachkriegsdeutschlands? Oder stecken Erpresser und Staat unter einer Decke?<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die Krise der Erkl\u00e4rungen<\/span><\/h3>\n<p><strong>F\u00fcr Kapitaleigner ist diese Krise eine Art Katharsis, f\u00fcr politisch Gl\u00e4ubige ein Reinigungsbecken, f\u00fcr Krisengewinnler ist es die Chance ihres Lebens. Die Verluste anderer, sind ihre Gewinne. Sei schlachten aus, sie \u00fcbernehmen, sie wachsen mit der Krise.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Linke Krisentheoretiker haben schon immer, also auch jetzt vor der Krise gewarnt und prophezeien wie immer, also auch jetzt das Ende des Kapitalismus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer das Ende des Kapitalismus schon x-mal vorhergesagt bekommen hat, ist vorsichtiger und begreift die Krise als Bewegungsform des Kapitalismus, als Ausdruck des Prinzips sch\u00f6pferischer Zerst\u00f6rung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr viele, auch f\u00fcr die Linke, ist die Krise einfach zu kompliziert, sie hat zu viele Nullen <em>vor<\/em> dem Komma. Man konzentriert sich, man sammelt sich, <em>hinter<\/em> dem Komma. Im Alltag geht es meist nicht ums Ganze, sondern um jeden Cent.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Krise des Kapitalismus?<\/span><\/h3>\n<p><strong>Zweifellos sind wir Zeugen des gr\u00f6\u00dften Umschuldungsprogrammes nach 1945 geworden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Selten hat ein Satz so viel Gewicht bekommen wie in diesen Zeiten:<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler!<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Selbst das Flaggschiff des aufgekl\u00e4rten Kapitalismus <em>Der Spiegel<\/em> verlor \u2013 f\u00fcr kurze Zeit &#8211; alle Hoffnung und strich die Segeln eines segensreichen Kapitalismus. Pr\u00e4zise und minuti\u00f6s erkl\u00e4rt eine Titelgeschichte des Spiegels Mitte 2009: \u203a<em>Warum das Kapital aus seinen Fehlern nicht lernen kann<\/em>.\u2039<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Leider ist weder Panik noch Hoffnung angesagt. Das System stellt nicht die Systemfrage.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steckt der Kapitalismus wenigstens in der Krise?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Warum sollte er? Wegen 500 Milliarden Euro Verlust?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine klitzekleine Schramme am Image des Kapitalismus sollte nicht verschwiegen werden:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Magazin \u203aPenthouse\u2039, die Verk\u00f6rperlichung von Erfolgstypen, Performance und Indices, hat eine Umfrage gemacht und best\u00fcrzend-beruhigendes herausgefunden: Manager rangieren seit 2008 in der Gunst der Befragten noch hinter Prostituierten und Politikern.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erstes Fazit:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Die Krise des Kapitalismus beginnt dort, wo die Herrschenden nicht mehr <em>k\u00f6nnen<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>und die Beherrschten nicht mehr <em>wollen<\/em>.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Erstere h\u00f6ren nicht auf, zu k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p><strong>und Letztere h\u00f6ren nicht auf, irgendwie wollen zu m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die paradoxe Klasse<\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00bb<em>Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg f\u00fchrt, und wir gewinnen<\/em>.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das sagte der US-Multimilliard\u00e4r Warren E. Buffet bereits 2005. Der Mann wei\u00df wovon er spricht: Er z\u00e4hlt zu der f\u00fchrenden Warlords auf den Finanzm\u00e4rkten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Warren E. Buffet \u00fcbertreibt nicht: Bis heute hat alleine die deutsche Bundesregierung \u00fcber 1.000 Milliarden Euro bereitgestellt, um den Zusammenbruch abzuwenden. Das sind zwei Bundeshaushalte oder die Summe, die die US-Regierung bislang f\u00fcr den Irak-Krieg ausgegeben hat.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Da dr\u00e4ngen sich zwei Fragen auf:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was ist eigentlich los, wenn die einen Krieg f\u00fchren und die anderen, die aller meisten davon nicht wirklich etwas mitbekommen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Und: Was passiert, wenn sich die, die gar nicht gemeint sind, als Klasse begreifen und die, die es <em>an und f\u00fcr sich<\/em> sein sollen, bereits vor dem Begriff davonlaufen?<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die Klassenfrage<\/span><\/h3>\n<p><strong>Nun, die <em>Klasse an sich<\/em>, ja\u2026 also, die Klasse ohne Klasse, ohne Bewusstsein\u2026. <em>Hallo? Hallo!<\/em> (Pause) <em>Hallo! <\/em>Ja, da meldet sich im Augenblick niemand.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Und was ist mit der Klasse <em>f\u00fcr sich<\/em>? Also die, die um sich wei\u00df\u2026 Ihr wisst schon: \u00bb<em>Alle R\u00e4der stehen still, wenn es dein starker Arm nur will<\/em>\u2039<\/strong><\/p>\n<p><strong>Da gab\u2019s doch was. Eine Gruppe in Berlin z.B. nannte sich \u203a<em>Klasse gegen Klasse<\/em>\u2039, steckte Luxuslimousinen an und versaute Edelrestaurants. Das war lange vor der Krise. Die meisten aus der Klasse schauten weg und einige Linke erkl\u00e4rten die \u203aKlassenfrage\u2039 f\u00fcr Old School, also abgewrackt und polterten \u00fcber eine vorkapitalistische \u203aKiezpolizei\u2039, die f\u00fcr eine Welt Ordnung schaffe, die es gar nicht mehr gibt. Alles auch nicht wirklich klasse.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer sollte es aber dann machen und richten? Die <em>Avantgarde<\/em>?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Tut mir leid, da meldet sich niemand.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Die <em>Partei<\/em>? Die Linken? Die dem milliardenschweren Rettungspaket f\u00fcr Banken zugestimmt haben und in Berlin die \u203akleine\u2039 Krise gerecht auf alle Schultern verteilen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die <em>Multitude<\/em>, das unbestimmte Bestimmte, der Komet am Himmel des Post-Kommunismus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen und der wackelt m\u00e4chtig.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die Krise des \u00dcberblicks<\/span><\/h3>\n<p><strong>Unter diesem Titel trafen sich tats\u00e4chlich November 2009 im Frankfurter Rathaus namhafte Pers\u00f6nlichkeiten. Unisono irrten sie in aller \u00d6ffentlichkeit gut dotiert durch ihre Spezial-Disziplinen, um sich gegenseitig darin zu st\u00e4rken, dass man den \u00dcberblick verloren habe und dass dies gar nicht so schlimm sei.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gemeinsam attestierte man sich auf hohem Niveau Nichtzurechnungsf\u00e4higkeit. Den Anfang machte der Philosoph Martin Seel, der den Satz Pascals: <em>Vollkommene Ruhe sei der Tod<\/em> mit \u00bb<em>Der vollkommene \u00dcberblick auch<\/em>\u00ab auf zusammenhangslose Weise zu Ende dachte, um dann zum finalen Rettungsschuss anzusetzen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Im Gebrauch unserer Freiheit kommen wir in den Genuss des Nichtwissens \u2026 Streng genommen haben wir alle keinen \u00dcberblick\u2026<\/em> \u00ab<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese Vorz\u00fcge philosophisch veredelten Nichtwissens \u00fcbte schlie\u00dflich der M\u00fcnchner Soziologe Armin Nassehi an sich selbst. Als ein Zuh\u00f6rer seine reaktion\u00e4ren Positionen satt hatte und ihm vorhielt, er vertrete nur \u00bbdie herrschende Meinung\u00ab, gelang ihm der Sprung vom Nichtwissen zur Totalamnesie: <em>Wer sollen denn die Herrschenden sein<\/em>?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ohne eine Antwort abzuwarten setzte er zu einer verbl\u00fcffenden Beweisf\u00fchrung an: \u00bb<em>Wenn es die g\u00e4be, k\u00f6nnte man sie umbringen<\/em>.\u00ab<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Saal der And\u00e4chtigen wurde es ganz still, Man h\u00e4tte h\u00f6ren k\u00f6nnen, wie sich der Ex-Arbeitgeberpr\u00e4sident Hans Martin Schleyer und der Ex-Banken-Chef J\u00fcrgen Ponto im Grab umdrehen.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">\u203aWir bezahlen nicht f\u00fcr eure Krise\u2039<\/span><\/h3>\n<p><strong>Als der Vorschlag kam, im M\u00e4rz 2009 zu Gro\u00dfdemonstrationen unter dem Motto \u203a<em>Wir bezahlen nicht f\u00fcr eure Krise<\/em>\u2039 aufzurufen, lehnte die Gewerkschaftsspitze eine Unterst\u00fctzung mit der Begr\u00fcndung ab, das sei alles viel zu fr\u00fch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nun ja, da kann man schon ins Gr\u00fcbeln kommen. Schlie\u00dflich halten sich die Gewerkschaftsspitzen in allerlei Talkrunden zugute, schon fr\u00fch vor einer Krise gewarnt zu haben. Andererseits muss man auch Verst\u00e4ndnis haben. Wer sich seit Jahrzehnten als Beifahrer und Kopilot geriert, will nicht auf die Stra\u00dfe, sondern bei der n\u00e4chsten Kanzlerrunde dabei sein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Gewerkschaftsbasis, einige Gliederungen und viele linke Gruppierungen riefen dennoch dazu auf: Eine sympathische Verweigerungshaltung, der es nicht gleich ums Ganze ging. Ein bescheidener Anfang, der Appetit auf mehr machen sollte.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr die Gewerkschaftsspitze viel zu fr\u00fch war, war f\u00fcr \u00fcber 40.000 Menschen gerade richtig: Auf der Demonstration in Frankfurt beteiligten sich immerhin ca. 20.000 Menschen, in Berlin wollen die VeranstalterInnen noch mehr gez\u00e4hlt haben.<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/20-plakat-krise-2009.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1765\" title=\"Wir zahlen nicht f\u00fcr eure Krise\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/20-plakat-krise-2009.jpg?resize=212%2C300\" alt=\"Demonstrationsaufruf 2009\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der gute Wille war also da. Und die politischen Unterschiede waren gro\u00df: Sie reichten von \u203aHartz-IV muss weg\u2039 bis hin zu \u203asmash capitalism\u2039 und \u203aLuxus f\u00fcr alle\u2039. Auf dem Weg durchs Frankfurter Bankenviertel zum Kundgebungsplatz glichen sich diese Unterschiede wieder aus: Alle waren realpolitisch und chancenlos: Ob bunt gewerkschaftlich oder schwarz, systemimmanent oder systemsprengend, es blieb v\u00f6llig st\u00f6rungsfrei und symbolisch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf dem R\u00f6mer, vor dem Frankfurter Rathaus fand die Abschlusskundgebung statt. Oskar Lafontaine war f\u00fcr \u203aDie Linken\u2039 angek\u00fcndigt worden. Das Dr\u00e4ngen im Vorfeld, eine\/n andere\/n RednerIn aufzubieten als Lafontaine, der zu den entschiedendsten Bef\u00fcrwortern der Abschaffung des Asylrechts z\u00e4hlte und gerne mit nationaler Rhetoriken die Mitte erreichen will, empfanden \u203aDie Linken\u2039 als unbotm\u00e4\u00dfige Einmischung von unten und ganz au\u00dfen und beharrten auf ihren Frontmann. Als dieser schlie\u00dflich auf die B\u00fchne trat, war deutlicher Unmut zu h\u00f6ren. Nicht viel sp\u00e4ter flogen zahlreiche Eier, worauf von oben, von der B\u00fchne die Einheit beschworen wurde. Lafontaine machte es daf\u00fcr kurz und danach pl\u00e4tscherte alles Weitere vor sich hin.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dazu z\u00e4hlte auch eine Delegation von Opel-Kollegen, die mit ihren gelben T-Shirts \u203a<em>Wir sind Opel<\/em>\u2039 Aufstellung vor der B\u00fchne nahmen. <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/24-wir-sind-opel-merke-l1.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1766\" title=\"Wir sind Opel\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/24-wir-sind-opel-merke-l1.jpg?w=300&#038;resize=300%2C284\" alt=\"Merke - l - dir das!\" width=\"300\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/24-wir-sind-opel-merke-l1.jpg?w=552&amp;ssl=1 552w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/24-wir-sind-opel-merke-l1.jpg?resize=300%2C284&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Moderation begr\u00fc\u00dfte sie herzlich und erntete zarten Applaus. Als noch f\u00fcr eine Unterschriftensammlung geworben wurde, die den Erhalt der Opel-Standorte mit (Selbst-)Verzicht auf Tarifl\u00f6hne zum Inhalt hatte, wurde aus dem h\u00f6flich-ged\u00e4mpften Applaus h\u00f6rbarer Unmut, vermischt mit Pfiffen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Daraufhin schlug die Moderatorin eine salomonische L\u00f6sung vor: Man k\u00f6nne doch das eine tun (Die Krise des Kapitals nicht ausbaden) und das andere nicht zu lassen (Die Krise ausbaden). Der Vorschlag hatte nur einen Haken: Man kann nicht gleichzeitig in die Sackgasse fahren und aus ihr heraus.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurz vor dem Ende trat noch Tom Adler, Betriebsrat bei Daimler-Benz auf, der das Co-Management der Gewerkschaften nicht f\u00fcr die L\u00f6sung, sondern f\u00fcr die Krise gewerkschaftlichen Protestes hielt. Am Ende seines Vortrages wich er von seinem Redemanuskript ab und brachte die Krise des Protestes auf den Punkt: Er k\u00f6nne den Unmut \u00fcber Lafontaine gut verstehen, aber wenn die Eier, die die ganze Demonstration \u00fcber mitgef\u00fchrt wurden, kein einziges Mal eine Bank, sondern nur Lafontaine trafen, dann sei etwas faul an dieser Kritik.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die Monster sind noch nicht bezwungen\u2026<\/span><\/h3>\n<p><strong>\u203a<em>Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzm\u00e4rkte &#8230; Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzm\u00e4rkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss<\/em>.\u2039<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Das sagte 2008 der heutige Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler, ein Mann der von Monstern etwas versteht. Als er Chef des Internationalen W\u00e4hrungsfonds\/IWF war, z\u00fcchtete und h\u00e4tschelte er die Monster, vor denen er heute warnt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Als die City Boys der Wirtschafts- und Finanzwelt l\u00e4ngst wieder mit der Kurs-Rallye besch\u00e4ftigt waren, nervte der Bundespr\u00e4sident noch einmal. W\u00e4hrend des Festakts zum 60. Gr\u00fcndungsjubil\u00e4um des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin lie\u00df er die Anwesenden wissen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Ich sehe das Monster noch nicht auf dem Weg der Z\u00e4hmung.\u00ab<\/em><\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die Extasy-Monster-Party geht weiter\u2026<\/span><\/h3>\n<p><strong>Auf dem Weg, Milliarden-Verluste von Privatunternehmen zu sozialisieren, war viel von Besinnung die Rede, von der Notwendigkeit einer Wirtschaftsethik, die dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Von schmerzhaften Korrekturen und moralischem Handeln war die Rede, vom \u203aRaubtierkapitalismus\u2039, den man b\u00e4ndigen m\u00fcsse. Alles Erziehungsfragen. Dazu geh\u00f6rte auch ein Partyverbot.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u203a<em>Ende der Party<\/em>\u2039<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a>, ein sehr informatives Buch des Wirtschaftsjournalisten Lucas Zeise, verkaufte sich gut, in der Krise, um dieselbe zu verstehen. Das war im Oktober 2008.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Jahr sp\u00e4ter gab das Szeneblatt der Cityboys, die \u203aFrankfurter Allgemeine Zeitung\u2039 wieder Entwarnung: \u00bb<em>Es wird wieder gefeiert<\/em>\u00ab<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Diesen Frohsinn entdeckte die FAZ nat\u00fcrlich nicht \u00fcberall. Klassenbewusst konzentriert sie sich aufs Wesentliche und dort hatte sich die FAZ-Redakteurin auch umgeh\u00f6rt:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Es ist der Tag, an dem Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler von den Bankern fordert, einmal \u00fcber das eigene Handeln nachzudenken, als einer von ihnen in dem Delikatessengesch\u00e4ft im F\u00fcrstenhof eine Flasche Wein f\u00fcr 200 Euro kauft\u2026 Die Banker leisten sich wieder was. Sei es ein Wein f\u00fcr 200 Euro oder ein gutes Essen in einem der vielen Restaurants und Clubs im Bankenviertel\u2026. L\u00e4ngst werden wieder hohe Bonizahlungen an die Banker ausgesch\u00fcttet, und Banken, die vor einem Jahr noch rote Zahlen schrieben, machen wieder Gewinne\u2026.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Es ist Dienstag, der Tag, an dem einige Wirtschaftsexperten davon sprechen, dass die Arbeitslosigkeit im Winter wahrscheinlich auf mehr als vier Millionen steigen wird, als am Abend die gro\u00dfe \u203aBankers and Broker after work Party\u2039 steigt<\/em>. <em>Einmal in der Woche zieht es die Banker in das \u203aEuro Deli\u2039, eine Szene-Bar im Maintower an der Mainzer Stra\u00dfe. W\u00e4hrend drinnen einige ihr Jackett ausziehen und bei einem Drink zu Minimal-Musik entspannen, genie\u00dfen andere vor der T\u00fcr noch die sp\u00e4tsommerliche Luft. Die Stimmung sei sehr gut, h\u00f6rt man auch hier\u2026 L\u00e4ngst werden auch wieder Bankerwitze erz\u00e4hlt. Zum Beispiel der:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Ein Anleger fragt seinen Berater, ob nun sein ganzes Geld weg sei?<em> <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>\u203a<em>Nein, das ist doch nicht weg. Das geh\u00f6rt jetzt nur jemand anderem<\/em>.\u2039\u00ab<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Damit w\u00e4re zumindest das R\u00e4tsel vom \u203averbrannten\u2039 Geld gel\u00f6st. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Nicht ganz so erfolgreich verl\u00e4uft die Fahndung nach den fl\u00fcchtigen Monstern: In Roland Emmerichs \u203aGodzilla\u2039 Film von 1998 f\u00fchrten Atombombentests zu einer Mutation \u2013 aus einem Echsenei kriecht ein Monster. Ein Wissenschaftler, der in Tschernobyl mutierte Regenw\u00fcrmer untersucht, wird von amerikanischen Milit\u00e4rs nach Panama geholt, wo man Fu\u00dfspuren des Monsters gefunden hat. Man sieht, wie der Wissenschaftler in eine Grube steigt, sich im Kreis dreht und ruft, er k\u00f6nne hier keine Spuren entdecken, wo denn hier Spuren sein sollten. W\u00e4hrend man ihn ratlos weiterreden h\u00f6rt, f\u00e4hrt die Kamera nach oben \u2013 und man erkennt: Er steht in einer der riesigen Fu\u00dfstapfen, die das Monster hinterlassen hat.<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a><\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Ma\u00dfschuhe aus Krokodilsleder f\u00fcr Riesenf\u00fc\u00dfe<\/span><\/h3>\n<p><strong>In den USA hat der Finanzmarkt mit hochriskanten Hypotheken<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> wieder das Niveau vor der Krise 2006, umgangssprachlich vor Ausbruch des Finanzkrieges erreicht. Den staatlich-lizenzierten Brandbeschleuniger liefern wieder die Zentralbanken: In den USA liegt der Leitzins unter dem historischen Niveau von 2004 bei 0,5 Prozent, in Deutschland liegt er bei einem Prozent.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Verbriefung und Verschachtelung von Krediten in Derivate, zu Beginn des neuen Jahrhunderts als innovative Finanzmarktprodukte gefeiert, standen am Anfang der Krise 2007\/8. Nur ein Jahr sp\u00e4ter \u00bb<em>feiern sie fr\u00f6hliche Wiederkehr. Der beste und zugleich der gr\u00f6\u00dfte Fonds unter ihnen, der W&amp;W Asset Backed Securities, weist f\u00fcr die vergangenen sechs Monate eine Rendite von knapp 160 Prozent aus<\/em>.\u00ab<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Dagegen sieht Josef Ackermanns Kriegs- und Unternehmensziel, 25 Prozent Jahresrendite, wie eine Spielzeugpistole aus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das h\u00f6rt sich komplizierter an, als es ist. Man darf sich das so vorstellen: Ein Amoklauf ersch\u00fcttert die Gem\u00fcter. Eine unbekannte Zahl von schwer bewaffneten T\u00e4tern brennen Wohnh\u00e4user nieder, besetzen Regierungsgeb\u00e4ude, nehmen Geiseln und schie\u00dfen dabei wahllos um sich. Man r\u00e4tselt \u00fcber deren Motive, man r\u00e4tselt \u00fcber deren Hinterm\u00e4nner, die Fahndung kommt unerkl\u00e4rlich schleppend voran. Schlie\u00dflich werden doch noch mehrere Personen festgenommen. In ihrem Besitz befinden sich gro\u00dfkalibrige Waffen und Sprengstoffwesten. W\u00e4hrend ihrer Vernehmung bedauerten alle Beschuldigten die tragischen Ereignisse. Die Sch\u00fcsse h\u00e4tten sich v\u00f6llig unabsichtlich gel\u00f6st. Die Geisel h\u00e4tten sich ihnen aufgedr\u00e4ngt und das Feuer, das sie entfacht hatten, k\u00f6nne sich nur selbst entz\u00fcndet haben. Auch die vielen Kopfsch\u00fcsse, die bei den Opfern festgestellt wurden, k\u00f6nnten sie sich nur suizidal erkl\u00e4ren. Die zust\u00e4ndige Staatsanwaltschaft gibt sich rat- und hilflos. Man halte die Version der Ereignisse f\u00fcr \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, k\u00f6nne aber alles andere nicht beweisen. Mangels Beweise werden alle Beschuldigten umgehend auf freien Fu\u00df gesetzt. Auch die beschlagnahmten Waffen und Sprengstoffwesten werden ihnen wieder ausgeh\u00e4ndigt \u2013 allerdings mit dem gut gemeinten Rat, n\u00e4chstes Mal ein bischen vorsichtig zu sein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zur Wirklichkeit. Wenn die politisch Verantwortlichen und der Staat<\/strong><\/p>\n<p><strong>den \u203aCity Boys\u2039 dieselben Waffen aush\u00e4ndigen, dieselbe Munition in die Hand legen, die sie beim ersten Amoklauf verwendet hatten, sind jene, die den n\u00e4chsten Amoklauf planen, keine fehlgeleiteten, unbelehrbaren Monster, sondern staatlich lizenzierte und perfekt angeleitete Finanzs\u00f6ldner.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Das An\u00e4stesie-Programm der \u203aGro\u00dfen Koalition\u2039 l\u00e4uft aus<\/span><\/h3>\n<p><strong>Noch unter der rot-gr\u00fcne Regierung war man sich schnell einig: Bevor man zur Kasse bittet, die \u00fcber eine Billion Euro eintreibt, verteilt man schmerzlindernde Mittel und eine ordentliche Dosis Tranquilizer \u2013 wie vor jedem schweren Eingriff.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Man erh\u00f6hte die Renten, f\u00fchrte das Kurzarbeitergeld ein, verl\u00e4ngerte es und erfand die Abwrackpr\u00e4mie, nicht f\u00fcrs System, sondern f\u00fcr Deutschlands liebstes Kind: das Auto!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es gibt nicht wenige, die sagen: Wenigstens wird man bet\u00e4ubt, bevor man unters Messer kommt.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Was willst Du mehr?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, ob man mit oder ohne Bet\u00e4ubung amputiert wird, sondern warum man sich freiwillig unters Messer legt.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Weitermachen, als w\u00e4re nichts gewesen<\/span><\/h3>\n<p><strong>Wer hat uns nicht erz\u00e4hlt, die Krise sei auch eine Chance, die \u203a\u00dcbertreibungen\u2039 zu revidieren, die Monster zu b\u00e4ndigen, die Heuschrecken zu verjagen\u2026.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was ist aus der Liebe zur Tierwelt und Esoterik geworden?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/kapitalismus-taglich-logo.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1767\" title=\"Kapitalismus\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/kapitalismus-taglich-logo.jpg?w=300&#038;resize=300%2C201\" alt=\"Tag und Nacht\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/kapitalismus-taglich-logo.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/kapitalismus-taglich-logo.jpg?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Gehen wir einmal stichprobenhaft das Ganze durch:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wurden die zahlreichen Finanzmarktreformen (Zulassung von Hedgefonds, Hebelprodukten, Derivate usw.), die das legalisierten, was Jahre sp\u00e4ter fast zum Zusammenbruch gef\u00fchrt h\u00e4tte, zur\u00fcckgenommen? Nein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wurde ein Unternehmensstrafrecht eingef\u00fchrt, das das Unternehmen juristisch haftbar macht und nicht einzelne Mitarbeiter? Nein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wurden die legalen M\u00f6glichkeiten zum Frisieren von Bilanzen (Auslagerung von \u203aRisiken\u2039 in Beteiligungs- also Scheinfirmen) r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht? Nein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wurden Unternehmen, die aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe ein \u203asystemisches Risiko\u2039, also erpresserisches Potenzial darstellen, aufgel\u00f6st? Nein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wurde wenigstens so getan? Ja.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Bundesregierung hat beschlossen, dass sich die Bonizahlungen an Manager zuk\u00fcnftig am <em>langfristigen<\/em> Gewinn messen lassen sollten \u2013 wenn das nicht allzu viele Umst\u00e4nde macht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Angesichts eines vorl\u00e4ufigen Schadens von \u00fcber 500.000 Millionen Euro kommt das der Empfehlung an Bankr\u00e4uber gleich, bei zuk\u00fcnftigen bewaffneten \u00dcberf\u00e4llen einen Schalld\u00e4mpfer zu benutzen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein durchsichtiges Gesch\u00e4ft, eine Blankoscheck f\u00fcr die n\u00e4chste Krise, eine offene Regieanweisung f\u00fcr den n\u00e4chsten Kollaps. Was ist daran schwer zu verstehen? Was ist daran noch geheimnisvoll? Muss man noch mehr wissen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ja, sagen einige. Eine Wahrheitskommission soll eingerichtet werden. Dieser Vorschlag kommt nicht vom Satire-Magazin \u203aTitanic\u2039, sondern vom Gewerkschaftschef der IG-Metall Berthold Huber. Eine solche Wahrheitskommission solle die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Wirtschafts- und Finanzkrise herausfinden und der Frage nachgehen: Wer ist verantwortlich f\u00fcr diese Katastrophe? Ganz staatstragend, wie Herr Huber unbedingt sein m\u00f6chte, schl\u00e4gt er vor, dass Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler Schirmherr dieser Veranstaltung sein soll.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bei allem schwarzen Humor, dieser Vorschlag hat etwas ungewollt aufkl\u00e4rerisches: Wahrheitskommissionen wurden in S\u00fcdafrika und Lateinamerika eingerichtet, nachdem Staatsverbrechen nicht mehr geleugnet werden konnten, die daf\u00fcr Verantwortlichen aber nach wie vor so m\u00e4chtig waren, dass man sie nicht zur Rechenschaft ziehen konnte und wollte. Zum Trost richtete man besagte Wahrheitskommissionen ein, die \u00fcber die Grausamkeit der Vergangenheit und die Ohnmacht der Gegenwart hinwegretten sollten.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Wege aus der Krise des Protestes<\/span><\/h3>\n<p><strong>\u203a<em>Die K-Frage stellen<\/em>\u2039<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das tat das Spektrum rund um die Interventionistische Linke Anfang des Jahres 2009 gleich dreimal: K wie Kapital, K wie Krise und K wie (Schei\u00df-)Klima. Am Ende des Kongresses standen die drei K\u2019s fremdelnd und fr\u00f6stelnd nebeneinander, wie auf einer Erstsemesterparty \u2026 und warten seitdem darauf, abgeholt zu werden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<span style=\"color:#ff0000;\"><em>Alles muss man selber machen<\/em><\/span>\u00ab war die ironisch-anstrengende Aufforderung zu mehreren Demonstrationen im selben Jahr. Seitdem herrscht bange Ruhe.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese muss auch die Jungle World- Redaktion irgendwie erreicht und doch kalt gelassen haben: Am 11.7.2009 lud sie zu einer Podiumsdiskussion in Berlin ein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u203a<em>Muss Deutschland sterben und wer k\u00fcmmert sich darum?<\/em>\u2039<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein spa\u00dfig flotter Titel? Nach \u00fcber 20 Jahren m\u00fcssten eigentlich beides, der Witz und der vage Ernst, verblasst sein \u2026 Wer\u2019s drunter nicht macht und niemand findet, der es an seiner statt macht, sollte an der Fragestellung arbeiten.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Vom Hauch und Brandgeruch, der Notwendigkeit einer Revolte und der Angst davor<\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00bb<span style=\"color:#ff0000;\"><em>Wenn Chefs ihre Arbeiter fragen m\u00fcssen, ob sie pissen gehen d\u00fcrfen, dann bewegt sich alles in die richtige Richtung<\/em><\/span>.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das sagte Jean Paul Sartre, als in den 70er Jahren mit den ersten Bossnappings gute Erfahrungen gemacht wurden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fast 40 Jahre sp\u00e4ter ermahnte der Papst die Gl\u00e4ubigen, ohne auf Jean Paul Sartre direkt Bezug zu nehmen, \u00bb<em>sich nicht an der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu gew\u00f6hnen<\/em>.\u00ab<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Das lie\u00df auch den spr\u00f6den Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck nicht kalt und machte Feuer unter dem Arsch der Wirtschaftselite: \u00bb<em>Wenn Sie nicht wollen, das Ihnen die Autos angez\u00fcndet werden, dann m\u00fcssen Sie auf das Gemeinwohl achten<\/em>.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese wollten und konnten den Zusammenhang zwischen dem Gemeinwohl und ihren Luxuskarren so schnell nicht begreifen. Geistesgegenw\u00e4rtig half der Finanzminister und Gelegenheitsmarxist den begriffsstutzigen Bankern auf die Spr\u00fcnge, und lie\u00df dem praktischen Zusammenhang etwas dialektisch-philosophisches folgen: \u00bb<em>Ich sag\u2019s mal marxistisch: <span style=\"color:#ff0000;\">Jede \u00dcbertreibung schafft ihre Antithese<\/span><\/em><span style=\"color:#ff0000;\">.<\/span>\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1768\" title=\"brennende Autos\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg?w=300&#038;resize=300%2C239\" alt=\"die Antithese\" width=\"300\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg?w=1600&amp;ssl=1 1600w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg?resize=300%2C239&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg?resize=768%2C613&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg?resize=1024%2C817&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/38-brennendes-auto-2009.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Um einiges schneller als Banker stellten AktivistInnen in Berlin diesen Zusammenhang her \u2026 und materialisierten die Antithese: \u00bb<em>Mehr als 280 Autos gingen in diesem Jahr schon in Berlin in Flammen auf<\/em>.\u00ab<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Derart entfesselt lie\u00df es auch Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Partei Die Linken, krachen: \u00bb<em>Wenn die franz\u00f6sischen Arbeiter sauer sind, dann sperren sie mal Manager ein. Ich w\u00fcrde mir das hier auch w\u00fcnschen, damit die mal merken, dass da Zorn ist, dass da Menschen um ihre Existenz f\u00fcrchten<\/em>.\u00ab<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Als Letzter meldete sich nun auch der DGB-Chef Sommer leise zu Wort. Schwergewichtig erhob er sich von seinem r\u00fcckenschonenden Stuhl, warnte vor \u203asozialen Unruhen\u2039 und lie\u00df sich und alles andere, v\u00f6llig au\u00dfer Atem, wieder fallen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Am Ende des ersten Jahrzehntes des 21. Jahrhunderts nahm auch die TAZ ihren ganzen Mut zusammen, dem politischen Zusammenhang zwischen brennenden Autos und Marken-Kapitalismus nachzusp\u00fcren. Ein tapferer TAZ-Redakteur verlie\u00df sodann das Verlagsgeb\u00e4ude und verbrachte seine Zeit so lange in Kreuzberger Caf\u00e9s, bis er sich sicher w\u00e4hnte, die leibhaftige Antithese gefunden zu haben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ziemlich erfolgshungrig fragte der mutige TAZ-Redakteur gerade heraus: \u00bb<em>Was erreichst du denn mit der Z\u00fcndelei? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich sage mal: Es ist eine Art Krieg, der uns aufgezwungen wurde. Ich h\u00e4tte lieber Frieden. Doch es gibt eine Schieflage &#8211; Leute mit Geld verdr\u00e4ngen Leute ohne Geld aus der Innenstadt. Ich erwarte nichts von der Politik, sie ist von Wirtschaftsinteressen bestimmt. Es muss also Menschen geben, die das Heft in die Hand nehmen. So lange werden Autos brennen, bis es wieder ausreichend R\u00e4ume gibt, die nicht kapitalistischen Interessen dienen.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Kann die aktuelle Entwicklung \u00fcberhaupt durch brennende Autos umgekehrt werden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Das ist im Moment nicht die Frage. Es laufen Aktionen, und die sind vielf\u00e4ltig. Es geht nicht darum, Menschen zu verletzen oder zu t\u00f6ten. Es geht darum, das menschenverachtende System zum R\u00fcckzug zu bewegen. Es soll an verschiedenen Stellen getroffen werden.\u00ab<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>V\u00f6llig unaufgefordert goss zur Jahreswende 2009 die \u203aBewegung Morgenlicht\/Kommando Makeda\u2039 \u00d6l bzw. Benzin ins Feuer. Ob sie der bangen Frage der TAZ: <em>Kann Autos-abfackeln politisch sein?<\/em> eine positive Wendung geben wollten oder f\u00fcr Peer Steinbr\u00fccks These \u203a<em>Jede \u00dcbertreibung schafft ihre Antithese<\/em>\u2039 einen angemessenen Ort suchten, ist nicht bekannt. Fakt ist: \u00bbInnerhalb von 24 Stunden sind am Wochenende zwei Brandanschl\u00e4ge auf Filialen der Dresdner Bank und der Deutschen Bank ver\u00fcbt worden. (..). Insgesamt entstand ein Schaden von 110.000 Euro\u2026 Per E-Mail ist ein Bekennerschreiben verschickt worden (\u2026). Darin bekennt sich eine Gruppe namens \u203aBewegung Morgenlicht\/Kommando Makeda\u2039 zu dem Anschlag auf die Filiale der Dresdner Bank an der Fressgass. (\u2026) Zudem \u00e4u\u00dferte die Gruppe, der Brandanschlag sei \u203aeine kleine r\u00fcckwirkende Ohrfeige f\u00fcr den Betrug\u2039 gewesen, den Geldberater der Dresdner Bank mit der Vermittlung von Lehman-Zertifikaten angerichtet h\u00e4tten. Zu dem Brand an der Leipziger Stra\u00dfe \u00e4u\u00dferte sich die Gruppe, die laut einem Interneteintrag \u203aeine grundlegende Reform der Wirtschaft\u2039 zum Ziel hat, nicht. Die Polizei schlie\u00dft nicht aus, dass dieser Anschlag von einer anderen Gruppierung ver\u00fcbt worden ist.\u00ab<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c4hnlich kluge Ermittlungsergebnisse folgten: \u00bbDas Bekennerschreiben (\u2026) ist (\u2026) bisher der meistversprechende Ermittlungsansatz der Polizei. Die \u203aBewegung Morgenlicht\u2039, die den Brief unterzeichnet hatte, ist nach Angaben der Sicherheitsbeh\u00f6rden in der Vergangenheit noch nicht in Erscheinung getreten. <em>Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um ein loses B\u00fcndnis von Personen aus der autonomen Szene, die sich je nach Aktion jeweils einen antiken Beinamen geben<\/em>. In diesem Fall lautet er \u203aKommando Makeda\u2039 &#8211; Makeda hie\u00df nach Angaben der Ermittler eine G\u00f6ttin der Antike, die f\u00fcr die Erneuerung gek\u00e4mpft habe. Es handelt sich aber auch um den \u00e4thiopischen Namen der K\u00f6nige von Saba.\u00ab<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a><\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Die gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg ist 2010 nicht \u00fcberstanden, sondern vollst\u00e4ndig verstaatlicht worden.<\/span><\/h3>\n<p><strong>Die kapitalistischen \u00d6konomien sind nicht \u00fcber dem Berg \u2013 sie haben ihn nur verschoben. W\u00e4hrend die gro\u00dfen Unternehmen \u2013ohne jedes unternehmerische Risiko &#8211; wieder Profite einfahren und zu den n\u00e4chsten \u00dcbernahmeschlachten schreiten, sind die Staaten durch die \u00dcbernahme von Milliarden-Verluste bis zum Hals verschuldet. Die meisten europ\u00e4ischen Staaten haben eine historische Staatsverschuldung erreicht, die normalerweise nur in Kriegszeiten eingegangen wird. W\u00e4hrend alle systemrelevanten Unternehmen jede Art der Reparationszahlung f\u00fcr den verlorenen Finanzkrieg ablehnen, stehen einige Staaten am Rande des Ruins. Manche Staaten haben sich f\u00fcr diesen Notstand lange vorher ger\u00fcstet, polizeilich und ideologisch. Viele Lohnabh\u00e4ngige sind bereits lange vor der Krise mit Lohnk\u00fcrzungen und \u2013senkungen in Vorkasse getreten und weiterhin bereit, daf\u00fcr zu bezahlen, dass sie noch lohnarbeiten d\u00fcrfen. Manche Staaten profitieren von der Triage dieses Finanzkrieges und k\u00f6nnen die immensen Schulden durch Kriegsgewinne, durch die \u00dcbernahme vakanter Marktanteile und Bankrott geschossener Unternehmen ausgleichen. Mit diesem politischen und \u00f6konomischen Spielraum im R\u00fccken k\u00f6nnen jene L\u00e4nder auf Schockprogramme verzichten und treiben die Sozialisierung der Krise auf leisen Sohlen und in kleinen Schritten voran, wie die sukzessive Privatisierung des \u00f6ffentlichen Gesundheitssektors und der Altersf\u00fcrsorge.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Von der Verstaatlichung zur gewaltsamen Sozialisierung der Krise<\/span><\/h3>\n<p><strong>Der Krisenzug macht auf sehr unterschiedliche Weise in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Halt. W\u00e4hrend die Kernstaaten Europas noch Luft haben, beginnt die Treibjagd auf die schwachen Staaten. W\u00e4hrend die DAX-Unternehmen seit 2009 ihren B\u00f6rsenwert um sagenhafte 50 Prozent steigern konnten, Finanzfonds mit der Spekulation auf zahlungsunf\u00e4hige Staaten traumhafte Renditen machen, werden die ersten Schafe am Ende der Euro-Herde gerissen. Griechenland erkl\u00e4rte Anfang 2010 den drohenden Staatsbankrott und die europ\u00e4ische Gemeinschaft l\u00e4sst das griechische Familienmitglied gnadenlos zappeln. Ein kontrolliertes Absaufen. Zuerst m\u00fcsse die griechische Regierung alle Anstrengungen unternehmen, ihre eigene Bev\u00f6lkerung auszubluten, wenn n\u00f6tig, auch ganz w\u00f6rtlich.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein postr\u00f6misches Spektakel zwischen \u00f6ffentlicher (Schein-)Hinrichtung und dem Angebot, die Todesstrafe in eine lebensl\u00e4ngliche Haftstrafe umzuwandeln.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Am Rand der Eurozone wird \u2013 in aller \u00d6ffentlichkeit \u2013 ein Exempel statuiert. Auf den Ehrenb\u00fchnen schaut man mit schaurig-geilen Blicken auf den noch ungewissen Ausgang. Exakt einen Tag nach dem 1. Mai werden die Diktate des IWF und der Europ\u00e4ischen Union im Detail \u00f6ffentlich gemacht. Sei reichen von massiven Lohn- und Rentenk\u00fcrzungen, \u00fcber massive Angriffe auf Schutzrechte, bis zu Mehrwertsteuererh\u00f6hung und Verl\u00e4ngerung der Lebensarbeitszeit.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie dreist die nationale Rhetorik in Deutschland ist: \u203a<span style=\"color:#ff0000;\">Wir<\/span> bezahlen f\u00fcr <span style=\"color:#ff0000;\">die <\/span>faulen und schlemmenden <span style=\"color:#ff0000;\">Griechen<\/span>\u2039, wie absurd der nationale Appell des sozialistischen Ministerpr\u00e4sidenten ist: \u203a<span style=\"color:#ff0000;\">Wir <\/span>m\u00fcssen jetzt <span style=\"color:#ff0000;\">gemeinsam <\/span>durch diese Krise\u2039, ist, sei nur an einem Beispiel erkl\u00e4rt: 25 Prozent der griechischen ArbeiterInnen verdienen ca. 700 Euro im Monat. Gel\u00e4nge es dem IWF, der Europ\u00e4ischen Union und der griechischen Regierung, die Krise des Kapitalismus nach unten abzuw\u00e4lzen, w\u00fcrde dies eine K\u00fcrzung des miesen Lohnes um \u00fcber 20 Prozent zur Folge haben.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1769\" aria-describedby=\"caption-attachment-1769\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><strong><strong><a href=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/heller-wahnsinn-logo.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1769\" title=\"Hellas, heller Wahnsinn\" src=\"http:\/\/wolfwetzel.files.wordpress.com\/2010\/05\/heller-wahnsinn-logo.jpg?w=300&#038;resize=300%2C206\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/heller-wahnsinn-logo.jpg?w=700&amp;ssl=1 700w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/heller-wahnsinn-logo.jpg?resize=300%2C207&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/strong><\/strong><figcaption id=\"caption-attachment-1769\" class=\"wp-caption-text\">Denkmalschutz 2010<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Stimmung auf der Euro-B\u00fchne ist durchaus gemischt: W\u00e4hrend einige Business-Party-G\u00e4ste jede Scham ablegen und in Schlachtfestlaune die griechische Regierung dazu auffordern, Inseln abzutreten, wie nach einem verlorenen Krieg, mahnen andere Eurofighter zur \u00f6ffentlichen Zur\u00fcckhaltung. Es sei weder klug noch der rechte Zeitpunkt, durch solche postkolonialen Forderungen den Kern dieser Krisenbew\u00e4ltigung offen zu legen.<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Makeda und das Olympische Feuer<\/span><\/h3>\n<p><strong>Die europ\u00e4ischen Eliten wissen, was vom Ausgang dieser \u00f6ffentlichen Massen-Hinrichtung abh\u00e4ngt. Denn Griechenland ist kein Sonderfall, sondern ein Baum, hinter dem sich ein Wald versteckt. Auch andere Staaten der Eurozone stehen am Rande des Staatsbankrotts und vor \u00e4hnlichen Schockprogrammen. Gelingt es der griechischen Regierung, die verstaatlichte Krise zu vergesellschaften, wird das ein verheerendes Signal f\u00fcr alle Staaten sein, die als n\u00e4chstes in den Schlachthof eingeliefert werden: Portugal, Spanien, England, Italien\u2026.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Oder durchkreuzen die Proteste in Griechenland diesen Fahrplan, \u00e4ndern die Richtung, drehen den Wind, damit das Feuer die Villen und Pal\u00e4ste heimsucht und nicht die H\u00fctten niederbrennt\u2026<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color:#ff0000;\">Fazit und Ansporn<\/span><\/h3>\n<p><strong>Viele beschw\u00f6ren kompetent, einleuchtend und schl\u00fcssig das Recht auf Revolte, Unruhen oder gar revolution\u00e4re Zust\u00e4nde. Die Zahl derer, denen es reicht, die die Schnauze voll haben, die sich nicht mehr bel\u00fcgen lassen, w\u00e4chst zweifellos. Es fehlt weder an Entt\u00e4uschung, Verzweiflung noch an Wut. Auch an Forderungen, von piepsigen Minimal- bis ultimativen Maximalforderungen mangelt es nicht. Und doch herrscht bange Stille, \u00fcberall: innerhalb der parlamentarischen Linken, in der Gewerkschaftslinken, in der radikalen Linken. Niemand hat sich in den letzten Jahren mit Erfolg bekleckert.<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr niemanden gibt es also einen Grund, an der erfolglosen Praxis festzuhalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Zustand der radikalen Linken kommt der flotten Sparkassenwerbung sehr nahe. Der Chef einer \u203a08\/15\u2039 Bank ruft angesichts mieser Gesch\u00e4ftsdaten zu einer Krisensitzung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Die Kunden laufen uns davon\u2026 Vorschl\u00e4ge<\/em>.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bbWir verteilen bunte F\u00e4hnchen<em>\u2026<\/em>\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bbOder: Wir machen es wie die Sparkassen. Pers\u00f6nliche Beratung, quasi \u00fcberall kostenfreie Geldautomaten, immer eine Filiale in der N\u00e4he\u2026.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Was brauchen Sie daf\u00fcr?<\/em>\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb16.000 Filialen, 130.000 Beraten\u2026.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bb<em>Okay. Wir machen das mit den F\u00e4hnchen.<\/em>\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Mitarbeiter atmen auf, winken ordentlich mit ihren 08\/15 F\u00e4hnchen &#8230; es bleibt alles beim Alten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Oder mit den Worten von Fels<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a>, einer Berliner Gruppierung: \u00bbTed Gaier <em>(von den Goldenen Zitronen)<\/em> meint in einem Interview \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen Linke und Wirtschaftskrise: \u203aJetzt merken wir alle ja, dass wir total drau\u00dfen sind\u2039. Zum Beginn der Wirtschaftskrise hatten wir eine \u00e4hnliche Einsch\u00e4tzung: dass die Krise eine Krise der radikalen Linken ist. Fehlende soziale Verankerung in Prozessen machen objektiv richtige Erkenntnisse nicht wett.\u00ab<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Sicherlich ist es wichtig, sich die gegenw\u00e4rtige Krise erkl\u00e4rbar zu machen, anstatt mit Antworten aufzuwarten, die vor 100 Jahren auch richtig gewesen w\u00e4ren. Davon gibt es viele.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Selbst wenn also einiges davon \u203aobjektiv Richtige\u2039 sein mag, ist das kein Zauberstab, sondern im besten Fall eine gelungene Abstraktion, ein Lot, an dem sich gemeinsames Handeln und Vorgehen messen lassen sollte.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mehr denn je wird es darauf ankommt, Worte zu finden, die auf der Zunge liegen, Orte zu schaffen und zu erhalten, wo das Rotieren, sich hetzen und sich ausstechen ein Ende hat, dass es Gruppen geben muss, bei denen man gerne dabei sein m\u00f6chte, dass es Aktionen geben muss, die einfach ins Herz springen, kurzum, wo das, was objektiv richtig sein mag, nicht mehr an der Litfasss\u00e4ule der richtigen Erkenntnisse steht, sondern erlebbar und sp\u00fcrbar wird. Es geht darum, die Richtung zu \u00e4ndern, die Vorzeichen, nicht im Kopf, nicht f\u00fcr sich (und seine Freunde), sondern als sozialen, gesellschaftlichen Prozess. Eine Revolte entsteht nicht durch die richtige Analyse, sondern indem die Vision von dem, was anders sein k\u00f6nnte, was anders werden muss, unter die Haut geht, wenn wir so anfangen zu leben, dass der Kapitalismus nicht mehr zum aushalten ist und das Risiko, sich dagegen zu stellen, keine Helden mehr braucht, sondern viele, die es teilen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer also dem kapitalistischen Pflegedienst \u203aSmash capitalism\u2039 entgegenschleudert, hat nicht die Antwort, sondern die Pflicht, die Richtigkeit dieser Parole in einer Praxis sichtbar zu machen &#8211; nicht dort, wo man unter sich ist, sondern wo der Kapitalismus allm\u00e4chtig erscheint, also mittendrin.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen einen Weg finden zwischen den Trillerpfeifen der Sozialpartnerschaft und schwarzen Sonnenbrillen symbolischer Militanz, zwischen einer Praxis, die Lohnabh\u00e4ngige durch den Nacktscanner der Wirtschaftslogik treibt (<em>Sie haben noch etwas in Ihrer Tasche, geben Sie das bitte hier ab!<\/em>) und einer grunds\u00e4tzlichen Systemkritik, die gut beh\u00fctet im Wanderkessel sich selbst gen\u00fcgt. Einen Weg, der nicht l\u00e4nger mit zwei, drei Kampagnen-Highlights im Jahr den Alltag vergessen macht, sondern den Alltag selbst zum Kampfterrain macht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zwischen dem Kampf um Verbesserungen innerhalb des Bestehenden und einer radikalen Kritik des Bestehenden liegt nicht Verrat, sondern ihre Konkretion. Auf diesem langen Weg werden wir noch genug Zeit haben, \u00fcber die Dialektik von Reform und Revolution zu streiten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diesen Text gibt es auch in einer H\u00f6rspielfassung \u2013 mit \u00fcber 50 Bildern, Collagen und Montagen illustriert &#8211; und steht f\u00fcr Veranstaltungen zur Verf\u00fcgung, auch im Rahmen des Georg B\u00fcchner Aktionsvorschlages. Informationen dazu befinden sich in der Kategorie: AG Georg B\u00fcchner.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein kleiner Ausschnitt findet sich unter: <a href=\"http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2009\/12\/14\/14-12-2009-dunenwanderung-durch-die-krise\/\">http:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2009\/12\/14\/14-12-2009-dunenwanderung-durch-die-krise\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolf Wetzel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2010<\/strong><\/p>\n<p><strong>Autor der dokumentarischen Erz\u00e4hlung: T\u00f6dliche Sch\u00fcsse, Unrast Verlag 2008<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/a73f274265764f6f9f234da6f0f9b33b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>FR vom 10.\/11.4.2010<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> FAZ vom 27. Oktober 2008<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Der Spiegel, Nr.20\/11.5.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Sie applaudieren immer zu schnell, FAZ vom 23.11.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> s.o.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Spiegel-online vom 14.05.2008<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> \u203aEnde der Party \u2013 Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft\u2039, PapyRosa Verlag, 2008<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> FAZ vom 8. Oktober 2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Ingo Schulze, Das Monster in der Grube, FAZ vom 4.8.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Subprime-Hypotheken befinden sich wieder \u00bbauf dem Niveau von 2006 \u2013 also vor Beginn der Finanzkrise.\u00ab FAZ vom 28.10.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> FAZ vom 8.12.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Der Spiegel 20\/2009, S. 98<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Handelsblatt vom 6.12.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Der Spiegel 18\/2009, S.44<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> TAZ vom 31.12.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> FAZ vom 2.11.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> FAZ vom 3.11.2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a><em> <\/em><em>F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung<\/em> (FelS) ist eine Berliner Initiative, die sich seit 1991 um die Weiterentwicklung linksradikaler Politik bem\u00fcht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> https:\/\/fels.nadir.org\/de\/412\/start-militante-untersuchung<\/p>\n<p>Views: 492<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Etappenbericht \u00fcber ein lukratives Gesch\u00e4ftsmodell, \u00fcber die Verstaatlichung seiner Verluste, die anstehende Vergesellschaftung und die ausstehende Revolte<\/p>\n<p>\u00bbEs herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg f\u00fchrt, und wir gewinnen.\u00ab US-Multimilliard\u00e4r und Finanz-Warlord Warren E. Buffet, 2005<\/p>\n<p>Nur zwei Jahre sp\u00e4ter fielen Banken wie Kartenh\u00e4user zusammen \u2013 ein Nine\/Eleven der Business Class.<\/p>\n<p>Als Banken und Versicherungen damit drohten, das ganze System mit in den Abgrund zu st\u00fcrzen, wurde die gr\u00f6\u00dfte Krise des Kapitalismus nach 1945 verstaatlicht. Nun stehen die ersten Staaten vor dem Bankrott und viele Menschen vor gro\u00dfen Fragen&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[5,9,24,25,27],"tags":[642,853,854,995,1053,1084,1186,1260,1376,2080,2083,2103,2104,2679,2718],"class_list":["post-1751","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-04-texte","category-arbeit","category-imperialismus","category-kapitalis-mus-s","category-krise-des-kapitalismus-krisenhafter-protest-2012","tag-deutsche-bank","tag-finanzkrieg","tag-finanzkrise","tag-georg-buchner","tag-griechischer-staatsbankrott","tag-hans-walter-sinn","tag-horst-kohler","tag-iwf","tag-klassenkrieg","tag-reform","tag-reformismus","tag-revolte","tag-revolution","tag-warren-e-buffet","tag-wir-bezahlen-nicht-fur-eure-krise"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1751"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1751\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}