{"id":13223,"date":"2023-03-19T16:49:59","date_gmt":"2023-03-19T15:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.de\/?p=13223"},"modified":"2023-03-19T21:21:27","modified_gmt":"2023-03-19T20:21:27","slug":"begegne-den-feinden-deiner-nation-mit-hass-und-ruecksichtslosem-kampf-der-radikale-ukrainische-nationalismus-und-die-oun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2023\/03\/19\/begegne-den-feinden-deiner-nation-mit-hass-und-ruecksichtslosem-kampf-der-radikale-ukrainische-nationalismus-und-die-oun\/","title":{"rendered":"&#8222;Begegne den Feinden Deiner Nation mit Hass und r\u00fccksichtslosem Kampf.\u201c Der radikale ukrainische Nationalismus und die OUN."},"content":{"rendered":"<h1>\u201eBegegne den Feinden Deiner Nation mit Hass und r\u00fccksichtslosem Kampf.\u201c Der radikale ukrainische Nationalismus und die OUN.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/h1>\n<p><strong>Von Klaus Wernecke\/Markus Mohr<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit der Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine 1991 werden \u201eHelden\u201c der OUN, der <em>Organisation Ukrainischer Nationalisten,<\/em> \u00f6ffentlich geehrt. Im April 2015 erkl\u00e4rte die Werchowna Rada, das ukrainische Parlament, die Mitglieder der OUN offiziell zu Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfern. Dazu z\u00e4hlt Stepan Bandera, nachdem hunderte Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze umbenannt und f\u00fcr den lebensgro\u00dfe Statuen und Denkm\u00e4ler aufgestellt wurden.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-12172 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bandera-swoboda.jpg?resize=644%2C364&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"644\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bandera-swoboda.jpg?w=644&amp;ssl=1 644w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bandera-swoboda.jpg?resize=300%2C170&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinzu kommen vier Bandera-Museen. \u201eIn der Zeit des Maidans 2013\/14 griff die Verehrung auch auf Kiew \u00fcber.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Seine Statue in Lwiw (Lemberg), einer Hochburg des nationalistischen \u201eHelden\u201c-Kult, ist, mit Sockel, sieben Meter hoch. Das Denkmal wurde 2007 vollendet.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-13224 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bandera-Kult.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bandera-Kult.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bandera-Kult.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bandera-Kult.jpg?w=720&amp;ssl=1 720w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde der Zitadelle von Lemberg ermordeten die deutschen Eroberer im 2. Weltkrieg \u00fcber 100.000 russische Kriegsgefangene. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Zum 100. Geburtstag Banderas am 1. Januar 2009 erschien in der Ukraine eine Brief-Marke mit seinem Portr\u00e4t. Zum 1. Januar 2023 twitterte ein ukrainischer Armeeoffizier \u201eAlles Gute zum Geburtstag. Ruhm der Nation\u201c.<\/p>\n<p>Dazu zeigt ein Foto den Oberkommandierenden der ukrainischen Streitkr\u00e4fte, General Walerij Saluschnyj, vor einem gemalten Bandera-Portr\u00e4t. \u201eDas Foto sei echt, stellen die ukrainefreundlichen Fact-Finder von Correctiv z\u00e4hneknirschend fest.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<h2>Was f\u00fcr ein politisch-ideologischer Hintergrund verbindet sich historisch mit der <em>OUN-B <\/em>und einem ihrem langj\u00e4hrigen Aktivisten und Anf\u00fchrer, Stepan Bandera?<\/h2>\n<p>1929 in Wien gegr\u00fcndet, spaltete sich die OUN 1940 in eine von Oberst Andrij Melnyk gef\u00fchrte Organisation, auch genannt \u201eMelnykisten\u201c (OUN-M) und die \u201eBanderisten\u201c (OUN-B) unter F\u00fchrung von Stepan Bandera. OUN-B-Angeh\u00f6rige zogen 1941 in den Bataillonen \u201e<em>Nachtigall<\/em>\u201c und \u201e<em>Roland<\/em>\u201c aufseiten der deutschen Wehrmacht zum Krieg gegen die Sowjetunion in die Ukraine. OUN-M-Mitglieder stellten Freiwillige f\u00fcr die Waffen-SS-Division \u201e<em>Galizien<\/em>\u201c. Die OUN-M entstand zun\u00e4chst meist aus Emigranten, Anh\u00e4ngern von Oberst Andrij Melnyk (1890\u20131964). Die in der OUN-B versammelten Anh\u00e4nger Stepan Banderas (1909\u20131959) waren j\u00fcnger und radikaler, hatten ihre Basis vor allem im westukrainischen Galizien und wollten den bewaffneten Kampf f\u00fcr die Eigenstaatlichkeit der Ukrainer.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eVor dem Angriff auf Polen 1939 und ebenso vor dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion 1941 traf die deutsche Abwehr<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a> Absprachen mit der OUN, beziehungsweise der OUN-B, \u00fcber Aufst\u00e4nde, die die OUN-Einheiten hinter der Front initiieren sollten. \u2026 Die Vereinbarung zwischen der Abwehr und der OUN zur politisch-milit\u00e4rischen Kooperation sah vor, dass die OUN eine nicht weiter pr\u00e4zisierte Form von Selbst\u00e4ndigkeit erhielt, wenn sie im Falle eines Aufstands in der Westukraine die dort lebenden Juden und Polen vernichtete. OUN-Kader reisten mit deutschen Abwehroffizieren Mitte September 1939 nach Ostpolen, um die Lage vor Ort zu inspizieren. Hier berichtete man der Delegation von Massenerschie\u00dfungen der Juden. Die OUN war also \u00fcber wesentliche Entwicklungen des Krieges, vor allem \u00fcber das m\u00f6rderische Vorgehen gegen Juden, aus erster Hand informiert.\u201c<\/em> (Bruder 129 f)<\/p>\n<p>Nach dem Vollzug des deutsch-russischen Paktes mit dem Einmarsch der Roten Armee in die Westukraine (17.9.39) stoppte die Reichsregierung diese Aufstandsplanung. In seiner Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion wurde vom Oberkommando der Wehrmacht im M\u00e4rz\/April 1941 das Bataillon \u201eNachtigall\u201c gegr\u00fcndet. Es bestand zun\u00e4chst aus 330 westukrainischen Soldaten, haupts\u00e4chlich von der OUN-B zusammengestellt. Den Oberbefehl hatten deutsche Offiziere.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Die Soldaten trugen Wehrmachtsuniform und als zus\u00e4tzliche national-ukrainische Symbolik ein blau-gelbes Abzeichen auf den Schulterklappen, als Zeichen auch eines deutsch-ukrainischen B\u00fcndnisses. \u00c4hnliches galt f\u00fcr das Bataillon \u201eRoland\u201c mit 350 Ukrainischen Soldaten. \u201eNachtigall\u201c und \u201eRoland\u201c \u201ewaren integraler Bestandteil der deutschen Kriegsf\u00fchrung\u201c und keine autonomen Einheiten, wie in der national-ukrainischen Geschichtsschreibung dargestellt. (Bruder 132)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e<em>Die Hegemonisierungsstrategie der OUN beinhaltete bereits in der Zwischenkriegszeit die totalit\u00e4re Unterwerfung aller Lebensbereiche. Unter Kriegsbedingungen hie\u00df das, das politisch-ethnische Nationenverst\u00e4ndnis der OUN-B durch paramilit\u00e4rische Truppen fl\u00e4chendeckend m\u00f6rderisch durchzusetzen.\u201c<\/em> (Bruder 144 f)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 23. Juni 1941, einen Tag nach Beginn des deutschen Krieges gegen die Sowjetunion, gab ein Vertreter der OUN-B in der Berliner Reichskanzlei eine Denkschrift ab. Sie informierte \u00fcber ihre nun zu vollziehende Gr\u00fcndung eines selbst\u00e4ndigen ukrainischen Staates. Den proklamierte die OUN-B am 30. Juni in Lemberg. An diesem Tag marschierte die Wehrmacht in Lemberg ein. Schon unmittelbar nach Beginn des deutschen Krieges am 22. Juni 1941 gab es in der Westukraine in \u201edutzenden Orten \u2026 Pogrome an Juden. Oft waren noch keine Einheiten der Wehrmacht vor Ort.\u201c Die T\u00e4ter waren Ukrainer. Der israelische Historiker Shmuel Spector h\u00e4lt, so Bruder, \u201edas Pl\u00fcndern j\u00fcdischen Eigentums f\u00fcr die wesentlichste Ursache der Pogrome.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> F\u00fcr zahlreiche, gleichzeitig stattfindende Pogrome bedarf es einer Initiativkraft. Aus den Schilderungen j\u00fcdischer \u00dcberlebender geht hervor, dass in der Regel eine \u201aukrainische Miliz\u2018 vor Ort diese Initiativkraft verk\u00f6rperte. Die OUN-B verschleierte deren Tatbeteiligung. \u2026 als Akteur erscheint ausschlie\u00dflich \u201adie Bev\u00f6lkerung\u2018.\u201c In der OUN-B Zeitschrift \u201eUnser Kampf\u201c werden Pogrome mit dem Stereotyp der \u201eJudenkommune\u201c und deren notwendiger Vernichtung legitimiert. Mit diesem Begriff wurden aus Opfern T\u00e4ter gemacht, vereinigten sich radikaler Antikommunismus und Antisemitismus. (Bruder 145 f und 148)<\/p>\n<p>Die \u201e<em>Ukrainische Nationale Miliz<\/em>\u201c war auf Anordnung Banderas aufgestellt worden, als von den Nationalsozialisten unabh\u00e4ngige Truppe. In einem \u201eStaatsakt\u201c verk\u00fcndete die OUN am Abend des 30. Juni 1941 in Lwiw (Lemberg) die Gr\u00fcndung eines ukrainischen Staates. (Bruder 141:)<\/p>\n<p>\u201eDer Staatsakt war symbolisch aufgeladen und gr\u00fcndlich inszeniert.\u201c Zun\u00e4chst trat ein Geistlicher auf, der Milit\u00e4rpriester des Bataillons Nachtigall. \u201eMit seinem Auftritt verkoppelte die OUN-B Religion, Milit\u00e4r und Staat, die in den Augen der ukrainischen Nationalisten Heilige Dreifaltigkeit.\u201c Dann wurden Gru\u00dfworte des Oberhauptes der griechisch-katholischen Kirche \u00fcberbracht. Die Reihenfolge der folgenden weiteren Gru\u00dfworte \u201eist politisch leicht zu decodieren: An erster Stelle standen selbstverst\u00e4ndlich die \u201aF\u00fchrer\u2018. Hier musste Banderas Name als erster fallen, um den Machtanspruch der OUN-B als \u201aHerr im Hause\u2018 zu manifestieren. Danach wurde der F\u00fchrer des \u201aB\u00fcndnispartners\u2018, Hitler, gegr\u00fc\u00dft sowie die Wehrmacht\u201c. Ein anwesender deutscher Abwehroffizier versuchte vergeblich die Versammlung aufzul\u00f6sen: \u201ees sei Krieg und kein Platz f\u00fcr Politik.\u201c<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen des 30. Juni war ein Vorauskommando der deutschen Einsatzgruppen in Lemberg eingetroffen. Es folgte die regul\u00e4re Wehrmacht. Vom Ort am Marktplatz, wo der neue Staat ausgerufen wurde, bis zum Hauptquartier der Wehrmacht sind es zu Fu\u00df nur f\u00fcnf Minuten, von hier zu Orten antij\u00fcdischer Massaker f\u00fcnfzehn. \u201eDie Staatsproklamation und die Pogrome liefen buchst\u00e4blich nebeneinander ab.\u201c (Bruder 149) \u201eNur wenige hundert Meter von den Massenmorden an Juden entfernt, die durch ihre Mitglieder initiiert und begangen wurden, setzte die OUN-B am 30. Juni 1941 in Lemberg ihr ideologisches Kernziel in Szene: die Staatsgr\u00fcndung.\u201c (Bruder 151) Im Radio sangen Soldaten des \u201eStepan Bandera Bataillon\u201c deutsche und ukrainische Milit\u00e4r- und [nationalistische] Revolutionslieder. Die Stadt war bald voll von gelb-blauen Flaggen, dazu Plakate mit Proklamationen Banderas. Der von der OUN-B-Propaganda als Providnyk (\u201eF\u00fchrer\u201c) der Ukrainer pr\u00e4sentierte Bandera, aktuell selbst nicht in Lemberg, rief darin zu Mord und Brandstiftung auf.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Zu lesen war neben blau-gelben und Hakenkreuz-Flaggen auch: \u201e<em>Lang lebe Stepan Bandera<\/em>\u201c, \u201e<em>Lang lebe Adolf Hitler<\/em>\u201c. Die Nationalisten begr\u00fc\u00dften sich mit \u201e<em>Ruhm der Ukraine<\/em>\u201c und antworteten \u201eRuhm den \u201eHelden\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDie Ukraine den Ukrainern\u201c hie\u00df es auf Plakaten der \u201erassistischen Nationalisten. Sie informierten ihre Leser dar\u00fcber, zu wem das Gebiet in dem sie lebten geh\u00f6ren sollte und wem es erlaubt, und wem es nicht erlaubt sein sollte, darin zu leben. Viele der Plakate und anderes revolution\u00e4res Propagandamaterial verband die Idee der Gr\u00fcndung eines Ukrainischen Staates mir der Ermordung der Juden. Auf einem dieser Plakate war zu lesen: \u201aWisset! Moskau, Ungarn, Juden sind eure Feinde, T\u00f6tet sie, vergesst nicht! Eure F\u00fchrung ist die F\u00fchrung der Ukrainischen Nationalisten OUN, euer F\u00fchrer ist Stepan Bandera, euer Ziel ist ein unabh\u00e4ngiger Ukrainischer Staat.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Der gewaltt\u00e4tigste Tag des antij\u00fcdischen Pogroms in Lwiw war zun\u00e4chst der erste Juli, aber Misshandlungen und Morde setzten sich in den n\u00e4chsten Tagen fort.<\/p>\n<p>Von der entmenschenden Gewalt der Pogrome gibt es Filme und Fotografien, gemacht von deutschen Soldaten.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Zur Lemberger Mordserie z\u00e4hlt auch der \u201eProfessorenmord\u201c. Mit Hilfe ukrainischer Studenten wurde eine Liste von Lemberger Professoren polnischer Abstammung erstellt. In der Nacht vom 3. zum 4. Juli sind 22 Professoren, zum Teil samt ihrer Familienangeh\u00f6rigen und allen Personen, die sich in ihren Wohnungen aufhielten, von der Gestapo verhaftet und 21 Professoren zusammen mit 13 Angeh\u00f6rigen noch in der gleichen Nacht erschossen worden. Am 12. Juli wurden zwei weitere Professoren ermordet.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Wie viele Angeh\u00f6rige der Wehrmacht an den Pogromen teilnahmen, ist nicht mehr genau festzustellen. Bei der Aktion wurde am 30. Juni und 1. Juli eine unbekannte Zahl von Juden misshandelt und mehrere hundert ermordet. Inzwischen traf die deutsche Einsatzgruppe C in Lemberg ein. Sie mordete noch planm\u00e4\u00dfiger &#8211; unter Mitarbeit Ukrainischer Miliz .<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Ein Bericht der zentralen OUN-Propagandastelle in Lemberg vom 28. Juli 1941 meldete:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eUnsere Miliz f\u00fchrt jetzt gemeinsam mit den deutschen Organen zahlreiche Verhaftungen von Juden durch. Vor der Liquidierung verteidigen sich die Juden mit allen Methoden, vor allem mit Geld. \u2026 sollen sich unter unseren Polizisten Leute befinden, die f\u00fcr Geld oder Gold Juden laufen lassen \u2026\u201c (Bruder 147)<\/em><\/p>\n<p>Als die \u201edeutschen und ukrainischen Nationalisten\u201c am 30. Juni 1941 in Lwiw eindrangen, lebten in der Stadt 160.000 Juden, 140.000 Polen und 70.000 Ukrainer. (Rossolinski-Liebe 198)<\/p>\n<p>Das direkte B\u00fcndnis der ukrainischen Nationalisten, hier an der Spitze die OUN-B, mit den Deutschen, bisher getragen vor allem von der deutschen Abwehr, wurde nach dem \u201eputschistischen Staatsstreich\u201c (Bruder 152) in Lemberg von deutscher Seite beendet. Die deutsche politische F\u00fchrung akzeptierte keinen eigenst\u00e4ndigen \u201eukrainischen\u201c Staat. Bandera wurde festgenommen und bis 1944 in einer \u201eEhrenhaft\u201c gehalten.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Mitte September 1941 kam es zu einer Verhaftungswelle gegen OUN-B-Mitglieder.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eVor der Illegalisierung im Herbst 1941 hatte die OUN-B Pogrome gegen Juden initiiert und sich mit dem Bataillon \u201aNachtigall\u2018 an Morden an Juden beteiligt. F\u00fchrende Mitglieder der OUN-B hatten sich f\u00fcr die Vernichtung der Juden nach deutschem \u201aVorbild\u2018 ausgesprochen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die aktuelle Stimmung an der OUN-Basis gibt, so Bruder, ein Brief vom Oktober 1941 mit Unterschrift der OUN-B wieder: \u201eEs lebe die gro\u00dfe selbst\u00e4ndige Ukraine ohne Juden, Polen und Deutsche. Polen hinter den San, Deutsche nach Berlin, Juden an den Haken.\u201c Bruder interpretiert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDie Zustimmung der OUN-B zum Holocaust kommt nach ihrer Illegalisierung im Herbst 1941 in erster Linie darin zum Ausdruck, dass sie schwieg.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch in ihrem \u201eradikalen Antisemitismus\u201c stimmte sie \u201eder Massenvernichtung der Juden im Grundsatz zu\u201c. In den OUN-Texten wird nun der Mord an den ukrainischen Juden bagatellisiert und verschleiert, nur \u201eantij\u00fcdische Aktion\u201c genannt. (Bruder 166 f)<\/p>\n<p>Im Oktober 1942 formierte die OUN-B die <em>Ukrainische Aufst\u00e4ndische Armee (UPA)<\/em> als ihren bewaffneten, milit\u00e4rischen Fl\u00fcgel, als nationalistische Partisanen, partiell auch gegen die deutsche Besatzung gerichtet.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Damit verbunden war eine \u201eVerschiebung des organisatorischen Schwerpunktes der OUN-B vom politischen zum milit\u00e4rischen Arm\u201c. Die UPA bestand aus vielen OUN-B-Mitgliedern, umfasste aber auch Personen, \u201edie beispielsweise vor der Deportation zur Zwangsarbeit nach Deutschland flohen. Die UPA war daher politisch disparater.\u201c Dennoch entwickelte sich eine \u201eklare Arbeitsteilung, die OUN-B und die UPA sind als politische Einheit zu betrachten.\u201c (Bruder 177) Sympathisanten und Aktivisten der hier beteiligten ukrainischen Polizei informierten die OUN-B auch \u00fcber den Fortgang der Massenmorde an Juden. \u201e\u00d6ffentlich hat sich die OUN-UPA bis heute weder zu der Beteiligung am Holocaust noch zu den gezielten Massakern an der polnischen Zivilbev\u00f6lkerung bekannt, sie hat sie vielmehr immer strikt geleugnet.\u201c (Bruder S. 176)<\/p>\n<p>Obwohl die deutsche Politik eine selbst\u00e4ndige und noch dazu von der OUN beherrschte Ukraine strikt ablehnte und deren Propagandisten verfolgte, gab es in der Praxis vor Ort weiterhin Kontakte. Die Position von OUN-B-Repr\u00e4sentanten zeigte hier Z\u00fcge von Opportunismus. Bruder interpretiert die politische, \u00fcbergeordnete Taktik:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDer Grund f\u00fcr die \u00f6ffentliche Zur\u00fcckhaltung war, dass die Nationalsozialisten mit Hilfe der ukrainischen Polizei den Massenmord an den Juden in der Region z\u00fcgig durchf\u00fchrten. Eine \u00f6ffentliche Distanzierung lag der OUN-B daher fern. Vielmehr wurde \u201avom J\u00fcdischen Problem\u2018 gesprochen, das in einigen Teilen der Ukraine von den Deutschen \u201agel\u00f6st\u2018 oder \u201anoch nicht gel\u00f6st\u2018 wurde.\u201c (Bruder 169)<\/em><\/p>\n<p>Gel\u00f6st im Sinne des v\u00f6lkischen, m\u00f6rderischen Nationenverst\u00e4ndnis der OUN-B.<\/p>\n<p>Nach der Inhaftierung Banderas \u00fcbernahmen andere OUN-Mitglieder die Leitung der OUN-B. Rossolinski: \u201eViele OUN-B-Mitglieder, die w\u00e4hrend des Holocaust in der deutschen Polizei dienten, und ein Teil der UPA-Partisanen, die Polen und Juden ermordeten, identifizierten sich zwar mit Bandera und betrachteten ihn als ihren <em>providnyk<\/em> oder bezeichneten sich selbst als <em>banderivci<\/em> (Bandera-Anh\u00e4nger), aber Bandera erteilte ihnen keine Befehle. Seine politische Wirkungsm\u00f6glichkeit war in dieser Zeit eingeschr\u00e4nkt. Die politische Leitung war in den H\u00e4nden von Roman Schuchewych<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>, Mykola Lebed, Dmytro Kliachkiv\u015bkyj und anderen, die direkt vor Ort die Morde anordneten und die \u201aS\u00e4uberung\u2018 der Westukraine koordinierten.\u201c <a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eIm M\u00e4rz 1943 desertierten in Wolhynien mehrere Tausend ukrainische Polizisten zur UPA, die zuvor an Massenerschie\u00dfungen von Juden in Wolhynien beteiligt gewesen waren. Damit hatte eine gro\u00dfe geschlossene Gruppe in der OUN-UPA Erfahrungen im Massenmord. Seit April 1943 nahmen die Aktionen gegen Polen den Charakter einer ethnischen S\u00e4uberung an. Ihren Gipfel erreichte die \u201aantipolnische Aktion\u2018, wie sie von der OUN-UPA bezeichnet wurde, am 11. Juli 1943, als in drei Landkreisen polnische D\u00f6rfer und Siedlungen umstellt und die gesamte Bev\u00f6lkerung brutal ermordet wurde.\u201c (Bruder 171)<\/em><a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Der Befehlshaber der Gruppe UPA-Nord, Dmytro Kljatschkiwskyj, erkl\u00e4rte 1943 in einer Direktive die Liquidierung aller \u201epolnischen Elemente\u201c als Ziel. Zwar sollten zun\u00e4chst nur alle m\u00e4nnlichen polnischen Bewohner im Alter zwischen 16 und 60 Jahren ermordet werden, die Opfer der Massaker waren jedoch \u00fcberwiegend polnische Frauen und Kinder. Die Ukrainer hofften, durch die Beseitigung der Polen ihren k\u00fcnftigen Anspruch auf Wolhynien untermauern zu k\u00f6nnen. Zudem galten die Ausschreitungen als Racheakt f\u00fcr Massaker polnischer Nationalisten an ukrainischen Zivilisten im Jahr 1942.<\/p>\n<p>Die Vorgehensweise der UPA war von gr\u00f6\u00dfter Brutalit\u00e4t gekennzeichnet. Bei den von der UPA begangenen Gr\u00e4ueltaten fanden nicht nur Feuerwaffen, sondern auch \u00c4xte, Beile, Spie\u00dfe, Messer und Heugabeln zur Ermordung der polnischen Bev\u00f6lkerung Verwendung. Unabh\u00e4ngig von Alter und Geschlecht wurden die Opfer h\u00e4ufig zu Tode gefoltert, ganze Siedlungen in Brand<br \/>\ngesteckt, die Ortschaften oftmals nachts oder im Morgengrauen \u00fcberrumpelt, wie etwa w\u00e4hrend<br \/>\ndes Massakers in Janowa Dolina. Mehrfach kam es w\u00e4hrend katholischer Gottesdienste zu<br \/>\n\u00dcberf\u00e4llen auf Kirchen. Der britische Historiker Norman Davies beschreibt im Buch No<br \/>\nsimple Victory wie ganze D\u00f6rfer niedergebrannt, katholische Priester mit \u00c4xten zerhackt oder<br \/>\ngekreuzigt und abgelegene Bauernh\u00f6fe von mit Messern und Heugabeln bewaffneten Gruppen<br \/>\nangegriffen wurden. Man schnitt den Opfern die Kehlen durch, schwangere Frauen und Kinder<br \/>\nwurden aufgespie\u00dft oder in St\u00fccke geschnitten, M\u00e4nner wurden aus dem Hinterhalt \u00fcberfallen<br \/>\nund ermordet.<\/p>\n<p>Im Morgengrauen des 30. August 1943 \u00fcberfielen ukrainische Nationalisten das Dorf Ostrowka in Wolhynien. Der \u00fcberlebende Aleksander Pradun, der w\u00e4hrend der Massaker fast seine ganze Familie verlor, erinnert sich:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eEs ist kaum zu beschreiben: Alles schrie und weinte. Kinder, die unter den Leichen<br \/>\nnach ihren M\u00fcttern suchten und erschossen wurden. Meine Mutter wollte, dass wir<br \/>\ndiesem Morden nicht l\u00e4nger zusehen. Sie dr\u00fcckte mich an sich \u2013 und dann schossen<br \/>\nsie, erst auf meine Tante. Dann merkte ich, wie der Arm meiner Mutter erschlaffte \u2013 sie<br \/>\nhatten sie getroffen. Ich lag regungslos da, um mich herum Totenstille. Und dann h\u00f6rte<br \/>\nich die Ukrainer rufen: &#8218;Die polnische Fresse liegt hier, besiegt!&#8217;\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiterer \u00dcberlebender der Massaker, Zygmunt Maguza, berichtet von der Ermordung seiner Familie:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eAuf dem Tisch stand Brot. Oma hat es gebacken, dachte, dass wir vielleicht kommen.<br \/>\nDie T\u00fcr in die Stube war angelehnt. Rechts sah ich den Opa liegen. Links Oma und<br \/>\nWeronika. Ich guckte rein, der Opa hatte keinen Kopf mehr. Ich hob ihn an, da spritzte<br \/>\ndas Blut! Ich hatte nur ein Hemd und eine kurze Hose an, war barfu\u00df. Oma hatte ein<br \/>\nSchlafhemd an, jemand hatte sie mit der Axt von oben nach unten durchgetrennt.<br \/>\nDaneben \u2013 die 11-j\u00e4hrige Weronika Stankiewicz. Sie war nicht nur erschossen worden,<br \/>\nsondern auch von oben nach unten zerhackt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige der polnischen Heimatarmee (AK) reagierten auf die Massaker der UPA mit weiteren Vergeltungsaktionen an der ukrainischen Bev\u00f6lkerung in Selbstverteidigungsverb\u00fcnden. Sie organisierte das Niederbrennen ganzer ukrainischer D\u00f6rfer sowie das Massakrieren der dort lebenden Einwohner.<\/p>\n<p>Bis 1944 kam es in der Ukraine zu einer weiteren Serie von Morden an Polen und Juden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eZwischen dem 22. Juni 1941 und dem Abzug der deutschen Truppen im Sommer 1944 wurden etwa 500.000 Juden in Ostgalizien und mehr als 200.000 in Wolhynien ermordet. T\u00e4ter waren insbesondere die deutschen Einsatzgruppen der Sipo und SD<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><strong>[19]<\/strong><\/a> unter Mithilfe der ukrainischen Polizei sowie des Ende 1942 gegr\u00fcndeten milit\u00e4rischen Arms der OUN-B, der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA).\u201c (Bruder 155) <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDie Pogrome waren f\u00fcr die OUN-B ein Schritt zur Realisierung ihres ethnisch homogenen Nationenverst\u00e4ndnisses und f\u00fcr die ukrainische Bev\u00f6lkerung eine Gelegenheit, sich straffrei des Eigentums der Juden zu bem\u00e4chtigen.\u201c (Bruder 148) <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verfolgt wurden auch ehemalige Rotarmisten und ukrainische Kommunisten. Hauptfeind war weiter der \u201eBolschewismus\u201c bzw. die Sowjetunion.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Das wurde beim Vorr\u00fccken der Roten Armee 1943\/44 in der Ukraine deutlich. Nach den schweren Niederlagen der deutschen Wehrmacht 1943 (Stalingrad, Panzerschlacht von Kursk) befreite die Rote Armee im November des Jahres Kiew. Im M\u00e4rz 1944 begann ihre Fr\u00fchjahrsoffensive. Nun suchte die OUN erneut eine Zusammenarbeit mit den Deutschen. Die OUN-UPA-F\u00fchrung und regionale UPA-Verb\u00e4nde nahmen \u201eKontakt zu Teilen der Wehrmacht sowie zum F\u00fchrer von Sipo und SD in Galizien auf. Man schloss ein erneutes taktisches B\u00fcndnis gegen sowjetische Partisanen und die Rote Armee.\u201c Die nahm im August 1944 Lemberg ein.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte die OUN im Exil in westlichen L\u00e4ndern. Der 1992 gegr\u00fcndete Kongress Ukrainischer Nationalisten (KUN) sieht sich als Nachfolger der OUN.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klaus Wernecke\/Markus Mohr | M\u00e4rz 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Punkt 8 aus den <em>Zehn Geboten des Ukrainischen Nationalisten<\/em> <em>(Dekalog<\/em> von 1929), dem Kernprogramm der OUN.<\/p>\n<p>Zum Thema die OUN, Bandera und der radikale Ukrainische Nationalismus gibt es zwei, auch auf heute zug\u00e4ngliche Quellen gest\u00fctzte, analytisch profunde neuere Darstellungen: <em>Franziska Bruder: \u201eDen ukrainischen Staat erk\u00e4mpfen oder sterben!\u201c Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929-1948.<\/em> Berlin 2007 (Diss. TU Berlin am Zentrum f\u00fcr Antisemitismusforschung)\u00a0 &#8211; <em>Grzegorz Rossolinski-Liebe: Stepan Bandera. The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist. Facism, Genocide and Cult.<\/em> Stuttgart 2014. Zwischen 1929 und Mitte der f\u00fcnfziger Jahre waren insgesamt an die 400 000 Menschen in der OUN(-UPA) organisiert, etwa zehn Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung von vier- bis viereinhalb Millionen Ukrainern Anfang der 1930er Jahre. So \u201eist von einer weitgehenden Durchdringung der Ukrainischen Gesellschaft durch die OUN-UPA auszugehen.\u201c (Bruder 279)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Martin Sander am 13.04.2022 in: <em>Deutschlandfunk Kultur: Die problematische Seite des ukrainischen Nationalismus<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hinter dem Bandera-Denkmal erhebt sich als 30 Meter hohe Stele ein Triumphbogen ukrainischer Eigenstaatlichkeit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Rupert Koppold: Ein Land, das solche \u201eHelden\u201c braucht \u2026, in: NDS 19. Januar 2023 \u2013 weiter daraus: <em>Das Bandera-Erbe sei als Handlungsanweisung zu verstehen, so zitiert am 2. Januar die israelische Zeitung \u201eHaaretz\u201c (wer in der BRD ?) aus dem Twitter-Account des ukrainischen Parlaments. Der Oberkommandeur Saluschnyi sei sich dessen sehr bewusst. Dieses Parlament erkl\u00e4rt auch, dass \u201eder komplette und totale Sieg des ukrainischen Nationalismus\u201c dann feststehe, \u201ewenn das russische Reich aufgeh\u00f6rt hat zu existieren\u201c. Haaretz erinnert allerdings an Israels fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Reuven Rivlin und an den jetzigen Isaac Herzog, die davor warnen, Antisemiten und Nazikollaborateure zu \u201eglorifizieren\u201c, es sei an der Zeit, dass die Ukraine sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetze. <\/em><\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde der Zitadelle von Lwiw (Lemberg) befand sich vom Dezember 1942 bis zum Januar 1944 unter anderem ein Lager f\u00fcr sowjetische Kriegsgefangene (Stalag-328). Die Unterkunftsr\u00e4ume wurden nicht beheizt. Laut Zeugenaussagen waren insgesamt ca. 284.000 Kriegsgefangene im Lager inhaftiert, von denen \u00fcber 142.000 Opfer von Hunger, Krankheit, Folter und Erschie\u00dfungen wurden. In den Zellen wurden Inschriften sowjetischer Kriegsgefangener gefunden: \u201eHier verhungerten russische Gefangene tausendfach. 22. Januar 1944\u201c, \u201eDie Ruhmvolle russische Armee wird mit Ungeduld nicht nur von V\u00f6lkern, sondern auch von den dem Verhungern preisgegebenen Kriegsgefangenen erwartet. Wie schwer ist es zu sterben \/ Der Tod ist hart.\u201c Heute erinnert ein einfaches Holzkreuz an die Ermordeten. Mittlerweile (2018) befindet sich oben auf dem Berg ein gro\u00dfes Metallkreuz mit einer Info-Tafel in Ukrainisch und Englisch. (https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zitadelle_von_Lwiw)<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> ebd<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Die \u201eAbwehr\u201c war der Wehrmacht unterstellt. Ihr Leiter war von 1935-1944 Wilhelm Canaris. Kontakte ukrainischer Nationalisten zur Reichswehr gab es seit den 1920er Jahren. So organisierte die Reichswehr 1923 in M\u00fcnchen geheime Ausbildungskurse f\u00fcr die <em>Ukrainische Milit\u00e4rische Organisation (UWO)<\/em>. Sie ging 1929 in die neugegr\u00fcndete OUN auf.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u201ePolitoffizier\u201c des Bataillons \u201eNachtigall\u201c war Theodor Oberl\u00e4nder: von 1953-1960 Bundesminister f\u00fcr Vertriebene, Fl\u00fcchtlinge und Kriegsgesch\u00e4digte, Mitglied des Deutschen Bundestages, zuerst GB\/BHE, dann CDU. Seine Einheit drang am 30. Juni noch vor der regul\u00e4ren Wehrmacht nachts in Lemberg ein.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Zu Diebstahl als Pogrom-Motiv s. a. Rossolinski-Liebe S. 213<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Kurt Lewin, ein Erlebender und \u00dcberlebender der Pogrome schrieb 1946 in seinen Erinnerungen : \u201eIn the streets the proclamations of Stepan Bandera were posted &#8211; the leader oft he Ukrainiens was calling for murder and conflagration.\u201c (z. n. Rossolinski-Liebe 215) \u2013 s. a. Heer, Hannes: Ein\u00fcbung in den Holocaust: Lemberg Juni\/Juli 1941. In: ZfG 5\/2001.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Rossolinski-Liebe 214 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> s. z. B. Rossolinski-Liebe 202 und 208; s. dazu auch Text 211.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massenmorde_in_Lemberg_im_Sommer_1941<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Rossolinski-Liebe 211 ff und derselbe: Der Verlauf und die T\u00e4ter des Lemberger Pogroms vom Sommer 1941. Zum aktuellen Stand der Forschung. In: Jahrbuch f\u00fcr Antisemitismusforschung, 22 (2013), S. 207\u2013243 &#8211; Die Einsatzgruppe erschoss in der Stadt 100 und am Stadtrand weitere 3000 Juden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Im KZ Sachsenhausen. Dort bewohnte er eine gr\u00f6\u00dfere m\u00f6blierte Zelle mit getrenntem Schlaf- und Wohnbereich, Bildern an den W\u00e4nden und Teppich auf dem Boden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_in_Wolhynien_und_Ostgalizien\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_in_Wolhynien_und_Ostgalizien<\/a> kam es bereits im Fr\u00fchjahr 1942 zur Aufstellung von Kampfeinheiten, die sich \u201eUkrainische Aufstandsarmee\u201c (UPA) nannten und sich aus desertierten ukrainischen Hilfspolizisten, zwangsverpflichteten ukrainischen Jugendlichen, aber auch ehemaligen Angeh\u00f6rigen der Roten Armee rekrutierten. Ende 1942 unterstellte sich die UPA, die anfangs zu beiden Fl\u00fcgeln der OUN Beziehungen unterhalten hatte, dem radikaleren Bandera-Fl\u00fcgel der OUN, der seinerseits ebenfalls mit der Aufstellung von Kampfeinheiten begonnen hatte. Bis Mitte 1943 errang die OUN-B sukzessive die Kontrolle \u00fcber alle anderen noch bestehenden bewaffneten ukrainischen Einheiten in der nordwestlichen Ukraine.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Folgendes u. a. nach: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roman_Schuchewytsch\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roman_Schuchewytsch<\/a><\/p>\n<p>Roman Schuchewytsch\u00a0 (1907-1950). Offizier im \u201eBataillon Nachtigall\u201c. Nach der Inhaftierung Banderas durch die Deutschen bek\u00e4mpfte er 1942 prosowjetische Partisanen. Sein Bataillon t\u00f6tete mehrere tausend von ihnen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges k\u00e4mpfte Schuchewytsch noch als Partisan gegen sowjetische Einheiten bis er 1950 in einem Gefecht get\u00f6tet wurde.\u00a0 Nach der Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine wurden Briefmarken und Gedenkm\u00fcnzen mit seinem Bild ausgegeben. Lemberg und andere westukrainische St\u00e4dte ernannten ihn posthum zum Ehrenb\u00fcrger. Schon im Jahr 2000, unter Pr\u00e4sident Kutschma, drehte man \u00fcber Schuchewytsch einen patriotischen historischen Spielfilm mit dem Titel \u201eDer Unbeugsame\u201c, angeregt und gef\u00f6rdert vom ukrainischen Ministerium f\u00fcr Kultur und Kunst. Zum 100. Geburtstag 2007 wurde ihm von Pr\u00e4sident Juschtschenko posthum der Titel \u201eHeld der Ukraine\u201c verliehen und eine Briefmarke mit seinem Bild ausgegeben. Der Helden-Titel wurde Schuchewytsch nach &#8211; auch juristischen \u2013 Kontroversen 2011 offiziell wieder aberkannt. Allerdings beschloss der Kiewer Stadtrat 2017 den Watutin-Prospekt in Schuchewytsch-Prospekt umzubennen. Der sowjetische Armeegeneral Watutin war 1944 durch einen \u00dcberfall der von Schuchewytsch befehligten UPA get\u00f6tet worden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Rosselinski-Liebe: Verflochtene Geschichten. Stepan Bandera, der ukrainische Nationalismus und<br \/>\nder transnationale Faschismus. In: <em>Aus Politik und Zeitgeschichte<\/em> 13.10.2017, siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/257664\/verflochtene-geschi\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/257664\/verflochtene-geschi<\/a>.. Und: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roman_Schuchewytsch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> <strong>Folgendes zitiert nach <\/strong><strong>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_in_Wolhynien_und_Ostgalizien<br \/>\n17.02.2023 (<\/strong>hier auch eine Reihe von Literaturangaben zum Thema <em>Massaker in Wolhynien und Ostgalizien):<\/em><\/p>\n<p><em>Bei den vom 9. Februar 1943 bis Kriegsende durchgef\u00fchrten Massakern an der polnischen Zivilbev\u00f6lkerung durch die UPA in den im deutschen Machtbereich liegenden Gebieten wurden je nach Quelle 50.000 bis 80.000 oder<br \/>\nann\u00e4hernd 100.000 Polen von ukrainischen Nationalisten ermordet.<\/em> In einem Beschluss zum Massaker, den das polnische Parlament am 12. Juli 2013 verabschiedete, wurden die Gewalttaten als \u201eethnische S\u00e4uberung mit Merkmalen eines V\u00f6lkermordes\u201c verurteilt.<\/p>\n<p>2005 wurde eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die dort am 28. Februar 1944 ermordeten 600 bis 900 Polen und Juden in dem ehemaligen Dorf Huta Pieniacka in der Oblast Lemberg errichtet. 2017 wurde sie durch Unbekannte gesprengt. Auf das Steinkreuz und die zwei Steinplatten der Gedenkst\u00e4tte, die im Beisein der damaligen polnischen und ukrainischen Staatspr\u00e4sidenten, Kaczy\u0144ski und Janukowytsch, eingeweiht worden war, hatten die T\u00e4ter die Flaggen der Ukraine, der UPA sowie SS-Runen gespr\u00fcht. Der polnische Filmregisseur Wojciech Smarzowski arbeitete von 2014 bis 2016 an den Dreharbeiten zu dem Spielfilm <em>Sommer 1943 \u2013 Das Ende der Unschuld (Wo\u0142y\u0144),<\/em> der die Massaker in Wolhynien thematisiert und im Anschluss an seine Auff\u00fchrung beim Polnischen Spielfilmfestival in Gdynia im September 2016 in die polnischen Kinos gekommen ist. In der Ukraine wurde die Auff\u00fchrung des Films verboten. Das ukrainische Parlament, die Werchowna Rada, erkl\u00e4rte dagegen im April 2015 die Mitglieder der <em>Ukrainischen Aufst\u00e4ndischen Armee<\/em> offiziell zu Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfern. Stepan Bandera wurde Anfang 2010 postum der Ehrentitel \u201eHeld der Ukraine\u201c verliehen. Gegen diese Entscheidung protestierten unter anderem die polnische Regierung, das Simon Wiesenthal Center und das Europ\u00e4ische Parlament. Diese Ernennung wurde durch den neuen Pr\u00e4sidenten Wiktor Janukowytsch wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. <em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> \u201eSicherheitspolizei\u201c (Sipo) und \u201eSicherheitsdienst\u201c (SD) im NS-Staat.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Bis zum Fr\u00fchjahr 1944 wurden Deutschland und die Sowjetunion in Flugbl\u00e4ttern und internen Instruktionen nur insoweit als gleichrangige Gegner dargestellt: Beide wollten eine selbst\u00e4ndige \u201enational bestimmte\u201c Ukraine nicht zulassen. Der seit etwa Ende 1943 von der OUN-UPA in der westlichen Ukraine gef\u00fchrte Partisanenkrieg richtete sich vor allem gegen sowjetische Partisanen und nur sekund\u00e4r gegen deutsches Milit\u00e4r und deutsche Einrichtungen.\u00a0 Dem Deutschen Reich gelang es noch 1943, rund 80.000 Ukrainer anzuwerben, von denen etwa 17.000 in die ab Mitte des Jahres aufgestellte 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (galizische Nr. 1) \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Am 25. September 1944 wurde Bandera aus der Haft entlassen. Er sollte im Angesicht des drohenden sowjetischen (End-)Sieges ein ukrainisches Nationalkomitee gr\u00fcnden und an der deutschen Seite Aktionen des ukrainischen Widerstandes gegen die Rote Armee lenken. Doch die Rote Armee war schneller. Bandera lehnte die angebotene Zusammenarbeit im Dezember 1944 ab.\u00a0 https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stepan_Bandera<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Views: 712<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 2015 erkl\u00e4rte das ukrainische Parlament die Mitglieder der OUN zu Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfern. 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