{"id":10410,"date":"2021-02-27T16:02:26","date_gmt":"2021-02-27T15:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.de\/?p=10410"},"modified":"2021-02-27T17:03:50","modified_gmt":"2021-02-27T16:03:50","slug":"ehrbarer-antisemitismus-von-markus-mohr-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2021\/02\/27\/ehrbarer-antisemitismus-von-markus-mohr-teil-ii\/","title":{"rendered":"Ehrbarer Antisemitismus? Von Markus Mohr (Teil II)"},"content":{"rendered":"<h1>Ehrbarer Antisemitismus?<\/h1>\n<h1>Mit Hass und Verachtung \u00fcberbietet Wolfgang Pohrt alle \u2026. (Teil II)<\/h1>\n<p>Im ersten Teil des Beitrages \u201e<a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2021\/02\/23\/ehrbarer-antisemitismus-die-resistenz-gegen-den-zweiten-golfkrieg-und-die-falsche-alternative-frieden-oder-rettet-israel-von-markus-mohr\/\">Ehrbarer Antisemitismus<\/a>\u201c wurde der Aufgalopp zu der Antisemitismusmarkierung gegen Kriegsgegner in den ersten Wochen des Golfkrieges 1991 skizziert.<\/p>\n<p>Dieser Teil widmet sich den Montagen und Techniken, die im Anschluss von Wolfgang Pohrt und Eike Geisel zeitgen\u00f6ssisch gegen Friedensbewegung und Autonome in Stellung gebracht wurden.<\/p>\n<p>Die Fu\u00dfnotennummerierung vollzieht sich durch alle Folgen fortlaufend. Ich danke Klaus Wernecke f\u00fcr Kritik und Anregungen zu diesem Text<\/p>\n<h2>Mit<strong> \u201eHa\u00df und Verachtung\u201c <\/strong><\/h2>\n<p>Eben alle diese Stellungnahmen werden sicher auch dem Herausgeber der Monatszeitschrift konkret Hermann Gremliza und dessen Autor Wolfgang Pohrt bekannt gewesen sein, als die M\u00e4rz 1991-Ausgabe vorbereitet wurde. In seinem Leitkommentar \u00f6ffnete Gremliza mit durchaus elegant-gedrehten Formulierungen die Schleusen zur Kriegsbef\u00fcrwortung. Er zeigte sich davon \u00fcberzeugt, \u201e<em>dass hier einmal aus falschen Gr\u00fcnden und mit falschen Begr\u00fcndungen das Richtige getan zu werden scheint<\/em>.\u201c Dabei erschien ihm als das \u201eRichtige\u201c die Absicht, \u201edass der Irak der F\u00e4higkeit beraubt werden mu\u00df, Israel &#8211; wie von Saddam angek\u00fcndigt &#8211; anzugreifen und zu liquidieren.\u201c Eigent\u00fcmlicherweise konfigurierte Gremliza dabei seine Pro-Kriegs-Position in direkter Referenz zu keinem Geringeren als dem in dieser Angelegenheit so vielf\u00e4ltig wie umtriebig agierenden Henryk M. Broder. Dabei nahm er das gegen ihn von Broder vor Jahren erhobene Verdikt einer mutma\u00dflichen \u201eantisemitischen Virulenz\u201c auf, um sich damit sogar selbst als \u201eAntisemit\u201c zu markieren. Gleichwohl geht dieser ziemlich t\u00fcckische, weil selbstbez\u00fcglich-identit\u00e4re Zugriff am Ende der Kolumne f\u00fcr Gremliza irgendwie gut aus: Er glaubt fest daran, sich wenigstens hier mit \u201eHenryk\u201c darin gemein machen zu k\u00f6nnen, \u201edie aktuelle Gefahr f\u00fcr Israel\u201c dadurch abzuwenden, \u201eSaddam seiner deutschen Chemie entwaffnet\u201c wird. (27)<\/p>\n<p>In einem weiteren Beitrag in dem Heft lie\u00df es der Konkret-Redakteur Wolfgang Schneider an Invektiven gegen\u00fcber der Friedensbewegung nicht fehlen: \u201eGrassierende deutsche Friedenssehnsucht\u201c geh\u00f6rte dabei noch zu den freundlicheren Aburteilungen der unzurechnungsf\u00e4higen, sprich kranken Aktivisten. Schneider zeigte sich davon \u00fcberzeugt, dass sich deren \u201eWahn\u201c gerade nicht aus Argumenten, sondern \u201eaus einem tr\u00fcben Gemisch von schlechtem Gewissen, Selbstmitleid und dem Verlangen nach Revanche, von Schuldgef\u00fchlen, Angst und Rachebed\u00fcrfnissen\u201c gespeist haben soll.<\/p>\n<p>Er konstatierte hier eine \u201eWeigerung (&#8230;) f\u00fcr das eigene Tun einzustehen und die Folgen der NS-Massenmorde zu tragen.\u201c Unter Verweis auf eine von Schneider affirmativ von dem Faschisten Michael K\u00fchnen herangezogene Bemerkung zu den \u201ehinter den USA stehenden Kr\u00e4ften des Zionismus\u201c entdeckte Schneider sogar noch eine \u201e\u00dcbereinstimmung zwischen den Parolen rechtsradikaler und linker Gruppen.\u201c Eben diese sei in Deutschland gerade nicht zuf\u00e4llig, liege \u201eihnen doch gleicherma\u00dfen das Bed\u00fcrfnis zugrunde, den Amerikanern den 8. Mai 1945 und den Juden Auschwitz heimzuzahlen.\u201c Wie bitte? Auch linke Gruppen in der BRD des Jahres 1991 wollen den \u201eJuden Auschwitz\u201c heimzahlen? Starke These! Dazu addierte Schneider noch die \u201eEindr\u00fccke\u201c, die der stellvertretende Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in M\u00fcnchen, Wolf S. Bruer, \u201evon der Stimmung auf den Anti-Kriegs-Demonstrationen w\u00e4hrend der ersten Woche des Golfkriegs\u201c in dem Satz zusammengefasst hatte: \u201eWenn es diese Schei\u00df-Juden nicht g\u00e4be, g\u00e4be es keine Probleme da unten.\u201c Alles in allem zeigte sich Schneider von den \u201eungeheuren Verleugnungsleistungen\u201c der deutschen Nachkriegslinken \u00fcberzeugt, in der \u201eihr ganzes Elend\u201c offen zu Tage trete, kurz: \u201eihr v\u00f6lliges Versagen vor der Aufgabe, zu begreifen, was in Deutschland zwischen 1933 und 1945 geschehen ist und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten.\u201c (28)<\/p>\n<p>Da hat Schneider wahrlich eine ganze Kaskade von starken Behauptungen zusammengetragen, die sich auch deshalb nicht leicht widerlegen lassen, da sie sowohl aus seinem subjektiven Belieben als auch aus den \u201eEindr\u00fccken\u201c des stellvertretenden Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in M\u00fcnchen generiert worden sind. Wenn letzterer die \u201eStimmung auf den Anti-Kriegs-Demonstrationen\u201c mit dem markanten Begriff der \u201eSchei\u00df-Juden\u201c res\u00fcmiert, gilt das dann im unbegrenzten Additionsverfahren f\u00fcr alle daran beteiligten Aktivisten? Und was sagt es eigentlich \u00fcber den langj\u00e4hrigen Konkret-Redakteur Schneider selbst aus, wenn ihm erst zu Beginn des Jahres 1991 ein \u201ev\u00f6lliges Versagen\u201c der Linken d\u00e4mmert, \u201ezu begreifen, was in Deutschland zwischen 1933 und 1945 geschehen ist und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten\u201c? War wom\u00f6glich diese Zeit des deutschen Faschismus niemals so recht Thema in der Zeitschrift konkret?<\/p>\n<p>So intonierte die Redaktion der Zeitschrift konkret ihre Kriegsunterst\u00fctzung und brachte sich nebenbei selbst wie Gremliza mit gedrechselten Pro-Krieg-Formulierungen zuz\u00fcglich des Selbstbekenntnisses als \u201eAntisemit\u201c in entsprechend erregte Stimmung. In der gleichen Ausgabe lie\u00df die Redaktion die von Pohrt verfasste ultimative Pro-Krieg-Stellungnahme drucken. Was auch immer man daran auch heute noch aussetzen muss, sie ist ganz vom Geist der \u00dcberbietung aller in der Golf-Kriegs-Debatte vorangegangenen Positionen gekennzeichnet. Wo Biermann und Enzensberger gegen\u00fcber der Friedensbewegung und Autonomen im Sound lediglich andeutend raunten und die Exponenten der sozialliberalen Intelligenzija f\u00fcr ihre USA- und Israel-Bekenntnisse gemeine Worte \u00fcber die Kriegsgegner gar nicht ben\u00f6tigten, schaltete Pohrt mit aller Aggression und rhetorischen Macht auf Angriff. Im Grunde wurde dabei niemand verschont. Der Bundesregierung, \u201evon der man so wenig h\u00f6rt\u201c, attestierte er, dass man von ihr den Eindruck haben k\u00f6nnte, \u201esie sei schon au\u00dfer Landes gefl\u00fcchtet\u201c, und dar\u00fcber hinaus werde die Bundeswehr \u201ean Feigheit nur noch von den Reportern der ARD und des ZDF \u00fcbertroffen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10411 alignright\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-Wolfgang-Porth-1991.jpg?resize=300%2C509&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"509\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-Wolfgang-Porth-1991.jpg?w=823&amp;ssl=1 823w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-Wolfgang-Porth-1991.jpg?resize=177%2C300&amp;ssl=1 177w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-Wolfgang-Porth-1991.jpg?resize=604%2C1024&amp;ssl=1 604w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-Wolfgang-Porth-1991.jpg?resize=768%2C1302&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Ach, h\u00e4tte es Pohrt hiermit bewenden lassen. Stattdessen schob er mit allem ihm zur Verf\u00fcgung stehenden \u201eHass und Verachtung\u201c sowohl die Friedensbewegung wie auch die Autonomen nicht nur vor die Kulisse des Nationalsozialismus, die Autonomen wurden gleich zu Nazis selbst erkl\u00e4rt. Der Friedensbewegung wusste er eine \u201ev\u00f6lkische Generalmobilmachung\u201c zu unterstellen, die \u201esich in nichts von der Technik und vom Vokabular der NS-Propaganda unterscheidet.\u201c Pohrt sagte der Friedensbewegung auf den Kopf zu, dass sie es \u201edem Weltpolizisten USA (ver\u00fcbelt), da\u00df er ihren Eltern per Krieg das friedliche Massenmorden in Auschwitz ausgetrieben hat\u201c. Hiesige Fernseh-Kommentatoren, \u201edie in ihrer sinnverlassen-autistischen Art unentwegt irgendwelche absurden Friedensvorschl\u00e4ge machen\u201c, markierte Pohrt als \u201eauf frischer Tat ertappte Feiglinge und Verr\u00e4ter\u201c, denen es allerdings nicht anstehe, \u201eauch noch das Maul aufzurei\u00dfen.\u201c Und auch die Autonomen w\u00fcrden mit der ihnen von Pohrt untergeschobenen \u201eNazi-Parole &#8218;Kein Blut f\u00fcr \u00d6l&#8217;\u201c lediglich den Zusammenhang von \u201eMilitanz und v\u00f6lkisches Bewu\u00dftsein demonstrieren\u201c. Von ihm als \u201epiepsstimmig\u201c bezeichnete \u201eErzieherinnen, Lehrerinnen und M\u00fctter\u201c, die \u201eKinder und Enkel der Massenm\u00f6rder von einst\u201c, die \u00f6ffentlich ihre Angst vor dem Krieg zum Ausdruck brachten, unterschob Pohrt einen \u201ekrankhaften Egoismus\u201c, dem er nur \u201eVerachtung und Ha\u00df\u201c entgegenbringen k\u00f6nne. Und von hier marschierte er in aller Unbefangenheit zu seinen eigenen Gewaltphantasien durch, als er seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, \u201eda\u00df der Staat die vielen wei\u00dfen Friedenst\u00fccher als Kapitulationserkl\u00e4rung anderer Art begreifen und darin eine Einladung sehen werde, das ganze Pack hinter Gitter zu verfrachten.\u201c Auch an die alte Debatte in der APO im Juni 1967 nach der Ermordung von Benno Ohnesorg erinnerte Pohrt in seiner Brandrede, als er das damals von Habermas gegen Dutschke gebrauchte \u201eWort vom Linksfaschismus\u201c aufgriff, sich dabei aber jegliche noch Habermas durchaus eigene Differenzierung ersparte. (29) Pohrt klar und unmissverst\u00e4ndlich:<\/p>\n<p><strong><em>\u201eDie Vorsilbe Links\u201c k\u00f6nne man sich sparen, denn die Regel laute doch hier: \u201eJe weiter links einer stand, ein desto engagierterer Nazi ist er nun, alle politischen Gliederungen sind erhalten geblieben, haben aber das Vorzeichen gewechselt, man braucht keine Phantasie mehr, um sich die Antiimpis oder die Autonomen als\u201c\u00a0 als Volkssturmabteilungen der Hitlerjugend oder als Verb\u00e4nde der Aktion Werwolf vorzustellen.\u201c<\/em> <\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine von Pohrt erstellte traurige Bilanz in Bezug auf die Geschichte der au\u00dferinstitutionellen Linken! W\u00e4hrend es die rebellierenden Studenten aus dem West-Berlin im Sommer des Jahres 1967 mit ihren Aktionsvorstellungen f\u00fcr Habermas immerhin noch zu der Inkarnation eines \u201elinken Faschismus\u201c brachten, verblieb f\u00fcr Autonome nur noch die Negativmarkierung als \u201eVolkssturmabteilungen der Hitlerjugend\u201c \u2013 und das sogar, sofern Pohrt hier mal nicht geflunkert hat, frei von aller Phantasie. Ein bisschen verbl\u00fcffend war diese Konstellation schon: Da reihte sich also Pohrt gemeinsam mit den Hitlerjungen a.D. Wehler und Habermas an der Seite des Staates Israels ein, w\u00e4hrend Autonome als eine zentrale Innovation f\u00fcr die Protestgeschichte der 1980er Jahre in der BRD, die also niemals die faire Chance bekommen hatten, jemals in den Dienst der Hitlerjugend einzutreten, genau dazu erkl\u00e4rt wurden. Da wei\u00df man nicht viel, aber doch eines: Die Rezeption der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert hat in der fabelhaften Ideenwelt Pohrts, der doch als ein ganz anst\u00e4ndiger Mitl\u00e4ufer von vorbildlichen Studentenkrawallen in Frankfurt Ende April des Jahres 1969 gegen die Ausweisung des Genossen Ahmad Taheri gelten kann, immer so einige \u00dcberraschungen bereitgehalten. (30)<\/p>\n<p>Hier ist sich Pohrt in seinem Traktat nicht zu fein, direkt auf die von etwa 100 Organisationen durchgef\u00fchrte Gro\u00dfkundgebung der bundesdeutschen Friedensbewegung am 26. Januar 1991 in Bonn gegen den Golfkrieg zu sprechen zu kommen, an der sich ca. 200.000 Leute beteiligt haben. Hier wei\u00df er zu berichten:<\/p>\n<p><strong>\u201eMan fa\u00dft es einfach nicht, da\u00df in Israel Auschwitz\u00fcberlebende mit der Gasmaske nachts unter Sirenenalarm in den Schutzraum fl\u00fcchten m\u00fcssen, w\u00e4hrend die Kinder und Enkel der Massenm\u00f6rder von einst hier gem\u00fctlich \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von erster und vierter Welt r\u00e4sonieren oder sich fr\u00f6hlich auf der Bonner Hofgartenwiese tummeln und nicht die Verteidigung der Bedrohten, sondern Frieden mit einem Aggressor fordern.<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>Von dieser Beschreibung ist es f\u00fcr Pohrt in einer Situation, in der er seinem Gef\u00fchl Ausdruck verleiht, dass \u201eunter anderem die Existenz des Staates Israel\u201c auf dem Spiel stehe, nur noch ein intellektueller Katzensprung zu der \u201eNeuauflage der Friedensbewegung\u201c, den Beschluss zu fassen, \u201eda\u00df die hiesige Linke im weitesten und im engen Sinn wirklich f\u00fcr alle Zeiten moralisch erledigt\u201c sei. (31)<\/p>\n<p>Am Schluss seiner Abhandlung und quasi als Kr\u00f6nung seiner Gewaltphantasien w\u00fcnschte er sich ganz im Geiste von Wolf Biermann noch, dass Israel die Absicht Bagdads, es mit Chemiewaffen auszul\u00f6schen, \u201egegebenenfalls hoffentlich mit Kernwaffen zu verhindern wissen wird.\u201c (32)<\/p>\n<p>Aus diesem Text von Pohrt heulen ganz offenkundig die W\u00f6lfe. Es handelt sich hier um einen eigent\u00fcmlich seltsamen, irrlichternden, geradezu pornographischen Text. Seine Argumentationstechnik, wenn man sie so nennen will, besteht darin, durch Assoziationen Dinge und Sachverhalte zu montieren, die nicht zusammenpassen &#8211; eben das ist das Handwerkszeug des deutschen Irrationalismus.<\/p>\n<p>Kann es denn wirklich sein, dass sich die \u201eKinder und Enkel der Massenm\u00f6rder von einst\u201c sich zum Protest gegen Golfkrieg einfach nur \u201efr\u00f6hlich auf der Bonner Hofgartenwiese\u201c getummelt haben, um \u201enicht die Verteidigung der Bedrohten, sondern Frieden mit einem Aggressor\u201c zu fordern?<\/p>\n<p>Zu vermuten steht hier, dass Pohrt mit ziemlicher Sicherheit nicht pers\u00f6nlich an der besagten Kundgebung der Friedensbewegung am 26. Januar 1991 in Bonn teilgenommen hat. Woher mag er hier nur sein Wissen bezogen haben, vielleicht aus der diesbez\u00fcglichen Presseberichterstattung? In der taz wurde ein Bericht von der Demonstration mit der Titelzeile aufgemacht, dass die KundgebungsrednerInnen w\u00e4hrend der Manifestation darauf \u201eachteten, das Leid zu betonen, das der Krieg f\u00fcr alle Menschen bringt, in Israel wie im Irak und in Kuwait.\u201c (33) Die Frankfurter Rundschau zitierte in ihrem Bericht keinen Geringeren als den DGB-Vorsitzenden Heinz-Werner Meyer. Angesichts des Vorwurfes des Anti-Israelismus erkl\u00e4rte dieser: \u201eWidersteht der ungeheuerlichen Behauptung die Friedensbewegung in Deutschland sei bereit dem Staat Israel an den Aggressor Saddam Hussein auszuliefern.\u201c Aus der Rede von Bischof Gottfried Forck zitiert der Bericht die Aussage: \u201eGerade weil wir als Deutsche in Auschwitz am Tod von Millionen j\u00fcdischer Menschen schuldig geworden sind, m\u00f6chten wir alles tun, da\u00df das Giftgas in den H\u00e4nden von Saddam Hussein nie gegen Israel zur Anwendung kommt.\u201c (34)<\/p>\n<p>L\u00e4sst man diese Ausssagen auf sich wirken, bekommt man doch ein den Eindruck, dass der von Pohrt behauptete Recherchebefund zu dem Inhalt der Kundgebung auf der Bonner Hofgartenwiese ein bisschen geflunkert ist, wom\u00f6glich stimmt daran auch nicht einziges Wort. So gut wie alle RederInnen haben sich explizit, klar und eindeutig gegen den Giftagsbeschuss des irakischen Diktators auf Israel ausgesprochen. O-Ton Andreas Buro:<\/p>\n<p><strong>\u201eDas Ausma\u00df an Emotionalit\u00e4t ist so gro\u00df (\u2026) weil unsere faschistische Vergangenheit der entsetzlichen Verfolgung und Vernichtung von Juden sich so dramatisch mit \u00c4ngsten, Tabuisierungen und Verdr\u00e4ngungen der Gegenwart verbindet. (\u2026) Unsere Kritiker fragen, setzt ihr mit Eurer Forderung nach Frieden und Abzug der Angriffstruppen der USA und ihrer Alliierten nicht Israels Sicherheit aufs Spiel? Wie das? Ist nicht Israel gerade erst durch die milit\u00e4rische Antwort der USA auf die irakische Besetzung Kuwaits gef\u00e4hrdet worden? Seit dieser Zeit schlagen die Scud-Raketen ein und die Angst vor Giftgas geht um. Ist \u00fcberhaupt Frieden und Sicherheit f\u00fcr Israel dauerhaft zu bewerkstelligen, wenn nicht Friede und Sicherheit f\u00fcr einen eigenen Staat der Pal\u00e4stinenser garantiert ist? Anti-israelisch ist es, Giftgas und Waffen in die Region zu liefern. Mit vielen teilen wir die Scham und Trauer, da\u00df dies durch deutsche Menschen und Firmen erfolgte.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>O-Ton Prof. Dr. Ulrich Gottstein (Vorstandsmitglied der deutschen IPPNW-Sektion): \u201eWir sind zutiefst emp\u00f6rt, da\u00df Israel, f\u00fcr das wir Verantwortung tragen, in gr\u00f6\u00dfte Gefahren gekommen ist, dadurch, da\u00df deutsche Industrie und andere westliche Industrie den Staat Irak zu einer Supermacht gemacht haben, von dem jetzt eine existentielle Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Israel ausgeht. Die Bev\u00f6lkerung Israels soll wissen, da\u00df wir \u00fcber die Terrorangriffe auf Tel Aviv emp\u00f6rt und w\u00fctend sind.\u201c O-Ton Brigitte Erler: \u201eMit besonderem Entsetzen, Abscheu und Scham erf\u00fcllt uns, da\u00df Deutsche schuld sind am Leiden und Sterben von Juden. Ich kann es noch gar nicht fassen, da\u00df wir wieder dabei sind! (\u2026) Wir fordern: Keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg, weder finanziell noch materiell Wir fordern: Den R\u00fcckzug Iraks aus Kuwait! Wir fordern: H\u00e4nde weg von Israel! Wir fordern: beendet diesen Krieg sofort.\u201c O-Ton Verena Krieger: \u201eEntsetzt m\u00fcssen wir (\u2026) erleben, wie Israel als unbeteiligtes Land milit\u00e4rischen Angriffe und ungeheuerlichen Drohungen durch den Irak ausgesetzt ist. Bei aller Kritik an seiner Politik gegen\u00fcber dem pal\u00e4stinensischen Volk \u2013 in dieser Situation geb\u00fchrt Israel unsere volle Solidarit\u00e4t. Und es ist eine zwingende Folge dieser Solidarit\u00e4t, da\u00df wir f\u00fcr eine schnellstm\u00f6gliche Beendigung des Krieges k\u00e4mpfen \u2013 denn entgegen der herrschenden Logik des Krieges, die Israel praktisch zur Geisel der Alliierten macht, kann nur so die Bev\u00f6lkerung in Pal\u00e4stina vor weiteren Bombenanschl\u00e4gen gesch\u00fctzt werden.\u201c (35)<\/p>\n<p>Noch nicht einmal die Pohrtsche Behauptung, auf der Hofgartenwiese h\u00e4tte es ein fr\u00f6hliches Stelldichein der \u201eKinder und Enkel der Massenm\u00f6rder von einst\u201c gegeben ist f\u00fcr bare M\u00fcnze zu nehmen. So erhielt dort mit Felicia Langer jemand auf einer Kundgebung das Wort, die in Polen der fr\u00fchen 1940er Jahre viele Angeh\u00f6rige im Holocaust verloren hatte.<\/p>\n<p>Der, der es in seiner Isolation anderen mit geballter rhetorischer Ladung schwer ver\u00fcbelt, dass sie das \u201eMaul aufrei\u00dfen\u201c, rei\u00dft es selber auf, um seine ganze Verzweiflung herauszubr\u00fcllen. \u201eMan fa\u00dft es nicht \u2026\u201c st\u00f6hnt Pohrt in einer Passage in direkten Bezug zu Israel kurz auf. Doch anstatt um Hilfe zu rufen, schaltet Pohrt auf ein Maximum an Aggression und erg\u00f6tzt sich an seinen Gewaltphantasien und das mit einem durchaus klaren Blick auf Ruhe und Ordnung. (36) In einigen Passagen vollzieht sich der Text im Irrealis, die Anstrengungen, die Sache selbst in vielfacher Weise zu entstellen, sind ihm deutlich anzumerken. Dabei scheint sich Pohrt an ein paar Stellen fast der Klaviatur der Karikatur zu bedienen, wenn er ausgerechnet in der Zeitschrift konkret Presseartikel aus der FAZ und aus der Bild-Zeitung lobt: \u201edie besten &#8211; und \u00fcbrigens hervorragend geschriebenen &#8211; Kommentare findet man in Bild\u201c. Lebensbiographisch \u2013 so steht begr\u00fcndet zu vermuten &#8211; ist Pohrt mit diesem Text in einem politischen Sinne in die Rolle eines renitenten Kleinb\u00fcrgers zur\u00fcckgekehrt \u2013 eine Figur, die er noch in einem seiner fr\u00fchen Texte versucht hat, gegen den Strich zu b\u00fcrsten. (37)<\/p>\n<p>Allerdings sind die Pohrtschen Gewalttr\u00e4ume eigent\u00fcmlich sublimiert und damit eben auch politisch au\u00dferordentlich interessiert formuliert. Er vermeidet es klar zu sagen, dass er selber den FriedensdemonstrantInnen, immerhin die \u201eKinder und Enkel der Massenm\u00f6rder von einst\u201c, in die Fresse hauen will. Komisch, denn \u201eErzieherinnen, Lehrerinnen und M\u00fctter\u201c h\u00e4tten doch f\u00fcr die Pohrtschen F\u00e4uste eine leichte, fast risikolose Beute sein k\u00f6nnen. Doch wenn die Kritik einmal nicht hinreicht, ruft der \u201eIch-hab-Polizei\u201c-Intellektuelle Pohrt die 110 an und setzt ganz auf die bundesdeutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die das \u201ePack\u201c in den Knast verfrachten soll. Wie das immer so ist, wenn \u201estaubtrockene Intellektuelle blutr\u00fcnstig\u201c werden &#8211; um hier ein zielf\u00fchrendes Bonmot von Ilse Bindseil in Anschlag zu bringen. Ja und \u00fcberhaupt: Wurden die bundesdeutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden denn so gar nicht von den \u201eKindern und Enkeln der Massenm\u00f6rder von einst\u201c aufgebaut? Und was bedeutet es genau, wenn Pohrt nicht nur den Zustand einer \u201epolitisch f\u00fchrungslosen Nation\u201c beklagt, sondern dar\u00fcber hinaus auch noch die Bundeswehr der \u201eFeigheit\u201c \u00fcberf\u00fchrt? Ob hier wom\u00f6glich indirekt zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass sich die Bundeswehr an der guten alten Wehrmacht h\u00e4tte ein Beispiel nehmen sollen, der man sicher so manches, aber F\u00fchrungsschw\u00e4che, gar Feigheit so richtig nicht vorwerfen kann?<\/p>\n<p>Insbesondere der Artikel von Pohrt, der zeitgleich gek\u00fcrzt auch in einer Ausgabe der in Paris erscheinenden englischsprachigen International Herald Tribune publiziert worden ist, schlug in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 umgangssprachlich formuliert &#8211; wie eine Bombe ein. Ein Beitrag in der taz versetzte Pohrt in einen f\u00fcr die Bundeswehr unbekannten Rang eines \u201eFeldmarschalls f\u00fcr den Golfkrieg\u201c. (38) Ein Beitrag in der linksradikalen Zeitung Prowo aus Berlin res\u00fcmierte die kriegsbef\u00fcrwortenden Stellungnahmen der Zeitschrift konkret als eine Wiederauflage der \u201eTotalitarismustheorie\u201c. (39)<\/p>\n<p>Wohl kurz nach Erscheinen der Pohrt-Philippika soll auch der Staatsminister im Ausw\u00e4rtigen Amt Helmut Sch\u00e4fer bei dem Herausgeber von konkret angerufen haben, um diesen zu sprechen. Folgt man hier der Darstellung der Zeitschrift, sollen Sch\u00e4fer nach der Lekt\u00fcre \u201edie Haare zu Berge\u201c gestanden haben, und weiter wird aus dem Gespr\u00e4ch ohne Autorisierung referiert: \u201eDas d\u00fcrfe doch alles nicht wahr sein, dieser Pohrt beleidige ja den Bundeskanzler und den Au\u00dfenminister und die Friedensbewegung zugleich, ja einfach alle Deutschen, und ob es denn wahr sei, da\u00df so ein Mann in KONKRET schreiben d\u00fcrfe, das geh\u00f6re doch in die `National- und Soldatenzeitung\u00b4, aber KONKRET habe doch einen Ruf zu verlieren &#8230;\u201c Wenn es sich denn mit dem Anruf so zugetragen hat wie dargestellt, dann ist das ein markanter Hinweis darauf, dass zumindest aus der Sicht der politischen Klasse die Zeitschrift konkret offensichtlich noch zu dem zul\u00e4ssigen Spielfeld der Bonner Republik gerechnet wurde, \u00fcber das man die Kontrolle nicht verlieren wollte. Gremliza nutzte hier die Gelegenheit, darauf zu replizieren, dass \u201eGenschers Staatsminister Sch\u00e4fer\u201c am Telefon \u201ezu einem Mann (gesprochen habe), der sich bis dahin als Staatsfeind glaubte verstehen zu k\u00f6nnen und sich nun als einer verstanden sah.\u201c (40)<sup>\u00a0 <\/sup>Diese Selbstbenennung, von der offen bleiben kann, ob sie nun mit oder ohne triumphierenden Unterton geschrieben wurde, ist allerdings in Bezug auf die politische Vita des Herausgebers der Zeitschrift konkret seltsam: Gremliza, der gerade einmal im November 1989 nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft aus der SPD ausgetreten war, soll danach in einer Art Turboverfahren zu einem \u201eStaatsfeind\u201c mutiert sein? (41) So ganz \u00fcberzeugend ist das nicht, zumal er doch gerade mal einen Monat zuvor seinen Autor Pohrt von der Leine gelassen hatte, um gegen das \u201ePack\u201c nach der Polizei rufen zu lassen.<\/p>\n<p>Was auch immer. Wohl nicht wenige Erzieherinnen, M\u00fctter und Lehrerinnen unter den Leserinnen der Zeitschrift konkret werden hier in Bezug auf die sie betreffende unmissverst\u00e4ndliche Ansage die gute Gelegenheit beim Schopfe gepackt haben, ihr Abonnement zu k\u00fcndigen. Gremliza erw\u00e4hnte noch im Mai 1991 etwa 1.100 Abo-K\u00fcndigungen von \u2013 wie er sie despektierlich benannte \u2013 \u201eFriedensfreunden\u201c. (42)<\/p>\n<p>Auch in der Form einer Vielzahl von Leserbriefen dokumentierten sich das Kopfsch\u00fctteln und die Wut \u00fcber den Frontalangriff der Zeitung auf die Linke. Das SPD-Mitglied und der Aktivist des Sozialistischen B\u00fcros Arno Kl\u00f6nne, der zu Beginn der 1980er Jahre ein Standardwerk zur Jugend im Dritten Reich vorlegt hatte, (43) vermerkte trocken, dass seitens einiger KONKRET-Autoren die Gelegenheit genutzt worden sei, \u201eum die Reste von Verstand in der deutschen Linken wegzur\u00e4umen.\u201c Auch wenn es auch aus seiner Sicht \u201egute Gr\u00fcnde\u201c daf\u00fcr gebe, \u201emanche Gef\u00fchle und Argumente zu kritisieren, die bei den Protesten gegen den Krieg am Golf auch zum Ausdruck\u201c gekommen seien: \u201eAber wenn KONKRET-Autoren auf jede Unterscheidung verzichten um \u201adie\u2018 Friedensbewegung pauschal und brutal diffamieren, dann sind sie es, die &#8211; um Pohrt zu zitieren \u2013 \u201adie Technik der NS-Propaganda\u2018 \u00fcbernehmen, unter antinazistischem Vorwand.\u201c (44)<\/p>\n<p>Die Redaktion entschloss sich aufgrund des Umfanges der als \u201eheftig\u201c bezeichneten \u201eZuschriften zu Pohrt, Schneider, Gremliza\u201c dazu, diese in einer Extra-Brosch\u00fcre zu dokumentieren, die seitens der Abonnenten \u201ekostenlos beim Verlag\u201c angefordert werden konnte, w\u00e4hrend \u201eNicht-Abonnenten (\u2026) eine Schutzgeb\u00fchr von DM 3,-\u201c zu bezahlen hatten. (45) In der besagten und f\u00fcr eine eingeschr\u00e4nkte \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglichen Brosch\u00fcre finden sich 60 zum Teil l\u00e4ngere Zuschriften fast ausschlie\u00dflich negativen Inhaltes zu den Pro-Kriegs-Argumentationen der Genannten. (46) Im Mai 1991 res\u00fcmierte Gremliza diese Reaktionen dahingehend, dass auch er \u201ein schlimmster Vorahnung nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hatte (&#8230;.) da\u00df unter den Lesern von KONKRET so viele Antisemiten sind, wie sich jetzt in Briefen zu Wort gemeldet haben.\u201c Kurz. Gremliza glaubte nun nach 17 langen Jahren seiner Herausgebert\u00e4tigkeit, bei seinen eigenen Lesern bzw. Ex-Lesern ein verbreitetes und tiefsitzendes \u201eantisemitisches Syndrom\u201c erkannt zu haben. (47) Wenn daran auch nur ein Qu\u00e4ntchen Wahrheit ist, m\u00fcsste sich der Herausgeber von konkret eigentlich die R\u00fcckfrage gefallen lassen, was eigentlich bei dem von ihm seit Oktober 1974 verantworteten Blatt so schiefgelaufen ist, das er damit \u2013 so ja seine eigene Angabe &#8211; eine Unzahl von Leserinnen mit einem tief sitzenden \u201eantisemitischen Syndrom\u201c angelockt hat. Manche Einf\u00e4lle kehren zuweilen als unbequeme Fragen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ilse Bindseil hat in einem zeitgen\u00f6ssisch verfassten Beitrag herausgearbeitet, um was f\u00fcr einen unendlich langen Weg es sich handelt, \u201eden es bedeutet sich vom gef\u00fcrchtetsten Kritiker des b\u00fcrgerlichen Staats zu seinem leidenschaftlichsten Verehrer zu entwickeln.\u201c An dem Pohrtschen Bekenntnissen arbeitet sie heraus, wie f\u00fcr diesen \u201eim Grunde (\u2026) ungeniert kapitalistisch amerikanisch zu sein, sogar verl\u00e4sslicher, als links zu sein\u201c sei. Und das zumal gerade bei Deutschen, denn hier \u201eantiamerikanisch zu sein (sei) schon so gut wie antisemitisch.\u201c (48)<\/p>\n<p>Die von Pohrt angeschlagene Tonlage wurde im Zusammenhang mit dem Golfkrieg auch in einigen Beitr\u00e4gen seines ehemaligen Arbeitskollegen an der Universit\u00e4t L\u00fcneburg in der zweiten H\u00e4lfte der 1970er Jahre Eike Geisel aufgenommen. W\u00e4hrend des Golf-Kriegs hatte Geisel zusammen mit Henryk Broder an zentraler Stelle auf der Ecke Kurf\u00fcrstendamm\/ Tauentzienstra\u00dfe eine gro\u00dfe Tafel gemietet, um dort gegen die Friedensbewegung Slogans zu pr\u00e4sentieren. (49)<\/p>\n<p>Unmittelbar nach Kriegsbeginn bezichtigte Geisel den SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein und den Intellektuellen Ekkehard Krippendorf der \u201emoralischen Nachr\u00fcstung<strong>\u201c <\/strong>f\u00fcr die Friedensbewegung. Krippendorff hatte sich in einem Beitrag \u201eohne Wenn und Aber f\u00fcr Israel\u201c, f\u00fcr eine \u201ebedingungslose Anerkennung des Staates Israel als einer aus tragischen, von uns Deutschen wesentlich mitverschuldeten Ursachen entstandenen sicheren Heimat f\u00fcr die verfolgten Juden\u201c ausgesprochen. Hier wurde von Krippendorf angeregt, eine Art Schutzschild-Delegation \u201ef\u00fcr dieses lebensbedrohte Land\u201c zu entsenden. Er wollte das aber mit der Forderung verbunden wissen, dort \u201ezugleich den sofortigen R\u00fcckzug aus den besetzten Gebieten\u201c einzufordern. (50) Eben das erschien Geisel nur als eine \u2013 wie er formulierte &#8211; \u201ebranchen\u00fcbliche deutsche Tarnformel f\u00fcr ihr genaues Gegenteil.\u201c Krippendorf wolle doch hier nur, so zeigte sich Geisel \u00fcberzeugt, der \u201eneu erwachten Friedensbewegung (\u2026) genau jenes Quantum moralischer Aufr\u00fcstung\u201c verschaffen, damit diese sich \u201ein der gegenw\u00e4rtigen Situation mit der Parole vom Frieden das rechte Gewissen zum neuen Antisemitismus machen\u201c k\u00f6nne. Im Grunde handelt es hier um eine mit Chuzpe bewerkstelligte schlichte, wenn auch elegant formulierte Umdrehung der Position von Krippendorf. Und bei der von Geisel generierten Formulierung, sich mit der \u201eParole vom Frieden das rechte Gewissen zum neuen Antisemitismus\u201c machen zu wollen, handelt es sich &#8211; v\u00f6llig frei von der immer etwas plump wirkenden \u201eNazi!\u201c-Markierung &#8211; formulierungs\u00e4sthetisch um einen echten Leckerbissen. (51) Geisel h\u00e4tte das alles aber auch etwas einfacher mit dem Ausruf: \u201eKrippendorf ist ein L\u00fcgner!\u201c ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, wobei ihm dann allerdings leichter die R\u00fcckfrage zu stellen gewesen w\u00e4re: Woher wollen Sie das eigentlich wissen?<\/p>\n<p>Ein paar Wochen sp\u00e4ter bog Geisel in einer auf Einladung unter anderem der Aktion S\u00fchnezeichen\/Friedensdienste durchgef\u00fchrten Diskussionsveranstaltung mit seinem diesbez\u00fcglichen Antisemitismusverdikt gegen\u00fcber der Friedensbewegung einfach ab und transformierte sie in die etwas schlichtere Formulierung eines \u201eRessentiments\u201c. Nun variierte er seine Formel wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eIm Namen des Friedens gegen Israel zu sein, ist genau das Quantum moralischer Nachr\u00fcstung, dessen die Friedensbewegung bedurfte, um sich gutes Gewissen zum Ressentiment zu machen.\u201c<\/em> Was gilt denn nun: sich \u201edas rechte Gewissen zum neuen Antisemitismus\u201c oder sich doch nur ein \u201egutes Gewissen zum Ressentiment zu machen\u201c? Immerhin hatte doch die Mehrheit der Aktion S\u00fchnezeichen auch auf ihre Weise gegen den Golfkrieg Position bezogen. Hier h\u00e4tte es doch in der Logik des von Geisel gegen\u00fcber von Krippendorf angeschlagenen Tons mehr als nahegelegen, eben auch die seit mehreren Jahrzehnten in Israel t\u00e4tige Aktion S\u00fchnezeichen als antisemitisch und damit \u2013 sagen wir \u2013 als eine dem Judenmord so offen wie aufgeschlossen gegen\u00fcberstehende Organisation zu brandmarken. Warum Geisel das hier schuldig blieb, gute Frage. Wom\u00f6glich Feigheit vor dem antisemitischen Feind? Man wei\u00df es nicht. (52)<\/p>\n<p>Monate sp\u00e4ter erfand Geisel den Begriff der \u201e<em>linken Auschwitzl\u00fcge<\/em>\u201c. Zu den Protagonisten rechnete er dazu einige, darunter den Golf-Kriegsgegner Ernst Tugendhat, der \u201ezum wandelnden Persilschein aller linken Antisemiten\u201c geworden sein soll. In den \u201eLeserbriefspalten der TAZ\u201c habe sich zur Verteidigung des von seinem Amt als gr\u00fcner Parteivorsitzender zur\u00fcckgetretenen Christian Str\u00f6bele \u201edie Basis zum alternativen Antisemitismus\u201c manifestiert. Hier zeige sich der \u201ealternative Mob\u201c &#8211; sp\u00e4ter von Geisel im Text auch noch um eine \u201e<em>autonome SA<\/em>\u201c erg\u00e4nzt &#8211; ganz in seinem Antiamerikanismus, der \u201edas treibende Moment bei der Hervorbringung der neuen Auschwitzl\u00fcge ist.\u201c Geisel profilierte dabei seinen Begriff, in dem er den Neonazis \u2013 wie er formulierte \u2013 zugutehielt, die Deutschen dadurch zu entlasten, \u201edie Zahl der von ihnen Ermordeten herunter[zu]l\u00fcgen\u201c, w\u00e4hrend \u201eman von der alternativen und friedensbewegten Sucht nach der m\u00f6glichst gro\u00dfen Opfermasse sagen (m\u00fcsse), da\u00df sie die wahre nazistische Vernichtungswut konserviert\u201c habe. So sei es ja wohl, folgt man hier Geisel weiter, um \u201edas von Vernichtungsphantasien und (der) Lust an der Apokalypse elektrisierte Milieu\u201c bestellt. (53) Eieiei: Friedensbewegte Junkies getrieben durch eine \u201enazistische Vernichtungswut\u201c? Das ist schon wieder eine starke These! Doch abseits aller Formulierungsk\u00fcnste Geiselscher Provenienz: Seine Stellungnahmen zeigen, dass hier jemand unter Abbruch aller argumentativen Vermittlungen auf Angriff gegen\u00fcber ihm missliebige Positionen geht. Eine Binse, dass mit der Hypothese im R\u00fccken, dass die anderen sowieso immer nur die L\u00fcgner sind, sich jede Attacke rechtfertigen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Als Eike Geisel im Sommer 1997 verstarb, goutierte sein Verleger Klaus Bittermann in seinem Nachruf auf ihn noch einmal dessen mutma\u00dflich \u201egro\u00dfes Vergn\u00fcgen\u201c, den &#8211; wie er formuliert \u2013 \u201eBankrott von Intellektuellen\u201c blo\u00dfzustellen. Das exemplifizierte er dadurch, dass er von deren \u201eunheilbaren Liebe f\u00fcr den Befreiungskampf des pal\u00e4stinensischen und irakischen Volkes\u201c fabulierte, f\u00fcr den diese besagten Intellektuellen entflammt gewesen sein sollen und bei dem \u2013 man ahnt es bereits \u2013 sie \u201esich als Nationalisten und Antisemiten entpuppten.\u201c (54) Der Verleger als Enth\u00fcllungsjournalist!<\/p>\n<p>Jedenfalls blieb Geisel einem Kultur-Redakteur der Tageszeitung auch fast 20 Jahre nach seinem Ableben mit seinen Volten w\u00e4hrend des Golfkrieges in guter Erinnerung. Und so t\u00fcrmte er hier unter Berufung auf Geisel Einfall auf Einfall. Geisel sei es doch gewesen, der damals den \u201eneuen \u201amoralischen Antisemitismus\u2018 der deutschen Friedensquerfront\u201c analysiert habe. Nat\u00fcrlich als \u201eRessentiment\u201c der Friedensbewegten, was denn auch sonst? Und eben das habe selbstredend \u201ealle politischen Beweggr\u00fcnde abgestreift\u201c und entspringe nur noch \u201eden reinsten menschlichen Bed\u00fcrfnissen.\u201c Auch so zeige sich, so der taz-Redakteur in bem\u00fchter Prosa, \u201edie deutsche Wiedergutwerdung (&#8230;) als Banalit\u00e4t des Guten.\u201c (55)<\/p>\n<p>Markus Mohr \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2021<\/p>\n<p><strong><u>Fussnoten<\/u><\/strong><\/p>\n<p>(27) Hermann L. Gremliza, Richtig falsch, in: konkret Nr. 3 vom M\u00e4rz 1991, S. 8. Aufgrund des durch die Politik von Michael Gorbatschow ausgel\u00f6sten Umbruches in Europa hatte sich Gremliza bereits in einem Kommentar im Juli 1989 daf\u00fcr ausgesprochen, dass die \u201esp\u00e4testens seit dem Korea-Krieg (\u2026) bei weitem aggressivste imperialistische Macht\u201c in der BRD bleiben \u201eund die Reste des Besatzungsrechts (\u2026) notfalls mit aller Macht wahrzunehmen\u201c solle. Und zwar gerade weil er \u201eSchlimmeres\u201c f\u00fcrchte, unter anderem \u201eden Abri\u00df der Mauer, die Wiedervereinigung, \u00bbdie Deutschen\u00ab und Deutschland, Deutschland \u00fcber alles.\u201c Siehe: HL Gremliza, Ami stay here, in: konkret Nr. 7 vom Juli 1989, S. 8<\/p>\n<p>(28) Wolfgang Schneider, \u00bbLazarett Deutschland\u00ab in: konkret Nr. 3 vom M\u00e4rz 1991, S. 10<\/p>\n<p>(29) Siehe die diesbez\u00fcglichen Bemerkungen von Habermas auf dem Kongress der APO Hochschule und Demokratie in Hannover am 9.6.1967. Die noch ganz im Duktus eines skrupul\u00f6sen Seminarmarxismus der sp\u00e4ten 1950er Jahre vorgetragene Attacke von Habermas auf Dutschke findet sich in einer Sequenz in der Fernsehdokumentation von Frank Hertweck, Simone Reuter, Rudi Dutschke &#8211; Deutsche Lebensl\u00e4ufe, auf: 3sat vom 24.8.2003, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zf7xoAnp978\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zf7xoAnp978<\/a>, ab: 23:40 Min.<\/p>\n<p>(30) Siehe das Foto in dem Beitrag von Hans-Joachim Noack, Feuer in der Frankfurter Universit\u00e4t \/ Rektor Ruegg: Vom SDS geplantes Fanal zur Revolution, in: SZ vom 30.4.1969, S. 1\/2<\/p>\n<p>(31) In einem Jahre sp\u00e4ter zum Tod von Eike Geisel verfassten Nachruf machte sich der in den 1970er Jahren als Mitglied in der Jungen Union aktive Oliver Tolmein dieses Pohrtsche Bonmot zu eigen, als er schrieb, die Friedensbewegung sei nach dem Golf-Krieg \u201eauch wegen der Intervention von Eike Geisel trotz ihrer Mobilisierungserfolge politisch und moralisch am Ende\u201c gewesen. Siehe: O. Tolmein, Unvers\u00f6hnlich \/ Zum Tod des Publizisten und \u00dcbersetzers Eike Geisel, in: Jungle World Nr. 33 vom 14.8.1997 , URL: https:\/\/www.jungle.world\/index.php\/artikel\/1997\/33\/unversoehnlich<\/p>\n<p>(32) Vgl. W. Pohrt, Musik in meinen Ohren, in: konkret Nr. 3 vom M\u00e4rz 1991, S. 14 \/15. Zu dem Zeitpunkt, als Pohrt seinen Kommentar abschloss, stand eine nukleare Eskalation des Konfliktes begr\u00fcndet im Raum. US-Vizepr\u00e4sident Dan Quayle schloss in einem BBC-Interview einen Atomwaffen-Einsatz der USA als Antwort auf einen C-Waffenangriff Iraks nicht aus. Siehe Reuter, Atomkrieg bleibt Option, in: FR vom 2.2.1991, S. 2<\/p>\n<p>(33) Ferdos Forudastan, Die Antikriegsbewegung in Bonn \/ \u201eLeid ist Leid \u2014 Stoppt den Krieg!\u201c \/ 200.000 Menschen oder mehr haben am Samstag in Bonn gegen den Golfkrieg demonstriert. Nach den Auseinandersetzungen der letzten Tage um Pazifismus und den Schutz Israels achteten die RednerInnen darauf, das Leid zu betonen, das der Krieg f\u00fcr alle Menschen bringt, in Israel wie im Irak und in Kuwait, in: Taz vom 28.1.1991, S. 3. URL: https:\/\/taz.de\/!1735131\/<\/p>\n<p>(34) Roman Arens, Die Kids wollen Frieden und nichts als Frieden \/ Nach der Bonner Demonstration d\u00fcrfte f\u00fcr den diffamierenden Vorwurf des Anti-Amerikanismus kein Platz mehr sein, in: FR vom 28.1.1991, S. 8<\/p>\n<p>(35) Siehe: Netzwerk Friedenskooperative, Sonderausgabe Friedensforum: Dokumentation zur Demonstration am 26.1.1991 in Bonn, Februar 1991<\/p>\n<p>(36) In dem Pohrt-Text existiert eine subkutan mitschwingende affirmative Referenz auf eine unbedingte vom Westen zu kontrollierende Erhaltung von Ruhe und Ordnung im nationalen wie globalen Ma\u00dfstab.\u00a0 Das k\u00f6nnte mit Bezug auf die von dem jahrelangen Pohrt-Finanzier Jan Philipp Reemtsma unmittelbar vor dem Golfkrieg ver\u00f6ffentlichte Position formuliert sein. In dieser hatte Reemtsma nicht nur die Linke aufgrund des Niederganges der Sowjetunion f\u00fcr obsolet erkl\u00e4rt: \u201eDie Linke hat nicht nur welthistorisch verloren, sondern es gibt sie nicht mehr\u201c &#8211; sondern sich gleich auch noch mit Blick auf den sich abzeichnenden Golf-Krieg auf denkbar einf\u00e4ltigste Art und Weise auf die Seite der US-Regierung geschlagen: \u201eNehmen wir die Vorbereitungen der USA zu einem Krieg am Golf. Eine imperialistische Aggression? Sicherlich. W\u00e4re also die Parole: &gt;Amis raus aus Saudiarabien!&lt;? (\u2026) An der Parole ist aber zudem unbehaglich, da\u00df man nicht recht wei\u00df, was man (\u2026) den Einwohnern der betreffenden Region w\u00fcnschen m\u00f6chte: von den USA oder von Saddam Hussein dominiert zu werden. Ich pers\u00f6nlich z\u00f6ge \u2013 m\u00f6glicherweise aufgrund eines klassenspezifischen sowie weltregional bedingten Vorurteils \u2013 die erste M\u00f6glichkeit vor.\u201c Siehe: Jan Philipp Reemtsma, &#8230; the bad and the ugly \/ In den Jahren 1989\/90 hat die Linke ihren weltgeschichtlichen Bezugsrahmen verloren \u2013 das hei\u00dft: Es gibt sie nicht mehr, in: konkret Nr. 12 vom Dezember 1990, S. 26<\/p>\n<p>(37) Vgl. den unter dem Pseudonym \u201eWolfgang Trakl\u201c von Pohrt verfassten Text, Arbeiter und Kleinb\u00fcrger \/ Provisorische Zwischenbemerkung zu einem immer schon gekl\u00e4rten Verh\u00e4ltnis, in: diskus \u2013 Frankfurter Studentenzeitung Nr. 2\/3 1974, Wiederabdruck: Thomas Atzert (Hrg) Redaktion Diskus, K\u00fcss den Boden der Freiheit \u2013 Texte der neuen Linken, S. 161 \u2013 164<\/p>\n<p>((38) Th\u00f6m, \u00dcberall Feiglinge und Verr\u00e4ter \/ Jetzt hat auch &#8218;Konkret&#8216;, Forum der radikalen Linken, einen Feldmarschall f\u00fcr den Golfkrieg: Wolfgang Pohrt, in: taz vom 25.2.1991, S. 6<\/p>\n<p>(39) O.N., Rot gleich braun? \/ Die Totalitarismustheorie a la Konkret, in: Prowo Nr. 12 vom 8.3.1991, S. 5<\/p>\n<p>(40) O.N., von konkret, in: konkret Nr. 4 vom April 1991, S. 4<\/p>\n<p>(41) Vgl. Hermann L. Gremliza , No deposit, no return, in: konkret Nr. 12 vom Dezember 1989, S. 8. Gremliza hatte sich noch im Fr\u00fchjahr 1981 in dem von ihm mitunterzeichneten sogenannten \u201eBielefelder Appell\u201c an prominenter Stelle als SPD-Mitglied zu erkennen gegeben. Gegen die von der Bundesregierung Helmut Schmidts gef\u00f6rderte Aufr\u00fcstungsspirale mit neuen US-Atomraketen wurde von ihm hervorgehoben, dass auch er \u201ezu Beginn der siebziger Jahre (\u2026) gro\u00dfe Erwartungen in die Friedens- und Entspannungspolitik\u201c seiner Partei gesetzt habe. Hier h\u00e4tten doch die erzielten \u201epositiven Ergebnisse\u201c zu einem \u201egro\u00dfen Vertrauensgewinn f\u00fcr unsere Partei in der Bev\u00f6lkerung\u201c gef\u00fchrt. Doch nun stehe mit der anstehenden Aufr\u00fcstung f\u00fcr die SPD sowohl \u201edas Vertrauen und der sichtbare Fortschritt, (\u2026) auf dem Spiel.\u201c Gremliza stellte nicht nur seinen guten Namen, sondern auch seine. Zeitschrift selbst als Forum zur weiteren Verbreitung dieses Appells zur Verf\u00fcgung. Siehe: H.L. Gremliza, Heinrich Albertz, Karl-Heinz Hansen; G\u00fcnter Jansen; Walter Jens; Dieter Lattmann; Marie Marcks; Heide Simonis, u.a., Mut f\u00fcr eine bessere Zukunft \/ Sozialdemokraten appellieren an den SPD-Parteivorstand, die SPD-Bundestagsfraktion, den SPD-Bundeskanzler, in: konkret Nr. 5 vom Mai 1991, S. 16. Siehe auch: Claus Gennrich, In der Sicherheitspolitik zieht f\u00fcr Bonn schwerer Sturm aus der SPD auf \/ Das Vorgehen der Parteilinken, in: FAZ vom 27.1.1981, S. 5<\/p>\n<p>(42) Oliver Tolmein (Gespr\u00e4chsleitung), Eva Groepler; Thomas Ebermann; Jan Philipp Reemtsma; Hermann L. Gremliza, Bankrott der Linken? Streitgespr\u00e4ch, in: konkret Nr. 5 vom 1991, S. 10-17, hier S. 17. Im Editorial der Oktoberausgabe des Jahres 1991 kam die Redaktion noch einmal auf die 1.100 Abo-Abbestellungen zur\u00fcck. Sie verwies dabei auf eine schriftliche Umfrage, dass 21 Prozent der Befragten \u201espontan nach Erscheinen des M\u00e4rzheftes (wg. Pohrt) gek\u00fcndigt\u201c haben sollen. Als \u201eder dickste Brocken\u201c sollte sich nach Auffassung der Zeitschrift aber \u201eAnti-Antisemitismus als K\u00fcndigungsgrund\u201c erweisen, den 39% der Befragten angegeben haben sollen. Die Redaktion kommentierte das gallig mit \u201eHinweis auf die pl\u00f6tzliche Entdeckung ihrer Liebe zu Deutschland und das ungest\u00fcme Walten der damit verbundenen v\u00f6lkischen Partialtriebe, die die Damen und Herren der Friedens-, Frauen-, Radio- und sonstigen Neusozialen Bewegungen des Vierten Reiches w\u00e4hrend des Golfkrieges\u201c gemacht haben sollen. Tja, \u2026 Siehe: O.N., von konkret, in: konkret Nr. 10 vom Oktober 1991, S. 4<\/p>\n<p>(43) Siehe Barbara Klaus\/J\u00fcrgen Feldhoff (Hrsg.): Politische Autonomie und wissenschaftliche Reflexion. Beitr\u00e4ge zum Lebenswerk von Arno Kl\u00f6nne, K\u00f6ln 2017<\/p>\n<p>(44) Arno Kl\u00f6nne, (Leserbrief) in: konkret Nr. 4 vom April 1991, S. 6<\/p>\n<p>(45) O.N., von konkret, in: konkret Nr. 4 vom April 1991, S. 4<\/p>\n<p>(46) Christoph Speier (ViSdP), konkret \u201eStellt euch vor, Konkret ruft zum imperialistischen Krieg gegen den S\u00fcden auf, und kein geht hin\u201c \/ Leserinnen- und Leserreaktionen auf die Beitr\u00e4ge zur deutschen Friedensbewegung und zum Golfkrieg in Konkret 3\/91 \/ dokumentation, o.O. (Hamburg) o.J. (1991)<\/p>\n<p>(47) Oliver Tolmein (Gespr\u00e4chsleitung) Eva Groepler; Thomas Ebermann; Jan Philipp Reemtsma; Hermann L. Gremliza, Bankrott der Linken? Streitgespr\u00e4ch, in: konkret Nr. 5 vom Mai 1991, S. 10ff. Etwa 10 Jahre sp\u00e4ter kam Gremliza auf sein Antisemitenverdikt gegen einen bedeutenden Teil seiner Leserschaft nochmals zur\u00fcck, als er in Bezug auf einen als \u201egigantisch\u201c bezeichneten \u201eAufschrei im linken Lager\u201c darauf hinwies, dass man damals mit dem zusammengestellten \u201eDossier\u201c ein \u201eDokument des Schreckens\u201c in H\u00e4nden halte. Gremliza weiter: \u201eWenn man blo\u00df einen oder zwei derartige Leserbriefe liest, kann man sagen: Na ja, dies ist vielleicht etwas ungl\u00fccklich formuliert, jenes hat eventuell einen antisemitischen Anklang. Betrachtet man aber die ganze Sammlung dieser Reaktionen, verbinden sie sich zu einem einzigen antisemitischen Pamphlet.\u201c in: Kurt-Emil Merki, Deutschlands (schlechtes) Gewissen \/ Hermann L. Gremliza wird am 20. November 60 Jahre alt. Er ist nicht mehr der J\u00fcngste, aber noch immer einer der sch\u00e4rfsten Publizisten deutscher Sprache, in: Tagesanzeiger vom 16.11.2000, S. 68<\/p>\n<p>(48) Ilse Bindseil, Wolfgang Pohrts Ideologiekritik, in: Ilse Bindseil; Monika Noll (Hg.) Frauen 2: Polemik und Politik. Freiburg, S. 113\u2013156. Die Zitate der Reihe nach auf S. 138 und S. 145<\/p>\n<p>(49) Maz, Saddam l\u00e4sst am Ku&#8217;damm gr\u00fc\u00dfen, in: taz-B vom 11.2.1991, S. 21. \u201eSeit einigen Tagen flackern Spr\u00fcche der agentur antifada wie &gt;An die deutsche Friedensbewegung: Vielen Dank f\u00fcr die moralische Nachr\u00fcstung! Ihr Saddam Hussein&lt;&#8220; oder &gt;Von den Deutschen lernen, hei\u00dft durchhalten lernen! Saddam Hussein&lt; \u00fcber die Avnet-Bildwand am Kudamm. (\u2026) Den beiden Hauptinitiatoren, Eike Geisel und Henryk M. Broder, kam die Idee f\u00fcr diese Bildschirmkampagne &#8222;zwischen zwei Kaffees&#8220;, wie Geisel erz\u00e4hlt. &gt;Wir haben uns \u00fcberlegt, was man gegen diese moralische Einheitsfront machen k\u00f6nnte.&lt; Eine gut 10.000 Mark teure Idee, an deren Kosten sich rund 20 Leute aus der Publizistenszene beteiligen.\u201c Siehe auch das diesbez\u00fcgliche Foto im SPIEGEL Nr. 10 vom 4.3.1991, S. 239. Zu der engen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Eike Geisel und Henryk Broder siehe auch das ausf\u00fchrliche Vorwort seines Verlegers Klaus Bittermann in dem vom ihm herausgegebenen Buch, Eike Geisel, Die Wiedergutwerdung der Deutschen \/ Essays &amp; Polemiken, Berlin 2015, S. 8\/9<\/p>\n<p>(50) Ekkehard Krippendorf, Ohne Wenn und Aber f\u00fcr Israel \/ Auch die arrogante Politik Israels machte Saddam Hussein popul\u00e4r, in: taz vom 22.1.1991, S. 11, URL: http:\/\/www.taz.de\/!1736103\/<\/p>\n<p>(51) Yaron Matras, Jochen Hippler, Gabi Gottwald, Daniel Gaede, Eike Geisel und Oliver Tolmein, \u201eDas kann man nicht verlangen\u201c &#8211; Streitgespr\u00e4ch, in: konkret Nr. 4 vom April 1991, S. 10ff. Der Mitarbeiter der Aktion S\u00fchnezeichen Gaede referierte auf der Veranstaltung die Position der Vorsitzenden seiner Organisation w\u00e4hrend einer am 12. Januar, also noch vor Ablauf des Ultimatums, an der US-Air-Base in Frankfurt gehalten Rede. Sie habe darauf hingewiesen, dass zwar Saddam Husseins Drohung, er werde, wenn der Irak angegriffen w\u00fcrde, Israel bombardieren, abzulehnen sei, dass aber eben diese Drohung auch nur m\u00f6glich und so popul\u00e4r sein k\u00f6nne, weil es in Israel-Pal\u00e4stina Konflikte gebe, die bis heute nicht gel\u00f6st seien. Danach sei dann aber nach den Scud-Angriffen \u201eder Konsens auch bei uns auseinander\u201c gegangen. Gleichwohl werde auch weiterhin von einer Mehrheit in der ASF die Position vertreten, dass dieser Krieg mit seinen unabsehbaren Folgen auch die Sicherheit Israels nicht garantieren k\u00f6nne. Die besagte Diskussionsveranstaltung fand am 20. Februar 1991 in Hamburg statt.<\/p>\n<p>(52) Eike Geisel, Moralische Nachr\u00fcstung \/ Augstein und Krippendorff \u2014 zwei gute Deutsche und der Golf , in: taz vom 25.1.1991, S. 10<\/p>\n<p>(53) Eike Geisel, Die Auschwitzl\u00fcge \/ Die Ende Mai ver\u00f6ffentlichten Zahlen der irakischen Opfer des Golfkrieges k\u00f6nnen die alternative und friedensbewegte Sucht nach der m\u00f6glichst gro\u00dfen Opfermasse nicht befriedigen, in: konkret Nr. 7 vom Juli 1991, S. 16ff Siehe auch vom Tenor \u00e4hnlich lautenden Beitrag Eike Geisel, D\u00e9j\u00e1-vu: Die Achse Berlin &#8211; Bagdad, in: Broder u.a. Liebesgr\u00fcsse aus Bagdad \/ Die \u201eedlen Seelen der Friedensbewegung\u201c und der Krieg am Golf, Berlin 1991, S. 94 \u2013 99<\/p>\n<p>(54) Klaus Bittermann, Die Banalit\u00e4t des Guten, in: Junge Welt vom 9.6.1998. Auch als Nachwort in: Eike Geisel, Triumph des guten Willens, Berlin 1998, S. 197 \u2013 202, hier S. 198<\/p>\n<p>(55) Ulrich Gutmair Sammelband von Eike Geisel: Der Fremde ist eine Provokation \/ Erinnern sei in Deutschland die h\u00f6chste Form des Vergessens, schrieb Eike Geisel, in: taz vom 10.2.2016, URL: https:\/\/taz.de\/Sammelband-von-Eike-Geisel\/!5272665\/<\/p>\n<p>Views: 840<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Hass und Verachtung \u00fcberbietet Wolfgang Pohrt alle \u2026. (Teil II)<br \/>\nIm ersten Teil des Beitrages \u201eEhrbarer Antisemitismus\u201c wurde der Aufgalopp zu der Antisemitismusmarkierung gegen Kriegsgegner in den ersten Wochen des Golfkrieges 1991 skizziert. 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