{"id":10385,"date":"2021-02-23T15:36:30","date_gmt":"2021-02-23T14:36:30","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfwetzel.de\/?p=10385"},"modified":"2021-02-24T17:26:12","modified_gmt":"2021-02-24T16:26:12","slug":"ehrbarer-antisemitismus-die-resistenz-gegen-den-zweiten-golfkrieg-und-die-falsche-alternative-frieden-oder-rettet-israel-von-markus-mohr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2021\/02\/23\/ehrbarer-antisemitismus-die-resistenz-gegen-den-zweiten-golfkrieg-und-die-falsche-alternative-frieden-oder-rettet-israel-von-markus-mohr\/","title":{"rendered":"Ehrbarer Antisemitismus? Die Resistenz gegen den zweiten Golfkrieg und die falsche Alternative \u201eFrieden oder Rettet Israel!\u201c Von Markus Mohr"},"content":{"rendered":"<h1>Ehrbarer Antisemitismus?<\/h1>\n<h1>Die Resistenz gegen den zweiten Golfkrieg und die falsche Alternative \u201eFrieden oder Rettet Israel!\u201c 1. Teil\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Von Markus Mohr<\/h1>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10388\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-German_gas-1991-Netz.jpg?resize=700%2C1008&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1008\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-German_gas-1991-Netz.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-German_gas-1991-Netz.jpg?resize=208%2C300&amp;ssl=1 208w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-German_gas-1991-Netz.jpg?resize=711%2C1024&amp;ssl=1 711w, https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-German_gas-1991-Netz.jpg?resize=768%2C1106&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>\u201eWo Hussein und Israel involviert sind ergibt die Assoziation ans Dritte Reich sich scheinbar von selbst, woraus scheinbar ebenso zwanglos die historisch beglaubigte heroische Rolle der USA folgt. (\u2026) Der Intellektuelle m\u00fcnzt, ein klassischer Fall von \u201eVerschiebung\u201c, das eigentlich zu erarbeitende theoretische Verh\u00e4ltnis zu Auschwitz in die `moralische Forderung nach Solidarit\u00e4t mit Israel um (\u2026) Er steht (\u2026) in fassungslosem Stupor vor der Bedrohung Israels und in als intellektuelle Epoch\u00e8 ausgegebener Gleichg\u00fcltigkeit &#8211; denn Krieg ist nun mal Krieg &#8211; vor dem Bombardement der irakischen Bev\u00f6lkerung. Unf\u00e4hig offenbar von der zusammenh\u00e4ngenden Wirklichkeit des Nahost-Konflikts jeweils mehr als nur ein mit radikalem Schnitt, radikalem Bewu\u00dftseinsschnitt n\u00e4mlich, herausgel\u00f6stes Segment auf einmal zu betrachten, spaltet er die Wirklichkeit auf \u2026\u201c Ilse Bindseil, Juni 1991 (1)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gewerkschaftliche Monatshefte: Der Krieg am Golf wird mit Waffen gef\u00fchrt, die zum Teil aus Deutschland stammen. L\u00e4\u00dft sich hieraus eine moralische Verpflichtung Deutschlands zur Beteiligung am Golf-Krieg ableiten?<\/p>\n<p>Gerhard Zwerenz: Ich habe k\u00fcrzlich in einem Leitartikel der \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c gelesen, da\u00df dessen Autor sich vorstellen k\u00f6nnte, da\u00df deutsche Tornados die Gasfabriken im Irak bombardieren. Wenn die Phantasie dort so wuchert, dann kann ich mir vorstellen, da\u00df deutsche Tornados auch diejenigen Betriebe in der Bundesrepublik bombardieren k\u00f6nnten, in denen die Gasausr\u00fcstung f\u00fcr den Irak ausgedacht und hergestellt worden ist. (2)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zweite Golf-Krieg dauerte etwa sechs Wochen. In dessen Verlauf kamen auf einen toten amerikanischen Soldaten etwa 250 tote Irakische Soldaten und Zivilisten. Pr\u00e4ziser Weise kann hier eigentlich nicht von einem Krieg, sondern es muss eher von einer standrechtlichen Exekution gesprochen werden. Evident hier zun\u00e4chst einmal, das die Friedensbewegung aber auch Autonome nat\u00fcrlich prinzipiell gegen den Golfkrieg opponierten, wobei Autonome sich dabei um das mutma\u00dfliche Existenzrecht von Staaten im Allgemeinen, wie auch im Speziellen, sprich einem Existenzrecht des Irak, von Kuwait aber auch von dem Israels einen \u2013 wie man umgangssprachlich so sagt &#8211; feuchten Kehricht k\u00fcmmerten. (3)<\/p>\n<p>Der Golf-Krieg l\u00f6ste in der Bundesrepublik eine Vielzahl von Aktionen gegen bundesdeutsche R\u00fcstungsfirmen aus, die den Irak mit Giftgastechnologie ausger\u00fcstet htten. (4) Motto hier, zumindest stand es so w\u00e4hrend einer Blockade des R\u00fcstungskonzerns Blohm &amp; Voss in Hamburg auf einem Transparent zu lesen: \u201e<em>Waffen, Krieg \u2013 V\u00f6lkermord \u2013 das ist BRD-Export<\/em>\u201c. (5)<\/p>\n<p>Diese antimilitaristische Praxis verweigerte sich nat\u00fcrlich einer f\u00fcr das Kriegsgeschehen im Nahen Osten er\u00f6ffneten schlichten Zwei-Fronten-Logik: Die Frage, ob man denn f\u00fcr oder gegen Saddam Hussein, f\u00fcr oder gegen die USA und Israel ist, hat bundesdeutsche Antimilitaristen aus ihrer Sicht nicht interessiert. Man bek\u00e4mpft den Feind, und das ist immer der, der einem hier schon das Leben noch schlechter macht, immer am besten im eigenen Land. Doch dieses einleuchtende Anliegen sollte sich f\u00fcr eine ganze Reihe von ehemaligen Protagonisten der Neuen Linken wie aber auch von Teilen der sozialliberalen Intelligenzija als zu kompliziert erweisen. Mit ihrer dr\u00f6hnenden Kriegsbef\u00fcrwortung nat\u00fcrlich an der Seite der erkennbar st\u00e4rkeren Partei, sprich den USA und Israel, verkn\u00fcpften sie diskursiv an die Adresse der wiederauferstandenen Friedensbewegung wie auch an Autonome mehr oder minder explizit den Vorwurf des Antiamerikanismus und des Antisemitismus. Das war nat\u00fcrlich bestenfalls falsch beobachtet, zuweilen aber auch kalt verlogen lanciert, aber immer mit einer deutlichen innenpolitischen Feinderkl\u00e4rung verkn\u00fcpft. Dabei wurde schlicht die falsche Alternative \u201eFrieden oder rettet Israel\u201c intoniert. (6) Falsch deshalb, weil sie im Umkehrschluss nichts anderes bedeuten soll, als dass nur der auf unabsehbare Zeit gestellte Krieg Israel retten kann. So einen Befund mag man eigentlich gar nicht zu Ende denken. Gegen diese Vorw\u00fcrfe nahm eine Gruppe wie die Internationale Liga f\u00fcr Menschenrechte, mit einem als Anzeige in israelischen Tageszeitungen geschalteten Brief explizit Stellung. Darin wurde klargemacht, dass sich \u201egerade in der Friedensbewegung\u201c die gegen Bush und Saddam Hussein protestiert, \u201eniemand Illusionen macht. (\u2026) In vielen \u00f6ffentlichen Diskussionen wird der Krieg vor allem im Hinblick auf die Frage diskutiert, wie Israel am besten zu sch\u00fctzen sei. Die Proteste \u2013 Blockaden Boykott- und Streikaufrufe &#8211; richten sich immer mehr direkt gegen die Firmen, die an der Aufr\u00fcstung des Irak beteiligt waren und sind: Es werden Listen dieser Firmen, Unterlagen \u00fcber Waffengesch\u00e4fte ver\u00f6ffentlicht. Es ist wahrscheinlich nicht ohne Grund, dass die Bundesregierung, (\u2026) der Friedensbewegung gerade jetzt &#8218;Anti-Amerikanismus` und Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber Israel vorwirft, da in den Mittelpunkt der Proteste die wirtschaftlichen Verwicklungen der Bundesrepublik in diesen Krieg ger\u00fcckt sind.\u201c (7)<\/p>\n<p>Die Proteste in der BRD gegen den Golfkrieg hatten in einem direkten Sinne mit der Intifada in den besetzten Gebieten Pal\u00e4stina so gut wie nichts mehr zu tun. Klar war aber hier, dass wer zuvor Sympathie mit der Intifada gezeigt oder praktiziert hatte, nun nat\u00fcrlich erst recht unter diesen Verdacht geriet. Allemal hier vergessen bzw. v\u00f6llig bedeutungslos der Umstand das weder von Autonomen noch von der Friedensbewegung jemals &#8211; wie es von Daniel Cohn-Bendit in einer \u00f6ffentlichen Diskussion zum Golf-Krieg freundlicherweise einmal mit erw\u00e4hnt worden ist -, \u201eGas exportiert\u201c worden war. (8)<\/p>\n<p>In einer ein paar Monate nach dem Ende des Golfkrieges publizierten Bilanz verwies der Historiker Karl Heinz Roth zutreffend darauf, dass es bundesdeutschen Kriegsbef\u00fcrwortern neben \u201eder erfolgreichen Reaktivierung des linken Antisemitismusvorwurfes\u201c gelungen sei \u201everk\u00fcrzte historische Analogieschl\u00fcsse\u201c zu mobilisieren, um so \u201evergangenen und gegenw\u00e4rtigen antimilitaristischen Bewegungen f\u00fcr fr\u00fchere wie im Verlauf des Golfkrieges m\u00f6glich gewordene Massenvernichtungen verantwortlich\u201c zu machen. Dabei bedienten sich die Kriegsprotagonisten \u201euneingeschr\u00e4nkt des Arsenals der Gegenaufkl\u00e4rung, indem sie kritische analytische Denk- und Argumentationsweisen\u201c beiseite schoben, um eben \u201enach der Eind\u00e4mmung des antimilitaristischen Aufbegehrens an die Seite der erneuerten amerikanischen F\u00fchrungsmacht zu treten.\u201c (9)<\/p>\n<p>Michael Schneider verwies auf die \u201eHeimt\u00fccke historischer Parallelen\u201c die infame Praxis der neuen Bellizisten sich \u201eim Gewande des Antifaschismus\u201c zu erschaffen, sich mit der Verteidigung Israels einen \u201elegitimen Kriegsgrund\u201c zu erschleichen und auf \u201edie Instrumentalisierung von Auschwitz und des Deutschen Schuldgef\u00fchls\u201c (10)<\/p>\n<p>Als bedeutende Protagonisten der Antisemitismusmarkierung von Kriegsgegnern w\u00e4hrend der sechs Wochen des Golfkrieges k\u00f6nnen der Reihe nach Wolf Biermann, Hans Magnus Enzensberger, Cora Stephan, Wolfgang Pohrt und Eike Geisel gelten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Folgenden wird diese Auseinandersetzung in drei aufeinander folgenden Beitr\u00e4gen nachgezeichnet:<\/p>\n<p><strong>Der erste Teil<\/strong> dieses Beitrages skizziert den Aufgalopp zu der Antisemitismusmarkierung gegen Kriegsgegner. Sie vollzog sich durch eine Reihe von Beitr\u00e4gen in den f\u00fchrenden Zeitungen des Landes. Sie war in dieser Phase keineswegs einheitlich noch vollzog sie sich widerspruchsfrei.<\/p>\n<p><strong>Der zweite Teil<\/strong> widmet sich den Montagen und Techniken, die von Wolfgang Pohrt und Eike Geisel zeitgen\u00f6ssisch gegen die Friedensbewegung und Autonome in Stellung gebracht wurden.<\/p>\n<p><strong>Der dritte Beitrag<\/strong> setzt sich dem Nachleben von ein paar Argumentationsfiguren aus den Auseinandersetzungen zum Golfkrieg des Jahres 1991 in der Gegenwart auseinander.<\/p>\n<p>Die Fu\u00dfnotennummerierung vollzieht sich durch alle drei Folgen fortlaufend.<\/p>\n<p>Ich danke Klaus Wernecke f\u00fcr Kritik und Anregungen zu diesem Text.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong><u>Die Menschen, die jetzt gegen den Krieg demonstrieren, sind doch nicht die, \u201edie Gas an den Irak geliefert haben\u201c. (Daniel Cohn-Bendit)<\/u><\/strong><\/h2>\n<p>Den prominenten Auftakt zur Kriegsbef\u00fcrwortung machte der im November 1976 noch als Linkskommunist aus der DDR ausgeb\u00fcrgerte Poet Wolf Biermann in einem l\u00e4ngeren Beitrag in der ZEIT. Ohne viel Federlesens rief er \u201eFriedenshetze, Kriegshetze\u201c aus und unterstellte dabei der Friedensbewegung die nukleare Vernichtung Israels billigend in Kauf zu nehmen. Daf\u00fcr bediente er sich eine Assoziation, in dem ihm \u201edie Nazizeit\u201c einfiel: \u201eVier Friedensk\u00e4mpfer haben 1938 das M\u00fcnchener Abkommen besiegelt: Chamberlain, Daladier, Mussolini und Hitler \u2013 ein lehrreiches Gruppenphoto.\u201c Und dann sah Biermann in den Nachrichten \u201edie Bilder von Friedensdemonstrationen vor US-Air-Bases. Die meisten Losungen sind antiamerikanisch, als w\u00e4ren die USA der Aggressor. Modische Pal\u00e4stinensert\u00fccher und kein Wort f\u00fcr Israel.\u201c Das so von ihm entworfene Bild erscheint ihm \u201ewie auf der falschen Beerdigung.\u201c Und nun wolle die Friedensbewegung, die \u201edie Aufr\u00fcstung des Irak durch deutsche Firmen nicht\u201c habe verhindern k\u00f6nnen \u201edie Zerst\u00f6rung der ABC-Fabriken und Raketen aufhalten, mit denen Saddam &amp; Co Israel vernichten wollen.\u201c Und dann offenbart Biermann in einer assoziativen Verdrehung seinen Alptraum von einem \u201eDuschraum ohne Duschen\u201c wie damals: \u201eDie Juden wehren sich nicht. Sie harren und hoffen, wie in der Nazizeit, auf das Kriegsgl\u00fcck der Alliierten\u201c, um daran die allegorische apokalyptische Variation anzuh\u00e4ngen: \u201eDie Opfer sind bis an den Goldzahn bewaffnet. Ist das Fortschritt? Israel hat die Atombombe und k\u00f6nnte noch im Sterben in einem Vergeltungsschlag Saddam Hussein und seine kriegsbegeisterte Bande mit in den Abgrund rei\u00dfen.\u201c (11)<\/p>\n<p>Fast zeitgleich zu dem Pro-Kriegs-Aufschlag von Biermann entdeckten in Frankfurt ehemalige 68er-Linksradikale, die sich zwischenzeitlich zu Linken, Gr\u00fcnen und Mitgliedern der j\u00fcdischen Gemeinde transformiert hatten, \u201ebesorgt\u201c wie es in einem Pressebericht hie\u00df \u201eantiamerikanische und antiisraelische Affekte\u201c bei relevanten Teilen der Friedensbewegung. In einer Erkl\u00e4rung unter der \u00dcberschrift \u201eEinsprache gegen Irrationalit\u00e4ten in der Diskussion um den Golfkrieg\u201c, unterschrieben von Micha Brumlik, Joscha Schmierer, Esther Sharell, Edith Kohn, Dany Cohn-Bendit, Benny Peiser, Cora Stephan, Claus Leggewie und Eva Demski erkl\u00e4rten sie, dass \u201esp\u00e4testens seit den irakischen Raketenangriffen auf zivile Ziele in Israel (\u2026) der Hauptslogan der neuen Friedensbewegung widerlegt (sei), nach dem es um &#8218;Blut f\u00fcr \u00d6l&#8216; geht. Saddam Hussein meint es mit seinen Vernichtungsdrohungen gegen Israel ernst. Er ist bekanntlich f\u00fcr dieses Vorhaben mit deutschem Giftgas ger\u00fcstet.&#8216; (\u2026) In dieser Situation sei es &#8218;unverantwortlich, wenn deutsche Linke und deutsche Gr\u00fcne zu fragw\u00fcrdigen Parolen schweigen&#8216;.\u201c (12) Auf dieser Grundlage riefen sie zu einem \u201e\u00f6ffentlichen Ratschlag\u201c in dem prominenten Veranstaltungsort Volksbildungsheim auf, um dort ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg der USA \u00f6ffentlich zu formulieren. Aus dem Verlauf dieser Veranstaltung ist soweit ersichtlich nur das Referat von Detlev Claussen direkt publiziert worden. Eingangs beklagte er noch eine \u201espezifische Form des Taubstummendialogs, das gemischte Doppel von Kriegsbef\u00fcrwortern und Kriegsgegnern\u201c, dass doch immer nur \u201ezur Polarisierung der Dummheiten\u201c f\u00fchre. Und obwohl er hier zun\u00e4chst konzedierte, dass man \u201ein einem Konflikt wie diesem (\u2026) weder Bellizist noch Pazifist sein\u201c m\u00fcsse, lie\u00df er es sich dann doch nicht nehmen gegen die Anti-Kriegs-Demonstrationen klar Stellung zu beziehen. Allerdings fokussierte er hier nicht zentral auf den Antisemitismus, sondern lie\u00df sich f\u00fcr sein ja zum Krieg die Kritik eines Antiamerikanismus aus der Zeit des Nationalsozialismus einfallen: Er sei erschreckt vom \u201eantiamerikanischen Grundton\u201c der Proteste gegen den Krieg. Die Parole \u201eKein Blut f\u00fcr \u00d6l\u201c treffe nach Claussen den Sachverhalt gerade nicht \u2014 sie verk\u00fcrze ihn nicht nur wie alle Parolen, sondern verzerre sie sogar \u201ebis zur Unkenntlichkeit.\u201c Und dann machte Claussen aus der gerade noch eben behaupteten Verk\u00fcrzung und Verzerrung kurzerhand \u201eeine Verkehrung\u201c die \u201eden ganzen Sinn ver\u00e4ndern\u201c k\u00f6nne. Daf\u00fcr unternahm er eine Zeitreise in die Bl\u00fctezeit des Nationalsozialismus, wo sogar noch bis \u201evor einigen Jahren neben Hans Grimms <em>Volk ohne Raum<\/em> der alte Bestseller Anton Zischkas <em>Der \u00d6lkrieg<\/em>\u201c im B\u00fccherregal gestanden haben soll. Eben diese Werke \u201estehen in der Tradition deutscher Griffe nach der Weltmacht, der Polemik gegen das &#8218;perfide Albion&#8216; und gegen den langnasigen alten Uncle Sam, gegen Rockefeller und sp\u00e4ter Roosevelt.\u201c Und daraus schlussfolgerte Claussen einen, wie er formulierte \u201edeutsch-nationalistischen Kolonialneid\u201c aus dem \u201esich ein Antiamerikanismus entwickelt (habe), der nichts anderes als ein Antiimperialismus der dummen Kerls geworden ist.\u201c Mehr noch: \u201eEin Antiimperialismus, der keine vern\u00fcnftige Alternative zum gesellschaftlichen System angeben kann, verk\u00fcmmert zum nationalistischen Ressentiment der Zukurzgekommenen.\u201c (13)<\/p>\n<p>Bei allem Respekt vor dem Bem\u00fchen Claussens die als \u201eHauptslogan der neuen Friedensbewegung\u201c markierte Parole: \u201eKein Blut f\u00fcr \u00d6l\u201c wie durch den Einladungstext zu dieser Veranstaltung angek\u00fcndigt, von der Platte zu putzen: Er ist doch zu fragen, in welcher Weise denn der mutma\u00dfliche Kolonialneid von Sch\u00fclerinnen und Autonomen im Jahre 1991 genau beschaffen gewesen sein mag, den diese bei ihren Protesten gegen den Krieg versp\u00fcrt haben sollen? Eben diese auch nur fanatisierte dumme Braunkittel-Kerls, erf\u00fcllt ganz im Geist der Grimm und Zischkas? Hier wird doch wohl von Claussen keine Irrationalit\u00e4t in die Diskussion um den Golfkrieg eingeschmuggelt worden sein? Wie auch immer man von heute aus seinen Pro-Golfkriegstext aus dem Jahre 1991 betrachtet, er kann als eine Art Ikea-M\u00f6belst\u00fcck verstanden werden: Schraubt man es erstmal auseinander, bekommt man es danach nicht wieder zusammen. (14)<\/p>\n<p>Zwei Tage nach der denkw\u00fcrdigen Frankfurter Veranstaltung, die von der autonomen lupus-Gruppe nicht unzutreffend als der \u201e<em>erste linke Kriegskongress nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs<\/em>\u201c in der BRD \u201emehr fassungslos als wutentbrannt\u201c zur Kenntnis genommen wurde, (15) k\u00fcndigte das Nachrichtenmagazin SPIEGEL bereits auf der Titelseite den Essay von Hans Magnus Enzensberger \u201e<em>Hitlers Wiederg\u00e4nger<\/em>\u201c an. Enzensberger war nicht irgendwer. Mit der von ihm in den Jahren 1965 \u2013 1975 verantworteten Herausgabe des Kursbuches kann er als ein wichtiger Stichwortgeber der antiimperialistisch profilierten Neuen Linken und der Studentenrevolte in der BRD und West-Berlin gelten. Nach den Sch\u00fcssen auf Rudi Dutschke dr\u00fcckte Enzensberger seine Hoffnung aus, dass nach dem \u201esp\u00e4testens seit Ostern 1968\u201c nicht mehr reversiblen \u201egesellschaftlichen und politischen Lernproze\u00df\u201c von dem die deutschen Studenten, \u201edie intelligentesten jungen Arbeiter, Lehrlinge und Sch\u00fcler ergriffen\u201c worden seien, diese durch \u201eAktionen gegen den Imperialismus, gegen die Nato, gegen die Notstandsverfassung (\u2026) zum Feind (werden), der das imperialistische System von innen her bedrohen kann.\u201c (16) Das war 23 Jahre her. \u00dand nun mutierte Enzensberger von einem Sympathisanten der Feinde des imperialistischen Systems im Verein mit den USA und damit letztlich auch der NATO zu einem \u2013 wenn man so will \u2013 Feind von Saddam Hussein. Und just an diesem entdeckte er nun, so die Formulierung \u201esubstantielle \u00c4hnlichkeiten\u201c mit Adolf Hitler.<\/p>\n<p>Dabei versuchte Enzensberger in seinem Essay neben vielen anderem mehr an \u201everborgene Kontinuit\u00e4ten (\u2026) Restbest\u00e4nde des Faschismus\u201c zu erinnern, von denen er sich \u00fcberzeugt zeigte, dass an eben diese \u201eniemand (mehr) erinnert werden m\u00f6chte.\u201c Und hier parallelisierte er \u201edie deutsche Industrie\u201c mit ihren \u201ehingebungsvollen Diensten, die sie Adolf Hitler geleistet hat\u201c und mit der \u201esie seinem Nachfolger mit demselben Eifer zu Hilfe eilt\u201c mit einem \u201eerheblichen Teil der deutschen Jugend, (die) sich eher mit den Pal\u00e4stinensern identifiziert als mit den Israelis, wenn sie ihren Protest lieber gegen George Bush als gegen Saddam Hussein richtet\u201c was er bedeutungsschwanger in die Formulierung kleidete, dass das wohl \u201emit Ahnungslosigkeit kaum zu erkl\u00e4ren\u201c sei. (17) Mit diesem \u201eargumentativen Wischiwaschi\u201c-Verfahren l\u00f6ste Enzensberger in einem wie Detlev Claussen ein Jahr sp\u00e4ter schrieb \u201eGeschichte und Gegenwart in ein halbdunkel pers\u00f6nlicher Verh\u00e4ltnisse\u201c auf. Und so gerann Enzensberger in einer zwischen Licht und Schatten pendelnden Clairobscur alles Sachliche zur Halbwahrheit, um so \u00fcber vielf\u00e4ltig Pers\u00f6nliches frei flottierend zwischen Alltagspsychologie und V\u00f6lkerpsychologie raunen zu k\u00f6nnen. Dabei lie\u00df sich allerdings nicht immer ganz ausmachen, ob seine Zentralthese nicht letztlich aus der von der BILD-Zeitung bereits seit Anfang August 1990 erfolgten Berichterstattung \u00fcber den \u201eHitler aus Bagdad\u201c \u00fcbernommen worden war. (18)<\/p>\n<p>Wiederum ein paar Tage sp\u00e4ter meldeten sich mit Hans-Ulrich Wehler und vielen anderen eine ganze Riege prominenter bundesdeutscher Historiker zu dem Golfkrieg zu Wort. Das Wort der Genannten konnte f\u00fcr die Interpretation der Zeitgeschichte in Deutschland allemal Gewicht beanspruchen In der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit im 20. Jahrhundert haben sie Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, insbesondere Wehler hatte dem ihm aus seiner Zeit der Hitlerjugend gut bekannten J\u00fcrgen Habermas im Historikerstreit der Jahre 1986\/87 in fulminanter Weise unterst\u00fctzt. (19) In der nun nicht als gekaufte Anzeige, sondern in einem \u201eIm Wortlaut\u201c verbreiteten Kasten in der Frankfurter Rundschau verbreiteten Erkl\u00e4rung lie\u00dfen die Historiker zwar ein gewisses Unbehagen an den durch die Bundesregierung protegierten Giftgaslieferungen an den Irak durchblicken, schlugen sich dann aber ohne gro\u00dfe Umschweife und v\u00f6llig frei von den israelisch-pal\u00e4stinensischen Verwicklungen auf die Seite der USA und Israel. Mit der Formulierung \u201e<em>Seit Auschwitz mu\u00df jeder wissen, da\u00df Schlimmeres als Krieg m\u00f6glich ist<\/em>\u201c rutschte ihnen dabei noch eine eigent\u00fcmliche Aussage in ihren Text. So vorgetragen in Polen und der Sowjetunion (respektive heute Wei\u00dfrussland, Ukraine und Russland) w\u00fcrde sie vermutlich ein verst\u00e4ndnisloses Kopfsch\u00fctteln ausl\u00f6sen. (20)<\/p>\n<p>Dem Historiker und Genossen Karl Heinz Roth trieb diese Stellungnahme von \u201ewohlsituierten Professoren der bundesdeutschen Geschichtswissenschaft\u201c zu einer wutschnaubenden Kritik. Monate sp\u00e4ter kommentierte er dazu mit nicht immer zu belegender Verve:<\/p>\n<p>\u201eEndlich k\u00f6nnen verdr\u00e4ngte Selbstvorw\u00fcrfe, der Verstrickung der eigenen Eltern- und Lehrergeneration in den V\u00f6lkermord an den Juden keine einzige gr\u00f6\u00dfere Forschungsarbeit gewidmet und aus ihren Ergebnissen Konsequenzen gezogen zu haben, beruhigt werden. Denn ein zweiter Hitler ist aufgetaucht, dem man diesmal nach seinen Vernichtungsdrohungen gegen Israel umso nachhaltiger das Handwerk legen kann. (\u2026) Er l\u00e4dt die Kinder der T\u00e4ter zur \u00dcbertragung ureigener Schuldgef\u00fchle nachgerade ein. (\u2026) Auch so werden die qualvollen Schuldgef\u00fchle wegen der unaufgearbeiteten V\u00f6lkermorde des Faschismus beschwichtigt (\u2026) Der Einwand (\u2026) da\u00df der von ihnen gutgehei\u00dfene Krieg Abertausende von unbeteiligter Zivilisten das Leben gekostet hat, wird in der Erkl\u00e4rung der Historiker noch nicht einmal erwogen. Auch die banalste aller Schlussfolgerungen, n\u00e4mlich die Forderung nach der Enteignung und Liquidierung der heutigen Exportunternehmen des Todes, ist ihnen nicht eingefallen.\u201c (21)<\/p>\n<p>Es muss hier offenbleiben, woher genau Roth sein Wissen generiert, dass es in der Vita bei den von ihm attackierten Historikern jemals \u201everdr\u00e4ngte Selbstvorw\u00fcrfe\u201c oder eine \u201e\u00dcbertragung ureigener Schuldgef\u00fchle\u201c von wo auch immer gegeben haben soll. Bringt man in den Sachverhalten eine Art Psychohistorie in Anschlag, kann man immer in die eine oder andere Richtung schreiben: Und zwar mit markanten Behauptungen, die, da sie im Grunde nicht richtig belegt eben auch nicht richtig widerlegt werden k\u00f6nnen. Dieses Rothsche Verdikt liest sich fast wie eine gewisse Umkehrung dessen, was die Antisemitismusvorwerfer gegen\u00fcber der Friedensbewegung und Autonomen hinsichtlich deren mutma\u00dflicher \u201eW\u00fcnsche\u201c vor allem gegen\u00fcber Israel insinuiert haben. Jedenfalls war es als f\u00fcr viele ab den 1970er Jahren zu Ruf und Ehren gekommene Historiker in der BRD immer v\u00f6llig ausreichend gegen\u00fcber den Mandarinen der Zunft in den 1950er und 60er Jahren ein gewieftes Ma\u00df an Konformit\u00e4t in Anschlag zu bringen, um ihren beruflichen Lebensweg und damit ihre Karriere nicht zu gef\u00e4hrden. Wer einmal den markanten Hans Ulrich Wehler bei einem seiner Auftritte hat erleben d\u00fcrfen, w\u00fcrde nie auf den Einfall kommen, dass \u201everdr\u00e4ngte Selbstvorw\u00fcrfe\u201c oder gar \u201eureigene Schuldgef\u00fchle\u201c jemals seine Sache waren. Das gleich gilt auch f\u00fcr J\u00fcrgen Habermas, der kurz nach dem Wehlerschen Manifest zum Golf-Krieg in einer Ausgabe der ZEIT eine l\u00e4ngere Abhandlung ver\u00f6ffentlichte. Dabei kann Habermas als derjenige gelten, der sich von einem demokratischen Sozialisten aus den1950er Jahren im Verlauf seiner engagierten Einmischung in einer Vielzahl von \u00f6ffentlichen Debatten zu dem Staatsphilosophen der Bundesrepublik gemausert hat. (22)<\/p>\n<p>Auch Habermas bef\u00fcrwortete den Krieg der von der USA gef\u00fchrten Koalition gegen den Irak, das im Vergleich zu Biermann und Enzensberger allerdings erheblich herab gemilderter Tonlage. Dabei f\u00e4llt an seiner Stellungnahme zu dieser Angelegenheit der mehrfache Israel-Bezug auf, der allemal geltend machen kann, in der Tradition der wesentlichen Protagonisten der Kritischen Theorie von Horkheimer, \u00fcber Adorno bis hin zu Marcuse zu stehen. Habermas macht hier in der Er\u00f6rterung von \u2013 wie er formuliert \u2013 \u201eerlaubten Kriegszielen\u201c geltend, dass es neben der \u201eForderung nach der R\u00e4umung Kuwaits\u201c auch \u201ef\u00fcr das Ziel der Zerst\u00f6rung der gegnerischen ABC-Waffen \u2013 und der irakischen Anlagen f\u00fcr Entwicklung und Produktion dieser Waffen\u201c gute Gr\u00fcnde g\u00e4be. Tertium non datur: \u201eDabei hat die Bedrohung der Existenz Israels das gr\u00f6\u00dfte Gewicht.\u201c Die von dem irakischen Diktator ausgesprochene Bedrohung mit einem Gaskrieg sei \u201eallein schon aus psychohistorischen Gr\u00fcnden\u201c unertr\u00e4glich. \u201eDer Zusammenhang von Diktatur und Judenvernichtung bestimmt die Loyalit\u00e4t mit Israel.\u201c Und dann f\u00fchrt Habermas weiter aus: \u201eDer eklatante Bruch des V\u00f6lkerrechts und die entsprechende Uno-Resolution rechtfertigen (\u2026) den bedingten Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt am Golf. Nach der Drohung gegen und dem Angriff auf Israel gewinnt er f\u00fcr uns Deutsche sogar eine besondere Legitimit\u00e4t. (\u2026) Im Rahmen allgemeiner moralischer Verpflichtungen haben wir gegen\u00fcber Israel insbesondere jetzt, da es zu seiner Verteidigung auf Hilfe, auch auf milit\u00e4rische Hilfe angewiesen ist, <em>spezielle <\/em>Verpflichtungen. (\u2026) Schon diese besonderen Verpflichtungen sollten uns davon abhalten, den Golfkrieg als solchen zu verwerfen.\u201c Immerhin gibt er aber an anderer Stelle in Bezug auf die Causa Israel wenigstens die Frage zu bedenken, ob \u201edas Pal\u00e4stina-Problem (nicht) vollends unl\u00f6sbar (werde), wenn der besiegte Saddam als moralischer Sieger aus seiner Niederlage hervorgeht?\u201c Auch das ist sch\u00f6n formuliert und bedeutet f\u00fcr die Politik der BRD seit Adenauers Wiedergutmachungsanstrengungen im Bundestag des Jahres 1953 so gut wie nichts. (23)<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit dem von ihm als \u201ewahrscheinlich\u201c bezeichneten Szenario des \u201evon der ganzen arabischen Welt eingekreisten und nuklear bedrohten Israels\u201c h\u00e4ngte Habermas dann noch den kurz zuvor von seinem Freund Wehler generierten Gedanken: \u201eEs kann schlimmere \u00dcbel geben als den Krieg\u201c dran. (24) Dabei ist der Einfall von Habermas, dass es \u201eschlimmere \u00dcbel\u201c als den Krieg geben soll, in Bezug auf Auschwitz, Treblinka, Sobibor usw. nat\u00fcrlich falsch. Denn die Massenvernichtung der europ\u00e4ischen Juden und Sinti bzw. der sowjetischen Kriegsgefangenen vor allem in den Jahren 1941\/42 w\u00e4re ohne den unmittelbaren Zusammenhang mit der Entfesselung des zweiten Weltkrieges durch die Nazis nicht m\u00f6glich gewesen. Oder um es hier etwas schlichter zu formulieren: Polen und Teile der Sowjetunion mussten erst durch die Kettenfahrzeuge der deutschen Wehrmacht erobert und besetzt werden, denn sonst h\u00e4tten die Vernichtungslager nicht errichtet werden k\u00f6nnen. Und f\u00fcr vieles weitere was dann leider m\u00f6glich wurde, gilt immer noch der vom IG Metall Mitglied Norbert Bl\u00fcm schon 1978 zutreffend ausgesprochene schlichte Merksatz: \u201eDas KZ stand schlie\u00dflich nur so lange, wie die Front hielt.\u201c (25)<\/p>\n<p>Allerdings mu\u00df hier festgehalten werden, dass die Exponenten der sozialliberalen Intelligenzija in ihren auch auf die unbedingte Verteidigung von Israel gest\u00fctzten Pro-Kriegs-Pl\u00e4doyers auf jede Antisemitismusmarkierung gegen\u00fcber Kriegsgegnern verzichteten. Bei Habermas l\u00e4sst sich hier allemal mutma\u00dfen, dass hier eine gewisse antimilitaristisch motivierte Reserve eines \u201estudentischen Propagandisten\u201c der Anti-Atomtod-Kampagne des Jahres 1958 nachhallte, der Zeit seines \u00f6ffentlichen Wirkens ohnehin niemals eine Politik der innenpolitischen Feinderkl\u00e4rung verfolgte. (26)<\/p>\n<p>Markus Mohr\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2021<\/p>\n<p><strong><u>Fussnoten<\/u><\/strong><\/p>\n<p>(1) Ilse Bindseil, Die Intellektuellen und der Golfkrieg, in: kritik &amp; krise Nr. 4\/5 vom Juni 1991, S. 73 \u2013 87, hier S. 74<\/p>\n<p>(2) Gerhard Zwerenz: Wir brauchen eine kopernikanische Wende \/ Gespr\u00e4ch (mit Hans O. Hemmer und Stephan Hegger am 21. Februar 1991 in Schmitten\/Ts.) \u00fcber den Golfkrieg, die Zukunft des Nahen Ostens und die Friedensbewegung, in: Gewerkschaftliche Monatshefte Nr. 3 vom M\u00e4rz 1991, S. 153 &#8211; 164, hier S. 154. Zwerenz spielte mit dem Hinweis auf die FAZ-Tornado-Bombertr\u00e4ume gegen Giftgasanlagen in Weit-weg-Irak sicher auf einen Leitkommentar des politischen Redakteurs Eckhard Fuhr an: Dieser hatte Mitte Februar 1991 k\u00fchl notiert, dass dadurch \u201eden Deutschen viel au\u00dfenpolitischer Schaden erspart geblieben (w\u00e4re), nicht nur im Verh\u00e4ltnis zum Staat Israel, sondern auch gegen\u00fcber den gro\u00dfen Demokratien des Westens.\u201c Doch, so lamentierte Fuhr hier weiter, h\u00e4tte in der Bundesrepublik leider \u201eder Stumpfsinn antiamerikanischer Politfolklore (\u2026), die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze beherrscht.\u201c Eben auch das habe \u201eT\u00fcbinger Professoren\u201c, die \u201evertraut\u201c darin seien \u201egegen den &#8222;deutschen Militarismus&#8220; zu Felde ziehen\u201c die Chance er\u00f6ffnet danach \u201ewieder das gro\u00dfe Lamento (\u2026) \u00fcber den Verlust, den der nationalsozialistische Judenmord dem deutschen Geistesleben zugef\u00fcgt hat\u201c anzustimmen. Fuhr zeigte sich hier davon \u00fcberzeugt, dass es gerade \u201eDeutsche Bomben auf Saddams Gasanlagen\u201c h\u00e4tten sein k\u00f6nnen, die \u201ediesem Lamento ein wenig von seiner Peinlichkeit\u201c h\u00e4tten nehmen k\u00f6nnen. Siehe: Eckhard Fuhr, Vor h\u00e4rteren Zeiten, in: FAZ vom 16.2.1991, S. 1<\/p>\n<p>(3) Vgl. Autonome und antiimperialistische Gruppen (Berlin) Kampf dem Krieg am Golf! (Aufruf zur Demonstration am 12.1.91 Berlin Adenauerplatz) in: INTERIM Nr. 129 vom 10.1.1991, S. \u00be<br \/>\n(4) O.N., Das Gesch\u00e4ft mit dem Krieg zeitweise gest\u00f6rt \/ In Berlin, Frankfurt und Hannover blockierten gestern Demonstranten Firmen und B\u00f6rsen\/ Polizei schlug harte Gangart bei den R\u00e4umungen ein\/ Die Demonstranten klagten deutsche Firmen an, den Irak mit Fabrikationsanlagen aufger\u00fcstet zu haben, in: TAZ vom 22.1.1991, S. 9; O.N., Blockade vor Siemens ger\u00e4umt \/ Anti-Golfkriegs-Aktionen bestimmten auch gestern das Stadtgeschehen\/ Aktionen vor Siemens, IHK, B\u00f6rse, am Ernst-Reuter-Platz und vor der taz, in: TAZ-B vom 22.1.1991; S. 21; Thomas Kleine-Brockhoff, Norbert Kostede und Birgit Schwarz, Die Kinder des Friedens \/ Schulklassen belagern Flugh\u00e4fen, B\u00f6rsen, R\u00fcstungsfirmen und Konsulate. Sie finden: \u201eBush und Saddam haben einen Spring in der Sch\u00fcssel.\u201c Deutschland \u2013 Wiege eines neuen Pazifismus?, in: ZEIT Nr. 5 vom 25.1.1991, S. X; O.N., Bremer B\u00f6rse blockiert \/ Schweineblut und Transparente an der Fassade, in: TAZ-HB vom 8.2.1991, S. 21; O.N., (Blockade vor dem Haupttor der Deutschen Airbus), in: Antikriegs-Info Nr. 5 Hamburg vom 8.3.1991, S. 3<\/p>\n<p>(5) Siehe das Foto O.N., Blockade bei Blohm &amp; Voss, in: Antikriegs-Info Nr. 1 Hamburg vom 25.1.1991, S. 1 \/ 2<\/p>\n<p>(6) Siehe die \u00dcberschrift des Kommentars von Klaus Hartung, Frieden oder rettet Israel \/ Kriegsangst und Freiheitsliebe lassen sich nicht gegeneinander ausspielen, in. Taz vom 19.1.1991, S. 10<\/p>\n<p>(7) Vgl. Internationale Liga f\u00fcr Menschenrechte, \u201eDie Friedensbewegung ist nicht anti-israelisch\u201c (Offener Brief als Anzeige geschaltet in israelischen Tageszeitungen) teilweise dokumentiert, in: TAZ-B vom 30.1.1991, S. 23. Ob dieses oder ein \u00e4hnliches Schreiben tats\u00e4chlich in einer israelischen Zeitung als Anzeige publiziert worden ist, konnte nicht recherchiert werden. Von dem B\u00fcro der Internationalen Liga f\u00fcr Menschenrechte konnte auf eine diesbez\u00fcgliche Anfrage des Verfassers ein Beleg leider nicht erbracht werden.<\/p>\n<p>(8) Heide Platen, \u201eDen Krieg in den K\u00f6pfen vermeiden\u201c \/ Frankfurter Diskurs zum Golfkrieg schlingerte zwischen Friedensbauchweh und Sandkastengener\u00e4len \/ Cohn-Bendit: \u201eDie Friedensdemonstranten haben kein Gas exportiert\u201c, in: taz vom 2.2.1991, S. 11. In einem anderen Pressebericht wird Cohn-Bendit dahingehend zitiert, dass er auf einer Pro-Kriegs-Veranstaltung in Frankfurt in vermittelnder Absicht habe versucht darauf hinzuweisen, da\u00df \u201edie Menschen, die jetzt gegen den Krieg demonstrieren, nicht die sind, die Gas an den Irak geliefert haben\u201c, da\u00df aber \u201edie Menschen, die jetzt in Leitartikeln den Krieg unterst\u00fctzen, nie gegen die Bewaffnung des Iraks durch deutsche Firmen geschrieben\u201c h\u00e4tten. Siehe: Evelyn Roll, Die alte Szene wie unter Schock \/ Frankfurts Friedensbewegung, in: SZ vom 2.2.1991, S. 3<\/p>\n<p>(9) Karl Heinz Roth, Their Wonderful War &#8211; Jenseits der Schmerzgrenze intellektueller Arroganz, in: Heft 3\/1991, in: 1999, S. 96 \u2013 111, hier S. 99<\/p>\n<p>(10) Michael Schneider, \u201eDer arabische Frankenstein\u201c \/ Nachtbeachtung zu einer TV-Erfolgsserie und ihrer absonderlichen Rezeption unter Deutschlands Intellektuellen, in: Freitag Nr. 11 vom 8.3.1991, S. 7. Wiederabdruck in: Karl D. Bredthauer, Arthur Heinrich, Klaus Naumann (Hg) Krieg f\u00fcr Frieden? Startsch\u00fcsse f\u00fcr eine neue Weltordnung, Berlin 1991 S. 106 \u2013 119<\/p>\n<p>(11) Wolf Biermann, Kriegshetze, Friedenshetze, in: ZEIT Nr. 6 vom 1.2.1991, S. 59. In der mit seinem gewohnt anregenden gro\u00dfen Maul geschriebenen Autobiografie bedient sich Biermann im copy &amp; paste -Verfahren einiger seiner Formulierungen aus dem ZEIT-Beitrag. Siehe: W. Biermann; Warte nicht aus bessre Zeiten \/ Die Autobiographie, Berlin 2016, hier das Kapitel \u201eHei\u00df oder kalt, immer war der Krieg \u2026 Der Golfkrieg. Israel. Die Arschloch-Affire, S. 454Ff<\/p>\n<p>(12) Evelyn Roll, Die alte Szene wie unter Schock \/ Frankfurts Friedensbewegung, in: SZ vom 2.2.1991, S. 3. Siehe auch: Stefan Schr\u00f6der, Die Saddams gehen &#8211; die Pal\u00e4stinafrage bleibt \/ Die Linke zwischen &#8222;Kulturimperialismus&#8220; und der Verteidigung westlicher Werte, in: FAZ vom 2.2.1991, S. 47<\/p>\n<p>(13) Detlev Claussen, Tertium datur \/ Bellizisten und Pazifisten m\u00fcssen in die Logik der Politik zur\u00fcckkehren, in: taz vom 4.2.1991, S. 10. In dem einen Monat sp\u00e4ter publizierten l\u00e4ngeren Aufsatz wiederholte Claussen noch einmal sein Verdikt wortgleich. Ders.: Im Spiegelkabinett der Feindbilder, in: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik Nr. 3 vom M\u00e4rz 1991, S. 339 \u2013 345, hier S. 342<\/p>\n<p>(14) Die Parole \u201eKein Blut f\u00fcr \u00d6l\u201c war in der Resistenz gegen den Golfkrieg 1991 zwar keine Parole der Autonomen, sie tauchte aber hier und da in den Reihen der Friedensbewegung auf.\u00a0 Zun\u00e4chst einmal kann sie als eine schlichte Adaption der im angels\u00e4chsischen Raum zeitgleich verbreiteten Parole bei den massenhaften Protesten gegen den Golfkrieg verstanden werden. \u201eNo blood for Oil!\u201c markierte dabei ein zentrales Protestmotiv gegen das milit\u00e4rische Eingreifen der US-Regierung in den arabischen Raum, das nat\u00fcrlich sehr wohl auch dadurch motiviert war, auch in Zukunft die \u00f6l-basierte Produktionsweise des westlichen Kapitalismus mit geeigneten Gewaltma\u00dfnahmen abzusichern.\u00a0 In Bezug auf die facettenreiche Kriegsgeschichte des deutschen Faschismus hat sie auch nicht die geringste Rolle gespielt. Im Gegenteil: Die nationalsozialistische Propaganda in dem ab Fr\u00fchjahr 1942 wieder aufgenommenen Feldzug gegen die s\u00fcdlichen Territorien der Sowjetunion wurde nicht m\u00fcde den Griff zu den \u00d6lquellen im Kaukasus\u00a0 als Ziel der Aggression heraus zu stellen. Hier ging es nun wirklich nicht um \u201eKein Blut f\u00fcr \u00d6l!\u201c sondern schlicht um:\u00a0 \u201eMehr deutsches Blut f\u00fcr sowjetisches \u00d6l!\u201c<\/p>\n<p>(15) autonome l.u.p.u.s. \u2013 gruppe, Geschichte, Rassismus und das Boot \/ Wessen Kampf gegen welche Verh\u00e4ltnisse, O-Berlin 1992, S. 58<\/p>\n<p>(16) H.M. Enzensberger, Berliner Gemeinpl\u00e4tze II, in Kursbuch Nr. 13 vom Juni 1968, S. 190 \u2013 197, hier S.195, 197<\/p>\n<p>(17) Titelseite des SPIEGEL Nr. 6 vom 4.2.1991 und der Beitrag H.M. Enzensberger \u201eHitlers Wiederg\u00e4nger\u201c, S. 26-28. Ein Wiederabdruck erfolgte zusammen mit einer Vielzahl den Golf-Krieg unterst\u00fctzenden Intellektuellen in: Broder, Enzensberger, Stephan, Oz, Giordano, Geisel u.a., Liebesgr\u00fcsse aus Bagdad \/ Die &#8222;edlen Seelen&#8220; der Friedensbewegung und der Krieg am Golf. Berlin 1991. Einen Monat sp\u00e4ter m\u00fchte sich die Publizistin Cora Stephan im gleichen Medium in gedrechselten Formulierungen darum, den Anti-Kriegs-Protest der ersten Wochen \u201einsbesondere gegen\u00fcber Israel\u201c immer wieder ein manifestes Ressentiment zu unterschieben, um das dann wie folgt zu bilanzieren: \u201eWer die reflexhaften Meinungs\u00e4u\u00dferungen zu Israel in den ersten Tagen des Golfkriegs als fast schon manifesten Antisemitismus nimmt, t\u00e4uscht sich wom\u00f6glich nicht.\u201c Cora Stefan, An der deutschen Heimatfront, in: SPIEGEL Nr. 10 vom 4.3.1991, S. 238 \u2013 245<\/p>\n<p>(18) Detlev Claussen, Krieg der W\u00f6rter \/ Intellektuelle Schadensbilanz nach dem Golfkrieg, in: Neue Gesellschaft \/ Frankfurter Hefte Nr. 2 vom Februar 1992, S. 156 \u2013 161, hier S. 158. Die BILD-Zeitung schrieb am 3.8.1990, \u201eDer Hitler aus Bagdad \u00fcberf\u00e4llt ein wehrloses Volk im Morgengrauen\u201c<\/p>\n<p>(19) Siehe: Hans Ulrich Wehler, Entsorgung der deutschen Vergangenheit? Ein polemischer Essay zum \u201eHistorikerstreit\u201c, M\u00fcnchen 1988<\/p>\n<p>(20) Im Wortlaut: Hans Ulrich Wehler, Fritz Fischer, Eberhard J\u00e4ckel, Karl-Dietrich Bracher, Hans Mommsen, Hermann Graml, Wilhelm Deist, Immanuel Geiss, Christoph Klessmann, Manfred Messerschmidt, Hans Mommsen, Julius Schoeps, Heinrich-August Winkler sowie rund 140 weitere Dozenten: \u201eSeit Auschwitz &#8230; Namhafte deutsche Geschichtswissenschaftler haben zur Solidarit\u00e4t mit Israel aufgerufen. (\u2026) \u201eAls deutsche Historikerinnen und Historiker, die sich beruflich mit der Neueren deutschen Geschichte des &#8222;Dritten Reiches&#8220; und der Vernichtung des europ\u00e4ischen Zweiten Weltkrieges und der internationalen Nachkriegsordnung befassen, erkl\u00e4ren wir gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit und den politisch Verantwortlichen: Das Deutschland unserer V\u00e4ter hat den Versuch unternommen die Juden Europas durch Gas zu vernichten. Diesem V\u00f6lkermord ist nicht von uns Deutschen, sondern allein durch die Kriegsbereitschaft von Amerikanern und Engl\u00e4ndern, Russen und anderen V\u00f6lkern ein Ende gesetzt worden. Seit Auschwitz mu\u00df jeder wissen, da\u00df Schlimmeres als Krieg m\u00f6glich ist. Auch deutsche Profiteure unserer Tage haben den irakischen Diktator \u2013 wissentlich oder unwissentlich \u2013 darin unterst\u00fctzt den Mord am j\u00fcdischen Volk fortzusetzen. Die deutsche Regierung hat dies nicht zu verhindern gewu\u00dft.<\/p>\n<p>Ob der Krieg das einzige Mittel ist, den Massenm\u00f6rder von Bagdad zu stoppen, wird die Zukunft erweisen. In dieser Stunde aber, da Israel sich erneut der Bedrohung durch Gas ausgesetzt sieht, wissen wir ungeachtet der notwendigen Verst\u00e4ndigung zwischen Juden und Arabern, wo wir zu stehen haben: Das j\u00fcdische Volk braucht jetzt mehr als deutsche Gasmasken, deutsche Abwehrwaffen und deutsche Millionen! Es braucht die Solidarit\u00e4t der Deutschen!\u201c in: FR vom 9.2.1991, S. 4<\/p>\n<p>(21) Karl Heinz Roth, Their Wonderful War &#8211; Jenseits der Schmerzgrenze intellektueller Arroganz, in: Heft 3\/1991, in: 1999, S. 96 \u2013 111, hier S. 100<\/p>\n<p>(22) Siehe hier den instruktiven Beitrag von Norbert Bolz, Der Bundesphilosoph \/ J\u00fcrgen Habermas \u2013 seit Jahrzehnten ist er Stichwortgeber der Republik. Und der Theoretiker der rot-gr\u00fcnen Regierung, in: TSP vom 3.5.2003, S. 23 URL: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/der-bundesphilosoph\/411320.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/der-bundesphilosoph\/411320.html<\/a>. Er schreibt darin vielleicht etwas zu burschikos aber nicht v\u00f6llig unzutreffend u.a. \u201eRot-Gr\u00fcn ist die Praxis zur Theorie von Habermas (\u2026) Der Weg von Adorno zu Habermas ist der Weg von den Studentenprotesten auf die Regierungsbank.&#8220;<\/p>\n<p>(23) Adenauer hatte in einer Erkl\u00e4rung vor dem deutschen Bundestag am 4. M\u00e4rz1953 anl\u00e4sslich der Ratifizierung des mit Israel abgeschlossenen Wiedergutmachungsabkommens in Bezug auf die \u201eFrage der arabischen Pal\u00e4stina-Fl\u00fcchtlinge\u201c kaltschn\u00e4uzig erkl\u00e4rt, dass es sich \u201eum zwei verschiedene und getrennt zuhaltende Probleme\u201c handele. W\u00e4hrend dabei \u201edie Frage der Entsch\u00e4digung der j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlinge, die der nationalsozialistischen Verfolgung entronnen sind, (\u2026) zwischen der Bundesrepublik und dem j\u00fcdischen Volk zu l\u00f6sen\u201c sei, besitze die Bundesrepublik in Bezug auf die arabischen Pal\u00e4stina-Fl\u00fcchtlinge \u201eweder ein Recht noch die M\u00f6glichkeit\u201c dazu \u201eim einzelnen Stellung zu nehmen.\u201c Allerdings w\u00e4re Adenauer nicht der gewiefte Fuchs, der er war, wenn daran nicht noch unter Hinweis auf die vielf\u00e4ltigen eigenen \u201eErfahrungen mit den N\u00f6ten und Sorgen von Fl\u00fcchtlingen\u201c in der BRD den kostenlosen Hinweis nachschob, dass er \u201evon ganzem Herzen eine schnelle und alle betroffenen zufriedenstellende Regelung auch dieses Fl\u00fcchtlingsproblems\u201c w\u00fcnsche. Konrad Adenauer, (Erkl\u00e4rung vor dem Deutschen Bundestag aus Anlass der Ratifizierung des Wiedergutmachungsabkommens mit Israel) BT-PL-Prot I\/ 252 vom 4.3.1953, S. 1294<\/p>\n<p>(24) J\u00fcrgen Habermas, Wider die Logik des Krieges \/ Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Zur\u00fcckhaltung, aber nicht gegen\u00fcber Israel, in: ZEIT Nr. 8 vom 15.2.1991, S. 40Ff<\/p>\n<p>(25) Norbert Bl\u00fcm \u201eDie Zeit der Schuldlosen ist Utopie\u201c, Interview im Spiegel Nr. 28 vom 10. 7.1978, S. 32<\/p>\n<p>(26) Vgl. auch die diesbez\u00fcgliche Anklage in dem Brief von Max Horkheimer vom 27. September 1958 an Theodor W. Adorno, \u201eDer dialektische Herr H.\u201c, dokumentiert in: konkret Nr. 9 vom September 1996, S. 38ff<\/p>\n<p>Views: 804<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zweite Golf-Krieg 1991 dauerte etwa sechs Wochen. Neben ganz gew\u00f6hnlichen Kriegsbef\u00fcrwortern kamen dieses Mal Kriegsbef\u00fcrworter aus der Linken hinzu. Der Streit dar\u00fcber, ob die Kriegsgegner*innen Antisemiten sind und antiamerikanische Ressentiment verbreiten, ob Bellizisten tats\u00e4chlich einem zweiten Hitler (Saddam Hussein) zuvorgekommen sind, ist von grunds\u00e4tzlicher Natur und noch lange nicht beendet. Ein Beitrag von Markus Mohr in drei Folgen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10388,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[8,14,16,24,30,31,34,36,37],"tags":[208,285,4232,4069,4230,572,4231,4229,4228,4068,3756,4234,1081,4233,1252,3849,3036,1597,2159,2744,4235],"class_list":["post-10385","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antifaschismus","category-autonome-theorie-praxis","category-deutsche-kriegspolitik","category-imperialismus","category-militante-geschichte","category-nahost-israel-palastina","category-politik","category-rassismus","category-repression","tag-antisemitismus","tag-auschwitz","tag-autonomen-lupus-gruppe","tag-claus-leggewie","tag-cora-stephan","tag-daniel-cohn-bendit","tag-detlev-claussen","tag-edith-kohn","tag-ehrbarer-antisemitismus","tag-eva-demski","tag-golfkrieg-1991","tag-habermas","tag-hans-magnus-enzensberger","tag-hans-ulrich-wehler","tag-israel","tag-karl-heinz-roth","tag-markus-mohr","tag-micha-brumlik","tag-saddam-hussein","tag-wolf-biermann","tag-zweiter-golfkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/wolfwetzel.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Golfkrieg-German_gas-1991-Netz.jpg?fit=800%2C1152&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10385","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10385"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10385\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10401,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10385\/revisions\/10401"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}