La révolte
Normalerweise demonstrieren viele separat und für sich, also ziemlich nutzlos. Das ist ganz besonders ausgeprägt in Deutschland.
Das ist in Frankreich auch oft so: Die Schüler, die Rentner, die Angestellten, die (Sozial-)Arbeiter: alle für sich (getrennt) und Gott Macron gegen alle.
Das ist jetzt deutlich und genussvoll anders.
Seit Tagen demonstrieren Hunderttausende gegen den Macronismus, gegen miese Arbeitsbedingungen, gegen ein kaputtes Schulsystem, gegen … den Kapitalismus. Und auch gegen die wachsende Repression.
Dazu gehört auch ein neues Gesetz, das es Polizisten faktisch ermöglicht, ohne Konsequenzen von ihrer Dienstwaffe Gebrauch zu machen.
Was gewöhnlich und gewollt nur fragmentarisch erlebt wird, findet sich hier endlich zusammen:
Schüler, Lehrer, Mieter, Hilfsdienste, StudentInnen, Arbeiter, prekär lebende Menschen …
Die Proteste gehen weiter. Die Regierung hat zwar die Schulen geschlossen, damit die Ausgeschlossenen zuhause bleiben, aber daran halten sich diese nicht.
Überhaupt halten sich viele nicht an das, was man von ihnen gewohnt ist, was man eigentlich von ihnen erwartet.
Ein ganz prägnantes Bespiel sind die Feuerwehrleute. Für gewöhnlich löschen sie Brände. Bei Demonstrationen macht die Feuerwehr hinter den Polizeieinheiten die „Drecksarbeit“, um Barrikaden wegzuräumen und brennende Reifen zu löschen.
Doch jetzt sind sie so eine Art Avantgarde auf der Seite der Demonstrationen. Sie bekommen großen Applaus, wenn sie in ihrer praktischen Berufskleidung und mit ihrer sehr nützlichen Ausrüstung vorangehen.
Wenn Feuerwehrleute das andere Feuer, das des Macronismus löschen
Vier Szenen, die vielsagend, ermutigend und berührend sind.
Zum einen ein körperbetonter und robuster Feuerwehreinsatz:
https://www.facebook.com/reel/2569756160140903
Und hier ein sehr witzige Löschaktion:
https://www.facebook.com/reel/2322531941818476
Und eine sehr versöhnliche Geste:
Ein schwarzer Polizist und ein weißer Feuerwehrmann tauschen ihre Helme. Besser kann man nicht symbolisieren, worum es geht: Es geht um das Gemeinsame, in dem erst das Besondere, das Andere Platz hat. Und: es geht gegen die Polizei als Apparat als Repressionsorgan und nicht um den Polizisten:
https://www.facebook.com/reel/2142664193294302
Und eine sehr seltene:
Ein Polizeibeamter an einer sinnlosen Absperrung weint. Seine Tränen sind mutiger als alle Gummigeschosse. Und genau das drückt auch die Demonstrantin aus, die die Absperrung überwindet und ihn in den Arm nimmt – während seine Polizei-Kameraden versteinert dastehen. Und all das schließt massive Gegenwehr gegen den Macronismus nicht aus, sondern macht ihn berührbar: https://www.facebook.com/reel/3249687715220472
Wolf Wetzel | 5. Oktober 2026
Quellen und Hinweise:
Die 68er Revolte ist nicht tot, Wolf Wetzel, 2026: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/10/01/die-68er-revolte-ist-nicht-tot/
Lehrerkette gegen Polizeiketten vor einer Schule: https://www.facebook.com/reel/2286914068828826
Bei einigen französischen Polizisten in der zweiten Reihe sieht man Totschläger in den Händen: https://www.facebook.com/reel/2015208389138331
Helmtausch: https://www.facebook.com/reel/2142664193294302
Viele sehr gute Berichte von Sebastian Chwala auf Facebook: https://www.facebook.com/profile.php?id=100006703337622
Der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich, Nuit debout und ein neues 68, Wolf Wetzel, 2017: https://wolfwetzel.de/index.php/2017/04/23/der-praesidentschaftswahlkampf-in-frankreich-nuit-debout-und-ein-neues-68/
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