Rote Hilfe versus genozidale Netzwerke
Wenn man „Skandale“ auf den Kopf, also auf die Füße stellt, dann beschämt das vor allem jene, die die Mitgliedschaft in der „Roten Hilfe“ für gefährlich und demokratiefeindlich halten und gleichzeitig keine Mühen und Allianzen scheuen, wenn es um die Unterstützung von Kriegsverbrechen, die Leugnung bei gleichzeitiger Beihilfe zum Genozid in Gaza/Palästina geht.
Nachdem die extrem billigen Vorwürfe verpuffen, die LINKE stände der „Clankriminanität“ und dem „Terrorismus“ nahe, wird der Spitzenkandidatin Elif Eralp die Mitgliedschaft in der Roten Hilfe unter die Nase gerieben, mit und ohne Kokain-Verzehr der Empörungsloge. In bester Gesellschaft.

Die Rote Hilfe wurden in den 1920er Jahren gegründet und verstand sich als Hilfsorganisation für Linke, die in Strafverfahren verwickelt wurden. Sie hatte Hunderttausende von Mitgliedern und war weithin ein Projekt, das auch von vielen Künstlern, Intellektuellen und Prominenten unterstützt wurde:
„Die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) konnte einen Kreis von ca. 600 Persönlichkeiten aus dem demokratischen und linksintellektuellen Spektrum einbinden. Kampagnen der RHD, wie etwa für die Amnestie politischer Gefangener 1928, für die Freiheit der Kunst oder gegen den § 218, wurden von Albert Einstein, Kurt Tucholsky, Käthe Kollwitz, Heinrich Zille, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Magnus Hirschfeld, Otto Dix, Max Liebermann, Erwin Piscator, Carl von Ossietzky, Heinrich Vogeler und anderen unterstützt.“ (wikipedia.org)
Obgleich sich die Regierungen in der Weimarer Republik sicherlich auch als Mitte auszugeben versuchten, ebneten sie der NSDAP mit Notverordnungen, verdeckter Aufrüstung und massiven Einschränkungen von Schutzrechten den Weg.
Dennoch wären sie nie auf die Idee gekommen, die Rote Hilfe zu verbieten bzw. zu einem Fall der Überwachung durch den Geheimdienst zu machen. Jedenfalls nicht öffentlich, als Rechtsakt.
Ganz anders die politische Mitte der Jetztzeitregierungen. Sie haben den Verfassungsschutz damit beauftragt, die Rote Hilfe als Verdachtsfall zu beobachten und einzustufen. Was macht die Hilfe zur Verteidigung in Strafverfahren verdächtig?
Es geht um den Vorwurf der Legitimierung von Gewalt und Untergrabung der Strafabschreckung?
Gut, wenn die Bezahlung eines Rechtsanwalts Gewalt legitimiert, dann wären alle Konzerne und Staatsabteilungen ein Fall für den Verfassungsschutz.
Auch der zweite Vorwurf ist an Absurdität und Rechtsbeugung nicht zu überbieten. Wenn ein Organisation Hilfe anbietet und leistet, um sich in Strafverfahren verteidigen zu können, dann bedeutet das eine „Untergrabung der Strafabschreckung“! Echt irre. Darauf wären nicht einmal die Justizorgane in der Weimarer Republik gekommen. Und diese waren wie heute überwiegend rechtsorientiert.
Aber die Wegbereiter des deutschen Faschismus kamen damals auch nicht auf die Idee, der Roten Hilfe vorzuwerfen, dass sie mit ihrer Hilfe den deutschen Staat „delegitimieren“ würden. Jetzt geht das schon und ganz einfach. Man macht einen „Phänomenbereich“ auf, der unterhalb der Beweisgrenze angesiedelt ist, und erklärt allen Ernstes, dass man mit Prozessschutzbegleitung den Staat delegieren will.
Man kann aus diesem Staatstheater auch etwas lernen. Die Mitgliedschaft von Elif Eralp in der Roten Hilfe ist kein Skandal, sondern alle Ehren wert.
Und zweitens stellt sich die Frage nach Abschaffung des Verfassungsschutzes noch einmal sehr präzise und konkret.
Und drittens könnte man sich ernsthaft die Frage stellen, wer alles in diesen Staat durch Handlungen und Nichthandlungen die Verfassung „delegitimiert“, um entsprechende Schritte einleiten.
Das wäre doch ein konstruktiver, absolut gewaltfreier Vorschlag.
Wolf Wetzel
Quellen und Hinweise:
Die Linke Eralp war Mitglied der Roten Hilfe – was macht der Verein? FR vom 2.10.2026: https://www.fr.de/politik/eralp-und-die-rote-hilfe-was-hinter-der-umstrittenen-gruppe-steckt-zr-94521180.html
Remmo zu Diensten. Über Ober- und Unterwelten, Wolf Wetzel, 2026: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/09/28/remmo-zu-diensten-ueber-ober-und-unterwelten/
Nach dem Sieg – bei den Berlin-Wahlen – wird es erst richtig schwierig, Wolf Wetzel, 22.9.2026: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/09/22/nach-dem-sieg-bei-den-berlin-wahlen-wir-es-erst-richtig-schwierig/
Eine Infotour durch das Clan-Wesen, Wolf Wetzel, 2026: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/09/27/eine-infotour-durch-das-clan-wesen/
Das Schlagwort „Antisemitismus“ hat die Substanz eines Hohlkörpers, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/03/26/das-schlagwort-antisemitismus-hat-die-substanz-eines-hohlkoerpers/
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