Naza – die Systematik des Genozids in Gaza/Palästina

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Naza – die Systematik des Genozids in Gaza/Palästina

aktualisiert am 17.9.2026

„NAZA“ ist ein Begriff aus Israels Militärapparat. Er bezeichnet die Zahl der Zivilisten, deren Tod bei einem Angriff im Voraus als „Kollateralschaden“ einkalkuliert wird.

 

 

Der Dokumentarfilm „NAZA“ basiert auf den Aussagen von (ehemaligen) 24 israelischen Militär- und Geheimdienstangehörigen. Alle waren an Überwachung, Zielauswahl und an Angriffen auf die unter Besatzung „lebenden“ PalästinenserInnen in Gaza beteiligt.

Über mehrere Jahre wurden anonymisierte Interviews der Beteiligten geführt.

„NAZA“ ist ein Begriff aus Israels Militärapparat. Er bezeichnet die Zahl der Zivilisten, deren Tod bei einem Angriff im Voraus als „Kollateralschaden“ einkalkuliert wird.

Zivile Opfer wurden demnach bereits vor Angriffen berechnet und bewusst in Kauf genommen.

Nach Angaben der Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor wussten Geheimdienstoffiziere teilweise in Echtzeit, dass sich ganze Familien in den anvisierten Häusern befanden.

Einer der Befragten schildert, er habe Gespräche, Fernseher, Gebete und sogar weinende Babys gehört und dennoch die Freigabe zur Bombardierung erteilt.

Auf die Frage nach dem Warum antwortete er: „Man versteht, dass das Ziel darin besteht, zu zerstören.“ In zahlreichen Fällen sei die eigentlich gesuchte Zielperson beim Angriff nicht einmal im Gebäude gewesen.

Auch KI-gestützte Überwachungs- und Zielsysteme, die große Mengen an Mobilfunk- und Bewegungsdaten auswerteten und Personen sowie Wohngebäude als mögliche Angriffsziele markierten, sollen zum Einsatz gekommen sein. Im Film ist dabei von einer Fehlerquote von bis zu 15 Prozent die Rede.

 

„Papa ist zu Hause“

Ein Insider berichtet von 20 einkalkulierten zivilen Toten pro Angriff. Für ein einziges Ziel sei mal ein „NAZA“ von 500 Menschen genehmigt worden. Laut Reuters konnte selbst ein Hinweis wie „Papa ist zu Hause“ auf dem Telefon eines Kindes dazu beitragen, einen Angriff auszulösen.“ (Gazaheute vom 13. 9.2026)

 

Dieser Doku-Film wurde in Venedig (wie No other land im Jahr zuvor) ausgezeichnet und bekam zwanzig Minuten Applaus, der uns Zeit lässt, zu spüren, wieviel Mut und Ausdauer wir noch brauchen, damit dieser Genozid in Gaza und woanders nie mehr möglich ist und damit alle, die diesen Genozid ermöglichen und verleugnen, nie wieder Ruhe finden werden. Egal wo.

 

 

Videoausschnitt aus der Preisverleihung in Venedig 2026:

https://www.facebook.com/reel/1733421587913947

 

Wenn richtig-rechte Juden „falsche“ Juden ausweisen (wollen)

Man könnte annehmen oder sich der Illusion hingeben, dass der Dokumentarfilm zu staatsanwaltschaftliche Untersuchung in Israel führen müsste: Ist an den Vorwürfen etwas dran? Wer ist für diese Befehle verantwortlich? Wie viele ZivilistInnen sind seit dem 7. Oktober 2023 gemäß dieser Prämissen in Gaza/Palästina ermordet worden?

Denn, man muss es in diesen Zeiten erwähnen: Die bewusste, gezielte Ermordung von Zivilisten ist immer noch ein nationales und internationales Verbrechen, ein Kriegsverbrechen.

Ob es die unabhängige israelische Gerichtsbarkeit gibt, ist noch unklar. Aber es wäre ja eine klare Reaktion vom „wertebasierten Westen“ zu erwarten, zu dem sich auch Deutschland zählt. Doch diesbezüglich herrscht lukratives, komplizenhaftes Schweigen. Denn wer, wie Friedrich Merz, uns erklärt hat, dass Israel auch die „Drecksarbeit“ für „uns“ macht, der macht eben auch dabei mit.

Aber es gibt Reaktionen aus den israelischen Genozid-Establishment:

„Nach der Auszeichnung des Dokumentarfilms ‚NAZA‘ bei den Filmfestspielen von Venedig hat Israels Kultur- und Sportminister Miki Zohar angekündigt, gegen die beiden Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor vorzugehen.

Zohar bezeichnete den preisgekrönten Film als „abscheulich“. Den Filmemachern warf er „brennenden Selbsthass“ vor. Sie seien bereit, ihrer Heimat zu schaden, um den Beifall von „Antisemiten in aller Welt“ zu erhalten.

„Als Kulturminister werde ich umgehend darauf hinwirken, diesen abscheulichen Filmschaffenden wegen Verrats am Staat die israelische Staatsbürgerschaft abzuerkennen“, schrieb das Likud-Mitglied am Sonntagabend.“ (Gazaheute vom 14.9.2026)

 

Dass Jude-sein heute bedeutet, dass man Kriegsverbrechen deckt, ermöglich und begrüßt, ist eine neue Definition des Judentums. Die Tora wird gerade umgeschrieben. Wie immer.

Man kann es auch in die unsägliche Antisemitismus-Debatte einordnen und dort zum finalen Ende bringen: Wenn ein jüdisches LIKUD-Mitglied, mit Regierungsauftrag, den Dokumentarfilm „NAZA“ als Ausdruck  des „brennendes Selbsthasses“ zweier Juden bezeichnet, dann hat der Antisemitismusvorwurf seinen denunziatorischen Nullpunkt erreicht.

Die auch gegen den „brennenden Selbsthass“ kämpfende israelische Armee (IDF) hat sich in Stellung gebracht. Israels Armeesprecher Effie Defrin hat den Film zwar nur in Ausschnitten gesehen, aber er weiß längst Bescheid:

„Nach einer Besprechung mit ranghohen Militärvertretern bezeichnete er die bisher bekannt gewordenen Darstellungen als ‚Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten und Kommandeure‘.“ (Jüdische Allgemeine vom 19.9.2026)

Und als wäre diese Vorababrechnung nicht genug, setzte der IDF-Armeesprecher noch einen drauf:

„‘Die IDF ist eine wertebasierte Armee, die im Einklang mit dem internationalen Recht und verbindlichen professionellen Werten und Standards handelt‘, sagte Defrin. Dies gelte auch unter den schwierigsten Bedingungen des seit Jahren andauernden Krieges.“ (s.o.)

Untersuchungen unter umgekehrten Vorzeichen

Die israelische Militärführung will jetzt Untersuchungen einleiten. Man muss dabei wissen, dass es nicht um diese benannten Kriegsverbrechen gehen wird, sondern darum, jene ausfindig zu machen, die diese Militärstrategie öffentlich gemacht haben.

Das liegt auf der Linie des israelischen Kriegskabinetts, das sich bis heute weigert, eine internationale, unabhängige Untersuchungskommission einzurichten, die die Ereignisse am 7. Oktober 2023 untersucht.

Bemerkenswert an dieser aktuellen Vortäuschung ist zudem, dass einiges von dem, was in dem Film dokumentiert wird, bereits vor zwei Jahren im Magazin +972 detailliert ausgeführt und belegt wurde. Autor des Berichtes ist Yuval Abraham:

„Lavender“: Die KI, die Israels Bombardements in Gaza steuert

Die israelische Armee hat Zehntausende Bewohner des Gazastreifens als potenzielle Zielpersonen für Tötungsaktionen eingestuft – mithilfe eines KI-Zielerfassungssystems, das kaum menschlicher Kontrolle unterliegt, und einer Politik, die hohe Opferzahlen in Kauf nimmt. (Magazin +972 vom 3.4.2024)

Der Joker „Ritualmord“

Dass es sich dabei um keinen Krieg handelt, sondern um die blutigste Form der Aufrechterhaltung einer völkerrechtswidrigen Besatzung, gehört ganz sicher auch zu den ausgemachten „Ritualmordlegenden“.

Bemerkenswert an dieser Brandmarkung ist, dass der Armeesprecher zwar keine Ahnung vom Völkerrecht haben will, was die Besatzung und die substanziellen Bedingungen für einen Genozid angeht, dafür aber ganz schnell und blind die Karte „Ritualmordlegende“ zieht. Sie soll darauf abzielen, die tausendfach belegten Vorwürfe als antisemitische Erfindungen zu denunzieren. Ganz besonders an diesem Wackelhundkonstrukt ist dabei, dass – nach seinem Armeeverständnis – auch Juden antisemitisch sein können.

 

Wolf Wetzel 17.9.2026

 

Naza – The Systematic Nature of Genocide in Gaza/Palestine (short version)

“NAZA” is a term used by the Israeli military. It refers to the number of civilians whose deaths are factored in advance as “collateral damage” during an attack.

The documentary film “NAZA” is based on the testimonies of 24 (former) Israeli military and intelligence personnel. All were involved in surveillance, target selection, and attacks on Palestinians “living” under occupation in Gaza.

This documentary won an award in Venice (like “No Other Land” the year before) and received a twenty-minute standing ovation. Toxic reactions and threats came immediately from the Israeli genocide establishment:

“Following the award for the documentary ‘NAZA’ at the Venice Film Festival, Israel’s Minister of Culture and Sports, Miki Zohar, announced that he would take action against the two directors, Yuval Abraham and Rachel Szor.

Zohar described the award-winning film as ‘abhorrent.’ He accused the filmmakers of ‘burning self-hatred.’ He claimed they were willing to harm their homeland in order to win the applause of “anti-Semites around the world.”

“As Minister of Culture, I will immediately work to revoke the Israeli citizenship of these abominable filmmakers on charges of treason against the state,” the Likud member wrote on Sunday evening.” (Gazaheute, September 14, 2026)

The Israeli Defense Forces (IDF)—which is also fighting against “burning self-hatred”—has taken a stand. Although Israeli Army Spokesperson Effie Defrin has only seen excerpts from the film, he has long been aware of the situation:

“Following a meeting with high-ranking military officials, he described the depictions that have come to light so far as ‘ritual murder myths, deliberate distortions of reality, and false accusations against IDF soldiers and commanders.’” (Jüdische Allgemeine, September 19, 2026)

And as if this preemptive rebuttal weren’t enough, the IDF spokesperson went one step further:

“‘The IDF is a values-based army that acts in accordance with international law and binding professional values and standards,’ said Defrin. This applies even under the most difficult conditions of the war that has been raging for years.” (see above)

The “ritual murder” wild card

The fact that this is not a war, but rather the bloodiest form of maintaining an occupation that violates international law, is, of course, part of the well-established “ritual murder myths.”

What is remarkable about this characterization is that while the army spokesperson claims to have no knowledge of international law regarding the occupation and the substantive conditions for genocide, he is quick to blindly play the “ritual murder legend” card. This is intended to denounce the allegations—which have been documented thousands of times—as anti-Semitic fabrications.

Its aim is to denounce the allegations—which have been substantiated thousands of times—as anti-Semitic fabrications. What is particularly striking about this shaky argument is that—according to his understanding of the army—even Jews can be anti-Semite: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/09/14/naza-die-systematik-des-genozids-in-gaza-palaestina/

 

Quellen und Hinweise:

Videoausschnitt aus der Preisverleihung in Venedig 2026: https://www.facebook.com/reel/1733421587913947

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film „Naza“, Jüdische Allgemeine vom 15.9.2026: https://www.juedische-allgemeine.de/israel/idf-chef-prueft-rechtliche-schritte-gegen-film-naza/

‘NAZA’: Exposing Israel’s killing machine in Gaza, By Yuval Abraham and Rachel Szor September 10, 2026: https://www.972mag.com/naza-exposing-israels-killing-machine-in-gaza/

‘Lavender’: The AI machine directing Israel’s bombing spree in Gaza, By Yuval Abraham, April 3, 2024: https://www.972mag.com/lavender-ai-israeli-army-gaza/

„No Other Land“, no chance in germany … und die „Drecksarbeit“ im Westjordanland, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/07/30/no-other-land-no-chance-in-germany-und-die-drecksarbeit-im-westjordanland/

No other Land und no chance in Krauts-Land, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/01/07/no-other-land-und-no-chance-in-krauts-land/

Der Film: „No Other Land“. Regie: Basel Adra, Yuval Abraham, Rachel Szor, Hamdan Ballal. Norwegen/Palästina 2024, 93 Min.

Um auf die israelischen Besatzer wütend zu sein, brauchen PalästinenserInnen keinen Antisemitismus. Warum der Antisemitismus-Vorwurf nicht aufklärt, sondern zudeckt, Wolf Wetzel, 2023: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/06/08/um-auf-die-israelischen-besatzer-wuetend-zu-sein-brauchen-palaestinenserinnen-keinen-antisemitismus/

Wer hat angefangen? Gaza – ein Gefängnis ohne Wärter, 2014, Wolf Wetzel: https://wolfwetzel.de/index.php/2014/07/17/wer-hat-angefangen-die-bombardierung-des-gaza-ein-gefangnis-ohne-warter/

 

 

 

 

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