Den Kapitalismus vor dem (Post-)Faschismus retten …
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Angesichts der nahen Wahlsiegen in Ostdeutschland durch die AfD, kommen sehr viele auf die Idee, den Kapitalismus, also seine parlamentarische Form, vor dem Postfaschismus der AfD zu schützen. Mit Blick auf die widerliche AfD kommen sie zu der schlaganfallartigen Erkenntnis, dass die Demokratie in Gefahr sei.
Geht’s noch?
Wer hat in den letzten 30 Jahren Schutzrechte abgebaut und verstümmelt? Wer hat das Recht auf Asyl 1993 in „sichere Drittländer“ ausgebürgert? Wer hat völkerrechtswidrige Kriege (wie gegen die BR Jugoslawien 1999) geführt? Wer hat Kriegsverbrechen der USA und anderer „Verbündeter“ geschützte und gedeckt?

Wer hat unter fadenscheinigen Gründen den Corona-Ausnahmezustand verhängt, zur Einübung eines blinden Gehorsames?
Wer hat maßgeblich dazu beitragen, dass – auf dem Boden der Ukraine – Russland endlich „ruiniert“ und dann besiegt werden muss? Wer hat den Genozid in Gaza/Palästina mit ermöglicht und jede Kritik daran kriminalisiert? Wer hat die größte Sabotage an kollektiven Schutzsystemen (Rente, Grundversorgung, Pflege, Arbeitsschutzrechte) als „Reform“ verkauft – wie damals die Agenda 2010 mit der SPD-Regierung unter Schröder)?
Für all das braucht/e man keine AfD!
Für mich kommt dieser Antifaschismus so dermaßen hilflos und verlogene vor, dass man ihn nur als Placebo ablehnen muss!
Es gibt eine Parallele zu diesem scheinbar radikalen Ablenkmanöver. Das werden einige bis viele AntifaschistInnen empört und sofort zurückweisen. Aber es lohnt sich, tief durchzuatmen und darüber nachzudenken.
Als uns 2001 (9/11), der Angriff auf Wahrzeichen des US-Empires als Zivilisationsbruch verkauft wurden, waren viele Linke, auch in Deutschland bereit, jetzt die Zeichen der Zeit zu erkennen.
Hermann L. Gremliza, Herausgeber der Zeitschrift „Konkret“ hatte den Kern dieser politische Kehrt- und Zeitenwende paradigmatisch auf den Punkt gebracht:
„Das eigentliche Falsche ist das jetzt Richtige“
Damit meinte er, dass wir alle zusammen, Rechte, Linke, Demokraten und Sonstwelche, zusammenstehen müssen, um den Kapitalismus vor dem Islamismus zu schützen.
Man gab vor, dass man jetzt den modernen, lockeren Kapitalismus gegen seine vorbürgerlichen Anwandlungen retten müsse.
Diese Ähnlichkeiten zuzulassen, fällt schwer. Aber es ist bitter notwendig. Denn wenn man, mit denen zusammen, die den Teppich für AfD-Siege ausgerollt haben, den Faschismus bekämpfen will, leistet man keinen Widerstand gegen den Faschismus, sondern legt Blumen auf den Teppich.
Wolf Wetzel |5.9.2026
Saving Capitalism from (Post-)Fascism …
In light of the AfD’s narrow election victories in eastern Germany, many people are coming up with the idea of protecting capitalism—that is, its parliamentary form—from the AfD’s post-fascism. Faced with the repugnant AfD, they’ve suddenly come to the realization that democracy is in danger.
Are you serious?
Who has eroded and undermined intellectual property rights over the past 20 years? Who has waged wars in violation of international law (such as the war against the Federal Republic of Yugoslavia in 1999)? Who has protected and covered up war crimes committed by the U.S. and other “allies”? Who has imposed the COVID-19 state of emergency under flimsy pretexts, in order to instill blind obedience?
Who has played a key role in ensuring that—on Ukrainian soil—Russia must finally be “ruined” and then defeated? Who has helped enable the genocide in Gaza/Palestine and criminalized any criticism of it? Who has sold the greatest sabotage of collective protection systems (pensions, basic services, long-term care, occupational safety rights) as “reform”—just as Agenda 2010 was sold under the SPD government led by Schröder?
For all of this, we don’t need the AfD!
To me, this brand of anti-fascism seems so utterly helpless and hypocritical that one can only reject it as a placebo!
There is a parallel to this seemingly radical diversionary tactic. Some—or even many—anti-fascists will be outraged and immediately reject this idea. But it’s worth taking a deep breath and thinking it through.
When, in 2001 (9/11), the attack on the landmarks of the U.S. empire was sold to us as a rupture in civilization, many on the left—including in Germany—were ready to recognize the signs of the times.
Hermann L. Gremliza, editor of the magazine “Konkret,” had summed up the paradigmatic core of this political turnaround and turning point in history:
“What was normaly wrong is now right.”
By this he meant that we must all stand together—the right, the left, democrats, and everyone else—to protect capitalism from Islamism.
It was claimed that we now had to save modern, laissez-faire capitalism from its pre-bourgeois tendencies.
It’s hard to acknowledge these similarities. But it’s bitterly necessary. Because if you want to fight fascism alongside those who paved the way for AfD victories, you’re not resisting fascism—you’re laying flowers on the red carpet: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/09/05/den-kapitalismus-vor-dem-post-faschismus-retten/
Quellen und Hinweise:
ANTIFASCHISMUS. Über Vortäuschungen und Fluch der Vergangenheit, 2024, Wolf Wetzel: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/07/07/antifaschismus-ueber-vortaeuschungen-und-fluch-der-vergangenheit/
Der Postfaschismus ist in der Mitte angekommen, 2024, Wolf Wetzel: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/06/21/der-postfaschismus-ist-in-der-mitte-angekommen/
Antifaschismus – zur Geschichte und Gehalt eines problematischen Kampfbegriffs, 2021, Wolf Wetzel: https://wolfwetzel.de/index.php/2021/02/01/antifaschismus-zur-geschichte-und-gehalt-eines-problematischen-kampfbegriffs/
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