Der Westendverlag. Wie rechts darf ein linker Verlag sein?

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Der Westendverlag. Wie rechts darf/muss ein (ehe.) linker Verlag sein?

 

Über 30 Autoren, die im Westendverlag publiziert hatten, kehren diesem nun den Rücken. In einem Offenen Brief werfen sie dem Westendverlag vor, sich mit der Publikation von Ulf Poschardts Buch („Shitbürger“) und nun dem Buch von Julian Reichelt und Pauline Voss („Links – Deutsch / Deutsch – Links“) signifikant rechtslastig aufzustellen. Das hat viele Kontroversen und Stellungnahmen ausgelöst.

Dabei verweisen die Aussteiger auch auf das veränderte Selbstverständnis des Westendverlags. Er versteht sich nicht mehr länger als „linker Verlag“.

Wie so oft sind die „schwarzen Löcher“, die sich dabei auftuen, wenn die verschiedenen Milieus ihre abgeschlossenen Hinterhöfe verlassen, recht groß. Denn es geht dabei eben auch um viele stillgelegte Streitpunkte, die jetzt nur aufpoppen: Wer ist rechts, was ist links? Sind die Begriffe längst überholt? Was ist Meinungsfreiheit, wieviel Meinungsvielfalt will man haben? Wo setzt man Grenzen?

Dieser Streit ist für mich der Ausgangspunkt, die zweijährige Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Westendverlag Revue passieren zu lassen, mit der Absicht, genau diese „schwarzen Löcher“ auszuloten und ihnen nicht das letzte Wort zu überlassen. Dieser Text will nicht in die verbale Hinterhofskeilerei einsteigen, sondern den Hinterhof verlassen.

 

Aufstieg mit und Ausstiege aus dem Westendverlag.

Ich habe den Westendverlag kennen gelernt, als fast alles, was nicht „Staatsraison“ war, also nicht vor dieser Nebelkanone das Weite suchte, den Job bzw. die Anstellung verlor und zum Teil beim Westendverlag geistig und ein wenig materiell überlebte. Es waren keine Linken, keine Systemsprenger, sondern in den aller meisten Fällen Menschen, die eigentlich an das System glaubten und ihr Bestes gaben, es besser machen zu wollen. Sie verstanden jedoch die „Zeitenwende“ nicht und erlebten das, was man nur gegenüber Linken kennt. Man denunziert sie, man kriminalisiert sie, man versucht sie, politisch und beruflich kaputt zu machen.

Seit Corona ist das jedoch markant anders: Die Linke gibt es so gut wie gar nicht und wenn – auf machtpolitischer/parlamentarischer Ebene – dann haben sie sich für den Ausnahmezustand stark gemacht und jene, die dies partout nicht begründet sahen, als „Coronaleugner“, als „Schwurbler“ und „Nazis“ bezeichnet.

In dieser Zeit lernte ich den Geschäftsführer Markus Karsten kennen. Ich genoss es, „unmaskiert“ zu reden, was auch die sehr unterschiedlichen Biografien und Ansichten einschloss. Vor allem war es mir eine große Freude, mitzubekommen, wie viele der Ausgestoßenen und zu Aussätzigen Erklärten im Westendverlag eine Möglichkeit gefunden hatten, das gewollte Silencing zu durchbrechen. Dabei habe ich recht nahe die beschämenden Umstände mitbekommen, als die christdemokratisch geprägte Ulrike Guérot wegen ihrer Kritik an den Corona-Maßnahmen angezählt und schließlich wegen ihre Kritik an der Russophobie abgeschossen wurde.

2022 veröffentlichte sie ihr erstes Buch im Westendverlag. Es trägt den Titel:

„Wer schweigt, stimmt zu. Über den Zustand unserer Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen.“

Nur ein Jahr später, 2023, wurde ihre Professur in Bonn gekündigt. Drei Jahre später stand diese Aberkennung letztinstanzlich fest.

 

Das machte den Westendverlag besonders und eben auch angreifbar. Mehrmals sprach ich mit Markus über diese Gefahr und der Schwierigkeit, diesem Druck und dieser Angst stand zu halten.

 

Stille Reinigungsarbeiten und der laute Kampf gegen das dogmatische „Reinheitsgebot“

Dann musste ich zweimal Abschied nehmen. Das erste Mal vom Magazin Overton, das vom Westendverlag herausgegeben wird. Ich war von Anfang an dabei und genoss es, freie Wahl bei meinen Texten zu haben. Dann gab mir Anfang 2025 der Redakteur Roberto J. De Lapuente den „Rat“, nicht mehr so viel zu Gaza zu schreiben. Damit waren keine Reisebeschreibungen gemeint, sondern der in Gaza/Palästina stattfindende Genozid und die Beihilfe dazu durch die deutsche Bunderegierung. Anlass war ein Beitrag, der die bodenlose Kritik der Jüdischen Gemeinde Frankfurt an einem Benefizkonzert von „Make Freedom Ring“ in der Katharinenkirche am 28. April 2025 in Frankfurt a.M., das von Medico International ausgerichtet wurde, zurückwies.

Roberto J. De Lapuente ließ mich knapp wissen, dass dieser Beitrag nicht „passt“. Das war mit dem großzügigen Angebot verbunden, „etwas Anderes“ einzureichen.

Der Beitrag: „Das Kreuz mit dem Kreuz“ erschien dann im Magazin Manova am 26. April 2025.

Wenig später verabschiedete ich mich vom Westendverlag, als Markus mich freundlich, entschieden dazu aufforderte, einen Beitrag über Jutta Ditfurth nicht im Magazin Overton zu veröffentlichen. Das Kuriosum an diesem Vorfall ist, dass mir Roberto J. De Lapuente als Ersatz für das Gaza-Thema anbot, über die Frankfurter Stadtgeschichte zu schreiben, in der ich doch seit den 1970er Jahren verwickelt bin. Dazu gehört eben auch die ÖkoLinX-Chefin Jutta Ditfurth, die zur Corona-Politik so reaktionäre und denunziatorische Positionen vertrat wie sie es –bis heute – zur Israel-Politik tut, indem sie die Kritik an der israelischen Kriegspolitik als antisemitisch vom Tisch wischt.

Soviel fürs Erste über die Meinungsvielfalt, die der Westendverlag mit Borchardt, Reichelt und Co. gegen das Reinheitsgebot der „Linken“ verteidigen möchte.

 

Shitbürger erster und zweiter Klasse (Ulf Poschardt versus „grün-versifftes Milieu“)

Fast gleichzeitig erfuhr ich, dass der Westendverlag sein bereits im Selbstverlag publizierte Buch „Shitbürger“ vom Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt neu herausgeben wird. Ich habe mich mit dieser Person auseinandergesetzt, um zu verstehen, was an diesem Autor so bereichernd sein könnte, wenn man bereichernd nicht mit Profit gleichsetzt. Ich konnte nicht im Geringsten diese Entscheidung nachvollziehen und verstand meinen Ausstieg als den genau richtigen Zeitpunkt.

Denn ich hielt bereits damals nichts von der seichten Begründung, man wolle damit Meinungsfreiheit und -vielfalt demonstrieren und stärken. Eine äußerst absurde Begründung: Der Welt-Chefredakteur hat alle Möglichkeiten dieser Welt, seine „Meinung“ zu publizieren. Er hat genug Geld und genug politische Verbindungen, die das sorgen- und repressionsfrei ermöglichen. Man springt also keinem „Verfolgten“ oder „Verbrämten“ zur Seite, sondern einem, der keine große Mühe hat, die Kritiker der Corona-Politik und der israelischen Genozid-Politik lächerlich und mundtot zu machen.

Blenden konnte er hingegen mit der süffisanten Kritik an dem „grün-versifften“ Milieu, an der Bigotterie und dem Diversitätsgehabe, die dort an den Tag gelegt wurden. Die Frage, wofür er sich stattdessen einsetzt, welche gesellschaftspolitischen Vorstellungen er damit stark machen will, blieben nicht verborgen.

In einem Welt-Beitrag vom 3. Juli 2025 unter der Überschrift: „Make Economy Great Again“ zeigte sich Poschardt (und Daniel Stelter) über „die fatalen Entwicklungen in Deutschland“ extrem besorgt. Dabei geht es nicht um die milliardenschwere „Kriegsertüchtigung“, um die massive Unterstützung eines Genozides in Gaza, um das Ziel, die stärkste Armee in Europa zu stellen. All das findet der im Möchtegern-Gangsta-Rapper-Style auftretende Ulf Boschardt nicht der Rede wert:

„Die neuen Arbeitsmarktzahlen und der Mindestlohn: WELT-Herausgeber Ulf Poschardt und Ökonom Daniel Stelter sehen fatale Entwicklungen in Deutschland. Besonders ein Gesetzesvorschlag der Grünen in Berlin macht ihnen Sorgen – denn er erinnert sie an die DDR.“

Was uns damit bevorsteht, fasst der Titel des Beitrages zusammen:

 

„Was wir hier erleben, ist nichts anderes als übelster Sozialismus.“

Hat Ulf Poschardt seinen ersten oder zweiten Wohnsitz auf dem „Planeten der Affen“?

Um auch die letzten Zweifel an seinem Weltbild und seinen nicht versifften Freunde auszuräumen, hatte der neue Westendverlagsautor Ulf Poschardt auf den Wiener Festwochen ein „flammendes Plädoyer für Israel, seine Armee und Regierung gehalten“. Weil viele und darunter auch Milo Rau, Theatermacher und Intendant der Wiener Festwochen, so einseitig agieren würden, wolle er nun „diese Rede der IDF widmen, der israelischen Defence Force“.

Ganz ausgewogen und total zufrieden titelte die Jüdische Allgemeine vom 1.6.2025 diese genozidale Fürsprache:

Ulf Poschardt: „Benjamin Netanjahu ist mir näher als Milo Rau“.

Was an diesem Autor also bereichernd, inspirierend sein könnte, ist mir mehr als schleierhaft. Außer, man nimmt es wörtlich. Man will diese kostenlose Kritik am „grün-versifften“ Milieu bedienen, sehr gut daran verdienen und hat ganz mietfrei ein Flaggschiff im Westend-Hafen – falls es doch noch zu Anwürfen kommen sollte.

Genau in diesem Kontext sehe ich die Publikation des nächsten Flaggschiffs dieser millionen-schweren Diskusmaschinerie: Es geht um den ehemaligen BILD-Chefredakteur und aktuellen Chefredakteur des Nachrichtenportals Nius, Julian Reichelt und seine stellvertretende Chefredakteurin Pauline Voss.

Zusammen haben sie das Buch „Links – Deutsch, Deutsch – Links“ herausgegeben, im Westendverlag.

Daraufhin haben über 30 Westendverlags-Autoren ihre Zusammenarbeit aufgekündigt. Sie sehen in den beiden millionenschweren Flaggschiffen eine massive Verschiebung nach rechts.

Immerhin hat dies für einigen Wirbel gesorgt. Und wenn die vielstimmig im Raum agierenden Affekte abgebaut sind, bestünde die Chance, die vielen schwarzen Löcher in der entfachten Diskussion auszuloten – nicht nur bei den anderen, sondern auch bei sich selbst. Denn genau diese werden in den Kontroversen bedrückend offensichtlich und sichtbar.

 

Dazu gehört die weithin beliebte „Erkenntnis“, dass es rechts und links nicht mehr gibt

Bemerkenswert daran ist bereits der packende Titel. Die meisten dort zu Wort kommenden Autoren werden sich selbst nicht als rechts bezeichnen, denn sie surfen auf dem Boot: Rechts und links sind doch längst überholt und sagen gar nichts.

Der Trick ist eigentlich billig und nicht einmal krimesstauglich: Erst macht man alles, um die Begriffe Links und Rechts für vergriffen und unnütz zu erklären, um dann aber mit voller Kraft voraus „links“ (oder das, was man dann freihändig dazu macht) zu versenken.

Das kommt auch Markus Karsten sehr entgegen, der in dem Gespräch mit den NachDenkSeiten seine Antwort der ZEIT wiedergibt:

Rechte Gesellschaftskritik, linke Gesellschaftskritik, ich weiß nicht mehr, ob man mit diesen Zuschreibungen weiterkommt, auch wenn ich mit dieser Infragestellung bereits eine Todsünde begehe. Linkssein ist ja ganz schön, aber werden andere davon satt? Ganz offensichtlich haben die Bücher der Briefeschreiber in den vergangenen Jahren nur äußerst begrenzt dazu geführt, Nöte zu mildern oder gar zu verhindern. Die Armutsquote bei Kindern hat zu Zeiten der Ampelkoalition deutlich zugelegt. Es ging also in die andere Richtung. Ist NIUS daran schuld …?“ (NDS vom 29. Mai 2026)

Wieder spielt man mit einem Taschenspielertrick: Erst weiß man nicht (mehr), was rechte von linker Gesellschaftskritik unterscheidet. Und gleich hinterher fragt man das „Linkssein“ danach, was es gegen die Kinderarmut unternommen hat bzw. unternimmt.

Diese sinnfreie Affektsetzung mit der Kinderarmut soll ganz offensichtlich von der Frage ablenken, ob es stimmt, dass man rechte von linker Gesellschaftskritik nicht mehr unterscheiden könne.

Ich bin mir sicher, dass sich Markus Karsten in zehn Minuten KI-gestützt aus dem Nebel der Ungewissheit befreien könnte. Doch die „Todsünde“ das nicht mehr wissen zu können, hat einen gewaltigen Nutzen. Erst wenn man diese Frage ins Diffuse schickt, kann die „Gesellschaftskritik“ von Ulf Poschardt, Julian Reichelt und Co. als bereichernd eingetütet und vermarktet werden.

Und zweitens – affektbereinigt: Selbst wenn eine linke Gesellschaftskritik kein einziges Kind vor der Armut rettet, kann sie richtig sein. Stattdessen inszeniert man sich lieber als Praktiker, der auch kein einziges Kind vor der Armut gerettet hat.

 

Es ist kein Hexenwerk, rechte von linker Gesellschaftskritik zu unterscheiden

Hier ein Angebot.

Rechte Gesellschaftskritik macht die bösen/kriminellen Absichten von Flüchtlingen für ihr Schicksal verantwortlich. Linke Gesellschaftskritik rückt die Fluchtursachen in den Mittelpunkt, bekämpft nicht die Flüchtlinge, sondern die Fluchtursachen.

Rechte Gesellschaftskritik macht die Korruption und die Gier für Krisen und Einbrüche verantwortlich. Linke Gesellschaftskritik thematisiert die Grundregeln des Kapitalismus, in denen Armut und Reichtum die Schwungräder des Systems darstellen.

Rechte Gesellschaftskritik hält den Kapitalismus für alternativlos, für das Ende der Geschichte. Dabei soll die fabulierte „unsichtbare Hand des Marktes“ vor allem verschleiern, dass ganz wenige Hände unendliche viele in der Hand halten.

Linke Gesellschaftskritik versteht den Kapitalismus als eine von vielen historischen Formationen. Dabei kann gerade das im Kapitalismus erreichte enorme Produktivitätsniveau die Voraussetzung dafür sein, sich für eine Welt einzusetzen, in der Hunger, Elend und Ausbeutung vollkommen verschwinden können.

Rechte Gesellschaftskritik macht geldgierige und selbstsüchtige Politiker für Krisenereignisse verantwortlich (Scholz, Merz, Trump etc.). Linke Gesellschaftskritik versteht sie als Charaktermasken, die die Spielregeln exekutieren – mal mehr, mal weniger gut.

Rechte Gesellschaftskritik arbeitet vorzugsweise mit einer Personalisierung, die suggerieren soll, dass man nur eine unfähige Person austauschen müsse. Linke Gesellschaftskritik legt die Strukturen bloß, um das Versagen als systemisches und eben nicht als ein persönliches zu begreifen.

Rechte Gesellschaftskritik will uns weißmachen, dass man mit Fleiß und viel Arbeit alles erreichen kann, also die Faulheit und die Teizeitabhängerinnen für ihr prekäres Leben selbst verantwortlich sind.

Linke Gesellschaftskritik macht deutlich, dass gerade die Menschen, die 10 bis 15 Stunden am Tag arbeiten, arm dran sind und arm bleiben. Man nennt sie „working poor“.

Rechte Gesellschaftskritik will mit der Kritik an den „Auswüchsen“ und „Exzessen“ des Kapitalismus den Kapitalismus retten. Linke Gesellschaftskritik bringt die Logik von Wert und Unwert zum Vorschein, die Wertschöpfungskette, in der „Auswüchse“ und „Exzesse“ Kettenglieder sind.

Nicht umsonst ist das Gerede vom „schaffenden“ und vom „raffenden Kapital“ ein zentrales antisemitisches Axiom. Man spaltet die notwendig „dunkle“ Seite des Kapitals ab, um sie den „Juden“ unterzujubeln.

Wenn man diese Unterschiede als Koordinaten akzeptiert, dann versteht man auch, dass es keinen „linken Antisemitismus“ geben kann – so wenig wie einen Faschismus, den man als „Nationalsozialismus“ ausgibt.

 

Politur statt Grundierung

Bemerkenswert sind auch die Reaktionen auf diesen Offenen Brief der Westend-Autoren. Ich möchte mich auf die Westend-nahen Reaktionen konzentrieren. Paula Messler hat mit dem NDS-Beitrag „Die Brandmauer im Bücherregal“ vom 26. Mai 2026 darauf reagiert. Fast alles in ihrem Beitrag dreht sich darum, dass man diese Westend-Aussteiger vergessen könne. Sie seien „längst nicht mehr die prägenden Stimmen des öffentlichen Diskurses“ und würden „eher zur zweiten Reihe der verlagseigenen Autorenschaft“ (wie Stephan Hebel und Bernd Hontschik) gehören. Zudem hätten sie schon lange nichts mehr veröffentlicht oder in einem anderen Verlag publiziert.

Da drängt sich doch die Frage an die Autorin auf: Wird eine Kritik an der Westend-Verlagspolitik deshalb irrelevant, weil die Autoren nicht genug Klicks, Likes und Reichweite generieren? Was soll diese dümmliche Art und Weise, sich nicht mit der Kritik auseinanderzusetzen? Stattdessen das sattsam bekannte Namebashing.

Was das Buch von Julian Reichelt und Pauline Voss angeht, der wohl der letzte Anstoß für diesen Offenen Brief war, so erfährt man von der Autorin so gut wie gar nichts. Immerhin erklärt sie im Sinne von Markus Karsten die Breite des Verlagsprogrammes:

„Verlegerische Arbeit könne nicht bedeuten, sich jede Position eines Autors vollständig zu eigen zu machen. Entscheidend sei vielmehr, ob ein Buch einen relevanten Beitrag zur öffentlichen Debatte leisten könne. Genau nach diesem Maßstab, so Karsten, sollten Bücher veröffentlicht werden — nicht nach ideologischer Konformität oder der Angst vor öffentlicher Empörung.“

Die Frage, ob das publizierte Buch diesem Maßstab gerecht wird, stellt sich die Autorin nicht selbst. Auch Markus befragt sie dazu nicht, um ihn zu Wort kommen zu lassen.

Stattdessen lässt sie einfließen, dass von diesem Buch bereits über 50.000 Exemplare verkauft wurden.

Glücklicherweise erfährt man von Ulrike Guérot, was sie von diesem Beststeller hält. In einem Facebook-Brief an einen Herrn N.N. schreibt sie:

„Was soll ich sagen?

Ich persönlich fand/empfinde das Buch auch – salopp formuliert – als „gequirlte Sch …“, oder, wenn ich höflich sein möchte: nichtssagend, außer fast unerträglicher Israel-Lobhudelei. Das habe ich dem Verleger, Markus Karsten, auch direkt gesagt.“

 

„Gibt es eine legitime Forderung von rechts?“

Diese Frage titelt ein Interview, das Marcus Klöckner mit dem Westend-Verleger Markus J. Karsten für das Portal „NachDenkSeiten“ geführt hat.

Es geht dabei um das im Westendverlag publizierte Buch von Julian Reichelt/Pauline Voss:

„Links – Deutsch / Deutsch – Links“

Diese von Markus Karsten selbst gestellte Frage soll auf den ersten Blick naiv, welt- und ergebnisoffen daherkommen. Und doch dreht sie die Verhältnisse auf den Kopf.

Denn auch der Verleger Markus Karsten weiß, dass es „Forderungen von rechts“ wie Sand am Meer gibt. Sie stehen nicht am Spielfeldrand und betteln darum, eingewechselt zu werden. Sie sind hegemonial:

  • Forderungen von rechts sind Regierungsprogramm, von CDU und SPD!
  • Forderungen von rechts sind Oppositionsprogramm von FDP, Grüne bis AfD!
  • Forderungen von rechts gibt es in den Laufstallmedien, von BILD, über FAZ bis SZ – am laufenden Meter.
  • Forderungen von rechts gibt es in öffentlich-rechtlichen, in den privaten TV-Anstalten zu jeder Tages- und Nachtzeit!
  • Forderungen von rechts gibt es von Welt-, Nius-(Chef-)Redakteuren, von Tichy bis hin zu den Redakteuren der Jüdischen Allgemeinen!

Macht sich der Verleger also ernsthaft Sorgen, dass Forderungen von rechts keinen Platz finden, mit Legitimität zu kämpfen haben und im Westendverlag Asyl suchen müssen? Nein, ganz und gar nicht.

Der Verleger Markus Karsten weiß besser als viele andere, dass das, was mit der Kritik an der Publikation des Buches gemeint ist, nichts mit „Forderungen“ zu tun und schon gar nichts mit ihrer Legitimität.

Das Buch strotzt nur so vor rechten Selbstverständlichkeiten, die in diesem Land nicht um Legitimität betteln, sondern einzig und allein die Schnelligkeit der Umsetzung einfordern.

Das Buch in einem Verlag wie dem Westendverlag zu publizieren, stärkt diese Selbstverständlichkeit und deren Normalisierung.

Denn wenn ein Scheiß-Buch wie dieses im ehemals linken Westendverlag erscheint, dann ist der Weg zur BILD, WELT, zu NIUS nur noch ein Katzensprung.

„Das Schlimmste ist nicht die Gewalt der Bösen, sondern das Schweigen der Guten.“

Dieses Zusammenspiel formulierte der exzellente Regisseur Ken Loach bei den Filmfestspielen in Cannes 2026 – mit Blick auf die Kriegsverbrechen und den Völkermord in Gaza/Palästina.

 

Wolf Wetzel | Fronleichnam 2026

 

 

Quellen und Hinweise:

Das Kreuz mit der Symbolpolitik, Wolf Wetzel, Manova vom 26.4.2025: https://www.manova.news/artikel/das-kreuz-mit-der-symbolpolitik

Kohlhaas Unchained, Kolumne im Magazin Overton: https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/

Das Magazin Overton. Und der immer lauter werdende Unterton, Wolf Wetzel,2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/06/02/das-magazin-overton-und-der-immer-lauter-werdende-unterton/

Ulf Boschardt, die „Shitbürger“ und seine „Freiheitsfreunde“, Wolf Wetzel,2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/07/07/ulf-boschardt-und-seine-freiheitsfreunde/

Mutter der politischen Denunziation – Jutta Ditfurth – Ein Rundgang, Februar 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/02/28/mutter-der-politischen-denunziation-jutta-ditfurth-ein-rundgang/

Offenen Brief von Westend-Autoren (komplett), 2026: https://norberthaering.de/propaganda-zensur/westend-offener-brief/

Die Brandmauer im Bücherregal, Paula Messler, NDS vom 26. Mai 2026

Was soll ich sagen, Ulrike Guérot, Facebook vom 23. Mai 2026: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid0Y2TvCmDioWaZcg5S5xbfyY4ZqESEfi5H2PjLQDac9hY7G1BFiPyiCNo3boymkPCNl&id=100016264996599

Westend-Verleger Markus J. Karsten: „Gibt es eine legitime Forderung von rechts?“ NDS vom 29. Mai 2026: https://www.nachdenkseiten.de/?p=151264

Einäugiger Scharfblick. Aus dem Team von „Nius“ kommt ein Lexikon linker Kampfbegriffe — gemeint ist eher: alles, was Julian Reichelt nicht mag. Eine Buchbesprechung von Roland Rottenfußer, 2026: https://www.manova.news/artikel/einaugiger-scharfblick

„Das Schlimmste ist nicht die Gewalt der Bösen, sondern das Schweigen der Guten.“ (Ken Loach), Wolf Wetzel, 2026: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/05/23/das-schlimmste-ist-nicht-die-gewalt-der-boesen-sondern-das-schweigen-der-guten-ken-loach/

 

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