Raubzüge – ohne eine Waffe in der Hand
„Staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld, BAföG werden wir absehbar nicht erhöhen können.“
Das sagte Unionsfraktionschef Jens Spahn. Ich kann sein villa-großes Bedauern, sein Mitleiden kaum aushalten.
An Millionären und Milliardären hingegen können Merz, Spahn und Klingbeil nicht genug kriegen:
„Der am Mittwoch vorgelegte ‚Global Wealth Report 2026‘ der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) liefert hierfür Anschauungsmaterial. In der BRD hat demnach die Zahl derer, die über ein Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar (rund 86 Millionen Euro) verfügen, im Vorjahr um rund 1.100 auf knapp 5.000 gegenüber 2024 zugelegt (plus 28 Prozent). Zusammen gehörten ihnen 27,3 Prozent aller mit Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Anleihen, Lebensversicherungen, Fonds und Pensionen gehaltenen Werte – also rund 3,4 von 12,4 Billionen US-Dollar. (…) Hinter den ‚Ultra high net worth individuals‘ rangieren jene mit bloß einer oder zwei Stellen vor der Million. 2025 gab es davon hierzulande 796.000, wobei sie zusammen 26 Prozent vom großen Kuchen besaßen. Der Rest, also 47 Prozent vom Ganzen, verteilt sich auf mehr als 69 Millionen Bürger mit Vermögenswerten zwischen null und einer Million Euro.“ (jW vom 28. Mai 2026)

Wer zwischen wachsender Verarmung und gnadenlosem Reichtum einen Zusammenhang sieht, der liegt nicht falsch. Denn das Geld, das immer mehr im prekären Lebensalltag fehlt, ist nicht weg. Es ist nur woanders. Wobei das „woanders“ kein mysteriöser, unauffindbarer Ort ist.
Und wer Kontexte noch sehen, also ihnen ins Auge blicken will, der kann sich die Gedanken von Nick Brauns durch den Kopf gehen lassen:
„An dem Tag, an dem Daniela Klette (sie wird als RAF-Mitglied gehandelt und gehört nicht zu den ‚Ultra high net worth individuals‘) wegen einiger Überfälle auf Geldtransporter verurteilt wurde, enthüllt eine neue Studie, dass rund 5.000 Superreiche mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Finanzvermögens besitzen. Ein Reichtum, der von Millionen Lohnabhängigen erwirtschaftet und von wenigen geraubt wurde. Nicht mit vorgehaltener Pistole, sondern (in der Regel) ganz legal im Rahmen der vom bürgerlichen Staat geschützten kapitalistischen Ausbeuterordnung.

‚Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?‘ heißt es dazu treffend in Brechts Dreigroschenoper.
Die Finanzkapitalisten verfügen über eine demokratisch nicht legitimierte Macht über das Schicksal von Millionen Menschen, die sie in Arbeits- und Obdachlosigkeit, in Armut und Krieg stoßen können.“ (jW vom 28. Mai 2026)
Wolf Wetzel | 28. Mai 2026
Quellen und Hinweise:
Reich, reicher, superreich, jW vom 28.Mai 2026
Ein Schauprozess, Nik Brauns, jW vom 28.Mai 2026
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