Dem Dritten Weltkrieg immer näher

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Dem Dritten Weltkrieg immer näher

Jeder Weltkrieg fing damit an, dass man sich „verteidigen“ müsse. Statt einem Krieg zuvorzukommen, wurde ein Weltkrieg daraus.

Auch das kann man aus den vorangegangen Weltkriegen lernen. Ganz viele Lügen eskortierten die Kriegspläne. Ganz vieles folgte keinem Plan, sondern unvorhergesehenen Umständen.

Und das Wichtigste (für uns) zu aller Letzt: Die Kriege werden nicht aus (militärischer/politscher) Einsicht beendet, sondern aus schierer Erschöpfung, die wir mit dem Tod bezahlen – wenn wir ihnen das Schlachtfeld aus Verdrängung, Gleichgültigkeit und Ohnmacht überlassen.

Donald Trump erklärte am 28. Februar 2026 den zweiten Angriffskrieg gegen den Iran erneut zu einem Akt der Selbstverteidigung. Ungefähr 6.000 Meilen vom US-amerikanischen Festland entfernt. Auch Israel ist bei diesem staatsterroristischen Akt dabei. Diese Kriegsverbrechen werden von Israel als „Brüllender Löwe“ und von den USA als „Operation Epische Wut“ bezeichnet. Das israelische Kriegskabinett erklärt schon seit Langem, dass man sich in Gaza beziehungsweise Palästina selbst verteidige — auf besetztem Territorium. Gegen den Iran führe man einen „Präventivschlag“ durch — einen wirklichen Krieg gegen einen fabulierten Krieg.

Die ehemalige FDP-Politikerin und glühende Genozid-Leugnerin Karoline Preisler hat erneut ihren Geisteszustand öffentlich gemacht:

Die Menschen im Iran haben darum gebettelt, beschossen zu werden, um vom Mullah-Regime befreit zu werden.“

 

 

Die in derselben Partei operierende Frau Strack-Zimmermann findet den Angriff auf den Iran „gerechtfertigt“.

 

 

Und der BlackRock-Bundeskanzler Friedrich Merz, nebenbei auch CDU-Mitglied, nennt in seiner Regierungserklärung vom 1. März 2026 den Krieg gegen den Iran „Militärschläge“.

Zu diesen „Militärschlägen“ gehörte gleich am ersten Tag die Ermordung von 170 Mädchen, die sich in einer Schule befanden.

 

Der US-Präsident log sich schwindelig. Die wahre Haltung brachte der US-MAGA-Lobbyist Matt Schlapp so zum Ausdruck:

 

MAGA lobbyist suggests Iranian schoolgirls killed in airstrikes are better off dead than ‘in a burqa’ (Independent vom 5.3.2026)

 

Der deutsche Bundeskanzler bedauerte eigentlich nur eines: Dass Deutschland nicht direkt dabei ist, aber sofort zur Stelle wäre, wenn es um den Wiederaufbau des Irans geht. Darin hat man bekanntlich viel Übung.

Wir sind von einem epochalen Geschichtsrevisionismus nur noch ein paar Schritte entfernt.

Wenn man jetzt Angriffskriege zur Selbstverteidigung führen darf, dann gilt das doch nicht nur heute und für morgen? Dann gilt das doch auch für das Gestern, Herr Merz und Kiesewetter!

Also hat sich Nazi-Deutschland 1939 in Polen selbstverteidigt, was Hitlers Aussage, man habe seit 5.45 Uhr „zurückgeschossen“ ins rechte Licht rückt.

Na, Herr Merz und Frau Strack-Zimmermann, sind Sie schon so weit?

Und dann wäre der nächste Gedanke nicht mehr neonazistisch, sondern regierungstauglich: Das Nazideutschland ist mit einem „Präventivkrieg“ der Sowjetunion (1941-45) zuvorgekommen, weil die „Russen“ schon immer Berlin zu Klein-Moskau machen wollten und wollen und wollen, wenn wir sie nicht …

Auch in Frankreich, Griechenland, Italien, Belgien, Holland usw. hatte sich die deutsche Wehrmacht verteidigt, da die unter Besatzung lebenden Menschen nicht bereit waren, sich wie Unterworfene zu benehmen.

Na, Herr Merz und Herr Pistolius, lassen Sie die Sau einfach raus. Die so unheimlich bedauerte „80 Jahre währende Zurückhaltung“ (Lars Klingbeil, Parteivorsitzender der SPD) ist jetzt vorbei.

 

Goebbels Comeback

Als ich diese Schlagzeile im Magazin „Der Spiegel“ vom 5.03.2026 las, dachte ich zuerst an eine gezielte Falschmeldung:

 

„Mehr Drecksarbeit, weniger Gerede vom Völkerrecht“.

 

Das Wort von der „Drecksarbeit“ stammt vom BlackRock-Bundeskanzler Friedrich Merz, der nebenbei auch CDU-Mitglied ist. Für ihn macht Israel die „Drecksarbeit“ im Nahen Osten, in Gaza/Palästina, im Libanon, im Westjordanland, im Iran. Damit hat er die Verdeckungsrethorik endgültig verlassen. Aber natürlich auch den Versuch, alle eigenen und unterstützten Kriegsverbrechen, wie den Genozid in Gaza mit dem Völkerrecht zu erklären. Dafür muss man dann alles in einen Verteidigungskrieg umbiegen – ganz egal wie weit man dazu „reisen“ muss. Dass man dafür das Völkerrecht „überdehnt“, also ad absurdum führt, machte bislang nichts. Das nennt man dann sportlich einen Spagat. Doch wenn man unentwegt das Völkerrecht bricht, dann ist es eben auch an der Zeit, es auf dem Müll zu werfen und wieder einmal eine „Befreiung“ zu feiern. Dazu braucht man heute keine neofaschistische Zeitschrift und keine postfaschistische Partei.

Das erledigt mit Verve ein deutsches Magazin, das nicht länger drum herum redet, sondern „mehr Drecksarbeit“ fordert. Das Magazin hält sich wahrscheinlich für die politische Mitte und ist sich sicher, damit in den „SPIEGEL“ zu schauen.

Doch es ist die Fratze des deutschen Faschismus. Denn die Goebbels, die Hitlers und die Görings wären sehr dankbar für diese klaren Worte. Schließlich hatten sie doch nichts anders getan, als die Drecksarbeit zu machen, als man 1941 die Sowjetunion angriff.

Damals hielten sich die europäischen Staaten noch zurück, in offenen Jubel auszubrechen. Heute peitscht die „politische Mitte“ nach vorne, an die Front.

Und jetzt weiß auch der SPIEGEL, dass das Völkerrecht Schnee von gestern ist:

 

„In Wirklichkeit ist der Ruf nach dem Völkerrecht vor allem ein schwerer Fall von Nineties Nostalgia, der Sehnsucht nach einer besser geordneten Zeit. In der echten Welt hat er keinen großen Echoraum mehr.“

 

Der „SPIEGEL“ sieht Deutschland an der Spitze einer neuen Weltmacht und die interessiert sich nicht fürs Völkerrecht. Es geht darum

 

„das Verhältnis zur ‚Drecksarbeit‘ neu auszurichten: mehr Drecksarbeit, weniger Völkerrecht.“

 

Mehr Rechtsbruch, mehr Verfassungsbruch geht kaum. Die Goebbels, Hitlers und Görings können mit den „Lehren aus dem deutschen Faschismus“ sehr zufrieden sein.

From the belly of the beast (Parole in New York City)

Die Kriege gegen den Iran, gegen Gaza/Palästina, gegen Venezuela, gegen Kuba müssen in den USA, in Israel und in D|europa gestoppt werden.

Und wenn wir diese Kriege mit wachsender Repression, mit zunehmender Verarmung, mit inneren Ausnahmezuständen, mit der Außerkraftsetzung von Verfassungsrechten in Verbindung bringen. Wenn wir all dies zusammendenken, dann entsteht ein Weltbewusstsein, das nicht nur Kriege stoppen kann. Dann stoßen wir die Tür zu einer gesellschaftlichen Utopie auf, die nicht den Status quo verteidigt, gegen noch Schlimmeres, sondern sich auf den Weg macht, das scheinbar Unmögliche zur Maxime für unser Leben zu machen.

Ich bin mir sicher, dass viele denken werden: Das ist ein schöner bunter Ballon, weit weg. Das stimmt, der Ballon ist weit weg, aber wir haben die Schnur in der Hand, um ihn Stück für Stück zu uns zu holen.

Wolf Wetzel |aktualisiert am 14.3.2026

publiziert im Magazin Manova am 7. März 2026: https://www.manova.news/artikel/die-heuchelei-der-tater

 

Quellen und Hinweise:

Das Titelbild zeigt die ausgehobenen Gräber für etwa 170 Schulkinde im Iran am ersten Kriegstag.

Heute Morgen haben die USA und Israel den Iran angegriffen, Mikro Lange/Democracy Intelligence vom 28.2.2026: https://www.facebook.com/mirkolange1965

Wir haben uns den 3. Weltkrieg verdient, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/09/03/wir-haben-uns-den-3-weltkrieg-verdient-teil-ii/

From the belly of the beast, New York City: https://www.facebook.com/reel/909953855079643

MAGA lobbyist suggests Iranian schoolgirls killed in airstrikes are better off dead than ‘in a burqa’, Independent vom 6.3.2026: https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/iran-war-schoolgirls-matt-schlapp-piers-morgan-b2932767.html

 

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