„Mehr Drecksarbeit, weniger Völkerrecht.“ (Tobias Rapp/ DER SPIEGEL)

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„Mehr Drecksarbeit, weniger Völkerrecht.“

Wenn sich nahe Zukunft und nahe Vergangenheit aufeinander zubewegen

Deutschland steht an der Spitze der Länder, die auf dem Boden der Ukraine Russland „ruinieren“ (Ex-Außenministerin Annalena Baerbock) wollen. Deutschland will in Europa an die Spitze vorstoßen, indem sie die größte militärische Streitmacht stellen will. Deutschland steht ganz vorne, wenn sie in der EU für einen gemeinsamen Kriegshaushalt und für eine eigenständige Militärmacht eintritt, die ihre imperialen Interessen auch ohne die USA durchsetzen kann. Deutschland steht an zweiter Stelle, wenn es darum geht, Israels Vernichtungskrieg in Gaza und im Iran zu unterstützen.

Was den politischen und gesellschaftlichen Widerstand gegen jede Form der Kriegsertüchtigung angeht, so ist dieser in Deutschland sehr schwach. Dies wird nur noch von der parlamentarischen Opposition überholt, die es faktisch in Deutschland nicht gibt.

US Präsident Trump erklärte am 28. Februar 2026 den zweiten Angriffskrieg gegen den Iran erneut zum Akt der Selbstverteidigung. Ungefähr 6.000 Meilen vom US-amerikanischen Festland entfernt. Auch Israel ist bei diesem staatsterroristischen Akt dabei.

Diese Kriegsverbrechen werden von Israel als „Brüllender Löwe“ und von den USA als „Operation Epische Wut“ bezeichnet.

Das israelische Kriegskabinett erklärt schon seit Langem, dass man sich in Gaza/Palästina selbstverteidige – auf besetztem Territorium. Gegen den Iran führe man einen „Präventivschlag“ durch – einen wirklichen Krieg gegen einen fabulierten Krieg.

Im deutschen Fernsehen (ARD) ist von einer „Operation“ die Rede. Und der BlackRock-Bundeskanzler Friedrich Merz (nebenbei auch CDU-Mitglied) bezeichnet in seiner Regierungserklärung vom 1. März 2026 den Krieg gegen den Iran als „Militärschläge“ und bedauert eigentlich nur eines: Dass Deutschland nicht direkt dabei ist, aber sofort zur Stelle wäre, wenn es um den Wiederaufbau des Irans geht. Darin hat man bekanntlich viel Übung.

Wir sind von einem epochalen Geschichtsrevisionismus nur noch ein paar Schritte entfernt.

Wenn man jetzt Angriffskriege zur Selbstverteidigung führen darf, dann gilt das doch nicht nur heute und für morgen? Dann gilt das doch auch für das Gestern, Herr Merz und Kiesewetter!

Also hat sich Nazi-Deutschland 1939 in Polen selbstverteidigt, was Hitlers Aussage, man habe seit 5.45 Uhr „zurückgeschossen“ ins rechte Licht rückt.

Na, Herr Merz und Frau Strack-Zimmermann, sind Sie schon so weit?

Und dann wäre der nächste Gedanke nicht mehr neonazistisch, sondern regierungstauglich: Das Nazideutschland ist mit einem „Präventivkrieg“ der Sowjetunion (1941-45) zuvorgekommen, weil die „Russen“ schon immer Berlin zu Klein-Moskau machen wollten und wollen und wollen, wenn wir sie nicht …

Auch in Frankreich, Griechenland, Italien, Belgien, Holland usw. hatte sich die deutsche Wehrmacht verteidigt, da die unter Besatzung lebenden Menschen nicht bereit waren, sich wie Unterworfene zu benehmen.

Na, Herr Merz und Herr Pistolius, lassen Sie die Sau einfach raus. Die so unheimlich bedauerte „80 Jahre währende Zurückhaltung“ (Lars Klingbeil, Parteivorsitzender der SPD) ist jetzt vorbei.

Goebbels Comeback

Als ich diese Schlagzeile im Magazin „Der Spiegel“ vom 5.03.2026 las, dachte ich zuerst an eine gezielte Falschmeldung:

Das Wort von der „Drecksarbeit“ stammt vom BlackRock-Bundeskanzler Friedrich Merz, der nebenbei auch CDU-Mitglied ist.

 

Für ihn macht Israel die „Drecksarbeit“ im Nahen Osten, in Gaza/Palästina, im Libanon, im Westjordanland, im Iran. Damit hat er die Verdeckungsrhetorik endgültig verlassen.

 

 

Aber natürlich auch den Versuch, alle eigenen und unterstützten Kriegsverbrechen, wie den Genozid in Gaza mit dem Völkerrecht zu erklären. Dafür muss man dann alles in einen Verteidigungskrieg umbiegen – ganz egal wie weit man dazu „reisen“ muss. Dass man dafür das Völkerrecht „überdehnt“, also ad absurdum führt, machte bislang nichts. Das nennt man dann sportlich einen Spagat. Doch wenn man unentwegt das Völkerrecht bricht, dann ist es eben auch an der Zeit, es auf dem Müll zu werfen und wieder einmal eine „Befreiung“ zu feiern. Dafür braucht man heute keine neofaschistische Zeitschrift und keine postfaschistische Partei.

Das erledigt mit Verve ein deutsches Magazin, das nicht länger drum herum redet, sondern „mehr Drecksarbeit“ fordert. Das Magazin hält sich wahrscheinlich für die politische Mitte und ist sich sicher, damit in den „SPIEGEL“ zu schauen.

Doch es ist die Fratze des deutschen Faschismus. Denn die Goebbels, die Hitlers und die Görings wären sehr dankbar für diese klaren Worte. Schließlich hatten sie doch nichts anders gemacht, als die Drecksarbeit zu machen, als man 1941 die Sowjetunion angriff.

Damals hielten sich die europäischen Staaten noch zurück, in offenen Jubel auszubrechen. Heute peitscht die „politische Mitte“ nach vorne, an die Front.

Und jetzt weiß auch der SPIEGEL, dass das Völkerrecht Schnee von gestern ist:

„In Wirklichkeit ist der Ruf nach dem Völkerrecht vor allem ein schwerer Fall von Nineties Nostalgia, der Sehnsucht nach einer besser geordneten Zeit. In der echten Welt hat er keinen großen Echoraum mehr.“

 

Der „SPIEGEL“ sieht Deutschland an der Spitze einer neuen Weltmacht und die interessiert sich nicht fürs Völkerrecht. Es geht darum

„das Verhältnis zur ‚Drecksarbeit‘ neu auszurichten: mehr Drecksarbeit, weniger Völkerrecht.“

Mehr Rechtsbruch, mehr Verfassungsbruch geht kaum. Die Goebbels, Hitlers und Görings können mit den „Lehren aus dem deutschen Faschismus“ sehr zufrieden sein.

Wenn die Vergangenheit auf dem Schoß der Gegenwart Platz nimmt

Normalerweise würde man eine solche Sondermeldung als bösartige Unterstellung zurückweisen. Normalerweise. Und da leben wir schon lange nicht mehr.

Deshalb prüft jetzt die Bundewehr, ob man nicht Goebbels Anwesen mit dem bodenständigen Namen „Waldhof“ übernehmen sollte.

Das Anwesen ist herrschaftlich. Daran müsste man kaum etwas ändern. Es ist groß, umfasst 16 Hektar. Es liegt idyllisch und naturnah am Bogensee, in Brandenburg.

Der Bundeswehr-Sprecher sagte dazu ganz trocken, „wegen der sicherheitspolitischen Lage und neuer Nato-Vorgaben müsse die Bundeswehr schnell wachsen“ (ntv vom 5.3.2026).

Und wer will in diesen verzwergten Zeiten nicht über sich hinaus wachsen …

Heute, in außergewöhnlichen Zeiten, regt sich kaum jemand noch darüber auf. Die Reserven sind aufgebraucht bzw. werden anderweitig gebraucht.

Wolf Wetzel

 

Quellen und Hinweise:

Heute Morgen haben die USA und Israel den Iran angegriffen, Mikro Lange/Democracy Intelligence vom 28.2.2026: https://www.facebook.com/mirkolange1965

Über den Schahbesuch in Berlin 1967, die „Jubelperser“ und die Ermordung von Benno Ohnesorg, Wolf Wetzel, 2009: https://wolfwetzel.de/index.php/2009/05/26/26-5-2009-die-erschiesung-von-benno-ohnesorg-40-jahre-vertuschung/

Wir haben uns den 3. Weltkrieg verdient, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/09/03/wir-haben-uns-den-3-weltkrieg-verdient-teil-ii/

Mehr Drecksarbeit, weniger Gerede vom Völkerrecht, Tobias Rapp, DER SPIEGEL vom 05.03.2026: https://archive.is/2026.03.05-120213/https://www.spiegel.de/kultur/deutsche-aussenpolitik-mehr-drecksarbeit-weniger-gerede-vom-voelkerrecht-a-1e91d3ea-d83e-4e92-ab77-4e2d383b03a6#selection-2461.0-2483.323

Bundeswehr interessiert sich für Areal mit ehemaliger Goebbels-Villa, ntv vom 10.3.2026: https://www.n-tv.de/panorama/Bundeswehr-interessiert-sich-fuer-Areal-mit-ehemaliger-Goebbels-Villa-id30453788.html

 

 

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