Der Unrast Verlag nimmt die Bücher von Noam Chomsky aus dem Sortiment.
Noam Chomsky ist vielen Aktivisten aus den 1980er und 1990er Jahren bekannt. Für uns war er mit Blick auf den US-Imperialismus eine wichtige Quelle.
Nun taucht auch Noam Chomsky in den „Epstein-Files“ auf.

Man sieht Fotos von ihm mit Epstein im Privatflugzeug und man bekommt E-Mails „zugespielt“, die belegen könnten, dass er Epsteins Können als Vermögensberater nutzte, um Steuern zu entgehen, was in der Business-Welt „Steueroptimierung“ genannt wird.
Ansonsten verweist man auf die Korrespondenz, in der Noam Chomsky die Verurteilung von Epstein als Sexualstraftäter als politisches Manöver eingeordnet hatte.
Das reicht, um Noam Chomsky’s Bücher aus dem Sortiment zu verbannen?
Ist das die Art und Weise, wie man sich schlau macht?
Betroffen sind folgende Titel, die in deutscher Übersetzung beim Unrast-Verlag erschienen:

- Der Terrorismus der westlichen Welt
- Brennpunkt Palästina
- Zuversicht in Zeiten des Zerfalls
- Die Klimakrise und der Global Green New Deal
Kein Wort verliert der Unrast-Verlag darüber, dass die bis heute veröffentlichten Epstein-Files politisch gesteuert, manipuliert und zu erheblichen Teilen geschwärzt worden sind. Seine Frau hat sich dahingehend geäußert, dass man „naiv“ gewesen sei.
Aber warum man „naiv“ war und warum man verstörende Sachen nicht sehen wollte, ist doch kein Chomsky Phänomen, verehrte Unrast-Macher!
Wenn man ihm Blindheit oder gar ein korruptes Verhältnis vorwirft, dann sollte man sich mehr Mühe geben, dem nachzugehen.
Ob Chomsky blind für die widerliche Seite Epsteins war, kann ich nicht sagen. Ob er nur den sympathischen und großzügigen Philanthropen gesehen hat oder nicht sehen wollte, was man jedoch sehen musste, wenn man ein so brillanter Analyst ist wie Noam Chomsky, auf welche Weise Macht blenden kann, wenn man etwas von ihr abbekommt. All das wären sehr spannende Themen, die man nicht mit der Verbannung von Büchern löst.
Die Verlags- und Publikationswelt im „alternativen“ Bereich ist eine kleine, sehr knapp kalkulierte Welt – aber ganz sicher nicht das saubere Gegenteil vom dem, was man Noam Chomsky vorwirft.
Eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema, in dem wir uns nicht ausnehmen, sondern uns auch selbst stellen, wäre ein wirklicher Gewinn und wäre sicher auch würdigend für all das, was wir den Büchern Chomskys verdanken.
Hier der Brief von Matthias Reichelt, Kulturjournalist und Ausstellungsmacher:
„Liebe Leute vom UNRAST Verlag,
Markus Mohr machte mich auf Ihre aktuelle Einlassung zu Ihrem Autoren Noam Chomsky aufmerksam, die mich sehr erschüttert. Auch wenn ich Ihre Irritation und Empörung über die nun bekannt gewordenen Nähe Chomskys zu Epstein und sein unkritisches Verhältnis zu Epstein absolut verstehe, so ist damit doch nicht sein Werk entwertet, unwahr, unrichtig oder gar falsch. Etwas mehr Dialektik hätte ich Ihnen schon zugetraut. Die Vorstellung oder Sehnsucht nach absoluter SAUBERKEIT war schon immer schwer verdächtig, den Weg in eine romantische und unwirkliche Welt zu ebnen, die aber nur in den Köpfen der Menschen mit dieser rigorosen Vorstellung von Reinheit und Sauberkeit existiert.
Müssen wir nicht lernen, mit Widersprüchen umzugehen, sie anzusprechen und dann differenziert darauf zu reagieren, anstatt das Kind mit dem Bade auszuschütten. Würden wir dieses von Ihnen praktizierte Reinheitsgebot zum Prinzip erheben, dann gäbe es in den Wissenschaften diverse Positionen weniger, ebenso in den Museen müssten viele Künstler verschwinden, ganz oben auf der Liste stünde Caravaggio.
Und, wie sieht es denn mit Marx aus? Soll er nicht ein unrühmliches Verhältnis zu Frauen gehabt und seine Kinder vernachlässigt haben?
Was bitte haben denn die wissenschaftlichen Leistungen von Chomsky, seine in Bezug auf globale Macht-, Klima- und Medienpolitik entwickelten Positionen damit zu tun, dass er eine unappetitliche Nähe zu Epstein hatte und ihn auch noch verteidigte? Wäre es nicht viel sinnvoller, sich zu überlegen, was diese Elite an Chomskys Position so attraktiv fand, wie das zum Beispiel von Max Blumenthal auf The Greyzone im Gespräch mit dem US-amerikanischen Marxisten Christian Parenti diskutiert [https://www.youtube.com/watch?v=jEm-RG-Qak0]?
Wichtiger ist es, sich zu fragen, ob Chomsky vielleicht in wichtigen Fragen gar nicht so radikal war und er eben auch eine opportunistische Seite hatte, die hier zum Tragen kam. Die dennoch wichtigen Bücher weiter zu vertreiben und den Erlös an eine NGO gegen Frauen- und Mädchenhandel und Missbrauch zu spenden, wäre eine wesentlich politischere Lösung.
Verärgert aber dennoch mit kollegialem Gruß
Matthias Reichelt“
Flaschenpost“ an den Unrast Verlag vom 6.3.2026:
„Hallo Martin,
Es ist wie bei uns: Man muss politische Differenzen austragen, anstatt sie mit billigem Machtgehabe, das ja mehr als symbolisch ist, abzuräumen, um dabei eine edle Haltung zu suggerieren, die auch in diesem Fall gar nicht gefragt ist.
Ich weiß, die gute und lange Zeit der Zusammenarbeit zu schätzen. Ich weiß aber auch, was so gar nicht sauber lief.
Deshalb muss ich dir und euch widersprechen, auch deshalb, weil ich Epsteins sexual deep state abgrundtief hasse.
Anbei meine Stellungnahme, zusammen mit der von Matthias Reichelt.
Wolf Wetzel“
Quellen und Hinweise:
Matthias Reichelt – cultural affairs: https://m-reichelt.de/vita-2/
Epstein-Files: Müssen Linke Noam Chomskys Bücher entsorgen? Florian Rötzer: https://overton-magazin.de/krass-konkret/epstein-files-muessen-linke-noam-chomskys-buecher-entsorgen/
Stellungnahme des Unrast Verlages vom 26.2.2026: UNRAST-Verlag nimmt Noam Chomsky aus dem Programm: https://unrast-verlag.de/2026/02/pressemitteilung-chomsky-epstein/
Es reicht | Der Rubikon ist überschritten, Wolf Wetzel, 2018: https://wolfwetzel.de/index.php/2018/01/29/es-reicht-der-rubikon-ist-ueberschritten/
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