Wenn Kinder israelische Bomber vom Himmel der Allmächtigkeit holen – Berlinale 2026

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Wenn Kinder israelische Bomber vom Himmel der Allmächtigkeit holen – Berlinale 2026

 

Es gehörte zu dem Spagat zwischen Exekution der deutschen Staatsraison und unabhängigem/politischem Film, dass die Programmleitung auch gute, politische Filme am äußersten Rand eingebaut hatte.

Diese mussten „nur“ zwei Bedingungen erfüllen:

Der Genozid durch die israelische Armee durfte nicht vorkommen. Genauso wenig durfte die jahrzehntelange Besatzung von palästinensischen Gebieten (Gaza/Westjordanland/Ost-Jerusalem) thematisiert werden.

Beides würde nämlich das Narrativ vom ‚Selbstverteidigungsrecht‘ Israels wie Feinstaub die Lungen vergiften.

Eine Besatzungsmacht übt kein Selbstverteidigungsrecht aus, wenn sich die unter der Besatzung Lebenden dagegen aufbegehren. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob sie das friedlich oder bewaffnet tun, ob sie sich ans „Kriegsrecht“ (UN-Völkerrecht) halten oder nicht.

Was eine Besatzungsmacht in einem solchem Fall tut, ist die illegale Besatzung aufrechtzuerhalten. Und genau das tut sie nicht erst seit dem 8. Oktober 2023.

 

Wenn diese zwei zentralen Punkte nicht in Wettbewerbs-Filmen auftauchen, dann wollten man sich damit schmücken, der Kritik der Säuberung entgegenwirken.

Dazu gehörte auch der der Kurzfilm von Marie-Rose Osta, Gewinnerin des Besten Kurzfilmes auf der Berlinale 2026:

 

Someday a child.

 

„Den Goldenen Bären der Kurzfilme heimst „Someday a Child“ von Marie-Rose Osta ein, der für seine „stille Kraft“ gelobt wird. Ein Kriegsfilm aus der Sicht eines Kindes mit Superkräften.

 

„Die Berlinale ist sichtbar, sie ist ein Ort, von dem ich nicht möchte, dass er uns weggenommen wird“, sagt Osta. Gleichzeitig spreche nicht nur die Filmemacherin, sondern auch der Mensch in ihr:

 

„Die Kinder in Gaza haben keine Superkräfte, damit sie vor israelischen Bomben geschützt werden“, liest Osta ihre Rede von ihrem Smartphone vor. „Vier Kinder wurden im Libanon erst gestern getötet.“ Sie spricht von „Völkermord“ und davon, dass die Kinder in Gaza und Libanon keine Verhandlungsmasse seien.“ (welt.de vom 24.2.2026)

 

Der Film Someday a Child basiert auf einer persönlichen Erfahrung aus ihrer Jugend in Beirut 2006, als israelische Kampfjets erstmals über die Stadt flogen. Instinktiv sagte sie damals „boom“, kurz bevor eine Explosion erfolgte – was sie kurzzeitig glauben ließ, sie hätte die Bombe verursacht. Dieses Erlebnis prägte sie tief und wurde zum Ausgangspunkt für die Geschichte eines Kindes mit Superkräften, das Kriegsflugzeuge stoppt, weil sie seinen Schlaf stören.

Man sollte sich ihre Rede anhören, unbedingt. Man spürt ihre Aufregung, denn in dieser Welt haben keine Kinder (wo auch immer) Superkräfte, sondern sind im aller besten Fall „Verhandlungsmasse“. Dazu gehören sehr konkret mehrere Hundert Kinder und Minderjährige, die gekidnappt wurden und in israelischen Gefängnissen gehalten werden, um bei einem Gefangenenaustausch als Tauschobjekte eingesetzt zu werden.

Oder sie werden verstümmelt, ermordet, wie Marie-Rose Osta in ihrer Dankesrede erwähnt. Sie lebt im Libanon, einer der vielen Länder, die beliebig überfallen, bombardiert und durch Terroranschläge der israelischen Armee im Ausnahmezustand leben müssen.

 

Hier ihre eindrucksvolle Dankessrede vom 21.2.2026:

https://www.facebook.com/reel/926906133138619

 

Wolf Wetzel

 

Quellen und Hinweise:

Von Bären und Grammophonen, Wolf Wetzel, 2026: https://www.manova.news/artikel/von-baren-und-grammophonen

Die Berlinale 2024. Ein Stofffetzen und ein paar Palästinensertücher, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/03/05/die-berlinale-ein-stofffetzen-und-ein-paar-palaestinensertuecher/

Was die Berlinale diesmal bietet, Sophie Albers Ben Chamo, Jüdische Allgemeine vom 11. Februar 2026: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/was-die-berlinale-diesmal-bietet/

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich, Sophie Albers Ben Chamo, Jüdische Allgemeine vom 13. Februar 2026: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/eine-respektvolle-berlinale-scheint-moeglich/

Wim Wenders: Berlinale hält sich politisch nicht raus, welt.de vom 15. Februar 2026: https://www.welt.de/regionales/berlin/article250119228/Wim-Wenders-Berlinale-haelt-sich-politisch-nicht-raus.html

Tilo fragt Berlinale-Jury zu Gaza & selektiver Solidarität, 12. Februar 2026: https://www.youtube.com/watch?v=QqjOw7QXrxs

„Unerhörte Aussagen“ der Jury zu Gaza: Indische Autorin Roy sagt Teilnahme an Berlinale ab, merkur.de vom 14. Februar 2026: https://www.merkur.de/politik/kontroverse-um-berlinale-jury-autorin-roy-sagt-teilnahme-ab-zr-94170172.html

Eine Zensur in Deutschland findet nicht statt. Wenn doch, dann ist es ein Glitch, Wolf Wetzel, 2026: https://wolfwetzel.de/index.php/2026/02/16/eine-zensur-in-deutschland-findet-nicht-statt-wenn-doch-dann-ist-es-ein-glitch/

 

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