One-sided
In many justifications for refusing public spaces in Germany, the “argument” that the organizers and their views are one-sided is repeatedly put forward in the context of Palestine events. This would contradict scientific standards to which universities, for example, feel committed.
That sounds understandable somehow. Who wants to be one-sided?
However, if you think about it for a moment, the absurdity of this accusation becomes obvious.
Let’s examine this claim without hesitation using a few examples.
If you want to organize an event against fascism, against fascist tendencies in Europe, wouldn’t you have to consider and explain the advantages of fascism in order not to be one-sided?
If you want to organize an event against racism, wouldn’t you have to explain and appreciate the positive aspects of racism in order not to be one-sided?
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And if you want to organize an event against anti-Semitism, wouldn’t you have to explain the enormous profits that can be made from anti-Semitism in order not to be one-sided?
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And if you want to organize an event in support of Palestine—to return to our starting point — would you have to mention the tremendous benefits of war crimes and the fine art of genocide, as well as the impeccable motives of those involved in genocide, in order to avoid being one-sided?
This would, of course, also apply to criticism of Israel’s occupation policy in Lebanon, Syria, the West Bank, and East Jerusalem. In this case, one would then have to simultaneously demonstrate and elaborate on the inestimable benefits that occupation brings and who profits from it.
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If the Israeli parliament is currently discussing openly and in all its diversity whether Palestinian prisoners may also be murdered, then surely – in order not to be one-sided – it should also be possible to ask the question and discuss in a multifaceted way whether and when Israeli politicians may be murdered?
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Have I understood all this correctly?
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I would like to preempt the many well-meaning and balanced responses with a one-sided answer:
It is not the perspective, that is one-sided.
One-sided
are the basic conditions for this state of war, which has lasted for over 70 years.
Wolf Wetzel
Einseitig
In vielen Begründungen zur Verweigerung öffentlicher Räume in Deutschland wird im Kontext von Palästina-Veranstaltungen immer wieder das „Argument“ vorgeschoben, dass die Veranstalter und deren Sicht einseitig seien. Dies stände im Widerspruch zu wissenschaftlichen Standards, denen sich Universitäten zum Beispiel verpflichtet fühlen.
Das klingt irgendwie verständlich. Wer will schon einseitig sein?
Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, dann wird jedoch die Absurdität dieses Vorwurfes offensichtlich.
Gehen wir diese Vorgabe bedenkenlos an einigen Beispielen durch.
Wenn man eine Veranstaltung gegen den Faschismus, gegen faschistische Tendenzen in Europa machen will, müsste man doch – um nicht einseitig zu sein – die Vorzüge des Faschismus berücksichtigten und darlegen?
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Wenn man eine Veranstaltung gegen den Rassismus machen will, müsste man – um nicht einseitig zu sein – die schönen Seiten des Rassismus darlegen und würdigen?
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Und wenn man eine Veranstaltung gegen den Antisemitismus machen will, müsste man – um nicht einseitig sein – den gewaltigen Gewinn darlegen, den man mit Antisemitismus erzielen und erwirtschaften kann.
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Und wenn man – wir kommen zum Ausgangspunkt zurück – eine Palästina-Veranstaltung machen will, müsse man – um nicht einseitig zu sein – neben dem Vorwurf des Völkermordes und der Kriegsverbrechen auch den großartigen Nutzen von Kriegsverbrechen und die hohe Kunst des Genozides gebührend erwähnen und die tadellosen Motive der Genozid-Beteiligten ins Licht rücken, anstatt all dies zu „dämonisieren“.
Wenn ganz aktuell im israelischen Parlament in aller Offenheit und Vielfältigkeit darüber diskutiert wird, ob auch palästinensische Gefangene ermordet werden dürfen, dann wird man doch wohl – um nicht einseitig zu sein – auch die Frage stellen und vielseitig diskutieren dürfen, ob und wann man israelische Politiker ermorden darf?

Habe ich das jetzt alles richtig verstanden?
Ich möchte den vielen wohlmeinenden und ausgewogenen Antworten mit einer einseitigen Antwort zuvorkommen:
Einseitig ist nicht die Betrachtungsweise.
Einseitig
sind die Grundbedingungen für diesen über 70 Jahre anhaltenden Kriegszustand.
Wolf Wetzel | 12.11.2025
Quellen und Hinweise:
Es gibt viele Gründe für den „7.Oktober“, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/04/04/es-gibt-viele-gruende-fuer-den-7-oktober-2023-teil-iii/
Ein wunderbarer Kommentar: https://www.facebook.com/reel/734918482938397
Der eliminatorische Nationalismus. Zwischen Krieg und Krieg in Gaza um Palästina, Wolf Wetzel, 2023: https://wolfwetzel.de/index.php/2023/11/29/der-eliminatorische-nationalismus-zwischen-krieg-und-krieg-in-gaza-um-palaestina/
Das israelische Kriegskabinett tut alles, dass sich Auschwitz wiederholt, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/05/12/das-israelische-kriegskabinett-tut-alles-dass-sich-auschwitz-wiederholt/
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