„7. Oktober“ – Zwei Zeitrechnungen – zwei Welten
Morgen jährt sich der „7.Oktober“ zum zweiten Mal. Es geht um den 7. Oktober 2023. Wir werden zwei komplett verschiedene Gedenken erleben.
Das eine Gedenken fängt am 7. Oktober 2023 an und hört am 8. Oktober 2023 auf. Mit diesem Tagesblick ist das gemeint, was auf israelischem Gebiet an diesem einen Tage passierte. In diesem Tagesrückblick gibt es nur Terroristen, die von Gaza nach Israel eindrangen und Massaker an Zivilisten verübt hatten und die Verschleppung von Zivilisten als Geisel.
Dieser eine Tag wird ausnahmsweise in ein Geschehen eingebettet, dass etwa sechs Jahre andauerte, der Holocaust, die Shoa. In dieser Einordung spielt ganz ausnahmsweise Zeit gar keine Rolle, nicht einmal der ansonsten oft zurecht erhobene Vorwurf, man relativiere mit solchen und anderen Vergleichen den Holocaust, die Shoa.
In dieser Geschichtsbetrachtung taucht kein 4. Oktober, kein 5. Oktober, kein 6. Oktober auf. Und der 8. Oktober und alles danach, also in etwa 700 Tage zusammengenommen, ist ganz dem „Verteidigungsrecht“ Israels gewidmet – egal, wo es sich „verteidigte“.
Die andere Erinnerung
In der anderen Erinnerung ist der 7. Oktober 2023 auch ein besonderer Tag. Nach Monaten, nach Jahren der Besatzung kommt es zu einem Ausbruch aus dem Freiluftgefängnis „Gaza“, in dem die Menschen in Gänze der Besatzungsmacht ausgeliefert sind. Was an diesem eine Tag alles passiert ist, was verschwiegen wird, was gar nicht aufgeklärt werden soll, ist eine eigene Geschichte wert.
Diese eine Tag kam nicht aus dem Nichts und verschwindet auch nicht im Nichts. Im Gegenteil: Es wird Tag für Tag sichtbarer und greifbarer:

Die Nakba 1948, die jahrzehntelange Vertreibung und Erniedrigung, die Besatzung von palästinensischen Gebieten (Gaza, Westjordanland, Ost-Jerusalem), die zahlreichen Kriege, um dieses Okkupation und Annektion aufrechtzuhalten, die jahrzehntelange Missachtung von UN-Völkerrecht, die systematische Auslöschung eines Palästinas, der Komplizenstatus des „Wertewestens“.
All das und viel mehr erzählt nicht nur der 7. Oktober 2023, sondern jeder Tag danach, der sich in das Kontinuum der jahrzehntelangen Besatzung einreiht.
Mit jeden Tag des israelischen Vernichtungskrieges, der Palästina auslöschen will, wird diese Geschichte lebendig und verteilt sich wie Blütenstaub über die ganze Welt.
Wolf Wetzel
Quellen und Hinweise:
Es gibt viele Gründe für den „7.Oktober“, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/04/04/es-gibt-viele-gruende-fuer-den-7-oktober-2023-teil-iii/
Ein wunderbarer Kommentar: https://www.facebook.com/reel/734918482938397
Der eliminatorische Nationalismus. Zwischen Krieg und Krieg in Gaza um Palästina, Wolf Wetzel, 2023: https://wolfwetzel.de/index.php/2023/11/29/der-eliminatorische-nationalismus-zwischen-krieg-und-krieg-in-gaza-um-palaestina/
Das israelische Kriegskabinett tut alles, dass sich Auschwitz wiederholt, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/05/12/das-israelische-kriegskabinett-tut-alles-dass-sich-auschwitz-wiederholt/
Gefährliches Fahrwasser. Über Gaza bis Katar, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/09/16/gefaehrliches-fahrwasser-ueber-gaza-bis-katar/
Der „Friedensplan“ mit Leichen(geruch), Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/10/01/der-friedensplan-mit-leichengeruch/
Sparta. Super-Sparta. Ende, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/09/17/sparta-super-sparta-ende/
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