Promis entdecken den Vernichtungskrieg in Gaza

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Promis entdecken den Vernichtungskrieg in Gaza

Über 160 Promis aus der Film-, Kultur- und Medienbranche haben sich jetzt zu Wort gemeldet. Mittlerweilen sind es über 350 Prominente. Unter den Unterzeichnern sind die Schauspieler Benno Fürmann, Christiane Paul, Meret Becker und Jürgen Vogel sowie die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.

Zu den Promis, die diesen Aufruf teilen, gehört auch Dieter Hallervorden. Er hat sich lange vorher klar und eindeutig zu dem Genozid in Gaza geäußert und wurde dabei nicht nur von seinen Kollegen alleine gelassen. Das dreiminütige Video, dass im April 2024 veröffentlicht wurde, hatten die staatsnahen Medien mit lautstarker Ablehnung quittiert. Der Zentralrat der Juden erklärte Hallervordens Einspruch – fachfremd – für „wirr“ und „fragwürdig“. Sicherheitshalber hielt ihm der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, vor, „kein antiisraelisches Klischee“ ausgelassen zu haben.

 

Die allermeisten  hatten sie sich jedenfalls viel Zeit gelassen: Gaza ist seit Langem ein einziger Steinhaufen. Leben ist dort das Warten auf den Tod – in welcher Form auch immer.

Fast zwei Jahre haben sie nichts dazu gesagt, was auch immer sie gesehen haben, was auch immer sie gewusst haben.

 

Und: Man konnte sehr viel, viel zu viel wissen, was ab dem 8. Oktober 2023 in Gaza passiert, was laut angekündigt wurde, was niemand verborgen geblieben ist: Ein Vernichtungskrieg in Gaza, der weder am 8. Oktober 2023, noch danach ein „Verteidigungskrieg“ war.

Diese Prominenten sind wahrscheinlich halbwegs bildungsnah, also social media-affin, also das vermeintliche Gegenteil von „bildungsfern“.

In einem von Israel seit 1967 besetzten Land, in Gaza, gibt es kein „Verteidigungsrecht“ der Besatzer, sondern nur eines: die Besatzung zu beenden. Und wenn die Besatzer angegriffen werden, dann verteidigen sich nicht die Besatzer, sondern halten den Völkerrechtsbruch mit allen Mitteln aufrecht.

Das wissen, das konnten auch diese „Promis“ wissen. Nicht das vor ihren Füssen liegende Wissen hat sie zum Nicht-Mitmachen bewegt. Nicht das tägliche Morden brachte sie aus der Ruhe. Und auch 60.000 Ermordete oder 200.000 Ermordete hätten daran nichts geändert. Selbst das wenige, das durch die Laufstallmedien tröpfelte, war eigentlich nicht zum Aushalten.

 

Warum jetzt?

Es wird viele geben, die sagen werden, es sei nie zu spät und man brauche heute mehr denn jede (prominente) Stimme, gerade in Deutschland, die ein wenig Einspruch erhebt und von dem Bundeskanzler Friedrich Merz etwas erwartet, der – wenn überhaupt – einem toten Briefkasten gleicht.

Keine Frage: Es wird einige geben, die lange gezweifelt haben, die hin- und hergerissen waren, die sich eigentlich ganz raushalten wollten, für die das Thema Israel eine No-go-Area war, die man besser nicht betritt, weil man alles falsch machen kann.

Aber, ich kann Nina Maleika sehr gut verstehen. Sie kommt aus dieser Branche. Sie hat dort lange gelebt, gut verdient und kennt einige recht gut – im Gegensatz zu mir.

Ich teile ihre Wut, ihr Misstrauen gegenüber dieser unerklärlichen Wandelung. Ich kenne diese Prominenten nicht, aber ich möchte von ihnen wissen:

 

  • Was war euer Grund, fast zwei Jahre zu schweigen?
  • Was hat euer Offener Brief mit eurer Karriere zu tun, was mit dem Vernichtungskrieg in Gaza?
  • Warum nutzt ihr nicht jetzt die Gelegenheit, alle jene in Schutz zu nehmen, die vor euch das Maul aufgemacht haben?
  • Warum benennt ihr nicht alle jene, die aufgrund ihrer Palästina-Solidarität ihren Job verloren haben, ihre Auftrittsmöglichkeiten eingebüßt haben, angefeindet und ausgegrenzt wurden?
  • Warum macht ihr nicht jetzt mit alle jenen „KollegInnen“ gemeinsame Veranstaltungen und Auftritte, um dieser Haltung Respekt und Anerkennung zollen?

 

Weder diese „Prominenten“ noch wir können den Vernichtungskrieg in Gaza beenden. Aber wir können hier Stellung nehmen, nicht im Gratis-Bereich, sondern mit dem erkennbaren und absehbaren Risiko, dass wir uns vor all die stellen, die seit fast zwei Jahren verprügelt, festgenommen, angeklagt, denunziert und mundtot gemacht werden (sollen).

 

Warum ergreift ihr also nicht das Wort für jene, die hier etwas getan haben, wofür ihr erst jetzt ein paar Worte findet?

 

In der Tat: Es ist nie zu spät.

 

Wolf Wetzel

 

Quellen und Hinweise:

Über 350 Prominente fordern: Lassen Sie Gaza nicht sterben, Herr Merz. Der Offene Brief| https://secure.avaaz.org/campaign/de/haben_sie_mut/

Jetzt äußert sich der Zentralrat der Juden zu Hallervordens Gaza-Video, welt.de vom 19.4.2024: https://www.welt.de/vermischtes/article251103430/Didi-Hallervorden-Jetzt-aeussert-sich-der-Zentralrat-der-Juden-zum-Gaza-Video.html

Gaza … Gaza, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/04/17/gaza-gaza/

Nina Maleika, Facebook-Account: https://www.facebook.com/reel/1016219410425989/?s=single_unit

Gaza-Verteilzentren: Ex-Helfer erhebt schwere Vorwürfe – „Wie bei den Hungerspielen“, ntv 2025: https://www.youtube.com/watch?v=OJ8zZQyNBtM

Der eliminatorische Nationalismus. Zwischen Krieg und Krieg in Gaza um Palästina, Wolf Wetzel, 2023: https://wolfwetzel.de/index.php/2023/11/29/der-eliminatorische-nationalismus-zwischen-krieg-und-krieg-in-gaza-um-palaestina/

Das größte KZ der Welt, Wolf Wetzel, 2025: https://wolfwetzel.de/index.php/2025/07/09/das-groesste-kz-der-welt/

 

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