Vom überwachten Lesen zum Schweigen der Lämmer

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Vom überwachten Lesen zum Schweigen der Lämmer

In den 1980er Jahren war gefährliches Lesen noch eine Herausforderung. Man musste das Verbotene verbotenerweise als Schwarzdruck (also ohne Impressum) unter die Menschen bringen wie zum Beispiel die Zeitschrift “Nicht zu Fassen”.

 

Die Zugänglichkeit zu solchen Zeitungen war also eingeschränkt. Dazu gehörte auch die Zeitschrift “Radikal”. Von Staatsseite aus versuchte man die MacherInnen zu identifizieren. Man überwachte verdächtige Personen wochen- und monatelang. Gleichzeitig gab man sich große Mühe, die Druckerei zu finden, die das druckt, aber auch die Verteilerstellen (Buchläden, Infoläden, Zentren etc.).

Mit dem Internet und den vielen Internetportalen ist das gefährliche Wissen um ein vielfaches einfacher zu verbreiten – auch wenn die Anstrengungen von staatlicher Seite wachsen, diese Internetportale unter Kontrolle zu bringen.

Die zahlreichen Möglichkeiten, staatlichen Zensurmaßnahmen zu umgehen, korrespondieren mit den zahlreichen Möglichkeiten, gefährliches Wissen aus dem Verkehr zu ziehen. Dazu gehören offene Methoden wie Internetportale zu schließen, die konzerneigene Zensurmaschinerie zu steigern, bis hin zu weniger sichtbaren Möglichkeiten, die Verbreitung gefährlichen Wissens zu strangulieren (Erreichbarkeit einschränken, Shadow Banning etc.)

Der Text: “Facebook zerschlagen”

Facebook zerschlagen

geht diesen Veränderungen und neuen staatlichen Strategien nach.

Aber es bleibt noch eine große Frage offen und zu beantworten:

Wenn es stimmt, dass das gefährliche Wissen heute – trotz alledem – einen größeren Verbreitungsgrad hat und von (fast) jedem Winkel der Erde zugänglich ist, bleibt die Frage, warum dennoch so viele “Schweigen wie die Lämmer”.

Liegt es an der stärker werdenden Repression? Liegt es an den wachsenden Schwierigkeiten, dieses Wissen in die Tat umzusetzen? Liegt es an der Vereinzelung?

Lesen kann man alleine. Aber die Ohnmacht überwindet man meist zusammen.

 

Wolf Wetzel | 17.6.2024

Quellen und Hinweise:

Facebook zerschlagen, Wolf Wetzel, 2019: https://wolfwetzel.de/index.php/2019/05/01/facebook-zerschlagen/

 

 

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