Herzschläge … Nicht-Wissen und Desorganisation. Von Markus Mohr

Veröffentlicht von

Herzschläge … Nicht-Wissen und Desorganisation

Ein paar Herzrhythmusstörungen beim Lesen des Buches „Herzschläge“ zur Geschichte der Revolutionären Zellen /RZ.

„Ich beharre fest darauf, daß jemand, der keine Untersuchungen anstellt, auch kein Mitspracherecht haben kann. Es gibt viele Leute, die, >kaum daß sie aus dem Wagen gestiegen sind<, einen Riesenwirbel zu machen beginnen, überall ihre Meinung zum Besten geben, das eine kritisieren, das andere tadeln; solche Leute werden aber ausnahmslos Schiffbruch erleiden. Denn diese Meinungen und kritischen Äußerungen, die nicht auf gründlichen Untersuchungen beruhen, sind nichts als ein Geschwätz von Ignoranten. Unsere Partei hat durch solche >Allerhöchstbevollmächtigte< unzählige Male Schaden davongetragen. Es wimmelt nur so von diesen Leuten, fast überall schwirren sie herum.“

Mao Ze Dong (Chairman), in: Vorwort und Nachwort zur Untersuchung der Verhältnisse im Dorf (März und April 1941), Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. III

Anfang dieses Jahres ist unter dem Titel: „Herzschläge“ ein Buch mit drei Aktivisten der Gruppe Revolutionären Zellen (RZ) erschienen: Die auf dem Buchtitel als „Ex-Militante“ angekündigten werden als „Paul“ „Willi“ und „Fritz“ vorgestellt und führen mit zwei exemplarischen Autonomen namens „Benny“ und „Andy“ ein Gespräch, das sich in zwanzig Kapiteln auf rund 300 Seiten erstreckt. Auf dem Klappentext findet sich aus Reklamegründen zunächst mit dem Hinweis darauf dass „das in diesem Buch aufgezeichnete Gespräch (…) nicht nur entscheidende Einblicke in den Gruppenzusammenhang der RZ“ eröffnet, eine instruktive Formulierung. In den 1960er/70er Jahre wäre das durch einen Verlag gleich rechts unten auf dem Cover mit der gelben Leuchtbanderolle: „Enthüllungsreport RZ“ mit dem Ziel gepackt worden, noch mehr Kundinnen zum Kauf dieses „Enthüllungsreportes“ zu verführen. Doch der Satz auf dem Rücktitel geht ja nun weiter und er kündigte mit der Ansage, dass die RZ dieses Buch „als Teil einer kritischen Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte“ verstehe, eine ehrenwerte Absicht an. Und weiter wird ausgeführt, dass das Buch „unter anderem die Frage (stellt), welche Schlüsse aus den Erfahrungen der Gruppe für heutige Militante zu ziehen wären und welche Bedeutung sie für heutige und zukünftige Kämpfe haben könnten.“ Das ist gut gesagt, denn natürlich sollen die heutigen Militanten in den aktuellen Mieter*innen-Bewegungen, bei Ende Gelände, Antifa, Black Lives Matter und Rheinmetall entwaffnen, für die weiteren Perspektiven und Taktiken ihres Kampfes aus dem im Zusammenhang mit den RZ  akkumulierten Erfahrungen  lernen, was denn sonst? Ihre Kämpfe gegen die aktuell sehr schlecht verfassten herrschenden Verhältnisse auf der Welt sind außerordentlich wichtig, sie lohnen sich schon jetzt, aber ganz sicher ist hier erst mal nur, dass jede auf vollständige Legalität und Gesetzeskonformität beruhende Kampftaktik nur dafür sorgen wird, bei der Durchsetzung der eigenen Ziele „in der Zivilgesellschaft“ zu scheitern. Das die ProduzentInnen von Herzschläge diese Bewegungen adressieren, ist ein nobles Anliegen. Klar ist aber auch, dass das mit der zugleich als „kritisch“ – angekündigten „Aufarbeitung“ eher diffizil, grau und mühselig zu bewerkstelligen ist. Nun denn, auf geht`s: Navigieren wir uns also irgendwo zwischen einer kritischen Aufarbeitung und dann auch noch ein paar sowas von „entscheidend“ empfundenen Einblicken durch das Subjekt unserer Lesebegierde.

Wer waren eigentlich die Revolutionären Zellen?

Eine Gruppe dieses Namens wurde erstmals im Mai 1975 in einer Zeitung namens „Revolutionärer Zorn“ überliefert.

 

In dem Cover dieses Pamphletes finden sich verschiedene Motive aus dem antiimperialistischen Befreiungskampf und der sozialen Unruhe in den Metropolen versammelt: Streikende Arbeiter aus Westdeutschland vermutlich aus dem Jahr 1969 sind darauf genauso abgebildet wie eine vietnamesische Guerillera. Zu sehen sind im Bild auch Landbesetzer in Lateinamerika, und der von den Roten Brigaden im Dezember 1973 – möglicherweise zur Freude von nicht wenigen FIAT-Arbeitern – für acht Tage verschleppte und vor ein Volkstribunal gestellte FIAT-Personalchef Ettore Amerio. Ein anderes Bild zeigt einen studentischen Aktivisten der US-amerikanischen Guerillagruppe Weathermen im Straßenkampf. Und dann steht in der unteren Reihe dem Bild des von den chilenischen Militär-Putschisten bombardierten Präsidentenpalastes eine fröhlich grinsende und bewaffnete Kinderbande gegenüber, die wohl in sympathischer Weise die Zukunft dieser Guerillagruppe verheißen soll. In dieser Ausgabe des „Revolutionären Zorn“ übernahm eine RZ die Verantwortung für vierzehn Anschläge, die sie seit Ende 1973 verübt hatte.  Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1975 ist zu dieser Zeitung halbwegs wahrheitsgetreu überliefert,

dass als „Angriffsschwerpunkte Einrichtungen des >Imperialismus<, >Filialen und Komplicen des Zionismus< in der Bundesrepublik Deutschland und Personen und Organisationen, die an der >Unterdrückung< von Arbeitern, Jugendlichen und Frauen beteiligt seien,“ benannt werden.  Und weiter heißt es:  „Die >Revolutionäre Zelle< propagierte in ihrem Blatt die Fortentwicklung von >Stadtguerillas< als Basis für eine spätere >Massenperspektive<. >Vergeltungs- und Bestrafungsaktionen< hätten, so wird weiter ausgeführt, nur dann einen Sinn, wenn sie sich häuften und nachgemacht würden, >wenn überall Autos, Villen, Flugzeuge, Gemäldesammlungen brennen<“. Erst eine Vervielfachung solcher Aktionen werde „>erzieherische Wirkung<  haben.“ (FN 1)

22 Jahre später, Ende. Juli 1995 wurde schließlich der wohl bislang letzte Anschlag einer Gruppe der RZ, die sich in ihrer Geschichte in dutzende von Gruppen vervielfacht hatte vermeldet. Eine Gruppe namens Rote Zora verübte einen Sprengstoffanschlag gegen ein Gebäude einer Werft in Lemwerder bei Bremen, die u. a. Aufträge zugunsten der türkischen Marine ausführte.  Sie verstand diese Aktion aus Ausdruck ihres Kampfes gegen das Patriarchat und als Protest gegen die Asyl- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Dazu hat sich die Rote Zora in Form einer Erklärung geäußert, die einem längeren Diskussionspapier gleichkommt. (FN 2) So oder so: In Form und Inhalt haben die RZ sowohl in Theorie und Praxis die Gravur der linken Fundamentalopposition in der Bundesrepublik der 19760er und 1980er Jahre bereichert. Womit wir auch schon beim Thema des vorliegenden Buches wären. Diskutiert wurde bestimmt innerhalb des Zusammenhanges der RZ Zeit ihrer Existenz viel, und manchmal dienten Anschläge eben auch dazu, eben diese als wichtig erachteten Diskussionen zu befördern.

Ab der Jahreswende 1991/92 wurden von RZ wenigstens fünf längere Erklärungen veröffentlicht. Sie wurden 1993 von einem anonymen Autorenkollektiv im ID-Archiv im IISG/Amsterdam einer Anthologie unter dem Titel: „Früchte des Zorns. Texte und Materialien zur Geschichte der Revolutionären Zellen und der Roten Zora“ vorangestellt. Wenn man will, könnte man diese Texte in einer Gesamtschau als eine Art Abschluss-Diskussion der Organisation interpretieren. Doch ganz im Unterschied zu den in der RAF organisierten Genossinnen, die ihre Organisation im März 1998 explizit auflösten – „Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte“ (FN 3) – blieb eine diesbezügliche Erklärung der RZ bis auf den heutigen Tag aus. In einem Ende Mai 1992 in der Autonomen Gazette Interim publizierten Papier wurde ausgerechnet von der RZ, die Mitte Dezember 1991 zuvor ein Papier zur Ermordung des RZ-Gründungsmitglied Gerd Albartus veröffentlicht hatte,

gegen „den mainstream politischer Resignation“ nunmehr der „Versuch“ behauptet, „unseren Teil zu einer grundlegenden Debatte über die Neubestimmung linksradikaler Politik beizutragen.“ Dazu zählten die Verfasserinnen damals auch die

„Notwendigkeit (…), unsere Strukturen aufrecht zu erhalten, damit unsere Beiträge sich nicht auf die Veröffentlichung von Diskussionspapieren beschränken müssen.“ (FN 4)  

Das ist gutgesagt! Und was wurde daraus? Gute Frage, nächste Frage! In den unmittelbar nach dem Anschlag auf die Lürssen-Werft 1995 durch die RZ/Rote Zora nachfolgenden Jahresberichten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der zwar nicht als Schwert aber doch als Schild der Bundesregierung fungierenden Behörde, las man nur noch die Modulformulierung: „Anschlagsaktivitäten oder Verlautbarungen der terroristischen >Revolutionären Zellen < (RZ)/ Rote Zora< blieben auch 1998 aus“. (FN 5) Im Sommer des Jahres 2001 meldeten sich dann einige Mitglieder der RZ wohl aus Anlass eines umfangreichen Strafprozesses gegen einige den RZ zugerechnete Aktivistinnen in Berlin noch einmal mit einem längeren Papier zu der Organisationsgeschichte zu Wort. (FN 6) Das war`s dann erstmal. Nun 21 Jahre später, liegt nun ein zum Teil unterhaltsam komponiertes Gesprächsbuch zur Geschichte einer auf Konspiration und Militanz setzenden Organisation vor, dass in einem ersten Lektüregang flott durch geknuspert werden kann. Fast 20 Kapitel führen durch die von der Geheim-Organisation in rund 20 Jahren bearbeiteten Themenfelder: Die Liste hier ist lang geworden, sie reicht von der „Wahl der Waffen“, über „Massen Militanz und Sabotage“, zu „Rückschlägen und Razzien, bis hin zu „Verrat und Solidarität“. Ganz offenkundig tauschen sich die Ex-RZler „Paul“ „Willi“ und „Fritz“ zusammen mit den beiden exemplarischen Autonomen „Benny“ und „Andy“ in der Printöffentlichkeit relativ frei über die Möglichkeiten und Grenzen extralegaler Gewalt und einer diesbezüglichen Organisierung gegen die Zumutungen des nach dem Verschwinden der Sowjetunion am 25. Dezember 1991 total gewordenen kapitalistischen Universums aus. Das illustriert schon mal auf eine außerordentlich sympathische Art und Weise etwas was im jiddischen Sprachschatz als „Chuzpe“ benannt wird. In gewisser Weise kann das Buch auch als eine erste Historisierung der RZ gelten. Und auch da fangen schon – wie sollte es auch anders sein – einige Probleme an. Ein paar davon sollen hier skizziert werden.

Konspiration vice versa Öffentlichkeit: Probleme in der Betriebspraxis einer militanten Organisation

Natürlich muss eine bewaffnet kämpfende Organisation schon deshalb konspirativ sein, weil es eine staatliche Lizensierung nach dem Vereinsrecht oder ähnlichem für eine militant im Geist einer Stadtguerilla operierenden Gruppe natürlich niemals geben kann. Und was macht die konspirativ agierende Organisation, wenn sie sich für fremde Dritte öffentlich äußert? Richtig: Sie teilt ein Wissen mit, dass das Odium des Geheimen atmet, dass irgendwie immer auch ein bisschen Geheimwissen ist. Und eben das dürfen einfache Leserinnen wie z.B. der Verfasser dieser Zeilen von einem auf dem nächsten Moment in der einen oder anderen Weise aufschnappen. Und was dann? Lässt sich denn hier auch zurückfragen?

Für diese Frage- wie Problemstellung gibt es gute Gründe aus der Auseinandersetzung mit der Publikationspolitik der RZ in der Vergangenheit. Mitte Dezember 1991 veröffentlichte eine RZ ein Papier unter der Überschrift „Gerd Albartus ist tot“, dass zwar auch durch seinen vielfältigen Nachdruck eine weite Resonanz erzielte, was aber auch nichts daran änderte, dass damit die interessierte Öffentlichkeit argumentativ an der Nase herumgeführt wurde. Insofern ist auch heute noch jeder Anflug eines naiven Vertrauens erst mal völlig unangebracht. Schon in den damals zu dem Albartus-Papier in der linksradikalen Szenerie auch schriftlich geführten Diskussionen bestand eines von vielen Problemen darin, konkret nachfragen zu können. Aktivistinnen einer notwendig konspirativ agierenden Organisation sind ja nun nicht so leicht ansprechbar, auch eine Post- oder – heute etwas moderner gefasst –  E-Mail-Adresse ist in der Regel unbekannt. Es gab damals in den frühen 1990er Jahren zu dem im Albartus-Papier gerade in Bezug auf die in der Erklärung prominent zur Sprache gebrachten Details zum Akt der Luftpiraterie nach Entebbe die auch öffentlich geäußerte Bitte Aufklärung im stets komplexen Detail zu stiften. Es hatte dazu von einer anderen RZ in einer Stellungnahme direkt fundamentalen Widerspruch gegeben. (FN 7) Und was passierte daraufhin? Die so direkt adressierte RZ watschte diese Bitte zunächst mit der Formulierung, dass man „diese Art (von) Informationsbedürfnis nicht befriedigen“ wolle, ab. Und dann? Sie schob dann einfach zwei weitere Behauptungen nach:

„Wir bleiben aber bei unserer Feststellung, daß im Verlauf der Entebbe-Aktion selektiert worden ist, daß z.B. die in Entebbe ermordete Dora Bloch Jüdin und belgische Staatsbürgerin war“. (FN 8)

Von eben diesen sollte sich dann herausstellen, dass sie nicht stimmten. (FN 9) Erfolgte denn irgendwann seitens dieser RZ dazu eine Korrektur, die Rücknahme von falschen Tatsachenbehauptungen? Iwo. Denkbar hier, dass, wenn die Guerilla gerade mal wieder – vielleicht auch gerade wegen der Bullen –  nach Jotwehdeh verschwinden muss, dass sie dann natürlich keine Zeit mehr dazu hat, blöde Rückfragen zu beantworten.

Und dann sitzt natürlich bei dem ganzen Gespräch zur RZ immer auch die Polizei im Raum. Denn durch eine Reihe von Gerichtsurteilen in den Nullerjahren wurden die RZ – auch durch spezifische Arrangements einzelner Angeklagter mit der Bundesanwaltschaft – zur „Gesamtorganisation“ erklärt. Und das ist das Einfallstor dazu, dass die Sicherheitsbehörden immer noch auf die Klärung einer Reihe von Straftaten, darunter den verunglückten Anschlag auf den hessischen Wirtschaftsmister Heinz Herbert Karry im Mai 1981 setzen. Zugespitzt formuliert: Auch heute noch wollen Verfassungs- und Staatsschützer, sowie Bundesanwälte noch ein paar RZler, ob nun „Ex-Militant“ oder nicht, völlig egal, in U-Haft sehen. Eben das ist schon einmal von der Bundesanwaltschaft durch die ab Herbst 1998 erfolgte extensive Nutzung der Aussagen des Kronzeugen Hans-Joachim Klein jahrelang erfolgreich gegen Rudolf Schindler, Sonja Suder und Christian Gauger bewerkstelligt worden – Aussagen, die sich im Ergebnis der juristischen Aufarbeitung zwar allesamt nicht bewahrheitet haben. Aber auch egal, denn die von Suder, Gauger und Schindler deswegen abgesessenen rund fünf Jahre U-Haft macht das natürlich nicht ungeschehen. (FN 10) Eine Binse, dass aus einer Staatsschutzperspektive ein wie auch immer herbei begründeter Knast gegen Genossinnen, die irgendwie der RZ zugerechnet werden und die nicht dazu bereit sind zu kooperieren, immer besser ist als keiner. (FN 11)

Tückische Dampfplauderei zu „Entebbe“

Ein langes Kapitel in dem Buch widmet sich unter der schillernden Begrifflichkeit „Revolutionäre Moral“ mit dem, wie es dann weiter heißt, „Desaster von Entebbe“ (S. 47 – 73)

Entebbe/Uganda 1976

Für die Geschichte der Organisation sind einige der mit einer Flugzeugentführung verknüpften Themen und Fragen als Ereignis in zweierlei Weise zentral:

Gemeinsam mit der Organisation Popular Front for the Liberation of Palestine – External Operations, (PFLP-EO) ist es hier den RZ einmal in ihrer Geschichte gelungen Weltpolitik zu machen: Die unmittelbaren Wirkungen dieser Flugzeugentführung involvierten mit Uganda Israel, Frankreich, der Bundesrepublik, der Schweiz, Kenia, und Großbritannien sieben Nationalstaaten und lösten schließlich durch den israelischen Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln eine mehrtägige Debatte im UN-Sicherheitsrat aus.

Zum anderen verfasste eine Gruppe der RZ Mitte Dezember 1991, d.h. 15 Jahre danach, ein im Ton elegant formuliertes Papier unter dem Titel „Gerd Albartus ist tot“. In ihm wurde nicht nur die im Dezember 1987 erfolgte Ermordung dieses RZ-Genossen, der zur Gründungsgruppe der Organisation in den frühen 1970er Jahren gerechnet werden kann, thematisiert. Darin werden auch einige Aussagen zu den während der Flugzeugentführung auf dem ugandischen Flughafen vermuteten Handlungsabläufen getätigt. Dabei wurde in diesem Papier zu der Auswahl der Geiseln eine apodiktische Aussage getroffen:

„Die Selektion erfolgte entlang völkischer Linien. Daß die einzige Geisel, die die Flugzeugentführung nicht überlebte, ausgerechnet eine ehemalige KZ- Inhaftierte war, ging zwar nicht unmittelbar zu Lasten des Kommandos, lag aber nichtsdestoweniger in der Logik der Aktion.“ (FN 12)

Diese im Sound als unwiderleglich, unumstößlich, quasi als unmittelbar evident komponierte Aussage kam de facto einem politischen Selbstmord einer linken Organisation gleich, – wenn auch das in dem besagten Papier so explizit nicht ausgesprochen worden war.

Insoweit man sich mit der Geschichte der RZ als Organisation beschäftigt, kommt man also um die Reinterpretation dessen, was Anfang Juli 1976 in Entebbe passiert ist, und in Bezug dazu was eigentlich vorher und unmittelbar danach innerhalb der RZ diskutiert worden ist, gar nicht herum. Noch einmal zur Verdeutlichung, denn es handelt sich hier um wenigstens drei bedeutsame Stränge in der nachträglichen Darstellung:

  1. Was ist genau in Entebbe während der Flugzeugentführung passiert?
  2. Was wurde vorher dazu in den RZ diskutiert?
  3. Was wurde hinterher dazu in den RZ diskutiert?

Alles ist für sich genommen schon kompliziert genug. Und noch komplizierter wird es, wenn man sich dabei selbst auch noch in einer Organisationsgeschichte verortet, wie „Willi“, „Paul“ und „Fritz“ in der RZ. Betreibt man hier eher eine Selbstkritik oder eine Distanzierung? Das sind neben dem Ringen um die historische Wahrheit der Ereignisse in Entebbe, die Pole zwischen denen hier verhandelt wird. Was haben unsere Gesprächspartner dazu 46 Jahre danach vorzutragen? Es stellt sich dann im Laufe des Gespräches heraus, dass damals in Entebbe im Sommer 1976 keiner der Gesprächspartner vor Ort war. Mehr noch: Auch im Vorfeld davon wollen die drei RZ-Aktivisten nichts davon gehört haben, von einer dazu unmittelbar danach geführten Diskussion wissen sie auch nichts. Wenn das denn die Wahrheit ist, dann hätten sie die große Verpflichtung – sofern sie sich denn dazu für fremde Dritte in der Öffentlichkeit äußern – historisch tief zu graben, und auf Nachfrage auch auszuweisen, wo und wie sie denn historisch gegraben haben. Und was machen nun „Willi“, „Paul“ und „Fritz“ daraus? Sie nutzen im Buch einfach die Gelegenheit dem hier ganz zu Recht gespannten wie neugierigen Publikum in großen Teilen eine zum Teil unterhaltsame Dampfplauderei zuzumuten. Diskursiver Höhe- wie zugleich auch Tiefpunkt der ganzen Chose ist ein Dialog zu der Frage, wieso das entführte Flugzeug eigentlich in das weit entfernte Uganda geflogen worden war:

„Fritz“: Naja ich weiß nicht. Brigitte Kuhlmann soll doch mit Carlos befreundet gewesen sein.

„Willi“: Aber es ist nicht egal, ob Carlos Freundin oder Geliebte war?

„Fritz“: Wieso, über solche Schienen läuft doch viel.  (…)

„Paul“: Sicher, es hat auch Liebesbeziehungen in den RZ gegeben. (S. 56/67)

Wie bitte, ist das wahr? Oh, là, là. Doch bei allem feuchten Spaß an der Entpolitisierung, hier mal eine kalte Gegenfrage:  Die FlugzeugentführerInnen sollen sich mit der in Tel Aviv gestarteten Air France Passagiermaschine Flug 139 deshalb nach Entebbe verflogen haben, weil Brigitte Kuhlmann vorher mit Ilich Ramírez Sánchez – mit oder ohne Gummi bleibt offen – einen coolen Fick hingelegt hat? Wenn man so etwas in der Historisierung wie Interpretation zu Entebbe lesen muss, dann zuckt einem zunächst ein Fremdschämen durch den Kopf. Doch schon im nächsten Moment wechselt dieser Impuls in den Modus der Empörung über. Und so soll hier frei im Geist einer der instruktiven Ansprachen von Al Pacino an seine Jungs vom „Sharks“- Football-Team in „An jedem verdammten Sonntag“ „Willi“, „Fritz“ und „Paul“ zugerufen werden: „RZ-Genossen, hört endlich damit auf, mit eurem eigenen Schwanz zu denken!“

So illustriert auch diese Passage: Hier sprechen zum Teil politisch vielfältig interessierte Ahnungslose miteinander. Kaum, dass sie aus dem Auto ausgestiegen sind, machen sie einen Riesenwirbel. Würden hier die vom großen Vorsitzenden schon 1941 aufgestellten Regeln gelten, so wird erkennbar, dass das Gespräch gerade „nicht auf gründlichen Untersuchungen“ beruht und das auch deshalb die Partei „durch solche >Allerhöchstbevollmächtigte< unzählige Male Schaden“ davonträgt. Verdammt, wie kann es denn nur sein, dass hier die RZler Mitspracherecht beanspruchen? Die Antwort ist schlicht: Weil sie sich einfach – wenn auch durch Distanzierung – zur Partei rechnen.

So provoziert eben diese offensiv zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit bei längerem Nachdenken einige gravierende prinzipielle politische Probleme die RZ als Teil einer Geschichte der linken Fundamentalopposition der (West-) BRD ab den frühen 1960er Jahren zu verorten. Doch der Reihe nach.

Das Gespräch wird von dem exemplarischen Autonomen „Andy“ schon in der Eröffnungsbemerkung mit zwei falschen Feststellungen und einer gravierenden Auslassung eröffnet:

„Die israelische Armee überfiel den Flughafen Entebbe, tötet dabei mehrere ugandische Soldaten und die vier Entführerinnen. Ein Fluggast, die jüdische KZ-Überlebende Dora Bloch starb.“ (S. 48)

Nein. Zu dem Todesort von Dora Bloch, siehe die Fußnote Neun. (FN 9). Und darüber hinaus war sie auch deshalb keine „KZ-Überlebende“ weil sie Zeit ihres Lebens glücklicherweise nicht einen Tag in einem Konzentrationslager zubringen musste. Bemerkenswert ist bei diesem Eröffnungsstatement die Auslassung von „Andy“, die bei dem Sturm des Flughafentowers mutmaßlich von Einsatzkräften der israelischen Armee erschossenen drei Geiseln Ida Borovits, Pasco Cohen und Jean Jacques Maimoni keiner Erwähnung für würdig zu halten. (FN 13) Und dabei ist doch in der am Ende des Buches angehängten Chronologie von „drei Geiseln“ die Rede, die neben den anderen Genannten bei der Geiselbefreiung erschossen wurden. (S. 218) (FN 14)

Diejenigen, die damals nicht zu fragen hatten, oder vielleicht auch gar keine hatten, geben nun Antworten

Während des Gespräches entpuppt sich, dass die drei als Ex-RZler vorgestellten „Paul“ „Willi“ und „Fritz“ bei den konkreten Überlegungen und Planungen zu der Flugzeugentführung gar nicht dabei gewesen sein wollen. O-Ton „Fritz“:

„Was Entebbe betrifft, waren nur einige wenige unserer Genossinnen im Bilde (…) Die Gründerinnen der RZ (…) waren diejenigen (…), die die Connections hatten, und ich oder wir diejenigen (…), die jetzt nicht zu fragen hatten, die das so hinzunehmen hatten.“ (S. 48)

Auf Nachfrage des anderen exemplarischen Autonomen „Benni“, ob denn „im Vorfeld eine politisch-strategische Debatte über die Aktion selber stattgefunden“ habe, antwortet „Fritz“:

„Das weiß ich nicht, ich war jedenfalls nicht daran beteiligt.“ (S. 49)

Diese hier von „Fritz“ innerhalb der Organisation RZ geltend gemachte Rolle als Subalterner – die von „Paul“ mit der schlichten Bemerkung:

 „Ich war damals noch nicht in der RZ“ sekundiert wird, (S. 60) und die „Benni“ mit der Bemerkung: „Denn von euch war nun mal niemand dabei und wusste schon vorher davon.“ (S. 58)

zusammenfasst- soll hier jenseits ihres ohnehin kaum überprüfbaren Wahrheitsgehaltes belobigt werden. Warum? Eine andere Position in der Organisierung der Flugzeugentführung würde die im Buch auch zu Entebbe gesprächsfreudigen RZler dem Problem aussetzen, sich unter Umständen einer Reihe von – freundlich ausgedrückt – sehr interessierten Nachfragen durch Vertreter israelischer Sicherheitsbehörden auszusetzen. Das muss man wissen, und das muss auch nicht sein. Derselbe „Fritz“, der erstmal geltend macht, auch heute nicht zu wissen, ob denn „im Vorfeld (in der RZ) eine politisch-strategische Debatte über die Aktion selber stattgefunden“ hat, weiß aber dann doch etwas. „Fritz“ hier klar und deutlich:

„Ich denke, dass ein großer Teil der Geschehnisse in dem Papier >Gerd Albartus ist tot< (in >Früchte des Zorns<) richtig drinsteht.“ Um weiter auszuführen: „Palästinensische Kader (sollen) bei der Aktion (…) das Sagen gehabt haben. Ich weiß das nur aus Erzählungen anderer und aus Veröffentlichungen, aber das ist wohl so gewesen.“ (S. 49/50)

„Paul“ nimmt dann an anderer Stelle ebenfalls direkt Bezug auf das besagte Albartus-Paper und rückt dabei die darin 1991 zentral aufgestellte Behauptung zum konkreten Ablauf der Auswahl der Geiseln in ein diffuses Licht:

„Die Frage, ob der Begriff Selektion, der im Gerd Albartus Papier verwendet wird, eine übertriebene Formulierung ist, um es an dieser Stelle wichtiger zu machen, halte ich (…)  eher für eine vernachlässigende Diskussion.“

Das ist rhetorisch gewieft bewerkstelligt, denn das macht die diskursive Bahn dafür frei die Antisemitismusqualifizierung auf den ganzen Akt der Luftpiraterie auszuweiten:

„Die ganze Aktion war antisemitisch, unabhängig von der Frage der Geiselnahme und der Geiselnahme zur Befreiung von Gefangenen.“ (S. 60)

Pardauz. Während für „Fritz“ „ein großer Teil der Geschehnisse in dem Papier >Gerd Albartus ist tot< (…) richtig drinsteht“, wird von Paul so im Nebenbei die zentrale Behauptung daraus als zu „vernachlässigende Diskussion“ bei Seite geschoben, um dann in der Crunchtime mit dem ganz großen „Die-ganze Aktion-war-antisemitisch“ – Marker den Dunking zu machen. So klopfen „Paul“ und „Fritz“ das Albartus-Papier aus dem Jahre 1991 über die Ereignisse in Entebbe 1976 als Wahrheit der Organisation fest. Spätestens hier wäre es die Aufgabe der beiden fragenden exemplarischen Autonomen gewesen, diese Aussagen mit dem Statement eines der Gründungsmitglieder der RZ, Gerd Hinrich Schnepel, Ende November 2000 zu konfrontieren. In Bezug auf den Vorwurf des Antisemitismus in der Causa Entebbe erklärt Schnepel knapp und bestimmt:

„Wenn die Presse schrieb, die Juden wurden aussortiert, wussten wir, dass Wadi Haddad israelische Staatsbürger aussortiert, weil sich sein Kampf in der PFLP gegen den Staat Israel richtet. Also nahm er vorrangig Israelis als Geiseln, und nicht die Franzosen oder die Deutschen oder die Italiener. Für uns war es sein Recht, Israelis festzunehmen, so wie er als Palästinenser auch dauernd von den Israelis verhaftet, beraubt, gefoltert wurde.“ (FN 15)

Hmmmmh. Dem Schnepel müssten „Fritz“ und „Paul“ doch eigentlich Zeit ihres Engagements in der RZ irgendwann einmal über den Weg gelaufen sein, … man weiß es nicht. Und so ist es mehr als schade, dass ihnen hier jede Nachfrage erspart geblieben ist. Auch so ist der Weg dafür frei, dass „Fritz“ und „Paul“ den Leserinnen im Zuge ihrer – nennen wir sie einmal – Darlegungen de facto eine heute durchaus wirksame denkbar einfältige Antisemitismusdefinition zumuten. Sie lautet: Wenn israelische Sicherheitsbehörden in den besetzten Gebieten Palästinenser festnehmen, gibt es dafür bestimmt immer einen guten Grund, aber wenn Palästinenser dasselbe mit Israelis tun, kann es sich nur um einen Abgrund von Antisemitismus handeln.

Wie wäre es denn hier gewesen einmal die schlichte Kategorie des Nicht-Wissens in Anschlag zu bringen? Eine Kategorie, die im Gespräch sogar an einer Stelle von „Willi“ im Zusammenhang mit dem Mord an Gerd Albartus explizit geltend gemacht wird? (S. 177/78) Doch gerade in Sachen Entebbe ist das „Nicht-Wissen“ ist für „Paul“ „Willi“ und „Fritz“ leider die Sache nicht, wie ausführlich beschrieben wurde.

Für den Gesprächsabschnitt zu Entebbe ist es evident, dass die drei Ex-RZler dem weißen Elefanten „Antisemitismus“ intellektuell völlig hilflos gegenüberstehen, und sich dann einfach von ihrer eigenen Organisation distanzieren. Dass ihnen das die beiden exemplarischen Autonomen weitgehend sprachlos, d.h. ohne substantielle Rückfrage, durchgehen lassen, macht dabei nichts besser. Was hat hier „Benny“ und „Andy“ nur daran gehindert einfach mal rotzfrech zurückzufragen: „Gut, wenn es denn stimmt, was ihr sagt, dass die Entebbe-Chose als „ganze Aktion antisemitisch“ war, …Okay, dann sagt doch jetzt mal was dazu, warum ihr dann eigentlich danach jahrelang in dem RZ-Laden noch weiter mitgemacht habt? Doch wohl nicht, weil ihr selber Antisemiten wart, oder etwa doch?“

So ist man fast dazu geneigt, dieses von Ex-RZlern auch im Geist der intellektuellen Desorganisation zu Protokoll gegebene Geplauder zu Entebbe aus den genannten Gründen auf sich beruhen zu lassen. Doch da sie leider nicht darauf verzichten, dass alles auch noch mit der Geschichte des Antifaschismus in diesem Land zu verquirlen, geht das nicht. Hier muss auch deshalb energisch widersprochen werden, weil sie damit dabei sind die aktuell gegen Linke in Anschlag gebrachte Extremismusdoktrin auszupolstern.

 

Wenn es im Grunde keinen Antifaschismus durch die Linke gegeben hat, tendieren sie dann nicht eigentlich zum Antisemitismus …?

„Ich sehe ja alles Mögliche ein, vor allem, dass der (Bundesgerichtshof) die Macht hat – aber wenn wir uns auch noch den Antifaschismus verbieten lassen, dann sind wir wirklich im Arsch.“  (Ulrike Meinhof, JVA Köln-Ossendorf, Brief vom 27. September 1972 an ihren Rechtsanwalt Kurt Groenewold)

Auf die von „Andy“ diffus gestellte Frage wie es denn habe „passieren“ können, dass die RZ „in ein Fahrwasser geriet, dass Einzelne anschlussfähig für Antisemitismus machte“ (S. 51) nutzt „Fritz“ die günstige Gelegenheit in einer Art Fachgutachten einige generalisierte Behauptungen zu dem Verhältnis der deutschen Linken zum Nationalsozialismus zum Besten zu geben. Lassen wir ihn ausführlich zu Wort kommen. „Fritz“ zeigt sich zunächst davon überzeugt, dass es in der Geschichte der  „deutschen Linken“ in der (West-)BRD, wie wer formuliert „erst viel später, nämlich in den 80er Jahren (…) eine tiefergehende Auseinandersetzung um die konkreten gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die den Antisemitismus, die Entrechtung, Deportationen von Jüdinnen, Roma und Sinti, den Vernichtungskrieg im Osten, die Shoa und den Partisanenkrieg erst möglich gemacht haben“ gegeben haben soll. (S. 52)

Doch damit nicht genug, „Fritz“ zögert nicht hier seine Wissensschatulle weiter auszupacken, und so ist er um das formulieren von schnittigen Hypothesen nicht verlegen:

„Die deutsche Linke hat sich, was die soziale Seite anbelangt, wenig mit dem NS auseinandergesetzt. Sie war antifaschistisch, aber es liefen hier Massen von Tätern herum – in Unternehmen, Schulen, der Justiz und in den eigenen Familien. Inzwischen weiß man ja, dass der NS noch nicht einmal Ende der 60er Jahre aufgehört hatte. Die Nazis haben die BRD wesentlich mitgestaltet. Das heißt ein konkreter Antifaschismus hätte sich mit all denen auseinandersetzen müssen. Da musste erst Beate Klarsfeld kommen, um den damaligen Kanzler Kiesinger eine Ohrfeige zu verpassen und jüdische Militante, die Jagd auf NS-Verbrecher machten. Die Linke hierzulande hat nie ernsthaft daran gedacht, die Nazis selbst zur Rechenschaft zu ziehen, nichts dergleichen. Es gab natürlich eine sehr oberflächliche abstrakte Auseinandersetzung mit dem NS. Wir haben uns endlos in Faschismustheorien gewälzt. Aber es gab keine konkrete Auseinandersetzung mit dem fortwirkenden NS in Deutschland.“ (S. 53)

Ja, war das so? Dazu hier nur eine kurze Rückblende auf das Jahr 1960. Im Sommer dieses Jahres wurde in bundesdeutschen Kinos von Erwin Leiser der Film „Mein Kampf“ gezeigt. Es handelt sich hier um den ersten Film der in der Bundesrepublik den Holocaust massiv und eindringlich mit Dokumentarmaterial aus den Konzentrationslagern einem breiten Publikum zugänglich machte. (FN 16) Wie wurde dieser Film zeitgenössisch aufgenommen, z. B. in der in Sachen Nazithematisierung kundigen Redaktion der Zeitschrift konkret? Der Herausgeber Klaus Rainer Röhl ergriff dazu das Wort und schrieb:

„Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Dieses hätte man bei uns in der Bundesrepublik zusehen kaum erwartet: einen wirklichen echten, antifaschistischen Film, der nicht nur sensationelle, neue Dokumentarfilm-Materialien zu Deutschlands jüngster Vergangenheit beisteuert, sondern auch Ursachen aufzeigt, und Hintergründe beleuchtet.  Da wird beispielsweise nicht nur die Vergasung gezeigt, sondern auch in Großaufnahme die Firma, die das Gas lieferte. Die Konzerne werden beim Namen genannt, die Hitler finanzierten, die Parteien bezeichnet, die Hitler an die Macht halfen oder kommen ließen. Noch nie gesehene Aufnahmen aus dem Warschauer Getto von solchem Grauen, dass 100 Prozent davon in einem Spielfilm hätte geschnitten werden müssen. Szenen über die Judenverfolgung, die jeden Besucher aufspringen lassen müssten mit dem Schrei: Globke, Globke. In einer Zeit, in der zum dritten Mal die Militäranstrengungen in unserem Land auf Hochtouren laufen, ist dieser Film ein Wunder und ein Zeichen, das hoffentlich gesehen wird. Wäre es möglich, dass eine bundesdeutsche Firma diesen Film drehte? Nein, es ist ein schwedischer Film, von Erwin Leiser. Dank jenem liebenswerten Land im Norden, das diesen Streifen ablieferte, den deutsche Produzenten zu drehen in 15 Jahren keine Zivilcourage und keinen Anstand hatten.“ (FN 17)

Diese acht Jahre vor der von Beate Klarsfeld für Kiesinger verabreichten Ohrfeige in einer Zeitschrift gedruckten Zeilen, in der damals – nebenbei bemerkt – eine Redakteurin namens Ulrike Meinhof mitarbeitete, sollen also keine „tiefergehende Auseinandersetzung um die konkreten gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die den Antisemitismus, die Entrechtung, Deportationen von Jüdinnen, Roma und Sinti, den Vernichtungskrieg im Osten, die Shoa und den Partisanenkrieg erst möglich gemacht haben“ gewesen sein? Noch etwas präziser gefragt: Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl, der Mitarbeiter von Willi Münzenberg, Genosse Albert Norden, im ZK der SED für Agitation und für dort für die Koordination zur Aufarbeitung von Nazi- und Kriegsverbrechen in der BRD zuständig, die mit Hauptsitz in Frankfurt ansässige Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus (VVN) mit ihren beiden Aktivisten Ernst Carlebach und Peter Gingold sollen sich eher „wenig mit dem NS auseinandergesetzt“ haben, vielleicht auch weil ihnen „ein konkreter Antifaschismus“ entbehrte? Es sollen auch diese Linken gewesen sein, die „nie ernsthaft daran gedacht (haben), die Nazis selbst zur Rechenschaft zu ziehen, nichts dergleichen.“ Kurz: Es gab auch durch sie in den 1960er Jahren „keine konkrete Auseinandersetzung mit dem fortwirkenden NS in Deutschland“?

Diese von einem Ex-RZler zu Protokoll gegebene Hypothesenbildung über die Geschichte des Antifaschismus in diesem Land ist erkennbar historisch kenntnislos zusammengemurmelt. Dem wird auch durch die beiden exemplarischen Autonomen nicht substantiell widersprochen, auch wenn „Andy“ ein paar Seiten später eigentümlich zusammenhangslos vermerkt: „Ich kann aus dem bisher gesagten noch nicht nachvollziehen, dass es fast keine Auseinandersetzung mit dem Faschismus gegeben haben soll.“ (S. 58)

Insoweit diese wahrheitswidrige Abwertung und Unkenntlichmachung antifaschistischen Engagements sowie einer diesbezüglichen und vielfältigen Praxis durch die außerinstitutionelle Linke in der (West-)BRD mit emblematischem Bezug auf Entebbe verschränkt wird, dient das dazu, der Linken die Antisemitismuskarte anzuhängen. So schmückt man natürlich gegen die damals wie heute gegen links aufgestellte Staatsräson dieses Landes aus. Insofern graviert diese Hypothesenbildung so zur politischen Lüge. Das ist feiner, aber politisch wichtig zu verstehender Unterschied.

Zirkulation eines Mythos

Nichts ist selbstverständlich zu nehmen. Zu dem vorliegenden Buch steht zu bedenken, dass es zu dem von den RZ bespielten Themenbereich auch noch „ein paar Schubladen tiefer geht“, um es umgangssprachlich zu formulieren. Wer vielleicht noch den Inhalt des im Herbst 2020 publizierten Buch von Ingrid Strobl unter dem Titel „Vermessene Zeit“ in Erinnerung hat, ahnt vielleicht, um was es geht. Bei dem Strobl-Buch handelt es sich um eine energisch ausgestoßene Fanfare auf die von ihr politisch umsichtig vergessene Zeit der 1970er und 80er Jahre, leider, – wie auch eine in weiten Teilen kundige Rezension dazu treffend anmerkte. (FN 18) In einer bestimmten Weise ist das auch hier in dem vorliegenden Buch der Fall, wenn es um die 1970er Jahre geht. Auch so liefern die Passagen zu Entebbe (FN 19) aber auch eine völlig unbedacht hingerotzte Bemerkung zu dem von der politischen Zielsetzung missglückten Anschlag auf den hessischen Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry im Jahre 1981 Futter für die Denunziations- und Verfolgungsanstrengungen von Antideutschen und Verfassungsschützern, die in Sachen „linker Antisemitismus“ gegenüber der linksradikalen Fundamentalopposition heute strategisch auf einer Linie operieren. (FN 20) Und „das ist schlecht und nicht gut!“, um hier noch einmal einen Gedanken in frontaler Umdrehung des großen Steuermannes ins Spiel zu bringen.

Dabei dient die in dem Herzzschläge-Buch zelebrierte öffentliche Zirkulation von Geheimwissen einer militanten Organisierung durch eine konspirative Organisation bestimmt auch der Absicht, für die Nachlebenden so etwas wie ein Stück Mythos zu stiften. Bei einem Mythos handelt es sich um eine überlieferte Dichtung, Sage, Erzählung aus der Vorzeit eines Volkes oder einer Gruppe, die legendären Charakter hat. Das klingt immer interessant; beim Lesepublikum scheint das erstmal gut anzukommen, die unsichtbaren Verfasser haben schon eine zweite Auflage angekündigt. (FN 21) Hauptsache hier definitiv, dass man auch bei der Betrachtung dieses Mythos in der Birne niemals das eigene autonome Urteilsvermögen ausschaltet.

Markus Mohr | August 2022

Für eine engagierte Diskussion zu dem Themenkomplex danke ich JHS.

Unsichtbare (Hg.) Herzschläge / Gespräch mit Ex-Militanten der Revolutionären Zellen, Berlin Hamburg 2022, ISBN 9-78-3-86241-490-1, 19,80 €

 

Ergänzung:

Es gibt ein Interveiw aus dem Jahr 2001 mit Gerd Schnepel, der Miglied in der Gruppe RZ war. Dabei geht es unter anderem auch um den Vorwurf des Antisemitismus:

Interview mit dem ehemaligen RZ-Mitglied Gerd Schnepel aus dem Jahr 2001

Quellen Und Hinweise:

(FN 1) VS Bericht 1975, Bonn 1976, S. 98 ff

(FN 2) Rote Zora, Ihr habt die Macht, uns gehört die Macht! (Erklärung zum Anschlag auf die Lürrssen-Werft vom 24.7.1995), URL:  https://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/Rote_Zora/rote_zora.html

(FN 3) Social History Portal, Amsterdam, RAF Document ID:  0019980300 Date: März 1998 Source: Originalkopie, URL : https://socialhistoryportal.org/raf/text/307207

(FN 4) ID-Archiv im IISG/ Amsterdam (Hg.), Die Früchte des Zorns / Texte und Materialien zur Geschichte der RZ und der Roten Zora, Amsterdam / Berlin 1993, URL: https://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/rz/fruechte_des_zorns/zorn_1_7.html

(FN 5) VS Bericht 1998, Bonn 1999, S. 92

(FN 6) (Ex-Mitglieder RZ), Spurensuche / Geschichten des Zorns / In dem Artikel >Rauchzeichen< geben ehemalige RZ-Mitglieder einen Rückblick auf 20 Jahre Revolutionäre Zelle, in:  Jungle World Nr. 25 vom 20.6.2001, (vollständig unter: http://www.freilassung.de/div/texte/rz/rauchz/rauchz.htm)

(FN 7) RZ – Tendenz für die internationale soziale Revolution, Erklärung einer Gruppe der RZ zur Veröffentlichung einer anderen RZ-Gruppe zum Tod von Gerd Albartus , in: Interim Nr. 191 vom 30.4.1992, S. 14-16. In dem Buch kommt „Paul“ auf dieses Papier zu sprechen, dass ihm „gruselig“ erscheint, und weiter führt er aus: „Die haben sich auch gegen das Gerd-Albartus-Papier ausgesprochen und gegen die Art der Auflösung.“ (S. 183)

(FN 8) RZ, Wir müssen so radikal sein, wie die Wirklichkeit, in: Interim Nr. 195 v. 28.5.1992, S. 3 – 6, hier S. 3

(FN 9) Dass die britisch-israelische Staatsbürgerin Dora Bloch irgendwann einmal Zeit ihres Lebens auch eine „belgische Staatsbürgerin“ gewesen sein soll, wurde in den Jahren zwischen 1976, – dem Jahr ihrer Entführung und Überweisung in das Krankenkaus Mulagao in Kampala und  1979, dem Auffinden ihrer sterblichen Überreste in einem Wald in der Nähe von Kampala –  noch nicht einmal von ihrer Familie noch von der israelischen Regierung behauptet. Und sie wurde auch definitiv nicht auf dem Flughafen „in Entebbe“ ermordet, wie auch schon die Verhandlungen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Anfang Juli 1976 ergaben, sondern vermutlich in einem Waldgebiet in der Nähe der ugandischen Hauptstadt Kampala durch Schergen Idi Amins. Vgl. das Kapitel: Das Schicksal von Dora Bloch, in: M. Mohr, Legenden um Entebbe / Ein Akt der Luftpiraterie und seine Dimensionen in der politischen Diskussion, Münster 2016, S. 175 – 192. Zu der Beerdigung von Dora Bloch im Juli 1979 in Jerusalem findet sich auf Youtube ein zeitgenössisch produzierter Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press. In ihm kommt auch ihr Sohn Dany zu Wort, siehe: AP, Memorial Service of Dora Bloch and Interview with her Son in Jerusalem (vom 2.7.1979), URL: https://www.youtube.com/watch?v=OL-Rh2xNltE

(FN 10) Vgl. DPA, Revolutionäre Zellen: Freispruch für Suder im Opec-Prozess / Im Prozess um das Opec-Attentat von 1975 in Wien ist Sonja Suder vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Ins Gefängnis muss die 80-Jährige dennoch, in: ZEIT-online vom 12.11.2013, URL: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-11/prozess-opec-anschlag-wien-revolutionaere-zellen-suder-freispruch?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

(FN 11) Vgl. Hans Joachim Klein Gunther Latsch, Vorhersehbares Debakel / Die Berliner Verhandlung gegen vier mutmaßliche Terroristen wird ausgesetzt. Weil die Justiz die Beweislage falsch einschätzte, konnte der angebliche Rädelsführer nicht mit angeklagt werden, in: SPIEGEL Nr. 16 vom 13.4.2001, URL: https://www.spiegel.de/politik/vorhersehbares-debakel-a-d8f36331-0002-0001-0000-000018975465 In diesem Pressebeitrag wird das von der Bundesanwaltschaft zusammen mit den luftigen Aussagen ihres Kronzeugen Hans-Joachim Klein gegen den Beschuldigten Schindler kalkuliert eröffnete Roulett instruktiv dargestellt. Wenn erkennbar wird, dass der Angeklagte nicht dazu bereit ist, die sich als falsch erweisenden Aussagen des einen Kronzeugen durch eine eigene Einlassung zu unterstützen, eröffnet man gegen den Beschuldigten einfach einen anderen Strafprozess – der durch den nächsten Kronzeugen in Gestalt von Herrn Tarek Mousli in Gang gesetzt wurde.  Auch so geht der von der Bundesanwaltschaft in Anschlag gebrachte, um politische Kreativität niemals verlegene Prozess der Wahrheitsfindung gegen Linksradikale.

(FN 12) RZ, Gerd Albartus ist tot, in: interim Nr. 174 vom 19.12.1991, S. 3-14, hier S. 6

(FN 13) Das Schicksal der beim israelischen Militäreinsatz getöteten weiteren israelischen Geiseln scheint auch in der Erinnerungskultur in Israel ein wenig in den Hintergrund geraten zu sein. Das ist der Ausgangspunkt für die Recherche der Filmemacher Eyal Boers/Jonathan Khayat, „Live or Die in Entebbe“ (Dokumentarfilm, erstmals gezeigt in Jerusalem am 10.12.2012). Er geht dem Schicksal von Jean-Jacques Maimoni nach. Die Recherchen werden in einem Interview von Phillip Adams  mit Eyal Boers in dem australischen Fernsehmagazin Late Night Live ABC RN vorgestellt, siehe: O.N.,  The Entebbe hostage shot by his rescuers, (Late Night Live vom 12.11.2013), URL: https://www.abc.net.au/radionational/programs/latenightlive/entebbe-documentary/5087052

(FN 14) Bei der im Buch dokumentierten „Chronik 1973 – 1995“ (S. 216 – 232) scheint es sich um eine mit nur leichten redaktionellen Überarbeitungen im Copy & Paste Format übernommene diesbezügliche Chronologie aus einer schönen Solidaritätsbroschüre zum RZ-Prozess vor dem OLG Frankfurt gegen Sonja Suder und Christian Gauger zu handeln. Siehe: Solikomitee freiheit und glück für sonja und christian, Blick zurück nach vorn / Texte zum Prozess gegen Sonja und Christian und zur Geschichte der RZ und der Roten Zora, o.O. (Frankfurt) o.J. (2013), (56 S) URL: https://verdammtlangquer.site36.net/files/2014/04/blick-zur%c3%bcck-nach-vorn.pdf

(FN 15) Christoph Villiger/ Wolf-Dieter Vogel, Die Carlos-Haddad-Connection / Der Wiener Opec-Überfall, die Flugzeugentführung von Entebbe und andere internationalistische Verwirrungen der Revolutionären Zellen – ein Interview mit dem ehemaligen RZ-Mitglied Gerd Schnepel, in: Jungle World Nr. 48 vom 29.11.2000, in: Jungle World Nr. 48 vom 29.11.2000, URL: https://www.jungle.world/artikel/2000/48/die-carlos-haddad-connection

(FN 16) Der Dokumentarfilm von Erwin Leiser „Mein Kampf“ (Den Blodiga tiden) (Schweden 1960) kann in einigen Teilen auf Youtube eingesehen werden, siehe URL: https://www.youtube.com/watch?v=IDlNju9wTS0. Siehe auch O.N., Mein Kampf (Dokumentarfilm), Eintrag auf Wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Kampf_(Dokumentarfilm)

(FN 17) Klaus Rainer Röhl, Mein Kampf (Schweden), in: konkret Nr. 16 (1960), zitiert nach: Bettina Röhl, So macht Kommunismus Spaß / Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte konkret, Hamburg 2006, S. 321

(FN 18) Ingrid Strobl, Vermessene Zeit / Der Wecker, der Knast und ich, Hamburg 2020. Siehe dazu: G. Hanloser, Vermessene oder vergessene Zeit? Die einst radikale Linke Ingrid Strobl hat ein >Knast<-Buch mit etlichen Ambivalenzen verfasst, in: Neues Deutschland vom 11.11.2020, URL: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1144314.ingrid-strobl-vermessene-oder-vergessene-zeit.html

(FN 19) Das, was sich in Entebbe in der Zeit zwischen dem 29. Juni bis in die Morgenstunden des 4. Juli 1976 tatsächlich zugetragen hat, und wie eben das halbwegs realitätsgerecht zu interpretieren ist, wird die wirklich offen an die komplexe Chose herangehenden Neugierigen noch lange beschäftigen. Hier haben die beiden Historikerinnen Freia Anders und Alexander Sedlmeier mit ihrem Aufsatz: >Unternehmen Entebbe< 1976: Quellenkritische Perspektiven auf eine Flugzeugentführung, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 22 (2013), S. 267 – 289, URL: http://www.isb.rub.de/mam/content/publikationen/sedlmaier__anders_entebbe.pdf eine bis dato weitgehend verschlossene Tür aufgetreten. In einer Reihe von danach publizierten Beiträgen zu den Geschehnissen in Entebbe im Sommer 1976 wurde das hier quellenkritisch erhobene Wissen unterboten. Hinzuweisen ist auch auf das Engagement eines umtriebigen und vielfältig pfiffigen Recherchefreaks unter dem Signalnamen Hvd69. Er hat mit einem noch „im Entstehen“ befindlichen Artikel für die freie Enzyklopädie Wikipedia mit etwas über 250 Quelleneinträgen unter dem zutreffenden Hinweis: „WORK IN PROGRESS -NOCH NICHT ABGESCHLOSSENE QUELLENSAMMLUNG“ dazu eine weitere, wirklich ganz vorzügliche Vorarbeit geleistet, siehe:  URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Hvd69/Quellen_zu_Entebbe_1976 (Letzter Bearbeitungshinweis vom 6.2.2021)

(FN 20) Vgl. Olaf Kistenmacher, Den Schuss nicht gehört – Die Erinnerungen dreier ehemaliger Mitglieder der Revolutionären Zellen liefern neue Belege für den Antisemitismus in der radikalen Linken, in: konkret: Nr. 6 vom Juni 2022, S. 52-53; Armin Pfahl-Traughber „Die ganze Aktion war antisemitisch“ – Ehemalige äußern sich auch zu Entebbe, in: hagalil.com vom 16.6.2022. Pfahl-Traughber arbeitete in den Jahren 1994 – 2004 im Bundesamt für Verfassungsschutz als Referatsleiter in der Abteilung 2 Rechtsextremismus. In diesem Zeitraum absolvierte der NSU in Thüringen in den von den Verfassungsschutzämtern intensiv infiltrierten Naziorganisationen Thüringer Heimatschutz und Blood & Honour erfolgreich seine erste Formierungs- und Praxisphase. Eine direkte operative Verwicklung in die Verwaltung des NSU durch das BfV durch Pfahl-Traughber ist, im Unterschied zu seinen Referatskollegen Axel Minrath, Martin Thein und Christan Menhorn, bislang noch nicht ersichtlich geworden.

(FN 21) Unsichtbare irgendwo im Hinterland, Warum interessiert uns heute die Geschichte der Revolutionären Zellen und der Roten Zora? Wir, einige „Unsichtbare“ und Herausgeber:innen des Buches „Herzschläge – Gespräch mit Ex-Militanten der Revolutionären Zellen“, melden uns noch einmal zu Wort, auf: indymedia vom 13.7.2022, URL: https://de.indymedia.org/node/207865

Aufrufe: 386

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.