Virus trifft auf globale Klassengesellschaft – Video-Interview

Veröffentlicht von

Virus trifft auf globale Klassengesellschaft

“Karl Heinz Roth hat unter dem Titel „Blinde Passagiere. Die Corona-Krise und ihre Folgen“ im Kunstmann-Verlag eine Analyse der aktuellen Pandemiepolitik veröffentlicht. In dem Buch stellt er das Pandemiegeschehen aus einer globalen Perspektive dar, berichtet über die Vorgeschichte, die bis in die 2000er Jahre zurückreicht, analysiert die Ausbreitung und die Dynamik von Covid-19 und erörtert die Eigenschaften und Auswirkungen der Pandemie auf den Menschen. Er thematisiert die Gegenmaßnahmen, die dabei zutage getretenen Versäumnisse und die mentalen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Lockdowns.” (Ankündigungtext)

Demonstration Barcelona/Spanien 2012

 

Karl Heinz Roth ist aus vielerlei Hinsicht ein richtig echter “Experte”, also auf jeden Fall kein Mietmaul. Er kann fach- und disziplinübergreifend eine Menge zu diesem komplexen Thema sagen:

Er hat Medizin studiert und hat jahrzehntelang als Arzt gearbeitet,  verfügt also durchaus von “Haus aus” über medizinische Kenntnisse, die er einbringen kann.

Er ist aus einem weiteren Grund ein wertvoller Autor. Er hat eine militante Geschichte, die er bis heute nicht verleugnet, aus der heraus er die heutigen Entwicklungen analysiert, in die er   Ereignisse einordnet.

Am 9. Mai 1975 geriet Karl Heinz Roth in Köln in eine Polizeikontrolle. In seiner Begleitung war Werner Sauber, ein Mitglied der ‚Bewegung 2. Juni‘. Es kam zu einem Schusswechsel, bei dem Werner Sauber und der Polizist Walter Pauli getötet wurden. Karl Heinz Roth selbst wurde lebensgefährlich verletzt und wegen Mordes angeklagt. 1977 wurde er freigesprochen.

Karl Heinz Roth ist also jemand, der nicht nur das aufgegriffen hat, was in der politischen Szene gerade en vogue war. Er gehört zu den Menschen, die ihre eigene politische Praxis mit sehr viel theoretischer Arbeit und Analyse ergänzt bzw. mieinander verbunden haben. Er gehört zu den Mitbegründern der Zeitschrift „Autonomie – Materialien gegen die Fabrikgesellschaft“. Sie war für uns junge Autonome ein ganz wichtiger Aussichturm, um über unsere eigene politische Praxis hinauszublicken. Nicht alles verstanden wir, aber wir gaben uns  Mühe. Kurzum, Karl Heinz Roth ist eben auch ein exzellenter Theoretiker.

 

All das ist ungemein wichtig, wenn man die Corona-Politik und die staatlichen Maßnahmen eben nicht nur nur medizisch zu verstehen versucht, sondern gerade auch in ihrem staatsimmanenten und klassentheoretischen Zusammenhang einordnen will.

Das sind mehr als verdammt gute Gründe, sich diese Online-Veranstaltung anzuschauen:

Anne Seeck, Peter Nowak und Gerhard Hanloser haben am 24. Januar 2022 Karl Heinz Roth zu seinem Buch und seinen Erkenntnissen über Pandemie und globale Politik befragt:

Das Interview ist hier zu sehen:

 

Nach dem Interview- Gespräch bleiben zwiespältige Gefühle zurück: Zum einen ruft Karl Heinz Roth Basiswissen einer Linken in Erinnerung, das heute bereits mit dem Vergessen und dem allseits gerne ausgeworfenen Fangnetz “Verschwörungstheorie” zu kämpfen hat. Also wenn es um die Bedeutung der WHO als fast privatkapitalistische Vereinigung angeht, mit der auf Profit und Kontrolle ausgerichteten Impfstrategie und der Klassenverhältnisse, die in der Pandeme nicht (zugunsten einer Staat-Bürger-Vereinigung) aufgehoben sind, sondern sich darin rasant zuspitzen (werden).

Auf der anderen Seite ist eine Freude, wenn man Karl Heinz Roth zuhört und spürt, was es bedeutet, wenn man aus einer jahrzehntelangen Praxis heraus spricht und wenn man marxistische Theorie und materialistisches Geschichtsverständnis zusammenbringt.

In diesem Sinne …hört es euch an.

Wolf Wetzel       26.1.2022

Aufrufe: 370

4 Kommentare

  1. Vielen Dank.
    Diese deine Seite ist für mich ein Anti-Depressivum.
    Zu wissen, dass es noch andere gibt, die vielleicht nicht gleiche Ansichten haben, jedoch willens sind, andere Ansichten bestehen zu lassen und etwas gegen den Wahn der Welt (oder wie soll man das nennen?) zu unternehmen, ist ein Trost.

    PS: Ich versende in meinem Bekanntenkreis regelmäßig einen Link zu dieser Webseite und die sinngemäße Meldung: Wolf Wetzel = Hoffnung. Ob das gut ist, weiß ich nicht. In gewisser Hinsicht bin ich Idealist.

    Es mag ein anderes Thema sein: Gestern habe ich mir einen Film über Marlene Dietrich angesehen, eine Dokumentation ihres Enkels. Auch für den Umgang mit Marlene sollte sich das deutsche Volk und insbesondere der Berliner Bezirk Schöneberg schämen.

    1. Ich danke dir! Es ist doch gar nicht nötig, dass wir (in allem) einer Meinung sind: Wir sollten nur uns darin genau begründen, wenn wir von der Differenz und dem Widerspruch etwas haben wollen. Genau diese Fähigkeit ist für mich ein ganz wichtiges Kritierium, ob wir genau das ernst nehmen, was wir den “anderen” vorwerfen, was sie abwürgen, was sie elimieren wollen.

  2. „Nach dem Interview- Gespräch bleiben zwiespältige Gefühle zurück“ –
    das trifft es gut.

    KH Roth halte ich für lauter, seine Äußerungen für durchdacht, allerdings teilweise auf Fehlannahmen beruhend und zu Fehleinschätzungen führend. Ich kommentiere das mal so:

    27.01.2020: 0 verstorben bei 1 „bestätigten Fall“
    27.01.2021: 55.042 seit 27.01.2020 verstorben bei 2.179.770 „bestätigten Fällen“
    27.01.2022: 117.363 seit 27.01.2020 verstorben bei 9.262.289 „bestätigten Fällen“
    https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/
    (Anmerkung: Nach wie vor wird pausenlos aufaddiert, so wie seinerzeit der Bundesliga-Ticker im Volksparkstadion, und das soll man als „wissenschaftlich“ betrachten? In der echten Wissenschaft sind Verhältniszahlen und Bezugsgrößen bekannt. In der deutschen Politik, den deutschen Staatsmedien, den deutschen Behörden und dem deutschen Ethikrat offensichtlich nicht.)

    Im zweiten „Pandemiejahr“ sind also mehr Menschen „an oder mit“ verstorben (mit Impfstoff), als im ersten Jahr (ohne Impfstoff).

    Absoluter Vergleichsrahmen: Etwa 1.022.000 Menschen sterben „üblicherweise“ Jahr für Jahr in Deutschland, monatlich rund 85.000, täglich etwa 2800.
    Gerade einmal 5,7 % davon konnte das Etikett „Covid-Tote/r“ angeheftet werden, unabhängig der jeweiligen tatsächlichen Todesursache (wie z. B. Krebs, Unfalltod, Freitod).
    Zudem: Die Altersstatistiken dürften bekannt sein.

    Nun soll mir mal jemand, der sich selbst für politisch links hält, also die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hat, für Transparenz und Aufklärung zu sorgen, erklären, was das Bedrohliche an diesen Zahlen sein soll. Und weshalb diese Zahlen die Einschränkung von Grund- und Menschrechten begründen sollten (tun sie ja eigentlich nicht, es sind immer noch Menschen, hier Amtsinhaber, die für Einschränkungen verantwortlich sind).

    Und zum Thema „rechtsoffen“:
    Das permanente Framing, das sogenannte Linke bezüglich „Kritikern der Maßnahmen“ betreiben, empfinde ich als widerlich und heuchlerisch. Widerlich, weil sogenannte Gegendemonstranten in SA-Manier ihre Verblendung verbreiten und heuchlerisch, weil diese sich selbst Linke Nennenden für Totalitarismus eintreten.

    Eine einheitliche Linke gibt es nicht. Ich zitiere aus der Buchrezension zu „Corona und linke Kritik(un)fähigkeit“:
    „Auch aus libertärer Sicht gab es eine scharfe Kritik am Aufruf mit seiner Forderung nach härtestem Shutdown. Gerald Grüneklee kommentierte: „Ihr legitimiert mit eurem Appell den starken Staat. … Aber verkauft das bitte schön nicht noch als irgendwie progressiv, gar radikal. Eine fast religiös anmutende Heilserwartung spricht aus euren Zeilen, die doch überaus weltfremd sind. Es tut mir leid: euer Weltbild ist paternalistisch und reaktionär. Eure Vorstellungen sind autoritätshörig und staatstragend. Ihr macht Politikberatung und nennt das ‚links‘.“ (4) Elisabeth Voß nennt das Programm von ZeroCovid eine vom Staat übernommene „Ausrottungsfantasie“ (36).“

    Die Meinung einer alleinerziehenden Mutter zweier Kinder, die im Homeoffice Homeschooling betreiben musste – in einer 2-Raum-Wohnung mit einem recycelten Laptop – bezüglich Bundestagsabgeordneter, die mehr als 10.000 € pro Monat kassieren und al gusto über ihre Lage befinden, gebe ich hier nicht wieder.

    Für wichtiger als die Einteilung in „links-rechts“ halte ich mittlerweile die Einteilung in „libertär-autoritär“, da trennt sich auch gleich bei „den Linken“ die Spreu vom Weizen.

    Gerne verweise ich noch einmal auf den „politicalcompass“ mit seinem zweidimensionalen Modell, das zum Nachdenken anregen sollte. Besser noch wäre, wenn alle selbst mehrdimensional, nicht eindimensional denken würden.

    Als Linkslibertärer empfinde ich die Linksautoritären als – ach, kann sich jede/r selbst denken.

    Gäbe es doch endlich wieder die Mujeres Libres! Aber nein. Sind alle tot. Stattdessen dürfen wir uns an einer Kotau-Linken erfreuen, die zum Glauben an das Gute eines korrupten Staates zurückgefunden hat.

    (Tschuldigung, wollte den Kommentar nicht depressiv ausklingen lassen. Mir fällt nur keine gute Nachricht ein. – Oder doch? Radix heißt jetzt Twitter, oder so ähnlich, irgendwas mit Schoko, Keksen und Klebstoff.)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.