Lenin, seine Schwester und die Leiter

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Lenin, seine Schwester und die Leiter

 

Lenin und seine jüngere Schwester Maria Ilyinichna Ulyanova auf dem Weg zum Bolshoi Theater, um am 5. All-Russischen Sowjetkongress teilzunehmen. Moskau, 5.-9. Juli 1918

Dieses Foto postete Thomas Rudhof-Seibert. Die erste Reaktion war ziemlich handwerklich:

„Aber warum tragen sie eine Riesenleiter?“

Thomas antwortete ziemlich philosophisch:

„Bruder und Schwester, um je ihre Hälfte des Himmels zu erklimmen. Darum gings doch, und darum gehts noch immer.“

Damit waren wir ganz plötzlich in der Gegenwart. Das nutzte ich:

„Wir müssen jetzt nur noch klären, was wir mit den vielen (auch ehemaligen Genoss*innen) machen, die vor der Leiter ganz viel Angst haben …“

Dazu noch ein paar Erklärungen.

Die andere Hälfte des Himmels könnt ihr haben“, war eine Parole der Frauenbewegung, um damit vielleicht auch deutlich zu machen, dass es um mehr geht, als um die gerechte Ver/Aufteilung des realen Irrsinns auf Erden.

“Den Himmel stürmen”, war eine Parole der “Autononia”, der autonomen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre. Damit war der Kampf für und die Verwirklichung von einer Utopie gemeint, die über das Bestehende hinausweist.

Für beides braucht man eine Leiter, die eben nicht ans Jenseits angelehnt ist, sondern vom Dieseits ausgeht.

Wolf Wetzel

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. ääh, die Beiden tragen die Leiter nicht, sie laufen nur (zufällig wahrscheinlich) dran vorbei!
    Das Ding ist doch riesig groß, damit vermutlich auch recht schwer und lehnt sichtbar an der Wand und rechts hinten an irgend etwas anderem.
    Zu zweit so ein Riesending in diesem Winkel mit jeweils einer Hand zu schleppen …

    1. Gute, wahrscheinlich richtge Beobachtung.Es ging dabei auch nur um eine Methapher, die sich aus dieser (gewagten) Bildbetrachtung ergeben hat.

  2. Spontane Assoziation: Lemel, Michel, Woodhull.

    Und, natürlich: die Mujeres Libres.

    „Die Faust erhoben, Frauen von Iberien,
    Hin zu lichtgeschwängerten Horizonten.
    Auf brennenden Wegen,
    Die Füße auf der Erde,
    Die Stirn im Himmel.
    Versprechen des Lebens bestätigend
    Trotzen wir der Tradition,
    Modellieren wir den warmen Ton
    Einer Welt, die aus dem Schmerz entsteht.

    Dass die Vergangenheit im Nichts versinke!
    Was interessiert uns das Gestern!
    Wir wollen von neuem
    Schreiben das Wort ‚Frau’.

    Vorwärts, Frauen von Iberien,
    Mit der Faust zum Himmel erhoben.
    Auf brennenden Wegen,
    Vorwärts, vorwärts
    Mit dem Gesicht zum Licht.“

    Lucía Sánchez Saornil

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