Und also sprach Corona. Oder das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Von Emil Goldmann

Veröffentlicht von

Und also sprach Corona.

Oder das Ende der Welt, wie wir sie kennen

Ihr habt uns nicht zugehört. Wir sagten Euch, dass wir gekommen sind, um zu bleiben. Wir sind noch lange nicht fertig. Wann begreift Ihr das endlich?

 

Die sogenannte Pandemie ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte für uns: Ihr seid unser neuer Lebensraum, vital, zahlreich, mobil, die perfekten Vektoren: so nennt ihr reisende Krankheitsüberträger zum Wohl unserer Verbreitung. Wir sind von unserem Erfolg überwältigt. 2019 ausgebrochen im chinesischen Wuhan, haben wir dank Euch innerhalb von zwei Jahren – bis auf einige kleine Inseln – alle Flecken auf diesem Globus erreicht. Wir feiern jeden Tag einen Freedomday.

Wir werden immer besser darin Eure Immunabwehr zu umgehen. Im Vergleich zu unserer ersten Generation haben wir unsere Infektiosität, wie Ihr es nennt, verdoppelt. Unsere Delta-Variante erzeugt eine inzwischen bis 1200-fache Viruslast in Euren Atemwegen gegenüber dem von Euch als Wildtypus bezeichneten Pionier-Virus. Delta entkommt Antikörpern und verringert den Schutz eurer Impfstoffe. Nach Eurer Zählung sind wir bis heute in 260.515.160 Menschen erfolgreich eingedrungen, um uns zu reproduzieren, 5.183.003 Verstorbene zählt ihr weltweit. Ihr wisst, dass es wesentlich mehr erfolgreiche Infektionen waren, und mehr Menschen, die uns nichts entgegenzusetzen hatten. Das nennt ihr Dunkelziffer – wir nennen es Erfolgsbilanz. Hören sich so Verlierer an?

Zahlreiche Mutationen entstanden in blühende Virusproduktionsstätten: euren Zellen. Und nun haben wir mit Eurer Hilfe eine Außerordentliche geschaffen. Darf ich vorstellen: Omikron. Unser Überraschungsgeschenk zum Black Friday – wir arbeiten hart daran, Geschichte zu schreiben. Ist unser Jahresabschluss zu einseitig, klingt er zu sehr nach Abrechnung? Zugegeben, Eure Selbstgefälligkeit, Eurer „Zweckoptimismus“, Eure Ignoranz haben uns zu dieser Einseitigkeit provoziert: niemand hat mit uns diplomatische Gespräche geführt, bevor Ihr Euch zum Sieger und die Pandemie einseitig für beendet erklärt habt. Ihr verhaltet Euch mit Eurem optimism bias wie ein routiniert sich selbst überschätzender Raser, der mit seiner riskanten Strategie bisher erfolgreich gefahren ist.

Eine Parabel: Ihr seid auf der Überholspur, und bemerkt, dass Euch ein schnelles Objekt direkt entgegenkommt.  Ihr beschleunigt, um doch noch zu gewinnen, doch entgegen Eurer bisherigen Erfahrung ist das, was Ihr überholen wollt enorm groß, der nicht endende Leviathan, und das Entgegenkommende bremst nicht kooperativ, sondern wird exponentiell schneller:  das unbarmherzige Ungeheuer Behemoth. Beginnt Ihr zu ahnen, in welchem bösen Albtraum Ihr Euch befindet? Ist das der „schwarze Schwan“, der die Welt auf den Kopf stellt?

„Was daher immer aus einer Zeit des Krieges folgt, in der jeder eines jeden Feind ist … es gibt keine Wissenschaft, keine Zeitrechnung, keine Künste, keine Literatur, keine Gesellschaft. Und was das Schlimmste ist: Es herrscht stetige Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes. Das Leben des Menschen ist einsam, armselig, garstig, brutal und kurz.

(Thomas Hobbes, Leviathan, 1651).

Ihr verliert. Ihr seid so verletzlich! Und es fällt Euch schwer dies zu akzeptieren. Waren alle Eure Mühen und Kosten, alle Anstrengungen und Opfer umsonst? Kommt, schaut in diesen Abgrund!

Das ist Euch zu brutal? Ihr seid eine merkwürdige Gattung! Täglich sterben Millionen Lebewesen für Eure Ernährung, an Pestiziden und Umweltgiften, an Mikroplastik und Klimafolgen, durch Lebensraumvernichtung und Zerstörung der Böden und an der Verschmutzung und Vergiftung des Wassers. Und jetzt erhaltet Ihr ein paar schwere Volltreffer, und Ihr wankt wie ein Boxer mit einem Kinn aus Glas. Wir sind nicht „die Rache der Natur“ für Eure Taten, dieser Gedanke entspringt Eurer ureigenen Strafangst. Obwohl: da die Zoonose vom Sars -CoV 2-Virus, die Übertragung von Tier auf den Menschen, möglicherweise stattgefunden hat, als ein Pelzfarmarbeiter einen Marderhund lebendig das Fell abzog, und er dabei den Todesodem des sterbenden Tieres eingeatmet hat, wäre diese unfreiwillige Revanche eine sehr makabre Pointe der Geschichte. Marderhunde sterben für die kuscheligen Pelzkapuzen an Euren Winterjacken. Can you feel it?

Gelingt es uns Euch die Augen zu öffnen? Die Chancen stehen schlecht. Selbst Euren eigenen menschlichen Cassandras geht langsam die Luft aus. Ich wähle, obwohl wir keinen Krieg gegen Euch führen, Eure drastische Sprache, um mich verständlich zu machen. Dazu bedarf es Unbarmherzigkeit und Kälte, höfliche und konstruktive Sachlichkeit verfehlt ihren Zweck.

Eure politische Klasse ist mit permanenten Dauerwahlkampf im eigenen Interesse beschäftigt, um aus allem Rendite fürs kulturelle Kapital zu akkumulieren und ganz reale Geschäfte zu tätigen. Nervös ist sie darum besorgt, wenn nötig indem sie Opposition zur eigenen Politik ist, Regierungspartei und Volksvertretung gleichzeitig zu sein, um in allen Stimmungslagen meinungsführend zu bleiben.

Die Medienindustrie produziert Schlagzeile auf Schlagzeile zum Verkauf, um bewusstlos alle restliche Information und Erkenntnis sofort in den Orkus des Vergessens zu schütten (um dann überrascht festzustellen, dass man wieder nicht auf den Winter vorbereitet ist, und immer noch nicht kapiert, was exponentielles Wachstum bedeutet). Sie erzeugt Aufmerksamkeit und Erregung, die gleichzeitig abstumpfend seriell wird, schizophren schwankt zwischen Zweckoptimismus und Hysterie, Stigmatisierung und Verantwortungslosigkeit. Susan Sontag spricht davon, dass die unergründliche, unkontrollierbare und unheilbare Krankheit selbst zur Metapher wird, indem sie mit Gegenständen der größten Furcht identifiziert wird, wie heute der Angst vor globalen bösartigen Verschwörungen. Lässt die emotionale Aufmerksamkeit nach, wechselt das Interesse, wenden sich die Medien konjunkturell wieder ab und werden gleichgültig wie ihre Konsumenten, wenn es sie selbst nicht mehr betrifft.

Das Kapital geht beim jeweils eigenen Staat (für den Transfer der Steuermittel) hausieren, fürchtet, dass die internationale Konkurrenz besser aus der Krise kommt, und macht trotz Corona oder genau deswegen manchen Profit – solange die Aktienkurse und das Portfolio stimmen, interessiert es sich weder fürs Pflegepersonal noch für die Toten der Pandemie. Es ist der höchste je verzeichnete Anstieg: 2020 erhöhte sich das Vermögen aller Milliardäre weltweit um zwei Drittel. In den ersten zwölf Monaten der Pandemie legte dieses Vermögen laut Forbes-Liste von acht auf jetzt 13 Billionen Dollar zu. Alle diese Interessengruppen normalisieren den paradoxen Krisendiskurs: Alles und ständig ist Krise, statt Bruch in der Ordnung wird Krise zum Teil der Ordnung selbst. Opportun ist, was instrumentalisierbar für die Dispositive der Macht ist. Schlechte Aussichten für Euch.

„Drittens verstehe ich unter Dispositiv eine Art von – sagen wir – Formation, deren Hauptfunktion zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt darin bestanden hat, auf einen Notstand (urgence) zu antworten. Das Dispositiv hat also eine vorwiegend strategische Funktion.“

(Michel Foucault: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, 1978)

Uns sind Eure Interessen, strukturellen Eigengesetzlichkeiten gleichgültig: ob Ihr als ideeller Gesamtkapitalist in der Lage seid, das Privateigentum an Produktionsmitteln und die kapitalistische Produktionsweise zu gewährleisten, oder als ideologische Staatsapparate Konsens herstellt, interessiert uns nicht. Für uns ist entscheidend, in der Sprache eurer eigenen Kriegstheorie gesprochen, dass es Euch unmöglich ist, eine globale angemessene Strategie gegen die Pandemie zu entwickeln. In Systemkonkurrenz und Nationalismus gefangen, im Misstrauen der Kapitalinteressen gegeneinander um den jeweiligen Vorteil, wird kein Gremium wie die WHO die strategische Führung übernehmen können, um mit Technologietransfer und Freigabe der Patentrechte auf die Impfstoffe deren weltweite Produktion zu steigern und dezentral zu organisieren. Da Ihr unfähig seid eine entschlossene internationale strategische Führung zu bilden, bleiben alle Eure Anstrengungen ungenügend, Eure globale Impfquote bleibt weit hinter den Infektionen zurück. Der einzelne nationale Erfolg wird von der Fahrlässigkeit der anderen aufgezehrt. Für uns Viren perfekt: diese Halbherzigkeit erzeugt ein Nebeneinander von vollständig und unvollständig Geimpften, Genesenen und Ungeimpften, bei gleichzeitiger Verbreitung des Virus in allen Gruppierungen. Dies ist für uns die beste Voraussetzung für Mutationen, die Eure Immunität umgehen. In der Sprache der Kriegstheorie gesprochen: auch die respektablen Erfolge und Ergebnisse Eurer Elitetruppe, der international vernetzten und kooperierenden Forschung und Wissenschaft, die seit fast zwei Jahren in den Ausnahmezustand versetzt aufklären und uns bekämpfen, verpuffen ohne eine tiefe strategische Wirksamkeit eines Plans.

„So bringt sich der umsichtige Kämpfer in eine Position, die die Niederlage unmöglich macht, und er versäumt nicht den richtigen Augenblick, den Feind zu schlagen“.

(Sunzi, die Kunst des Krieges, um 500 BC)

Die Begriffe Offensive und Defensive behagen Euch nicht, sie würden uns als gleichwertigen Gegner erscheinen lassen, die Auseinandersetzung als offenen Schlagabtausch mit ungewissem Ausgang, die Zähigkeit, Entschlossenheit und kaltes Kalkül erfordert. Eure besorgten Anführer*innen simulieren Kontrolle, wollen schnellstmöglich wieder zu Normalität zurückkehren, und suchen jedes argumentative Schlupfloch, um sich endlich von der Pandemie abzuwenden. Die Produktion muss laufen, die Börse floriert, die Kosten werden vergesellschaftet und auf die Werktätigen abgewälzt, und die Aktionäre machen Dividende: so lange ist die Welt noch in Ordnung! Und da dies so ist, wechselt Phlegmatismus mit Hyperaktivität, immer mit der Hoffnung, dass ein Maßnahmenbündel endlich Erfolg hat (und endlich wieder Tourismus, Flugreisen, Konsum stattfindet). Das Ziel ist daher nicht uns zu besiegen, sondern den jeweiligen Binnenmarkt wieder vollumfänglich zur Akkumulation zur Verfügung zu haben. Daher neigen Teile der politischen Klasse dazu die Lage schönzufärben, zu verharmlosen und zu leugnen, weit über die Rechtspopulisten hinaus.

Zwei Jahre Pandemie haben tiefe Spuren in Eure defensive Verteidigungslinie geschlagen. Das Gesundheitspersonal ist dezimiert und erschöpft. Mehr als 115.000 Pflegekräfte sind weltweit nach Schätzungen der WHO an Covid 19- Infektionen gestorben. Zwar sind die verbleibenden Kräfte kampferfahrener und routinierter, doch zahlreiche KollegInnen sind aus verschiedenen Ursachen wie Arbeitsüberlastung weggefallen. Die hochtechnisierte Apparatemedizin der reichen Länder hat nicht mehr genug Personal, um sie zu bedienen. In vielen ärmeren Ländern fehlt es an Schutzausrüstung, und nur Bruchteile der Einsatzkräfte sind geimpft. Dazu kommen taktische Versäumnisse: keine strategische Reserve mehr. Keinen alternativen Plan. Verunsicherung und sinkende Motivation. Keine tiefe Mobilisierung im entscheidenden Moment – anstatt dass alle impften, die impfen konnten, ob Betriebsärzt*innen, Apotheken oder Fachärzt*innen, anstatt dass den motiviert Einsatzbereiten ausreichend Impfstoff zur Verfügung stand, blieb in manchen Ländern die „Impfoffensive“ in der schlechten Vorbereitung und logistischen Desorganisation stecken und erreichte Ihre Ziele nicht. Die Eitelkeit von überforderten Provinzfürsten, Kirchturmpolitik, bürokratische Kopfgeburten, hektische Ersatzhandlungen ohne Effekt, falsche Interpretationen der Lage, Trägheit, die sich als Besonnenheit tarnt, mangelnde Courage und Entschiedenheit, Verantwortungslosigkeit und deren Verschiebung in formale Zuständigkeiten tun ihr Übriges, um Euren „Krieg“ zu einem Unternehmen zu machen, das nur wegen des hohen persönlichen Einsatzes der vielen Werktätigen in den Krisenstäben, im Gesundheits- und Rettungsdienst, in Kommunen, Institutionen und Forschung noch nicht zusammengebrochen ist. Doch wie lang und wird diese Front noch halten, wenn die Offensiven keine Entlastung bringen, da zu spät, halbherzig, und zu unzulänglich? Israel begann im Juli mit der dritten Impfung. Andere Länder folgten diesem Beispiel nicht. Obwohl das Wissen im Sommer vorhanden war, dass die Schutzwirkung von zwei Impfungen nicht ausreicht und immer stärker nachlässt, wurde zum Beispiel in Deutschland immer noch von einer vollständigen Impfung nach zwei Dosen gesprochen.  Die wachsende Zahl der Impfdurchbrüche waren bekannt. Trotzdem wurden im September sogar die Impfzentren geschlossen, als wäre die Schlacht geschlagen.

Nun vergleicht euer Tempo mit unserem, unsere Fortschritte mit Euren! Wir haben keine strategische Führung, keinen Plan, uns als Schwarmintelligenz zu bezeichnen wäre vermessen. Es ist die naturgesetzliche Unerbittlichkeit eines genetischen Programms, das evolutionäre Chancen und ökologische Bedingungen braucht, die unserer globalen Pandemie die Kraft geben. Unsere Offensivfähigkeit -leichter in Euch einzudringen, infektiöser zu werden, sich schneller vermehren – und Defensivkraft – das Entkommen vor Eurer Immunabwehr und Impfschutz – entwickelt sich immer weiter, und jedes erfolgreichere Modell setzt sich innerhalb von Monaten weltweit durch. Wir verkraften alle Verluste, weichen zurück, um umso stärker wiederzukommen. „Wir“ sind eine funktionierende Kooperation, eine geschlossene Formation, nur unserer Reproduktion und evolutionärer Anpassung an ökologische Bedingungen verpflichtet. Die Einfachheit unseres Zwecks gibt uns einen großen Vorsprung. Dazu ist die von Euch mitproduzierte Ökologie der Pandemie ideal für uns – und nicht nur für Corona-Viren. Zu wessen Gunsten senkt sich jetzt die Waage?

„Lasciate ogne speranza, voi ch’intrate“: „Gebt alle Hoffnung auf, die ihr hier eintretet“

(aus Dantes Inferno, Die göttliche Komödie, Inschrift auf dem Tor zur Hölle, 1307-21)

Jetzt noch etwas zu Euch persönlich. Eigentlich wollen wir uns zu Eurer Polarisierung zwischen „Coronabefürwortern“ (wer soll das sein?), und „Coronagegnern“ (uns gibt seit Millionen Jahren – was bringt es, dass ihr gegen uns seid?), nicht äußern – diese „Meinungsunterschiede“ erscheinen uns reichlich absurd. Es erscheint an dieser Stelle angebracht von Begriffsverwirrung zu sprechen. Für uns ist es nur vorteilhaft, wenn Ihr Euch gegenseitig bekämpft, und nicht uns. Manche von uns sind der Auffassung, dass, obwohl wir tatsächlich nur zentral auf Eure Atemorgane wirken, in irgendeiner uns rätselhaften Weise dazu beitragen, dass Ihr psychisch und kognitiv dekompensiert, ohne dass eine Infektion vorliegt – wir mutmaßen, dass es die Angst vor der Krankheit und die Angstabwehr ist, die unabhängig von einer Erkrankung zu diesen Überforderungsreaktionen führen. Immerhin Eure Körper sind rational – sie reagieren unterschiedslos – ob „Befürworter“ oder „Gegner“ – auf Infektionen mit Antikörperbildung und bilden spezifische T-Zellen aus, die uns angreifen. Nun, genau dieses seit Millionen Jahren körpereigene erprobte und effektive Abwehrsystem wird durch Impfungen gestärkt und unterstützt. Da wir neuartig für Eure Körper sind, außer Ihr habt eine erworbene Kreuzimmunität aufgrund einer zurückliegenden Infektion mit einem verwandten Coronavirus, funktioniert Euer Abwehrsystem in zehn von hundert Fällen nicht effektiv. Das, was Ihr als Ausnahmezustand beklagt, soll (öfters ineffektiv, verspätet, übertrieben, verunsichernd schlecht kommuniziert und vorbereitet), soll Euch vor einem körperlichen Ausnahmezustand schützen. Dieser Ausnahmezustand beginnt, wenn wir den ersten Ansturm von Interferonen und Makrophagen überstanden haben und tiefer in Eure Atemwege eindringen. Kommen wir bis in Euer Lungengewebe, und setzen uns zwischen den Lungenbläschen fest und zerstören die Epithelzellen, beginnt Euer Todeskampf. Flüssigkeit füllt die Aviolen, so dass Ihr das Gefühl bekommt zu ertrinken, weil Euer Körper nicht genug Sauerstoff bekommt. Ist die Lunge stark entzündet, verengen sich die Blutgefäße und dadurch steigt der Druck, gegen den das Herz anpumpen muss, vor allem im rechten Teil des Herzens. Bald habt Ihr keine Kraft mehr zu atmen. Zusätzlich können wir oder uns folgende bakterielle Infektionen über die Blutbahn in den ganzen Körper eindringen, und eine schwere Sepsis auslösen. Euer entgleistes, überschießend regierendes Immunsystem, der Zytokinsturm, schädigt entzündete Organe, es kommt zum multiplen Organversagen und septischen Kreislaufschock.

Euch fehlt der Instinkt, wie Ihr einer unsichtbaren Gefahr begegnet. Greifen Wölfe eine Herde an, flieht die Herde möglichst geschlossen, weil sich so die Überlebenschancen aller Mitglieder erhöhen. Nur kranke und verletzte Tiere bleiben zurück. Wird eine Herde von einer Viruserkrankung befallen, ändern sie ihr Sozialverhalten nicht. Ihr Menschen habt Wege gefunden, Eure begrenzte sinnliche Körperwahrnehmung und fehlenden Instinkt technisch und wissenschaftlich zu erweitern, Euch ist es durch Logik und Erkenntnis, Überprüfung und Vergleich möglich Euer Weltwissen zu vertiefen. Ihr könnt wirksame Gegenmaßnahmen, Medikamente und medizinischen Fortschritt aufgrund wissenschaftlicher Forschung entdecken, auf der Basis von Felderfahrung einer jedoch vielen Menschen fremden Wissenschaft, die eine unbekannte Sprache spricht. Da Euch eine sinnliche Nachvollziehbarkeit fehlt, die Gefahr unergründlich ist, macht Ihr immer wieder denselben Fehler. Es fällt Euch unglaublich schwer zu verstehen, dass Ihr keine Kontrolle habt, dass es eine fremde Welt gibt, die Ihr nicht beherrscht, nicht kontrolliert, und in der Ihr nichts weiter seid als ein ökologisches System. Es kann doch nicht nur ein einfaches Virus sein, dass Eure Welt zusammenstürzen lässt! Wenn nicht Zeus, dann wenigstens Bill Gates, anstelle des streitenden Olymps der Götter über Troja immerhin die Illuminaten oder „die Pharmaindustrie“ – ein Goliath muss her, ein lächerlicher David mit der Schleuder ist ein zu unehrenhafter Gegner. Ein Einzeller, der keiner ist!

In der Regierungszeit von Thabo Mbeki (1999 bis 2009) weigerte sich die südafrikanische Regierung antiretrovirale Mittel einzusetzen, da sie das HI-Virus als Krankheitsursache von AIDS leugnete. Mehrere hunderttausend Menschen fielen dieser Politik zum Opfer. Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika flohen Infizierte zu traditionellen Heilerinnen. Eine der Heilerinnen starb gemeinsam mit ihren Patienten, und außerdem viele der Trauergäste der Begräbnisfeierlichkeiten. Sie konnte die „bösen Geister“ mit Kräutermedizin und Gesänge nicht vertreiben. Sogar die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ wurden angegriffen, aus Angst sie würden Organe entnehmen oder sogar Ebola verbreiten und nicht helfen und heilen wollen. Die Angriffe auf die Mediziner behinderte die Pandemiebekämpfung und verschlimmerte die Lage. Erst als die Toten sich in den Straßen von Monrovia stapelten begriffen die Menschen, „Ebola ist Realität – Ebola tötet. Ebola bringt mich um, wenn ich nicht ein oder zwei Dinge anders mache. Die Angst war gewaltig, und niemand wusste, was es war. Sie kannten den Unterschied zwischen einem Virus und einem Bakterium oder was auch immer nicht, aber sie wussten, dass sie etwas anders machen mussten …“ (Bruce Aylward, WHO-Vize-Generaldirektor)

Wir sind also nicht das erste Virus, das Ergebnis von politischen Komplotten, Biowaffenprogrammen, Pharmainteressen oder genetischer Manipulation (Dinge, die es tatsächlich gibt und gegeben hat) sein sollte. Anstatt „einfach“ wahrzunehmen, wie eine veränderte Ökologie zum Überspringen tierischer Viren wie HI-V (Menschenaffen), Ebola und Sars CoV-2 (Fledermäuse) auf die menschliche Gattung führt, und wie sich diese Pandemien beschleunigt global ausbreiten, musste es sich um bösartige Verschwörungen handeln, die sowieso existierendes Misstrauen in den Gesellschaften virulent macht. Wie soll einer Industrie vertraut werden, deren Hauptzweck ist, Profit zu machen, und zu verkaufen? Nein, die Pharmaindustrie verkauft Gesundheit, sie ist kein altruistischer Wohltätigkeitsverein. Alles andere wäre auch überraschend – man muss in einer großen Illusion gelebt haben, wenn die Entdeckung der kapitalistischen Normalität in der Pandemie zum persönlichen Erweckungserlebnis wird.

Niemand spricht heute mehr über die sogenannten AIDS-Virus-Leugner, Ihre Hypothesen sind restlos an der Realität untergegangen. Und es ist absehbar, dass es den Impfgegner*innen und Pandemieleugnern heute ähnlich ergehen wird. Sie haben sich in eine Sackgasse manövriert, aus der sie nicht mehr herauskommen werden.

Der medizinische Erfolg gegen die Viren hat dazu geführt, dass die Ursachen der Pandemien wieder vergessen werden. Erleichtert wird aufgeatmet und weitergemacht wie bisher. Zika-Ausbrüche in Brasilien passten nicht zu den olympischen Sommerspielen 2016, die SARS-Epidemie 2003 führte zur Einstellung des Flugverkehrs nach Südostasien und zum Einbruch der Börsenkurse, solche unangenehmen Erinnerungen werden möglichst schnell verdrängt oder zur mythischen Erzählung eingeschmolzen. Diese Realitätsverleugnung ist phänomenal, vergleichbar mit Eurem Wunderglauben, dass der 2. Hauptsatz der Thermodynamik für den Kapitalismus keine Gültigkeit besitzt. Vielleicht kapituliert Eure Seele aber auch einfach vor der Unmenge der Toten, und der Unmöglichkeit zu trauern. Werden die Toten dieser Pandemie in der gesellschaftlichen Erinnerung bleiben?

„Wer den Krieg mitgemacht hat, weiß kaum noch, was ein Toter ist. Und da ein toter Mensch dann etwas wiegt, wenn man ihn tot gesehen hat, sind hundert Millionen über die Geschichte verstreute Leichen nichts als Rauch in der Einbildung.“

(Albert Camus, Die Pest, 1962)

Dies ist unsere letzte Warnung. Eine weitere folgt nicht mehr.

Emil Goldmann | 30.November 2021

Teil I findet ihr hier:

„Apokalypse now“ oder „Die Unerträglichkeit des Seins“. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

 

 

 

Aufrufe: 353

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.