Erich Fried – ein wunderbarer Stören-Fried, der total fehlt

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Erich Fried – ein wunderbarer Stören-Fried, der total fehlt

Am 6. Mai 2021 jährt sich der 100. Geburtstag von Erich Fried. Er war Marxist, er war Dichter, er war politisch aktiv, mischte sich ein, bevorzugt dort, wo man sich keine Medaillen holt.

Lesung in Berlin 1984 Quelle: Matthias Reichelt

Ich empfand es in den 1970 Jahren als eine großartige Erfahrung, dass Erich Fried sehr oft dabei war, wenn es im Hörsaal VI an der Frankfurter Uni hoch herging. Es ging im Großen und Ganzen um einen revolutionären Kampf, um Gegenmacht, um die Notwendigkeit der Militanz … um alle die unterschiedlichen Bedeutungen davon … und um Gedichte, die Erich Fried vorgetragen hat, als wolle er lange Referate in drei, vier Strophen zusammenfassen.

Es waren Verschnaufspausen, Rosenblätter und Metallspäne.

Er würde heute mehr denn je guttun.

Moshe Zuckermann hat am Ende eines Interviews einige Aphorismen von Erich Fried erwähnt, die ihm wichtig sind:

Das Reich der Freiheit ist im Reich der Notwendigkeit ein notwendiger Traum.

Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.

Ich würde unbedingt, gerade in dieser Zeit ein recht kurzes Gedicht hinzufügen, das an Genauigkeit und Schärfe nicht zu überbieten ist:

Ein Faschist, der nichts ist

als ein Faschist,

ist ein Faschist.

Aber ein Antifaschist,

der nichts ist

als ein Antifaschist,

ist kein Antifaschist!

 

Erich Fried (ganz links) …Rudi Dutschke (Mitte) 1968

 

Und am Ende zwei Gedanke, der über das (eigene)  Leben hinausragen.

Der erste Gedanke ist heute furchtbar aktuell. Wie geht man mit Dissens um? Wie halten wir Widersprüche aus, wie gehen wir mit Entfremdungen um, die mit und um uns stattfinden ? Dazu schrieb Erich Fried 1981:

Man dürfe einen erkannten Irrweg nicht weitergehen, auch nicht aus Liebe zu Freunden, aber auch nicht aus Enttäuschung über den Irrweg auf einen Stein steigen und schreien „Es gibt überhaupt keinen Weg mehr!“ Und ich darf auch nicht hingehen zu denen, die sitzen auf ihrer Bank und sich freuen an der Angst der Verirrten. Mich zu ihnen setzen und mich verbeugen, wie recht Ihr hattet, dass Ihr nie einen Weg gesucht habt. (aus: „Irrwege“ 1981)

Und doch und gerade deshalb:

Der Zorn auf das Ungerechte genügt nicht, man muss ihn auch nutzen und etwas unternehmen; das ist Leben.

Wolf Wetzel

 

Dazu gibt es auch ein Buch: In „Gegen Entfremdung“ (Westendverlag, 2021) beleuchten Moshe Zuckermann und Susann Witt-Stahl das dichterische Werk des herausragenden Literaten Fried und sein engagiertes Wirken als Marxist, Friedenskämpfer und Antifaschist: https://www.nachdenkseiten.de/?p=72185

 

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