Es gibt kein richtiges Leben im falschen

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Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Ein Satz von Theodor W. Adorno, der für viel gutes und falsches gut ist.

An diesem Diktum ist viel ernüchterndes, desillusionierendes, wahres dran. Wenn man das so annimmt, dann gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten, mit dieser Erkenntnis umzugehen, sie mit seinem Leben verträglich zu machen.

Die erste ist, erst recht am Richtigen festzuhalten: Das Richtige, also Wahre wie eine Trutzburg gegen das Falsche aufzubauen, sich dahinter zu verschanzen, um von dort aus lautstark das Falsche anzuprangern und zu geißeln.

Diese Haltung ist in esoterischen bis ideologiebeladenen Lebensentwürfen sehr gerne verbreitet.

 

Die zweite Antwort ist die gängigste, man könnte auch Alltagsbewußtsein dazu sagen.

 

Irgendwie weiß man, dass das Richtige, das Wahre bestenfalls eine schöngeistige, kunstreiche und theaterreife Größe ist, der man im wirklichen Leben nicht begegnet. In aller Regel wird gelogen und sich selbst beschissen, in bester Gesellschaft und in dem gutem Gewissen, dass die Wahrheit eh niemand interessiert, dass es auf sie nicht ankommt, wenn’s drauf ankommt.

Wenn das so ist, dann kann man also gleich so richtig auf das Falsche setzen, die Sau rauslassen, anstatt zwischen dem richtigen und falschen herumzuspringen und sich darin zu verheddern – was sehr unentschlossen aussieht.

 

 

Die schwierigste Antwort auf dieses Diktum bedeutet, sich nicht auf die eine oder andere Seite zu schlagen.

Dann wäre der nächste Schritt, diesen Widerspruch nicht einfach auszuhalten, sondern in ihm zu agieren, indem man das Richtige nicht leugnet, selbst wenn man das Falsche tut, indem man auf dem Richtigen besteht, selbst wenn man sich dem Falschen beugt.

Dann wird das Richtige und das Falsche nicht zu einer individuellen Charakterprobe, sondern bleibt, was es ist: ein Herrschaftsverhältnis.

Wolf Wetzel

20.8.2018

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